Über das Buch:
König David – eine faszinierende Persönlichkeit mit charakterlichen Stärken, aber auch großen inneren Abgründen. Und dennoch – ein Mann nach dem Herzen Gottes, der sich zeitlebens nach Gott sehnte, ihm dienen wollte und immer wieder zu ihm umkehrte.
»königlICH« richtet sich an Männer, die Gott gefallen wollen. Männer mit Ecken und Kanten, aber auch großem Potenzial – wie David. Anhand seiner Lebensgeschichte wird deutlich, was ein Männerherz von seinem himmlischen König entfernen kann. Genauso aber, welche Würde und Verantwortung ein Mann von Gott übertragen bekommt. Denn einem »König wie David« geht es nicht um Selbstdarstellung oder Macht, sondern um Charakter und Verantwortung, letztlich um das Wesen Jesu. Er, der Nachkomme Davids, der »König der Könige«, ruft Männer in seine Gefolgschaft.
Eine Reise durch das Leben Davids, in die immer wieder Bezüge zum Neuen Testament und Erfahrungen aus dem Leben des Autors einfließen.
Über den Autor:
Christian Huster leitet mit einem Team von Ältesten die Venue Church in Ludwigsburg. Während seines Studiums der Germanistik und Geschichte schrieb er für verschiedene Zeitungen. 2005 veröffentlichte er den historischen Roman »Beresina«. Hauptberuflich arbeitet er als Lehrer und wohnt mit seiner Frau und seiner Tochter in Ludwigsburg.
Von der Schafweide zum Königshof –
Mit Gottes Augen sehen
Während Saul ein König nach dem Geschmack des Volkes war, groß und gut aussehend, bildete Gott David zu einem Mann nach seinem Herzen heran. Groß und gut aussehend – das waren auch Davids Brüder, als sie vor Samuel Spalier standen. Selbst der Seher Gottes betrachtete sie zunächst mit menschlichen Augen. Als er Eliab, Isais Erstgeborenen, musterte, war er von dessen Größe und Aussehen dermaßen beeindruckt, dass er ihn für den künftigen König hielt. Doch Gott ließ ihn nicht lange in diesem Irrtum:
„Sieh nicht an sein Aussehen und seinen hohen Wuchs; ich habe ihn verworfen. Denn es ist nicht so, wie ein Mensch es sieht: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz.“ (1. Samuel 16,7)
Gott hatte sich für David entschieden, weil er dessen Herz kannte und liebte: ein Herz, das ungeteilt auf ihn gerichtet war. Ihn störte die Tatsache, dass David der Kleinste war, nicht im Geringsten. Isai hatte David Schafe anvertraut, Gott würde ihm ein Königreich anvertrauen. Paulus spricht in seinem ersten Brief an die Korinther regelrecht von einem Prinzip Gottes, gerade das zu erwählen, was in der Welt als töricht, schwach und unedel gilt (1. Korinther 1,26ff).
Glücklicherweise gibt es auch Menschen, die sich den Blick Gottes zu eigen gemacht haben. Den Blick, der sich nicht von Äußerlichkeiten beeindrucken lässt, sondern allein auf das Herz zielt, um den Schatz zu entdecken, der in diesem Acker verborgen liegt. David, der Übersehene, wurde gesehen. Als ein böser Geist Saul die Ruhe raubte, suchten seine Knechte nach einem Mann, der ihn mit seinem Harfenspiel besänftigen, wenn nicht sogar heilen konnte. Er war rasch gefunden.
„Da antwortete einer der jungen Männer und sprach: Ich habe gesehen einen Sohn Isais, des Bethlehemiters, der ist des Saitenspiels kundig, ein tapferer Mann und tüchtig zum Kampf, verständig in seinen Reden und schön, und der Herr ist mit ihm.“ (1. Samuel 16,18)
Gott sorgt dafür, dass wir nicht übersehen werden und auf dem Abstellgleis enden, selbst wenn Menschen uns genau dorthin verfrachtet haben. Dieser Jüngling hatte einen prophetischen Blick, er sah mit den Augen Gottes. Noch bevor David je ein Schwert geschwungen hatte, sah dieser Seher in dem Hirtenjungen einen tapferen Kriegshelden. Er sah in ihm bereits einen verständigen Redner, als David noch kein anderes Publikum als seine Schafherde kannte.
Es gibt ein prophetisches, ein geistliches Sehen, das Menschen befähigt, ihre Mitmenschen mit den Augen Gottes zu betrachten. Jesus hatte diesen Blick, er konnte die Gedanken seiner Mitmenschen sehen, ihnen tief ins Herz blicken. Häufig finden wir im Neuen Testament in solchen Augenblicken das griechische Verb „eido“, das nichts anderes als „sehen“ bedeutet. Matthäus berichtet, wie Jesus die Gedanken der Pharisäer „sah“ und sie deshalb fragte: „Warum denkt ihr so Böses in euren Herzen?“ (Matthäus 9,4) Paulus „sah“ den Glauben des Gelähmten in Lystra (Apostelgeschichte 14,9).
Männer und Frauen, die mit den Augen Gottes sehen, sind ein Segen für das Königreich Gottes. Sie lassen sich nicht von Äußerlichkeiten beeindrucken und führen Menschen, die Gott treu, aber von anderen vielleicht unbemerkt dienen, in die nächste Etappe ihrer Berufung. Denn mit diesem Gesehenwerden begann Davids Aufstieg. Von der Schafweide bei Bethlehem wurde er regelrecht an den Königshof in Gibea gebeamt, um binnen kurzer Zeit nicht nur der Harfenspieler, sondern auch der Waffenträger des Königs zu werden. Die erste Zeit der Ausbildung und Bewährung im Kampf gegen Löwen und Bären lag nun hinter ihm. Samuel hatte ihn zum König berufen und gesalbt – mit Öl und Heiligem Geist. Mir fällt auf, dass David nichts aus eigener Kraft deichseln musste, damit seine Berufung in die Gänge kann, auch wenn er viele Gelegenheiten dazu gehabt hätte. Er bewährte sich schlichtweg in den Augen Gottes und der Menschen. David kämpfte nicht für seinen Aufstieg auf der Karriereleiter Gottes; er wurde ihm aufgrund seiner Bewährung zuteil. Dabei traf er freilich auf einen Mann, der im Grunde nichts anderes tat, als für sich selbst zu kämpfen. Sein Name war Saul.
Das Prinzip der Bewährung wendete David später als König selbst an, um Männer für Führungspositionen auszuwählen. Schmeicheln jedenfalls ließ er sich nicht. Der Mann, der ihm die Botschaft von Sauls Tod überbrachte, gab vor, dabei selbst Hand angelegt zu haben. Zweifelsohne hoffte er auf Davids Gunst und eine Belohnung, die sich gewaschen hatte. Doch David ließ ihn zur Strafe dafür, dass er den Gesalbten des Herrn getötet hatte – was tragischerweise gar nicht der Wahrheit entsprach –, von einem seiner Nachwuchskrieger erschlagen (2. Samuel 1,1-16).
Nein, Könige sind unbestechlich, ansonsten sind sie keine. David ging bei der Auswahl der Männer, denen er Vertrauen schenkte und Verantwortung übertrug, anders vor. Auch er blickte mit jenem göttlichen Blick auf sie, sah ihre Anlagen und worin sie sich bewährt hatten, um sie schließlich zu berufen. Mein Lieblingsheld unter Davids Helden ist dafür das beste Beispiel: Benaja, der Sohn Jojodas.
„Benaja, der Sohn Jojadas, der Sohn eines tapferen Mannes, groß an Taten, aus Kabzeel, erschlug die beiden mächtigen Helden von Moab; er stieg auch hinab und tötete einen Löwen in einer Zisterne zur Schneezeit. Er erschlug auch einen stattlichen ägyptischen Mann, der einen Speer in der Hand trug; er aber ging zu ihm hinab mit einem Stock, und er riss dem Ägypter den Speer aus der Hand und tötete ihn mit seinem eigenen Speer.“ (2. Samuel 23,20f.)
Von Benaja lesen wir wenig später, dass David ihn zum Anführer seiner Leibwache machte (2. Samuel 23,23). Keine schlechte Wahl, schließlich hatte Benaja sich in seinen Kämpfen bewährt. Aber hatten das nicht alle Helden Davids? Was sah David in Benaja, weshalb er ihm den Vorrang gab? Ich glaube, dass es die Sache mit dem Löwen war. Damit meine ich nicht nostalgische Gründe im Sinne von: Ach ja, damals, als ich jung war, habe ich auch Löwen getötet. Da, du hast den Job! Nein, ich bin überzeugt, dass David bei Benaja nicht nur Tapferkeit sah, sondern auch Leidenschaft. Freude am Kampf um seiner selbst willen.
Es gab für Benaja keinen anderen Grund, dem Löwen in den Brunnen hinterherzuspringen, trotz Schnee und schlüpfrigem Boden. Benaja kannte Leidenschaft und Begeisterung unabhängig von der Frage: „Was habe ich davon?“ Deshalb berief David ihn zum Anführer seiner Leibwache, der Krether und Plether – bei Benaja wusste er sich in den besten Händen. Dieser bewährte sich in seinem Amt, sodass er von Salomo, Davids Sohn, später sogar zum Heerführer Israels befördert wurde (1. Könige 2,35).
Auch im Königreich Gottes gilt das Prinzip von Bewährung und Berufung. „Wer im Geringsten treu ist, der ist auch im Großen treu“ (Lukas 16,10), sagt Jesus. Und im Gleichnis von den anvertrauten Pfunden zeigt er, dass in seinem Reich derjenige, der sich in seiner Aufgabe bewährt hat, mehr Verantwortung erhält:
„Ich sage euch aber: Wer hat, dem wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, wird auch das genommen werden, was er hat.“ (Lukas 19,26)
Die zweite Hälfte dieser Aussage Jesu erinnert an das Schicksal von König Saul …