Vor zehn Jahren verschwand Miranda spurlos. Da die junge Frau kurz zuvor Mutter geworden war, geht ihre jüngere Schwester Ella von einem Verbrechen aus. Doch die Polizei glaubt, Miranda sei untergetaucht. Nach zehn Jahren legt die Polizei den Fall zu den Akten und schickt die Unterlagen an Ella, die sich jetzt erst recht in die Nachforschungen stürzt. In ihrem alten Puppenhaus findet sie plötzlich einen Hinweis, einen Namen – an einer Stelle, die nur sie kennen kann. Hat ihre Schwester damals vorausgesehen, dass ihr etwas passieren wird, und für Ella eine Spur gelegt?
Kurz darauf hat Ella das Gefühl, beobachtet zu werden. Da behauptet der inhaftierte Serienmörder Jason Thorne etwas über Mirandas Verschwinden zu wissen. Und er verlangt ein teuflisches Spiel von ihr, das Ella in die Fänge des Mörders führt.
Thriller
Aus dem Englischen
von
Sybille Uplegger
Ullstein
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Deutsche Erstausgabe im Ullstein Taschenbuch
1. Auflage Dezember 2018
© für die deutsche Ausgabe Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2018
© Claire Kendal 2017
Titel der englischen Originalausgabe:
The Second Sister (HarperCollins, London)
Umschlaggestaltung: zero-media.net, München,
nach einem Entwurf von © Michaela Alcaino / HarperCollins Publishers Ltd 2017 Titelabbildung: © Roberto Pastrovicchio / Arcangel Images
Autorenfoto: © Eamonn_McCabe
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Alle Rechte vorbehalten.
ISBN 978-3-8437-1832-5
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Für meine Schwester.
Und für meine Töchter
Es hatte nicht Ruhe und Rast, bis es sich heimlich aufmachte
und in die weite Welt ging, seine Brüder irgendwo aufzuspüren
und zu befreien, es mochte kosten, was es wollte.
Die Brüder Grimm, Die sieben Raben
Kürzlich sagte mir jemand, ich hätte deine Augen. Damit war nicht nur gemeint, dass meine Augen wie deine aussehen, weil sie auch blau sind, sondern dass ich dieselbe Weltsicht habe wie du.
Wenn ich in den Spiegel schaue, blickt mir dein Gesicht entgegen wie das einer einstmals wunderschönen, aber nun unter einem Fluch dahinsiechenden Hexe. Diese allmählich stumpf werdenden Juwelenaugen. Die blasse Haut und die langen schwarzen Haare. Nur die kleine Narbe an der linken Augenbraue fehlt bei mir.
Ich sehe dich überall.
Wenn ich wirklich deine Augen hätte, müsste ich dir die folgende Frage nicht stellen, die du bestimmt hassen wirst. Ich würde die Antwort bereits kennen. Aber hier kommt sie: Was würdest du tun, wenn die Polizei mit dir sprechen wollte? Denn in dieser Sache muss ich mich deiner Führung anvertrauen.
Doch am Ende genügt es, nur die Worte auszusprechen, schon erkenne ich, was zu tun ist. Die Polizisten werden mir ihre Fragen stellen, und ich werde ihnen die Antworten geben, die sie hören wollen. Fast könnten sie einem leidtun, mit ihrer naiven Überzeugung, dich durch ein Formblatt erfassen zu können, auf einer Seite oder höchstens zwei.
Wir wollen die ganze Wahrheit hören, sagen sie. Sie sind eine Hauptzeugin, sagen sie. Es geht uns dabei auch um Ihr Wohl, sagen sie. Wir brauchen stichhaltige Beweise, sagen sie. Wir werden mit den Informationen, die wir von Ihnen erhalten, angemessen verfahren, sagen sie. Sie können uns vertrauen, sagen sie. Der Erfolg der Anklage hängt von der Genauigkeit Ihrer Aussage ab, sagen sie. Möglicherweise stehen noch weitere Menschenleben auf dem Spiel, sagen sie.
Soll mich das beeindrucken? Mir schmeicheln? Soll ich ihnen dankbar sein? Angst haben? Mich eingeschüchtert fühlen? Vermutlich von allem etwas. Mir ist das nur recht. Sollen sie ruhig glauben, dass sie die erwünschte Wirkung erzielt haben.
Hinterher werde ich dann das Geschriebene durchlesen und die Richtigkeit der Angaben bestätigen. Ich werde mich kooperativ verhalten. Ich werde das fertige Protokoll meiner Zeugenaussage unterzeichnen. Und ich werde es datieren – mit ihrer Unterstützung, denn mein Zeitgefühl lässt neuerdings etwas zu wünschen übrig. Trotzdem fällt es mir leicht, die Scharade mitzumachen. Letzten Endes ist sie vollkommen unwichtig.
Wichtig ist einzig und allein, dass ich nebenher im Geheimen meine eigene Zeugenaussage verfasse, auf meine eigene Weise, Tag für Tag. Nicht auf den Wunsch der Polizei hin, sondern auf deinen. Und dies hier ist das Ergebnis. Ich tue so, als würdest du mir Fragen stellen und als würde ich dir daraufhin erzählen, wie alles gewesen ist. Ich schreibe das auf, was du wissen möchtest. Das, was wirklich passiert ist.
Aber ein Zugeständnis an den offiziellen Polizeijargon muss ich doch noch machen, Miranda: Beim Folgenden handelt es sich um meine persönlichen Wahrnehmungen und Kenntnisse der Sache. Ich, Ella Allegra Brooke, versichere hiermit, dass die in meiner Zeugenaussage gemachten Angaben der Wahrheit entsprechen. Dies hier ist deine Geschichte, aber es ist zugleich auch meine. In der Hinsicht bin ich tatsächlich unsere Hauptzeugin. Vielleicht habe ich also doch deine Augen.
Eine allerletzte Sache noch, bevor ich anfange: Mach dir keine Sorgen. Ich habe die Verschwiegenheitsklausel nicht vergessen, und ich werde sie auch nie vergessen. Dafür warst du mir eine zu gute Lehrerin. Was ich hier aufschreibe, bleibt unter uns. Es ist nur für dich bestimmt, für niemanden sonst. Ich bin die Schwester der Schwester, und du bist ein Teil von mir. Wo immer du bist, werde auch ich sein.
Mit all meiner Liebe, Melanie.