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Inhalt

Marvels Rache

Die Finsternis naht

Die Vergangenheit erwacht

Das Böse breitet sich aus

Kampf zwischen Bäumen

Mensch und Biest

Die Nachtkriegerin

Hilfe aus der Ebene

Der Feuerkampf

Die Totenglocke

Avantias Feind

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Mit besonderem Dank an Michael Ford
Für Tom Buyers, einen riesigen Fan

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So, so … Du willst Tom also weiterhin auf seinen Missionen begleiten.

Kehre lieber um. Im Untergrund von Avantia lauert das Böse und wartet nur darauf, sich zu erheben und das Königreich im Kampf zu erobern. Sechs Biester mit den Herzen von Kriegern aus vergangenen Zeiten gehorchen dem dunklen Magier Malvel. Ich fürchte, er ist am Höhepunkt seiner Macht angekommen.

Krieg erwartet uns alle.

Ich bitte dich erneut: Schließe das Buch und kehre um. Das Böse erwacht. Finsternis naht.

Dein Freund,
Zauberer Aduro

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Malvels Rache

Kaltes blaues Feuer hüllte Malvel ein. Er saß ganz allein in der Kammer im höchsten Turm seiner zerfallenen Burg. Die Mauern waren in den vielen Jahren seiner Abwesenheit eingestürzt. Wie ein weit aufgerissenes Maul voller verfaulter Zähne wirkte die Öffnung, die sich im Mauerwerk gebildet hatte.

Malvel starrte über die öde Landschaft von Gorgonia.

Noch immer traute sich niemand, sich der Burg zu nähern. Der böse Magier hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Er wusste nicht, wie viele Tage und Nächte bereits vergangen waren, seit er wieder hier war. Beinahe hätte er es geschafft, den Stab des Hexenmeisters in der Ewigen Flamme von Seraph zu verbrennen. Wenn es ihm gelungen wäre, hätte er unendliche Macht errungen – er hätte die Kraft gehabt, jedes einzelne Königreich zu erobern.

Aber er hatte versagt. Im einen Moment hatte er noch gekämpft, im nächsten war er selbst in die Flamme gestürzt.

Und alles nur wegen dieses erbärmlichen Jungen …

„Tom!“, stieß er den Namen seines Gegners aus.

Aber Malvel hatte bereits einen neuen Plan ins Auge gefasst und noch in Avantia dafür gesorgt, dass er seine Rache bekommen würde …

Am Horizont erschien eine Staubwolke. Malvel kniff die Augen zusammen und erkannte in der Ferne einen Reiter, der über die Ebene in Richtung Burg galoppierte.

„Ein Besucher?“, murmelte er.

Der Reiter war ein Soldat in Rüstung, doch Malvel hatte keine Angst. Keine der Menschheit bekannte Waffe konnte die magischen Flammen durchdringen, die ihn umhüllten.

Er hörte, wie das Pferd in den Burghof ritt, und dann sich nähernde Schritte, die durch den Turm hallten. Er wandte sich zur Tür, als plötzlich eine Gestalt aus dem Schatten trat.

„Du beweist großen Mut, dich hierherzuwagen“, sagte Malvel. „Leichtsinnigen Mut!“

Der Eindringling hob eine Hand und öffnete den Riemen seines Helms. Dann zog er ihn vom Kopf.

Lange Haare fielen ihm über die Schultern.

„Freya!“, keuchte Malvel ungläubig.

Toms Mutter Freya ging langsam um ihn herum, ihre Hand ruhte auf dem Schwertknauf. „Aduro erzählte mir, dass ich dich hier finden würde“, sagte sie.

„Wie geht es meinem alten Feind?“, zischte Malvel. „Hat er dich hergeschickt, damit du mich kontrollierst?“

„Ich war auf dem Rückweg aus Gwildor“, antwortete Freya. „Aduro hat mich mit seiner Magie hierher gezaubert. Du hast Avantia zum allerletzten Mal in Gefahr gebracht.“

Malvel deutete auf die blauen Flammen, die ihn umgaben. „Du irrst dich. Dafür habe ich bereits gesorgt.“

Freya runzelte die Stirn. „Wovon sprichst du?“, fragte sie.

Malvel lächelte. „Etwas neues Böses nähert sich Avantia. Ein alter Zauber, geschaffen, um das schöne Königreich zu zerstören und deinen Sohn zu töten.“

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„Du lügst“, entgegnete Freya, aber Malvel konnte die Angst in ihren Augen sehen.

„Ich werde es dir zeigen“, sagte er und grinste gehässig. Er hob beide Hände und drehte die Handflächen zueinander. Zwischen ihnen formte sich ein gelb leuchtender Flammenball. In dem Kreis erschien ein Bild – ein friedliches Dorf in einer lieblichen Landschaft. Unter dem blauen Himmel weideten Tiere im frischen Gras.

„Ist das …?“, begann Freya.

„Avantia?“, sagte Malvel. „Ja, das schöne Königreich. Sieh genau hin, meine Teuerste.“

Plötzlich fiel ein dunkler Schatten über das Land und Freya wich erschrocken zurück. Malvel grinste boshaft. Ein riesiges Biest in Gestalt einer Eule segelte über die Weiden. In Panik stoben die Kühe davon. Das Eulenbiest flog weiter, die Augen glühten orange. Von dem grauen Gefieder troff flüssiger Teer und hinterließ eine brennende Spur in einem Getreidefeld, dessen Halme zu schwarzen Stummeln verkohlten.

Das Biest öffnete den Schnabel. Lange, scharfe Zähne ragten aus dem Maul. Es kreischte so schrill, dass Freya sich die Ohren zuhalten musste.

„Was ist das für eine Gestalt?“, fragte Freya mit zitternder Stimme.

„Darf ich vorstellen? Das ist Avantias neuer Feind“, antwortete Malvel triumphierend.

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Die Finsternis naht

Der Pfeil bohrte sich mitten in die Zielscheibe und die versammelten Diener jubelten. Elenna errötete und verbeugte sich leicht. Silver neben ihr jaulte vor Freude.

„Angeberin“, sagte Tom zu seiner Freundin und grinste. „Für die anderen solltest du die Zielscheibe vielleicht etwas näher heranrücken.“

Elenna lachte. „Ich glaube, dass hier eine Menge Leute besser sind als ich.“

Schon seit dem Sonnenaufgang waren sie in König Hugos Palasthof und halfen bei den Vorbereitungen für die Sonnwendfeier am Abend. Jeden Sommer versammelte sich das Volk von Avantia, um den längsten Tag des Jahres zu feiern. Elenna war für das Bogenschießen zuständig.

„Hilf mir mal hiermit“, sagte Tom und stellte sich ans Ende eines langen Tisches.

Elenna warf sich ihren Bogen über die Schulter und trat an das andere Tischende. Zusammen schleppten sie ihn zu den übrigen Tischen, die hufeisenförmig im Hof aufgebaut waren. König Hugo würde in der Mitte sitzen und die Höflinge um ihn herum. Für die einfachen Leute gab es Platz an der Seite. Außer im Palasthof würden die Feierlichkeiten auch auf dem restlichen Schlossgelände stattfinden.

Sobald es anfing zu dämmern, würden Fackeln angezündet werden und die Tische mit Essen beladen sein: mit Käse, Braten, Geflügel, Obst und Gemüse und den leckersten Kuchen. Tom roch den Duft von Gebäck und das Wasser lief ihm im Mund zusammen.

„Onkel Leo kommt später auch“, sagte Elenna. „Es ist so lange her, dass …“

„Hilfe!“, schrie eine Stimme.

Elenna lief schnell zu einer Leiter, die gefährlich wackelte, und hielt sie fest. Ein Stallbursche versuchte, eine Wimpelkette über dem Falltor aufzuhängen.

„Vielen Dank!“, rief er.

Musiker probten ein Stück für den Tanz, der nach dem Festessen folgen würde.

Tom kraulte Silver im Nacken. Er wusste, dass er eigentlich genauso fröhlich sein sollte wie all die anderen, aber die nagende Sorge ließ sich nicht aus seinem Herzen vertreiben.

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