Propolis
Gewinnung – Rezepte – Anwendung
Heilkraft aus dem Bienenvolk

Leopold Stocker Verlag
Graz – Stuttgart
Umschlaggestaltung:
DSR Werbeagentur Rypka GmbH, 8143 Dobl/Graz, www.rypka.at
Titelbild: Bilderwerk (Wien)
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ISBN 978-3-7020-1285-4
eISBN 978-3-7020-1832-0
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© Copyright by Leopold Stocker Verlag, Graz, 3. Auflage 2019
Layout und Repro: DSR Werbeagentur Rypka GmbH, 8143 Dobl/Graz
Druck: Livonia Print SIA, Lettland
Vorwort
Einführung in die Propolisanwendung
Herkunft und Bedeutung der Propolis
Sammeln der Propolis
Propolis und Öffentlichkeit
Geschichte der Propolis
Sammelstrategie der Bienen
Welche Bienen sammeln Propolis und wie gehen sie dabei vor?
Zusammensetzung der Propolis
Wirksame Bestandteile
Auflistung der Bestandteile
Physikalische und chemische Eigenschaften
Weitere Eigenschaften
Standard für die Propolis
Gewinnung der Propolis
Allgemeiner Überblick
Bedeutung der Propolis für die Biene
Wie viel Propolis kann man ernten?
Techniken der Propolisgewinnung
Bei Reinigungsarbeiten
Planmäßige Propolisgewinnung
Propolis in der apitherapeutischen Praxis
Propolis aus den Tropen
Verträglichkeit der Propolis
Wirkungsweise
Anwendungen der Propolis
Äußere Anwendung
Innere Anwendung
Propolis als Allheilmittel?
Bei Krebserkrankungen
Antioxidative Wirkung
Anwendungsmöglichkeiten der Propolis
Bei Angina pectoris
Bei Arteriosklerose
Als schmerzstillendes Mittel
Zur Hals- und Rachenraumbehandlung
Bei Bronchitis
Bei Asthma
Bei Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)
Bei Viruserkrankungen
Zur Herpesbehandlung
Bei grippalen Infekten
Zur Wundbehandlung
Bei Frauenkrankheiten
Bei Scheidenentzündungen
In den Wechseljahren
Bei Männerkrankheiten
Krankheiten der Prostata
Apitherapeutische Behandlung bei Prostataerkrankungen
Bei Gelenksbeschwerden
Bei Hämorrhoiden
Bei Beschwerden rheumatischer Ursache
Für die örtliche Betäubung (lokalanästhetisierende Wirkung)
Förderlich für das Immunsystem
Zur Körperentgiftung
Antikrebswirkung
Zur Geweberegeneration
Die antioxidativen Eigenschaften
Verwendung als Adjuvans bei konventioneller Behandlung
Allergien
Rechtliche Situation
Deutschland
Einschätzung der Propolis durch das BfR
Österreich
Schweiz
Europäisches Recht
Zulassungsbestimmungen für Arzneimittel
Rezepturen mit Propolis
Vorbereitungen
Dazu gibt es mehrere Verfahren
Herstellung von Propolistinkturen mit Alkohol (Äthanol)
Erforderliche Gerätschaften
Herstellung von Tinkturen
Tinktur-Rezept 1
Tinktur-Rezept 2
Tinktur-Rezept 3
Tinktur-Rezept 4
Tinktur-Rezept 5 (nach Grohmann, 1988)
Tinktur-Rezept 6
Tinktur-Rezept 7 (nach DANILOW)
Tinktur-Rezept 8 (nach George TAMAS)
Tinktur-Rezept 9 (nach DRESCHER)
Herstellung von Propolisextrakten mit Alkohol (Äthanol)
Rezept 1: Zweistufenverfahren (nach GROHMANN)
Rezept 2: Eindickung durch Verdunstung
Propolistinkturen ohne Alkohol
Tinktur-Rezept 1 (ohne Alkohol)
Tinktur-Rezept 2 (ohne Alkohol)
Tinktur-Rezept 3 (ohne Alkohol)
Propolisöl (nach Karlheinz GRAF)
Propolisöl-Rezept
Herstellung von Propolissalben
Einführung
Benötigte Materialien
Salben-Rezept 1
Salben-Rezept 2
Salben-Rezept 3
Salben-Rezept 4
Salben-Rezept 5
Salben-Rezept 6
Salben-Rezept 7
Salben-Rezept 8
Salben-Rezept 9 (Extraktionssalbe nach POCINKOVA)
Salben-Rezept 10 (Propolissalbe mit Salicylsäure nach POCINKOVA)
Salben-Rezept 11 (Propolis-Heilsalbe nach WHITE)
Salben-Rezept 12 (nach GROHMANN)
Salben-Rezept 13 (nach NEUHOLD)
Salben-Rezept 14
Herstellung von Propoliscremes
Einführung
Creme-Rezept 1 (nach DRESCHER)
Creme-Rezept 2
Pflaster
Puder
Propolishonig
Gesichtsmasken
Rezept 1
Rezept 2
Rezept 3
Propolis für die Haare
Haarpflegemittel (gegen fettiges Haar nach C. KROCHMAL)
Mund- und Lippenpflege
Propolis-Lippenbalsam
Propolis-Mundwasser (aus der TV-Sendung Hobbythek)
Propolis in der Veterinärmedizin
Haus- und Nutztiere
Bienen
Hühner
Hunde
Zusammenfassung
Literaturnachweis
Register
Inzwischen ist das Propolisbuch bereits seit 23 Jahren und zuletzt in der 3. Auflage erfolgreich auf dem Markt. In all der Zeit hat sich viel getan in der Apitherapie und damit auch hinsichtlich der Propolis. In die vergangenen Auflagen sind immer wieder Aktualisierungen eingeflossen, aber der Umfang des Büchleins grenzte den Spielraum für eine erweiterte Informationsvermittlung ein.
Der Leopold Stocker Verlag hat deshalb entschieden, den werten Lesern diesen inzwischen ziemlich komplex gewordenen Themenbereich ausführlicher vorzustellen. Dazu muss jedoch gesagt werden, dass der gesamte Erkenntnisstand niemals fassbar und in diesen Rahmen integrierbar ist. Dazu gibt es weltweit zu viele Untersuchungs- und Forschungsergebnisse.
Ein Studium dieses immensen Informationsberges kann nur punktuell und gezielt geleistet werden. Viele Untersuchungen stehen noch am Anfang und können daher noch keine konkreten Ergebnisse vorweisen. Ich habe deshalb versucht, die wesentlichen Erkenntnisse einfließen zu lassen und die bereits vorhandenen und immer noch aktuellen Daten bzw. deren Evaluierungen erneut vorzustellen.
Erweitert wurde auch die gegenwärtige, rechtliche Situation, die sich in Österreich verändert hat, während sie in Deutschland auf dem letzten Stand geblieben ist. Ich glaube, dass diese Informationen sehr wichtig für alle Imker sind, die sich mit der Propolisverarbeitung beschäftigen. Wir befinden uns in keinem rechtsleeren Raum, sondern es gibt Gesetze und Verordnungen, an die man sich zur eigenen Sicherheit und aus der Verpflichtung zum geltenden Recht halten muss. In Deutschland gibt es viele verschiedene Propolispräparate, die in Apotheken erhältlich sind und die zum großen Teil in pharmazeutischen Firmen im Ausland hergestellt werden, wie z. B. in Dänemark, Italien usw. Diese Präparate sind vom Bundesgesundheitsamt zugelassen und werden, wie schon erwähnt, von namhaften Herstellern produziert. Obwohl die Propolis und damit auch die zugelassenen Präparate als Arzneimittel eingestuft sind und zum größten Teil über Apotheken vertrieben werden, stehen sie außerhalb der Kassenleistung. Das hindert aber nicht daran zu erkennen, dass die Propolis unter der Bevölkerung einen wachsenden Bekanntheitsgrad genießt.
In der schon mehrere Jahre zurückliegenden Sendung eines TV-Senders (MDR Thüringen Journal am 3. September 1996) beschäftigte man sich mit der Propolis, ihrer Gewinnung und Anwendung. Prof. Dr. Gerhard Reuter vom Institut für Pharmazie der Universität Jena sagte auf Befragen dazu, dass heute die meisten Krankheiten noch nicht erforscht sind und nur 25 % überhaupt ursächlich zu heilen sind. Er gibt der Naturmedizin deshalb zukünftig große Chancen.
Die Propolis ist ein Naturprodukt der Zukunft und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die wissenschaftlichen Ergebnisse den Weg für eine andere Gesetzeslage freimachen, zum Vorteil der Imker und der vielen Menschen, denen mit diesem Naturprodukt Heilung, Genesung und Linderung zuteil werden können.
Der werten Leser- und Imkerschaft wünsche ich viel Freude mit meinem Buch. Ich wünsche mir von Ihnen Anregungen und Hinweise, um sie vielleicht in die nächste Auflage einfließen zu lassen. Denn ein großer Erfahrungsschatz schlummert draußen bei Ihnen und wir sollten ihn nicht verkümmern lassen.
Im Verlaufe der Durcharbeitung werden Sie wiederholt auf meinen eindringlichen Rat stoßen, die Propolis nicht als eine „Wunderwaffe“ gegen alle gesundheitlichen Probleme zu betrachten. Nehmen Sie diesen Satz bitte sehr ernst und fragen Sie in jedem Fall immer Ihren Arzt um Rat und Hilfe.
Dem Verlag danke ich an dieser Stelle sehr herzlich für die Bereitschaft, diese neue Version eines schon lange erfolgreich auf dem Markt vorliegenden Buches mit einem neuen Erscheinungsbild zu editieren. Ich hoffe, dass es viele Leser erreicht und dass es Ihnen hilfreich sein möge.
Klaus Nowottnick
Floh-Seligenthal, im Januar 2019
Herkunft und Bedeutung der Propolis
Sammeln der Propolis
Propolis und Öffentlichkeit
Zum Schutz vor der Witterung produzieren viele Pflanzen einen harzigen Stoff, mit dem sie insbesondere Blatt-, Blütenknospen und auch Früchte schützen. Dieses Harz stammt überwiegend von den Knospen und aus Rindenrissen der Birken, Pappeln, Erlen, Kastanien, Weiden, aber seltener von Koniferen wie z. B. Fichten, Kiefern, Tannen und Lärchen.
Es besteht aus einer Vielzahl phenolischer Komponenten. Davon sind in der Regel etwa 95 % Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe), der Rest besteht vorwiegend aus Zimtsäurederivaten. Die chemische Zusammensetzung von Propolis ist sehr variabel, je nachdem, von welchen Pflanzen die Bienen diese Harze sammeln. Mittels Raman-spektroskopischen Analysen (durchgeführt am Institut für physikalische Chemie der Universität Würzburg, http://www.phys-chemie.uni-wuerzburg.de/kiefer/People/jpopp/home.html) konnte gezeigt werden, dass Bienen Propolis zum Wachs dazumischen bzw. auf die Waben auftragen.
Die Bienen produzieren die Propolis nicht für den Imker, sondern dieses Verhalten ist ein Ergebnis der Evolution, ohne das die Biene die vielen erdgeschichtlichen Veränderungen, die bis in die Neuzeit reichen, nicht überlebt hätte. Es ist das Produkt zu ihrer Überlebenssicherung.


Blattaustrieb (links) und Fruchtstand (rechts) bei der Erle
Durch die bakteriziden und bakteriostatischen Eigenschaften vermag die Propolis die Gesundheit des Bienenvolkes ausschlaggebend zu beeinflussen.
In der Beute (Bienenstock) verwenden die Bienen die Propolis zum Glätten und Einebnen von Beutenteilen und zum Abdichten und Verkitten undichter Stellen. Zusätzlich zum Bienenwachs steht den Bienen auch Propolis als Baumaterial zur Verfügung, das in unterschiedlichen Anteilen dem Wachs beigemischt wird. Zu welchen Anteilen Propolis zugemischt wird und welchen Einfluss die Zumischung auf die physikalischen und mechanischen Eigenschaften des Wachses hat, ist bis heute ungeklärt. Möglicherweise werden dadurch die Wachseigenschaften an die Kommunikationsbedürfnisse unter unterschiedlichen Temperaturbedingungen angepasst (FRÖHLICH, Dr. B., 2001).
In den tropischen und subtropischen Regionen unserer Erde errichten die Bienen Barrieren und sogar Irrgänge aus Propolis am und hinter dem Flugloch, um sich auf diese Weise vor Feinden schützen zu können bzw. deren Eindringversuche kontrollierbarer zu machen. Wissenschaftler in den USA beobachteten Völker der Apis mellifera, die aus Propolis Barrieren auf dem Beutenboden errichteten, hinter die sie die Beutenkäfer drängten und die Ausgänge bewachten, damit keiner entweichen konnte.

Zum Schutz vor Eindringlingen verkleinern die Bienen häufig ihr Flugloch mit Propolis.
(Foto: Nowottnick)
Die frühere Annahme, dass die Propolisierungstendenz im gemäßigten Klima ausschließlich eine Abwehrreaktion gegenüber Kälte, starkem Wind oder Zugluft ist, hat sich nicht bestätigt, sondern sie erfüllt darüber hinaus wahrscheinlich den gleichen Zweck wie in den warmen Klimaten.
Können die Bienen eingedrungene Feinde, die getötet wurden, wegen ihrer Größe und Masse nicht aus dem Stock schaffen, überziehen sie die Leichen mit Propolis.

Bienen errichten Barrieren aus Propolis zur Arrestierung der Kleinen Beutenkäfer.
(Foto: Ellis, J. D.)
Auf diese Art mumifizierte Tiere – wie Mäuse, Eidechsen und Großfalter – sind hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen und die Entwicklung und Ausbreitung gefährlicher Krankheitserreger wird eingedämmt bzw. ausgeschlossen.
Bruder ADAM machte auf seinen Reisen auf der Suche nach den besten Bienenrassen die Feststellung, dass die Bienenrassen Kleinasiens ein ausgeprägtes Kittverhalten besitzen.
Bis vor wenigen Jahren fehlte noch immer eine einheitliche und endgültige wissenschaftlich nachgewiesene Erklärung zur Entstehung der Propolis. Die altertümliche Version beschreibt den Eintrag der Propolis ähnlich wie beim Polleneintrag. Die pflanzliche Herkunft der Propolis beschrieben bereits Aristoteles in seinem Werk „Tierkunde“, Plinius in „Naturalica historia“ und Dioskorides.
KÜSTENMACHER (1911) vertrat die Ansicht, dass die Propolis zum größten Teil von der klebrigen Oberschicht der Pollenkörner stammt, die bei der Pollenverdauung unter dem Einfluss von Wasser und Fermenten ausgeschwemmt und in Form von Tröpfchen über den Rüssel ausgespuckt wird. Auch PHILIPP (1928) war der Ansicht, dass die Propolis ein Verdauungsprodukt der Bienen sei. Heute weiß man, dass diese Vorstellung nicht korrekt war. Die Propolis wird als Pflanzenharz von den Bienen gesammelt und in den Stock getragen, wo es, angereichert mit körpereigenen Substanzen, ganz nach Bedarf verarbeitet wird.

Propolis sammelnde Biene an einer Blattknospe.
Propolis ist eine Mischung aus Harzen
Propolis ist eine Mischung von Harzen, die von den Bienen von Pflanzen, insbesondere von den Blattknospen, eingesammelt werden. Da es fast unmöglich ist, die Bienen auf ihren Sammelflügen zu verfolgen und zu beobachten, bleibt dem Imker oft die Kenntnis von der tatsächlichen Propolisquelle verschlossen. Man nimmt an, dass die Biene der Propolis bereits während der Sammeltätigkeit Speichel und andere Körpersekrete der Mandibulardrüsen hinzufügt. In der Beute mischen sie dem Wachs kleine Mengen von Propolis während der Verdeckelung der Brutzellen hinzu.
Diese Art der Propolisverwendung hat einen antibakteriellen und gegen Pilze gerichteten Effekt zum Schutz des Bienenvolkes.
Die Zusammensetzung der Propolis hängt von der Art der besuchten Bäume und anderen Pflanzen ab.
Propolis ist deshalb abhängig von der Quelle und der Jahreszeit und variiert in Farbe, Geruch und einigen medizinisch relevanten Eigenschaften.
Der Propoliseintrag ist nur von unserer westlichen Honigbiene Apis mellifera bekannt und von den Meliponen, den stachellosen Bienen. Dem Imker liegt allgemein selten etwas daran, stark propolisierende Völker zu besitzen, weil dadurch die Mobilität des Wabenbaues und der Beutenteile eingeschränkt ist. Besonders stark davon betroffen ist die Bienenhaltung in Hinterbehandlungsbeuten. Da kann die Völkerführung zu einer wahren Qual für Imker und Bienen ausarten. Wer allerdings Propolis gewinnen möchte, dem kommen diese Völker sehr entgegen.

Biene beim Sammeln von Propolis auf einem propolisierten Innendeckel.
(Foto: Nowottnick)
Das Kittverhalten ist auch zwischen den einzelnen Bienenrassen sehr unterschiedlich ausgeprägt. Bei der in unseren Breiten überwiegend züchterisch bearbeiteten Carnica tritt dieses Verhalten nicht so gravierend zutage wie bei der Landrasse und einigen fremden Herkünften, die aber recht selten und deshalb für unsere Imkerei nicht von so großer Relevanz sind. Inzwischen hat die Propolis nicht nur in Imkerkreisen, sondern auch in der nichtimkernden Bevölkerung an Popularität gewonnen. Das ist teilweise durch die bewusstere Lebensweise und die vielfältigen Publikationen und Informationen in den Medien zum Thema „Propolis“ zustande gekommen.
Die Kenntnis um die Heileigenschaften dieses Bienenproduktes führt vermehrt dazu, dass sie für den eigenen Gebrauch und darüber hinaus sogar kommerziell gewonnen wird.

Hier das Beispiel für ein stark propolisierendes Volk. Die Rähmchen können erst entnommen werden, wenn das Kittharz entfernt ist.
(Foto: Wiki)
Für den zuletzt genannten Berufsimker im Besonderen und sicherlich für alle Imker interessant ist eine schon etwas zurückliegende, aber dennoch immer noch aktuelle Rentabilitätsberechnung von OGREN aus den USA. Wir wissen, dass die jährlich in großen Mengen anfallenden Wachsanbauten, die von den Rähmchen und Beuten abgekratzt werden, noch reichlich Propolis enthalten. Dieses Wachs und damit auch die Propolis werden unsortiert der Verarbeitung zugeführt, sei es durch das Einschmelzen des Wachses in der eigenen Imkerei oder durch wachsverarbeitende Betriebe. Der wirtschaftliche Verlust ist erheblich und wird nachstehend anhand einiger Zahlen dokumentiert.
Propolis zu ernten, ist auch wirtschaftlich interessant
Von 100 amerikanischen Pfund (1 Pfund = 453,59 g) der von Rähmchenleisten und Beutenteilen abgeschabten Anbauten sind nach dem Ausschmelzen bestenfalls 50–60 Pfund Reinwachs das Ergebnis. Dieses hat nach Abzug aller Unkosten einen Wert von 60–70 US$. Macht man sich die Mühe und sortiert vorher nach den Chargen Wachs und Propolis, was während der Reinigungsarbeiten geschehen sollte, hat man einmal den Erlös aus dem Wachs und zum anderen den Mehrerlös durch die verkaufte Propolis, die darüber hinaus noch einmal so viel Verdienst einbringt wie der Wachsverkauf.
Selten Absatzsorgen mit Bienenprodukten
Der Ruf der Verbraucher nach natürlichen und unverfälschten Lebensmitteln fußt auf der Kenntnis der sich in regelmäßigen Abständen wiederholenden Skandale bei der Produktion und Vermarktung von Lebensmitteln. Viele Menschen versuchen, Abstand zu diesen Produkten zu finden, um sich von Nahrungsmitteln aus häufig fragwürdiger Tierhaltung und Pflanzenanbau frei zu machen. Die boomende biologische oder auf Demeterbasis (www.demeter.de, www.biodynamisch.at, www.demeter.ch) praktizierte Agrarwirtschaft ist die gegenwärtige Alternative und hoffentlich die Zukunft. Kritische Konsumenten gehen deshalb bei der Auswahl der Nahrungsmittel gezielt und selbstbewusst vor, ganz gleich ob im gut sortierten Fachgeschäft oder direkt beim Erzeuger. Gerade der Direktverkauf von Gemüse, Obst, Eiern, Fleisch und Bienenprodukten ab Hof oder Haus bietet dem Käufer ein hohes Maß an Sicherheit und verlangt andererseits vom Verkäufer die Garantie, dass es sich bei seinen Produkten tatsächlich um das handelt, was er dem Kunden suggeriert und dieser erwartet. Auf dieser Vertrauensbasis entwickeln sich schließlich Kontinuität und Sicherheit auf lange Sicht für beide Seiten. Der überwiegende Anteil der Imker weiß um diesen Vorteil und hat deshalb keine Absatzsorgen mit den eigenen Bienenprodukten.
Wie der Markt an Lebensmitteln ist auch der pharmazeutische Markt unüberschaubar geworden. Dieser ist milliardenschwer und alle Konkurrenten tummeln sich bislang erfolgreich auf dieser Bühne. Ich will keineswegs bestreiten, dass die moderne Medizin und die auf der Grundlage hoher wissenschaftlicher Leistungen entwickelten Medikamente mit dazu beigetragen haben, dass heute sehr viele Krankheiten geheilt werden können und die Lebenserwartung der Menschen gestiegen ist. Nur – in all die grandiosen Leistungen der modernen Medizin mischt sich häufig ein bitterer Wermutstropfen aufgrund der teilweise gesundheitsgefährdenden und manchmal sogar lebensbedrohlichen Nebenwirkungen.
Dagegen verhalten sich Substanzen, deren Ursprung in der Natur liegt, meist weniger aggressiv. Oft tritt ihre Heilwirkung nicht so spontan ein, dafür ist aber, langfristig gesehen, der Erfolg umso größer und Nebenwirkungen sind fast immer ausgeschlossen.
Zu den natürlichen Heilmitteln gehört auch die Propolis und sie ist darüber hinaus eines der wirksamsten überhaupt.
Propolis wird immer bekannter
Dieser Ruf führte zu ihrer großen Verbreitung. Noch vor wenigen Jahren traf man allerdings sogar noch Imker an, die häufig nichts mit der Propolis anzufangen wussten und sie einfach im Müll entsorgten.
Herstellung und Handel unterliegen der jeweiligen Gesetzeslage
Unsere heutige moderne, nach außen transparent gewordene Imkerei, die Offenheit der neuen Generationen an Imkern und auch die breit angelegte Informationsflut aus Presse, Rundfunk und Fernsehen sorgten und sorgen dafür, dass der Name „Propolis“ in sehr weiten Teilen auch bei der nichtimkernden Bevölkerung ein Begriff geworden ist. In Deutschland, in Österreich und anderen Ländern wurden nationale Apitherapie-Gesellschaften gegründet, die im internationalen Apitherapiebund zusammenarbeiten. (Apitherapie = medizinische Anwendung von Bienenprodukten) Diese Organisationen haben einen gewaltigen Aufschwung erfahren. Während sich früher meist Wissenschaftler aus Ost- und Südost-Europa mit dieser Thematik beschäftigten, forscht man heute weltweit an der Propolis. In Deutschland ist die gegenwärtige Gesetzeslage eindeutig gegen eine individuelle Vermarktung von verarbeiteter Propolis gerichtet, weil sie nach Definition des Gesetzgebers kein Nahrungs- oder Nahrungsergänzungsmittel, sondern ein Arzneimittel ist. Die Herstellung und der Handel mit Arzneimitteln unterliegen aber klar definiert der vorhandenen Gesetzeslage.

Zusammengesetzt aus dem griechischen Wort pro, zu Deutsch „bevor“, und polis