Nachruf für Wilfried Dewald

Lieber Wilfried,

viel zu plötzlich und unerwartet bist du am 24. April 2006 von uns gegangen. Eine nicht zu schließende Lücke ist entstanden. Mittlerweile ist die Trauer über diese schockierende Nachricht der Dankbarkeit gewichen, dass ich Dich kennenlernen und mit Dir zusammen arbeiten durfte.

Bereits 1985 – ich war gerade frischgebackener Jugendleiter – liefen wir uns das erste Mal über den Weg. Einige Male hättest Du mich als Teamer in der „alten Jubi“ in Burgberg sicher gerne mit Wasserbomben bedacht – so wie meine Gruppe Dich – aber Dein Groll hat sich immer wieder schnell in ein unverwechselbares Lachen – Dein Lachen – gewandelt, wenn Du gesehen hast, dass Kindern, Jugendlichen und Teamern die Jugendarbeit Spaß machte. Dein Herz schlug für diese Jugendarbeit und die alpine Erlebnispädagogik, das war Dein Feld, auf dem Du bekannt und beliebt warst, geschätzt als Kollege, der sich immer mit Leib und Seele für die Sache engagierte.

Doch bei allem Spaß an der Arbeit lag Dir auch das Thema Sicherheit immer sehr am Herzen, schließlich sollten die Erlebnisse wirken, die Personen aber nie wirklich in Gefahr geraten. Schon bei unserer ersten gemeinsamen Jugendleitergrundausbildung und in etlichen weiteren gemeinsamen Kursen diskutierten wir oft und lange, was sich u. a. in diesem Buch niedergeschlagen hat.

Leider kannst Du nun nicht mehr miterleben, dass unser Buch schon in eine zweite Auflage geht – ein großer Erfolg in der doch recht kleinen erlebnispädagogischen Buchwelt!

Wir sind immer noch sehr traurig. Dein Herz ist einfach stehen geblieben, Deine geradlinige, offene Art und Deine Begeisterungsfähigkeit werden aber in uns weiterleben.

Dein Christian

 

 

Wilfried Dewald war seit Sommer 1983 beim DAV angestellt und damit einer der dienstältesten Mitarbeiter. Sein Herz schlug für die Jugendarbeit und die alpine Erlebnispädagogik. Über das Team der Jugendbildungsstätte hinaus erfreute er sich bei allen Kollegen, Teamern und Partnerverbänden großer Beliebtheit und engagierte sich immer mit Leib und Seele für die Sache.

Seine Aktivitäten als Buchautor, Seminarleiter und geschätzter Fachpädagoge machten ihn weit über den Alpenverein hinaus bekannt. Jugendarbeit war für ihn mehr als ein Job, sie war sein Leben. Wilfried Dewald prägte entscheidend die Entwicklung von der ersten Einrichtung in Burgberg bis hin zu der nicht mehr weg zu denkenden „Jubi“ in Bad Hindelang.

Wir sind alle sehr traurig. Eine nicht zu schließende Lücke ist entstanden. Seine ehrliche Art, seinen Humor, seine Anteilnahme und sein aufrichtiges Interesse an anderen Menschen werden wir nie vergessen.

Wolfgang Mayr im Namen des Jubi-Teams und aller Kolleginnen und Kollegen des DAV

Inhaltsverzeichnis

On-line

Spiele und Abenteuer mit dem Seil

Einleitung

Zum Gebrauch dieses Buches

1.  Seile und Sicherheit

1.1 Material

1.1.1 Dynamische Seile

1.1.2 Statikseile

1.1.3 Reepschnüre und Schlingen

1.1.4 Spielseile

1.1.5 Karabiner

1.2 Knoten und Verankerungen

1.3 Fixpunkte

1.4 Spannvorrichtungen und Rücklaufsperren

1.4.1 Vorspann

1.4.2 Anschlagpunkte

1.4.3 Flaschenzüge

1.4.4 Rücklaufsperren

1.4.5 Exkurs: Diskussionen im Haifischbecken

1.4.6 Empfohlene Verfahren

1.5 Redundanz

1.6 Zur Hüftgurt-/Brustgurtproblematik

1.7. Helm

1.8 Seilführungen bei redundanten Aufbauten

1.9 Der Teufel liegt im Detail

1.9.1 Karabiner

1.9.2 Belastung von gespannten Systemen

2. Spiele mit dem Seil

Im Seilgarten

Labyrinth

Fuchs und Hase

Ein Fuß im Kreis

Jurtenkreis

Bola

Seilschwingen

Rattenschwanz

Der wilde Stier

Nachtjäger

Der Klumpen

Zwei Könige

Blinder Mathematiker

Spinnennetz

Der Seilknoten

Elektrischer Draht

Das laufende A

Balltransport

Zauberwald

Gefesselt

3.  Abenteueraktionen mit dem Seil

Die Nebel von Avalon

Die Winde des Vertrauens

Bachüberquerung

Mohawk Walk

Hajos Mondfahrt

Die Brücke der Verständigung

Die Raute

Affenschaukel

Hoher Gang

Das Seilkreuz

Seilfähre

Seilbrücke

Burmabrücke

Seilrutsche

4.  Sicherungsmaßnahmen und sicherheitstechnische Interventionen

4.1 Die Stopp-Regel

4.2 Intervention bei niederen Aufbauten

4.3 Intervention bei hohen Aufbauten

5. Zusammenfassung

5.1 Technik

5.2 Betreibung

5.3 Organisation

6. Hinweise zur Pädagogik

6.1 Planung

6.2 Präsentation

6.2.1 Allgemeines

6.2.2 Anmoderation

6.2.3 Regeln

6.2.3.1 Grundsätzliches

6.2.3.2 Zum Umgang mit Regeln

6.3 Durchführung

6.3.1 Allgemeines

6.3.2 Intervention

6.3.2.1 Interventionsanlässe

6.3.2.2 Interventionsformen

6.4 Reflexion

7. Hinweise zur Ökologie

8. Ausgewählte „Missgeschicke“

9. Literaturhinweise

Adressen

Danksagung

Anhang

Prüfprotokoll GriGri Edelrid

Feldversuche und Tests zu Rücklaufsperren und Anschlagsystemen

Feldversuch zur Belastung von Ankerstichschlingen

Anmerkungen zur Rechtslage und zu aktuellen Urteilen

Autoren

Einleitung

Die klassischen Handlungsfelder der Erlebnispädagogik wie Bergwandern, Klettern, Höhlenbegehungen oder auch Schlauchbootfahren haben in den letzten Jahren zunehmend Gesellschaft bekommen. Besonders rasant verlief die Entwicklung im Bereich der Seilgärten oder auch Ropes Courses, die in ihrer mobilen oder stationären Form aus den Programmen vieler Anbieter kaum mehr wegzudenken sind.

Praktiker in der Erlebnispädagogik, die sich mit diesem Handlungsfeld beschäftigen und es in ihre Aktivitäten und Angebote integrieren wollen, sehen sich vor allem hinsichtlich der hard skills ungeahnten Anforderungen gegenüber. Besonders in der mobilen Variante der Ropes Courses sind eingehende seil- und knotentechnische Kenntnisse vonnöten, um sicherheitstechnisch einwandfrei arbeiten zu können.

Allerdings ist die Materie kompliziert und die Ansichten, was beim Bau von mobilen Anlagen in Bodennähe oder in der Höhe richtig und was falsch ist, gehen zum Teil weit auseinander. Unter den Spezialisten wird heftig diskutiert und es wurden (und werden) Verfahren entwickelt, die dem hohen sicherheitstechnischen Anspruch genügen können.

Allerdings werden diese Kenntnisse bislang nur vereinzelt in Fort- und Weiterbildungen weitergegeben, in der deutschsprachigen erlebnispädagogischen Literatur fehlt eine grundlegende Darstellung bislang fast völlig.

Zwar wurden immer wieder Seilbrücken, Seilrutschen und andere hohe Aufbauten im Rahmen von Problemlöseaufgaben oder kooperativen Abenteueraktionen benannt und beschrieben – aber immer dann, wenn es um das Know-how eines sicherheitstechnisch verantwortungsvollen Aufbaus ging, wurden die Leserinnen und Leser allein gelassen.

Lediglich in einigen Zeitschriften wurden hin und wieder Anleitungen zum Aufbau veröffentlicht – teils in qualifizierter Form, teils mit erschreckenden Fehlern.

Diese Entwicklung ging auch an der Jugend des Deutschen Alpenvereins (JDAV), bei der Seile sozusagen zur Grundausstattung ihrer Aktivitäten gehören, natürlich nicht spurlos vorbei.

Da ein seil- und knotentechnisches Grundwissen bei Jugendleitern in der JDAV zum Handwerkszeug gehört und sich dieser Personenkreis der Attraktivität mobiler Seilaufbauten weder verschließen konnte noch wollte, entschlossen wir uns 2000 auf Anregung des Bildungsreferenten der JDAV, Wolfgang Wahl, innerhalb der verbandsinternen Schriftenreihe „zum Thema“ dieses Thema zu erfassen und grundlegend zu beschreiben.

Der Erfolg dieses etwa 90 Seiten starken Heftchens – auch über die JDAV hinaus – überraschte damals alle Beteiligten und auch die zahlreichen Bitten, dieses Thema in geeigneter Form einem interessierten Leserkreis über die JDAV hinaus zugänglich zu machen, hat uns zu einer erweiterten und aktualisierten Version in Form dieses Buches ermutigt.

Während der Arbeit zu diesem Buch erhielt einer der Autoren eine E-Mail, in der es auch um das Für und Wider von Veröffentlichungen zu diesem Thema ging. Dort stand zu lesen:

„Sie beschreiben ein Buch, das Aufbautechnik und Betrieb von Seilaufbauten darstellen soll. Bringen solche Bücher nicht noch mehr schwarze Schafe, die glauben, sich am Wochenende mal schnell einen Parcours selbst basteln und Teilnehmer hinüberschicken zu können – ohne die nötige Sorgfaltspflicht und Ahnung von der Materie?“

Zugegeben – dies berührt einen wunden Punkt.

Aber wie soll über Sorgfaltspflichten und Know-how informiert werden, wenn nicht durch Spezialisten der Materie? Ein Burgverhalten der Informierten bringt nichts, ist wenig kollegial und produziert schlimmstenfalls Unfälle bei denjenigen, die von den entscheidenden Informationen abgeschnitten sind.

Wir sind überzeugt: Gebaut wird so oder so – und wenn dies stimmt, dann besser mit den Informationen in diesem Buch.

Christian Häußler und Wilfried Dewald

Im Februar 2005

Zum Gebrauch dieses Buches

Den Autoren geht es in diesem Buch vor allem darum, die Grundlagen des Baus von sicherheitstechnisch korrekten hohen und niederen Seilaufbauten zu beschreiben. Dabei wurde eine Auswahl getroffen, die sich an den gängigen Varianten orientiert und auch von Einsteigern nachvollzogen werden kann. Extreme und daher komplizierte Aufbauten wurden nicht beschrieben.

Wir halten es aber auch für angebracht, den Blick nicht nur auf den technisch anspruchsvollen Bereich zu richten. Seile müssen nicht immer in adrenalinhaltiger Höhe über tiefe Schluchten gespannt werden – sie können auch in Bodenähe in spielerischem Rahmen verwendet werden.

In diesem Zusammenhang existieren bereits weit reichende Sammlungen – stellvertretend seien an dieser Stelle die beiden umfassenden Veröffentlichungen von Rüdiger Gilsdorf und Günter Kistner, („Kooperative Abenteuerspiele I und II“, s. Literaturverzeichnis) genannt.

Wir haben die zum Kontext passenden Spiele und Übungen in diesem Buch in einer überarbeiteten und erweiterten Form zusammengefasst.

Trotzdem ersetzt dieses Buch nicht die Lektüre der einschlägigen alpinen Grundlagenliteratur. So setzen wir zum Beispiel voraus, dass den Lesern dieses Buches die Grundzüge der alpinen Sicherungstechnik bekannt sind und dass auch das Einbinden mittels Hüft- und Brustgurt kein Buch mit sieben Siegeln darstellt.

Personen, die bereits Erfahrungen als Leiter in der Arbeit mit Spielen und Abenteuern mit dem Seil gesammelt haben und denen es im Wesentlichen um eine Aktualisierung der Sicherheitstechnik geht, können nach der Lektüre des Kapitels 1 zu den Spielen (Kapitel 2) und den Abenteueraktionen (Kapitel 3) „durchstarten“. Trotzdem halten die Kapitel 4 und 5 möglicherweise auch für diesen erfahrenen Personenkreis noch den einen oder anderen wertvollen Hinweis bereit.

Lesern, die mit alpinem Basiswissen neu in das Handlungsfeld Spiele und Abenteuer mit dem Seil einsteigen, empfehlen wir vor den ersten Ausflügen in die Praxis in jedem Fall ein eingehendes Studium des 6. und 7. Kapitels.

Zu den pädagogischen Grundlagen des Anleitens von Spielen und Abenteueraktionen verweisen wir auf eine reichhaltige Fachliteratur – wir sahen keinen Sinn darin, diese Suppe erneut komplett umzurühren.

Infolgedessen konzentrieren wir uns in Kapitel 6 auf eine Darstellung der Sachverhalte, die uns in der erlebnispädagogischen Arbeit mit dem Seil als wesentlich erscheinen. Dabei werden im Hinblick auf die Umsetzung eine Auswahl geeigneter Methoden vorgestellt.

Nach Hinweisen zur Ökologie (Kapitel 7) werden in Kapitel 8 ausgewählte Missgeschicke aus der erlebnispädagogischen Arbeit mit Seilaufbauten dargestellt – dies dürfte unabhängig von den Vorerfahrungen für jeden interessant sein.

Der Anhang liefert Hinweise und weiterführende Grundlagen zu den in diesem Buch vertretenen Positionen.