Sue Fortin wohnt im Süden Englands. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder. Wenn sie nicht gerade erfolgreiche Thriller schreibt, dann verbringt sie ihre Zeit am liebsten mit ihrer Familie an der südenglischen Küste. Birthday Girl ist der zweite Roman der Bestsellerautorin bei Penguin.
Außerdem von Sue Fortin lieferbar:
Sister, Sister. Zwei Schwestern. Eine Wahrheit.
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Sue Fortin
Birthday Girl
Vier Freundinnen.
Ein tödliches Geschenk.
Aus dem Englischen
von Karin Dufner

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Die englische Originalausgabe erschien 2017 unter dem Titel The Birthday Girl bei HarperImpulse, an imprint of HarperCollins Publishers Ltd., London.

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Copyright © 2017 by Sue Fortin
Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2019
by Penguin Verlag, München,
in der Verlagsgruppe Random House GmbH,
Neumarkter Straße 28, 81673 München
Umschlag: bürosüd nach einem Entwurf von HarperCollins UK
Umschlagmotiv: StockPhotosArt/Shutterstock; andreiuc88/Shutterstock
Redaktion: Ann-Catherine Geuder
Umsetzung eBook: Greiner & Reichel, Köln
ISBN 978-3-641-24369-2
V001
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Für meine wunderbaren Freundinnen
Laura, Catherine und Lucy,
die, ohne zu zögern, meine Einladung zu einem
Wochenendausflug angenommen haben –
selbstverständlich im Namen der Recherche.
Freund {m.; -(e)s, -e}
Jemand, den man gut kennt und mag, der aber nicht mit einem verwandt ist.
Freundschaft {f; –, -en}
Verhältnis, das auf gegenseitiger Zuneigung und Vertrauen beruht.
Freundschaften ergeben sich aus all den Kleinigkeiten, die wichtig sind: Übereinstimmungen im Alltag, gemeinsamen Interessen, Sympathien, Abneigungen, den Höhen und Tiefen des Lebens. Sie sind bedeutsam und greifbar. Wie Sterne am nächtlichen Himmel können Freunde die Dunkelheit erhellen. Manchmal vergessen wir, dass es sie gibt, und dennoch werden sie immer da sein. Gelegentlich erscheint uns jemand strahlend, verlockt uns mit der Verheißung von Aufregung und Abwechslung, verführt uns, indem er uns Abenteuer in Aussicht stellt. Einige dieser Freunde erfüllen ihr Versprechen, andere verlieren sich allmählich, und wieder andere sausen mit einem letzten Aufleuchten über den dunklen Himmel, bevor sie aus unserem Leben verschwinden.
Wenn ich mir überlege, wer meine besten Freundinnen sind, kann ich sie an einer Hand abzählen und hätte noch Finger frei. Joanne, Andrea und Zoe sind die Sterne an meinem Nachthimmel. Als Team bilden wir eine gute Konstellation. Wir halten zusammen. Wir achten aufeinander. Wir können verzeihen.
Dieser letzte Punkt geht mir im Kopf herum, als ich die Einladung in Händen halte, von der ich weiß, dass ich sie annehmen muss – sie ist ein Friedensangebot.
Liebe Carys, Zoe und Andrea,
hiermit lade ich euch zu meinem vierzigsten Geburtstag ein.
Lasst uns gemeinsam ein Abenteuerwochenende voller Geheimnisse und Überraschungen verbringen!
Die große Enthüllung findet am Sonntagabend statt.
Das Fest dauert von Freitag, den 8. September, bis Montag, den 11. September.
Wir treffen uns Freitagmorgen um neun vor der Chichester Cathedral.
Liebe Grüße, Joanne
PS: Da Carys am Montag Geburtstag hat, dachte ich, dass wir ihn ebenfalls feiern können.
Vor zwei Monaten hat Joanne uns mitgeteilt, wir sollten uns das Datum oder besser das Wochenende frei halten. Weitere Informationen gäbe es kurzfristig. Ich hätte meinen Neununddreißigsten gerne ignoriert, doch Joanne hat darauf bestanden. An diesem Wochenende müsse doppelt gefeiert werden. Außerdem solle das Ganze auch für mich eine Überraschung sein – obwohl es ja ihr Geburtstag ist. Ich hatte gehofft, die Einzelheiten etwas früher zu erfahren; ein Tag vor dem Event ist wirklich ziemlich knapp. Aber sie hat sich bis jetzt standhaft geweigert, uns mehr zu verraten.
Als ich die Karte umdrehe, ist da eine handgeschriebene Nachricht. Die große, spitz zulaufende Schrift gehört eindeutig Joanne.
PPS: Ich weiß, dass es in letzter Zeit schwierig war, doch jetzt ist eine Versöhnung angesagt. Bitte komm. Es ist wichtig, dass du dabei bist.
Am Küchentisch lese ich die Nachricht noch einmal. Ich weiß nicht so genau, was es mit dem PPS auf der Rückseite auf sich hat, aber es klingt … seltsam. Ein besseres Wort fällt mir dafür nicht ein. Ich grüble darüber nach, was es zu bedeuten hat, doch ehe ich zu einer Entscheidung gelange, klingelt mein Handy.
Auf dem Display leuchtet der Name Andrea Jarvis auf.
»Hi«, melde ich mich und streife die Joggingschuhe ab. Vereinzelte Brocken getrockneten Schlamms von meinem Querfeldeinlauf heute Nachmittag rieseln wie schmutzige Schneeflocken auf den Fliesenboden. Bei dem Anblick seufze ich innerlich auf. Manchmal bin ich nicht besser als mein halbwüchsiger Sohn. Ich mache einen Schritt über den Schmutz hinweg in Richtung Kühlschrank, schnappe mir eine Flasche Wein und schenke mir ein Glas ein, etwas, das normalerweise dem Freitagabend vorbehalten ist. Doch da für morgen ja unsere Sause eingeplant ist, finde ich einen Tropfen Alkohol gerechtfertigt. »Schätze, du hast gerade die Einladung gelesen.«
»Bingo«, sagt Andrea. »Stand auf deiner auch dieses PPS?«
»Das mit der Versöhnung?«
»Was meint sie damit?«
Ich zucke die Achseln, auch wenn Andrea das nicht sehen kann. »Keine Ahnung. Vielleicht will sie nur sicherstellen, dass wir wirklich mitkommen. Wir könnten ja kalte Füße kriegen, weil es sich nach einem Outdoor-Wochenende anhört.«
»Das stört mich nicht«, erwidert Andrea. »Schließlich haben wir so was schon öfter gemacht. Letztes Jahr waren wir alle bei diesem Charity-Walk auf den Snowdon dabei. Im Jahr davor war es die Mountainbike-Fahrt. Du wärst sowieso in deinem Element.«
Sie hat recht. Ich bin ein Naturjunkie und arbeite extra beim hiesigen Zentrum für Outdoor-Aktivitäten, um meiner Sucht nach Kajakfahren, Bergklettern und Ähnlichem nachzukommen. Außerdem helfe ich bei den Outdoor-Wettbewerben des Duke-of-Edinburgh-Awards aus. Deshalb kann mich die Aussicht auf das, was Joanne mit uns im Schilde führt, nicht sonderlich schrecken. »Für mich wäre es eine Fortsetzung meines Jobs in der Freizeit«, sage ich. »Und du hättest sicher auch kein Problem.«
»Ja, kann sein. Mal abgesehen davon, dass ich fast nur noch am Schreibtisch hocke, seit ich das Fitnessstudio übernommen habe. Als ich letztens einen Aerobic-Kurs für Fortgeschrittene geleitet habe, waren meine Beine danach wie Wackelpudding.«
»Du kriegst das schon hin. Hast du mit Zoe über die Einladung geredet?«, frage ich und setze mich wieder an den Tisch. Dabei werfe ich einen Blick auf den amtlich wirkenden Brief, der mich ebenfalls bei meiner Heimkehr auf der Fußmatte erwartet hat, und schiebe ihn beiseite, um ihn später zu lesen.
»Sie hat auch keinen Schimmer, was das soll. Allerdings hat sie in den niedlichen Labradorwelpenmodus umgeschaltet. Sie platzt beinahe vor Aufregung, kann das Wochenende kaum noch erwarten und findet Joanne absolute Spitzenklasse.«
Ich kichere in mein Glas, als Andrea Zoe nachahmt, deren Stimme mit zunehmender Begeisterung immer piepsiger wird. »Es ist zu spät, es dir anders zu überlegen«, stelle ich fest.
»Es wäre wirklich ein Jammer, wenn ich mir eine Magen-Darm-Grippe zuziehen würde«, erwidert Andrea.
»Wehe dir. Wir haben eine Abmachung getroffen, schon vergessen?«
»Möglicherweise stand ich ja unter Alkoholeinfluss, als ich diesen Eine-für-alle-alle-für-eine-Mist geschworen habe.«
»Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen. Nicht wenn es um die besten Freundinnen geht. Außerdem habe ich auch Geburtstag.«
»So was nennt man, glaube ich, Erpressung.«
Ich lache, als ich mir Andreas finstere Miene ausmale. »Nein, mal im Ernst, Andrea. Du darfst dich jetzt nicht drücken. Joanne bringt dich um.«
»Hmmm. Als sie von einer Überraschung sprach, habe ich eher auf ein Wellness-Wochenende gehofft. Du weißt schon, kuschelige weiße Bademäntel, Maniküre und so. Mal so richtig verwöhnt werden und die Seele baumeln lassen.«
»Ich glaube, das ist ihre Methode, sich dafür zu entschuldigen, dass sie in letzter Zeit so distanziert war.« Indem ich das ausspreche, gestehe ich mir insgeheim ein, dass ich damit eher mein eigenes Verhältnis zu Joanne in jüngster Vergangenheit beschreibe. Früher standen wir uns so nah. Doch es ist einiges passiert, was an unserer Freundschaft gerüttelt hat.
Kurz herrscht Schweigen, während wir beide darüber nachdenken, in welcher Stimmung das Wochenende wohl verlaufen wird. »Wahrscheinlich bin ich es ihr schuldig«, ergreift Andrea als Erste das Wort. »Ich sollte ihr eine Chance geben wiedergutzumachen, wie sie drauf ist, seit ich das Fitnessstudio übernommen habe.«
»Kriselt es deshalb noch immer zwischen euch? Ich dachte, über die Sache wäre Gras gewachsen.«
»Mehr oder weniger. Ich habe jedenfalls einen Schlussstrich gezogen. Joanne allerdings nicht. Ich habe den Eindruck, sie ist immer noch sauer auf mich. Da ist so eine unterschwellige Spannung, die ich nicht zu fassen bekomme. Verstehst du, was ich meine?«
»Hmmm … Ja.« Andrea hätte genauso gut mein eigenes Verhältnis zu Joanne schildern können.
»Jedenfalls möchte ich ihr, wie gesagt, eine Chance zur Versöhnung geben. Aber wenn sie wieder damit anfängt, dass sie jetzt meine Angestellte, nicht meine Geschäftspartnerin ist, werde ich den Mund nicht halten können. Tut mir leid, vierzigster Geburtstag hin oder her.«
»Wann hast du jemals den Mund gehalten, Süße?«
»Ein Mal, glaube ich. 1986. Doch ich könnte mich auch irren«, antwortet Andrea lachend. »Gut, da du mir keinen anderen Ausweg lässt, organisieren wir am besten den morgigen Tag. Kommt Alfie trotzdem übers Wochenende zu uns?«
»Er ist noch nicht aus dem College zurück. Ich glaube, er hat irgendwas von Fußball mit fünf Mann pro Team erzählt. Aber ja, er kommt mit Bradley zu dir. Bist du sicher, dass Colin das schafft?«
»Ach, der wird in seinem Element sein. Pizzaservice und Computerspiele. Ein Wochenende nur für Jungs.«
»Das ist echt nett von ihm. Richte ihm meinen Dank aus.«
»Keine Ursache. Das weißt du ja. Allerdings wundert es mich, dass Alfie nicht mit Ruby und Oliver bei Joanne übernachtet.«
Ich achte nicht auf den kleinen Satz, den mein Magen macht, als der Name von Joannes Tochter fällt. So ein Gefühl der Schwerelosigkeit, das man empfindet, wenn der Achterbahnwaggon über die erste steile Kuppe kippt und sämtliche Organe ein paar Sekunden brauchen, um den Sturz nachzuvollziehen. Ich bin dieses Gefühl gewohnt. So sicher wie die Nacht auf den Tag folgt, überkommt es mich jedes Mal, wenn Ruby in einem Gespräch erwähnt wird. Und wie immer erhole ich mich davon vorbildlich. »Zum Glück ist Tris übers Wochenende auch weg. Deshalb schläft Ruby bei Joannes Mutter.« Ich bemühe mich um einen möglichst neutralen Tonfall, während meine Gedanken entgleisen und in eine andere Umlaufbahn geworfen werden. Wenn meine Freundinnen die Konstellation sind, nach der ich mein Leben ausrichte, dann ist Ruby das schwarze Loch mit einer Anziehungskraft so groß, dass nichts, nicht einmal das Licht, verhindern kann, davon verschlungen zu werden. Das weiß ich. Ich war Zeugin, wie Sterne an meinem Nachthimmel den Punkt ohne Wiederkehr passiert haben. Den absoluten Horizont des schwarzen Loches, um für immer zu verschwinden. Unterdessen umtorkeln andere Sterne den Rand und werden wider Willen immer näher herangeholt, bis es auch für sie kein Zurück mehr gibt.
Ich zwinge mich, mich auf das Telefonat zu konzentrieren. Andrea redet von einem Film, der gerade im Kino läuft und den Colin sich mit den Jungs anschauen könnte. Ich lasse sie noch eine Weile weitererzählen, bis die Unterhaltung ihr natürliches Ende findet. »So, und jetzt mache ich mal besser weiter. Wir sehen uns morgen früh«, meint sie.
»Ja. Bis dann. Enttäusch mich nicht.«
»Wann habe ich dich je enttäuscht?«
Nach dem Telefonat bleibe ich noch eine Weile am Küchentisch sitzen und starre auf die Einladung, während Andreas Worte in meinem Kopf ablaufen wie auf Endlosschleife.
Sie hat mich noch nie enttäuscht. Selbst in meinen dunkelsten Stunden nach Darrens Selbstmord war sie für mich da. »Dazu hat man schließlich Freundinnen«, sagte sie einmal. »Sie passen aufeinander auf.«
Ich seufze, blinzle die Erinnerung an Darren weg und denke an die nächsten vier Tage. Obwohl ich Andrea versichert habe, dass es ein tolles Wochenende wird, melden sich bei mir allmählich Zweifel. Vielleicht erwarte ich zu viel von der Versöhnung. Können wir wirklich alles hinter uns lassen? Ist es möglich, die Haarrisse in unserer Freundschaft zu kitten? Oder wartet an einem nicht allzu weit entfernten Horizont ein weiteres schwarzes Loch?
Wie oft hast du dich selbst belogen? Vermutlich hast du den Überblick verloren. Sicher belügst du dich an jedem Tag deines Lebens selbst. So mühelos, dass dir die Lügen fließend über die Lippen kommen. Wahrscheinlich glaubst du sie inzwischen selbst. Vielleicht gelingt es dir, alle anderen zu täuschen. Mich täuschst du nicht.
Ich höre den mitleidigen Tonfall deiner Mitmenschen. Ich erkenne die Anteilnahme in ihren Augen, wenn sie im Gespräch über dich wissende Blicke wechseln. Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich das verabscheue. Du verdienst ihr Mitleid nicht, und dennoch sehe ich es ihnen nach. Du gaukelst so geschickt eine falsche Lebensgeschichte vor. Du versteckst dich hinter dem Status einer trauernden Witwe, wenn Freunde der Wahrheit zu nah kommen, zu viel Interesse an deiner Vergangenheit zeigen oder Fragen stellen, die die Mauern des Betrugs durchdringen könnten, die du um dich errichtet hast.
»Die Wahrheit wird siegen«, wie schon Shakespeare sagte. Mit äußerster Geduld habe ich den richtigen Moment abgewartet, um dich für deine Tat büßen zu lassen. Und nun ist der Zeitpunkt da. Ich kann es kaum glauben. Ich erbebe vor Aufregung und Vorfreude auf die nächsten Tage. Ich habe die Macht, und ich werde meine Rache bekommen.
FREITAG
»Okay, Alfie, ich muss los«, sage ich und stecke den Kopf ins Zimmer meines Sohnes. Zu meinem Entsetzen liegt er noch im Bett. »Könntest du nicht mal langsam aufstehen?«
»Hör auf zu nörgeln«, erklingt die Antwort, gedämpft von der Decke, die er sich über den Kopf gezogen hat.
Ich schaue auf die Uhr. Weil ich es mir nicht leisten kann, länger zu warten, zerre ich gnadenlos am Fußende von Alfies Decke, sodass sein Kopf und seine Schultern in Sicht kommen. »Los, du musst jetzt aufstehen.«
»Hey!« Alfie setzt sich auf und greift nach seiner Decke. »Warum hast du das gemacht?«
»Damit du aufstehst. Sonst kommst du zu spät zur Schule. Ich muss los.«
»Ich halte dich nicht auf. Geh nur.«
»Alfie! Steh auf! Sofort.« Als ich wieder an der Decke zerre, ist er darauf vorbereitet und wickelt sie sich fest um die Schultern.
»Lass den Scheiß. Verpiss dich einfach.«
Ich achte nicht auf seine Kraftausdrücke. Einige Schlachten sind es nicht wert, geschlagen zu werden. »Raus aus dem Bett«, beharre ich.
Schneller, als ich damit gerechnet hätte, springt Alfie aus dem Bett und baut sich vor mir auf. »Ich bin aufgestanden. In Ordnung?«, faucht er mich an. Da nur wenige Zentimeter unsere Gesichter trennen, kriege ich einen dicken Schwall seines abgestandenen Atems ab.
»Okay«, erwidere ich, weiche einen Schritt zurück und bereue, dass ich mich auf diesen Kampf eingelassen habe. Mit dem Absatz stoße ich an den unteren Rand der Zimmertür, die heftig erzittert, als sich die Kante zwischen meine Schulterblätter bohrt. Vor Schmerzen schreie ich leise auf.
»So was nennt man Karma«, höhnt Alfie, drängt sich an mir vorbei und rempelt mich dabei mit der Schulter an. »Solltest du nicht besser gehen? Wenn du dich nicht beeilst, kommst du zu spät.« Er knallt die Badezimmertür hinter sich zu.
Mein Versuch, Alfie eine Antwort zu entlocken, indem ich ihm durch die Tür ein Tschüss zurufe, bringt mir nur das Geräusch der auf volle Stärke eingestellten Dusche ein.
Normalerweise würde ich versuchen, die Wogen zu glätten, bevor ich gehe. Doch heute habe ich keine Zeit. Außerdem vermute ich, dass Alfie absichtlich länger duscht als gewöhnlich, um mir die Möglichkeit zu nehmen, durch einen freundlichen Abschied mein schlechtes Gewissen zu beruhigen.
Während ich die Straße entlangmarschiere, denke ich mir, dass der heutige Streit ja noch vergleichsweise gesittet abgelaufen ist. Manchmal fallen unsere Auseinandersetzungen um einiges heftiger aus. Ich ertappe mich dabei, dass ich mir eine Zukunft ausmale, in der wir nicht mehr zusammenwohnen werden, und ich frage mich, ob unser Verhältnis sich dadurch bessern wird. Der emotional auslaugende Status quo erschöpft mich, und ich sehne mich nach einer ruhigeren Zeit, in der ich allein lebe. Schon am Ende der Straße fühle ich mich schuldig, weil ich mir wünsche, die Tage mögen schneller verstreichen, und ich halte mir vor Augen, dass Alfie nicht durch eigene Schuld so geworden ist. Sondern durch meine.
Schon nach fünfhundert Metern tut mir vom Schleppen des Rucksacks der Rücken weh. Vermutlich war der Zusammenstoß mit dem Türblatt nicht gerade hilfreich. Als ich die Stelle berühre, fühlt sie sich wund an. An der South Street, wo dunkle Schaufenster und geschlossene Türen darauf warten, von früh eintreffenden Verkäufern aus ihrem Schlummer geweckt zu werden, biege ich ab. Bestimmt wird es später regnen. Ich rücke die Gurte meines Rucksacks zurecht und schiebe ihn höher in Richtung Schultern, während ich aufs Ende der Straße zusteuere, wo die vier wichtigsten Einkaufsmeilen aufeinandertreffen und die Kathedrale der Stadt eine Ecke einnimmt. Ich lasse den Blick über die Bänke am Rand des Gehwegs schweifen, die alle auf den Vorplatz der Kathedrale ausgerichtet sind.
Andrea sitzt, einen Styroporbecher mit Kaffee in der einen und ihr Mobiltelefon in der anderen Hand, auf der mittleren Bank. Als sie mich bemerkt, winkt sie mit dem Telefon.
Ich trotte zu ihr hinüber. »Hallo! Du bist tatsächlich gekommen. Und auch noch als Erste. Kannst es wohl kaum erwarten.« Ich befreie meine Arme von den Gurten, werfe den Rucksack auf den Boden und setze mich neben Andrea auf die Bank.
»Ich platze vor Ungeduld«, erwidert Andrea. »Der Ehrlichkeit halber muss ich gestehen, dass Colin mich hergefahren hat, weshalb ich nicht den Bus nehmen musste. Also verwechsle meine Abneigung gegen öffentliche Verkehrsmittel nicht mit Begeisterung darüber, dass ich hier bin.« Sie greift unter die Bank und fördert einen Becher zutage, den sie mir reicht. »Hier. Ich hab dir einen Latte besorgt.«
»Danke.« Ich nehme den Becher, führe ihn vorsichtig an die Lippen und trinke einen winzigen Schluck, um die Temperatur zu testen. »Noch keine Spur von Zoe?«
»Sie hat mir eine SMS geschrieben. In fünf Minuten ist sie da.«
»Und kein Wort von Joanne, was als Nächstes passiert?« Nachdem ich ermittelt habe, dass der Kaffee eine akzeptable Trinktemperatur hat, nehme ich einen selbstbewussteren Schluck.
»Nein. Kein Mucks. Also bleiben wir sitzen und warten«, erwidert Andrea. Sie lehnt sich an die Holzplanken der Bank und schürzt die Lippen, so wie immer, wenn sie etwas auf dem Herzen hat. »Ich weiß, du hast gesagt, es bestünde noch eine Chance, unsere Freundschaft wieder hinzubiegen«, beginnt sie schließlich. »Allerdings bin ich nicht sicher, ob es zwischen mir und Joanne je wieder so sein wird wie früher. Die Dynamik hat sich geändert, und ich glaube nicht, dass sie damit klarkommt.«
»Versuch, es positiv zu sehen. Vielleicht ist das hier ja ihre Art, sich zu entschuldigen.« Ich möchte die Flammen des Zweifels, die ich letzte Nacht vor dem Schlafengehen so erfolgreich gelöscht habe, nicht wieder anfachen. »Schau, es ist Joannes Vierzigster. Möglicherweise ist ihr klar geworden, wie wichtig es ist, gute Freundinnen zu haben. Ja, wir hatten unsere kleinen Meinungsverschiedenheiten und Kabbeleien, doch zu guter Letzt ist Freundschaft das Wichtigste.«
Andrea wirft mir einen Seitenblick zu. »Du musst dir schon ein bisschen mehr Mühe geben, um mich zu überzeugen.«
»Ich will offen sein. Nach unserem Telefonat gestern Abend dachte ich, dass es doch keine so gute Idee sein könnte. Vielleicht sollten wir die Vergangenheit einfach ruhen lassen.«
»Meiner Rede Sinn.«
»Schon, aber andererseits vermute ich, dass Joanne sich auf diese Weise entschuldigen möchte. Es könnte eine gute Gelegenheit sein, reinen Tisch zu machen. So könnten wir die Sache wieder kitten.«
»Stimmt. Aber für Zoe wird es klemmig werden. Ich glaube, sie und Joanne hatten keinen Streit.«
»Das habe ich mir auch überlegt. Meine Theorie lautet, dass Zoe auf diesem Ausflug die Vermittlerin ist.«
»Und warum diese Heimlichtuerei? Wieso gehen wir nicht einfach was essen? So machen das normale Leute.«
»Vergiss nicht, dass wir von Joanne reden. Sie liebt das Mysteriöse.« Ich versetze Andrea einen spielerischen Klaps auf den Oberschenkel. »Wir werden uns bestimmt prima amüsieren.«
Während wir an unserem Kaffee nippen, bemerke ich Zoes unverkennbare eins fünfundsiebzig große Gestalt, die den Rasen vor der Kathedrale überquert. Zoe hat eine Sporttasche geschultert und das blonde Haar zu einem Pferdeschwanz zusammengefasst. Sie trägt Leggings und Turnschuhe und sieht eher nach Fitnessstudio als nach Abenteuer Wildnis aus. Ich winke ihr zu.
»Hallo, Leute«, sagt Zoe. »Ich hab’s geschafft. Ooh, Kaffee. Ist der für mich?« Sie nimmt den Becher, den Andrea ihr hinhält. »Lecker. Alles bereit für das geheimnisvolle Abenteuerwochenende?« Als sie breit lächelt, erinnert sie mich an ein von Vorfreude erfülltes Kind an Weihnachten.
»Ja, Andrea ist schon ganz ungeduldig«, erwidere ich und zwinkere ihr zu.
Zoe holt eine Karte aus der Tasche. Ich erkenne die weißen Buchstaben auf schwarzem Grund sofort. Ebenso wie das handschriftliche PPS von Joanne. »Ein Abenteuerwochenende voller Geheimnisse und Überraschungen.« Sie blickt uns beide an. »Was kann man daran nicht mögen?«
»Die Sache mit den Überraschungen kommt mir spanisch vor«, entgegnet Andrea. »Ganz zu schweigen von der Versöhnung.«
Zoe zuckt die Achseln. »Ich liebe Überraschungen. Was sie wohl für uns geplant hat?«
»O Gott, ich weiß nicht, ob ich deine übersprudelnde Energie in aller Herrgottsfrüh aushalte«, meint Andrea kopfschüttelnd. »Zum Glück hab ich Wodka eingepackt. Wo ist er?« Andrea tut, als krame sie in ihrem Rucksack.
Zoe und ich lachen. »Wenn deine Kundschaft wüsste, wer du wirklich bist«, sagt Zoe. »So, und was passiert jetzt? Hat jemand eine Ahnung?«
»Schätze, wir warten auf Joanne«, antworte ich und halte Ausschau nach unserer berüchtigten Gastgeberin.
Wie auf ein Stichwort hält ein schwarzer MPV am Straßenrand. Die rückwärtige Tür gleitet automatisch auf, und der Fahrer hupt.
»Der ist sicher für uns«, verkündet Zoe. »Wie aufregend.«
»Entweder das, oder wir werden entführt«, brummelt Andrea und greift nach ihrem Rucksack.
Ich schultere meinen, folge Zoe zum Wagen und werfe unterwegs den halb vollen Kaffeebecher in einen Mülleimer.
Ohne zu zögern, springt Zoe ins Auto. »Oh, ist das schick hier drin!«, ruft sie uns zu.
An der Bordsteinkante wechsle ich einen Blick mit Andrea. Andrea mustert das Fahrzeug. »Ist vermutlich kein Transporter. Es beruhigt mich ein wenig, dass er genauso aussieht wie ein teurer MPV. So etwas würde Joanne mieten.«
»Kommt, hier ist jede Menge Platz«, sagt Zoe. »Und ein an uns alle adressierter Umschlag.«
»Also keine Spur von Joanne?« Ich schiebe meinen Rucksack voran, steige ein und setze mich auf einen Platz entgegen der Fahrtrichtung. Dann drehe ich mich zum Fahrer um. Er ist mittleren Alters und trägt, soweit ich feststellen kann, Hemd und Krawatte. »Guten Morgen«, begrüße ich ihn lächelnd.
»Morgen«, erwidert er, ohne sich umzuwenden. Stattdessen schaut er in den Rückspiegel.
»Wohin geht es?«
»Ich fürchte, das darf ich Ihnen nicht sagen. Jeder erfährt nur so viel, wie er wissen soll.« Er tippt sich an den Nasenflügel. Dann beugt er sich zum Beifahrersitz hinüber und greift nach einem kleinen blauen Stoffbeutel. »Mrs. Aldridge möchte, dass Sie Ihre Mobiltelefone in diesen Beutel legen.«
»Was?« Andrea lässt sich auf ihren Sitz fallen. »Kommt überhaupt nicht infrage.«
»Tut mir leid, aber Mrs. Aldridge sagt, das gehöre zur Überraschung. In dem Umschlag wird alles erklärt.«
»Gib her«, befiehlt Andrea, nimmt Zoe den Umschlag ab, reißt ihn auf und liest den Brief darin laut vor.
Meine Liebsten,
jetzt befindet ihr euch also in Phase eins dieser Reise. Hoffentlich stößt das Transportmittel auf eure Zufriedenheit. Für meine besten Freundinnen nur das Beste.
Vermutlich ist Zoe schon ganz aufgeregt und kann es kaum erwarten zu erfahren, wohin es geht. Du liebst Geheimnisse und Überraschungen wahrscheinlich noch mehr als ich. Doch ich glaube, diesmal lache ich zuletzt.
Andrea, ich kann mir deine finstere Miene bildlich vorstellen. Ebenso, wie du meine Heimlichtuerei verfluchst. Tut mir leid, dass es gegen dein Naturell verstößt, ausnahmsweise nicht das Zepter zu schwingen.
Carys, ich male mir aus, wie du dasitzt, alles auf dich wirken lässt, versuchst, meinen nächsten Schritt vorauszusehen, und dich fragst, wie du vorgehen und wie du mich austricksen kannst. Habe ich recht? Ich wette, schon. Hahahaha!
Tja, meine liebsten Freundinnen, vergeudet eure Zeit nicht damit, den Fahrer zu verhören. Ich habe ihn großzügig für sein Schweigen entlohnt. Ihr habt etwa eine Stunde Fahrt vor euch. Also, lehnt euch zurück und entspannt euch.
Bitte seid so nett, eure Handys abzugeben. Ich möchte nicht, dass eine von euch schummelt und ihre Landkarten-App anklickt.
Ach ja, unter dem Sitz ist Schampus. Hübsch anstoßen!
Liebe Grüße, Joanne
Der Fahrer schüttelt den Beutel und reicht ihn mir. Widerstrebend lege ich mein Handy hinein. »Wir spielen besser mit«, sage ich, obwohl mir nicht wohl dabei ist. Was, wenn Alfie mich erreichen will? Oder Seb? Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass Joanne uns die Handys nach unserer Ankunft bestimmt zurückgibt und auf diese Weise nur den Ort geheim halten will.
»Es ist Joannes Geburtstagsfeier«, meint Zoe und steckt ihr Handy ebenfalls in den Beutel.
Wir beide sehen Andrea erwartungsvoll an. Kurz huscht ein trotziger Ausdruck über ihr Gesicht. Dann lässt sie mit einem tiefen Seufzer die Schultern hängen und holt ihr Handy aus der Jackentasche. »Wir wollen das Geburtstagskind ja nicht verärgern«, sagt sie ziemlich missmutig und gibt mir das Handy. Ich verstaue es in dem Beutel und händige diesen dem Fahrer aus.
»So, das wäre erledigt«, verkünde ich.
»Hmmm«, sagt Andrea und wirft Zoe den Brief auf den Schoß, bevor sie unter den Sitz greift. »Wo ist denn der Schampus?« Als sie eine Kühltasche zutage fördert, hören wir das unverkennbare Klimpern von Gläsern. »Aha, da hätten wir ihn. Und was ist drin? Prosecco und drei Gläser. Typisch Joanne. Es sind richtige Gläser, keine aus Plastik.« Nachdem die Formalitäten abgehakt sind, verteilt Andrea die Gläser und öffnet die Flasche. Unterdessen setzt sich das Auto in Bewegung. Trotz einiger Schlaglöcher schenkt Andrea ein, ohne etwas zu verschütten. »Cheers!«
Ich bin nicht sicher, ob ich am frühen Morgen so viel Alkohol vertrage, will jedoch keine Spielverderberin sein. Deshalb beschließe ich mitzufeiern und trinke einen kleinen Schluck.
»Und wer passt jetzt auf Alfie auf?«, erkundigt sich Zoe.
»Er verbringt das Wochenende bei Andrea. Wahrscheinlich werden er und Bradley an ihren Computerspielen kleben und nur auftauchen, wenn es Essen gibt.«
»Colin ist bestimmt auch in seinem Element«, fügt Andrea hinzu. »Jetzt kann er ununterbrochen Sportsendungen glotzen.«
»Und wer kümmert sich um deine Jungs?«, frage ich Zoe.
»Ich habe meine Mum um Hilfe gebeten. Die Kinder wollten mir weismachen, dass man sie mit fünfzehn und siebzehn problemlos übers Wochenende allein lassen kann.« Zoe verdreht die Augen. »Aber ich bin doch nicht blöd! Wenn ihr Dad nicht so weit weg wohnen würde, hätten sie bei ihm bleiben können. Aber sie für ein Wochenende nach Liverpool zu karren, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Außerdem möchte ich ihn nicht um Vergünstigungen anbetteln.«
Zoe betont das Wort ihn. Ich glaube, ich habe noch nie erlebt, dass sie ihren Ex-Mann beim Namen nennt. Zoe ist der Neuzugang in unserem Kleeblatt. Sie ist vor einem guten Jahr, nach dem Scheitern ihrer Ehe, in diese Gegend gezogen. Sie wolle noch mal von vorne anfangen, erklärte sie, als wir zum ersten Mal vormittags beim Kaffee saßen. Ich weiß nicht mehr, wer sich zuerst mit ihr angefreundet hat. Eines Morgens erschien sie zu unserem regelmäßigen Gymnastikkurs, knüpfte sofort ein Gespräch an, und ehe wir uns versahen, tranken wir zusammen Kaffee. Sie hat sich einfach eingefügt. Es war, als hätten wir einander schon immer gekannt. Ein neuer Stern, der unsere Konstellation erweiterte.
Als der MPV aus Chichester gleitet, spähe ich aus dem Fenster, um festzustellen, wohin wir fahren. Wir nehmen Kurs nach Norden, und ich stelle mir eine grobe Karte der Umgebung vor und überlege, wie weit wir in einer Stunde kommen werden. Sicherlich über Sussex hinaus. Obwohl es auch Teil der Überraschung sein kann, dass wir zum Ausgangspunkt zurückkehren. Das würde ich Joanne durchaus zutrauen.
Etwa eine halbe Stunde später biegt das Auto von der Hauptstraße ab und in eine schmale Seitenstraße ein. Die Bäume zu beiden Seiten sperren das Tageslicht aus. Wieder biegt der Wagen ab, aber ich kann keinen Wegweiser erkennen.
Meine Reisebegleiterinnen scheinen sich, was unser Ziel angeht, keine Sorgen zu machen. Inzwischen ist die Prosecco-Flasche leer, und Zoe ist damit beschäftigt, eine zweite zu öffnen, während Andrea uns von dem Spinningkurs erzählt, den sie gestern für die Rugbymannschaft veranstaltet hat.
»Ich liebe meinen Beruf ja eh, doch an manchen Tagen liebe ich ihn ganz besonders«, verkündet sie. »Diese Rugbyspieler. Mein Gott, haben die eine Kondition. Und die muskulösen Beine. Ich wusste gar nicht, wo ich hinschauen soll. Tja, und dann habe ich eben geschaut, wenn ihr versteht, was ich meine.« Seufzend fächelt sie sich mit der Hand Kühlung zu.
»Ach, verschon uns. Du hast sowieso nur Augen für Colin«, erwidere ich. So gern Andrea auch vorgibt, dass sie die durchtrainierten Männer in ihrem Fitnessstudio anschmachtet, führen Colin und sie eine gute Ehe.
Das Auto wird langsamer. Allmählich lichtet sich der Baumbestand am Straßenrand und ist auf der linken Seite plötzlich gänzlich verschwunden. Ein kleiner Flugplatz kommt in Sicht.
»Farnstead Airport«, lese ich das Schild laut vor, während der Fahrer durch das Tor rollt und in einer Parklücke stoppt. »Sollten Sie uns wirklich hierherbringen?«
»Ja, wirklich«, erwidert der Fahrer. Er öffnet das Handschuhfach und entnimmt ihm einen zweiten Umschlag. »Das sind Ihre nächsten Anweisungen. Während Sie sie lesen, bringe ich das hier in die Abflughalle.« Er hält den blauen Stoffbeutel hoch und lässt uns mit dem Umschlag allein.
Diesmal übernimmt Zoe das Vorlesen. »So, jetzt seid ihr am Farnstead Airport. Phase eins der Reise ist vorbei. Nun zu Phase zwei. Bitte geht in die Abflughalle, wo ihr am Check-in-Schalter einen unter meinem Namen für euch gebuchten Flug vorfindet. Keine Sorge, ihr braucht keine Pässe, nur die Ausweise mit Foto, die ich euch mitzubringen gebeten habe. Genießt die Aussicht. Bis bald!« Mit vor Aufregung leuchtenden Augen blickt Zoe uns an. »Mann, die hat einen Flieger für uns gechartert!«
Zwanzig Minuten später sitzen wir in einem Kleinflugzeug und haben noch immer keine Ahnung, wohin es geht.
»Offenbar bleiben wir in Großbritannien«, stellt Andrea fest. »Allerdings muss ich zugeben, dass ich von dieser Nussschale nicht so begeistert bin. Ist ja nicht gerade eine Boeing 747.«
»Ich finde es spannend«, antwortet Zoe.
Andrea blickt verzweifelt zur Decke.
»Ach, komm schon, Andrea. Vermies uns nicht die Party«, erwidere ich und stupse sie mit dem Fuß an. »Joanne hat sich große Mühe gegeben. Sei locker und amüsier dich.«
Wieder schaut Andrea entnervt zur Decke. Allerdings merke ich ihr an, dass es nicht ganz ernst gemeint ist. »Ich werde erst locker, wenn wir am Ziel sind, wo immer das auch sein mag, und ich festen Boden unter den Füßen habe.« Andrea späht unter den Sitz. »Diesmal kein Prosecco.«
Zoe und ich grinsen einander an. Andrea geht wie immer in ihrer Rolle als Unglücksbotin auf.
Der Pilot ist zwar sehr nett, wurde jedoch ebenfalls von Joanne fürs Schweigen bezahlt. Also bleibt uns dreien nichts anderes übrig, als aus dem Fenster zu schauen, darüber zu spekulieren, über welchen Teil von Großbritannien wir gerade fliegen, und uns zu fragen, wo wir wohl landen werden. In mir steigt Unbehagen auf, weil ich nicht den geringsten Einfluss auf die Situation habe. Joannes Vorstellung von einer Überraschung hat buchstäblich neue Höhen erreicht. Und es gefällt mir nicht, dass ich ihr jetzt auf Gedeih und Verderb ausgeliefert bin.
Je weiter nach Norden wir kommen, desto mehr wächst meine Überzeugung, dass ich unser Ziel kenne. »Ich glaube, wir fliegen nach Schottland«, merke ich an.
»Schottland? Dort hat Joanne doch letztes Jahr Urlaub gemacht«, ruft Zoe aus. »Sie, Tris und die Kinder waren beim Höhlenwandern, Kajakfahren und so.«
»Muss ja ein toller Urlaub gewesen sein«, spöttelt Andrea.
Zoe und ich sehen sie verständnislos an. »Ich dachte, sie hätten eine Menge Spaß gehabt«, sage ich.
»Klar, davon bin ich überzeugt.« Andreas sarkastischer Tonfall ist unüberhörbar.
»Was soll das heißen?«, erkundige ich mich.
»Nimm mich nicht ernst. Das heißt nur, dass Joannes Herumgeturne in der Natur nicht meinen Vorstellungen von einem Urlaub entspricht.« Andrea wirft mir einen Seitenblick zu. »Was ist?«
»Du weißt genauso gut wie ich, dass du eigentlich etwas anderes sagen wolltest.«
»Du kannst Tris nicht ausstehen, richtig?«, hakt Zoe nach.
Zuerst wirkt Andrea, als wolle sie widersprechen. Doch ihre trotzige Ader meldet sich, zweifellos beflügelt von dem Alkohol von vorhin. »Wir sind eben zu verschieden, mehr nicht.«
»Schwachsinn.« Ich täusche hinter vorgehaltener Hand ein Hüsteln vor, woraufhin Andrea nicht sehr glaubhaft die Arglose mimt.
»Ich stimme voll und ganz zu«, erwidert Zoe und rutscht auf ihrem Sitz herum. »Warum magst du ihn denn nicht?«
»Wenn ihr es unbedingt wissen müsst: Er ist ein bisschen zu sehr von sich überzeugt«, antwortet Andrea. »Er hält sich für Gottes Geschenk an die Frauenwelt.«
Ich lache auf. »So war er schon immer. Ich schwöre, dass er länger im Bad braucht als Joanne. Ihr solltet mal seine vielen Pflegeprodukte sehen. Antifalten-Dies und Strahlender-Teint-Das. Sicher gibt er dafür ein Vermögen aus.«
»Meine Worte«, sagt Andrea.
»Man kann einen Typen doch nicht ablehnen, nur weil er auf sich achtet. Das ist sogar für dich ein wenig zu oberflächlich.« Zoes Tonfall ist leicht spitz, und ich spüre, dass Andreas Stimmung sich verändert.
»Mit meiner Oberflächlichkeit hat es nichts zu tun, vielen Dank auch. Offen gestanden habe ich andere Gründe.«
»Und die wären?« Anscheinend hat Zoe nicht vor, das Thema auf sich beruhen zu lassen.
»Die wären …« Andrea hält inne. »Okay, wenn es euch so interessiert: Er hat mal versucht, mich anzubaggern.«
»Was?«, rufen Zoe und ich im Chor.
»An Weihnachten vor zwei Jahren. Ihr wisst schon, bei der Party am zweiten Feiertag, wo wir waren.«
Ich nicke. Es war das letzte Weihnachten, das Darren erlebt hat. An jenem Abend herrschte eine sonderbare Stimmung, und das lag nicht nur an dem Streit, den Darren und ich vor unserer Ankunft hatten. Joanne wirkte angespannt, und Tris war schon am frühen Abend ziemlich betrunken. Seitdem habe ich mich oft an diesen Abend erinnert, und mir wurde klar, dass Joannes Tochter Ruby die Bombe bereits hatte platzen lassen. Der Konflikt spielte sich direkt vor meinen Augen ab, jedoch derart in Zeitlupe, dass es mir nicht auffiel.
»Tris hat dich angebaggert? Wirklich? Bist du sicher?« Zoes Stimme reißt mich aus meinen Grübeleien.
»Natürlich bin ich sicher, verdammt«, entgegnet Andrea. »Zu warten, bis jemand aus dem Klo kommt, um ihn dann gegen den Garderobenständer zu drängen und dabei zu versuchen, ihm gleichzeitig die Zunge in den Hals und die Hand zwischen die Beine zu stecken, ist genau genommen mehr als anbaggern.«
Zorn und Ungläubigkeit malen sich in Zoes Gesicht. »Das hat er gemacht? Tris hat dich betatscht?«
»Ich denke, juristisch nennt man das einen sexuellen Übergriff«, antwortet Andrea.
»Herrje«, murmle ich und atme heftig aus. »Was ist danach passiert? Hast du es Colin oder Joanne erzählt?« Ich frage mich, ob das der Wendepunkt zwischen Andrea und Joanne war. Ob ihre Freundschaft ab diesem Moment anfing, an den Rändern auszufransen.
»Nein, habe ich nicht«, meint Andrea. »Wir waren alle ziemlich betrunken. Ich habe Tris weggeschubst und ihm gesagt, dass er sich verpissen soll. Er hat sich entschuldigt, und wir haben es als Scherz abgetan.«
»Nur dass es bei dir nicht so klingt, als wäre es ein Scherz gewesen«, wende ich ein.
»Nicht unbedingt. Jetzt versteht ihr bestimmt, warum ich nicht der größte Fan von Tris bin.« Andrea sieht Zoe an.
»Kaum zu fassen. Nicht Tris!«, protestiert Zoe und fügt dann rasch hinzu: »Selbstverständlich glaube ich dir, doch ich hätte Tris so etwas nie zugetraut. Warum sollte er? Nimm’s nicht persönlich.«
»Schon gut«, sagt Andrea. »Ich weiß, dass ich unwiderstehlich bin …«
Als sie lächelt, schwindet die Anspannung, die in der Luft liegt. »Ich würde ja gern behaupten, dass es nur am Alkohol lag. Aber Tris ist so ein Angeber. Vermutlich überspielt er so, dass er im Schlafzimmer keinen hochkriegt.«
Ich schüttle den Kopf. Wirklich, Andrea kann manchmal schrecklich sein.
»Was bedeutet das?«, hakt Zoe nach. Offenbar bemerkt sie meinen ungewollt erstaunten Gesichtsausdruck angesichts ihres rechtfertigenden Tonfalls, denn sie erläutert sofort ihre Frage. »Das heißt, woher weißt du das? Joanne hat nie mit mir über … Schlafzimmersachen geredet.«
»Es steht mir nicht zu, darüber zu sprechen.« Andrea mustert uns. Mir ist klar, dass sie es trotzdem tun wird. »Ihr wisst ja, dass Joanne gern das Ruder in der Hand hat.« Wir nicken beide und lassen Andrea fortfahren. »Nun, das erstreckt sich auch aufs Schlafzimmer. Einmal hat sie mir anvertraut, sie habe nicht die Absicht, Tris die Führungsrolle zu überlassen. Er mag zwar ein studierter Psychologe sein, doch sie sei ihm in Sachen Psychospielchen weit überlegen.«
»Offen gestanden wundert mich das nicht«, sage ich beim Gedanken an unsere Freundin. »Joanne ist nicht sehr gut darin, Anweisungen zu befolgen.«
»Und ich sollte das wissen«, ergänzt Andrea. »Wenn sie nicht meine Freundin wäre, hätte ich sie schon längst rausgeschmissen oder wenigstens abgemahnt, weil sie so mit mir spricht. Insbesondere in Gegenwart von Mitarbeitern. Man könnte glauben, sie sei die Inhaberin, nicht ich, verdammt!«
Bevor wir das Gespräch fortsetzen können, kippt das Flugzeug nach rechts, und der Pilot meldet sich per Lautsprecher. Er teilt uns mit, wir sollten uns anschnallen, da wir gleich landen würden.
Während ich meinen Gurt festziehe, schaue ich zu Andrea hinüber. Ihre Enthüllungen und die Einblicke in Joannes Ehe bestätigen nur meine eigenen Gedanken: Obwohl wir Freundinnen sind, ist da so vieles, was wir nicht voneinander wissen. Wir haben alle unsere Geheimnisse, und was mich betrifft, möchte ich, dass das auch so bleibt.
»Offenbar landen wir auf einem verdammten Feld«, stellt Andrea fest und späht aus dem Fenster. Zoe und ich versuchen, ebenfalls einen Blick auf den Boden zu erhaschen. Von einer Landebahn fehlt jede Spur.
Eine Minute später berührt das Fahrwerk den Boden. Die Landung erfolgt ziemlich holperig, und wir werden ordentlich durchgerüttelt. Zoe schreit leise auf, doch der Pilot ist offenbar erfahren, und sobald alle drei Räder Bodenhaftung haben, werden wir rasch langsamer, und der Motor schnurrt zufrieden, während wir weiterrollen.
»Wir sind wirklich auf einem Feld«, verkündet Andrea. »Da ist nicht einmal ein Tower oder so.«
Die Maschine stoppt ruckartig, aber der Motor tickt weiter. Der Pilot kommt nach hinten in die Kabine. Der Gegenstand in seiner Hand ist ein inzwischen vertrauter Anblick. Ein weißer Umschlag.
»Das ist vermutlich für Sie«, sagt er und reicht ihn mir. »Hier verabschiede ich mich von Ihnen. Hoffentlich hatten Sie einen angenehmen Flug.«
»Und unsere Handys?«, frage ich.
»Die behalte ich für den Moment«, erwidert er. »Keine Sorge, sie werden Sie begleiten.«
Als wir aussteigen, ist es eindeutig kühl. Ich stelle meinen Rucksack auf den Boden, um meine Fleecejacke zu schließen. Wir stehen tatsächlich mitten auf einem Feld. Ich halte Ausschau nach einem Farmhaus oder etwas Ähnlichem, aber die Gegend wirkt menschenleer. Die Landschaft besteht aus Feldern, die sich bis zu Hügeln erstrecken. In der Ferne sind die Umrisse von Bergen zu sehen.
»Machst du jetzt endlich den Brief auf?«, wendet Andrea sich an mich und wirft ihren Rucksack neben meinen auf den Boden.
Ich gehorche und lese Joannes Nachricht vor.
Willkommen im schönen Schottland! Hoffentlich war der Flug okay. Wenn ihr jetzt zum Ende des Feldes geht, stoßt ihr auf ein Tor, wo euch Phase drei eurer Reise erwartet. Mein Gott, macht das Spaß. Euch hoffentlich auch!
»Und, macht es dir Spaß?«, frage ich Andrea belustigt.
»Ich kann dir gar nicht sagen, wie viel«, lautet die missmutige Antwort.
Ich lache über Andreas mürrische Miene und grinse Zoe an, die sich, begeisterungsfähig wie immer, um die eigene Achse dreht, um die Umgebung zu betrachten. Ich muss zugeben, dass meine eigene Begeisterung ein wenig schwindet. Mein Magen rebelliert vor Hunger, und für eine Tasse Tee könnte ich einen Mord begehen. Ich blicke in Richtung Tor.
»Kommt, gehen wir hin«, schlage ich vor. Doch als wir das Tor erreichen, fehlt jedes Zeichen von Phase drei. »Am besten warten wir einfach.«
»Wahrscheinlich«, stimmt Andrea zu. »Offenbar hat Top Gun nicht vor, sich von der Stelle zu rühren. Also sitzen wir nicht hier fest. Außerdem hat er noch unsere Telefone. Vermutlich wird er sie demjenigen übergeben, der uns holen kommt.«
»Ohne mein Handy fühle ich mich nackt«, gestehe ich und betrachte den blauen Beutel in der Hand des Piloten. »Ich habe Seb versprochen, ihm eine SMS zu schicken, dass wir gut angekommen sind.«
»Und wie geht es dem wundervollen Seb?«, erkundigt sich Zoe. »Immer noch wundervoll, wie ich annehme?«
Ich lächle. »Ja. Immer noch wundervoll.«
»Oh, müssen wir uns bald Hüte kaufen?« Andrea versetzt mir einen Rippenstoß.
»Ich denke nicht. Eine Hochzeit ist nicht geplant. Jedenfalls nicht bei mir.« Ich drehe mich um, stütze die Arme auf das Tor und hoffe, dass wir nicht zu lange werden herumstehen müssen. »Es ist schön hier«, sage ich, um das Thema zu wechseln.
»Ja, ist es«, pflichtet Andrea mir bei und lehnt sich zurück. »Und jetzt verrat uns, warum du keine Hochzeit planst?«
»Ja, warum nicht?«, bohrt Zoe nach. »Ich habe den Eindruck, dass Seb bis über beide Ohren in dich verliebt ist.«
Seufzend finde ich mich damit ab, dass ein Themenwechsel unmöglich ist. »Wenn es um eine Hochzeit geht, darf ich nicht nur an mich denken. Ganz gleich, ob es Seb oder ein anderer ist, es gibt immer noch Alfie.«
»Stimmt, aber der ist ab nächstem Jahr an der Uni. Um den brauchst du dir keine Sorgen zu machen«, wendet Zoe ein.
»Für mich klingt es, als würdest du Alfie nur vorschützen.« Wie immer schießt Andrea aus der Hüfte. »Was ist der wahre Grund? Darren?«
Ich kann nicht sofort antworten. Andrea hat ein viel zu feines Gespür. Zoe streckt die Hand aus und drückt meinen Arm. »Du darfst dein Leben nicht für immer auf Sparflamme schalten. Darren ist tot. Du kannst es nicht ungeschehen machen. Du musst es akzeptieren.«
»Er kann dich nicht aus dem Grab heraus als Geisel halten«, fügt Andrea hinzu. »Du hast etwas Besseres verdient. Verdammter Mist, du hast seinetwegen genug durchgemacht. Keine Ahnung, warum du noch immer so loyal bist. Deine Ehe war schon schlimm genug, und dann noch die hässliche Trennung. Aber zu tun, was er getan hat. Nicht nur dir, sondern auch Alfie. Das war gemein.«
Andrea zur besten Freundin zu haben, ist meistens traumhaft. Doch zuweilen kann sie so gnadenlos ehrlich sein. Ich kneife die Augen fest zu und erinnere mich daran, wie ich vor zwei Jahren von der Arbeit kam und Alfie auf der Vortreppe angetroffen habe. Darren hatte sich gewaltsam Zutritt zum Haus verschafft und Alfie ausgesperrt. Nie werde ich den Anblick vergessen, der mich empfing, als ich über die Schwelle trat. Darren hatte sich am Treppengeländer erhängt. Ich versuchte, Alfie zu schützen und ihn aus dem Haus zu schieben. Aber zu spät. Er hatte alles gesehen. Wie soll ein Sechzehnjähriger das verkraften?
»Andrea, nicht«, sagt Zoe leise. Sie klingt besorgt. Ich spüre, wie ihre Finger meine Hand streicheln.
»Tut mir leid«, meint Andrea. »Ich wollte dich nicht traurig machen. Doch manchmal finde ich es so frustrierend, dass du dich ständig wegen Darren geißelst.«
»Andrea!«, unterbricht Zoe. »Es reicht.«
MPV
»Ach, hör schon auf«, schimpft Zoe. »Das ist doch alles nur Spaß.«
Andrea brummelt zwar etwas, verkneift sich jedoch einen weiteren Kommentar. Der Fahrer erscheint an der Tür. »Sind alle angeschnallt? Gut. So was sehe ich gerne. Schließlich wollen wir unterwegs keinen Unfall haben. Bestimmt möchte Mrs. Aldridge, dass Sie heil ankommen.«
»Bitte sagen Sie mir, dass das die letzte Etappe der Reise ist.« Andrea verschränkt die Arme und seufzt entnervt auf.
»Ja, in einer knappen halben Stunde sind Sie am Ziel«, antwortet der Fahrer, bevor er die Tür schließt und uns im Halbdunkeln zurücklässt. Durch eine Ritze im Sperrholz strömt ein schmaler Lichtstrahl herein.
Ich weiß nicht warum, doch die Ausdrucksweise des Fahrers sorgt dafür, dass ich unwillkürlich erschaudere.