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Herman Heijermans

Bluff

Roman

Herman Heijermans

Bluff

Roman

Veröffentlicht im Null Papier Verlag, 2019
Übersetzung: Else Otten
EV: Rudolf Mosse, Berlin, 1926 (281 S.)
1. Auflage, ISBN 978-3-962814-01-4

null-papier.de/595

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Inhaltsverzeichnis

Ers­tes Ka­pi­tel – Wo­rin es der Teu­fel mit ei­nem ly­ri­schen Schrift­stel­ler, ei­nem Ban­kier und ei­nem Ho­tel­dieb zu tun be­kommt.

Zwei­tes Ka­pi­tel – Wo­rin Nä­he­res über den Mul­ti­mil­lio­när Ar­tur Ron­de­el er­zählt wird.

Drit­tes Ka­pi­tel – Wo­rin Nä­he­res über den Schrift­stel­ler Hans Thys­sen, Mit­glied des Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­li­chen Ver­eins, mit­ge­teilt wird.

Vier­tes Ka­pi­tel – Wo­rin nun Nä­he­res über den Ho­tel­dieb Johan Tulp, ge­nannt Charles Jean Tul­li­pe, be­kannt wird.

Fünf­tes Ka­pi­tel – Wo­rin Na­than Ma­ri­us Du­porc von der Ge­heim­po­li­zei die Not­brem­se zieht.

Sechs­tes Ka­pi­tel – Was Schreck­li­ches in dem Zuge ge­sche­hen, und in wel­ches La­by­rinth der Kri­mi­nal­kom­missar ge­ra­ten war.

Sie­ben­tes Ka­pi­tel – Die Vor­le­sung von Hans Wil­lem Adriaan Thys­sen in Dordrecht fin­det nicht statt, und Jaapje Eek­horn macht im Ho­tel Pon­sen eine Ent­de­ckung.

Ach­tes Ka­pi­tel – Ein Ho­tel, in dem we­nig ge­schla­fen, viel ge­wa­schen und ge­häm­mert wird und die Gäs­te auf nüch­ter­nen Ma­gen ihre Rech­nung be­zah­len, aber aufs Früh­stück ver­zich­ten.

Neun­tes Ka­pi­tel – Ein be­deut­sa­mes Ka­pi­tel, in dem Herr N. M. Du­porc vom Ge­heim­dienst den Zug ver­passt, die Ak­ti­en der »In­ter­na­tio­na­len Bank« für einen Pap­penstiel an der Ams­ter­da­mer Bör­se zu ha­ben sind und Jaapje Eek­horn Da­men­be­such im Wohn­schiff emp­fängt.

Zehn­tes Ka­pi­tel – Wo­rin Jaapje Eek­horn den Flirt sei­nes Bu­sen­freun­des fort­setzt, eine Ver­lo­bung auf nie­der­träch­ti­ge Art auf­ge­ho­ben und Klot­hil­de Ron­de­el mit herz­li­chen Teil­nah­me­be­wei­sen über­schüt­tet wird.

Elf­tes Ka­pi­tel – Wo­rin Klot­hil­de eine et­was hoch­tra­ben­de Rol­le spielt, Na­than Du­porc ei­ni­ge nächt­li­che Be­su­che ab­stat­tet, bei Mon­den­schein auf dem Damm ein paar ge­wal­ti­ge Luft­sprün­ge macht und die Con­nie vom No­tar die Feu­er­wehr alar­miert.

Zwölf­tes Ka­pi­tel – Ein neu­es, höchst be­weg­tes Ka­pi­tel, worin der Kri­mi­nal­kom­missar die Er­fah­rung macht, dass man mit Stel­zen auf un­be­kann­ten Pfa­den nicht gut vor­wärts kommt; worin fer­ner Jaapje Eek­horn durch einen mit­lei­di­gen Hel­fer in der Not ge­ret­tet, aber dank sei­ner Mund­stück­ma­nie wie­der ver­ra­ten wird und in ei­nem schwa­chen Au­gen­blick sel­ber an Ver­rat denkt; und worin end­lich Na­than Ma­ri­us Du­porc sein Licht in Aer­den­hout leuch­ten lässt.

Drei­zehn­tes Ka­pi­tel – Wo­rin der Kom­missar das Ga­st­recht ver­letzt und die Be­kannt­schaft ei­nes höchst un­ge­nieß­ba­ren Kol­le­gen macht, No­tars Con­nie mit Schil­ler­lo­cken trak­tiert wird und sel­ber was zum bes­ten gibt, wäh­rend eine che­mi­sche Un­ter­su­chung die Ver­mu­tun­gen Du­porcs auf eine auch für ihn über­ra­schen­de Wei­se be­stä­tigt.

Vier­zehn­tes Ka­pi­tel – Wo­rin Na­than Ma­ri­us Du­porc einen aus­führ­li­chen Be­richt schreibt und sei­ne Cou­si­ne Anna den fins­te­ren Pfad der Sün­de be­tritt – Hans Thys­sen mit 30 So­net­ten und dem Ent­wurf zu zwei neu­en Dra­men aus der Haft ent­las­sen wird – Jo­se­phus Bok, Rit­ter der Ehren­le­gi­on, aus der Ef­fek­ten­bör­se hin­aus­ge­wor­fen wer­den soll – Charles Jean Tul­li­pe eine edle Rol­le spielt – und ver­schie­de­ne an­de­re höchst in­ter­essan­te Er­eig­nis­se sich zu­tra­gen, die sich zu Be­ginn die­ses Ka­pi­tels noch nicht alle auf­zäh­len las­sen, weil ein ge­schick­ter Ro­man­schrei­ber nicht all sein Pul­ver schon vor­her ver­schies­sen darf.

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Erstes Kapitel – Worin es der Teufel mit einem lyrischen Schriftsteller, einem Bankier und einem Hoteldieb zu tun bekommt.

An ei­nem au­ßer­ge­wöhn­lich düs­te­ren Nach­mit­tag, an dem der Him­mel so voll schwar­zer Wol­ken und Un­wet­ter­dro­hun­gen hing, dass in vie­len Woh­nun­gen schon früh­zei­tig Licht hin­ter den Fens­ter­vor­hän­gen brann­te, hat­te ein Schrift­stel­ler, der er­käl­tet war, sei­ne Füs­se in lau­war­mes Was­ser ge­steckt und war dar­über ein­ge­nickt; ein viel­fa­cher Mil­lio­när saß mit ei­ner Zi­ga­ret­te zwi­schen den vol­len Lip­pen einen Au­gen­blick aus­ru­hend in sei­nem Klub­ses­sel, und der Ho­tel­dieb zün­de­te sich eine zu fest ge­stopf­te und dar­um schlecht bren­nen­de Pfei­fe an.

Die­se drei Men­schen hat­ten nichts mit­ein­an­der ge­mein als eben die­ses Eine: dass sie Men­schen wa­ren – aber Men­schen al­ler­ver­schie­dens­ter Art.

Sie kann­ten ein­an­der nicht.

*

Der Schrift­stel­ler be­wohn­te ein Zim­mer mit Schlaf­kam­mer in ei­nem klein­bür­ger­li­chen, doch sehr an­stän­di­gen Vier­tel. Der Ban­kier nann­te, un­ter an­de­rem, eine fürst­lich ein­ge­rich­te­te Woh­nung im vor­nehms­ten Stadt­teil Ams­ter­dams, hin­ter dem Reichs­mu­se­um, sein ei­gen. Der Ho­tel­dieb schweif­te bald hier, bald dort hin; er hat­te letzthin im Volks­hau­se Ob­dach ge­fun­den und leb­te jetzt, takt­voll zu­rück­ge­zo­gen, bei ei­nem Bu­sen­freund in ei­nem Wohn­schiff, das an ei­nem Kai fest­ge­macht hat­te.

»Das ist eine hüb­sche Mus­ter­kol­lek­ti­on«, dach­te der Teu­fel und klopf­te an.

»He­rein«, sag­te der Schrift­stel­ler, »aber, bit­te, se­hen Sie sich nicht um und neh­men Sie kei­nen An­sto­ss an mei­nem Auf­zug! Ich habe mich er­käl­tet, muss aber heu­te Abend ver­rei­sen, und weil der Mensch nie weiss, was über ihm schwebt, und was ihm pas­sie­ren kann, wa­sche ich mir die Füs­se, wie ich mir auch die See­le von Gift und Gal­le ge­gen die Mensch­heit rein­wa­schen möch­te, die mich schmäh­lich im Sti­che Iässt.«

»Wir wer­den viel mit­ein­an­der zu tun krie­gen«, sprach der Teu­fel lä­chelnd.

*

»He­rein!« rief der Ban­kier. »Bit­te, neh­men Sie doch eine Zi­ga­ret­te. Ich ruhe mich einen Au­gen­blick von mei­nen end­lo­sen Kon­fe­ren­zen aus. Man reibt sich schliess­lich ganz auf. Man wirt­schaf­tet mit sei­nen Ner­ven drauf los und ver­raucht eine Schach­tel Zi­ga­ret­ten nach der an­de­ren. Ich muss heu­te Abend in Beglei­tung ei­nes mei­ner Freun­de und mei­nes Se­kre­tärs ver­rei­sen. Wir brin­gen ein Ka­pi­tal von un­schätz­ba­rem Wert in zwei Hand­kof­fern fort. Aber wir sind zu dritt und be­waff­net.«

»Ich wer­de die Sa­che im Auge be­hal­ten«, sprach der Teu­fel lä­chelnd.

*

»Was soll denn das?« rief der Ho­tel­die­b und fuhr hoch, wo­bei aus der gleich­falls hoch­fah­ren­den Pfei­fe Fun­ken in die Rit­zen des Fuss­bo­dens im Wohn­schiff fie­len. »Ich schät­ze das nicht, wenn je­mand so heim­lich an Bord kommt! Ich tue hier noch ein paar Züge aus mei­ner Pfei­fe, ehe ich mei­nen Kof­fer pa­cke. Ich muss heu­te Abend sehr drin­gend ver­rei­sen, und die vo­ri­ge Nacht bin ich auch nicht ins Bett ge­kom­men. Ich war mit mei­nem Kol­le­gen auf Tour, aber es war nichts zu ho­len. Ich ar­bei­te am liebs­ten in in­ter­na­tio­na­len Ho­tels und in in­ter­na­tio­na­len Zü­gen. Schnüf­feln Sie nicht so her­um! Dies ist nur der ge­sun­de Ge­ruch von Chlo­ro­form; da­mit er­rei­che ich mehr als mit ei­nem ge­räusch­vol­len Brow­ning, ob­gleich man auch die­sen für den Not­fall nicht gänz­lich aus­schal­ten darf. Pfei­fe ge­fäl­lig?«

»Dan­ke. Wir bei­de ha­ben uns nicht zum letz­ten Male ge­se­hen«, mein­te der Teu­fel und lä­chel­te wie­der.

*

Drei­mal hat­te er auf die glei­che Art ge­lä­chelt. Kein Zwei­fel: es war eine hüb­sche Mus­ter­kol­lek­ti­on: der Schrift­stel­ler A; der Ban­kier B; der Ho­tel­dieb C.

Und auf sei­ne Man­schet­te zeich­ne­te er mit ein paar ra­schen Blei­stift­stri­chen ein Drei­eck:

Zweites Kapitel – Worin Näheres über den Multimillionär Artur Rondeel erzählt wird.

Das lu­xu­ri­öse Rei­se­au­to des Herrn Ar­tur Ron­de­el, Haup­t­in­ha­bers der In­ter­na­tio­na­len Bank, hielt vor den ver­git­ter­ten Fens­tern des Bank­ge­bäu­des auf der Kai­sers­gracht. Wäre es Früh­jahr oder Som­mer und wäre die gan­ze Lage we­ni­ger be­ängs­ti­gend ge­we­sen, so wür­de Herr Ron­de­el ver­mut­lich die gan­ze Fahrt in sei­nem Lu­xus­wa­gen zu­rück­ge­legt ha­ben, statt den Pa­ri­ser D-Zug zu be­nut­zen. Nun aber war die An­ge­le­gen­heit nicht nur sehr drin­gend, son­dern sie muss­te auch so dis­kret wie mög­lich be­han­delt wer­den – an der Bör­se war oh­ne­dies schon et­was durch­ge­si­ckert – wohl nicht das Rich­ti­ge, aber doch im­mer­hin et­was, und das hat­te na­tür­lich zur Fol­ge, dass die Ak­ti­en der In­ter­na­tio­na­len Bank, die in den letz­ten Jah­ren oh­ne­hin schon un­ter Pari ge­fal­len wa­ren (trotz ei­ner Di­vi­den­de von acht Pro­zent und ei­ner Re­ser­ve von dreis­sig Pro­zent des Ak­ti­en­ka­pi­tals!), noch wei­ter her­un­ter­gin­gen. In­ner­halb we­ni­ger Tage muss­te al­les mit den Ver­tre­tern der Re­gie­rung ins Rei­ne ge­bracht wer­den. Oben­drein muss­te Herr Ar­tur Ron­de­el bis spä­tes­tens Don­ners­tag zu­rück sein, um der Trau­ung sei­ner ein­zi­gen Toch­ter Klot­hil­de bei­zu­woh­nen. Die Hoch­zeits­fei­er soll­te das glän­zends­te Fest wer­den, das noch je in Pri­vat­krei­sen ge­fei­ert wor­den war. Das Pro­gramm um­fass­te drei Tage: Diens­tag, Mitt­woch, Don­ners­tag. Diens­tags die Fahrt auf ei­nem der Pas­sa­gier­schif­fe der See­fahrts­ge­sell­schaft, in de­ren Auf­sichts­rat Herr Ron­de­el als Vor­sit­zen­der saß. Mitt­wochs Di­ner mit Ball und großem Or­che­s­ter in der fürst­li­chen Vil­la draus­sen in Aer­den­hout. Don­ners­tags Lunch im Pa­vil­lon des Von­del­parks, Empfang in der Stadt­woh­nung und Son­der­vor­stel­lung im Stadt­thea­ter.

Es soll­ten Tage und Näch­te vol­ler Über­ra­schun­gen wer­den, und Herr Ron­de­el, der seit zehn Jah­ren Wit­wer war, hät­te auch nicht um der größ­ten Trans­ak­ti­on wil­len die­ses Fest ver­säu­men mö­gen.

*

Im Pri­vat­kon­tor der Di­rek­ti­on gab es ein ner­vö­ses Has­ten, um al­les zur Rei­se fer­tig­zu­ma­chen.

Es war schon öf­ter fie­ber­haft zu­ge­gan­gen. Ein­mal, wäh­rend ei­ner je­ner Bör­sen­pe­ri­oden mit nur müh­sam un­ter­drück­ten Pa­nik­stim­mun­gen, hat­te Herr Ron­de­el sei­ne Angst vor dem Schwin­de­lig­wer­den tap­fer un­ter­drückt und war an ei­nem Tage nach Lon­don hin und zu­rück ge­flo­gen; und an je­nem Tage hat­te es in dem lu­xu­ri­ös ein­ge­rich­te­ten Pri­vat­kon­tor mit den wun­der­vol­len Ma­ha­go­ni­mö­beln und den kris­tal­le­nen Wand­leuch­tern und Lüs­ter­kro­nen wort­wört­lich Sturm ge­ge­ben. Die Pro­ku­ris­ten, die zwar nicht alle Fi­nes­sen des Ge­ne­ral­sta­bes und der Trans­ak­tio­nen großen Stils kann­ten, schätz­ten im­mer­hin den Ge­winn die­ses Ta­ges auf ein paar Mil­lio­nen hol­län­di­scher Gul­den. Herr Ar­tur Ron­de­el hat­te pri­va­tim kon­se­quent in Kro­nen, Mark, ja so­gar in Fran­cs à la bais­se spe­ku­liert. Kei­ner der An­ge­stell­ten – und ihre Zahl war Le­gi­on – er­in­ner­te sich, je­mals eine auf­ge­räum­te­re, be­trieb­sa­me­re, fro­he­re Stim­mung in den Pri­vat­kon­tors er­lebt zu ha­ben, wie wäh­rend der Ab­we­sen­heit des Herrn Ron­de­el, für den sein baum­lan­ger Kom­pa­gnon Jo­nes, ein ge­bo­re­ner Eng­län­der, die Ge­schäf­te führ­te.

Sämt­li­che Te­le­fon­lei­tun­gen – elf Haupt- und sie­ben Ne­ben­an­schlüs­se – wa­ren schon vor Be­ginn der Bör­sen­zeit und bis spät in den Abend hin­ein un­un­ter­bro­chen be­setzt, und draht­lo­se Te­le­gram­me hat­te es nur so ge­reg­net.

Aber auch dies­mal hat­te es Stun­den ge­ge­ben, die an je­nen his­to­ri­schen Tag er­in­ner­ten.

Der alte Jo­nes, der sonst stets gu­ter Lau­ne war, brumm­te, schimpf­te und schnauz­te die An­ge­stell­ten an, die ihn um Un­ter­schrif­ten ba­ten. Der jun­ge Hen­ry Jo­nes, der Don­ners­tag mit Klot­hil­de ge­traut wer­den soll­te, war ganz bleich. Der Sub­di­rek­tor Co­che­fort, sonst das ver­kör­per­te Phleg­ma, dem kein Mensch an vor­neh­mer Zu­rück­hal­tung gleich­kam, nahm zwei – drei Stu­fen auf ein­mal und sprang die schwarz­mar­mor­nen Wen­del­trep­pen zum obe­ren Flur em­por, als gin­ge ihm heu­te al­les zu lang­sam und als säs­se ihm je­mand auf den Fer­sen. Kik­ker hin­ge­gen, der tol­le Jan Kik­ker, der denk­bar hei­ters­te al­ler Di­rek­ti­ons­se­kre­tä­re, der all­zeit scher­zen­de Tur­ner, der nur ein­mal ein paar Tage aus sei­nem ge­wohn­ten Ton ge­fal­len war, als Klot­hil­de, der er hef­tig den Hof ge­macht hat­te, die Braut des jun­gen Jo­nes ge­wor­den war – Kik­ker also war heu­te so ru­hig und ge­mes­sen, als läge ihm die Rei­se nach Pa­ris, die er als Ver­trau­ens­mann mit dem Ban­kier un­ter­neh­men soll­te – eine Rei­se, um die das gan­ze üb­ri­ge Per­so­nal ihn be­nei­de­te – sehr schwer im Ma­gen.

Um ein Vier­tel nach fünf Uhr lehn­te sich Herr Ar­tur Ron­de­el, völ­lig er­schöpft von den un­zäh­li­gen Be­spre­chun­gen und Kon­fe­ren­zen, einen Au­gen­blick in sei­nen Klub­ses­sel zu­rück, steck­te sich die so­und­so­viel­te Zi­ga­ret­te zwi­schen die Lip­pen, und kein Sterb­li­cher, we­der sein So­zi­us, noch sein zu­künf­ti­ger Schwie­ger­sohn, noch sein Se­kre­tär, hät­te es ge­wagt, ihn wäh­rend die­ser we­ni­gen Mi­nu­ten der Ruhe zu stö­ren, nach­dem er ganz schlicht ge­sagt hat­te: »Lasst mich jetzt einen Au­gen­blick al­lein, be­vor ich in den Wa­gen stei­ge. Ich bin für kei­nen Men­schen zu spre­chen.«

Des Uner­müd­li­chen Kopf mit den noch ju­gend­li­chen Ge­sichts­zü­gen un­ter dem brau­nen Haar, dem wohl­ge­pfleg­ten Schnurr­bart und dem klei­nen Spitz­bart à la Na­po­le­on III. lehn­te sich einen kur­z­en Au­gen­blick müde hin­ten­über und ge­wahr­te da­bei das dreis­te Lä­cheln des großen See­len­ver­der­bers.

Dann schloss er die Au­gen, war einen Au­gen­blick der Welt und dem Fie­ber des Ta­ges ent­rückt.

Da läu­te­te das Haus­te­le­fon trotz des stren­gen Ver­bo­tes und woll­te nicht ver­stum­men.

»Wer ist denn da?« frag­te der Ban­kier zor­nig, »ich habe doch ge­sagt …«

»Ich!« rief eine Stim­me.

»Wer ist ich?« frag­te der in sei­ner Ruhe Ge­stör­te, und sei­ne Stim­me klang sehr we­nig freund­lich.

»Joo­pie«, er­wi­der­te der Stö­ren­fried la­chend, weil er des­sen si­cher war, dass er sich so­gar in die­sem vor­neh­men Kai­sers­gracht­hau­se et­was er­lau­ben dürf­te. War er je­mals un­ent­behr­lich ge­we­sen, so war er es die­sen Abend, da er im Be­griff stand, mit sei­nem al­ten Ju­gend­freund Ar­tur eine Spritz­tour nach der Licht­stadt Pa­ris zu un­ter­neh­men.

»Wo sind Sie?« frag­te der Ban­kier, drei­vier­tel wach ge­wor­den.

Jo­se­phus Bok, der frü­he­re Ko­mi­ker, jet­zi­ge Di­rek­tor der All-Risk-Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft, Rit­ter der Ehren­le­gi­on in Aner­ken­nung der Diens­te, die er dem fran­zö­si­schen Staa­te wäh­rend des Krie­ges er­wie­sen, war der ein­zi­ge, der mit ihm fer­tig wer­den konn­te, wenn er von Zeit zu Zeit un­ter hef­ti­gen De­pres­sio­nen litt.

»Ich sit­ze hier im Kon­fe­renz­zim­mer in Ihrem Stuhl und prä­si­die­re mir sel­ber. Es ist bei­na­he halb sechs, und wir müs­sen noch ein paar Be­sor­gun­gen er­le­di­gen. Wol­len Sie erst noch nach Aer­den­hout?«

»Ich hät­te für mein Le­ben gern noch mei­ner Toch­ter Adieu ge­sagt, aber der Pa­ri­ser Ex­press hält nicht in Haar­lem. Nun woll­te ich hier noch in al­ler Ruhe es­sen. Frei­lich, wenn … Kom­men Sie doch zu mir her­über. Te­le­fo­nisch möch­te ich das nicht be­spre­chen. Die Zen­tra­le hat Ohren.«

Ei­nen Au­gen­blick spä­ter streck­te Jo­se­phus Bok, ohne an­zu­klop­fen, sein ge­sun­des, ro­tes, hei­te­res Ge­sicht durch den Tür­spalt.

»Bit­te, neh­men Sie we­nigs­tens einen Au­gen­blick Platz«, sag­te Ar­tur Ron­de­el; »ich habe al­les weg­ge­schickt, um noch ein paar Se­kun­den ru­hig für mich sein zu kön­nen. Ich bin ein we­nig down …«

»Aus­ge­zeich­net«, trös­te­te ihn der alte Spaß­vo­gel, »wenn Sie in sol­cher Stim­mung et­was un­ter­neh­men, schlägt es sel­ten fehl. Men­schen, die nur einen ein­zi­gen Zu­stand ken­nen, lie­be ich nicht. Sind das die Kof­fer mit den be­wuss­ten Pa­pie­ren?«

Der un­ter­setz­te Mann im Klub­ses­sel nick­te. Er schi­en zer­streut. Gleich dar­auf klopf­te es.

»Ja?« rief der Ban­kier.

»Herr Di­rek­tor«, sag­te der Se­kre­tär im Ein­tre­ten, »ich glau­be, es wird Zeit. Gu­ten Tag, Herr Bok.«

»Gu­ten Tag, Kik­ker. Sind Sie auch ein we­nig down?«

»Ich? – aber nein.«

»So las­sen Sie das Ge­päck in den Wa­gen schaf­fen und sa­gen Sie dem Por­tier, er sol­le auf die Kof­fer ach­ten, bis wir sel­ber ein­stei­gen. Oder nein, las­sen Sie ihn lie­ber her­auf­kom­men, wenn ich so­weit bin.«

Als Ron­de­el sein ab­ge­spann­tes Ge­sicht in dem reich­ge­schlif­fe­nen Spie­gel im Ma­ha­go­ni­rah­men ge­wahr­te, er­schrak er sel­ber und wand­te sich dann un­er­war­tet um, als sein Freund und sein ver­trau­ter Se­kre­tär ein­an­der auf so ab­son­der­li­che Art an­sa­hen, dass ihm bei­na­he eine Be­mer­kung dar­über ent­schlüpft wäre. Aber in dem­sel­ben Au­gen­blick er­schi­en der Por­tier, um die Kof­fer zu ho­len, die mit den Schil­dern der bes­ten Ho­tels be­klebt wa­ren, und Co­che­fort, der phleg­ma­ti­sche Sub­di­rek­tor, muss­te noch ein paar Spe­zi­al­voll­mach­ten mit der Un­ter­schrift des Herrn Ron­de­el ha­ben, und der alte Jo­nes muss­te ihm noch et­was zu­flüs­tern, weil er dem all­zeit ver­gnüg­ten Jo­se­phus Bok nicht trau­te, und der jun­ge Jo­nes kam noch im letz­ten Mo­ment mit dem Kre­dit­brief und dem gol­de­nen Füll­fe­der­hal­ter, den sein zu­künf­ti­ger Schwie­ger­va­ter auf sei­nem Schreib­tisch hat­te lie­gen las­sen – dann end­lich be­weg­te sich der Zug durch den mar­mor­nen Vor­raum, an den mar­mor­nen Säu­len ent­lang, in das vol­le Licht der Kon­to­re, durch die ner­vö­se Hast des Be­trie­bes, dann wei­ter durch die Hal­le mit den ge­schlos­se­nen Schal­tern und zu den schwe­ren bron­ze­nen Tü­ren des Ge­bäu­des.

Ar­tur Ron­de­el, der in sei­nem Pelz noch un­ter­setz­ter aus­sah als ge­wöhn­lich, ging an der Sei­te des rie­sen­großen Jo­nes an der Por­tier­lo­ge vor­über – Jo­se­phus Bok er­zähl­te Herrn Jo­nes, der kaum zu­hör­te, einen et­was saf­ti­gen Witz – der Se­kre­tär Kik­ker und der Sub­di­rek­tor tru­gen die ganz harm­los aus­se­hen­den Hand­kof­fer, die un­schätz­ba­re Wer­te ent­hiel­ten.

Der Chauf­feur kur­bel­te an – der Por­tier öff­ne­te den Wa­gen­schlag so weit wie mög­lich – durch die er­leuch­te­ten Fens­ter blick­ten ein paar neu­gie­ri­ge An­ge­stell­te – man nahm Ab­schied. Der Schein ei­ner bren­nen­den Zi­ga­ret­te leuch­te­te im In­nern des Wa­gens auf – dann glitt die­ser ge­räusch­los da­von, und Jan Kik­ker fiel mit ei­nem Ruck in den Sitz zu­rück, weil Jo­se­phus Bok ihn in das Knie kniff, in­des Ar­tur Ron­de­el das elek­tri­sche Licht im Auto an­knips­te.

»So kann man uns pracht­voll se­hen«, sag­te der ehe­ma­li­ge Ko­mi­ker.

»Das wol­len wir ja ge­ra­de«, ant­wor­te­te der Ban­kier lä­chelnd.

Vor dem Haus, in dem der Se­kre­tär ein paar Zim­mer be­wohn­te, hielt das Auto ein paar Mi­nu­ten, weil Kik­ker et­was ver­ges­sen hat­te, und vor der Jung­ge­sel­len­woh­nung des Jo­se­phus Bok hielt es noch ein we­nig län­ger, weil der Di­rek­tor der All-Risk-Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft so viel Ge­päck her­an­schlepp­te, als woll­te er eine Rei­se nach Afri­ka ma­chen – un­ter an­de­rem einen schwer­ge­füll­ten Sack, den er durch­aus nur sel­ber an­fas­sen und nicht dem Chauf­feur an­ver­trau­en woll­te.

Als sie eben fer­tig wa­ren, ging im La­ter­nen­schein ein Mann vor­über und grüss­te Bok höf­lich.

»Wer war das?« frag­te Ar­tur Ron­de­el.

»Ein Idi­ot«, sag­te Jo­se­phus.

»Bit­te drücken Sie sich et­was prä­zi­ser aus«, mein­te der Ban­kier leicht be­un­ru­higt.

»Ein Mon­sieur Ha­be­nichts«, ant­wor­te­te Jo­se­phus Bok la­chend, »ein Zei­len­schin­der, dem ich mal was zu ver­die­nen ge­ge­ben habe. Die span­nen­de No­vel­le in der letz­ten All-Risk-Bro­schü­re, in der eine Fa­mi­lie an ei­nem Tage von Brand, Ein­bruch, Dieb­stahl, Was­ser­rohr­bruch, Bein­bruch des die Trep­pe her­un­ter­ge­fal­le­nen Man­nes, Au­to­un­fall der Frau usw. usw. heim­ge­sucht wur­de, war von ihm. Lang­wei­le ich Sie, Herr Ron­de­el?«

»Von Lang­wei­len kann nicht die Rede sein«, ant­wor­te­te der Di­rek­tor der In­ter­na­tio­na­len Bank höf­lich; »aber Sie spre­chen so ru­hig über lau­ter Din­ge, die mich ab­so­lut nicht in­ter­es­sie­ren, und Sie wis­sen doch, an was für wahn­sin­ni­ge Schwie­rig­kei­ten ich den­ken muss. Ha­ben Sie den Brow­ning mit­ge­nom­men?«

»Bit­te, hier«, sag­te der Se­kre­tär und griff nach sei­ner Ho­sen­ta­sche.

»Nicht her­aus­neh­men!« sag­te Herr Ron­de­el rasch und war­nend; »Sie ver­ges­sen, dass wir in ei­nem hel­ler­leuch­te­ten Auto fah­ren und dass jede Be­we­gung ge­se­hen wer­den kann … Und Sie, Joo­pie?«

»Mei­ner funk­tio­niert ta­del­los«, sag­te Jo­se­phus; und ohne sich um die War­nung des Herrn Ron­de­el zu küm­mern, hol­te er einen Brow­ning vor und spann­te den Hahn. Als er sah, wie ent­setzt der Ban­kier so­fort eine re­gel­rech­te Ab­wehr­stel­lung ein­nahm, lach­te der frü­he­re Ko­mi­ker so laut und so an­hal­tend, dass er rot und blau im Ge­sicht wur­de. Oben am Brow­ning hat­te sich eine klei­ne Benz­in­flam­me ent­zün­det, und ein spa­ßi­ges Ma­ga­zin vol­ler Zi­ga­ret­ten schob sich un­ter die­ser Flam­me dem Ban­kier ent­ge­gen.

»Was sind Sie doch für ein ver­rück­ter He­ring!« sag­te Ron­de­el, der nun auch la­chen muss­te. »Sie kön­nen einen zu Tode er­schre­cken!«

»Das woll­te ich ja ge­ra­de!« ant­wor­te­te Bok la­chend; »na, soll ich noch eine Stun­de war­ten oder ist eine Zi­ga­ret­te ge­fäl­lig? Sie kön­nen sie ru­hig neh­men; eine Spe­zial­mar­ke, die sonst nir­gends zu ha­ben ist. Ge­schenk mei­nes Bru­ders, der mir tau­send Stück aus Ma­dei­ra mit­ge­bracht hat.«

»Aro­ma­tisch, aber schwer«, sag­te der Ban­kier, der Ken­ner war.

Auch der Se­kre­tär woll­te die be­son­de­re Sor­te kos­ten. Der blaue, schwe­re Dampf leg­te sich um die Benz­in­flam­me, und die drei hät­ten noch län­ger mit der drol­li­gen At­trap­pe ih­ren Spaß ge­habt, wenn sich der Ban­kier nicht plötz­lich er­ho­ben und das Licht im Wa­gen aus­ge­schal­tet hät­te.

»Was ma­chen Sie denn mit ei­nem Mal?« frag­te Jo­se­phus, der – wie mit ei­ner Re­flex­be­we­gung – auch die klei­ne Benz­in­flam­me aus­lösch­te.

»Da gaff­te ge­ra­de ein höchst ver­däch­tig aus­se­hen­der Kerl durch das Fens­ter«, sag­te der Bank­di­rek­tor, der aus ei­nem Ex­trem ins an­de­re fiel und nun auch noch den klei­nen sei­de­nen Vor­hang her­a­b­liess, so­dass sie ganz im Fins­tern sa­ßen.

»Was ist schon da­bei«, mein­te der Ex-Ko­mi­ker; »ob man in sei­nem Le­ben ein ver­däch­ti­ges Ge­sicht mehr oder we­ni­ger sieht? So­weit ich Men­schen­ken­ner bin, hat je­der ein ver­däch­ti­ges Ge­sicht, und wir drei viel­leicht ganz be­son­ders! Sie soll­ten mei­ne Metho­de be­fol­gen, Herr Ron­de­el! Wenn mir eine Fo­to­gra­fie vor die Au­gen kommt, so de­cke ich al­le­mal den Na­men, der un­ter das Bild ge­druckt ist, erst mit der Hand zu. Ver­sucht man dann zu er­ra­ten, wer es ist, so meint man ge­wöhn­lich, hun­dert ge­gen eins, einen Ein­bre­cher, Gift­mi­scher, Falsch­mün­zer, Mör­der, Hoch­stap­ler – oder einen flüch­ti­gen Ban­kier, wie Sie, Herr Ron­de­el, vor sich zu ha­ben. Das hängt al­les vom Fo­to­gra­fen ab, der oft aus den ehr­bars­ten Men­schen fins­te­re Land­strei­cher und aus den ver­däch­tigs­ten Spitz­bu­ben Pfar­rer oder Mi­nis­ter macht.«

»Ver­dreh­ter Kerl«, sag­te Ar­tur Ron­de­el la­chend und fürs ers­te wie­der hei­ter.

Der Chauf­feur, der sei­ne Wei­sun­gen er­hal­ten hat­te, hielt vor ei­nem Fri­seur­ge­schäft. Jan Kik­ker sprang aus dem Wa­gen, um für sei­nen Chef ein paar Be­sor­gun­gen zu ma­chen. Als er mit dem Pa­ket aus dem La­den zu­rück­kehr­te, eil­te ein merk­wür­dig un­hol­län­disch aus­se­hen­der Mensch, halb Gent, halb ver­kom­me­nes In­di­vi­du­um, auf den Wa­gen zu, um den Schlag zu öff­nen.

»Dan­ke schön«, sag­te der Se­kre­tär und stieg rasch ein, aber doch nicht so rasch, dass ihm der Gent­le­man, der so äus­serst zu­vor­kom­mend ge­we­sen war, nicht noch et­was aus sei­ner lin­ken Über­zie­her­ta­sche hät­te ent­wen­den kön­nen.

Es war Jaapje Eek­horn, der in­ti­me Freund des Ho­tel­die­bes Ka­rel Johan Tulp, den man in Fach­krei­sen bes­tens un­ter dem Na­men »Charles Jean Tul­li­pe« kann­te.

Drittes Kapitel – Worin Näheres über den Schriftsteller Hans Thyssen, Mitglied des Literaturwissenschaftlichen Vereins, mitgeteilt wird.

Nach­dem der Schrift­stel­ler Hans Wil­lem Adriaan Thys­sen, be­kann­ter als »Hans Thys­sen«, etwa zehn Mi­nu­ten lang einen hef­ti­gen Kampf mit den Fett­fle­cken auf sei­ner Wes­te und sei­nem Jackett aus­ge­foch­ten, nach­dem er dann wei­ter die Fran­sen an sei­nen rei­nen Man­schet­ten und sei­nem rei­nen Hemd­kra­gen sorg­fäl­tig ab­ge­schnit­ten und sich mit sei­nem Ra­sier­ap­pa­rat gründ­lichst die Haut rot ge­schabt hat­te, sah er ganz re­prä­sen­ta­bel aus. Er mach­te sich dar­an, sein kärg­li­ches Mit­tags­mahl – ein paar Tas­sen Tee und ein paar be­leg­te Bröt­chen – her­zu­rich­ten und stell­te zwi­schen­durch im Kurs­buch fest, dass der Pa­ri­ser Ex­press Schlaf­wa­gen und Spei­se­wa­gen führ­te – mär­chen­haf­te Traum­bil­der, die er ver­mut­lich nie­mals als Wirk­lich­keit ken­nen ler­nen wür­de! Dann leg­te er die letz­te Hand an sei­ne Toi­let­te, in­dem er aus ei­nem kirch­li­chen Fa­mi­li­en­blatt ein paar neue Pa­pier­ein­le­ge­soh­len für sei­ne et­was leck ge­wor­de­nen Stie­fel zu­recht­schnitt. Das half vor­züg­lich.

Wäh­rend er sei­ne Mahl­zeit ein­nahm, las er den Vor­trag, den er an die­sem Abend um drei­vier­tel zehn Uhr in Dordrecht zu hal­ten ge­dach­te, noch ein­mal durch. Es war die hu­mo­ris­ti­sche Ge­schich­te ei­ner Fa­mi­lie, die an ei­nem Tage mit al­lem, aber auch mit al­lem Pech hat­te, eine Ge­schich­te, die er im Auf­tra­ge ei­ner Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft ge­schrie­ben und die dem Pub­li­kum aus­ser­or­dent­lich ge­fal­len hat­te.

Als er fer­tig ge­ges­sen hat­te, zün­de­te er sich eine Pfei­fe an.

Der feuch­te Früh­a­bend liess ihn frös­telnd zu­sam­men­schau­ern.

Da saß er nun in sei­nem dürf­ti­gen Zim­mer bei sei­nen Bü­chern, die­sen Rei­hen von Bü­chern, die er sel­ber ge­schrie­ben hat­te, und war wie­der ein­mal in dem be­hag­li­chen Kreis­lauf des Le­bens bei ei­ner Pe­ri­ode an­ge­langt, in der er sich nicht ein­mal ein an­stän­di­ges war­mes Mit­ta­ges­sen leis­ten konn­te. Wel­che an­de­re Mis­se­tat hat­te er denn be­gan­gen, als dass er, der Er­fin­dungs­rei­che, den Ge­bil­den sei­ner Fan­ta­sie hat­te Le­ben und Wirk­lich­keit ge­ben wol­len? Man konn­te sich stolz wie ein Kö­nig da­bei füh­len, aber was kauf­te man sich da­für? Man schlug sich ge­ra­de so durch, wie ein ar­mer Edel­mann, der sich als Jock­ei ver­ding­te oder Adres­sen schrieb, die nach dem Tau­send be­zahlt wur­den.

In sei­nen ei­ge­nen Wän­den »fühl­te« man sich noch ei­ni­ger­mas­sen, draus­sen aber war man wie ein ab­ge­klap­per­tes Drosch­ken­pferd, das im Re­gen auf eine Fuh­re war­te­te. »Wenn sich mir«, seufz­te er vor sich hin und dach­te da­bei an den Au­gen­blick, in dem er so be­hag­lich mit den Füs­sen im Was­ser ge­ses­sen und der Teu­fel ihm zu­ge­lä­chelt hat­te – »wenn sich mir je­mals ir­gend­ei­ne Chan­ce bie­tet, dann wird mich kein Mensch da­von zu­rück­hal­ten, sie aus­zu­nut­zen – und müss­te ich über Lei­chen ge­hen! Zum Skla­ven bin ich nicht ge­bo­ren.«

Da­rauf leg­te er einen Zet­tel für sei­ne Wir­tin hin: »Er­war­ten Sie mich heu­te Abend nicht. Ich muss fort. H. Th.« Und dann ging er mit lang­sa­men, vor­sich­ti­gen Schrit­ten zum Zen­tral­bahn­hof.

Vor dem Hau­se von Jo­se­phus Bok, dem Di­rek­tor der All-Risk-Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft, stand ein Auto. Er er­kann­te so­fort den Mann, der ihm mal et­was zu ver­die­nen ge­ge­ben hat­te, grüss­te und sag­te lei­se vor sich hin: »Gu­ten Tag, du Idi­ot!«

Merk­wür­dig, dass je­der von bei­den den an­de­ren so ein­schätz­te! Und noch merk­wür­di­ger, dass sie nun mit­ein­an­der in dem­sel­ben Zug reis­ten …

Viertes Kapitel – Worin nun Näheres über den Hoteldieb Johan Tulp, genannt Charles Jean Tullipe, bekannt wird.

»Die­ses Land«, sag­te Charles Jean, der lan­g­aus­ge­streckt in dem schau­keln­den Al­ko­ven lag, wäh­rend Jaapje, der kes­se Spitz­bu­be mit dem Clowns­ge­sicht, in dem an­de­ren Teil des Wohn­schif­fes »Rus­ten­burch« eine Zi­ga­ret­te nach der an­de­ren rauch­te und die Gold­mund­stücke in Reih und Glied auf dem ei­ser­nen Bett­rand auf­bau­te, »die­ses Land ist in sei­ner Klein­heit ein Hemm­schuh für je­des We­sen mit zu viel Fan­ta­sie, zu viel Hirn, zu viel Wil­lens­kraft, zu schar­fem Ver­stand, das dar­in ge­bo­ren ist. Wenn du oder ich das fa­ta­le Ta­ges­licht in Frank­reich, in Eng­land oder Ame­ri­ka er­blickt hät­ten, wür­den wir jetzt min­des­tens schon eine see­tüch­ti­ge Dampf­jacht mit erst­klas­si­ger Be­man­nung be­sit­zen, statt uns mit ei­nem un­dich­ten Wohn­schiff be­gnü­gen zu müs­sen, das bei so ver­fluch­tem Wet­ter heu­te oder mor­gen zwei­fel­los eine Eta­ge tiefer ge­hen wird.«

»Ich muss doch sehr bit­ten«, sag­te die ton­lo­se Stim­me von der an­de­ren Sei­te des Al­ko­vens her, »ich muss doch sehr bit­ten, nicht über die­ses Pracht­schiff zu kla­gen, das an die Ar­che Noah er­in­nern wür­de, wenn sich noch an­de­re Tie­re als du und ich an Bord be­fän­den. Das ein­zi­ge, was uns hier fehlt, aber auch wirk­lich das ein­zi­ge, ist: Zen­tral­hei­zung, ein Per­ser­tep­pich, elek­tri­sche Be­leuch­tung, ein Ba­de­zim­mer mit Du­sche, ein Cham­bre séparée für Pri­vat­be­such … Ich bete dich an, Con­nie mit dei­nem süs­sen Münd­chen, ich ver­las­se mit dir die­se trost­lo­se Welt; für dich set­ze ich mei­ne See­le, mei­ne Se­lig­keit, mein Le­ben aufs Spiel!«

»Hör’ doch auf, Jaap!« un­ter­brach ihn Charles Jean. Er war durch­aus nicht in der Stim­mung, die täg­lich ih­ren Ge­gen­stand wech­seln­den ver­lieb­ten Er­güs­se sei­nes Ge­nos­sen an­zu­hö­ren. »Ich bin wie ge­rä­dert von der letz­ten Nacht. Ich ma­che mir nichts aus sol­chen Din­gen, die der ers­te bes­te Pro­let viel bes­ser er­le­digt. Als ich dich an dem Schloss her­um­murk­sen sah, hat­te ich das Ge­fühl, als sän­ken wir je län­ger, je tiefer. Auf sol­che Wei­se geht ei­nem noch das letz­te biss­chen Selb­st­ach­tung flö­ten. Aber was hat denn, zum Teu­fel, dies Schiff heu­te? Ich wer­de, weiss Gott, see­krank da­bei.«

Tat­säch­lich schwank­te die »Rus­ten­burch«, als läge sie mit­ten in ei­ner Bran­dung. Das frü­he­re Last­schiff, das man­che La­dung von Ams­ter­dam nach den Bin­nen­ge­wäs­sern ge­bracht hat­te, ehe es alt und ab­ge­ta­kelt aus­ser Be­trieb ge­setzt wor­den war, riss an den Hal­te­tau­en, dass sie knirsch­ten, und die klei­ne Hüh­ner­trep­pe vor der Klapp­tür quietsch­te, dass es klang, als ob ein jun­ger Hund jaul­te.

Der An­flug von Men­schen­hass, der sich bei Charles Jean Tul­li­pe zeig­te, war nicht so ganz un­be­grün­det. In die­sem Wohn­schiff muss­te ein Mensch, der bes­se­re Tage und Wo­chen ge­kannt hat­te und sie noch im­mer wie­der er­hoff­te, me­lan­cho­lisch wer­den. Die Tüll­ap­pen vor den klei­nen ver­wit­ter­ten Fens­tern flat­ter­ten hin und her, die qual­mi­ge Pe­tro­le­um­lam­pe schlin­ger­te in den guss­ei­ser­nen Rin­gen, und auf dem Tisch flo­gen mit den Res­ten der He­rin­ge, die man zum Mit­ta­ges­sen ver­zehrt hat­te, lee­re Eier­scha­len ge­gen den Tel­ler­rand. Dies al­les aber war noch nicht das wahr­haft De­pri­mie­ren­de. Un­ter der nied­ri­gen, ver­räu­cher­ten Zim­mer­de­cke, zu der man mit der Hand hin­auf­rei­chen konn­te, hat­te der von sol­chen Äus­ser­lich­kei­ten ab­hän­gi­ge Ho­tel­dieb, der sei­nen Be­ruf in an­ge­nehm durch­wärm­ten, gut ge­lüf­te­ten Zim­mern aus­zuü­ben pfleg­te, ein Ge­fühl der Be­klem­mung. Und wenn er die Au­gen schloss, um dem An­blick der Ar­mut in die­ser Be­hau­sung zu ent­ge­hen, so drang sie doch in der Dun­kel­heit heim­tückisch auf ihn ein, weil der un­dich­te Ofen beim Be­rei­ten des fet­ten Mit­ta­ges­sens bei dem ruck­ar­ti­gen Sturm noch mehr ge­stun­ken hat­te als die qual­men­de Pe­tro­le­um­lam­pe – und weil der schar­fe Dunst sich nun über­all fest­ge­setzt hat­te.

»Ich füh­le mich hier wie im Pa­ra­die­se«, sag­te Jaapje und leg­te das 23. Gold­mund­stück sei­ner zwei­ten Schach­tel Zi­ga­ret­ten ne­ben die an­de­ren 22 auf den ei­ser­nen Bett­rand, »und ich ver­ste­he beim bes­ten Wil­len nicht, warum dir die­se in­ne­re Zufrie­den­heit ab­ge­ht. Hier lebe ich, nach viel­jäh­ri­gem Auf­ent­halt in den bor­nier­tes­ten und ge­ra­de­zu mit sa­dis­ti­scher Grau­sam­keit ein­ge­rich­te­ten Zel­len­ge­fäng­nis­sen, zum ers­ten Mal wie ein Mus­ter­bür­ger aus den bes­ten Zei­ten der zu Wohl­stand ge­lan­gen­den Mensch­heit. Ich len­ke die Auf­merk­sam­keit nicht un­nö­tig auf mich. Ich hau­se in mei­nen ei­ge­nen vier Wän­den. Und ich träu­me. Das ein­zi­ge, was mir nicht passt und mein see­li­sches Gleich­ge­wicht stört, ist die Gleich­gül­tig­keit der klei­nen Con­nie vom No­tar ge­gen­über. Wür­de sie ›Ja‹ sa­gen, wür­de sie mir das Göt­ter­ge­schenk ih­rer Lip­pen rei­chen, so wäre ich im­stan­de, in die mensch­li­che Ge­sell­schaft zu­rück­zu­keh­ren und mei­ne Nächs­ten auf ge­setz­lich er­laub­te Art übers Ohr zu hau­en. Da ist sie, der lie­be Schatz! Sie legt Kar­tof­feln ne­ben den Baum. Was für eine son­ni­ge See­le, dass sie so­gar bei die­sem Sau­wet­ter für einen ein­sa­men Hund und für hung­ri­ge Spat­zen sorgt! Gu­ten Tag, mein Schatz! Hast du denn kei­nen Blick für mich üb­rig, ob­wohl ich doch schon in ei­ner Stun­de mit mei­nem Freun­de Charles Tu­li­pe eine wis­sen­schaft­li­che For­schungs­rei­se an­tre­ten soll? Fi donc!1 Sie sagt: Hol’ dich der Teu­fel! Aber wie lieb sagt sie das; in wel­chem vor­neh­men Ton! Mein Herz schlägt hö­her. Hast du die­se ers­ten Wor­te ei­ner er­wa­chen­den Nei­gung ver­nom­men, Char­lie?«

»Es wäre mir lieb, wenn du jetzt auf­ste­hen woll­test, sonst müs­sen wir uns wie­der in Sch­weiss lau­fen.«

»Muss denn über­haupt die­se Rei­se über die Gren­ze so Hals über Kopf an­ge­tre­ten wer­den? Dein Pass ist ja noch nicht ein­mal in Ord­nung.«

»Wir fan­gen erst mal in dem fran­zö­si­schen Ex­press an. Ma­chen wir gute Ge­schäf­te, so über­nach­ten wir in Roo­sen­daal und sind mor­gen in al­ler Frü­he schon wie­der zu­rück. Ma­chen wir kei­ne Ge­schäf­te, so ge­hen wir zu Fuss über die Gren­ze. Ich muss mich mal wie­der be­tä­ti­gen. Zieh die Vor­hän­ge zu, Jaap, dann steck’ ich die Lam­pe an.«

Vor dem klei­nen Ra­sier­spie­gel mach­te er nun Toi­let­te, zog sich das Bein­kleid und die Ga­ma­schen an, pack­te sei­nen Hand­kof­fer; und wäh­rend Jaapje wie eine ge­schick­te Haus­frau al­les auf­räum­te und un­ter ei­ner lo­sen Die­le ein paar Rei­seu­ten­si­li­en ganz be­son­de­rer Art her­vor­hol­te, zün­de­te er sich eine neue Pfei­fe an, horch­te auf den wil­den Ha­gel­schlag über sei­nem Kopf und starr­te in die Pe­tro­le­um­flam­me. Da be­geg­ne­te er dem Blick des lä­cheln­den Un­sicht­ba­ren, der den Ge­ruch des Chlo­ro­form­fläsch­chens im Kof­fer mit der Ken­ner­na­se des bes­ter­fah­re­nen Fach­man­nes ein­sog und lä­chelnd her­über­schau­te.

»Hast du nichts ver­ges­sen, Char­lie?« frag­te Jaapje, der im Al­ko­ven knie­te und dem star­ren Blick des Freun­des mit ei­nem ge­wis­sen Miss­trau­en folg­te. Charles Jean ge­fiel ihm nicht; er hielt nicht viel von stil­len Was­sern, die einen tie­fen Grund ha­ben soll­ten!

»Nichts«, ant­wor­te­te der an­de­re, der im Schein der Lam­pe mit sei­nem fei­nen, blei­chen Ge­sicht, den dunklen, träu­me­ri­schen Au­gen und dem sei­di­gen, schwar­zen, ge­pfleg­ten Schnurr­bart so gent­le­m­an­li­ke aus­sah, dass er un­be­dingt Er­folg ha­ben muss­te, wo man sich nicht ge­ra­de für sei­ne Pa­pie­re und sein Straf­re­gis­ter in­ter­es­sier­te.

»Hast du das For­myl­tri­chlo­rid CHCl3, Char­lie?«

»Wenn du dich et­was deut­li­cher aus­drückst, will ich dir gern ant­wor­ten …«

»Ich drücke mich mehr als deut­lich aus«, sag­te der Klei­ne, und aus sei­ner lau­schen­den Hal­tung ent­nahm der Gent­le­man-Dieb, dass sein So­zi­us die Ohren spitz­te und sich ir­gend ein Geräusch zu deu­ten ver­such­te, das ihn un­ru­hig mach­te. Ohne Zwei­fel war da et­was nicht ge­heu­er, denn plötz­lich gab Jaapje, in­dem er sich zwei­mal auf das Kinn schlug, ein Zei­chen, dass er Un­heil wit­te­re. Mit ge­ra­de­zu vor­bild­li­cher Ge­schwin­dig­keit ver­schwand Charles Jean Tul­li­pe hin­ter der ge­schlos­se­nen Tür des pri­mi­ti­ven Rau­mes, der auf der »Rus­ten­burch« für be­stimm­te Zwe­cke ein­ge­rich­tet war, und der feind­se­lig pfei­fen­de Wind fuhr durch das ge­öff­ne­te Mi­nia­tur­fens­ter­chen an der Rück­sei­te des Wohn­schif­fes über sein glatt po­ma­di­sier­tes Haar. Noch be­vor die Glo­cke zu der Ein­gangs­tür über der Hüh­ner­lei­ter läu­te­te, kroch Jaapje mit der Ge­schwin­dig­keit ei­ner Kat­ze über den Bo­den links von der Lam­pe, da­mit kein Schat­ten ihn ver­rie­te, und im Nu hat­te er sei­ne Wes­te und sein Jackett auch schon bei­sei­te ge­bracht.

Zum zwei­ten Male er­tön­te die Klin­gel.

»Ge­ben Sie mir einen hal­b­en Li­ter«, sag­te er und reich­te, die Zi­ga­ret­te zwi­schen den Lip­pen, die Milch­kan­ne aus dem Tür­spalt her­aus.

»Ich hof­fe«, sprach eine sehr be­kann­te Stim­me, »dass ich Ih­nen nichts an­de­res zu ge­ben brau­che, Jaapje Eek­horn. Ich woll­te nur mal rasch nach­se­hen. Spie­len Sie den barm­her­zi­gen Sa­ma­ri­ter, der vor­neh­men Her­ren Ihres Schla­ges, die lie­ber nicht po­li­zei­lich ge­mel­det wer­den wol­len, Ob­dach gibt? Ich glaub­te, da so­eben zwei Schat­ten zu se­hen.«

»Ha­ha­ha«, lach­te Jaapje mit dem ihm ei­ge­nen, ganz be­son­de­ren Ton­fall, der eben­so wie sei­ne Fin­ger­ab­drücke der Po­li­zei wohl­be­kannt war, »da muss mein Schat­ten ge­jungt ha­ben. Bit­te schön, über­zeu­gen Sie sich; aber nicht gar zu lan­ge, wenn ich bit­ten darf; denn es ist ein Hun­de­wet­ter, und ich nei­ge sehr zu Bron­chi­al­ka­tarr­hen.«

Der Wind spiel­te mit den flat­tern­den En­den sei­ner Kra­wat­te und den noch lose her­ab­hän­gen­den Bän­dern sei­ner Ho­sen­trä­ger.

Über das Deck des Wohn­schif­fes neig­te sich ein Kopf; ein paar prü­fen­de Au­gen schweif­ten durch die klei­ne Kü­che und den halb­dunklen Al­ko­ven mit den zwei lee­ren Bet­ten und der Rei­he Gold­mund­stücke. Und eine ver­damm­te Spür­na­se, die die ver­fluch­te An­ge­wohn­heit hat­te, in al­les hin­ein­zu­rie­chen, sog den Rauch der auf dem Tisch lie­gen ge­blie­be­nen, noch bren­nen­den Pfei­fe ein und wit­ter­te auch den schwü­len Ge­ruch des Chlo­ro­forms, das so­eben mit dem wis­sen­schaft­li­chen Wort »For­myl­tri­chlo­rid« und der che­mi­schen For­mel CHCl3 be­nannt wor­den war.

»Neh­men Sie die klei­ne Stö­rung nicht übel«, sag­te der Kopf, freund­lich ni­ckend. »Sie wa­ren an­schei­nend im Be­griff, et­was Milch zu kau­fen, be­vor Sie sich zu Bet­te leg­ten?«

»Rich­tig! Sie se­hen dem Men­schen bis auf den Grund der See­le«, sag­te Jaapje freund­lich. »Es ist im­mer ein we­nig kühl auf dem Was­ser, und Mor­gen­stun­de hat Gold im Mun­de.«

»Dann wün­sche ich Ih­nen eine recht an­ge­neh­me Ruhe, Herr Eek­horn«, sag­te die Stim­me freund­lich, wäh­rend die Tür in das Si­cher­heits­schloss fiel.

Es blieb still in dem an knar­ren­den Hal­te­tau­en schwan­ken­den Schiff. Jaapje Eek­horn zog sich an, ohne sich be­son­ders zu spu­ten – aber hin­ter der bren­nen­den Lam­pe; er leg­te al­les, was er brauch­te, mit ma­the­ma­ti­scher Ge­nau­ig­keit zu­sam­men, dann dreh­te er die Lam­pe aus und schwieg. Und weil er schwieg, gab auch Charles Jean Tul­li­pe in dem pri­mi­ti­ven Ge­lass, in das er sich ein­ge­schlos­sen hat­te, kei­nen Laut von sich, son­dern setz­te sich still, er­schöpft von dem ner­ven­auf­rei­ben­den War­ten und ge­pei­nigt von dem Ge­dan­ken, dass sie den Zug ver­säu­men könn­ten, auf den nass­ge­reg­ne­ten Sitz und nahm den Hand­kof­fer mit sei­nem mys­te­ri­ösen In­halt auf die Knie.

Als Jaapje si­cher zu sein glaub­te, dass die Luft in der nächs­ten Um­ge­bung wie­der rein war, öff­ne­te er die Aus­sen­tür. Er mach­te ganz den Ein­druck ei­nes ver­schla­fe­nen Schif­fers, der in der Däm­me­rung noch ein­mal fri­sche Luft schöpft und mit schläf­ri­gen Au­gen um sich guckt. In Wahr­heit ent­ging ihm da­bei kei­ne Be­we­gung, kein Schat­ten auf dem stil­len Kai. Dann klet­ter­te er schwe­ren Schrit­tes die Hüh­ner­lei­ter her­auf, bück­te sich ein paar­mal, als such­te er et­was, schau­te lau­ern­den Blickes in die Sei­ten­stras­se und auf den tie­fen Schat­ten hin­ter dem Häu­schen der städ­ti­schen Stras­sen­rei­ni­gung. Und dann ging er in der­sel­ben nach­läs­si­gen Hal­tung an all den vor­neh­men, elek­trisch be­leuch­te­ten Wohn­schif­fen und den am Kai ge­le­ge­nen Häu­sern vor­über – und wäre bei­na­he ret­tungs­los ver­lo­ren ge­we­sen. Denn die klei­ne Con­nie von No­tars muss­te noch ein paar Gän­ge ma­chen und ging di­rekt an ihm vor­bei.

»Gu­ten Tag, mein lie­ber Schatz«, sag­te er, in­des er sich ihr ohne Um­schwei­fe an­schloss und dar­über den war­ten­den Charles Jean ganz ver­gass.

»Ma­chen Sie, dass Sie fort­kom­men!« gab sie zur Ant­wort und ging ab­sicht­lich schnell. Zwar schiel­te sie im­mer durch die Tüll­vor­hän­ge des ver­git­ter­ten Kü­chen­fens­ters nach dem Scheu­sal mit dem Af­fen­ge­sicht und der Horn­bril­le, das wie eine Schne­cke an sei­nem Wohn­schiff fest­zu­kle­ben schi­en; aber wenn er sich ihr auf­dring­lich nä­her­te, so wie jetzt zum Bei­spiel auf dem schon in der Däm­me­rung lie­gen­den Kai, wur­de ihr un­be­hag­lich zu­mu­te.

»Con­nie, mein Herz, ich schmel­ze da­hin vor lau­ter Sehn­sucht«, be­gann er, wäh­rend er sei­nen Zei­ge­fin­ger in ihr Schür­zen­band leg­te, um ih­ren Schritt ein we­nig zu hem­men. Sie aber gab ihm einen der­ben Schlag mit ih­rem Ein­ho­le­korb und sprach die ver­nich­ten­den Wor­te: »Dass du mich nicht an­rührst, du ver­damm­ter Kerl!« Und weg war sie, ver­schwun­den.

Wäre sie nur et­was zu­gäng­li­cher ge­we­sen, hät­te sie den ab­schüs­si­gen Pfad be­tre­ten, der mit ei­ner klei­nen Un­ter­hal­tung harm­los be­ginnt und in Trüb­sal en­det, so säs­se Charles Jean noch da, und aus der mit so viel Sorg­falt vor­be­rei­te­ten Rei­se wäre nichts ge­wor­den.

»Don­ner­wet­ter! Das hat aber lan­ge ge­dau­ert«, sag­te Tul­li­pe un­wirsch, als Jaapje end­lich wie­der mit der Hand an sein Kinn schlug. »Was war denn los?«

»Sst! Hier wird nicht ge­re­det!« warn­te der an­de­re, der im Dun­keln sein Bün­del pack­te. »Spä­ter ha­ben wir ge­nug Zeit. Du ver­schwin­dest nach links; die Luft ist rein; du brauchst dich nicht um­zu­se­hen. Ich gehe nach rechts. Wir tref­fen uns im D-Zug, und wir ver­leug­nen ein­an­der steif und fest; min­des­tens bis Roo­sen­daal ken­nen wir uns nicht. Psst! Geh’ doch bloss nicht so dicht ne­ben dem Lauf­brett mit dei­nen ver­damm­ten hel­len Ga­ma­schen! Und kein Wort Hol­län­disch, wenn ich bit­ten darf! … Au re­voir, mon cher …«

Jaapje Eek­horn ging durch die Sei­ten­stras­se nach rechts, und trotz der Ab­fuhr mit dem Korb warf er in je­den La­den, an dem er vor­über­kam, einen heim­li­chen Blick, um zu se­hen, ob er die schwarz­äu­gi­ge Klei­ne nicht etwa doch noch zu fas­sen be­käme.

Links ging Charles Jan Tul­li­pe mit elas­ti­schen Schrit­ten sorg­fäl­tig um alle Pfüt­zen her­um, da­mit sei­ne hel­len Ga­ma­schen nicht be­spritzt wür­den. Jaapje, der die­ses Vier­tel von Ams­ter­dam am bes­ten kann­te, hat­te ge­sagt: »Du brauchst dich nicht um­zu­se­hen«, und nun be­ging Jean die Dumm­heit, sich an die­se Pa­ro­le zu hal­ten; wuss­te er doch nicht, dass der klei­ne Schelm es über sei­nem ly­ri­schen In­ter­mez­zo mit der hüb­schen Con­nie ver­ab­säumt hat­te, die­se Hälf­te des Kais gründ­lich zu in­spi­zie­ren. Auf dem Platz stieg er in eine Elek­tri­sche und stopf­te sich auf der hin­te­ren Platt­form eine fri­sche Shag­pfei­fe. Zu­gleich be­stieg ein Herr mit kurz­ge­schnit­te­nem, ro­tem Haar, der vom Kai aus den von Jaapje mit Recht »ver­dammt« ge­nann­ten Ga­ma­schen ge­folgt war und gleich­falls am Zen­tral­bahn­hof aus­stieg, den Vor­derper­ron.

»Eins Ers­ter Ant­wer­pen«, sag­te Charles Jean Tul­li­pe am Schal­ter, oder viel­mehr: er ver­lang­te im kor­rek­tes­ten Fran­zö­sisch: »Pre­miè­re clas­se, An­vers.«2 – »Bit­te«, ant­wor­te­te der Be­am­te.

»Je vous re­mer­cie bien«,3 sag­te Char­lie dar­auf äus­serst höf­lich, zahl­te und stell­te sich mit dem hol­län­di­schen Geld, das er an­schei­nend nicht kann­te, so un­ge­schickt an, dass der Be­am­te ihn zwei­mal auf einen klei­nen Irr­tum auf­merk­sam ma­chen muss­te.

Nach ihm lös­te der Herr mit dem kurz­ge­schnit­te­nen, ro­ten Haar eine Fahr­kar­te und flüs­ter­te so lei­se wie nur mög­lich, weil meh­re­re Rei­sen­de hin­ter ihm stan­den. In der Rei­he be­fan­den sich auch Ar­tur Ron­de­el, Jan Kik­ker und Joo­pie Bok, je­der mit ei­nem dick­bau­chi­gen Hand­kof­fer. Der Chauf­feur und ein Ge­päck­trä­ger war­te­ten be­packt und be­la­den un­ter der Uhr.

Am Schal­ter für die Fahr­kar­ten drit­ter Klas­se stand Jaapje Eek­horn und dach­te über ein klei­nes Aben­teu­er nach, das er eben un­ter­wegs er­lebt hat­te. In ei­nem Lu­xus­au­to, das im Ge­drän­ge hat­te hal­ten müs­sen, hat­te er et­was höchst Selt­sa­mes be­merkt. Ein di­cker Herr mit ei­nem rot­wan­gi­gen Ge­sicht hat­te einen an­de­ren mit ei­nem Brow­ning be­droht, er hat­te den Hahn ge­spannt und dann laut auf­la­chend aus die­sem Brow­ning eine Zi­ga­ret­te und Feu­er an­ge­bo­ten. Die­ser Witz war wei­ter nicht neu. Aber das Ge­sicht des er­schro­cke­nen Herrn, der gleich dar­auf das Licht im Auto aus­ge­knipst hat­te, kam ihm so be­kannt vor. Das muss­te doch weiss Gott der un­an­stän­dig rei­che Ban­kier sein, der sein Büro auf der Kai­sers­gracht und eine fürst­li­che Woh­nung in der vor­nehms­ten Ge­gend Ams­ter­dams hat­te. Wenn der mit zwei an­de­ren zu­sam­men auf die Rei­se ging – etwa vier Me­ter von Jaapje ent­fernt stan­den sie vor dem Schal­ter zur 1. und 2. Klas­se – und wenn sie alle ihre schwe­ren Hand­kof­fer sel­ber tru­gen, dann – dann – ja, dann muss­te doch was Be­son­de­res los sein.

Und dann noch et­was: als der Wa­gen vor ei­nem Fri­seur­ge­schäft hielt, hat­te er den Schlag ge­öff­net, und eine ganz un­will­kür­li­che Be­we­gung sei­ner Hand hat­te dem Jüngs­ten der drei Her­ren aus der lin­ken Ta­sche des Über­rocks eine be­zahl­te Rech­nung her­aus­ge­holt, auf der ein paar De­tails no­tiert wa­ren, die ihn in­ter­es­sier­ten. Hier stimm­te was nicht. Hier war et­was im Wer­ke. Und was es auch war; je­den­falls gab es hier et­was zu ver­die­nen, wenn man es nur ge­schickt an­fing und sich mög­lichst in rech­ter Ent­fer­nung hielt.

Auf dem Bahn­steig selbst herrsch­te kurz vor der Ab­fahrt des D-Zu­ges mit sei­nem sau­ber ge­deck­ten und bei­na­he fest­lich er­leuch­te­ten Spei­se­wa­gen und den Schlaf­wa­gen mit her­ab­ge­las­se­nen Vor­hän­gen ein ner­vö­ses Trei­ben von Men­schen, die ihre Ver­wand­ten be­glei­tet hat­ten, von Dienst­män­nern, die Ge­päck­stücke in die Net­ze leg­ten, von Post­wa­gen und Bahn­be­am­ten. Vor ei­nem der ge­öff­ne­ten Fens­ter des Schlaf­wa­gens, in dem der Di­rek­tor der In­ter­na­tio­na­len Bank zwei Ab­tei­le hat­te re­ser­vie­ren las­sen, stan­den der alte, rie­sen­große Jo­nes, sein Sohn Hen­ry und der Sub­di­rek­tor Co­che­fort, wäh­rend Klot­hil­de, die noch ge­ra­de in ei­nem Auto von Aer­den­hout ge­kom­men war, weil sie klu­ger­wei­se vor­her fest­ge­stellt hat­te, dass der Pa­ri­ser Ex­press nicht in Haar­lem hielt, am Arm ih­res Va­ters hing, sich im­mer wie­der auf die Lip­pen biss und sich die Au­gen wisch­te. Es herrsch­te eine aus­ge­spro­chen trüb­se­li­ge Stim­mung. Die ein­zi­gen, die ein we­nig mun­te­rer schie­nen, wa­ren Jo­se­phus Bok und der Se­kre­tär Jan Kik­ker. Die beug­ten sich aus dem Coupé­fens­ter – Bok mit ei­ner Rei­se­müt­ze, die ihm bis über die Ohren ging, Kik­ker, der es vom Sport her so ge­wöhnt war, bar­häup­tig.

»Wa­rum bist du bloss so trau­rig, mein Kind«, sag­te der Ban­kier. »Es wäre mir lie­ber ge­we­sen, wenn du in Aer­den­hout ge­blie­ben wä­rest. Die Men­schen müs­sen den­ken, dass wir Ab­schied fürs Le­ben neh­men.«

»Lass sie glau­ben, was sie wol­len«, sag­te das jun­ge Mäd­chen, »wenn du nur um Got­tes wil­len vor­sich­tig bist.«

»Ja, ja, ja«, sag­te der Ban­kier ner­vös und ein we­nig ge­reizt, weil der Herr mit dem kurz­ge­schnit­te­nen, ro­ten Haar ihn so auf­dring­lich an­sah und sei­ne Un­ter­hal­tung so dreist zu be­lau­schen schi­en.

Im Spei­se­wa­gen saß Charles Jean Tul­li­pe, freu­te sich nach der Arm­se­lig­keit des Wohn­schif­fes dop­pelt über all den Kom­fort, der ihn um­gab, und stu­dier­te die Spei­se­kar­te.

Ihm ge­gen­über hat­te eine ziem­lich auf­ge­ta­kel­te Dame Platz ge­nom­men, die hin und wie­der das fei­ne Pro­fil des in­ter­essan­ten, blas­sen, jun­gen Man­nes an­sah, der auch sie mit der zu­rück­hal­ten­den Wohl­er­zo­gen­heit des Welt­man­nes ab und zu fi­xier­te und mit noch grö­ße­rer Dis­kre­ti­on ta­xier­te. Sie hat­te klei­ne, fet­te Hän­de, an de­nen Rin­ge wie Schät­ze aus »Tau­send­und­ei­ner Nacht« blitz­ten, und in ih­ren Ohren fun­kel­ten Stei­ne, die ge­ra­de­zu ma­gne­tisch die Auf­merk­sam­keit auf sich zo­gen. Wäh­rend er das Menü las und wie­der las und un­wil­lig an Jaapje Eek­horn dach­te, der auf dem Pe­tro­le­um­ko­cher einen Eier­ku­chen in schlech­ter Mar­ga­ri­ne ge­ba­cken hat­te, stütz­te er den ta­del­los fri­sier­ten Kopf in die Hand und be­trach­te­te nun die Dame in ih­rem Spie­gel­bild in der Fens­ter­schei­be – eine Metho­de, die für un­auf­fäl­li­ge Beo­b­ach­tung aus­ser­or­dent­lich zu emp­feh­len ist! Da­rauf bück­te er sich höf­lich, weil ei­ner ih­rer Hand­schu­he vom Tisch ge­glit­ten war, und frag­te auf Fran­zö­sisch:

»Ge­hört die­ser Hand­schuh Ih­nen, gnä­di­ge Frau?«

Sie dank­te lä­chelnd. Was für lie­bens­wür­di­ge Men­schen wa­ren doch die­se fran­zö­si­schen jun­gen Leu­te; was hat­ten sie für einen fei­nen Ch­ar­me!

In ei­nem Rau­cher­ab­teil 2. Klas­se saß Hans Thys­sen, Mit­glied des Li­te­ra­tur­wis­sen­schaft­li­chen Ver­eins, und las das Abend­blatt. »So­bald sich der Zug in Be­we­gung ge­setzt hat«, über­leg­te er, »zie­he ich mich gleich auf die Her­ren­toi­let­te zu­rück und lege mir ein paar neue Soh­len in mei­ne Stie­fel – das Pa­pier des Kirch­li­chen Fa­mi­li­en­blat­tes taugt doch nicht so recht für nas­se Füs­se. Und dann will ich mir den scheuss­li­chen Fle­cken auf mei­nem Jackett noch ein we­nig mit Ben­zin aus­rei­ben. Gut, dass ich das Rest­chen aus der Benz­in­fla­sche mit­ge­nom­men habe.«

In ei­nem Nicht­rau­cher­ab­teil 3. Klas­se, in dem das meis­te Ge­päck in den Net­zen lag, lehn­te sich Jaapje Eek­horn schläf­rig zu­rück. Über sei­nem hoch­ge­schla­ge­nen Rock­kra­gen, un­ter dem tief in die Stirn ge­zo­ge­nen Hut und hin­ter den run­den Glä­sern der Horn­bril­le war sein Ge­sicht kaum zu er­ken­nen. Mit halb­ge­schlos­se­nen Au­gen mach­te er In­ven­tur, nahm das gan­ze Hab und Gut sei­ner Rei­se­ge­fähr­ten auf. Ihm ent­ging nichts. Kein Mensch konn­te in dem Kor­ri­dor des D-Zu­ges vor­über­ge­hen, ohne dass Jaapjes Schlitzau­gen je­des De­tail wahr­nah­men und einen gan­zen Steck­brief hät­ten her­stel­len kön­nen!

»Ein­stei­gen!« rief es draus­sen. Und wäh­rend auf dem Bahn­steig der alte und der jun­ge Jo­nes, Klot­hil­de und Co­che­fort von der In­ter­na­tio­na­len Bank stan­den und wink­ten und ein paar Coupétü­ren hef­tig zu­ge­schla­gen wur­den, setz­te sich der Zug in Be­we­gung.

Jetzt erst wur­de Jaapje Eek­horn wach. Gäh­nend be­leg­te er sei­nen Eck­platz und frag­te den im über­vol­len Coupé ihm ge­gen­über­sit­zen­den Herrn in flies­sen­dem Fran­zö­sisch, wie lan­ge man bis zur Grenz­sta­ti­on zu fah­ren habe? Er sprach so schnell, dass man ihn kaum ver­ste­hen konn­te. Ei­ner der Mit­rei­sen­den gab ihm je­doch die ge­wünsch­te Aus­kunft.

Jaapje füg­te noch auf Fran­zö­sisch ei­ni­ge für die Hol­län­der un­ge­mein schmei­chel­haf­te Be­mer­kun­gen über den Kom­fort in Hol­land hin­zu und schob dann an den Kni­en der an­de­ren Rei­sen­den vor­bei und hin­aus, um wei­te­re Er­kun­di­gun­gen vor­zu­neh­men. Da­bei irr­te er sich be­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­