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Abwehrhaltung

Achtsamkeit

Affäre

–Bindungstheorie und

–Ursache für

Begehren

–anhaltendes

–sexuelles

–weibliches

Beleidigungen

Bewältigungsmechanismen geschlechtsbedingte

Bewunderung

Beziehung

–Cortisolgehalt und

–finanzieller Stress und

–Geld und

–gemeinsames Ziel in

–Gleichgewicht in

–glückliche

–Intimität in

–Kinder und

–neue Erfahrungen und

–Partnerwechsel und

–Schulden und

–Unstimmigkeiten in

Beziehungsdenken

Bindung lebenslange

Bindungstheorie

Conscious Coupling

Dankeschön gelegentliches

Dopamin

Ehe

–Affäre und

–als Anachronismus

–als Geschäftsbeziehung

–als Institution

–Beten und -

–Bildungsstand und

–Buddy-Prinzip und

–Dankbarkeit und

–Einstellung zur

–Elternschaft und

–Erwartungen und

–finanzielle Sicherheit und

–finanzielle Sorgen und

–Freundschaften und

–Geschlechterrollen und

–gute Gründe für

–Heiterkeit und

–im Wandel

–Kinder und

–offene

–Rückzugsstrategie und

–Schulden und

–Selbstverwirklichung und

–sexlose

–Streit in

–Streitereien in

–Streitigkeiten in

–Transparenz in

–Verletzlichkeit und

–Vertrautheit und

–Wohlstand und

–zerrüttete

–Zufriedenheit in

Ehemodell traditionelles

Ehe-Ninjas

Eheschließung Lohndifferenz und

Ehezwistigkeiten

Einfühlungsvermögen

Einkommen

Eltern

–Erzieherrolle und

–Erziehungsstil der

–Grenzen der

Elternschaft

Elternsein

Elternzeit

Empty-Nest-Scheidung

Entbehrung

Entschuldigung

–Zeitpunkt für

Erinnerungsvermögen

Erziehungsfragen

Evolution Selektion und

Familienmodell

Feedback-Wheel

Finanzen

–gemeinsames Konto und

–getrenntes Konto

Flitterwochen

Franklin-Effekt

Frau

–Erwerbskraft der

–Libido der

–Mutter und

–Nachwuchs und

–Sex und

–sexuelles Verlangen der

–verheiratete

Funktionsstörungen erektile

Gefühlsüberschreibung negative

Gehirn

Geld

–Angst und

–Angstlöser und

–Beziehung und

–Beziehungsstreitigkeiten und

–Diskussionen um

–Ehe und

–Gefühle und

–Liebe und

–Nachwuchs und

–Scheidung und

–Streitereien um

–Unabhängigkeit und

Geldsorgen

Geringschätzung

Geschlechter Kommunikation zwischen

Geschlechternormen

Geschlechterunterschiede Würde und

Gewalt finanzielle

Glück eheliches

Glückslevel

Good Enough-Sexmodell

G-Punkt

Großeltern

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–negative

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Interaktionsmuster

Intimität

Intimitäts-Lust-Paradoxon

Kampf-oder-Flucht-Reaktion

Kaugeräusche-Scheidung

Kinder

–Ehe und

–Ehepartner und

–Eltern und

–solide Beziehungen und

–Streitigkeiten wegen

Kindererziehung

Kommunikation

Konflikte

–Kinder und

–Zuhören und

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Körpersprache

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Leidenschaft

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Libido

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Liebe

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Loyalität

Lust

–als duales System

–Depression und

–schwindende

–Testosteronspiegel und

Lustdiskrepanzen

Lustflaute

Mann

–Hausarbeit und

–Nachwuchs und

–Sex und

–Sexualtrieb des

–verheirateter

Männlichkeit

Materialismus

Mind-Reading-Übung

Misophonie

Mutter

–als Bezugsperson

–Familienmodell und

–frischgebackene

–junge

–Nachwuchs und

Nachgeben ständiges

Netzwerke soziale

Orgasmus

–weiblicher

–weibliches Gehirn und

Oxytocin

Paarlehrgänge

Paartherapie

–emotionsfokussierte

Paarungsvorteil

Partner

–destruktive Verhaltensweisen des

–Einstellung zum

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–Sorgen des

–Streit mit

Partnerschaft

–Abenteuer in

–Elternschaft und

–Finanzen in

–Kinder und

–Langeweile in

–langfristige

–Vergebung und

Polyamorie

Pornografie

Reaktionszyklus sexueller

Reziprozität negative

Rosenkrieg

Rückzug

Scheidung

–finanzielle Unabhängigkeit und

–Geldsorgen und

–Kinder und

–Rückzug und

–Schulden und

–verschuldensunabhängige

Scheidungskinder

Scheidungsrate

Schlichtungsversuch

Schulden

–Transparenz und

Schwiegereltern

Seelenverwandte(r)

Seitensprung Selbstbestimmungstheorie

Selbstbild dynamisches

Selbstbild festgefahrenes

Selbstexpansionsmodell

Selbstwahrnehmungstheorie

Sex

–besserer

–Einkaufen und

–genügend

–Gespräche über

–Gesundheit und

–Hindernisse beim

–in fester Beziehung

–Nacktheit Berührung und

–Schlaf und

–Schmerzempfinden und

–Selbstwertgefühl und

–Spaß am

–Sprachverhalten und

Sexflaute

Sexleben

Sexualität weibliche

Stimulation klitorale

Streiten konstruktives

Streiten produktives

Streitstrategie

Survival-Modus

Teammentalität

Testosteron

Treue Loyalität und

Unsicherheit

Untreue

–finanzielle

Vater

–Nachwuchs und

Vaterschaftsurlaub

Verachtung

Verbindung bewusste siehe Conscious Coupling

Verbundenheit

Vergebung

Verlangen sexuelles

Verletzlichkeit

Versöhnungssex

Verteidigungshaltung

Vertrautheit

–als Waffe

–Nebenprodukte von

–Verachtung und

Verwandtschaft

–Kinder und

Verzeihen

Voreingenommenheit

Vorstellung internalisierte

Vorwürfe

Wachsamkeit Transfer der

Wahrnehmung

Wertschätzung

–beiderseitige

–geringe

Zuhören

Buch

Meist verliebt man sich mit einem lauten Paukenschlag, der dann langsam, aber sicher verhallt. Beziehungen sind das emotionale Pendant zum Schneeschippen: Zu Beginn ist man voller Tatendrang und Energie, dann entpuppt es sich als kräftezehrender, als man denkt. Und doch wünschen sich immer mehr Menschen, verheiratet zu sein. Wie also kann die lebenslange Partnerschaft gelingen? Die Journalistin Belinda Luscombe hat eine Anleitung geschrieben, wie wir auch nach der Hochzeit glücklich bleiben.

Autorin

Belinda Luscombe weiß, wovon sie schreibt: Seit 25 Jahren probt sie all ihre Ratschläge mit dem eigenen Ehemann. Als Journalistin hat sie außerdem bereits mehrere Preise gewonnen. Sie hat zwei Kinder und lebt mit ihrer Familie in den USA.

Belinda Luscombe

HEIRATEN

IST GAR NICHT

SCHWER

ZUSAMMEN BLEIBEN ABER SEHR

Aus dem amerikanischen Englisch

von Bettina Spangler

Die US-amerikanische Originalausgabe erschien 2019 unter dem Titel »Marriageology« bei Spiegel & Grau, New York, USA.

Alle Ratschläge in diesem Buch wurden vom Autor und vom Verlag sorgfältig erwogen und geprüft. Eine Garantie kann dennoch nicht übernommen werden. Eine Haftung des Autors beziehungsweise des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist daher ausgeschlossen.

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1. Auflage

Deutsche Erstausgabe April 2019

Copyright © 2019 der deutschsprachigen Ausgabe: Mosaik Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München

Copyright © 2019 der Originalausgabe: Belinda Luscombe

This translation is published by arrangement with Spiegel & Grau, an imprint of Random House, a division of Penguin Random House LLC

Umschlag: *zeichenpool, München

Umschlagmotiv: shutterstock/GoodStudio

Redaktion: Angela Kuepper

Satz und E-Book Produktion: Satzwerk Huber, Germering

JE ∙ Herstellung: IH

ISBN 978-3-641-22068-6
V001

www.mosaik-verlag.de

Für Edo, der zum Glück Ausdauersport bevorzugt.

»Herz, bist du groß genug

für eine Liebe, die niemals ermüdet?«

ALFRED, LORD TENNYSON

»Die Ehe ist eine wunderbare Institution, aber wer möchte schon in einer Institution leben?«

UNBEKANNT

Inhalt

Einleitung

Kapitel 1: Vertrautheit

Kapitel 2: Feindseligkeiten

Kapitel 3: Finanzen

Kapitel 4: Familie

Kapitel 5: Fleischliche Gelüste

Kapitel 6: Hilfe finden

Danksagung

36 Fragen für die Liebe

Quellenverzeichnis

Einleitung

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass die meisten Ehen mit einem Paukenschlag beginnen, der dann langsam, aber sicher verhallt? Der große Tag: Bei der Hochzeitsfeier lässt man es ordentlich krachen und gönnt sich hinterher einen Luxus-Traumurlaub. Dann der erste Jahrestag, ein ganz besonderes, aufregendes Ereignis; noch wird man von Freunden und Verwandten dazu beglückwünscht. Der zweite Hochzeitstag, ein schickes Abendessen und ein Geschenk. Und so geht es weiter, mit einem traditionell festgelegten Geschenk (zum dritten Hochzeitstag: Leder, zum fünften: Holz, zum zehnten: Rosen), bis man im fünfzehnten Jahr angekommen ist. Da wird dann Kristall oder Glas verschenkt. Nach diesen fünfzehn Jahren sind im traditionellen Kontext keine Geschenke mehr vorgesehen. Plötzlich steht man mit leeren Händen da, ohne irgendeine Art der Anerkennung – bis zum zwanzigsten Hochzeitstag, zu dem Porzellan empfohlen wird. Und das ist, nur am Rande, lange nicht so kostspielig wie Kristall. Zum dreißigsten Jahrestag ist die entsprechende Kategorie Perle, und das bedeutet im Grunde nichts anderes, als dass nur noch die Ehefrau ein Geschenk erhält.

All das ist vollkommen unzeitgemäß und rückständig. So ziemlich jeder kriegt es hin, ein Jahr lang verheiratet zu bleiben. Im Fahrwasser der Flitterwochen schafft man es locker bis ins dritte Jahr. Nötig werden Geschenke zum Hochzeitstag eigentlich erst nach fünfzehn Jahren, wenn man sich allmählich an die Tatsache gewöhnt hat, dass man diese eine Person Tag und Nacht um sich hat. Wenn man nach den fünfzehn Jahren die Geschenke plötzlich einstellt, dann ist das so, als feuerte man eine Fußballmannschaft bloß in der ersten Halbzeit eines Spiels an oder jubelte einem Läufer nur die ersten fünfzehn Kilometer eines Marathons zu. Dabei ist dieser Zeitraum noch der sehr viel einfachere Teil.

Wie vorsintflutlich das alles ist, wurde mir erst richtig bewusst, als mich ein alter Freund anrief. Wir hatten länger nichts voneinander gehört, und jetzt teilte er mir mit, dass er und seine Frau vorhatten, sich nach zwanzig Jahren Ehe zu trennen. Sie wollten möglichst im Guten auseinandergehen, versicherte er mir, und deshalb hätten sie vor, weiter unter einem Dach zu leben. Sie würden nach wie vor zusammen kochen und essen und auch andere Dinge gemeinsam tun. Irgendwann würden sie ihre Finanzen trennen. Sie liebten sich immer noch, beharrte er, nur konnten sie nicht länger verheiratet bleiben. Er erzählte mir, bei einem gemeinsamen Bekannten sei es ganz ähnlich gelaufen.

Wenn Ehen scheitern, kommt es in den seltensten Fällen zu einem heftigen Zusammenstoß, bei dem sich der ganze geballte Hass entlädt, man sich gegenseitig schwere Vorwürfe macht, sich anbrüllt und Türen geknallt werden, wo die Überlebenden am Ende blutverschmiert aus den rauchenden Trümmern taumeln und sich in die Arme eines Sanitäters retten. Heutzutage muss man sich Trennungen vielmehr als einen Akt der Euthanasie wie in einer schicken Tierarztpraxis vorstellen. Nach etlichen langen Diskussionen über die Qualität, die man von diesem Bund noch zu erwarten hat, wird schließlich ganz behutsam eine Entscheidung getroffen, und dann wird die Ehe, natürlich mit den besten Absichten, von ihrem Elend erlöst, ein bisschen wie bei einem in die Jahre gekommenen Haustier, dessen Nieren nicht mehr einwandfrei funktionieren und das deshalb immer wieder die Teppiche ruiniert. Man tut es nicht, weil man wütend wäre, dass die Flamme erloschen ist; es ist vielmehr ein ganz bewusstes »Ent-Paaren«, eine reine Vernunftentscheidung.

Mein Freund war traurig, sicher, aber in erster Linie war ihm die Sache peinlich. Es war nämlich bereits seine zweite Ehe, die gescheitert war. Er hat einen erwachsenen Sohn aus erster Ehe und machte sich Sorgen, was der wohl von ihm denken würde. Während wir uns unterhielten, drängte sich mir immer mehr der Eindruck auf, er hätte einen Job verloren und keine Familie. Zumindest schien er das so zu empfinden. Oder als wäre er etwas zu sorglos mit seiner Kreditkarte umgegangen, und jetzt war er Opfer einer Betrugsmasche geworden. Schon wieder? Herrje, was bin ich nur für ein Schussel.

Niemand sagt es gern so direkt, aber es ist völlig normal, dass Ehen scheitern. Sie sind so etwas wie das emotionale Pendant fürs Schneeschippen: Zu Beginn ist man voller Tatendrang und Energie, doch dann entpuppt es sich als kräftezehrender, als man denkt. Es ist natürlich, dass man von der Ehe irgendwann genug hat. Es ist natürlich, dass Lebensmittel verderben, dass Feuer erlischt, dass die Begeisterung nachlässt.

Schließlich gibt es für ein menschliches Wesen kaum eine bedeutsamere, riskantere und intimere Entscheidung, als zu sagen: Das ist die Person, mit der ich den Großteil meiner Zeit auf Erden verbringen will. Das ist die Person, mit der ich neues Leben in die Welt setzen will. Das ist die Person, deren Wohlbefinden so gut wie jede meiner Entscheidungen beeinflussen wird. Das ist die Person, von deren Glück mein eigenes abhängt, deren Witze und Anekdoten ich mir anhören werde, solange mein Gehör noch funktioniert, deren Klamotten meinen Schrank überquellen lassen und deren Haare meinen Abfluss verstopfen.

Im Zeitalter der Start-ups, Flashmobs und Pop-ups ist eine Beziehung wie die Ehe, die ein Leben lang halten soll, fast so etwas wie ein Anachronismus. Schließlich steht sie für Beständigkeit. Sie lässt keine Unterbrechungen zu. Hier gibt es kein Fail-Fast und keine Upgrades. Man müsste daher eigentlich erwarten, dass wir uns dieses offensichtlich veralteten Systems längst entledigt hätten, so wie wir es mit anderen menschlichen Erfindungen getan haben, zum Beispiel dem Handpflug, dem Faxgerät oder dem Warten, bis die nächste Episode einer Serie im Fernsehen läuft.

Doch obwohl es ein ganz natürlicher Prozess ist, dass Ehen in die Brüche gehen, ist er nicht unvermeidlich. Und vor allem nicht wünschenswert. Wir wissen heute, wie wir Lebensmittel für den Verzehr haltbar machen, wie wir ein Feuer am Glühen halten oder wie wir Menschen motivieren. Mit ein wenig behutsamer Zuwendung können wir der Natur ein Schnippchen schlagen und diesem Prozess entgegenwirken.

Vor allem, weil die Ehe, diese uralte und zugegebenermaßen etwas in die Jahre gekommene Institution, immer noch der Traum vieler Menschen ist. Offenbar ist irgendwo tief in uns das Verlangen verwurzelt, eine intime Beziehung zu einem anderen Menschen einzugehen. Und zwar, weil man sich das volle Programm erhofft: einen anderen Körper, an dem man sich wärmen kann und der uns allein gehört, einen Partner, der für uns sorgt wie für keinen anderen und der geschworen hat, uns bis ans Ende unserer Reise zu begleiten. Umfragen belegen, dass die Ehe nach wie vor das erklärte Ziel einer überwältigenden Mehrheit junger Leute ist (und zwar von Männern wie Frauen gleichermaßen). Liebespaare, die zusammenziehen und gut damit klarkommen, wollen die Beziehung in der Regel selbst in der heutigen Zeit noch offiziell machen, obwohl gar kein Zwang mehr besteht. Die Ehe ist ein derart zentrales Konzept in unserer Vorstellung von Glück, dass erbitterte Schlachten vor Gericht ausgefochten werden, um zu bestimmen, wer daran teilhaben darf und wer nicht.

Ein Grund ist der, dass eine Ehe, die Bestand hat – wie so viele Dinge, die wider die Natur sind, zum Beispiel Autofahren, Fallschirmspringen oder knallpink gefärbte Haare –, etwas Wunderbares sein kann. Lebensverändernd, bereichernd, aufregend. Das ist es uns wert.

Doch keiner würde einen Fallschirmsprung wagen ohne Hilfe oder vorherige Einweisung. Und bei der Ehe, die sich im historischen Wandel als viel anfälliger erwiesen hat als solch ein Fallschirmsprung, verhält es sich ähnlich.

Ich recherchiere und schreibe schon seit mehr als zehn Jahren für das Time Magazine zum Thema Ehe. Nicht nur, weil es interessant ist, sondern auch, weil so gut wie jeder eine Geschichte dazu beizutragen hat, schließlich ist die Institution Ehe ein zentraler Aspekt im Leben der meisten von uns – ob es nun die eigene oder die der Eltern, der Kinder, der besten Freunde oder gar des Liebhabers ist. Die Ehe bringt Menschen an ihre Grenzen: Manche zeigen sich von ihrer besten Seite, legen großes Mitgefühl und Opferbereitschaft an den Tag. Andere mutieren schlagartig und neigen zu extrem engstirnigem und rachsüchtigem Verhalten.

Seit ich meine Aufzeichnungen führe, unterliegt die Ehe einem starken Wandel: So gleicht der Bund, den früher so gut wie jeder irgendwann zu schließen wagen wollte, heute einem Hochseilakt – für alle sichtbar, lohnenswert, nicht ganz einfach, aber auch nicht zwingend notwendig. Was früher ein Initiationsritus in die Welt der Erwachsenen war, gilt gegenwärtig nur noch als eine von vielen Lifestyle-Alternativen – weniger Supermarkt, mehr hochpreisiger Biomarkt.

Die Veränderungen vollziehen sich auf allen Ebenen: finanziell (steigende Lebenshaltungskosten, Verschuldung, ein instabiler Wohnungsmarkt und stagnierende Lohnniveaus), technologisch (medizinischer Fortschritt, insbesondere auf dem Gebiet der Fertilität, Online-Dating, soziale Medien) und soziologisch (heute sind mehr Frauen denn je finanziell unabhängig, sie werden nicht mehr so stark stigmatisiert wie früher, wenn sie unverheiratet oder alleinerziehend sind). Hinzu kommen andere seismische Veränderungen wie die Effekte der Globalisierung, die digitale Revolution und die Neuerungen des Informationszeitalters. Sie alle haben enorme Auswirkungen auf das intime Band zwischen zwei Menschen. Darüber hinaus wirkt sich eine Vielzahl kleinerer Veränderungen auf die Institution Ehe aus: die Renaissance der Großstadt. Gleichheit in der Ehe. Fließendere Geschlechteridentitäten. Netflix. Textnachrichten. Das Smartphone. Die Erfindung von Kochboxen. Kostenlose Online-Pornografie. Die #MeToo-Debatte.

Und doch gibt es trotz massiver Umwälzungen nach wie vor einige gute Gründe, den Bund der Ehe einzugehen. Sie ist nicht nur die vermutlich einzige Institution, über die in akademischen Kreisen fast genauso viel geschrieben wird wie in Büchern mit rosafarbenem Cover. Studien belegen außerdem, dass sie uns Menschen guttut, vor allem auf dem Gebiet der drei »K« – Körper, Konto, Kiste: Glücklich verheiratete Menschen leben länger, sind gesünder, sorgloser in Sachen Geld und insgesamt zufriedener mit ihrem Leben als Singles oder Geschiedene. Auch der Nachwuchs gedeiht in der Regel viel besser. Und sie haben mehr Sex.

Doch wie bei allen guten Deals sollte man auch hier auf das Kleingedruckte achten: Um in den Genuss dieser Vorzüge zu kommen, muss man verheiratet bleiben, und das ist mitunter keine leichte Angelegenheit. Denn natürlich hat die Ehe auch ihre Nachteile. Eine Langzeitstudie, durchgeführt an der Harvard University, die Hunderte von Männern über (bislang) achtzig Jahre begleitet hat, legt dar, dass das beste Signal, um vorherzusagen, wie der Gesundheitszustand eines Einzelnen mit achtzig Jahren aussehen wird, die Zufriedenheit mit der eigenen Ehe im Alter von fünfzig Jahren ist. Man stellte aber auch fest, dass es einer Existenz in einem Kriegsgebiet gleichkommt, wenn man eine von Konflikten bestimmte Ehe führt. Denen, die unglücklich verheiratet sind, geht es schlechter als solchen, die sich freiwillig für ein Singleleben entschieden haben. Das Ende einer Ehe wird in der Erinnerung derer, die es erlebt haben, als eine der schwärzesten Stunden ihres Daseins empfunden.

Angesichts all dessen würde man doch meinen, dass man sich auf diese schwierige Herausforderung ebenso ernsthaft vorbereitet wie auf eine wichtige Abschlussprüfung. Schließlich hat man immer eine Wahl: Man kann das Haus renovieren oder umziehen. Kann beruflich einen neuen Weg einschlagen. Sich die Haare wachsen lassen. Mit etwas Anstrengung vergisst man irgendwann sogar die dümmsten Entscheidungen. Nur wenn man Kinder hat, wird es schwierig, die Erinnerung an eine gescheiterte Ehe zu verdrängen, zumindest dann, wenn man sich nicht strafbar machen will.

Und dennoch erwarten wir, dass eine Ehe funktioniert. Da versuchen Menschen, ihr Leben komplett umzukrempeln, um Platz zu schaffen für einen Partner, und erwarten, dass sie sich mit dem veränderten Umfeld automatisch wohlfühlen. Und dann merken sie noch nicht einmal, wenn es ihnen in der Beziehung zu eng wird, bis sie diese eines Tages einfach abstreifen, tief verletzt und nackt.

Die gute Nachricht ist, dass es heute eine Vielzahl von Studien gibt, die uns zeigen, wie eine Ehe funktionieren kann. Weil sie eine derart zentrale Rolle im Leben vieler Menschen spielt und sie sich über Jahre auf das Wohlbefinden der Nachkommen auswirkt, haben sich Soziologen, Psychologen und Verhaltensforscher näher damit befasst. Der Wunsch zu heiraten ist ungebrochen vorhanden, doch die Art und Weise, wie man heute an die Ehe herangeht, ist stark im Wandel begriffen. Der Großteil der Studien ist deshalb noch relativ neuen Datums.

Zahlreiche Therapeuten haben ausgezeichnete Bücher zum Thema geschrieben, sie berichten von Ehen, die sie begleiten durften, von Paaren, denen sie aus der Bredouille helfen konnten. Statt eine breit angelegte Feldforschung in Sachen Verhalten zu betreiben und daraus die logischen Schlüsse zu ziehen, befassen sich die Spezialisten lieber intensiv mit einigen wenigen Klientinnen und Klienten. Gibt es Probleme, die auffallend häufig auftreten? Gibt es universelle Lösungsansätze? In der Regel bestätigen ihre Beobachtungen genau das, worauf sich ihr Fachgebiet konzentriert: Therapeuten in Großstädten präsentieren eine Perspektive, Therapeuten, die sich glaubensbasierten Ansätzen verschrieben haben, liefern eine andere, und Sextherapeuten wieder eine völlig neue. Doch weisen ihre Lösungsansätze allesamt gewisse Gemeinsamkeiten auf, die auch von wissenschaftlicher Seite bestätigt werden. Nur wenn Soziologen die Lebensgemeinschaft Ehe betrachten, erscheint sie in ihren Augen wie ein riesiger Berg, wohingegen Therapeuten sich mit den Tausenden von Maulwurfshügeln beschäftigen.

Ich selbst habe im Laufe der Jahre versucht, mich der Ehe anzunähern wie ein Auslandskorrespondent einem fremden Land. Ich habe mir Muster und Überschneidungen notiert, mir überlegt, was für das menschliche Befinden universelle Gültigkeit besitzt und was spezifisch ist für ein einzelnes Paar. Ich habe unzählige Studien gelesen, Artikel von Fachkollegen rezensiert und Interviews mit Wissenschaftlern geführt. Ich habe mich mit Therapeuten unterschiedlichster Ausrichtung unterhalten, mit Paartherapeuten, Sextherapeuten, Finanzberatern. Ich habe über Ehestatistiken gebrütet und mit Demografen diskutiert. Ich habe versucht, der Bedeutung der hohen Scheidungsrate auf den Grund zu gehen (diese liegt in den USA bereits bei 37 Prozent, Tendenz steigend). Ich habe mit Soziologieprofessoren, Psychologieprofessoren, Professoren für Familienforschung und mindestens einem Professor für Verbraucherverhalten gesprochen. Ich konnte einige Statistiker davon überzeugen, ihre Zahlen noch einmal neu für mich zu beleuchten. Außerdem habe ich Hunderte von Ehepaaren befragt, wie sie ihre Beziehung empfinden, insbesondere in Bezug auf Themen wie Finanzen, Sexleben, Streitereien, Elternschaft und schließlich auch Scheidung.

Selbstverständlich lernt man ein neues Land erst richtig kennen, wenn man selbst dort gelebt hat. Deshalb schöpfe ich auch aus meinen eigenen Erfahrungen mit der Ehe. Schließlich bin ich seit einem Vierteljahrhundert mit einem Mann verheiratet, der sich grundlegend von mir unterscheidet. Er und ich hatten jedes Jahr genau ein Date, und das sieben Jahre lang, eines schlimmer als das andere, bis er irgendwann meinte, er könne nicht verstehen, warum ich nicht seine Freundin sein wolle. Darauf sagte ich so etwas wie: »Moment, du magst mich?« In den vergangenen drei Jahrzehnten standen wir vor der Herausforderung, die Kluft zu überbrücken, die in Sachen Kommunikation zwischen den Geschlechtern noch immer besteht. Die Brücke ist nach wie vor wackelig, aber wir schaffen es mittlerweile regelmäßig, sie zu überqueren.

Falls Sie in diesem Moment im Buchladen stehen und in diesem Werk schmökern oder im Internet eine Rezension gelesen haben und sich nun in den nächsten fünfundvierzig Sekunden eine Antwort auf die Frage erhoffen, ob Sie Ihren Ehepartner verlassen sollen oder nicht, dann will ich Ihnen Folgendes mitgeben: Lassen Sie es lieber! Zumindest sollten Sie ihn noch nicht gleich aufgeben. Leider ist nämlich etwas in Vergessenheit geraten: dass eine langjährige Beziehung an sich bereits ein großer Erfolg ist und es deshalb auch wert ist, darum zu kämpfen. Das liegt zum Teil daran, dass alles Beständige ein wenig aus der Mode gekommen ist. Stattdessen scheint alle Welt auf Revolution und Veränderung aus zu sein. Dinge, die immer schon da waren, erhalten nicht automatisch Wertschätzung, nur weil sie alles überdauert haben.

Für die Zwischenzeit sollte man sich zwingend neue Traditionen überlegen. Die Geschenkeindustrie hat es bereits versucht, doch deren Ideen kann man allesamt in die Tonne werfen. Die Stadtbibliothek Chicago hat eine Liste erarbeitet, auf der man zum vierundzwanzigsten Hochzeitstag ein Musikinstrument vorschlug. Danke, Chicago, denn nichts erwärmt das Herz mehr als ein Partner, der ein neues Instrument erlernt. Wenn wir aber eine etwas realistischere Sicht auf die späteren Ehejahre hätten, würden wir uns für Gegenstände entscheiden, die beispielsweise aus Kunstharz gemacht sind, eine giftige Substanz, die sich verfestigt und haltbar wird, oder alternativ aus Bimsstein, der bei extrem heißen Temperaturen entsteht, oder für einen Quilt, der aus einzelnen Flicken besteht, die zusammengenäht werden. Das sind Geschenke, die echte Bedeutung haben.

Bis dieses schreckliche Versäumnis allerdings behoben ist, muss das genügen, was ich über die Ehe zusammengetragen habe. Ich habe insgesamt sechs Themen beziehungsweise sechs Fertigkeiten herausgearbeitet, welche jedes verheiratete Paar beherrschen oder zumindest beherzigen sollte, wenn es für die Partnerschaft ein Happy End geben soll oder wenn beide den gemeinsamen Weg zumindest einigermaßen sicher bestreiten wollen. Diese Themen sind: Vertrautheit, Feindseligkeiten, Finanzen, Familie, fleischliche Gelüste und Hilfsangebote. Selbstverständlich kann ich keine Garantie dafür übernehmen, dass damit alles wieder ins Lot kommt oder das Zusammenleben einfacher wird. Aber ich verspreche Ihnen: Sich mit ihnen auseinanderzusetzen macht mehr Spaß, als ein neues Instrument zu erlernen.