Zum Buch
»Weißt du noch, wie ihr mich genannt habt, als ich noch klein war? Certola, Eidechslein. Ich glaubte, dass sie, wenn sie einen Schwanz verlieren auch alles Böse abwerfen. Jeder neue Schwanz, der nachwächst, ist eine neue Chance glücklich zu werden.«
Alles beginnt mit einer Beerdigung. Der Familienpatriarch Zaro ist tot, und das toskanische Dorf Ponte a Emo trägt ihn zu Grabe. Nur seine Tochter Isabelle ist nicht gekommen, denn sie und Zaro verbindet eine Geschichte, deren Wurzeln so tief reichen, wie die Verletzungen, die daraus resultierten. Die Nacht, in der Isabelle gezeugt wurde, schien das Schicksal der Frauen in der Familie zu bestimmen – auch das von Isabelles beiden Töchtern, gerufen Eidechse und Kolibri.
Erzählt von unserer Zeit bis zu der Nacht, in der alles begann, nimmt diese Familiengeschichte von vier Generationen Gestalt an, in der es Liebe und Einsamkeit gibt, aber auch Tiergeschichten und Träume, die vererbt werden wie Schätze.
ERIKA BIANCHI, geboren 1975, lebt und arbeitet in Florenz, wo sie Alte Geschichte und Archäologie an der Universität lehrt. Ihr Roman »Wir sind nicht wie Eidechsen« wurde mit dem Premio RAI La Giara ausgezeichnet und für weitere Literaturpreise nominiert.
Erika Bianchi
Wir sind nicht
wie Eidechsen
Roman
Aus dem Italienischen von
Viktoria von Schirach

Die italienische Originalausgabe erschien 2017 unter dem Titel »Il contrario delle lucertole« von Erika Bianchi bei Giunti Editore, Florenz – Mailand.
1. Auflage
Satz: Uhl + Massopust, Aalen
ISBN 978-3-641-23180-4
V001
Epilog Juni 2011
Cecilias Tod Oktober 2009
Hamlet auf Sparflamme August 2008
La faim e la femme Januar 2008
Atlantis November 2007
Vergeltung Februar 2004
Ein Loch ist im Eimer Juli 2001
Silvesternöte Januar 1997
Wir sind nicht wie Eidechsen April 1994
Spiele für jeden Tag Juni 1989
Osternagel März 1986
Ehen Juli 1981
Blackout Dezember 1979
Mithridates Februar 1977
Die Liebe in Zeiten der Cholera September 1973
Une valse à vingt ans Mai 1968
Prolog April 1964
Paris Juni 2011
Coda August 2016
Dank
Weil der Mensch sich von allem befreien kann, außer von dem Raum, den die Dinge einmal eingenommen haben.
Nicole Krauss, Kommt ein Mann ins Zimmer
Tatsache ist, dass die Zeit nur in eine Richtung fließt, doch man erfasst diese nur, wenn man sie noch einmal in der entgegengesetzten Richtung durchläuft.
Sandro Veronesi, XY
Es gibt Zikadenarten, deren Larven siebzehn Jahre unter der Erde verbringen, wo sie an den Wurzeln der Bäume nagen. Als hätten sie mitgezählt, krabbeln sie dann in einer Frühsommernacht nach exakt siebzehn Jahren zu Millionen aus der Erde und klettern auf die Bäume.
Am nächsten Tag sind sie dann schon flugbereite Erwachsene und fangen an, sich wie wild zu paaren, in einer ohrenbetäubenden Orgie.
Dabei singen allerdings nur die Männchen.
Die Weibchen sind stumm.