
Veröffentlicht im Rowohlt Verlag, Hamburg, Juni 2019
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ISBN Printausgabe 978-3-499-27626-2 (1. Auflage 2019)
ISBN E-Book 978-3-644-40622-3
www.rowohlt.de
ISBN 978-3-644-40622-3
Für Michi
und alle, die gern langsam Zug fahren
und denen kein Umweg zu weit ist.
«Ich verlasse dich.»
Habe ich das wirklich gerade gesagt? Erschrocken über meine eigene Stimme, die mir da aus der Spülmaschine entgegenhallt, stelle ich mein Glas in den Geschirrkorb und richte mich langsam auf. Reglos starrt Olaf in seine Zeitung. Vielleicht habe ich mir auch nur gewünscht, es gesagt zu haben. Oder ich habe laut gedacht, und die Worte sind mir leise herausgerutscht. Ich bin schon ganz durcheinander. Kein Wunder nach der vierten schlaflosen Nacht in Folge, die ich von Olafs und Günthers Schnarchkonzert wach gehalten wurde. Wie eine Rotte Wildschweine auf der Flucht grunzen die beiden seit Wochen neben mir nachts um die Wette.
Um halb elf bin ich ins Bett gegangen, nachdem ich mir sorgfältig das Gesicht gereinigt, mich über Falten geärgert und viel Anti-Falten-Nachtcreme mit Q10 und Hyaluronsäure aufgetragen habe. Teures Zeug – mäßiger Effekt. Aber trotz der vermeintlich geistigen Reife einer Frau Ende vierzig hoffe ich jeden Abend völlig irrational, am nächsten Morgen faltenfrei und rundum erneuert frisch wie eine Zwanzigjährige vor den Spiegel zu treten. Und jeden Morgen bin ich bitter enttäuscht. Werbung lügt! Weiß ich doch. Aber wenn ich jetzt den Glauben an mich selbst verliere und mich aufgebe, lasse ich dem Altersprozess freien Lauf und habe bald noch schneller noch mehr Falten. Das muss nicht sein.
Nachdem ich also gegen halb elf mit flauschigen Wohlfühl-Socken und einem karierten Baumwollpyjama unter die Bettdecke gekrochen bin, bis nur noch Augen und Nase Kontakt zur Außenwelt hatten, dauerte es nicht lange, bis meine Gedanken unkontrolliert durcheinanderwirbelten und ich langsam wegdämmerte. Doch während ich mich vom Schlaf sanft davontragen ließ, öffnete Olaf die Tür und ein kurzes Oh! entwich ihm.
Es ist jeden Abend das gleiche scheinheilige Oh!, das mich aus meiner wohlig-weichen Übergangsphase ins Reich der Träume wie an einem Bungeeseil in den Wachzustand zurückkatapultiert. Ich glaube ihm ja, dass er es nicht mit Absicht macht, aber es ändert nichts an den Folgen: Habe ich den ersten Zug ins Schlummerland verpasst, bleibe ich ewig wach. Olaf weiß das, und trotzdem rutscht es ihm immer wieder heraus – das blöde, überraschte Oh!.
Seit vier Jahren gehe ich immer zur gleichen Zeit zu Bett – seit meinem 44. Geburtstag. Damals hatte ich beschlossen, massiv gegen das Altern vorzugehen, nachdem ich bei meiner Kosmetikerin einen Artikel über Schönheitsschlaf gelesen hatte und seitdem wusste, wie wichtig der bei Frauen ab vierzig ist. Seither gönne ich mir den Schlaf vor Mitternacht und gebe mir Mühe, mindestens sieben Stunden am Stück zu schlafen. Außerdem habe ich mir angewöhnt, auf dem Rücken zu schlafen, weil dadurch angeblich die Lymphdrainage im Gesicht angeregt wird. Tom Cruise schlafe seit Jahren so, hieß es in dem Artikel, was mich anfangs beeindruckte, dann aber stutzig machte. Schließlich gehört Tom Cruise zu den Scientologen, die dafür bekannt sind, andere Menschen zu manipulieren. Bin ich also schon ein Opfer von Scientology, weil ich wie Tom Cruise auf dem Rücken schlafe? Fakt ist, dass ich in der Rückenposition besser einschlafe als auf der Seite.
Den Seitenschlaf hatte ich mir vor 22 Jahren durch Olaf angewöhnt. Schuld war die Löffelchenstellung. Sogar meine Kosmetikerin sah mir an, dass ich zu viel auf der linken Seite geschlafen hatte – an den ausgeprägten Falten unterm linken Auge. Ich war alarmiert. Kurzerhand wechselte ich die Kosmetikerin und dank ihr und Tom Cruise’ Manipulation auch die Schlafposition.
Olaf nahm das widerwillig hin, konnte sich aber nicht wirklich damit abfinden. Für ihn war ohne das Löffelchenritual vor dem Einschlafen ein hohes Maß an Lebensqualität weggebrochen. Er fühlte sich verraten. Vor Tom Cruise’ Einmischung in unsere Beziehung war die Welt für Olaf noch in Ordnung. Seitdem boykottiert mein Mann sämtliche Filme mit Tom Cruise und behauptet außerdem, dass ich schnarche, seit ich auf dem Rücken schlafe, was absoluter Blödsinn ist. Das sagt er nur, um sich zu rächen, denn seit der Tom-Cruise-Affäre schlafen wir nicht nur selten miteinander ein, sondern gehen sogar in Etappen zu Bett.
Aus Rache holte sich mein Mann vorletztes Jahr Verstärkung ins Bett: unseren Mops Günther. Nachdem ich mit meinen Schülern ein paar Tage auf Klassenfahrt gewesen war, behauptete Olaf, Günni hätte sich eine Erkältung geholt und brauche alle zwei Stunden seine Medizin. Wer’s glaubt.
Seitdem liegt nun also Günni regelmäßig zwischen Olaf und mir im Bett und grunzt. Ich bin absolut gegen jede Art der Tierhaltung im Schlafzimmer. Aber Günni ist hartnäckig und klein, und ich bin schwach. In der Schule muss ich schon genug schimpfen und durchgreifen, da brauche ich zu Hause keinen Autoritätsstress mehr. Und Günther ist ja auch nur ein Mops und keine Dänische Dogge.
Gestern Abend tat ich, wie so oft, als hätte ich Olafs überraschtes Oh! nicht bemerkt, und gab mich schlafend, als er und Günther ins Schlafzimmer kamen. Leise legte sich Olaf auf seine Bettseite, aber da war ich bereits wach. Hellwach. Und da dämmerte mir die wahre Bedeutung dieses monströsen Wortes: Hier ging es nicht um Helligkeit, die Licht ins Dunkel einer schlaftrunkenen Seele brachte. Nein! Es war ein bösartiger Anglizismus: hell wie Hölle!
Fast jeden Abend hoffe ich, schon in eine tiefere Schlafphase vorgedrungen zu sein, bevor Olaf ins Schlafzimmer kommt und Oh! sagt. Oft dreht er sich im Bett sogar noch zu mir, um mir ein liebevolles Schlaf gut ins Ohr zu hauchen, als wüsste er ganz genau, dass ich hellwach bin, bevor er selbst innerhalb weniger Sekunden gleichmäßig atmend in einen komatösen Tiefschlaf sinkt, aus dem er erst wieder nach frühestens acht Stunden erwacht. Das ist so ungerecht! Und wieder einmal wird mir klar: Ignoranz und Egoismus haben in einer Zweierbeziehung noch weniger zu suchen als ein im Bett schnarchender Mops namens Günther.
Ich lag letzte Nacht also mal wieder wach und steigerte mich in meine Angst, zu wenig Schlaf zu bekommen. Außerdem schwirrten mir plötzlich tausend Dinge durch den Kopf, die ich erledigen musste. Alles schien alarmierend wichtig. Mir fiel ein, dass ich die letzte Tierarztrechnung noch nicht überwiesen hatte und dass ich dringend die letzten Noten für die Zeugniskonferenz vor den Sommerferien eintragen musste. Ich musste noch ein Geschenk zu Olafs 50. besorgen und den Nachbarn mitteilen, dass wir in zwei Wochen Urlaub machten, damit sie sich um die Pflanzen kümmerten. Außerdem musste ich mein Fahrrad von der Reparatur abholen und die Zeitung abbestellen, Olafs Hemden aus der Reinigung holen, Hundefutter beim Onlinehändler bestellen, mich um ein Abi-Geschenk für Ella kümmern, die Steuer für letztes Jahr machen und einen Tisch zu unserem 20. Hochzeitstag reservieren und und und … Wie böse Geister sprangen Termine und Sorgen in mir herum und verursachten mir Herzrasen. Ich wurde gepackt von einem Adrenalinschub, der mich nicht zur Ruhe kommen ließ.
Gegen vier Uhr begannen dann die Vögel zu zwitschern, was weitere Panikschübe in mir auslöste. Ich kannte das schon – diese beängstigende innere Unruhe – mein persönliches Morgengrauen in der Wolfsstunde, wenn der Körper ständig einen Angriff wittert und bereit ist zur Flucht. Die Vögel wurden immer lauter, der Tag immer heller. Die Nacht war vorbei. Erschöpft vom vielen Sorgenmachen und Angsthaben war ich dann gegen halb fünf doch noch eingeschlafen, nur um eineinhalb Stunden später vom Wecker aus dem Schlaf gerissen zu werden – völlig gerädert und erschlagen. Aber dafür spürte ich keine Panik mehr. Meine Angst, der Stress und die Wut auf Olaf waren wie weggeblasen. Der Morgen verlief nach Plan.
Während Olaf mit Günni Gassi ging, machte ich Kaffee und Frühstück. Ella stand erst später auf, denn seit sie Abi gemacht hat, schlägt sie sich die Nächte um die Ohren. Beim Frühstück folgte dann die übliche Routine: Kaffee, Brötchen, Zeitung, wenig Worte.
«Gut geschlafen, Schatz?», fragte Olaf, ohne von der Zeitung aufzuschauen.
«Nein», sagte ich und schenkte mir Saft nach.
«Prima», antwortete Olaf ohne jede Anteilnahme. Seit wir auf den Hund gekommen sind, kommentiert Olaf vieles mit Prima!, ganz gleich, ob er mit dem Mops, dem Paketboten, unserer Tochter oder mit mir redet. So hat er’s in der Hundeschule gelernt, und Günther wedelt dann auch tatsächlich jedes Mal mit dem Schwanz. Ich nicht.
«Später bin ich noch mit Matti verabredet.»
«Hmm …», brummte Olaf und blätterte die Seite um, ohne den Blick zu heben, während er mit der anderen Hand seine Kaffeetasse zum Mund führte. Eine Meisterleistung der Koordination. Wieder einmal wurde mir klar, dass unsere Ehe nur noch aus Alltagsroutine bestand. Ich trank meinen Orangensaft aus, stand auf und verschwand in der Spülmaschine, um das Glas einzuordnen.
«Ich verlasse dich.»
Überrascht von meinen eigenen Worten, lehne ich nun schon geraume Zeit an der Küchenzeile und mustere meinen Mann. Eigentlich ist Olaf nämlich gar nicht so übel. Im Gegensatz zu anderen Männern mit fast fünfzig hat er nur einen kleinen Bierbauch. Die Glatze ist gewollt, weil er die sich abzeichnende Tonsur auf seinem Hinterkopf als Demütigung empfand. Genauso wie die Blicke seiner achtzehnjährigen Tochter, die ihm einredete, dass ein rasierter Kopf cooler sei als ein Opa-Haarkranz. Ich mag Olafs Lachfalten um die stahlblauen Augen und an den Mundwinkeln. Und sein kantiges Kinn! Am besten sieht er mit Dreitagebart aus – leicht verwegen, wie früher.
Neuerdings ziert eine Lesebrille seine Nase. Er hat den Termin beim Augenarzt so lange hinausgezögert, bis es ihm peinlich war, dass in der U-Bahn jeder um ihn herum belustigt seine Nachrichten mitlesen konnte, weil er die Schrift seines Handys so extrem vergrößern musste. Natürlich hatte ich ihm zigmal gesagt, er solle endlich zum Augenarzt gehen. Aber nein, wieso hätte er auf mich hören sollen?! In solchen Dingen ist Olaf wie ein Kleinkind, das alles selbst machen will.
«Dann lass Papa doch!», versuchte Ella mich zu beschwichtigen, wenn das Thema Brille auf den Tisch kam.
«Würde ich ja, wenn er nicht ständig meine Lesebrille nehmen und verlegen würde. Ich kann sie dann jedes Mal suchen.» Und wenn ich ihn dann frage, ob er weiß, wo meine Brille liegt, verdreht er sogar die Augen und weist mich mit erhobenem Zeigefinger darauf hin, dass ich ständig meine Sachen verlege und nicht immer andere dafür verantwortlich machen soll. Was sagt man dazu?!
Jedenfalls ging er vor ein paar Wochen dann endlich mit einem Brillenrezept in der Tasche zu einer Optikerin und ließ sich von der jungen Frau ein sündhaft teures Marken-Hipster-Gestell andrehen. Das neue Brillengesicht meines Mannes ist noch immer gewöhnungsbedürftig. Angeblich hätten seine Kolleginnen und Kollegen in der Rechtsabteilung der großen Versicherung, für die er arbeitet, ihm Komplimente zu seiner neuen Brille gemacht. Und ich muss zugeben, je mehr ich mich daran gewöhne, desto interessanter finde ich Olaf. Die Brille gibt ihm eine kluge Note – sexy irgendwie.
Weniger sexy ist sein Hörverhalten. Daran will, werde und kann ich mich niemals gewöhnen. Dass Olaf zunehmend schlechter hört, muss nämlich nicht zwangsläufig an seinen Ohren liegen, sondern könnte auch an seiner Einstellung zu mir liegen oder an meiner Stimmfrequenz oder meiner ständigen Kritik an ihm. Aber woran es auch liegt – er sollte es ändern, wenn er in hohem Alter eines natürlichen Todes sterben will.
Abgesehen von der einen oder anderen Kleinigkeit ist mein Mann okay. Er hat Umgangsformen, ist gebildet, pflegt sich, verdient sein eigenes Geld und hat Hobbys. Aber es braucht schon etwas mehr, um eine Ehe in Gang zu halten, die sich in zwanzig Jahren ganz schön abgenutzt hat. Natürlich bin ich nicht ganz unschuldig daran. Einerseits habe ich ihn zu sehr verwöhnt, andererseits stelle ich zu hohe Erwartungen an ihn. Und ich muss zugeben, dass ich mich auch verändert habe. Leider. Abgesehen von den Falten und Pigmentflecken wird mein straßenköterblondes Haar immer grauer und drahtiger, meine Hüfte immer breiter, der Busen immer schlaffer und die Laune immer schlechter. Es gibt Tage, da kann ich mich selbst kaum ertragen und bedauere alle, die mir begegnen, am meisten mich selbst. Und es gibt Tage, da reden Olaf und ich nur das Nötigste, um bloß nicht aneinanderzugeraten. Ja, wir haben uns ganz schön verändert mit der Zeit und leider auch auseinandergelebt.
Das alles geht mir durch den Kopf, während ich ratlos an der Spülmaschine lehne.
«Ich verlasse dich», wiederhole ich klar und deutlich, um ihn erneut auf die Probe zu stellen.
Wieder keine Reaktion. Olaf schaut nicht einmal auf, sondern brummt nur irgendwas vor sich hin.
«Hm … Prima!» Prompt wedelt Günther mit dem Schwanz. «Aber vergiss meine Hemden nicht.»
«Isch hab von Sie geträumt, Frau Wischmann.» Mehmet schaut mich schmachtend an und legt sogar eine Hand auf den Brustkorb.
«Links, Mehmet», sage ich und deute auf sein Herz.
«Hä?» Mehmet ist sechzehn Jahre alt und hat mehr Ahnung von faulen Ausreden als von Anatomie.
«Du musst deine Hand auf die linke Seite legen, wenn du ausdrücken willst, dass dir der Traum zu Herzen ging. Links ist das Herz.»
«Ach so … ja, weiß isch doch, Frau Wischmann.»
«Außerdem heiße ich Wichmann», korrigiere ich ihn zum gefühlt siebentausendsten Mal. «Also noch mal: Wieso warst du gestern nicht im Unterricht?»
«Aber isch hab wirklisch von Sie geträumt.»
Na, wenigstens einer, denke ich. «Und deshalb konntest du nicht am Unterricht teilnehmen?»
Mehmet nickt und grinst mich frech an. Also gut, ich lasse mich darauf ein, wenn er so großen Spaß hat. Vielleicht springt der Funke ja über, denn etwas Spaß kann nicht schaden.
«Und was hast du geträumt?»
«Isch hab Ihnen mit ’n roten Ferrari abgeholt, und wir sind nach Hawaii gefahren.»
Es funktioniert – ich muss grinsen. «Schon klar, aber nach Hawaii kommt man nicht im Ferrari. Da muss man hinfliegen, Mehmet.»
«Ey, voll egal, Frau Wischmann! Überleg mal! Nur isch mit Sie in Hawaii!»
«Nur ICH mit IHNEN AUF Hawaii oder nur SIE und ICH AUF Hawaii. Frau WICHMANN.»
«Ja klar, sag isch doch, Frau Wischmann!»
Sinnlos! Ich verdrehe die Augen.
«Vergiss es, Mehmet, klingt verlockend, aber träum weiter», sage ich und schicke ihn in die Pause.
Ich bin gerne Lehrerin. Meine Fächer sind Deutsch und Geschichte. Es ist ein anstrengender Beruf mit vielfältigen Herausforderungen, aber auch eine Leidenschaft. Im Gegensatz zu vielen meiner Kollegen leide ich nicht unter Burnout, sondern nur unter schlechten Arbeitsbedingungen, nervigen Eltern und unkooperativen Kollegen. Meine Schüler mögen mich, weil ich zwar streng bin, sie aber auch ernst nehme. Nur jetzt, ein paar Wochen vor den Ferien, ist bei uns allen die Luft raus.
«Warst du schon mal auf Hawaii?», frage ich Matti, als ich mich in der Pause neben sie auf die speckige Couch im Lehrerzimmer flegele. Sehnsüchtig schauen wir aus dem Fenster in den Himmel, wo gerade ein Flugzeug einen weißen Kondensstreifen ins Blau malt, und trinken Kaffee aus ungespülten Tassen.
«Nee, steht aber auf meiner Bucking-List gleich unter Bali, Neuseeland und Meteora.»
«Meteora? Wieso denn Meteora?», frage ich verwundert. «Ist das nicht ein Kloster irgendwo in der griechischen Pampa?»
Matti nickt. «Weil ich das Gefühl habe, dass ich da unbedingt mal hinmuss. Irgendwas zieht mich dahin. Vielleicht war ich in meinem ersten oder fünften Leben eine Nonne in Meteora. Oder verliebt in einen griechischen Mönch? Oder es wartet dort ein Geheimnis auf mich, das ich lüften muss. Oder meine Ahnen …»
«Schon gut! Von mir aus auch Meteora», sage ich, damit sie sich nicht in diese spirituelle Nummer hineinsteigert.
Matti ist meine Kollegin, beste Freundin und mein Sonnenstrahl am Horizont, ohne die ich diesen Schul-Irrsinn manchmal nicht aushalten würde. Meistens ist sie so gut gelaunt, dass es ansteckend ist. Leider sind manche Kollegen dagegen immun, aber denen ist dann auch nicht mehr zu helfen. Mit Matti kann ich Spaß haben. Ab und zu gehen wir in die Sauna, ins Kino oder ziehen am Wochenende um die Häuser. Aber das kommt nur noch selten vor, weil wir nach einer anstrengenden Schulwoche kaputt sind und sonntags einen klaren Kopf zum Korrigieren von Klassenarbeiten brauchen.
Anders sieht es bei unseren Töchtern aus, die mindestens so eng befreundet sind wie wir Mütter. Jo und Ella machen seit dem Abi ständig die Nacht zum Tag. Noch haben sie Schonzeit, obwohl Olaf und mich das Herumlungern zu Hause bereits ganz schön nervt. Da sind wir uns immerhin einig.
«Was willst du denn auf Hawaii?», fragt sie irritiert.
«Gar nichts. Mehmet träumt davon, mit mir im Ferrari nach Hawaii zu fahren.»
«Mehmet aus der 9b?» Sie starrt mich an. «Aber da kann man doch nicht hinfahren.»
«Ich weiß das, und du weißt das auch. Nur der Mehmet nicht.»
«Da hast du als Lehrerin aber total versagt.»
Ich seufze und nicke stumm.
«Und jetzt?», fragt Matti.
«Brauch ich Urlaub.»
«Mit Mehmet?»
«Quatsch! Mit Olaf», sage ich automatisch. Doch während ich weiter versonnen aus dem Fenster in den blauen Himmel mit dem sich auflösenden Kondensstreifen schaue, wird mir klar, dass ich genau das nicht brauche – Urlaub mit Olaf.
Nach der Schule gehen Matti und ich zu Pablo, der ein kleines spanisches Café in der Nähe der Schule betreibt. Wir bestellen Cortado und Mandeltorte.
«Ich hab gestern Schluss gemacht», sagt Matti aufgeregt, wie ein kleines Kind, wenn es ein obergeheimes Geheimnis verrät.
«Mit diesem Mark aus der Wunderbar?»
«Nein, Henk aus der Sonderbar», erklärt Matti kopfschüttelnd. «Das mit Mark war letzten Monat.»
«Und wieso? Ich dachte, das ist was Ernstes, nachdem er bei dir eingezogen ist.»
«Dachte ich auch, aber irgendwie war ich doch noch nicht so weit.»
Trotz ihrer grünen Augen, rotblonden Haarpracht, der ansteckenden guten Laune und ihrer positiven Ausstrahlung hat Matti mit Männern leider kein Glück. Seit ihrer Scheidung vor vier Jahren entpuppte sich jeder Typ, den sie angeschleppt und für Mr. Right gehalten hat, letztlich als absolute Niete. Dabei war Mattis Exmann gar nicht übel. Knut war nur einfach genervt von ihrem zwanghaften Optimismus. Insbesondere, weil er in einer massiven Midlifecrisis steckte, die mit einer Pechsträhne beim Bowling begann und mit Erektionsschwierigkeiten endete. Knut hatte nach siebzehn Jahren einfach keine Lust mehr auf Matti.
Und genau so hat er das damals auch zu ihr gesagt. «Ich hab keine Lust mehr auf dich.» Aus heiterem Himmel, an ihrem 17. Hochzeitstag in einer Schwefelquelle in Bad Harzburg. Aber weil Knut Veränderungen hasste, wollte er die Krise aussitzen. Matti dagegen nicht. Sie war zutiefst verletzt und hatte weder Zeit noch Nerven, irgendwas auszusitzen, und verließ ihn kurzerhand. Denn wie sie feststellte, sehnte sie sich selbst schon lange nach Veränderung – und nach anderen Männern.
Matti nannte es ihre aktive Nachholphase, in der sie keine Gelegenheit ausließ, einen Typen abzuschleppen. Sie genoss die Aufmerksamkeit, die Knut ihr schon seit Jahren verweigert hatte. Und jedes Mal dachte sie: Der isses. Aber jedes Mal ebbte ihre Begeisterung schneller wieder ab, als sie den Typen loswerden konnte. Matti wollte Spaß mit den Männern und selbst entscheiden, wann es ernst werden sollte. Wer zu früh klammerte, fiel raus. Wer zu lange mit einer Liebeserklärung wartete, sowieso.
«Und jetzt?», frage ich besorgt.
«Muss ich warten, bis er wieder auszieht.»
«Hat er denn schon was Neues?»
Matti schüttelt den Kopf und probiert endlich den Kuchen.
«Oje», sage ich mitfühlend. «Bei der Wohnungssituation momentan – das kann dauern.»
«Ich weiß.» Matti zuckt mit den Schultern. «Ist aber nicht so schlimm. Der Sex ist der Hammer. Und solange wir nicht reden müssen …»
«Na dann», sage ich und beneide Matti ein wenig. Sie ist frei und kann selbst über ihre Zeit und ihre Beziehungen verfügen, unabhängige Entscheidungen und Männer treffen. Sie hat regelmäßig Sex und ist jedes Mal über beide Ohren verliebt. Ganz gleich, wie lange diese Phase anhält, sie kommt immer wieder in den Genuss eines ersten Dates mit Bauchkribbeln und Herzrasen. Das geht jetzt seit vier Jahren so, und ich bin gespannt, ob sie jemals wieder eine feste Beziehung eingehen wird.
Wir quatschen noch ein bisschen und verabschieden uns dann, weil Matti einen Typen trifft, den sie letzte Woche in der Sauna kennengelernt hat.
«Mal sehen, wie er in Klamotten aussieht», lacht sie und schwingt sich auf ihr Fahrrad.
Ich gehe noch schnell zum Supermarkt und hole danach Olafs Hemden aus der Reinigung, bevor ich nach Hause fahre. Ella begegnet mir schon in der Tür, mal wieder auf dem Sprung irgendwohin.
«Hi Mama, treffe mich kurz mit Jo. Bin zum Essen zurück.»
Kurz, knapp, das Nötigste.
«Ist Papa da?», frage ich, bevor sie weg ist.
«Jep.» Ella gibt mir einen flüchtigen Kuss, und weg ist sie.
«Hab dich lieb!», rufe ich ihr hinterher. Für mich ist es wichtig, dass ich ihr das so oft wie möglich mit auf den Weg gebe, weil ich ständig Angst habe, dass ihr etwas passiert. Nie würde ich mir verzeihen, meiner Tochter nicht die Gewissheit der bedingungslosen Liebe ihrer Mutter mit auf den Weg gegeben zu haben, wenn sie aus irgendeinem Grund in Gefahr geraten sollte.
«Ich dich auuuuch!»
Erleichtert gehe ich ins Haus. Weil ich die Hände voll habe, gebe ich der Tür einen Tritt, sodass sie laut ins Schloss fällt.
«Ich bin da-aaa!» Olaf soll es hören und mir bestenfalls mit den Taschen helfen. Aber es kommt nur Günther, der an mir hochspringt und mich daran hindert, in die Küche zu gehen.
«Ab! Günni, weg, verschwinde!» Ich schiebe den hungrigen Mops mit einem Bein von mir weg. «Olaf! Hat Günni schon gefressen?» Keine Antwort. «Ooooo-laaaf?!»
«Was denn!? Ich bin beschäftigt!» Er klingt genervt.
Aber wieso ist er genervt, wenn ich hier gerade im Stress bin?
«Ja, danke für die Hilfe!», sage ich leise.
«Was?», ruft er.
«Nix», erkläre ich. «Vergiss es.»
Mühsam schiebe ich mich mit den Einkaufstaschen in die Küche, stelle alles ab, nehme die Hemden und will sie ins Schlafzimmer bringen. Dabei komme ich an Olafs Arbeitszimmer vorbei und sehe ihn vor dem Computer sitzen und zuckende Bewegungen machen. Plötzlich haut er mit voller Wucht auf den Schreibtisch, dass es nur so kracht.
«Ahhhhh, verdammt!», brüllt er durchs ganze Haus.
«Sag mal, geht’s noch?!»
Er ist super genervt. «Was denn?!»
Er verliert, denke ich und freue mich. Ich kenne das schon: Wenn er Computer-Fußball spielt und verliert, dann ist er total angespannt, behauptet aber, sich dabei zu entspannen.
«Ich versuche, mich hier gerade zu entspannen!» Er starrt weiter auf den Bildschirm. Auf seiner Stirn haben sich Schweißperlen gebildet. Er spielt immer mit vollem Körpereinsatz. Deshalb trägt er auch eine Trainingshose und ein Sportshirt.
«Oh, das tut mir so unendlich leid», erkläre ich und denke, das da ist nicht der Mann, den ich geheiratet habe. «Ich wollte nicht stören bei deinem Entspannungsprogramm. Aber ich glaube, ich muss jetzt auch mal entspannen.» Demonstrativ lasse ich seine frisch gebügelten Hemden fallen und verlasse den Raum. Hinter mir höre ich, wie er unkonzentriert einen Fehlpass macht.
«Ach, verdammt! Nur wegen dir!»
Klar, irgendwer ist immer schuld.
«Caro?»
In der Küche packe ich gerade die Einkäufe aus, als Olaf reinkommt.
«Was sollte denn das mit den Hemden?»
Ich beschließe, nicht zu antworten, weil ich mich sonst nämlich aufrege, und dazu habe ich jetzt absolut überhaupt gar keine Lust.
«Komm schon, Caro! Warum bist du so mies drauf? Meine Hemden einfach so hinzuschmeißen! Da kann ich sie demnächst auch selbst abholen.»
«Super Idee!», sage ich. «Offensichtlich bist du heute früher aus dem Büro gekommen. Da hättest du deine Hemden auch selbst abholen können.»
«Wollte ich ja, aber ich hatte den Abholschein nicht. Den hattest du nämlich. Meine Güte!»
«Ja, meine Güte! Und wieso kannst du hier nicht auch mal was machen? Statt ständig vorm Computer zu hocken, wenn du schon zu Hause bist.»
«Dann sag doch einen Ton! Nur sprechenden Menschen kann man helfen!»
«Das habe ich, aber du hörst ja nichts, weil du nichts hören willst!»
«Das schon wieder! Ich höre sehr gut!»
Olaf stellt die H-Milch in den Kühlschrank, was ich nie tue.
«Wenn du’s schon machst, dann mach es auch richtig!», blaffe ich ihn an und nehme die Milch wieder raus. Aber woher sollte er auch wissen, dass bei uns die H-Milch nicht im Kühlschrank aufbewahrt wird, wir leben ja erst seit zwanzig Jahren zusammen.
Olaf verdreht die Augen, nimmt die Äpfel und legt sie in den Obstkorb. Ich nehme ihm den Obstkorb weg und lege die Äpfel in den Kühlschrank.
«Lass mal! Es geht schneller, wenn ich’s selber mache!»
«Jetzt komm mal wieder runter, Caro. Wenn du schlechte Laune oder deine Tage hast, dann lass es nicht an mir aus!»
Er nimmt sich einen Apfel, beißt hinein und dampft ab, ehe ich ihm den Kopf abreißen kann. Na super, das Totschlagargument. Ich hasse es, wenn er mir so kommt. Andererseits … hat er leider recht. Und zwar immer öfter, denn ich habe das Gefühl, nicht nur einmal im Monat, sondern ständig im Hormonchaos herumzuirren und tagelang nicht wieder herauszufinden. Dann kann mir nichts und niemand irgendwas recht machen. In mir staut sich eine Wut auf, die ich nicht kontrollieren kann. Sie will raus und zwängt sich durch meinen Brustkorb. So auch jetzt.
Ich schmeiße alles hin und renne heulend ins Schlafzimmer, vorbei an Olaf, der genervt aufstöhnt. Das würde ich an seiner Stelle vermutlich auch tun, aber hilfreich ist es nicht.
Herrje, was ist nur los mit mir? Ich kenne mich gar nicht wieder. Ständig gereizt und schlechte Stimmung verbreitend. Dazu diese Gefühlsausbrüche. Alles nervt mich. Vor allem Olaf. Am schönsten ist es, wenn er Weiterbildungen oder Kongresse besucht. Dann bin ich glücklich allein zu Hause – frei, unkommentiert, unbeobachtet. Kann doch nicht sein! Ich liebe ihn doch. Oder? Sind das am Ende nur leere Worthülsen? Bedeutungslose Floskeln? Mache ich mir vielleicht nur was vor? Oder wir uns? Vielleicht verwechseln wir Liebe mit Gewohnheit und Bequemlichkeit, Ritualen und Routinen? Vielleicht wäre eine Trennung der einzige Weg, wieder glücklich zu sein? In letzter Zeit frage ich mich immer öfter, ob ich ohne Olaf glücklicher wäre. Und er ohne mich. Wäre unser beider Leben dann entspannter?
Olaf kommt ins Schlafzimmer und setzt sich zu mir aufs Bett. Vorsichtig berührt er meinen Rücken und streichelt mich sanft.
«Es tut mir leid. Du hast ja recht.»
Ich halte inne mit meiner Heulerei. Was war das gerade? Ich habe recht? Es tut ihm leid? Wo ist mein Kalender, damit ich das fett und rot markieren kann! Olaf gibt mir recht und entschuldigt sich nach einem Streit!
«Nein, du hast recht. Ich bin so ätzend in letzter Zeit.»
Er küsst mich aufs Haar. «Verzeih mir. Ich hab gerade viel um die Ohren. Da bin ich einfach froh, wenn ich mal außerplanmäßig abschalten kann. Hm? Wir brauchen einfach beide mal Urlaub.»
Ich drehe mich zu ihm um und wir küssen uns. Es ist ein überraschend schöner Kuss, warm und weich. Ich werde fordernder, umarme ihn, aber er geht nicht darauf ein, sondern löst sich sanft aus meiner Umarmung.
«Ich hab gleich noch ’ne Telefonkonferenz. Lass uns das hier später zu Ende bringen. Okay?»
«Okay», sage ich notgedrungen und weiß jetzt schon, dass da später nichts mehr passieren wird. Den letzten Sex hatten wir vor drei Monaten. Nach einer öden Party zum 60. eines Kollegen von Olaf. Der Abend war so langweilig, dass wir uns gegenseitig abgefüllt haben und dann zu Hause übereinander hergefallen sind. Es muss sehr leidenschaftlich gewesen sein – dem Chaos in der Küche nach zu urteilen. Leider kann ich mich wegen der sechs Gin Tonic nicht mehr genau an diese legendäre Liebesnacht erinnern. Jedenfalls hat sich Ella am nächsten Morgen über den Lärm beschwert.
«Aber ich find’s irgendwie auch cool, dass ihr noch Sex habt», erklärte sie und schob noch hinterher: «In eurem Alter!» Zum Beweis hob sie beide Daumen.
Heute Abend sieht es jedenfalls nicht so aus, als würden Olaf und ich uns noch betrinken, um Spaß zu haben. Dabei waren wir mal ein echt leidenschaftliches Paar – früher, irgendwann.
Nach seiner Telefonkonferenz geht Olaf erst mal mit Günther joggen, was für den Mops eine echte Herausforderung ist, aber zu seinem Glück ist sein Herrchen weder ausdauernd noch schnell. Danach geht Olaf duschen, während ich das Abendessen koche. Tag für Tag die gleichen Abläufe.
Gerade als ich die Petersilie schneide, höre ich es ganz leise, aber deutlich: knaps, knaps, knaps, knaps … Das Geräusch kenne ich. Sofort drehe ich das Küchenradio an und schalte den Dunstabzug ein, um es nicht hören zu müssen. Schon gar nicht während ich das Essen zubereite, denn ich weiß genau, was da im Bad vor sich geht: Olaf knipst sich die Fußnägel ab, die eigentlich kontrolliert in der Badewanne landen sollten, aber stattdessen unkontrolliert durch die Gegend springen, so dass ich sie später beim Putzen in den hintersten Ecken meiner Kosmetikutensilien wiederfinde. Nicht witzig! Vor allem aber ist es eklig. Wie oft wir schon die Nagelknipser-Diskussion hatten! Immer, wenn ich Olaf bitte, entweder auf gezieltes Knipsen zu achten oder einfach eine Schere zu benutzen, bricht er eine Grundsatzdiskussion vom Zaun. Denn Olaf ist felsenfest davon überzeugt, dass das Knipsen von Nägeln praktischer, schneller und effizienter sei als das Benutzen einer Nagelschere. Völlig sinnlos, ihn vom Gegenteil zu überzeugen.
Wer behauptet, eine Ehe bestehe aus Kompromissen, der vergisst, dass oft nur ein Partner Kompromisse eingehen muss, weil der andere seinen Willen durchsetzt.
Heute habe ich aber keine Lust auf die Nagelknipser-Debatte. Als Olaf wenig später die Küche betritt, nimmt er mir sowieso den Wind aus den Segeln. Gut duftend und frisch rasiert umarmt er mich von hinten und küsst mich liebevoll auf den Hals, während er über meine Schulter auf den Herd schaut. Das fühlt sich ungewohnt vertraut an und erinnert mich an früher, wenn wir gemeinsam gekocht haben.
«Hm, das riecht aber gut. Was gibt’s denn?»
Ich hebe den Deckel, und eine Dampfschwade kommt uns aus dem Topf entgegen.
«Möhrenmampf», sage ich und weiß, dass Olaf happy ist.
Er schließt die Augen und inhaliert den Duft des Essens. Möhrenmampf ist unser Familienessen. Es ist schlicht, aber lecker und macht alle glücklich: Kartoffeln, Möhren, Mettwurst, alles klein geschnitten in Bechamel-Sauce schwimmend mit viel frischer Petersilie und noch mehr Kalorien. Bestimmt gibt es in jeder Familie so ein Gericht, das alle miteinander versöhnt und jedem ein gutes Gefühl gibt. Heute isst sogar Ella mit, die gerade nach Hause gekommen ist.
«Geht’s los?», fragt sie ungeduldig und hungrig, nachdem sie den Topf klappern gehört hat.
«Erst wenn der Tisch gedeckt ist», antworte ich und bin beeindruckt, wie schnell plötzlich Teller, Gläser und Besteck auf dem Tisch stehen. Egal, wie stressig der Tag war oder wie viel Ärger und Streit es gab – wenn am Abend die Familie gemeinsam am Tisch sitzt, ist alles gut, denke ich und tische auf.
«Sag mal, Ella-Schatz, hast du dir eigentlich überlegt, was du zum Abi haben willst?», fragt Olaf unsere Tochter und salzt nach, wie er immer alles nachsalzt, noch bevor er überhaupt probiert hat. «Vielleicht doch endlich mal den Führerschein?»
«Nein! Autos sind ein absolutes No-Go. Eure Generation wird das nie begreifen!»
Ich stelle mich doof und wende ein: «Hm … war ich das, die dich jahrelang durch die Gegend kutschieren durfte, damit du bequem reiten, schwimmen und Freundinnen treffen konntest? Da war doch was, oder?»
«Komm schon, Mama, ihr habt mich ja keine zwei Meter allein gehen lassen, bis ich vierzehn war. Voll helikoptermäßig.»
«Na, na, Vorsicht!», mahnt Olaf. «Als wir dich das erste Mal allein haben gehen lassen, hast du dich prompt verlaufen und heulend angerufen. Ich weiß nicht, wo ich hinmuss, bäääääähh», äfft er sie nach. Das ist gemein, aber ich muss trotzdem lachen.
«Weil ich durch euch völlig unselbständig war.»
Ich lege ihr eine Hand auf den Arm. «Wie auch immer, ich habe dich gern gefahren. Aber wenn du wirklich keinen Führerschein machen möchtest, was willst du dann zum bestandenen Abi?»
Ella druckst rum, holt mehrmals Luft, um dann doch lieber noch ein paar Möhren zu essen.
Olaf und ich wechseln fragende Blicke.
«Was denn dann, wenn du keinen Führerschein machen willst?», fragt er ungeduldig. Ella isst und kaut, statt zu antworten. «Hallo! Erde an Ella?!»
Ella schluckt den Bissen.
«Eine Reise!»
«Ja und? Da musst du doch nicht so ein Drama machen», sage ich. «Wann denn?»
«Bald, in den Ferien. Wenn … ihr an die Ostsee fahrt.»
Olaf legt alarmiert die Gabel zur Seite. «Wie, du willst nicht mit in den Familienurlaub? Wir fahren doch immer zusammen an die Ostsee. Mach doch deine Reise danach.»
«Nee! Jo und ich wollen ein paar Wochen mit Interrail durch Europa cruisen. So viele Länder sehen wie möglich.»
«Ach, aber unser Fam…»
«Es gibt dieses Jahr dann wohl keinen Familienurlaub, Olaf!», sage ich, um Ellas Entschluss zu stärken. «Ich find’s gut.»
Olaf nicht. «Aber wieso? Was steckt denn dahinter?»
Jetzt legt auch Ella die Gabel weg. «Papa! Ich war noch nie alleine auf Reisen. Jo auch nicht. Keine Ahnung, ob wir das hinkriegen, aber wir müssen das einfach ausprobieren. Und danach haben wir dann vielleicht eine klare Zukunftsvision.»
«Aber ihr seid doch noch Kinder! Und was, wenn keine Zukunftsvision dabei rauskommt?», fragt Olaf skeptisch.
Ella entspannt sich und zieht die Schultern hoch. «Dann werde ich eben Popstar bei Dieter Bohlen. Oder studier doch Jura.»
Gerade wollte Olaf noch genervt seufzen, da erhellt sich im nächsten Moment sein Gesicht. Allein das Wort Jura aus Ellas Mund zu hören hat für ihn die gleiche Wirkung wie der unerwartete Einzug seiner Mannschaft ins Halbfinale der Champions League. Er ist so einfach zufriedenzustellen. Und Ella weiß das. Aber ich durchschaue ihre Taktik und weiß, dass sie niemals Jura studieren wird. Alles, was sie will, ist, jede weitere Zukunftsdiskussion mit ihrem Vater zu vermeiden.
«Interrail? Gibt’s das noch?», frage ich.
«Klar, damit die Jugend auch mal die anderen europäischen Länder kennenlernt», sagt Ella und gießt sich Wasser ein.
Ich grinse. «Und vor allem die europäischen Jungs. Hm?»
Ella verdreht die Augen. «Mama, was du wieder denkst!»
Ich denke gar nichts, denke ich, und wäre so gerne noch mal in Ellas Alter, um mit ihr Europa zu bereisen.
Eingeschnappt stochert Olaf nachdenklich in seinem Essen. «Hat mich nie interessiert, dieses Interrail. Mit Rucksack in überfüllten, stickigen Zügen – viel zu unbequem.»
«Mich hätte das schon gereizt, aber ich musste noch mit meinen Eltern Urlaub machen, als damals nach dem Abi alle anderen Interrail gemacht haben. Ich find’s gut. Morgen berede ich das mit Matti, okay?»
Ella umarmt mich und gibt mir einen Kuss.
«Danke, Mama. Auch fürs jahrelange Fahren.»
Später im Bett will ich endlich diesen Roman lesen, den Matti mir geschenkt hat, als Olaf dazukommt, mit Tablet und Lesebrille bewaffnet, und einen Ich-habe-etwas-Wichtiges-zu-sagen-Ton anschlägt. Also lege ich Eat, Pray, Love zur Seite – ein Klassiker, dessen Verfilmung ich vor Jahren gesehen habe, aber bei weitem nicht an den Roman herankomme, sagt Matti – und sehe Olaf erwartungsvoll und beunruhigt zugleich an.
«Hör mal, Caro, ich hab nachgedacht. Wir müssen da ein paar Dinge klären.»
Das klingt ernst, denke ich, und mustere meinen Mann neugierig und gleichzeitig beunruhigt. So kenne ich ihn gar nicht – so auf mich fokussiert. Es muss wirklich etwas Ernstes sein, das ihn beschäftigt.
«Klingt, als wolltest du dein Testament mit mir besprechen.»
«Nein. Es ist … wie soll ich sagen … es ist …»
Plötzlich packt mich eine Hitzewelle. «Bist du ernsthaft krank? Mein Gott, bitte nicht! Ich –»
«Caro, nein! Ich bin gesund! Es ist was völlig anderes. Es ist …»
Er druckst rum. Warum druckst er denn so rum, wie ein … Fremdgänger?!
Jetzt wird mir alles klar. «Das ist jetzt nicht dein Ernst! Du hast … Das kannst du mir doch nicht antun, nach all den Jahren.» Ich spüre, wie mir die Tränen kommen, so durcheinander bin ich.
«Was denn? Jetzt beruhige dich doch!»
«Ich soll mich beruhigen?» Jetzt werde ich auch noch laut. «Du hast ’ne andere und sagst mir das einfach so – in unserem Ehebett! Und ich soll mich beruhigen?»
Olaf springt aus dem Bett und schreit: «O Mann, Caro, du hast sie doch nicht alle! Du führst dich ja auf wie eine Furie! Komm mal wieder runter! Ich will doch bloß …»
Aber ich kann mich überhaupt nicht beruhigen. Im Gegenteil.
«Die Scheidung, stimmt’s?», sage ich und beginne zu heulen.
«Nein!» Er sieht mich streng an. «Ich will bloß die Urlaubsplanung mit dir besprechen.»
Ich schaue überrascht auf. «Was? Urlaubsplanung? Warum sagst du das denn nicht gleich?!»
«Wollte ich, aber du drehst ja völlig durch.»
Olaf atmet tief durch. Ich auch. Die ganze Aufregung umsonst.
Ich hasse meine emotionalen Ausraster. Aber das ist so typisch gerade: Immer öfter gerate ich bei der kleinsten Kleinigkeit total aus dem Häuschen. Das nimmt mich dann immer so sehr mit, dass ich danach völlig fertig bin.
Meine Güte, was geht da nur ab in mir? Ich verliere offenbar komplett die Kontrolle über mich – ein Desaster. Zum Glück ist mir das bis jetzt noch nicht in der Schule passiert. Bislang mussten nur Olaf und Ella darunter leiden. Und ich.
«Tut mir leid», erkläre ich. «Die Nerven sind mit mir durchgegangen. Aber wenn du so staatstragend redest, denke ich das Allerschlimmste. Was wolltest du denn sagen?»
Olaf schüttelt den Kopf, atmet einmal tief durch und kommt zurück ins Bett. «Ich dachte nur, wenn Ella nicht mit uns Urlaub macht, dann können wir ja auch schon früher an die Ostsee fahren. Hm? Du hast doch ohnehin Ferien.»
Er will tatsächlich über die Sommerferien reden.
Mir würde es ehrlich gesagt reichen, wenn ich meine Ferien mal nicht an der Ostsee, sondern ganz anders als sonst verbringen könnte. Am besten sogar ohne Mann und Kind. Selbstbestimmt mit viel Zeit zur freien Entfaltung. Stundenlang durch Museen ziehen, in kleinen Cafés sitzen und Leute beobachten. Ohne schlechtes Gewissen durch Boutiquen und Schuhläden schlendern, in jahrhundertealten Bibliotheken alte Bücher wälzen oder einfach nur auf einer Wiese im Park liegen und Zeitung lesen. Vielleicht sogar ganz einfach nichts tun. Ich würde nur essen, wenn mir danach ist, und nur das, worauf ich Lust habe. Ich würde asiatische Restaurants besuchen oder mich zur Teatime in teuren Hotellobbys tummeln. Ja, das will ich.
«Gut, dass du das ansprichst.» Ich richte mich auf. «Denn dieses Jahr müssen wir ja eigentlich gar nicht ins Ferienhaus fahren, wenn Ella sowieso nicht mitkommt, oder?»
«Wie meinst du das jetzt wieder?» Olaf nimmt die Brille ab, um mich besser sehen zu können und um das nun Folgende konzentrierter wahrzunehmen.
«Na, wenn wir nur zu zweit sind, könnten wir doch auch mal … anders Ferien machen.» Jetzt ist es raus. Ich hab’s gesagt!
«Wie anders? Wir machen doch immer Ferien in unserem Haus an der Ostsee. Dafür haben wir’s doch damals gekauft. Was passt dir denn daran auf einmal nicht mehr?»
Ich seufze. «Stimmt. Wir haben es für die Familienurlaube gekauft, damals, als Ella klein war. Und es waren jedes Mal tolle Ferien. Aber jetzt ist unser Kind groß … Die Dinge ändern sich. Wir ändern uns. Ich meine, wir waren so oft dort. Dabei gibt es noch so viele andere Möglichkeiten, Urlaub zu machen. Fernreisen, Abenteuerurlaub, was weiß ich.»
Olaf schaut mich wortlos an. Er wirkt, als hätte ich ihm gerade erklärt, dass das Licht im Kühlschrank nicht die ganze Nacht brennt. Aber es arbeitet in ihm, das sehe ich, und dann ist da plötzlich dieses Strahlen in seinen Augen.
«Stimmt! Du hast absolut recht. Wir sind frei! Können endlich mal was sehen von der Welt.»
«Genau», sage ich, um ihn zu motivieren.
«Wir können endlich richtig Urlaub machen! So wie andere Paare in unserem Alter auch.»
«Ja», pflichte ich ihm begeistert bei – und stutze. «Äh … wie machen denn Paare in unserem Alter Urlaub?»
Olaf blüht auf wie ein kleiner Junge vor seinem ersten Stadionbesuch. «Na, du weißt schon – Cluburlaub mit allem Schickimicki, all-inclusive und so.»
«Ach.»
Aber es wird noch besser.
«Oder mit dem Glacier Express ganz luxuriös und gaaanz gemütlich durch die Schweizer Alpen fahren. Entschleunigung pur. Super Entspannung! Täte dir auch mal gut.»
Er strahlt mich an und wartet auf meine begeisterte Zustimmung, die sich aber nicht so richtig einstellen will. Ich lächele gequält – mehr Freude über seine Idee kann ich nicht heucheln. Muss ich auch nicht, denn er setzt sofort nach:
«Oder noch besser … Ja, jetzt hab ich’s: Wir beide Cocktails schlürfend auf einem Kreuzfahrtschiff durch die Adria, vorbei am Markusplatz in Venedig. Also, wenn das nicht romantisch ist!»
Nein, ist es nicht. Ganz und gar nicht. Schlimm, diese Riesenpötte, die das schöne Venedig vergewaltigen. Schiffe, die zehnmal größer sind als der Markusdom. Wie könnte ich mich da entspannen? Niemals! Und eine gemütliche Tour im Glacier Express? Schön, klingt aber nicht unbedingt nach Abenteuer und großer Freiheit. Das ist doch eher was für Rentner. Und schließlich muss man sich noch was für Ü70 aufbewahren. Wie soll ich denn dann Urlaub machen, wenn ich mir die Alters-Highlights schon vorwegnehme? Solange ich fit bin, möchte ich die Alpen zu Fuß überqueren. Ich will mir diese Zugfahrt sozusagen verdienen. Aber doch jetzt noch nicht! Und All-inclusive-Cluburlaub ist garantiert nicht mein Ding. Soll machen, wer will – ich nicht. Aber wer zwanzig Jahre lang mit mir verheiratet ist, sollte eigentlich wissen, dass ich niemals derartigen Urlaub machen würde. Niemals machen werde!
«Ist doch super bequem, so zu reisen», erklärt Olaf. «Machen andere in unserem Alter auch! Der Becker und seine Frau zum Beispiel. Die waren schon überall. Was die alles gesehen haben! Unglaublich. Der soll uns mal einladen und seine Fotos zeigen.»
Bloß nicht, denke ich. Aber Olaf ist nicht mehr zu bremsen. Ich konnte ja nicht ahnen, was ich mit meiner kleinen Idee lostrete.
«Und hier … wie heißt er noch gleich … der Manni aus dem Marketing. Der ist auch erst 52 und war letztes Jahr mit seinem Mann in der Schweiz auf Hochzeitsreise – im Bernina Express oder so. Die waren total begeistert. Und die sind nun wirklich nicht spießig.»
Doch, sind sie, denke ich. Oder gibt es per se keine schwulen Spießer?
«Hm … schauen wir mal», sage ich leise.
Und weil ich nicht gerade euphorisch reagiere, legt Olaf Tablet und Lesebrille zur Seite, um zum finalen Gegenschlag auszuholen: «Prima, Schatz. Du kannst ja mal was für uns raussuchen. Ach, und denkst du an die Einladungen für meinen 50.? Du hast da einfach ein besseres Händchen. Okay? Morgen Abend können wir dann alles Weitere besprechen.» Er streichelt den Mops zu seinen Füßen. «Apropos: Denk bitte an die Tischreservierung, ja? Ich hab mir den Termin extra freigeschaufelt. Nicht dass bei Enzo wieder alles voll ist, wie im letzten Jahr. Da hast du’s auch vergessen. Okay? Das ist lieb, Schatz. Ich muss jetzt schlafen. Nacht.» Sagt’s und knipst sein Licht aus, um sich auf die Seite zu legen und umgehend einzuschlafen. Wie macht er das bloß? Und was soll das alles?
Ich bin so perplex, dass ich so schnell gar nicht reagieren kann. Seufzend betrachte ich mein jungfräuliches Buch auf dem Nachttisch und mache ebenfalls das Licht aus. Doch das Thema Urlaub lässt mir keine Ruhe, und ich denke nach über das, was Olaf möchte, und das, was ich nicht möchte. Und darüber, wie ich eigentlich Urlaub machen will. Aber so richtig fällt mir nichts ein. So eine Liste der Orte, die ich noch bereisen will, wie Matti sie hat, gab es bei mir nie. Und ich muss auch nicht nach Hawaii. Aber Italien wäre mal wieder schön. Oder Griechenland – nicht unbedingt Meteora, aber vielleicht eine der Inseln. Und nach Budapest möchte ich auch mal wieder. Ist schon ewig her …
Und wie ich so nachdenke und diverse Bilder vor meinem geistigen Auge entstehen, ist eine Sache sehr auffällig: Olaf ist nie dabei.
Natürlich habe ich längst bei Enzo, unserem Lieblingsitaliener, reserviert. Denn letztes Jahr wollte Olaf sich darum kümmern, hatte es aber vergessen und anschließend mir die Schuld dafür gegeben. Jedes Jahr gehen wir an unserem Hochzeitstag zu Enzo. Seit zwanzig Jahren. Dabei würde ich viel lieber mal vietnamesisch essen gehen oder vegetarisch oder einfach nur woanders als immer bei Enzo. Ich kenne die Karte auswendig, weil nicht nur Olaf ein Gewohnheitsmensch ist, sondern Enzo auch. Hier ändert sich nur die Tageskarte. Klassiker bleiben lebenslang. Und ja, zugegeben, ich habe mich da auch zur Bequemlichkeit hinreißen lassen. Das hat ja auch seine Vorteile. Wir ersparen uns unnötige Entscheidungsprozesse, sitzen immer am gleichen Tisch, und wissen schon vorher, was wir bestellen, denn wir bestellen ja immer das Gleiche. Doch heute ist etwas anders, denn zur Feier unseres 20. Hochzeitstages gibt es Champagner zum Aperitif statt Prosecco.
«Danke für zwanzig Jahre Geduld mit mir, Schatz», sagt Olaf säuselnd und nimmt meine Hand. «Schön, dass du noch da bist.»
Ich lächele. Ja, das wundert mich auch. Zwanzig Jahre mit dem gleichen Partner können einseitig sein. Aber Monogamie und Monotonie klingen auch irgendwie ähnlich. Stoisch sitzt Olaf wie ein Fels in der Brandung seit zwanzig Jahren jede Krise aus. Und wenn mein Schulalltag so richtig stressig ist, erdet er mich mit seiner Ruhe immer wieder. Ja, ich gebe zu – wir sind ein gutes Team. Aber es fehlt die Spannung – positive Spannung. Die Energie. Die Überraschung. Dazu kennen wir uns einfach zu gut. So ein kleines Abenteuer würde unserer Eheroutine vielleicht mal ganz guttun. Es könnte das Prickeln zwischen uns zurückholen. Selbst wenn es erst mal nur zwei oder drei Wochen Urlaub wären. Andere gehen in Swingerclubs, um ihrer Ehe auf die Sprünge zu helfen. Dagegen ist getrennter Urlaub ja direkt harmlos.
Ich greife in meine Handtasche und ziehe eine Mappe heraus. «Schau mal. Ich habe da ’n bisschen recherchiert – wegen Urlaub und so.»
«Ah super, dann zeig mal her.»
Ich reiche ihm die Mappe, in der ich ein paar Kreuzfahrt- und Cluburlaub-Anbieter zusammengestellt habe, bei denen auch Hunde mitdürfen.
Als die Vorspeise serviert wird, strahlt Olaf mich an. «Toll! Das wird bestimmt schön! Nur wir zwei und Günni.»
Jetzt oder nie!
«Nein … nur ihr zwei, du und Günni. Ohne mich.»