Die Rosenkreuzer
von
Ernst Kurtzahn
„Die Rosenkreuzer“ von Ernst Kurtzahn
Erstveröffentlichung: 1926
Cover, Überarbeitung: F. Schwab Verlag
Neuauflage: F. Schwab Verlag – www.fsverlag.de sagt Danke!
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In Bulwers berühmtem Rosenkreuzer-Roman »Zanoni« lautet eine Stelle: »Die eifersüchtigste unter den geheimen Gesellschaften, deren von den ältesten Philosophen ausgebeutete Lehren den jüngsten noch immer ein Geheimnis sind, sind die Rosenkreuzer!«
Dieser Satz bietet eine Fülle von Wahrheit! In seiner rechten Würdigung, bitte ich die späteren Ausführungen über das Rosenkreuzer-Thema lediglich als einen mehr oder minder gelungenen Versuch auffassen zu wollen! Mit zielbewusster Absicht umgaben die Rosenkreuzer sich und ihre Lehren mit einer schützenden Wildnis von Geheimnissen. Hier verlockten geschickt angebrachte Irrwege, wie Kabbalah und Alchemie, jeden Unberufenen zu kühnen Spekulationen, und er konnte froh sein, wenn er anstelle der erträumten Reichtümer — Regenwürmer fand. Jedoch — selbst diese so verschrieenen Irrwege konnten Richtwege für den sein, den nicht Gier nach irdischem Tand und irdischer Macht trieben, sondern der einer inneren Sehnsucht seines Herzens allem zum Trotz nachging. — Wer, berufen und auserwählt, unablässig mit ganzem Herzen nach »mehr Licht« strebte, dem erhellten sich nach und nach selbst diese unwirtlichen Pfade, und früher oder später fand er den Weg zum Tempel wahren Menschentums!
Man verwerfe deshalb nicht a priori die beiden genannten, allerdings sehr gefährlichen Wege, Alchemie und Kabbalah, die zum Rosenkreuzertempel und auch zu einem höheren Wissen führen konnten!
Vergliche man das Erforschte und das Unerforschte mit einem Metermaß, so entspräche die Größe des heute Erforschten noch nicht einem Centimeter! So kann man mit vielen wissenschaftlich befähigten Rosenkreuzer-Forschern sehr wohl der Ansicht sein, dass die Rosenkreuzer gemäß ihrer vorgeschrittenen Naturerkenntnis bereits einen Millimeter höher und im Besitz einiger bedeutender Naturgeheimnisse gewesen sind, um deren Lüftung sich heute die berühmtesten Gelehrten wie Curie, Ramsay, Crookes u. A. mit mehr oder weniger Erfolg bemühen!
Um uns aber nun den Rosenkreuzern zu nähern, soweit wir das bei ihrer strengen Abgeschlossenheit, den vielfach absichtlich vergifteten historischen Quellen überhaupt vermögen, müssen wir, wenn auch nur ein kleines Stück auf den genannten schwierigen Wegen wandeln, zunächst auf dem der Alchemie, sodann später auf dem der Kabbalah!
Und damit komme ich zu dem ersten Punkt: »Herleitung des Namens Rosenkreuzer aus der Alchemie«.
Alchemie!! Wohl einem jeden von uns ist dieses Wort schon begegnet, doch welche verschiedenen Wirkungen hat es ausgeübt: Mitleidiges Achselzucken bei dem Einen, irgendeine unklare Vorstellung von Goldmachen bei dem Anderen, den Beweis für eine schlimme Verirrung des menschlichen Geistes bei den übrigen! —
Alle haben Recht von ihren Standpunkten aus, aber alle haben auch Unrecht — vom rosenkreuzerischen Standpunkte.
Zum richtigen Verständnis der Rosenkreuzerei ist zunächst eine gründliche Kenntnis der Hauptgedanken der Alchemie notwendig. Ferner einiges Verständnis ihrer eigentümlichen Bezeichnungen; denn, um es vorweg zu nehmen, die Rosenkreuzer waren (oder sind) Alchemisten hauptsächlich in dem Sinne, wie die Freimaurer z. B. heute Maurer sind!
Der Name »Rosenkreuzer« stammt nach einwandfreien Forschungsergebnissen der bekannten Rosenkreuzer-Forscher Dr. Maack, Dr. Freudenberg, u. A. aus der Alchemie, und nicht, wie meistens (aus guten Gründen unwidersprochen) unrichtig behauptet wird, von einem angeblichen Gründer des Rosenkreuz-Ordens, dem Christian Rosencreutz, welcher lediglich als bedeutender, an die Öffentlichkeit getretener Rosenkreuzer anzusehen ist. — Mit ihm werden wir noch später zu tun haben. —
Im Mittelpunkte der gesamten Alchemie steht die Herstellung des »Lapis philosophorum«, des Steins der Weisen. Er besteht angeblich aus einem roten Pulver oder auch Tinktur, deren Herstellung nur erfolgen konnte:
1) Durch einen geheimnisvollen Ausgangsstoff, genannt »Materia prima« oder »Urmaterie«. —
2) Durch eine äußerst schwierige und langwierige Darstellungsmethode, den sogenannten »Prozess«; und endlich