

Joanna Guest ist eine stolze Tochter, die laut und häufig über ihre Familie spricht. Sie hat eine politische Laufbahn sausen lassen, um an Pausenbrot-Weisheiten zu arbeiten. Sie hat an der University of Arizona den Bachelor-Studiengang Family Studies and Human Development abgeschlossen und an der Georgetown University den Master-Studiengang Public. Policy.
Pausenbrot-Weisheiten ist ihr erstes Buch, und sie freut sich schon, die Gedanken ihres Vaters eines Tages für ihre eigenen Kinder zu plagiieren.
Die amerikanische Originalausgabe erschien 2019 unter dem Titel »Folded Wisdom. Notes from Dad on Life, Love, and Growing Up« bei Celadon Books, New York.
© 2019 Joanna Guest
© 2020 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag
© 2020 der eBook-Ausgabe Knaur eBook
Ein Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG, München
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlags wiedergegeben werden.
Covergestaltung: Isabella Materne, München, nach einer Idee von Anne Twomey
Coverabbildung: Tamara Staples
Redaktion: Marlene Fritsch
Illustrationen: Robert Guest
Fotografien: Tamara Staples
ISBN 978-3-426-45808-2
Online-Dating hat sich seit 2003 offenbar sehr verändert…
Dazu nahm mich mein Vater mit in unseren örtlichen Sportartikelladen. Obwohl das Zubehör auf Jungs und Männer zugeschnitten war, fanden wir etwas, das meine Anatomie schützen würde, damit ich das nächste Mal, wenn ein Schiedsrichter sich Sorgen um meinen Unterleib machte, einfach »Ja« antworten konnte.
2004 begegneten die Yankees in der American League Division Series den Red Sox. Nachdem sie die ersten drei Spiele der Serie gewonnen hatten und im neunten Inning des vierten Spiels in Führung lagen, verhagelte ihnen Mariano Rivera (sehr untypisch für ihn) die Parade. Die Yankees verloren die nächsten drei Spiele gegen ihren Erzrivalen. Und mein Bruder und ich erlebten zum ersten Mal so etwas wie Herzschmerz.
Shaun Alexander ist ein ehemaliger NFL Runningback, der für die Seattle Seahawks gespielt hat.
Für Bob, Gloria und Theo
Mein Vater ist das, was man einen »Morgenmenschen« nennt – bei Tagesanbruch fühlt er sich in Bestform. Außerdem ist er ein Gewohnheitsmensch. Im Moment wacht er um fünf Uhr morgens auf und macht sich auf den Weg in den Prospect Park in der Nähe unseres Hauses in Brooklyn. An Wochentagen nimmt er abwechselnd unseren Hund oder sein Rad mit – beide liebt er. Und so hat er, schon bevor der Arbeitstag beginnt, zwischen fünf und neunzehn Meilen zurückgelegt.
Als ich noch ein Kind war, hatte er ebenfalls eine morgendliche Routine, allerdings eine etwas andere. Er wachte immer vor uns anderen auf, ging mit dem Hund spazieren (damals hatten wir Sunny, sein vierbeiniger Freund von heute heißt Bear), dann kam er wieder nach Hause und setzte sich an den Küchentisch. Dort saß er bei einer Tasse Kaffee, zündete ein oder zwei Kerzen an, schlug einen DIN-A5-Zeichenblock auf und schrieb.
Was er schrieb, wandelte sich mit den Jahren – die Gewohnheit und die Adressaten änderten sich jedoch nie: Von 1995 an setzte er sich an jedem Schultag morgens hin und schrieb meinem jüngeren Bruder Theo und mir eine Nachricht, vierzehn Jahre lang, bis wir die Highschool abgeschlossen hatten. Er nahm sich einen Moment Zeit, um mit seinen Gedanken allein zu sein, bevor die tägliche Hektik begann. Er schrieb und er zeichnete und brachte etwas von sich selbst zu Papier, damit wir es mit in den Tag nahmen – jeden Tag.
Das bedeutet, dass er uns grob geschätzt 4775 Botschaften schrieb. Mehr als 3500 davon haben wir heute noch.
Anfangs bestanden die Botschaften aus Illustrationen mit ein paar Worten und steckten in unseren Brotdosen neben den Pausenbroten. Als wir älter wurden, füllten immer mehr Sätze die Seiten, und die Zettel war zu Dreiecken gefaltet, die wie ein kleiner Papierfußball auf der Arbeitsplatte darauf warteten, dass wir ihn auf dem Weg nach draußen einsteckten.

Die täglichen Briefchen entwickelten sich mit uns – voller Gedanken, die mal persönlich waren, mal eher allgemein. Manchmal gratulierten sie uns zu einem guten Ergebnis in der Schule oder einem beeindruckenden Strikeout beim Baseball; manchmal waren es ein paar Gedanken zu einem Streit, einer Rivalität unter uns Geschwistern; es ging um Freundschaft und Liebe, um Schwierigkeiten und Enttäuschungen. Sie wollten uns etwas lehren oder enthielten eine Entschuldigung dafür, ein schlechtes Vorbild gewesen zu sein; oft ging es auch ums Wetter, oder die Worte reimten sich. Die Briefchen enthielten Gedanken über einen zu frühen Tod, ein anderes Mal über ein gelungenes Leben; manchmal hielten sie Historisches fest – etwas, das in unserer Familie geschah oder das auf der Titelseite der Zeitung stand.
Viele von uns haben ihre morgendliche Routine. Und manchmal gerät diese durcheinander, weil das Leben dazwischenkommt – wir werden krank; wir verschlafen; es steht unerwartet eine Geschäftsreise an; wir fühlen uns nicht gut, sind uninspiriert. Das passierte meinem Vater natürlich auch, aber irgendwie hielt es ihn nie davon ab, sich uns mitzuteilen und die Verbindung zu uns aufrechtzuerhalten.
Wenn er sich erst spät an den Küchentisch setzte, konnte die Nachricht kürzer ausfallen oder die Zeichnung war nicht farbig. Wenn er eine Woche lang unterwegs war, zerbrach er sich vorher den Kopf, wie er uns eine Reihe von Nachrichten schreiben konnte, die erklärten, warum er die Stadt verlassen musste (Manchmal muss man im Leben etwas tun, wozu man keine Lust hat. Das ist für mich so ein Fall. Ich habe nichts gegen meine Arbeit, aber ich hasse es, von zu Hause fort zu sein. Nachts ist es am schlimmsten… Ich hoffe, du schläfst bei Mama, damit sie nicht allein ist), dass er uns vermisste (Danke für deine Geduld, mein Schatz. Ich weiß, wie sehr du mich vermisst. Ich weiß auch, wie sehr ich dich vermisse), und immer begleitete seine Liebe das Versprechen, bald nach Hause zu kommen (Wieder zu Hause, bald bin ich wieder zu Hause! Länger zu bleiben wäre eine Sünde! Ich kann kaum erwarten der Familie Lärm, will dich packen und drücken und wirbeln umher! Küss dich und küss dich noch mal und noch mal!
Hab Spaß heut, sei fleißig… und dann bin ich wieder zu Hause!).
Irgendwann war es mehr als eine schöne Art und Weise, den Tag zu beginnen – es war die einzig mögliche.

Mittwoch, 23. Januar 2002
Hey, Joanna Ruth –
du ahnst ja nicht, wie friedvoll es ist, mit ein, zwei brennenden Kerzen und einer Tasse Kaffee am Küchentisch zu sitzen, den Stift in der Hand, bereit zu schreiben. Ich liebe es, vor allen anderen aufzustehen und diese Stunde für mich und meine Gedanken zu haben. Es ist eine sehr hilfreiche, meditative Art, den Tag zu beginnen. Sie gibt mir Gelegenheit, über mich selbst nachzudenken, über dich und Theo und Mama. Dir zu schreiben gibt mir noch eine weitere Gelegenheit: mit dir in Verbindung zu treten, meine Gedanken, mein Leben mit dir zu teilen. Die Gelegenheit, dir etwas von meinem Innersten mitzugeben, ohne jede Rückmeldung, das ist gleichzeitig ein Plus- und ein Minuspunkt, aber hey – so ist das Leben. Ich hab dich lieb,
Papa
Nachricht an Joanna, 23. Januar 2002 (13 Jahre, 8. Klasse)

Inzwischen ist mir klar: Dass meinem Vater an dieser Art Morgenmeditation so viel lag, hatte auch mit seiner eigenen Kindheit und Jugend zu tun. Robert (alle nennen ihn »Bob«, oft tue ich das auch) ist das vierte von acht Kindern – fünf Jungs, drei Mädchen. Sein Vater, Konteradmiral Frank Guest, war den Großteil von Bobs Kindheit und Jugend über mit der U.S.Navy auf See, und seine stets geduldige Mutter Joan verbrachte den Tag mit dem Versuch, ihre wachsende Kinderschar unter Kontrolle zu halten. Dreizehnmal zogen sie während seiner Kindheit um. Zwischen der ersten und der zwölften Klasse besuchte er acht Schulen in sieben Städten. Seine besten Freunde waren folglich seine Geschwister, denn die flüchtigen anderen Freundschaften von einer wiederum neuen Stadt aus aufrechtzuerhalten war schwer. Die Beziehung zu seinem eigenen Vater war kaum vorhanden, Zeit zu zweit war rar, schon weil so viele seiner Geschwister darum konkurrierten und mein Großvater eben militärische Pflichten hatte, denen er nachkommen musste. Mein Vater sagt zwar nie ein schlechtes Wort über seine Kindheit, aber er erinnert sich an genau ein Gespräch, das er in der wenigen gemeinsamen Zeit allein mit seinem Vater führte. Ich hatte keine Gelegenheit, meinen Großvater kennenzulernen; er starb, als mein Vater erst dreiundzwanzig war.
Meine Eltern lernten sich 1976 im Pratt Institute in Brooklyn kennen. Bob studierte im Hauptfach Bildhauerei und meine Mutter Gloria Industriedesign. Sie begegneten sich in einem Seminar über das Zeichnen, und nach zehn Tagen liebte mein Vater sie. (Das sage ich deshalb so überzeugt, weil ich kürzlich einen Brief gefunden habe, den er seinem Freund Brian geschrieben hat und in dem er ohne jeden Zweifel seine Liebe erklärt: Gloria und ich kennen uns erst seit zehn Tagen, und es scheint mein ganzes Leben zu sein und gleichzeitig nichts… Ich liebe Gloria, Brian. Dazu muss ich kein Buch von Kant und kein Gedicht von Whitman lesen. Es ist so. Ich liebe sie. Wie man sieht, konnte er mit Worten schon immer ganz gut umgehen.)
Nach ihrem Abschluss begann Gloria, bei einer Firma in New York zu arbeiten, und Bob finanzierte seine großen, öffentlich ausgestellten Installationen mit Gelegenheitsjobs (und irgendwann gründete er eine Firma namens »Snappy Construction« – Schwungvolle Konstruktionen: »Wenn du es machst – mach es schwungvoll«). 1986, als sie zehn Jahre zusammen waren, beschlossen sie, Nägel mit Köpfen zu machen, und heirateten in der kleinen Kapelle ihrer Universität. Im selben Jahr gründeten sie ihre Ausstellungsbau-Firma, die bis heute besteht.
Im Herbst 1995 näherten sich das Bestehen der Firma und die Ehe meiner Eltern der Zehn-Jahres-Marke, und inzwischen waren auch mein Bruder und ich da – ein Vierjähriger und eine Siebenjährige. In diesem Herbst verfasste mein Vater die ersten täglichen Botschaften.
Jahre später fragte ich meinen Vater, was der Auslöser gewesen war und was ihn motivierte, uns jeden Tag zu schreiben. Die Verpflichtung, die er damit einging, schien gewaltig, vielleicht auch unrealistisch (mir jedenfalls und so ungefähr jedem, dem ich davon erzähle). Ursprünglich war es die Idee von Theos Grundschullehrerin gewesen, sagte er mir. Ein einfacher Vorschlag, ungefähr so: »Wir wollen Theo ermuntern, öfter etwas zu lesen. Wenn Sie ihm etwas Kleines schreiben, das er mit zur Schule bringt, reicht das vielleicht schon, damit er ein bisschen öfter übt.« Mehr war nicht nötig. Von da an schrieb er uns, uns beiden, und es fiel ihm aus drei Gründen ganz leicht:
Zunächst einmal erschienen ihm die Tage mit ihrer widersprüchlichen Anforderung, beruflich erfolgreich und ein guter Vater und Ehemann zu sein, voll und vorhersehbar: Aufstehen, mit dem Hund eine Runde drehen und schnell »Habt einen schönen Tag« rufen, ehe wir alle aus der Tür rannten. Wenn er dann nach Hause kam, waren alle von ihren Arbeits- und Schultagen erschöpft. Wir erzählten davon, aber häufig lief das nebenbei und erschien ihm wie eine Verpflichtung. Er suchte nach einer Möglichkeit, uns von sich zu erzählen – seine Gedanken, Lustiges, Frust, Liebe –, und zwar zu der Tageszeit, in der er sich am besten fühlte. Ihm wurde klar: Wenn er morgens eine kurze Pause einlegte, konnte er diese Zeit zum Schreiben nutzen und auch, um uns so die Seite von sich zu zeigen, die nach einem langen Arbeitstag gar nicht mehr zum Vorschein kam.
Hinzu kam, dass er als Künstler frustriert war. Nach seinem Abschluss am Pratt Institute waren Jahre vergangen, ohne dass er sich seiner Kunst richtig hatte widmen können. Die Briefe zu schreiben und zu illustrieren wurde zu einer Möglichkeit, seine kreativen Muskeln wenigstens ein bisschen spielen zu lassen. Mit einem Stift in der Hand war er glücklich, so war es, seit er mit Anfang zwanzig seine Leidenschaft für die Kunst entdeckt und von da an stets einen Skizzenblock bei sich getragen hatte. Die kleinen Botschaften entwickelten sich aus seiner ihn selbst beruhigenden Angewohnheit, das Papier zum Nachdenken zu nutzen. Der einzige Unterschied war, dass er nun ein Publikum hatte für seine Kreativität und sein Schreiben.
Schließlich lag ihm sehr daran, eine stärkere Verbindung zu Theo und mir aufzubauen, als er sie zu seinem eigenen Vater gehabt hatte. Er hatte das Gefühl, dass ihm schwerfiel, mit uns zu sprechen (Unterhalten kann ich mich nicht so gut, ist euch das schon mal aufgefallen?), aber als jemand, der vor Gedanken und Gefühlen übersprudelte, wollte er beides erforschen und mit seinen Kindern teilen. Er fragte sich: Worauf reagierten wir am ehesten? Was war zu viel? Was nicht genug? Das Letzte, was er wollte, war, durch eine Mauer von uns getrennt zu sein, wie er es bei seinem eigenen Vater empfunden hatte. Er wollte uns mit Worten wissen lassen, wer er war, als Mensch und als unser Vater.

Bob, Gloria, Joanna, Theo und ihr Hund Sunny in Mount Desert Island, Maine. Handkolorierte Urlaubskarte 1998
Wenn wir von der Schule nach Hause kamen, lagen seine Botschaften zerknittert in unseren Brotdosen, Rucksäcken oder Hosentaschen, aber irgendwie gelang es meiner Mutter – die auch Englischarbeiten, Physiktests und Kunstprojekte rettete –, die Nachrichten an sich zu nehmen und in Schubladen und Schuhkartons zu verwahren. Sie las sie nie – es sei denn, sie fand eine, die sich nach einer Runde in der Waschmaschine praktisch aufgelöst hatte. »Sie waren ja nicht für mich«, sagt sie immer.
Ich erinnere mich: Als ich meine College-Bewerbungen schrieb, schlug mir einer meiner Lehrer vor, eine persönliche Stellungnahme über diese kleinen Botschaften meines Vaters zu schreiben. Ich lehnte die Idee rigoros ab, und meine Rosazea zeigte sich in ihrer ganzen Pracht, weil ein anderer Erwachsener dieses Detail über meine Familie ansprach. Was sollte ich denn dazu bitte sagen, fragte ich mich.
Auch meine Freunde zeigten zunehmend Interesse an den Briefchen und fragten manchmal, ob sie neben mir sitzen dürften, wenn ich sie öffnete (für sie war es vielleicht damals schon etwas Besonderes). Ich dachte nicht viel darüber nach, was aus den Nachrichten wurde, wenn ich sie erst einmal gelesen hatte, aber verlieren wollte ich trotzdem keine. Ich fand es furchtbar, wenn eine in der Waschmaschine landete, weil ich sie nicht aus meiner Jeans genommen hatte, und ich weiß noch genau, wie schuldig ich mich fühlte, wenn die Stunden so schnell verflogen waren, dass ich nach Hause kam, ohne die Nachricht gelesen zu haben. Ich erinnere mich, dass ich dann das Dreieck schnell auseinanderfaltete, ehe jemand mitbekam, was ich tat – als sähe mir jemand zu –, und das Blatt etwas zerknitterte, damit es auch wie gelesen aussah.
Die Gelegenheit, meine College-Bewerbung über diese Botschaften zu schreiben, habe ich nicht genutzt, aber vielleicht war das auch gut so. Es war schwer, den Wert dieser Briefchen zu sehen und zu begreifen, während ich so nah dran war – denn solange es sie gab, war das meine Version von Normalität. War das Ritual meines Vaters das Schreiben, war meins das Lesen. Ich erwartete einen Brief, und diese Erwartung wurde immer erfüllt.
Jetzt, zehn Jahre nachdem 2009 die letzte Botschaft an Theo verfasst wurde, habe ich sämtliche verbliebenen 3514 Nachrichten auseinandergefaltet und gelesen.
In mancher Hinsicht habe ich die Nachrichten jetzt ganz neu erfahren und Lektionen entdeckt, die inzwischen noch viel wahrer klingen als in den Ohren einer, sagen wir, Dreizehnjährigen. Nachdem ich alle Botschaften angesehen habe, eine nach der anderen, war ich erstaunt, entzückt und inspiriert von dem, was zusammengefaltet in diesen kleinen Papierchen steckte und nur darauf wartete, noch einmal gelesen zu werden.
Dass die Botschaften noch einmal jemand lesen würde, war allerdings nicht die Absicht meines Vaters gewesen. Sie waren ein Geschenk für den Moment, ein Nachsinnen über den bevorstehenden Tag, über etwas, das uns in dem Alter, in dem wir gerade waren, beschäftigte und das wir dann mitnehmen konnten, immer in dem Wissen, dass noch weitere Briefe kommen würden. Wir erwarteten die kleinen Botschaften, aber mein Vater erwartete nicht, dass sie auch wieder mit nach Hause kämen. Doch viele taten das. Meine Mutter rettete sie, ohne das an die große Glocke zu hängen oder es uns gegenüber besonders zu erwähnen, weil sie davon ausging, dass wir eines Tages wertschätzen könnten, was auf diesen Blättern stand. Ich musste erst älter werden, um ihren tieferen Wert wirklich würdigen zu können.
Allen Nachrichten gemeinsam ist die »schlichte Schönheit« – es sind ungeschminkte, unbearbeitete menschliche Äußerungen, die von dem unermüdlichen Versuch meines Vaters zeugen, dafür zu sorgen, dass wir das tägliche Schöne nicht für selbstverständlich hielten.