Buch
Der Anwalt Charlie Priest steht vor einem Fall, der seine Karriere in ungeahnte Höhen befördern könnte – oder sie für immer zerstören. Es sieht nach Letzterem aus, als der Kronzeuge am Morgen des ersten Verhandlungstages brutal erstickt im Kofferraum einer Journalistin gefunden wird. Wenig später taucht die Leiche der Klägerin auf, ihr Mund zusammengenäht und der Rest ihres Kopfes fast vollständig verbrannt. Priest erkennt: Der Killer hatte eine Rechnung mit den Opfern offen, die noch nicht beglichen ist – denn er weiß von einem grausamen Geheimnis und wird erst ruhen, wenn alle Schuldigen zur Rechenschaft gezogen wurden …
Autor
James Hazel war als Anwalt im Bereich Unternehmens- und Arbeitsrecht tätig, bevor er sich dem Schreiben zuwandte. Er interessiert sich für Kriminologie, liebt Krimis und Thriller, Indiemusik und alles, was retro ist. James Hazel lebt mit seiner Frau und ihren drei Kindern in Lincolnshire, England.
Von James Hazel bereits erschienen
The Mayfly. Die Chemie des Bösen
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JAMES HAZEL
DIE PUPPE
Vertraue nicht dem Bösen
THRILLER
Aus dem Englischen
von Kristof Kurz

Die Originalausgabe erschien 2017 unter dem Titel »The Ash Doll« bei Bonnier Zaffre, London.
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Copyright © der Originalausgabe 2018 by James Hazel
Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2020
by Blanvalet Verlag,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH,
Neumarkter Straße 28, 81673 München
Redaktion: Catherine Beck
Umschlaggestaltung: www.buerosued.de
Umschlagmotiv: plainpicture/Reilika Landen
JB · Herstellung: sam
Satz: KompetenzCenter, Mönchengladbach
ISBN: 978-3-641-24264-0
V002
www.blanvalet.de
Dieses Buch ist Grace gewidmet, die mich einmal gefragt hat, ob ich ein glatzköpfiger Mann mit Brille bin.
Nur fürs Protokoll: Bin ich (noch) nicht.
»Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: ›Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.‹«
Römer 12,17-19
»Auge um Auge …«
2. Mose 21,24
1
1. November 1989
Rose kletterte die letzten Meter der Anhöhe hinauf. Der Hügel wurde abrupt steiler, der von Moos bedeckte Erdboden endete an der Felskante der Klippe. Die Sonne ging bereits unter, die Luft war kalt und feucht. Vorsichtig lief sie über den Grat. Der Pfad wurde immer schmaler, und nur ein an morschen Holzpfählen gespannter Draht trennte sie vom Abgrund. Unter ihr brachen sich die Wellen krachend am steinigen Ufer.
Der Pfad öffnete sich wieder auf ein kleines Plateau und endete abrupt an einer beinahe genau rechtwinkligen Kante, wo die Klippe senkrecht bis zum flacheren Meeresufer hin abfiel. Eine kleine Menschenmenge hatte sich dort versammelt. Als sie näher kam, löste sich eine Gestalt aus der Gruppe und eilte auf sie zu.
»Ach, Rose, Gott sei Dank.« Es war die hochgewachsene Witwe, die in Tome, einem Dorf ganz in der Nähe, einen Blumenladen hatte. Rose konnte sich nicht an ihren Namen erinnern.
»Ich bin so schnell gekommen, wie ich konnte«, sagte Rose, der die Panik in der Stimme der Blumenhändlerin nicht entging.
»Und keinen Augenblick zu früh.«
Die Blumenhändlerin scheuchte Rose auf die Menge zu, die sich bereitwillig für sie teilte. Die grimmigen Gesichter waren im Zwielicht kaum zu erkennen, doch es waren auch einige Dorfbewohner und sogar ein paar darunter, die Rose mit Namen kannte. Sie war bereits seit zwei Monaten bei der örtlichen Polizei. Inzwischen hätte sie alle kennen müssen, doch in diesem trüben Licht sah einer aus wie der andere.
»Was hat das denn so lange gedauert, Officer?«, knurrte eine Stimme unter der Kapuze eines Regenmantels hervor. Der Mantel war selbst für einen Basketballspieler zu groß, und der pummeligen Gestalt, die ihn trug, erst recht. Ohne auf die patzige Bemerkung einzugehen, ließ sie sich zum Drahtzaun an der Felskante führen. Ein gelbes Schild, das vor Absturzgefahr warnte, baumelte im Wind.
Kurz vor der Kante stand ein windschiefes, rissiges Holzschild, auf dem der Name der Klippe angeschrieben stand: DEVIL’S POINT.
»Wer hat sie zuerst gesehen?«, fragte Rose die Blumenverkäuferin.
»Vern und seine Lokalgeschichtsgruppe waren hier oben auf Exkursion.«
»Eine Exkursion? Um diese Zeit?«
»Na ja, es sollte wohl eher eine Geisterjagd werden. Angeblich geht auf dieser Klippe das Gespenst eines keltischen Seemanns um, der …«
Rose hob genervt die Hand, woraufhin die Frau glücklicherweise verstummte. Dann drückte sie den Draht herunter und stieg darüber; die Sicherheitsvorkehrungen hier waren ein Witz.
Rose blieb stehen und sah sich um. Kurz bevor die Sonne am Horizont in ihrem Rücken verschwand, überzog sie den Himmel mit einem tiefroten Schimmer. Rose schluckte schwer. Ganz am Rand der Klippe stand ein höchstens zehnjähriges Mädchen. Ihr Haar flatterte im Wind. Sie starrte aufs Meer hinaus und hatte die Arme ausgestreckt, als könne sie sich Flügel wachsen lassen und einen Sturzflug in den Abgrund wagen.
Rose drehte sich um, doch auch die Blumenhändlerin schien keine Erklärung dafür zu haben. Rose blickte ausnahmslos in ratlose Gesichter.
»Hallo?«, rief Rose vorsichtig, um das Mädchen nicht zu erschrecken.
Zunächst reagierte das Mädchen nicht. Erst beim zweiten Ruf drehte sie den Kopf. Rose erkannte ein blasses, tränenüberströmtes Gesicht.
»Hallo, Schätzchen. Ich bin Polizistin. Du stehst sehr nahe am Rand der Klippe. Magst du zu mir rüberkommen?«
Das Mädchen bewegte sich nicht. Rose machte einen Schritt auf sie zu. Die Kleine stand so nahe an der Kante, dass schon ein kräftiger Windstoß ausreichen würde, um sie von der Klippe zu wehen.
»Dir kann gar nichts passieren, Schätzchen. Dreh dich einfach langsam und vorsichtig zu mir um.«
Rose ging in die Hocke, um mit dem Kind auf Augenhöhe sprechen zu können. Der Wind peitschte ihr ins Gesicht. Das Mädchen war nur sieben, acht Meter von Rose entfernt, doch angesichts der drohenden Gefahr kam es ihr vor wie tausend Meilen. Mit klopfendem Herzen streckte sie ihre Hand aus.
»Wie heißt du denn?«
Das Mädchen schüttelte fast unmerklich den Kopf.
»Willst du mir vielleicht verraten, wo du herkommst?«
Wieder ein winziges Kopfschütteln.
Rose wollte sich gerade auf sie zubewegen, als hinter ihr eine Stimme ertönte. Es war der kleine Mann in dem viel zu großen Regenmantel.
»Officer, sehen Sie mal.«
Rose folgte seiner ausgestreckten Hand zur Taille des Mädchens. Ein zerfetztes Kleid flatterte um ihre dünnen, nackten Beine. Zuerst dachte Rose an Schlammflecken – immerhin hatte es in der Nacht stark geregnet, und der Boden war matschig.
Dann begriff sie, dass es sich bei den rostroten Linien, die sich unter dem weißen Kleid auf ihren Beinen abzeichneten und bis zu den Fußsohlen reichten, nicht um Schlamm handelte.
»Du Ärmste«, flüsterte sie. »Was ist mit dir passiert?«
2
Gegenwart
Simeon: Hey, bist du noch da?
Simeon: Hallo?
User3412: Sorry. Ja, bin noch da.
Simeon: Ich bin so gespannt auf nächste Woche.
User3412: Nächste Woche? Wir werden die Welt verändern 
Simeon: Ich muss mit dir reden.
User3412: Es ist nicht einfach, ich weiß. Aber jetzt sind wir so weit gekommen. Erinnerst du dich an den Treffpunkt? Wir werden ihn nicht brauchen, aber hoffentlich hilft er trotzdem. Nur die Gewissheit, dass er da ist und so.
Simeon: Das alles ist doch viel komplizierter. Ich bin mir einfach nicht mehr sicher, dass ich das Richtige tue.
User3412: Entspann dich, Simeon. Alles wird gut. Wir wollen das doch beide, oder? Die Wahrheit. Wir marschieren zu einem apokalyptischen Lied.
Simeon: Ich bin mir nicht mal mehr sicher, was die Wahrheit überhaupt ist. Das verwirrt mich alles. Gestern Nacht habe ich geträumt, dass wir vor Publikum auf einer Theaterbühne stehen und unsere Geschichte erzählen. Und alle Zuhörer standen in Flammen. Alle. Ich konnte das verbrannte Fleisch riechen. Das ist doch krank, oder?
User3412: Okay. Das Gleichgewicht, Simeon. Wir wollen das Gleichgewicht wiederherstellen, vergiss das nicht. Wenn wir es nicht tun, wer dann? Denk immer dran: Nis, Nih, Nis.
Simeon: Nein. Ich habe mich entschieden.
Simeon: Bist du noch da?
User3412: Was meinst du?
Simeon: Ich meine die Wahrheit.
User3412: Du hast Bedenken – aber bei der Vorstellung, was geschehen wird, wenn die Welt nächste Woche die Wahrheit erfährt, ist das nur zu verständlich.
Simeon: Ich hasse mich.
Simeon: Ich hasse den, zu dem ich womöglich geworden bin. Ich weiß, was wir hier tun, und ich weiß, dass das, was passiert ist, nicht rückgängig gemacht werden kann, aber deshalb sind wir noch lange nicht im Recht. Wer wird die Wächter selbst bewachen, wenn wir tun, was wir wollen?
User3412: So funktioniert es aber nicht.
Simeon: Was soll das heißen?
User3412: Wir machen das jetzt seit 2 Jahren. Du kannst jetzt nicht einfach sagen Scheiß drauf und alles hinschmeißen, oder? Hast du mit dem Anwalt des Magazins gesprochen?
Simeon: Ich hab ihn ein paarmal getroffen.
User3412: Was ist das für einer?
Simeon: Er heißt Priest.
User3412: Und?
Simeon: Was und?
User3412: Wie ist er so?
Simeon: Na ja, ist wahrscheinlich gut, wenn er auf deiner Seite ist, und schlecht, wenn nicht.
User3412: Also legen wir uns lieber nicht mit ihm an?
User3412: Simeon? Noch da?
Simeon: Wir sollten die Polizei einschalten.
User3412: Und was werden die unternehmen?
Simeon: Das weißt du ganz genau.
Simeon: Als wir angefangen haben, war ich mit dem Plan einverstanden. Ich wusste, worum es uns geht, der Fisch stinkt vom Kopf her und so. Du hast mich inspiriert. Ich dachte wirklich, ich kann das durchziehen – dass das wirklich etwas Sinnvolles ist. Versteh mich nicht falsch – sie sollen für ihre Taten büßen, aber auf diese Weise? Bin das überhaupt noch ich?
User3412: Ruf mich an.
Simeon: Tut mir leid. Jemand muss allem ein Ende setzen.
User3412: Sei kein Narr, Simeon. Wenn wir es nicht tun, dann gewinnen sie, und weiter wird nichts passieren. Sie gewinnen.
Simeon: Das kannst du nicht mit Sicherheit sagen.
User3412: Moment.
User3412: Ich drücke es nur ungern so aus, Simeon, ABER DU GEHÖRST MIR.
User3412: Du kannst nicht einfach so aufhören. Nicht jetzt.
Simeon: Tut mir leid.
User3412: Na schön. Aber sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.
3
Vincent Okoro saß im Gerichtssaal Nummer dreizehn in der ersten Reihe. Er hatte den Arm auf die Rückenlehne der Bank gelegt, die unter seinem muskulösen Körper ächzte. Gedankenverloren blätterte er durch die Prozessakte, die aufgeschlagen auf seinem Schoß lag. Groß konzentrieren musste er sich nicht darauf – er kannte sie sowieso mehr oder weniger auswendig.
Auch die vielen Menschen um ihn herum nahm er kaum wahr. Hinter ihm rutschten zwei Männer und eine Frau unbehaglich auf den altehrwürdigen Holzbänken der Royal Courts of Justice herum. Zu seiner Linken trug ein Gerichtsdiener in schlecht sitzender Robe mit wichtiger Miene Akten durch die Gegend. Hoch über Okoro saßen ein paar verstreute Journalisten im sanften Schein ihrer Smartphones und Tablets, mit denen sie sich bis zum Verhandlungsbeginn die Zeit vertrieben.
Dafür, dass der Fall seit zwei Jahren großes öffentliches Interesse erregte, waren enttäuschend wenige Journalisten zum ersten Tag der Verhandlung in Sachen Elias gegen The Real Byte Limited gekommen. Aber bis zum Prozessauftakt waren es ja auch noch eineinhalb Stunden. Selbst die Klägerin mit ihrer Entourage aus Blutsauger-Anwälten war noch nicht erschienen. Angeblich saßen sie noch in der Gerichtscafeteria und erzählten sich bei Croissants lustige Geschichten.
Noch eineinhalb Stunden – und keine Spur von Priest oder ihrem ersten Zeugen.
Okoro seufzte tief und warf die Akte auf die Bank. Dann drehte er sich um und erblickte zu seiner Überraschung Georgie Someday, die sich irgendwie in den Gerichtssaal geschlichen hatte.
»Hallo«, sagte sie fröhlich und sah ihn mit ihren grünen Augen neugierig an.
»Wie lange sitzen Sie schon hinter mir?«, fragte Okoro.
»Drei Minuten. Ich wollte Sie nicht stören.«
»Die Akte kenne ich bereits. Wo ist Priest?«
»Er hat angerufen. Er ist auf dem Weg.«
»Mit Simeon?«
Georgie verzog das Gesicht. »Das hat er nicht gesagt.«
Okoro seufzte erneut, diesmal noch tiefer. Simeon Ali – ihr Hauptbelastungszeuge – würde über den Ausgang dieses Falls entscheiden. Ohne seine Aussage konnte der Prozess ein schnelles und schmachvolles Ende finden.
Vielleicht war es doch besser, dass nicht so viele Journalisten anwesend waren.
»Rufen Sie Priest an«, sagte Okoro. »Finden Sie raus, wo er ist, lassen Sie sich bestätigen, dass Simeon rechtzeitig kommen wird und dass er bereit ist auszusagen.«
Georgie nickte, strich sich eine rote Haarsträhne aus dem Gesicht und eilte aus dem Saal.
»Morgen, Okoro«, sagte eine unwirsche Stimme.
Okoro wandte sich der Klägerseite zu, wo eine gebückte Gestalt gerade Anklageschriften auf das Richterpult stellte.
»Hagworth.« Okoro nickte seinem Gegenspieler höflich zu. Der alte Kronanwalt erwiderte den Gruß, dann mühte er sich weiter damit ab, die Akten aufrecht hinzustellen. Okoro vermutete, dass ihm das mit seinen zitternden Händen und den trüben Augen nicht leichtfiel.
»Schöner Tag heute«, murmelte Hagworth.
Okoro zuckte mit den Schultern. »Ich hätte mit mehr Presse gerechnet.«
»Ein paar Reporter lungern noch draußen in der Halle herum. Schmierfinken. Keine Sorge, Okoro. Sie werden die Aufmerksamkeit, die Sie sich so wünschen, ganz sicher erhalten.«
Okoro grunzte unverbindlich. Dickie Hagworth war landesweit einer der erfahrensten Spezialisten für Verleumdungsrecht. Und ein unangenehmer, snobistischer Schnösel dazu.
»Schöner Anzug«, bemerkte Hagworth. Okoro sah an sich hinab. Der Armani-Dreiteiler spannte über seinem hundertzehn Kilo schweren, muskelbepackten Körper. Dann richtete er den Blick wieder auf Hagworth. Okoro wusste nicht so recht, was er darauf erwidern sollte. Hagworth sagte nur selten etwas ohne Hintergedanken.
»Damit sehen Sie ja fast wie ein richtiger Anwalt aus, Okoro. Ich hoffe, Sie tragen die Niederlage mit Fassung.« Mit höhnischem Lächeln nahm der Kronanwalt den nächsten Aktenstapel in die Hand.
Okoro beugte sich vor, woraufhin die Bank ein weiteres Mal ächzte, und stützte nachdenklich das Kinn auf eine Hand. »Ich bin gespannt, wie Sie Ihrem Gentlemen’s Club erklären, dass Sie gegen einen schwarzen Mann verloren haben.«
Die Akten vor Hagworth fielen um, und ihr Inhalt verteilte sich auf dem Boden des Gerichtssaals.
4
Die Morgensonne glitzerte auf dem reifbedeckten Gras. Langsam schritt die Prozession über den Hügel, hinter dem die Kirche allmählich außer Sicht geriet. Krähen saßen wie Wächter auf dem Zaun und betrachteten neugierig das Spektakel. Der Boden war feucht und roch nach frischem Tau. Nur das Rauschen des Verkehrs in der Entfernung erinnerte daran, dass der Friedhof wenige Meilen von der Innenstadt entfernt war.
Das Grab war bereits ausgehoben. Während der Pfarrer die bekannten Worte sprach und dabei leicht in der Kälte zitterte, wurde der Sarg hinabgelassen. Charlie Priest stand mit in den Taschen vergrabenen Händen ganz am Rande der Menge und hoffte, dass man ihn nicht erkannte. Doch mit seinen über eins neunzig, der athletischen Figur, den hellblauen Augen und dem vollen braunen Haar war er viel zu auffällig, um in der Menge unterzutauchen. Mehrere Trauergäste hatten sich bereits zu ihm umgedreht, ihre Nachbarn angestupst und miteinander getuschelt. Sie wussten, wer er war. Inmitten des heimlichen Flüsterns wehten immer wieder zwei Wörter zu Priest hinüber, die ihm die Nackenhaare aufstellten: Operation Eintagsfliege. Kenneth Ellinder hatte Priest angeheuert, um die Mörder seines Sohns zu finden, und schließlich und endlich war es Priest gewesen, der die Ellinders an den Rand des Ruins getrieben hatte.
Gottlob dauerte die Beerdigung nicht lange. Die wenigen Familienmitglieder und Bekannten mussten lediglich zwei unmelodische Kirchenlieder und eine uninspirierte Trauerrede über sich ergehen lassen. Fünfzehn Minuten später wurden Kenneth Ellinders sterbliche Überreste dem Erdboden übergeben.
Als einer der Sargträger die erste Handvoll Erde auf den Sarg warf, wandte sich Priest zum Gehen. Er hatte Ellinder die letzte Ehre erwiesen und sich so einer lästigen Pflicht entledigt. Das Handy in seiner Tasche hatte mehrmals vibriert. Höchstwahrscheinlich hatte Okoro Georgie befohlen, ihn anzurufen und sich danach zu erkundigen, wo er steckte. Wahrscheinlich saß sein Teilhaber bereits wie auf heißen Kohlen. Bis zum Prozessbeginn waren es noch eineinhalb Stunden, doch Okoro war eben immer gern gut vorbereitet. Außerdem hatte Priest sowieso nicht viel zu tun – alles war minutiös geplant. Er musste lediglich Ali in den Zeugenstand setzen und zusehen, wie die Medien eine Sensation daraus machten.
Als er mitten auf dem Hügel angekommen war, spürte er eine Hand auf seinem Arm.
»Charlie«, sagte eine Stimme, die weder besonders begeistert noch übermäßig feindselig klang.
Priest drehte sich um, und da war sie. »Jessica.«
Sie stand etwas höher, sodass sie sich in die Augen sehen konnten. Der Wind spielte mit ihrem Haar. Einen Augenblick lang starrten sie sich an. Ihre Miene war undurchschaubar. Diese geheimnisvolle Frau, die ihn in seinen Träumen heimsuchte, stand nun so nahe bei ihm, dass er ihre süße Haut riechen konnte – ein vertrautes und gleichzeitig unheimlich fremdes Gefühl.
»Hast du mir nichts zu sagen?«, fragte sie.
»Es tut mir leid, dass ich …«
»Das meine ich nicht.« Sie wandte sich von ihm ab und blickte in die Ferne. »Wo warst du?«
Das wusste Priest selbst nicht so genau. So viel war geschehen. Er hatte Jessica Ellinder letztes Jahr kennengelernt, als sie ihn zusammen mit ihrem Vater in seinem Büro aufgesucht hatte. Widerwillig hatte sich Priest bereit erklärt, den angeblichen Mord an Jessicas Bruder Miles aufzuklären – ein Fall, der ihn beinahe um den Verstand gebracht hätte, doch schließlich war es ihm gelungen, die Verstrickungen von Jessicas Familie mit einer geheimen Neonazigruppierung aufzudecken.
Jessica war das einzig Angenehme an der ganzen Sache gewesen. Danach hatten sie ein Treffen vereinbart. Priest hatte ja kommen wollen, doch er hatte sie versetzt.
»Wo warst du, Charlie?«
»Tut mir leid«, sagte er, obwohl ihm sehr wohl bewusst war, dass das als Entschuldigung nicht reichte.
Sie nickte. Er brauchte kein Psychologiestudium, um zu erkennen, dass sie enttäuscht und wütend war. Doch ob das daran lag, dass sie ihn gern wiedergesehen hätte, oder ob sie es einfach nicht gewohnt war, versetzt zu werden – darauf hatte er keine Antwort.
Er starrte auf den Boden und scharrte mit der Schuhspitze in der Erde. Priest hatte schwere Gewissensbisse, doch wie sollte er es ihr erklären? So erbärmlich es klang: In der Vergangenheit hatte jeder Versuch, eine Beziehung zu einem Menschen aufzubauen, der ihm wichtig war, in einer Katastrophe geendet. Etwas anderes schien in seiner unwirklichen Welt nicht möglich zu sein. Wenn er Jessica nun auf Distanz hielt, würde sie wenigstens immer wirklich für ihn bleiben.
»Wie geht es dir?«, fragte Priest kleinlaut.
Einen schrecklichen Augenblick lang war er überzeugt davon, dass sie ihm die mehr als verdiente Ohrfeige verpassen würde. Doch stattdessen nahm sie die Hand von seinem Arm, als hätte sie erst jetzt bemerkt, dass sie ihn peinlicherweise immer noch berührte.
»Besser, als man es erwarten würde«, sagte sie.
»Sollen wir noch mal von vorn anfangen?«, fragte er.
»Was meinst du damit?«, fragte sie. »Willst du mir das Foto von meinem gepfählten Bruder noch einmal zeigen?«
Auch das hatte er verdient. »Ich hatte damit keinen bestimmten Zeitpunkt im Sinn«, sagte er kleinlaut. »Ich meinte, dass wir uns darauf besinnen sollten, wo wir stehen, um von dort aus weiterzumachen.«
»Wo stehen wir denn genau?«
»Ich habe nicht die leiseste Ahnung.«
Das zumindest entsprach der Wahrheit, und obwohl diese schnippische Bemerkung sicher nicht der Wiedergutmachung diente, gab es womöglich noch Hoffnung. Insgeheim rechnete er schnell nach: Die Verhandlung begann in neunzig Minuten, in denen er halb London bis zur Strand durchqueren und sich an den vielen Kamerateams vorbeidrängen musste, die sich vor dem High Court versammelt hatten. Okoro würde viel früher die Geduld verlieren.
Wieder spürte er das vertraute, wütende Vibrieren des Handys in seiner Tasche.
»Wie wäre es, wenn wir uns morgen treffen?«, schlug er nervös vor. »Bei mir? Dann können wir einen Abend lang die Welt vergessen. Soll ich uns etwas kochen? Magst du Seezunge?«
»Du willst dich auf der Beerdigung meines Vaters mit mir verabreden?«, fragte sie ohne den leisesten Hauch von Belustigung in der Stimme.
Priest scharrte wieder mit den Füßen. Was unangebrachte Flirtversuche betraf, war das hier selbst für ihn ein neuer Rekord.
Eine quälende Minute lang starrte sie schweigend auf einen undefinierten Punkt hinter ihm. Mit jeder Sekunde, die verstrich, sank seine Hoffnung. Doch dann nickte sie.
»Priest, wenn du mich noch einmal versetzt, dann Gnade dir Gott.«
5
Obwohl sich Georgie Someday beinahe pausenlos Sorgen machte, verfiel sie nicht leicht in Panik – ein kleiner, aber entscheidender Unterschied. Panik ist der Sieg irrationaler Furcht über den logischen Verstand. Wer in Panik gerät, geht vom Schlimmsten aus, hat aber keine vernünftige Strategie dagegen. Wer sich Sorgen macht, setzt seine Angst zum Positiven ein, indem er alle Möglichkeiten in seine Überlegungen miteinbezieht.
Sie stand mit dem Handy in der Hand in der riesigen Halle der Royal Courts of Justice. Bis zum Prozessauftakt waren es noch dreißig Minuten, und von Priest oder ihrem wichtigsten Zeugen fehlte jede Spur. Georgie musste zugeben, dass sie sich nicht nur Sorgen machte, sondern allmählich auch in Panik geriet.
Sie steckte das Handy weg und nahm zum achten Mal die Brille ab, um sie zu putzen. Dann verließ sie das Gebäude durch die Sicherheitsschranke und sah sich auf der Strand um. Die Passanten, die mit fest um den Körper gezogenen Mänteln vorbeieilten, interessierten sich nicht für die vielen Fernsehkameras, die vor dem Eingang zum High Court aufgebaut waren. Eine Reporterin verlas steif und mit ernster Miene ihre Ansage: »Mit einem jährlichen Budget in Höhe von fünfundfünfzig Millionen Pfund ist die international tätige Elias Children’s Foundation eine der größten wohltätigen Organisationen Englands. Sie kümmert sich hauptsächlich um Kinder, die Opfer von Krieg, häuslicher Gewalt, Missbrauch, Vernachlässigung und Ausbeutung wurden. Die Stiftung organisiert Bildungsprogramme, Katastrophenhilfe, HIV- und AIDS-Prävention in Afrika und verhindert, dass Kinder als Soldaten oder zu terroristischen Zwecken missbraucht werden. Obwohl es sich vordergründig um wohltätige Zwecke zu handeln scheint, stecken große finanzielle Interessen dahinter.
Im Sitz des High Court hinter mir wird heute ein aufsehenerregender Prozess eröffnet. Alexia Elias, Gründerin und Geschäftsführerin der Wohltätigkeitsorganisation, strengt eine Verleumdungsklage gegen das kleine, unabhängige Online-Magazin The Real Byte wegen eines 2014 dort erschienenen Artikels an. Die Elias Foundation stand bereits 2009 im Zentrum eines Skandals, als bekannt wurde, dass eine Zweigstelle eine im Norden der Türkei operierende terroristische Gruppierung namens Freie Volksarmee mit Spendengeldern unterstützte.
Nach einer eingehenden Untersuchung durch die zuständige Behörde wurde besagte Zweigstelle geschlossen und mehrere Mitarbeiter der Elias Foundation von der türkischen Polizei verhaftet.«
Georgie beschloss, noch eine Weile zuzuhören, obwohl ihr die Angewohnheit der eitlen Reporterin, sich ständig das Haar aus der Stirn zu streichen, auf die Nerven ging. Doch was sie zu berichten hatte, war erstaunlich gut recherchiert.
»In dem im Jahr 2014 erschienenen Artikel beschuldigt The Real Byte Alexia Elias, von der finanziellen Unterstützung der Terroristen in der Türkei nicht nur gewusst, sondern für ihr Stillschweigen in dieser Angelegenheit auch insgesamt vierhunderttausend Pfund Bestechungsgeld erhalten zu haben. Heute wird der auf vier Wochen angesetzte Prozess eröffnet, in dem Alexia Elias ihren guten Ruf verteidigen will …«
Auf dem Weg ins Gerichtsgebäude nickte Georgie dem davor postierten Wachmann zu. Wenn es Charlie Priest – ihr Arbeitgeber und der Rechtsbeistand von The Real Byte –, verpassen sollte, mit seinem wichtigsten Zeugen rechtzeitig vor Gericht zu erscheinen, würde das eine echte Sensationsmeldung abgeben. Bei der Vorstellung drehte sich ihr der Magen um.
»Nun mach schon, Charlie«, zischte sie mit zusammengebissenen Zähnen. »Heute solltest du ausnahmsweise mal pünktlich sein.«
Simeon Ali war bis 2012 Angestellter der türkischen Niederlassung der Elias Children’s Fondation gewesen. Georgie hatte ihn noch nicht kennengelernt, und auch Charlie hatte ihn ihres Wissens nur wenige Male getroffen. Er hatte allen Grund, sich bedeckt zu halten. Alexia Elias und ihr Mann Dominique waren sehr mächtige Leute, deren Einfluss bis in höchste Regierungskreise reichte. In den sozialen Medien kursierten unzählige Fotos, die Alexia – mit einem breiten Grinsen im Gesicht – in wichtigen Besprechungen oder beim Tee mit Staatsministern und anderen Würdenträgern zeigten. Die Elias Foundation und ihre charismatische Gründerin hatten viele Unterstützer, von denen die meisten großzügig spendeten. Georgies Meinung nach hatte die Organisation das Türkei-Desaster nur durch eine extrem gute Öffentlichkeitsarbeit überlebt. Auf der Pressekonferenz unmittelbar nach Bekanntwerden des Skandals hatte Alexia umgeben von PR-Beratern und Anwälten den Auftritt ihres Lebens hingelegt: »Wir wurden verraten und verkauft, aber wir werden weder im Zeichen der Unterdrückung kapitulieren noch im Angesicht des Bösen zurückweichen. Wir werden fest zusammenstehen und uns wieder darauf besinnen, wer wir sind und wofür wir eintreten. Die Elias Foundation wird sich nicht durch eine kleine Gruppe hinterhältiger Verräter in die Knie zwingen lassen«, hatte sie mit Tränen in den Augen verkündet. »Ich werde mit allen Mitteln darum kämpfen, das Unrecht wiedergutzumachen, das uns angetan wurde.«
Sobald sie den versammelten Reportern mitgeteilt hatte, dass die korrupten Elemente identifiziert und aus der Organisation entfernt worden waren, war die in Tränen aufgelöste Geschäftsführerin vom Podium gestiegen und hatte ihren Ehemann mit gut einstudierter Gefühlswallung umarmt. Anschließend hatte sich ein Pressesprecher um die Fragen der sichtlich gerührten Reportermeute gekümmert.
Somit galt es als heilige Wahrheit, dass Alexia nichts von den Vorgängen in der Türkei gewusst hatte. Wer das Gegenteil behauptete, machte sich der Ketzerei schuldig.
Nicht alle Kritiker verstummten, doch die wenigen, die sich gegen sie stellten, wurden als Verschwörungstheoretiker bezeichnet und mit den Wirrköpfen in einen Topf geworfen, die glaubten, dass die Rothschilds die Welt beherrschten oder Hillary Clinton eine Außerirdische war. Dennoch gab es mehr Skeptiker, als es den Anschein hatte: Die Werbeeinnahmen von The Real Byte hatten sich im Zuge der extensiven Medienberichterstattung nach der Verleumdungsklage jedenfalls verdoppelt.
Priest & Co. konnte immerhin zwei Vorteile für sich verbuchen: Zum einen hatte sich die Versicherungsgesellschaft des Onlinemagazins bereit erklärt, die Gerichtskosten zu übernehmen – wenn auch nur widerwillig. Und zum anderen war Alexia so großmütig gewesen, nur das Magazin und nicht auch noch den Eigentümer Tomas Jansen persönlich zu verklagen. Das hätte die Sache dramatisch verkompliziert – nicht zuletzt dadurch, dass sich Jansen wohl einen eigenen Rechtsbeistand hätte suchen müssen.
Doch auch wenn es jemanden gab, der – vorerst – die Rechnungen bezahlte, waren Priest & Co. mit diesem Fall ein enormes Risiko eingegangen. Wenn die Versicherungsgesellschaft zu dem Entschluss gelangte, dass sie aufs falsche Pferd gesetzt hatte, würde sie ganz bestimmt einen Vorwand finden, um das Anwaltshonorar gar nicht oder nur teilweise begleichen zu müssen. The Real Byte und Priest & Co. spielten mit hohem Einsatz.
Georgie rief Charlie ein weiteres Mal an. Diesmal hinterließ sie eine Nachricht. Sie versuchte, so drängend wie möglich zu klingen, ohne dass ihr die Panik, die sie inzwischen vollständig erfasst hatte, allzu deutlich anzuhören war.
Mist, Mist, Mist!
Sie warf einen Blick in Richtung Gerichtssaal dreizehn, entschied sich jedoch dagegen, Okoro eine weitere schlechte Nachricht zu überbringen. Dabei bemerkte sie einen Mann, der wie auf der Flucht durch die Halle eilte. Dominique Elias, vermutete Georgie, Alexias Ehemann. Er hatte seine schriftliche Zeugenaussage ungewöhnlich knapp gehalten: Er liebte seine Frau und hielt sie für die personifizierte Integrität und Professionalität. Es wäre ihm sicher nicht entgangen, wenn sie Bestechungsgelder in einer solchen Höhe angenommen hätte. Dies alles hatte er nüchtern, beinahe geschäftsmäßig formuliert.
Da Georgie mit den Gedanken ganz woanders war, bemerkte sie erst nach einigen Sekunden, dass jemand mit ihr sprach.
»Miss Someday? Hallo?«
Georgie wirbelte herum. Eine junge Frau mit langem platinblondem Haar stand direkt vor ihr und strahlte sie an. Sie trug einen schwarzen Mantel, hatte ein iPad in der Hand und war sehr hübsch. Das strahlende Lächeln hätte man sogar als umwerfend bezeichnen können, doch es wurde durch einen distanzierten Ausdruck in ihren Augen wieder wettgemacht. Georgie stöhnte innerlich auf.
»Ja?«, fragte sie.
»Elinor Fox«, sagte die Frau. »Sie sind doch von Priest & Co., nicht wahr? Dürfte ich Ihnen ein paar Fragen stellen?«
Georgie verschränkte die Arme. »Von welcher Zeitung kommen Sie noch mal?«, fragte sie.
Das bezaubernde Lächeln verblasste etwas, wie Georgie mit Genugtuung bemerkte. »Von gar keiner. Ich bin unabhängige Journalistin.«
»Tut mir leid. Kein Kommentar.«
Davon ließ sich Fox nicht beirren. »Wie zuversichtlich sind Ihre Klienten, was den Ausgang dieser Gerichtsverhandlung angeht?«, fragte sie.
Die ehrliche Antwort darauf lautete wohl, dass sie in Anbetracht der Tatsache, dass das Überleben ihres Magazins von einem Gewinn des Prozesses abhing, relativ guter Dinge waren. Das kleine Onlinemagazin war auf eine große Exklusivstory gestoßen und bezahlte nun den Preis dafür. Der Herausgeber Tomas Jansen war in Dänemark geboren und hatte dort auch seinen Universitätsabschluss gemacht. Er hatte The Real Byte vor fünf Jahren gegründet, als die Nachfrage nach leicht verdaulichen Onlinenachrichten exponentiell in die Höhe schnellte. Und er war auch derjenige gewesen, der mithilfe seiner Chefredakteurin Gail Woodbead den Artikel über Alexia Elias verfasst hatte. Das kleine Team wurde von Karl Jones, dem technischen Leiter des Magazins, vervollständigt. Diese drei – und eine Handvoll externer Mitarbeiter – stellten die komplette Belegschaft des Online-Magazins dar.
Elinor Fox ließ nicht locker. »Miss Someday?«
»Kein Kommentar«, wiederholte Georgie.
»Nicht einmal eine kurze Einschätzung?«
»Nein. Vielen Dank.«
Fox verzog das Gesicht. Anscheinend versuchte sie, verständnisvoll zu wirken, doch sie konnte ihre Enttäuschung und Wut nur schlecht verbergen.
Plötzlich summte etwas an Georgie vorbei. Sie sah sich um – eine Biene landete hinter Fox. Georgie verkrampfte sich und trat einen Schritt von der Journalistin zurück, die sie verwundert anblickte.
»Verzeihung«, sagte Georgie und deutete auf das Insekt. »Ich bin allergisch auf Bienenstiche. Der Fachbegriff dafür lautete Anaphylaxie.«
»Wir bitten die Parteien im Fall Elias gegen The Real Byte Limited in Gerichtssaal dreizehn. Bitte alle Parteien im Fall Elias gegen The Real Byte Limited in Gerichtssaal dreizehn«, ertönte es knisternd aus dem Lautsprecher.
Georgie nutzte die Gelegenheit, um sich von Reporterin und Biene zu entfernen.
Sobald sie den Saal betreten hatte, wurde ihr klar, dass sie Okoro und ihren Klienten nun wohl oder übel die Nachricht überbringen musste, dass sie ohne Charlie und Simeon anfangen mussten. Nur nicht auf den Boten schießen. Moment! Ist das etwa …
Ein Mann kam die Stufen zum Gerichtsgebäude hinaufgeeilt und warf eilig Schlüssel und Handy vor der Sicherheitskontrolle in eine Plastikwanne. Dann blickte er auf und winkte ihr zu. Sie deutete auf ihre Uhr. Charlie Priest machte eine wegwerfende Handbewegung, als hätten sie alle Zeit der Welt.
Sobald die Wanne den Scanner passiert hatte, nahm er seine Habseligkeiten wieder an sich und scheuchte Georgie durch die Halle zu Gerichtssaal dreizehn. »Bin ich zu spät?«
»Vincent wird platzen vor Wut«, warnte Georgie ihn.
»Zweifellos. Ist Dickie in Form?«
»Sie meinen Kronanwalt Richard Hagworth?«
»Genau. Dickie.«
»Weshalb sollte er nicht in Form sein?«
»O bitte, Georgie. Da kenne ich Ikea-Tische, die gelenkiger sind. Und wo ist Simeon?«
Georgie blieb stehen. »Ich dachte, der ist bei Ihnen?«
6
Charlie Priest hatte reichlich Erfahrung, was Katastrophenmanagement in Gerichtsverfahren anging. Regel Nummer eins lautete: Auf keinen Fall den Eindruck erwecken, dass es eine Katastrophe gab. Der kurze Zeitraum zwischen dem Eintreffen der beiden Parteien im Gerichtssaal und dem Augenblick, in dem sich die Tür zum Beratungszimmer öffnete und der Richter – oder in diesem Fall die Richterin – den Saal betrat, konnte über Sieg oder Niederlage entscheiden. Die kleinste Unruhe konnte dafür sorgen, dass ein Zeuge oder ein Anwalt die Nerven verlor und eine jahrelang vorbereitete Anklage oder Verteidigung innerhalb von Sekunden in sich zusammenfiel.
Priest ignorierte das Brennen, das sich allmählich in seinem Magen breitmachte, und kündigte sein Eintreffen dadurch an, indem er die uralte Holztür mit Absicht lautstark gegen den Rahmen knallen ließ. Alle drehten sich nach ihm um. Sogar die Reporter ließen ihre Handys sinken und hielten nach dem Verursacher dieser plötzlichen Aufregung Ausschau.
»Dickie.« Priest nickte dem Kronanwalt zu und nahm neben Okoro Platz. Hagworth nahm den Gruß zur Kenntnis, erwiderte ihn aber nicht, sondern starrte Priest lediglich durch die runde Brille auf seiner krummen Nase neugierig an.
Okoros einzige Reaktion bestand darin, zu Priest aufzusehen und ihm mit einem vernichtenden Blick unmissverständlich klarzumachen, was er von seiner Unpünktlichkeit hielt. »Wo zum Teufel hast du gesteckt?«, flüsterte er Priest zu, als sich dieser vorbeugte, um eine Akte auf den Tisch zu legen.
»Ich war auf einer Beerdigung.«
»Was?«
Priest legte Okoro beschwichtigend eine Hand auf die Schulter und drehte sich zu den drei Leuten um, die auf der Bank hinter ihm saßen und ihn verwirrt ansahen. Er schüttelte ihnen die Hände und wandte sich dann dem Mann mit den fettigen Haaren zu, der ganz am Rand der Bank saß.
»Tomas«, sagte Priest lächelnd. »Wie geht’s?«
»Wir hatten Sie eigentlich etwas früher erwartet, aber …«
»Ich musste noch ein paar Sachen überprüfen, aber jetzt ist alles erledigt. Hi, Gail. Tolle Krawatte, Karl. Tomas, haben Sie etwas von Simeon gehört?«
»Nein.«
Tomas rutschte unruhig herum. Gail beugte sich ängstlich zu ihm vor. Als sich Priest zum ersten Mal mit der Redaktion von The Real Byte getroffen hatte, hatte sich ihm sofort die Vermutung aufgedrängt, dass Tomas und Gail eine Beziehung hatten – obwohl sie einen Kopf größer war als er und den Charme einer Schulleiterin im Ruhestand verströmte, während er sich sichtlich unwohl in seiner Haut fühlte. Dennoch herrschte zwischen ihnen eine gewisse knisternde Spannung wie zwischen Liebenden. Es überraschte also nicht, dass Tomas ihr in diesem entscheidenden Moment einen besorgten Blick zuwarf. Karl Jones dagegen, der technische Leiter von The Real Byte, saß zurückgelehnt da und fiel in erster Linie durch seine gewaltige Körperfülle, die großen Fettpolster an den unvorteilhaftesten Stellen und die herabhängenden Pausbacken auf, die ihm Ähnlichkeit mit einem Frosch verliehen. Er führte ständig eine große Sporttasche unbekannten Inhalts mit sich, die er gegenwärtig vor seinen Füßen abgestellt hatte.
Priest nickte und holte tief Luft. Ihm schwirrte der Kopf.
»Aber Sie haben doch gestern Abend mit ihm telefoniert?«
»Nein«, sagte Tomas, dessen Stimme zunehmend ängstlich klang. »Ich dachte, Sie wollten sich vor dem Gericht mit ihm treffen.«
»Wir waren um halb zehn in der Eingangshalle verabredet. Haben Sie ihn nicht gesehen?«
»Nein. Das ist sehr beunruhigend, Mr. Priest. Unser ganzer Fall …«
Priest legte eine Hand auf Tomas’ Arm. »Reißen Sie sich zusammen«, sagte er drängend. »Sie werden beobachtet.«
Über die Schulter des Chefredakteurs hinweg sah Priest, wie Alexia Elias Hagworth anstupste und in ihre Richtung deutete. Zum Glück brauchten Hagworths schlaffe Halsmuskeln eine Ewigkeit, um den Befehl zum Drehen des Kopfes zu befolgen. Inzwischen hatte Tomas den Ernst der Lage erkannt und die Stimme zu einem Flüstern gesenkt.
»Wann haben Sie Simeon zum letzten Mal gesprochen?«, fragte Tomas.
»Vor ein paar Tagen. Da war noch alles in bester Ordnung. Es ist auch jetzt noch alles in bester Ordnung – wir haben seine Aussage bereits schriftlich, und vor heute Nachmittag oder vielleicht sogar morgen Vormittag wird er nicht in den Zeugenstand gerufen werden. Das alles hat sicher eine völlig harmlose Erklärung.«
Priest schenkte seinen eigenen Worten kaum Glauben. Er und Okoro waren ziemlich schnell zu dem Schluss gekommen, dass Simeon Ali das größte Risiko in diesem Fall darstellte. Der Zeuge hatte zwar ständig seine unbedingte Bereitschaft beteuert, weder dem Gericht noch der Welt die Wahrheit vorenthalten zu wollen, gleichzeitig hatte er sich aber auch distanziert und unnahbar gegeben. Sie hatten den Großteil ihrer Kommunikation über E-Mail und Skype abgewickelt, und die wenigen persönlichen Begegnungen mit ihm hatten im Sommer in einem Bahnhof außerhalb Londons stattgefunden. Konspirative Treffen wie aus einem Sherlock-Holmes-Roman.
»Er war doch so überzeugt von seiner Sache«, sagte Gail und beugte sich noch weiter zu Tomas vor. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass er in letzter Minute den Schwanz einzieht.«
»Er war sich sicher, dass er beschattet wird«, sagte Tomas. »Wir hätten ihn nicht aus den Augen lassen dürfen, Mr. Priest.«
»Ich konnte ihn ja schlecht entführen und gefesselt in den Kofferraum sperren«, sagte Priest, ohne auf Tomas’ anklagenden Tonfall einzugehen.
»Haben Sie ihn angerufen?«, fragte Gail.
Priest sah zu Georgie hinüber, die gerade das Handy vom Ohr nahm. Sie schüttelte den Kopf. »Da geht nur die Mailbox ran«, erklärte sie.
»Noch sollten wir uns keine Sorgen machen.« Priest lächelte zuversichtlich, bevor er sich zu Okoro umwandte. »Hast du alles mitbekommen, alter Freund?«
»Wir sollen diesen Fall also ohne unseren wichtigsten Zeugen, sondern nur auf Grundlage von Hörensagen gewinnen, sehe ich das richtig?«, knurrte Okoro leise.
»Ja, dafür bezahle ich dich verdammt gut«, zischte Priest zurück. »Da das aber zugegebenermaßen ein Ding der Unmöglichkeit ist, würde ich vorschlagen, dass wir uns einen Plan B überlegen. Du hältst sie hin, und ich suche unseren Zeugen, einverstanden?«
»Ja, einverstanden. Aber nur, weil Dickie sonst buchstäblich kurzen Prozess mit mir macht.«
7
Priest verließ Gerichtssaal dreizehn weitaus weniger spektakulär, als er ihn betreten hatte. Tatsächlich wurde sein Abgang nur von Alexia Elias bemerkt, die ihn nicht aus den grauen Augen ließ.
Im Flur ging Priest an mehreren Ankleideräumen vorbei. Ein Schild an einer Tür – NUR FÜR ANWÄLTE – ließ ihn schmunzeln. Als Advokat hätte er durchaus das Recht gehabt, seine Robe dort auf einen Drahtbügel zu hängen, obwohl ihm nichts ferner lag – erstens besaß er keine Robe, zweitens hegte er eine kategorische Abneigung gegenüber seinen Kollegen. Die wenigen Anwälte, die er tatsächlich mochte, waren eben die Ausnahme von der Regel.
Während er an den unzähligen Porträts ernst dreinblickender Richter vorbeiging, deren Namen er nicht kannte und die ihm auch herzlich egal waren, dachte er über die Klemme nach, in der er dank Simeons Abwesenheit steckte. Es ging ihm beileibe nicht darum, dass seiner Kanzlei, die bisher noch jeden Prozess gewonnen hatte, nun ihre erste Niederlage drohte. Vielmehr fürchtete er den Blick aus Alexia Elias’ grauen Augen, der ihm beim Verlassen des Gerichtssaals gefolgt war. Die Medien sowie viele berühmte und einflussreiche Persönlichkeiten hatten sich zunehmend auf The Real Byte und damit auch indirekt auf die Anwälte des Onlinemagazins eingeschossen. Ungeachtet des Skandals in der Türkei hatte die Elias Children’s Foundation Zehntausenden Kindern auf der ganzen Welt geholfen und galt weithin als leuchtendes Beispiel für Menschlichkeit und Nächstenliebe. Bei diesem Prozess ging es für beide Seiten um alles.
Katastrophenmanagement für Anwälte, Regel Nummer zwei: Wenn man Mutter Teresa eine Hure nennt, sollte man es auch beweisen können.
Er blieb in der großen Halle stehen, wo sich zwischen den wichtigtuerischen Anwälten mit ihren besorgt wirkenden Klienten vereinzelte Touristen fanden, die die an eine Kathedrale erinnernde Architektur des Gerichtsgebäudes fotografierten. Als Priest zum Eingang hinübersah, spürte er, wie sich das vertraute Gefühl der Derealisation in ihm breitmachte. Er nahm die große Halle in ihrer viktorianischen Pracht und die vielen Menschen, die an der Sicherheitskontrolle anstanden, unverändert wahr – doch er war nicht länger Teil der Szenerie. Als wäre er einen Schritt zurückgetreten und würde alles um sich herum wie auf einer Bühne betrachten, ohne selbst daran teilzuhaben.
Einen Augenblick lang balancierte er zwischen zwei Welten. Wie Alice, die vor dem Sprung in den Kaninchenbau in das Loch hinunterstarrt. Nur dass Alice in seiner Vorstellung nicht wie Alice, sondern wie Jessica Ellinder aussah.
»Charlie?«
Jemand zog an seinem Arm. Der Kaninchenbau verschwand, das Bild von Jessica verblasste. Stattdessen blickte er in hypnotisierende grüne Augen.
»Charlie? Alles klar?«
Er schüttelte die Benommenheit ab. »Ja. Alles bestens. Danke.«
»War das wieder einer Ihrer Dissoziations-Momente?«, fragte Georgie.
»Selbstverständlich nicht. Die kriege ich nur unter Stress«, sagte Priest ärgerlich. Dann fiel ihm ein, dass er die dissoziative Störung, unter der er litt, seiner Assistentin gegenüber mit keinem Wort erwähnt hatte. Eigentlich wusste überhaupt niemand davon – nicht etwa, weil er sich für die Krankheit, die ihn gelegentlich den Bezug zur Realität verlieren ließ, schämte, sondern weil es seiner Meinung nach nicht viel brachte, darüber zu reden. Außerdem konnte er sich glücklich schätzen. Es gab sechs medizinisch anerkannte Formen der dissoziativen Störung, und viele, die von der häufigsten – dem Depersonalisationssyndrom – betroffen waren, konnten kein normales Leben führen, da sie dauerhaft in einer gefühlsleeren, unwirklichen Welt gefangen waren. Auch Priest hatte diese Erfahrung schon früh gemacht. Im Lauf der Zeit waren die Symptome jedoch schwächer geworden, sodass sich seine Krankheit im Alltag kaum noch bemerkbar machte – bis auf die wenigen Gelegenheiten, bei denen ihm die Realität entglitt. So wie gerade eben.
Priest konzentrierte sich wieder auf das Hier und Jetzt. Gott sei Dank hatte er nicht das Gefühl, dass sich eine Dissoziationsepisode ankündigte. Es war nur ein kleiner Fehler in seiner persönlichen Matrix.
»Woher wissen Sie das denn?«, fragte er Georgie. Da sie nicht sofort antwortete, ging er zu wichtigeren Dingen über: »Und wieso sind Sie nicht im Gerichtssaal? Ich bezahle Sie nicht dafür, komplexe Persönlichkeitsstörungen zu diagnostizieren, sondern im Gerichtssaal zu sitzen.«
»Vincent hat darauf bestanden, dass ich Sie begleite«, erwiderte Georgie unbeeindruckt.
»Und unsere Klienten?«
»Er sagt, dass die im Gegensatz zu Ihnen schon allein klarkommen.«
»Das hat er nicht gesagt. So etwas würde Okoro nie sagen.«
Georgie hatte zumindest den Anstand, etwas verlegen dreinzublicken. »Zumindest habe ich es so interpretiert.«
Priest lächelte. Sie lächelte zurück, und Priest erinnerte sich an den Augenblick, an dem er ihr ansteckendes Lächeln zum ersten Mal gesehen hatte: beim Vorstellungsgespräch, als ihm die Oxfordabsolventin einen vor Auszeichnungen und Empfehlungen nur so strotzenden Lebenslauf überreicht hatte. Priest hatte es sich zum Prinzip gemacht, bei Vorstellungsgesprächen nur eine einzige Frage zu stellen. Auf die üblichen pro-forma-Plaudereien und Eignungstests, wie sie bei den renommiertesten Anwaltskanzleien Londons – dem sogenannten Magic Circle – üblich waren, konnte er verzichten. Wenn es um sein Personal ging, folgte Priest nicht irgendwelchen freudschen Theorien, sondern hörte auf seinen Bauch.
»Wenn Sie ich wären, welche Fragen würden Sie bei einem Vorstellungsgespräch stellen?«
Diese Frage – seine einzige – hatte Priest schon vielen aussichtsreichen Bewerbern gestellt. Normalerweise musste er daraufhin einen endlosen betriebswirtschaftlichen Vortrag, gewürzt mit langen Passagen aus der ›Über uns‹-Sektion der Priest & Co.-Website über sich ergehen lassen. Wenn er Glück hatte, bekam er auch eine mithilfe von Google zusammengestellte Analyse der Reform des Erfolgshonorarmodells im Personenschadensrecht zu hören.
»Gar keine«, hatte Georgie Someday zu seiner großen Überraschung ohne den geringsten Hauch von Sarkasmus gesagt. »Wenn Sie etwas über mich wissen wollen, können Sie genauso gut Ihre Assistentin fragen. Deshalb bestellen Sie Ihre Bewerber ja auch eine Stunde früher ein.«
Bei dieser entwaffnenden, mit einem verlegenen Lächeln präsentierten Antwort hatte Priest einfach ebenso verlegen zurücklächeln müssen.
Später, als er über einem Leitsatz des Berufungsgerichts gebrütet hatte, war seine kettenrauchende Kanzleiassistentin Maureen in sein Büro gekommen. Sie hatte sich bereits eine unumstößliche Meinung über Georgie gebildet, und diese Meinung gab den Ausschlag dafür, sie als Associate einzustellen: »Lassen Sie die Kleine bloß nicht wieder ziehen, Priest«, hatte sie gesagt. »Ihr Tee steht in der Küche.«
IhreEs war ja nicht so, dass eine Partei einen Zeugen für sich reklamieren konnte.
»Wir hatten ja auch keine andere Wahl, nachdem Ihr Klient diesen Schmutz veröffentlicht hat.«
Dominique wollte gerade noch etwas hinzufügen, als er plötzlich verstummte. Er hatte irgendetwas auf der anderen Straßenseite bemerkt und kniff die Augen zusammen. Hatte er dort jemanden erkannt? Er lehnte sich wieder gegen die Wand. Priest folgte seinem Blick, doch es war unmöglich auszumachen, wer von den vielen Menschen auf der Straße ihn so aus dem Konzept gebracht hatte.
In der Annahme, dass das Gespräch damit beendet war, zog Priest einen imaginären Hut. »Viel Glück vor Gericht, Mr. Elias.« Als er sich umdrehte und mit Georgie davonging, war er sich sicher, dass ihnen Elias noch lange hinterhersah. Erst am Eingang zur U-Bahn-Station bemerkte Priest, dass sich Georgie immer noch an seinem Arm festhielt.