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Uwe Zerbst & Peter van der Veen (Hg.)

Keine Posaunen
vor Jericho?

Beiträge zur Archäologie
der Landnahme

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ISBN 978-3-7751-7449-7 (E-Book)

Datenkonvertierung E-Book: CPI books GmbH, Leck

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt.

3. überarbeitete und erweiterte Auflage 2018

Herausgegeben von der

Unseren
Kindern
Cornelia und Eckart
Stefan und Manuel

Inhalt

Über die Autoren

Vorwort zur dritten Auflage

Einführung

Die Herkunft des Volkes Israel.
Biblische Landnahme oder Volkwerdung in Kanaan?

Uwe ZERBST und Peter VAN DER VEEN

1. Einleitung

2. Der biblische Bericht der Landnahme

3. Archäologisch-historische Modelle der Landnahme

3.1 Einführung

3.2 Die gewaltsame Landnahme gegen Ende der Späten Bronzezeit („ALBRIGHTsche Synthese“)

3.3 Die Infiltrationstheorie nach ALT und NOTH

3.4 Soziologische Modelle der Entstehung Israels

3.4.1 Der nomadische Ursprung Israels nach FINKELSTEIN

3.4.2 Der Ursprung Israels in einer sozialen Revolte einheimischer Bauern nach MENDENHALL und GOTTWALD

3.4.3 Der Ursprung Israels in einer aus der Küstenebene Kanaans verdrängten Bevölkerung nach CALLAWAY

3.4.4 Die „evolutionäre“ Entstehung Israels nach LEMCHE

3.4.5 Das Modell nach AHLSTRÖM

3.4.6 Die synthetische Theorie der Entstehung Israels nach COOTE und WHITELAM

3.4.7 Hintergründe der soziologischen Modelle

3.5 Auszug aus Ägypten um 1150 v. Chr.?

3.6 Potenzielle Hinweise auf ein Volk Israel in Kanaan vor konventionell 1200 v. Chr.

3.6.1 Die Merenptah-Stele

3.6.2 Das Askalon-Relief von Karnak

3.6.3 Das Sockelfragment Nr. 21687 des Ägyptischen Museums Berlin

3.6.4 Topographische Listen der frühen 19. Dynastie

3.6.5 Das spätbronzezeitliche Heiligtum in Silo

3.7 Modelle, die eine Frühdatierung der Landnahme vorsehen

3.7.1 Die politische und archäologische Situation im Kanaan der Späten Bronzezeit

3.7.2 Landnahme-Modelle, die die Ereignisse um den Auszug mit der Explosion der Insel Thera in der Ägäis in Verbindung setzen

3.7.3 Das Modell nach Bryant WOOD: Landnahme am Ende der Späten Bronzezeit I

3.7.4 Landnahme-Modelle am Ende der Mittleren Bronzezeit

3.7.4.1 Versuch einer Korrelation im Rahmen der konventionellen Chronologie

3.7.4.2 Palästinische Archäologie und ägyptische Chronologie

3.7.4.3 Ägyptische Argumente

3.7.4.4 Das Landnahmemodell am Ende der Mittleren Bronzezeit nach BIMSON

3.7.4.5 Ein astronomisches Argument

3.7.4.6 Die Deutung der Eisenzeitsiedlungen im Rahmen der revidierten Chronologie

4. Zusammenfassende Diskussion

Quellen und Anmerkungen

Anhang: Theologische Aspekte der Landnahmetradition

A.1 Einführung Anhang

A.2 Entwicklungslinien der theologischen Interpretation des Landnahmeberichts

A.2.1 Traditionelle Sichtweise: die zeitnahe Entstehung des Buches

A.2.2 Josua 1-12 und Richter 1: zwei unterschiedliche Landnahme-Traditionen?

A.2.3 Quellenscheidung

A.2.4 Formkritik

A.2.5 Weitere Entwicklungen

A.3 Außerbiblische Hinweise auf eine frühe Abfassung des Josuabuches

Quellen und Anmerkungen zum Anhang

Wann eroberte Josua Kanaan, am Ende der Mittleren Bronzezeit IIC oder am Ende der Späten Bronzezeit I?

John J.BIMSON

1. Einleitung

2. Die Landnahme und das Ende der Mittleren Bronzezeit

2.1 Die Städte, auf die die Israeliten in Kanaan trafen

2.2 Erklärungen für den Zusammenbruch der städtischen Kultur der Mittleren Bronzezeit

3. Kritik am Landnahmemodell Bryant Woods während der SBZ I

3.1 Allgemeine Anmerkungen

3.2 Die ägyptische Chronologie

3.3 Der archäologische Befund von Jericho

4. Schlussfolgerung

Quellen und Anmerkungen

Die Größe der israelitischen Bevölkerung während der Wüstenwanderung und Landnahme

Uwe ZERBST

Abstract

1. Einleitung

2. Bestandsaufnahme

2.1 Zahlenüberlieferung im Alten Testament

2.2 Die Zensusberichte nach 4. Mose 1 und 26 – der Textbefund und Widersprüche aufgrund der großen Zahlen

2.2.1 Der Textbefund

2.2.2 Widersprüche aufgrund der großen Zahlen

2.2.2.1 Israel in Kanaan

2.2.2.2 Israel in Ägypten

2.2.2.3 Israel in der Wüste

2.2.2.4 Überlegungen aufgrund der Vermehrung der Israeliten in Ägypten

2.2.2.5 Interne Widersprüche im Text

2.2.2.6 Zusammenfassung

3. Übersicht über vorgeschlagene Lösungen des Problems

3.1 Die Zahlen sind propagandistisch überhöht

3.2 Die Zahlen repräsentieren die reale Bevölkerungsstärke zu einer späteren Zeit

3.3 Die Zahlen sind gematrisch zu interpretieren

3.4 Die Zahlen repräsentieren eine Komposition, um den Pentateuch zusammenzubinden

3.5 Die Zahlen beruhen auf einer Fehlübersetzung des Terms image (’lp)

4. Diskussion des Ansatzes nach Mendenhall

4.1 Grundannahmen

4.2 Die Anwendung des Modells auf die Zensusberichte

4.3 Allgemeine Kritik

4.4 Spezielle Kritik

4.4.1 Kriterien zur Beurteilung des Modells

4.4.2 Bewertung der korrigierten Lesart nach MENDENHALL

5. Ansätze, die gleichmäßige Gruppenstärken vorsehen

5.1 Grundzüge der entsprechenden Modelle

5.2 Das Modell nach CLARK

5.3 Das Modell nach WENHAM

5.4 Das Modell nach ZIEGERT

6. Vorschlag einer Modifizierung des Grundansatzes nach Mendenhall

6.1 Grundannahmen

6.2 Die Anzahl der Leviten nach 4. Mose 3 und 4

6.3 Weitere Modellvariation bei Zulassung von sukzessiver Addition auch in den Zensusberichten der waffenfähigen Männer nach 4. Mose 1 und 26

7. Anwendung des modifizierten Modells auf weitere alttestamentliche Textstellen

7.1 Problemstellung

7.2 Fallbeispiele

7.3 Zusammenfassung zu den Fallbeispielen

8. Zusammenfassung

Quellen und Anmerkungen

Anhang: Die Ausgangspopulation No der Israeliten in Ägypten

Das Gericht an den Göttern Ägyptens. Die zehn Plagen in 2. Mose 7-12 aus der religiösen Perspektive des Alten Ägypten

Uwe ZERBST und Peter VAN DER VEEN

1. Einleitung

2. Einige wichtige Aspekte der ägyptischen Religion

2.1 Polytheismus

2.2 Der göttliche Pharao

2.3 Maat

3. Die Plagen: Versuch einer Deutung aus der religiösen Perspektive Ägyptens

3.1 Erste Plage: Wasser wird zu Blut (2. Mose 7,14-15)

Exkurs: Der Stab des Mose und der ausgestreckte Arm

3.2 Zweite Plage: Frösche (2. Mose 7,26-8,11)

3.3 Dritte Plage: Mücken (2. Mose 8,12-15)

3.4 Vierte Plage: Stechfliegen (2. Mose 8,16-28)

3.5 Fünfte Plage: Viehpest (2. Mose 9,1-7)

3.6 Sechste Plage: Geschwüre (2. Mose 9,8-12)

Exkurs: Das „schwere“ Herz des Pharao

3.7 Siebte Plage: Hagel (2. Mose 9,13-35)

3.8 Achte Plage: Heuschrecken (2. Mose 10,1-20)

3.9 Neunte Plage: Finsternis (2. Mose 10,21-29)

3.10 Zehnte Plage: Der Tod der Erstgeburt (2. Mose 12,1-33)

4. Zusammenfassung

Quellen und Anmerkungen

Anhang 1: Von Salomo bis zum Exodus: Das chronologische Gerüst

Anhang 2: Warum der Berg Horeb nicht in Saudi-Arabien liegt und die Überquerung des Schilfmeers nicht am Golf von Akaba stattfand

Archäologische Chronologie

Danksagung

Über die Autoren

Prof. Dr. Uwe Zerbst ist Wissenschaftler und Ingenieur und befasst sich seit vielen Jahren nebenberuflich mit der Geschichte und Datierung des alten Vorderen Orients.

Dr. habil. Peter van der Veen ist Alttestamentler und Biblischer Archäologe. Er ist Mitarbeiter der SG Wort und Wissen e. V. und Privatdozent für Palästina-Archäologie an der Johannes-Gutenberg-Universität, Mainz

Vorwort zur dritten Auflage

Das unverminderte Interesse an der Problematik der Archäologie und Geschichtlichkeit der biblischen Landnahme macht eine dritte Auflage dieses Buches erforderlich. Es wurde an mehreren Stellen sprachlich und inhaltlich korrigiert und erweitert. Am Ende des Buches wurden noch zwei Anhänge mit aufgenommen. In Anhang 1 wird ausführlicher erklärt, auf welchen chronologischen Angaben das im Buch gewählte Datum für den Auszug und die Landnahme beruht. Im zweiten Anhang wird kurz auf Fragen zur Lokalisierung der israelitischen Wüstenwanderung eingegangen und warum die Autoren die östliche Lage des Berges Horeb, wie sie in den vergangenen Jahren immer wieder diskutiert wurde, aus archäologischen Gründen nicht teilen. Auch möchten die Herausgeber dieses Vorwort nutzen, um auf einige weitere Entwicklungen der letzten Jahre hinzuweisen.

Die Kernthese des Buches besteht darin, dass die Eroberung Kanaans durch die Israeliten unter Josua nicht, wie früher durch die Vertreter der ALBRIGHT-Schule angenommen, am Übergang von der Späten Bronze- zur Eisenzeit, sondern bereits gegen Ende der Mittleren Bronzezeit stattfand. Nur für diesen Zeitpunkt stimmen der biblische Bericht und der archäologische Befund überein, und das sogar auf bemerkenswerte Weise. Dass dem so ist, haben in jüngster Zeit auch andere Autoren bestätigt. So schreiben Amos NUR und Dawn BURGESS in einem 2008 erschienenen Buch: Für die „nahezu fehlende Schicht, die Kathleen KENYON Josua zuschreiben wollte“, sei „die Zerstörung um 1600 v. Chr. … wohl der bessere Kandidat“1 und Aaron BURKE bemerkt ebenfalls 2008, der biblische Bericht hätte seinen Prototyp wohl in den imposanten Festungsanlagen der Mittleren Bronzezeit gehabt.2

Die Idee, die Ereignisse des Buches Josua, die biblisch auf die Jahre kurz vor 1400 v. Chr. zu datieren sind, archäologisch auf das Ende der Mittleren Bronzezeit zu beziehen, geht nicht auf die Herausgeber dieses Buches zurück, sondern wurde bereits Ende der 1970er Jahre von dem britischen Alttestamentler John BIMSON, der einen Beitrag für dieses Buch verfasst hat, zur Diskussion gestellt. BIMSON versuchte das Problem des damit verbundenen chronologischen Versatzes seinerzeit dadurch zu lösen, dass er die gesamte Späte Bronzezeit in das kurze Zeitfenster zwischen 1420 und 1200 v. Chr. einpasste. Dieser Versuch hielt jedoch der kritischen Überprüfung nicht stand3 und wurde daher von ihm selbst wieder aufgegeben. Es stellte sich heraus, dass die Synchronisierung der biblischen Landnahme mit den archäologischen Schichten am Ende der Mittleren Bronzezeit nur auf der Grundlage einer sehr viel weiterreichenden chronologischen Revision möglich ist, die den gesamten Alten Orient und vor allem Ägypten betreffen würde. Dass eine solche Revision tatsächlich notwendig ist, wird von den Herausgebern dieses Buches ebenso wie von John BIMSON heute vertreten.

Diese These hat eine gewisse Radikalität, da sie nicht nur eine komplette Neudatierung des Neuen Reiches in Ägypten, sondern auch der assyrischen Chronologie erfordert und sich zudem mit chronologischen Fixpunkten aus astronomischen Betrachtungen auseinandersetzen müsste. Angesichts dieser Tragweite wäre es mehr als überraschend, wenn die Überlegungen in der wissenschaftlichen Welt mit offenen Armen aufgenommen würden. Dass sich ein wissenschaftliches Modell der Kritik stellen muss und dabei Veränderungen erfährt, ja am Ende vielleicht sogar aufgegeben werden muss, ist jedoch alles andere als ungewöhnlich, und auch die Herausgeber dieses Buches haben sich dem zu stellen. Allerdings steht die Auseinandersetzung im vorliegenden Fall nicht an ihrem Ende, sondern gerade erst am Anfang.

Veränderungen von Teilen der archäologischen Chronologie der Alten Welt sind an sich nicht ungewöhnlich. Erinnert sei an die von Israel FINKELSTEIN angestoßene Diskussion um die Neudatierung der Eisenzeit in Palästina, die längst nicht abgeschlossen ist (s. im Buch S. 62). Nennenswerte chronologische Verschiebungen wurden in jüngerer Zeit auch für die Zeit des Mittleren Reiches in Ägypten, für die altbabylonische Zeit in Mesopotamien und für die Datierung der Übergangszeit von der Frühen zur Mittleren Bronzezeit in Palästina vorgenommen, wobei auch die astronomischen Fixpunkte dieser Zeit eine Neubewertung erfahren haben. Die Herausgeber gehen in ihrem Buch Volk ohne Ahnen? Auf den Spuren der Erzväter und des frühen Israel, Holzgerlingen, 2013, ausführlicher auf diese Problematik ein. Die erwähnten chronologischen Revisionen sind zumeist auf einige Jahrzehnte bis maximal ein Jahrhundert begrenzt, was für Fragen der Geschichtsschreibung freilich erhebliche Zeiträume sind. Anders als bei dem Vorschlag, den die Herausgeber dieses Buches vertreten, bleibt der übergeordnete chronologische Rahmen dabei zumeist unangetastet. So erfordert beispielsweise FINKELSTEINs Revision des eisenzeitlichen Palästina keine Neufassung der ägyptischen Chronologie. Stattdessen werden verlängerte Zeitabschnitte in Palästina an anderer Stelle durch Stauchungen der Chronologie kompensiert.

Das Problem einer weitergehenden Revision besteht wie gesagt darin, dass die Komplexität der durch sie verursachten Fragestellungen ungleich größer ist. Aufgrund von Querverbindungen ist eine nennenswerte Veränderung der Chronologie des Neuen Reiches in Ägypten nicht möglich, wenn nicht auch die bestehende assyrische Chronologie fehlerhaft ist. In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass sich, anders als noch vor einigen Jahren, auch hier die kritischen Stimmen mehren. So spricht sich Pierce FURLONG in seiner 2007 an der Universität Melbourne publizierten Dissertation für eine Verkürzung der assyrischen Chronologie dieses Zeitraums um nicht weniger als 200 Jahre aus.4 In dem erwähnten Buch über die Archäologie der Stammväterzeit sind zwei Aufsätze des schottischen Wissenschaftlers David LAPPIN enthalten, die sich mit der Venusdatierung für das Krönungsdatum des babylonischen Königs Ammizaduga und der astronomischen Datierung der Illahun-Dokumente aus dem Mittleren Reich in Ägypten beschäftigen. LAPPIN zeigt darin, dass sich die derzeit diskutierten chronologischen Varianten, die sich aus diesen Daten ergeben, um weitere Spielarten ergänzen lassen, welche die von den Autoren dieses Buches vorgeschlagene Revision der Chronologie durchaus möglich machen. Diese Varianten weisen statistisch sogar eine höhere Wahrscheinlichkeit auf als die gegenwärtig im konventionellen Rahmen diskutierten Daten. Auch für die Zeit Ramses’ II. finden sich alternative astronomische Daten.5 Die Argumentation zugunsten einer Synchronisierung der biblischen Landnahme mit den archäologischen Schichten am Ende der Mittleren Bronzezeit ist nach der Überzeugung der Herausgeber heute stärker, als sie bei der Erst- und Zweitauflage dieses Buches war.

Anders als in früheren Arbeiten von Peter JAMES und David ROHL besteht die Revision jedoch nicht in der Auffindung eines größeren Fehlers in der späteren Geschichte, nach dessen Beseitigung sich das ganze chronologische Gerüst wieder in die richtige Lage bringt. Zwar weisen chronologische Unstimmigkeiten im Palästina der Eisenzeit und im Ägypten der Dritten Zwischenzeit und des Neuen Reiches nach wie vor darauf hin, dass die ägyptische Chronologie dieser Zeit Fehler enthalten muss. Diese dürften aber nicht aus einem punktuellen Versatz bestehen, sondern haben sich aus Fehlern an verschiedenen Stellen akkumuliert, weshalb die chronologische Korrektur für verschiedene Zeiten auch unterschiedlich sein muss. Ein Versatz von 350 Jahren, wie ihn ROHL ins Gespräch gebracht hat, ist nicht aufrechtzuerhalten. Prinzipiell ist bekannt, wo mögliche Fehler versteckt sein könnten. Ein besonders prägnantes Beispiel ist die Zeit der Hyksosherrschaft in Ägypten (konv. 1640–1530 v. Chr.), für die es aufgrund des neueren archäologischen Befundes wahrscheinlich wird, dass sie länger dauerte als bislang angenommen.6 Das bedeutet, dass der chronologische Versatz zu Beginn des Neuen Reiches deutlich größer wäre als zum Ende des Mittleren Reiches und auch zur Zeit der biblischen Landnahme.

Wenn die Herausgeber oben erwähnt haben, dass eine so komplexe Revision der Chronologie, wie sie aufgrund ihrer Vermutungen erforderlich wäre, naturgemäß auf Kritik oder Zurückhaltung stoßen muss, so wollen sie jedoch auch erwähnen, dass sie einen Trend in Richtung zunehmender Offenheit sehen, der zwar nicht von allen, jedoch von einer langsam zunehmenden Zahl an Wissenschaftlern geteilt wird. Aus informellen Kontakten ist eine Fachgruppe von Wissenschaftlern entstanden, die sich den Namen BICANE (= Bronze to Iron Age Chronology of the Ancient Near East) gegeben hat. Die internationale Gruppe, die von den Herausgebern mit angestoßen wurde, besteht aus einer größeren Gruppe von Wissenschaftlern aus Europa, Nord- und Südamerika und Australien, von denen mehr als drei Viertel hauptberuflich mit Ägyptologie, Assyriologie und levantinischer Archäologie befasst sind. Die meisten Mitglieder von BICANE sind von der Notwendigkeit einer substantiellen Revision der archäologischen Chronologie des Alten Orients überzeugt, vertreten im Einzelnen aber durchaus unterschiedliche Ansätze darüber, wie diese Korrektur aussehen müsste. Ein wichtiges Ziel ihrer Diskussion sehen sie im wissenschaftlichen Austausch der unterschiedlichen Fachgebiete und in der gegenseitigen konstruktiven Kritik an ihren Ansätzen.7 2015 erschien der erste Tagungsband der BICANE-Gruppe unter dem Titel Solomon and Shishak: Current Perspectives from Archaeology, Epigraphy, History and Chronology. BAR International Series 2732, Oxford.

Im Zusammenhang mit ihrer Kritik an den soziologischen Modellen zur Entstehung Israels in Kanaan (S. 34ff) haben die Autoren auf S. 46 auf das Sockelfragment Nr. 21687 aus dem Ägyptischen Museum in Berlin hingewiesen, auf dem neben den topographischen Begriffen Askalon und Kanaan in einem Namensring fragmentarisch der Name j3-š3-j-r’ zu lesen ist, den der inzwischen verstorbene Ägyptologe Manfred GÖRG für eine archaische Form des Namens „Israel“ hält. Sollte sich diese Lesart als richtig herausstellen, so wären die Folgen außerordentlich weitreichend, wäre Israel dann doch einige Zeit vor 1200 v. Chr. in Ägypten eine bekannte Größe der politischen Landkarte Kanaans gewesen. Stand den Autoren bei der ersten Auflage des Buches lediglich der Artikel GÖRGs und ein Foto des Fragments zur Verfügung, konnten sie das Relief bis zur Veröffentlichung der zweiten Auflage selbst in Augenschein nehmen und bessere Fotografien anfertigen (siehe Abbildung). Die Ägyptologen Manfred GÖRG und Stefan WIMMER bestätigten aufgrund der neuen Bilder nicht nur ihre frühere Lesart, inzwischen sind auch mehrere Publikationen zum Thema erschienen. Eine Pro- und Kontra-Diskussion findet sich inzwischen in mehreren Veröffentlichungen.8

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Sockelfragment Nr. 21687 aus dem Ägyptischen Museum in Berlin. Ganz rechts ist der nur fragmentarisch erhaltene topographische Name j3-š3-j-r’ (Jascha[r]-‘El = Israel?) als Namensring zu lesen. Links davon werden die Namen Askalon und Kanaan (Gaza?) erwähnt. (Foto: P. VAN DER VEEN – mit freundlicher Genehmigung von Dr. O. ZORN, Berlin)

Ein besonders lebhaftes und kontroverses Echo hat der Aufsatz über die Größe der israelitischen Bevölkerung (Abschnitt C) hervorgerufen. Während dem Aufsatz von einem Gutachter des evangelikalen Tyndale-Bulletin hohe wissenschaftliche Qualität bescheinigt wurde und er von einem niederländischen Bibelkommentar inhaltlich übernommen wurde, regte sich in Deutschland Kritik an der Art und Weise, wie hier mit der Bibel umgegangen werde. Zudem wurde dem Autor vorgeworfen, rein spekulativ zu argumentieren. Zur Frage der unangemessenen „Bibelkritik“ mag sich der Leser ein eigenes Bild machen. Hinsichtlich der wissenschaftlichen Vorgehensweise erscheint es jedoch nützlich, eine kurze Erklärung zu geben. Der Grundgedanke, dass die großen Zahlen auf einer Fehlinterpretation des hebräischen Wortes image beruhen, das zugleich „tausend“, aber auch „Gruppe“, „Clan“ etc. bedeuten kann, ist nicht neu. Er ist (auch im evangelikalen Raum) nicht nur in der wissenschaftlichen Literatur, sondern auch in Bibelkommentaren weit verbreitet. Auch die Annahme, dass die Zahlen aus irgendeinem Grund künstlich überhöht seien, findet sich nicht nur in bibelkritischen Quellen. Als Beispiel für einen Wissenschaftler, der dieser Kategorie mit Sicherheit nicht zuzuordnen ist, sei der britische Ägyptologe Kenneth KITCHEN erwähnt.9

Die formale Anwendung des image-Arguments führt jedoch zu Widersprüchen im Text. Eine mögliche Erklärung, die ebenfalls nicht vom Autor des Aufsatzes stammt, ist, dass derselbe Fehler bei der Addition in den Listen mehrfach vorgekommen sein könnte. Diese Annahme ermöglicht nun tatsächlich jede beliebige Kombination von Zahlen, weshalb der Vorwurf der Spekulation gerechtfertigt wäre, wenn der Autor seine Betrachtungen an dieser Stelle beendet hätte. In Wirklichkeit beginnt sein eigener Beitrag, der über die Überlegungen der von ihm zitierten Wissenschaftler hinausgeht, an dieser Stelle gerade erst. Mit Hilfe von Plausibilitätsbetrachtungen (sich ergebende Anzahl der Kinder pro Mutter, Verhältnis der Zahl der Leviten zur Gesamtbevölkerung u. a.) und Zahleninformationen über zwei Seuchen während der Wüstenzeit (deren Opferzahl kaum in Form von Einheiten, sondern als Individuen angegeben wurde) begrenzt der Autor die Zahl der infrage kommenden Lösungen der Größe der militärischen image-Einheiten und erhält so ein Arbeitsmodell für die Größe der israelitischen Bevölkerung. Dieses Modell testet er anschließend an weiteren Textstellen, wobei er zum größeren Teil sehr plausible Ergebnisse erhält, die ihn berechtigen, sein Modell beizubehalten. Dabei lässt er keinen Zweifel daran, dass es sich um nicht mehr als ein Modell handelt, das verbesserungswürdig und potenziell auch widerlegbar bleibt.

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass Leser, die sich eingehender mit der Thematik des alttestamentlichen Jericho (Tell es-Sultan) auseinandersetzen wollen, einen Beitrag eines der beiden Herausgeber im wissenschaftlichen Internetlexikon WiBiLex (der Deutschen Bibelgesellschaft) unter www.bibelwissenschaft.de/stichwort/22344/ finden.

Wir möchten an dieser Stelle Christoffer THEIS, Christian KNOBEL und Friedrun VAN DER VEEN für Korrekturen und Änderungsvorschläge danken.

Die Herausgeber

Oktober 2018

Anmerkungen

A. NUR und D. BURGESS, 2008. Apocalypse – Earthquakes, Archaeology and the Wrath of God, Princeton/Oxford, 2008, S. 197.

A.A. BURKE, 2008. „Walled up to Heaven“: The Evolution of Middle Bronze Age Fortification Strategies in the Levant, Winona Lake, S. xiii.

P.J. RAY, 2008. Classical Models for the Appearance of Israel in Palestine. In: R.S. HESS et al., Critical Issues in Early Israelite History, Winona Lake, S. 85. Auch: E. YAMAUCHI, 1994. The Current State of Old Testament Historiography. In: A.R. MILLARD et al., Faith, Tradition and History, Winona Lake, S. 14, und J. WEINSTEIN, 1997. Exodus and Archaeological Reality. In: E.S. FRERICHS und L.H. LESKO, Exodus – The Egyptian Evidence, Winona Lake, S. 93-94.

P. FURLONG, 2010. Aspects of Ancient Near Eastern Chronology (c. 1600–700 BC). Gorgias Dissertations 46, New Jersey. Vgl. auch B. NEWGROSH, 2007. Chronology at the Crossroads – The Late Bronze Age in Western Asia, Leicester. Leider gibt es bis heute keine wissenschaftliche Beurteilung beider Werke von Seiten der Assyriologie. Es ist also noch abzuwarten, wie Assyriologen darauf reagieren werden. Für eine Rezension zum Buch von NEWGROSH, s. jedoch: G. HAGENS, 2012 in Journal of Near Eastern Studies (JNES) 71:1, S. 179–182. Lesenswert zu diesem Themenkomplex ist auch: A. DODSON, 2012. Afterglow of an Empire: Egypt from the Fall of the New Kingdom to the Saite Renaissance, Kairo/New York, S. ix–xii, 181–189.

So lässt eine derzeitige, jedoch noch weitgehend unveröffentlichte Studie der BICANE-Gruppe über altägyptische Kalenderdaten erahnen, dass Ramses II. nicht wie traditionell 1279 sondern erst 1068 (nach den Berechnungen des Ägyptologen A. THIJS) oder 1040 v. Chr. (nach den Berechnungen LAPPINs) seine Herrschaft antrat. Die Wahrscheinlichkeitsquote für die letzte Option liegt sogar bei 85-90 % im Gegensatz zu 65-75 % für die traditionelle Datierung.

Die übliche Zahl von 108 Jahren für die Hyksosperiode entstammt dem Turiner Königskanon. Da sich wegen des schlechten Zustandes des Papyrus an dieser Stelle nur noch der Name Halmu’di findet, bleibt ungeklärt, ob sich die Zahl auf die Gesamtdauer der Hyksosperiode oder nur auf eine einzelne Dynastie bezieht. Es könnte also auch sein, dass der Herrschaft der Hyksos eine Übergangsperiode von unbestimmter Länge vorangegangen war, während derer sie ihre Macht in Unterägypten etablierten. MANETHO (bei AFRICANUS) schreibt den Hyksos 284 Jahre zu, was aber wohl überhöht ist. Allerdings legt auch die große Anzahl der Siedlungsschichten in Tell ed-Daba/Avaris eine Periode nahe, die länger gedauert hat als die 108 Jahre des Königskanons.

Mehrere Ergebnisse der BICANE-Gruppe wurden inzwischen veröffentlicht, u. a.: R. CHAPMAN, 2009. Putting Shoshenq I in His Place. Palestine Exploration Quarterly (PEQ) 141:1, S. 4-17; N. FRANKLIN, 2008. Jezreel: Before and after Jezebel. In: L.L. GRABBE (Hg.), Israel in Transition: From the Late Bronze II to Iron IIA (c. 1250–850 B.C.E.), vol. 1: The Archaeology, London, S. 45-53; P.J. JAMES, 2008. The Alleged ‘Anchor-Point’ of 732 BC for the Destruction of Hazor V. Antiguo Oriente (AntOr) 6, S. 133-180 und idem, 2015. Meẓad Ḥashavyahu Reconsidered: Saite Strategy and Archaic Greek Chronology. In: T.P. HARRISON, E.B. BANNING und S. KLASSEN (Hg.), Walls of the Prince: Egyptian Interactions with Southwest Asia in Antiquity: Essays in Honour of John S. Holladay, Jr., Leiden, S. 333–370; R. MORKOT und P. JAMES, 2009. Peftjauawybast, King of Nenesut: Genealogy, Art History, and the Chronology of Late Libyan Egypt. Antiguo Oriente (AntOr) 7, S. 13–55; R.M. PORTER, 2008. A Note on Ramesses IV and ‘Merenptah’ at Beth Shean. Tel Aviv (TA) 35:2, S. 244-248 und idem, 2011. Osorkon III of Tanis: the Contemporary of Piye? Göttinger Miszellen (GM) 230, S. 111–112; J.M. TEBES, 2004. The Influence of Egyptian Chronology in the Archaeology of the Iron Age Negev: A Reassessment. Göttinger Miszellen (GM) 198, S. 91-104 und J. BIMSON und J.M. TEBES, 2009. Timna Revisited: Egyptian Chronology and the Copper Mines of the Southern Arabah. Antiguo Oriente (AntOr) 7, S. 75–118; A. THIJS, 2010. The Lunar Eclipse of Takeloth II and the Chronology of the Libyan Period. Zeitschrift für Ägyptische Sprache (ZÄS) 137, S. 171–190. Für weitere Aufsätze der genannten Autoren, s. auch den neuen Band von P. JAMES und P.G. VAN DER VEEN, 2015. Solomon and Shishak: Current Perspectives from Archaeology, Epigraphy, History and Chronology. BAR International Series 2732, Oxford. Für eine zusammenfassende Arbeit auf Deutsch zu den archäologischen Zusammenhängen: P.J. JAMES und P.G. VAN DER VEEN, 2008. Geschichtsbild in Scherben? Spektrum der Wissenschaft 12, S. 88-93 (s. S. 92-93).

P.G. VAN DER VEEN, C. THEIS, M. GÖRG, 2010. Israel in Canaan (Long) before Merenptah? A Fresh Look at Berlin Statue Pedestal Relief ÄM 21687. Journal of Ancient Egyptian Interconnections (JAEI) 2:4, S. 15–25, und P.G. VAN DER VEEN, 2012. Berlin Statue Pedestal Reliefs 21687 and 21688: Ongoing Research. Journal of Ancient Egyptian Interconnections (JAEI) 4:4, S. 1–2; P.G. VAN DER VEEN und W. ZWICKEL. Die Neue Israel-Inschrift und ihre historischen Implikationen. In: S.J. WIMMER und G. GAFUS (Hg.), 2014. „Vom Leben umfangen“: Ägypten, das Alte Testament und das Gespräch der Religionen – Gedenkschrift für Manfred Görg. Ägypten und Altes Testament (ÄAT) 80, Münster, S. 425-433; W. ZWICKEL und P.G. VAN DER VEEN, 2017. The Earliest Reference to Israel and Its Possible Archaeological and Historical Background. Vetus Testamentum (VT) 67, S. 29–140. Siehe auch S.J. WIMMER, 2014. Manfred Görg zum Gedenken. In: S.J. WIMMER und G. GAFUS (Hg.), „Vom Leben umfangen”: Ägypten, das Alte Testament und das Gespräch der Religionen – Gedenkschrift für Manfred Görg. Ägypten und Altes Testament (ÄAT) 80, Münster, S. xvii; C. FREVEL, 2016. Geschichte Israels. Studienbücher Theologie, Stuttgart, S. 56. Für eine Kritik der Lesart, vgl. F. ADROM, 2016. Israel in Berlin? Identifizierungsvorschläge zur Fremdvölkerliste Berlin 21687. In: M. MEYER-BLANCK (Hg.), Geschichte und Gott. Veröffentlichungen der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie (VWGTh) 44, Leipzig, S. 288-301. Da ADROM selber aber keine ernst zu nehmende Alternative zur Lesart bietet, will seine Argumentation nicht wirklich überzeugen. Eine Antwort von WIMMER und VAN DER VEEN an ADROM ist geplant.

Vgl. K.A. KITCHEN, 2003. On the Reliability of the Old Testament, Grand Rapids, S. 264-265. Dieses Buch ist 2008 auch auf Deutsch erschienen: Das Alte Testament und der Vordere Orient, Gießen.

Einführung

Uwe ZERBST und Peter VAN DER VEEN

Wer kennt sie nicht, die alte Geschichte von den Posaunen Jerichos? Fast eine Woche waren die Israeliten Tag für Tag schweigend um die Stadt gezogen. Dann, am siebten Tag, geschah es. Als die Priester in ihre Hörner bliesen, brach die gewaltige Stadtmauer in sich zusammen. Der Abend sah von der einst mächtigen Stadt nördlich des Toten Meeres nur noch einen Haufen rauchender Trümmer. Was folgte, war ein beispielloser Feldzug. Innerhalb weniger Jahre überrannten die materiell und zahlenmäßig weit unterlegenen Eindringlinge aus der Wüste die Hochkultur Kanaans mit ihren gewaltigen, befestigten Städten und vernichteten sie fast vollständig. So behauptet es jedenfalls der biblische Bericht, der in Abschnitt 2 des einleitenden ersten Beitrags (U. ZERBST und P. VAN DER VEEN: Die Herkunft des Volkes Israel. Biblische Landnahme oder Volkwerdung in Kanaan? 2. Der biblische Bericht der Landnahme) kurz zusammengefasst wird.

Stünde die Geschichte nicht ausgerechnet in der Bibel, kaum jemand hätte je die Frage gestellt, ob wir es mit einer Sage oder einem Geschichtsbericht zu tun haben. Zu phantastisch muten die einzelnen Episoden an. So aber sah es um die Mitte des 20. Jahrhunderts ganz so aus, als hätten die Archäologen die Geschichtlichkeit des alten Berichtes Stück um Stück erwiesen. Es waren vor allem die geborstenen Mauern von Jericho, die Mitte der 1930er-Jahre für Schlagzeilen sorgten, als der britische Archäologe John GARSTANG ein Bollwerk freilegte, das während des Untergangs der bronzezeitlichen Stadt ganz offensichtlich kollabiert war.

Was bis in die 1970er-Jahre für die meisten Wissenschaftler und Laien Gewissheit war, ist heute in sein Gegenteil verkehrt. Immer mehr Forscher zweifeln nicht nur die Geschichtlichkeit der Ereignisse um Jericho, sondern die Landnahme als Ganzes an. Eine gängige Vorstellung ist, dass die frühen Israeliten einst selbst Kanaanäer waren, sich dann aber aus Gründen, über die sich die Gelehrten streiten, absonderten und eine eigene Identität zu entwickeln begannen. Möglicherweise befanden sich unter ihnen auch einige Sklaven, die aus Ägypten entkommen waren und von dort phantastische Geschichten mitbrachten. Rein zahlenmäßig waren diese Flüchtlinge aber unter den „Proto-Israeliten“ allenfalls eine Randerscheinung, und deshalb sind sie auch für die Archäologen heute kaum von Belang. Sehr viel später, nach einem langen Tradierungsprozess, während dessen die alten Geschichten von Generation zu Generation weitergegeben und dabei immer mehr ausgeschmückt wurden, wurden sie schließlich niedergeschrieben. Darüber, wann dies geschah, sind sich die Gelehrten ebenfalls uneins. In jedem Fall wäre es etliche Jahrhunderte nach den vermeintlichen Ereignissen gewesen. Um ein Beispiel zu erwähnen: Für den renommierten israelischen Archäologen Israel FINKELSTEIN und seinen Mitautor Neil SILBERMAN (2003. Keine Posaunen vor Jericho, München, S. 111) „verbirgt sich hinter Josuas Maske … König Josia“. Josia (640-609) herrschte während der zweiten Hälfte des siebten Jahrhunderts v. Chr. über das Südreich Juda. Die beiden wichtigsten Ziele seiner Regentschaft waren die religiöse Erneuerung seines Landes im Sinne des monotheistischen Jahwe-Glaubens und die Ausdehnung seines Einflussbereiches nach Norden, über das Gebiet des alten Nordreiches Israel. Wie der sagenumwobene Feldherr der Landnahme den sehr viel stärkeren Kanaanäern, so stand auch Josia überlegenen Feinden gegenüber, gegen die er sich behaupten musste. Soweit die These, die eine der Spielarten der gegenwärtigen Mehrheitsmeinung ist.

Wie zwingend sind solche Vorstellungen aus wissenschaftlicher Sicht aber tatsächlich? Die Abkehr von der biblischen Schilderung des Exodus aus Ägypten, der vierzigjährigen Wüstenzeit und der gewaltsamen Landnahme in Kanaan hin zu der Vorstellung von den Proto-Israeliten, die seit jeher mehr oder weniger friedlich im Lande gelebt hatten, die ein großer Teil der Forscher heute vollzogen hat, hat theologische, aber auch archäologische Gründe. Erstere werden im Anhang des ersten Beitrags dieses Bandes (Theologische Aspekte der Landnahmetradition) kurz andiskutiert. Sehr viel ausführlicher wird in Abschnitt 3 (Archäologisch-historische Modelle der Landnahme) die Entwicklung auf dem Gebiet der Archäologie dargestellt. Zur Sprache kommen

(a) das lange Zeit dominierende Modell der sog. ALBRIGHT-Schule der Landnahme in den Jahren vor 1200 v. Chr., dem Beginn der Eisenzeit in Palästina,

(b) die alternative Theorie einer allmählichen Infiltration Kanaans durch Hirten aus den Randgebieten Kanaans nach Albrecht ALT und Martin NOTH,

(c) die wichtigsten der gegenwärtig dominierenden soziologischen Modelle nach Israel FINKELSTEIN, George MENDENHALL, Norman GOTTWALD, Joseph CALLAWAY, Niels Peter LEMCHE, Gösta AHLSTRÖM, Robert COOTE und Keith WHITELAM sowie

(d) alternative Ansätze einer Frühdatierung der Landnahme in die Jahre vor 1400 v. Chr., wie sie Autoren wie Hans GOEDICKE, Bryant WOOD, John BIMSON, Steven ROBINSON oder David ROHL vertreten.

Nicht nur das Landnahmemodell um 1200 v. Chr., auch die soziologischen Modelle, die die gegenwärtige Diskussion dominieren, weisen signifikante wissenschaftliche Probleme auf, die in den Abschnitten 3.2 (Die gewaltsame Landnahme gegen Ende der Späten Bronzezeit. Albrightsche Synthese) und 3.6 (Potenzielle Hinweise auf ein Volk Israel in Kanaan vor konventionell 1200 v. Chr.) thematisiert werden. Tatsächlich sind diese Probleme schwerwiegender, als sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Was gegen die soziologischen Modelle spricht, sind archäologische Hinweise auf Israel als Volk (!) in Kanaan lange vor der Eisenzeit, die nach den konventionellen wie auch nach den soziologischen Ansätzen als die Zeit Israels nach einer längeren proto-israelitischen Periode angesehen wird.

Die wissenschaftliche Alternative ist die Ansetzung der Landnahme in die Jahre vor 1400 v. Chr., für die zudem mehrere biblische Angaben sprechen. Sieht man von der aus verschiedenen Gründen problematischen Annahme des Exodus in Verbindung mit der Kykladeninsel Thera in der Ägäis ab, wie sie v. a. Hans GOEDICKE vertreten hat (Abschnitt 3.7.2: Landnahme-Modelle, die die Ereignisse um den Auszug mit der Explosion der Insel Thera in der Ägäis in Verbindung setzen), so sind es v. a. zwei archäologische Modelle, die das Problem der Frühdatierung zu lösen versuchen:

(a) der Ansatz Bryant WOODs, nach dem sich die Landnahme am Ende der Späten Bronzezeit I ereignete, und

(b) ein Ansatz, der von John BIMSON und anderen vertreten wird und die Landnahme ans Ende der Mittleren Bronzezeit IIC datiert.

Beide Modelle werden in den Abschnitten 3.7.3 (Das Modell nach Bryant Wood: Landnahme am Ende der Späten Bronzezeit I) und 3.7.4 (Landnahme-Modelle am Ende der Mittleren Bronzezeit) ebenfalls kritisch hinterfragt, mit dem Ergebnis, dass die Herausgeber die Präferenz auf das Modell nach BIMSON u. a. setzen. Während sich die Vorstellungen WOODs im Rahmen der konventionellen Chronologie der Späten Bronzezeit in Palästina bewegen, erfordert die Landnahme am Ende der Mittleren Bronzezeit eine Revision dieser Chronologie um etwa 150 Jahre. In Abschnitt 3.7.4.4 (Das Landnahmemodell am Ende der Mittleren Bronzezeit nach Bimson) sind Argumente aus der Archäologie der Eisenzeit in Palästina zusammengetragen, die unabhängig von der in diesem Band diskutierten Problematik die Notwendigkeit einer solchen Revision nahelegen.

Weitere Argumente für eine chronologische Revision aus dem Kontext des ägyptischen Neuen Reiches und der Dritten Zwischenzeit, die mit der archäologischen Zeittafel Palästinas eng verbunden sind, listet John BIMSON im zweiten Beitrag dieses Bandes (Wann eroberte Josua Kanaan, am Ende der Mittleren Bronzezeit IIC oder am Ende der Späten Bronzezeit I? Abschnitt 3.2: Die ägyptische Chronologie) auf. Ausgehend von einer ausführlichen Schilderung der archäologischen Situation am Ende der Mittleren Bronzezeit IIC (Abschnitt 2: Die Landnahme und das Ende der Mittleren Bronzezeit) und während der Späten Bronzezeit I setzt sich BIMSON im Detail mit dem erwähnten Modell WOODs auseinander (Abschnitt 3: Kritik am Landnahmemodell Bryant Woods während der SBZ I), wobei er insbesondere den archäologischen Befund von Jericho im weiteren kanaanäischen Kontext diskutiert (Abschnitt 3.3: Der archäologische Befund von Jericho).

Ein Problem für jedes Modell, welches das Landnahmeereignis, wie es die Bibel beschreibt, stützt, sind die außerordentlich großen Zahlen der Israeliten, wie sie im 4. Buch Mose und an anderen Stellen geschildert werden. Sechshunderttausend waffenfähige israelitische Männer hätten keine Streitmacht der damaligen Welt zu fürchten gehabt, nicht die Streitwagen Pharaos und erst recht nicht die Bewohner Kanaans. Sie hätten zudem Teil eines Volkes von zwei bis zweieinhalb Millionen Menschen gewesen sein müssen, das während seines vierzigjährigen Wüstenaufenthaltes Spuren hinterlassen hätte. Es wurden jedoch keine Spuren gefunden. Die Frage der großen Zahlen wird in einem Beitrag eines der Herausgeber (U. ZERBST: Die Größe der israelitischen Bevölkerung während der Wüstenwanderung und Landnahme) thematisiert. Ausgehend von zahlreichen Argumenten, die gegen die großen Zahlen sprechen (Abschnitt 2.2.2: Widersprüche aufgrund der großen Zahlen), werden verschiedene Hypothesen von

(a) der beabsichtigten propagandistischen Überhöhung (E.W. DAVIES;D.M. FOUTS) über

(b) anachronistischen Gebrauch von Zahlen aus einer späteren Zeit (A. DILLMANN;W. ALBRIGHT),

(c) gematrische Interpretationen (H. HOLZINGER;R. HEINZERLING;M. BARNOUIN), nach denen die Zahlen chiffrierte Inhalte transportierten, bis zu

(d) einer fehlerhaften Wiedergabe des Terms für „tausend“ (W.M. FLINDERS PETRIE; G.E. MENDENHALL; C.J. HUMPHREYS; R.E.D. CLARK; J.W. WENHAM) diskutiert.

Dabei wird dem letztgenannten Erklärungsmodell das höchste Potenzial beigemessen. Die verschiedenen Ansätze gehen davon aus, dass die im Hebräischen durch Buchstaben wiedergegebenen Zahlen ursprünglich aus zwei Teilzahlen zusammengesetzt waren, von denen die erste die Anzahl bestimmter Einheiten und die zweite die Gesamtzahl der Individuen, die in den Einheiten zusammengefasst waren, wiedergegeben hätten. Später wären beide Ziffern irrtümlich zu einer Zahl zusammengezogen worden.

Auch die Modelle nach (d) werden einer kritischen Diskussion unterzogen (Abschnitt 4: Diskussion des Ansatzes nach Mendenhall; Abschnitt 5: Die Modelle nach Clark und Wenham), in deren Ergebnis eine Modifikation vorgeschlagen wird, durch die die im Modell auftretenden Widersprüche minimiert werden (Abschnitt 6: Vorschlag einer Modifizierung des Grundansatzes nach MENDENHALL). Auf der Grundlage dieses Ansatzes hätte die israelitische Bevölkerung vor der Landnahme aus 36000 bis 42000 Menschen bestanden, was grob ein Viertel bis ein Drittel der kanaanäischen Bevölkerung ausgemacht hätte. In Abschnitt 7 (Anwendung des modifizierten Modells auf weitere alttestamentliche Textstellen) wird das modifizierte Modell auf weitere alttestamentliche Texte angewendet, wobei es überwiegend zu akzeptablen Interpretationen führt.

Im weiteren Kontext, jedoch ohne unmittelbare Anbindung an die vorher diskutierte Landnahme-Problematik, steht der letzte gemeinsame Beitrag der Herausgeber (U. ZERBST und P. VAN DER VEEN: Das Gericht an den Göttern Ägyptens. Die zehn Plagen in 2. Mose 7-12 aus der religiösen Perspektive des Alten Ägypten), in dem der Versuch unternommen wird, die im zweiten Buch Mose beschriebenen zehn Plagen am Vorabend des Exodus aus der Perspektive der ägyptischen Religiosität darzustellen.

A Die Herkunft des Volkes Israel. Biblische Landnahme oder Volkwerdung in Kanaan?

Uwe ZERBST und Peter VAN DER VEEN

1. Einleitung

In den letzten Jahrzehnten hat sich das wissenschaftliche Bild von den Ursprüngen Israels in Kanaan stark verändert. Standen sich bis etwa 1960 v. a. das Modell einer gewaltsamen Landnahme am Ende der Späten Bronzezeit (konventionell um 1200 v. Chr., ALBRIGHTsche Synthese) und das Modell einer allmählichen friedlichen Infiltration (Modell nach ALT und NOTH) gegenüber, so hat seither eine Reihe von soziologischen Modellen, die die Herkunft der Israeliten in Kanaan selbst sehen, die Oberhand gewonnen. Begleitet ist die neuere Entwicklung von einem ausgesprochenen Skeptizismus gegenüber den alttestamentlichen Quellen als Geschichtsberichte. Der vorliegende Beitrag zeichnet diese Entwicklung in kurzen Zügen nach und ergänzt sie durch eine weitere Alternative: die gewaltsame Landnahme in Übereinstimmung mit dem biblischen Bericht zu einem früheren Zeitpunkt um 1400 v. Chr.

2. Der biblische Bericht der Landnahme

Folgt man dem Alten Testament, so eroberte der israelitische Zwölfstämme-Verband nach dem Tod des Mose innerhalb weniger Jahre das ganze Land Kanaan östlich und westlich des Jordan. Vorausgegangen waren der Exodus, der Auszug aus Ägypten, wo das Volk unter bedrückenden Bedingungen Sklavenarbeit geleistet hatte, und ein etwa vierzigjähriger Aufenthalt in der Wüste. Militärisch lag der Landnahme ein durchdachter Plan zugrunde.1 Für die von Osten vorrückenden Stämme existierte nur eine geeignete Stelle, an der sie einen Brückenkopf errichten konnten: die Ebene von Jericho. Ein Teil des Gebietes östlich des Jordan, Gilead und das moabitische Flachland, war bereits von den Israeliten besetzt und im entsprechenden Flussabschnitt existierten mehrere Furten. Beide Umstände hätten im Falle eines feindlichen Gegenschlages einen schnellen Rückzug oder auch die Heranführung von Verstärkung ermöglicht. Nach dem alttestamentlichen Bericht wurde die Flussüberquerung dadurch beträchtlich erleichtert, dass das Wasser stromaufwärts bei der Stadt Adam (heute Tell Damiyeh) zwei Kilometer südlich der Jabbokmündung und etwa 30 Kilometer nördlich von Jericho für längere Zeit gestaut war (Josua 3,16). Ursache könnte ein Erdbeben gewesen sein, das zum Ausbrechen der Ufer geführt hatte.2 Unter ihrem Anführer Josua überquerte eine begrenzte Auswahl von Kämpfern den Jordan, wobei nicht ganz klar ist, ob es sich dabei um ein Kontingent der Stämme Ruben, Gad und des halben Stammes Manasse oder um eine Auswahl des ganzen Volkes handelte (Josua 3).

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Abb. 1: Blick vom Berg Nebo. Links am Horizont Qumran, daneben die Stadt Jericho und in der Mitte (am Horizont) die Stadt Jerusalem. Von hier aus sah Mose das gelobte Land und führte Josua die Kinder Israel über den Jordan. (Photo: A. SCHICK)

Der Besitz der Oase von Jericho, in der es Wasser im Überfluss gab, war für die Sicherung des Brückenkopfes und für das weitere Vorgehen von essenzieller Bedeutung, stellte die Stämme jedoch vor das Problem, dass sie für die Belagerung der befestigten Stadt in keiner Weise gerüstet waren. Nach dem biblischen Bericht fügte es Gott, dass die Mauern der Stadt plötzlich kollabierten und die Israeliten die Überraschung für sich ausnutzen und die Stadt einnehmen konnten:

„Und es geschah, als das Volk den Schall der Hörner hörte, da erhob das Volk ein großes Kriegsgeschrei. Da stürzte die Mauer in sich zusammen, und das Volk stieg in die Stadt hinein, ein jeder gerade vor sich hin, und sie nahmen die Stadt ein.“ (Josua 6,20)

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Abb. 2: Der Landnahmefeldzug und das frühe Siedlungsgebiet der Israeliten in Kanaan. Rechtes Teilbild nach BIMSON et al. (1985).136

Nachdem Jericho eingenommen und an der Stadt der Bann vollzogen war, wandten sich die Stämme dem späteren judäischen Bergland zu. Das Gebirge erfüllte die Funktion einer natürlichen Festung. Gegenschläge der zahlenmäßig überlegenen und besser gerüsteten Kanaanäer in der Ebene wären für die Israeliten ein erhebliches Problem gewesen. In der schwer zugänglichen Bergregion hingegen war der Einsatz von schwererem Gerät weitgehend ausgeschlossen, und Josuas Kämpfer konnten ihre Unterlegenheit durch Geschick und Wagemut ausgleichen. Das nächste Ziel Josuas war die Stadt Ai, die nach anfänglichem Misserfolg durch eine Kriegslist erobert wurde (Josua 8). Von strategischer Bedeutung war die Stadt deshalb, weil sie die Wasserscheide bewachte, auf der eine der drei wichtigsten Verkehrsadern in Nord-Süd-Richtung durch Palästina verlief. Die Vernichtung der Stadt und ein Bündnis mit den Gibeonitern (Josua 9), einer einheimischen Stammesgemeinschaft, die mehrere Städte im judäischen Bergland bewohnte, rief die Fürsten der Region, die Könige von Jerusalem, Hebron, Jarmut, Lachisch und Eglon, auf den Plan. Sie wurden jedoch in einem Überraschungsangriff bei der Stadt Gibeon (heute El Jib) acht Kilometer nordwestlich von Jerusalem bezwungen, nachdem sie die Hauptstadt von Israels Verbündeten vergeblich belagert hatten. Mit diesem Sieg stand Josuas Männern der Süden offen. In schneller Folge fielen ihnen die Städte Makkeda, Libna, Lachisch, Eglon, Hebron und Debir in die Hände (Josua 10).

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Abb. 3: Jerusalem: Rekonstruktion der mittelbronzezeitlichen Befestigungsmauern und der Wasserleitung aufgrund der in jüngerer Zeit von Ronny REICH und Eli SHUKRON entdeckten Überreste am Osthang der „David-Stadt“. Die Funde stammen aus der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. (Mit freundlicher Genehmigung des Visitor‘s Center of the City of David)

Die eigentliche Entscheidung sollte jedoch im nördlichen Galiläa fallen. Um Jabin, den König von Hazor, der größten Stadt der Region, formierte sich eine Streitmacht, die ungleich größer war als alle Gegner, mit denen es Israel in Kanaan bisher zu tun gehabt hatte3:

„Und es geschah, als Jabin, der König von Hazor, es hörte, sandte er zu Johab, dem König von Madon, und zum König von Schimron und zum König von Achschaf und zu den Königen, die im Norden im Gebirge und in der Steppe [gemeint ist wohl ein Senke] südlich von Kinneret [dem heutigen See Genezaret] und in der Niederung [der Schefela] und im Hügelland von Dor [in der nördlichen Küstenebene] im Westen waren, zu den Kanaanitern im Osten und im Westen, zu den Amoritern, den Hethitern, den Peresitern und den Jebusitern auf dem Gebirge und zu den Hewitern am Fuß des Hermon im Land Mizpa. Und sie zogen aus, sie und ihr ganzes Heerlager mit ihnen, ein Volk, zahlreich wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist, an Menge, sowie sehr viele Pferde und Wagen.“ (Josua 11,1-4)

Angesichts der großen Zahl der Feinde standen die Chancen alles andere als gut für die Israeliten. Im offenen Feld hatten sie dem Aufgebot Jabins nichts entgegenzusetzen. Josua gelang jedoch abermals ein Überraschungscoup. Offensichtlich waren die Verbündeten noch mit den Vorbereitungen für die Kampagne beschäftigt, als er sie am Wasser von Merom [vielleicht die Quelle oder der Lauf eines Baches in einem Tal nördlich oder östlich des Sees Genezareth] vom Berg herab angriff und vernichtend schlug. Die fliehenden Feinde wurden bis ans Mittelmeer und den Fuß des Hermon verfolgt und völlig aufgerieben (Josua 11,7-8). Ausdrücklich erwähnt wird, dass von den Städten im Norden Galiläas nur Hazor zerstört wurde (Josua 11,13).

Nach diesen Ereignissen war die Landnahme unter Josua im Wesentlichen abgeschlossen. Die Bibel berichtet davon:

„So nahm Josua dieses ganze Land, das Gebirge, den ganzen Süden, das ganze Land Goschen [wahrscheinlich das südwestliche Bergland], die Araba [die Niederung und die Steppe], das Gebirge Israel und die Schefela [die Niederung], von dem kahlen Gebirge, das gegen Seir ansteigt, bis Baal-Gad in der Talebene des Libanon, am Fuße des Berges Hermon. … Lange Zeit führte Josua mit all diesen Königen Krieg. Es gab keine Stadt, die sich den Söhnen Israel friedlich ergab, außer den Hewitern, die in Gibeon wohnen, alles (andere) nahmen sie im Kampf ein. … Und so nahm Josua das ganze Land, ganz wie der Herr zu Mose geredet hatte. Und Josua gab es Israel zum Erbteil, … Und das Land hatte Ruhe vom Krieg.“ (Josua 11,16-23)

Dass die Eroberung nicht lückenlos war, berichtet der Chronist des Josuabuches zwei Kapitel später. Unbesetzt blieben u.