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Das Leben hält eben so manche Überraschung bereit und nichts scheint unmöglich zu sein. Nach der Veröffentlichung meines ersten Buches „Geschichten über Herbert, Hubert und andere Zeitgenossen“ gibt es noch immer einiges über sie zu erzählen. Da sind zum einen Herberts Streiche, die er als junger Mann seinen Arbeitskollegen spielte; natürlich immer aus höheren Beweggründen heraus. Auch die Geschichten, wie die Tierfreundin Hilde ihre Liebe zu Waschbären entdeckte oder wie Herbert und Hubert die Retter in der Not sind, waren noch nicht erzählt. Jetzt erfährt man auch endlich, wie Heiner zu seinem Schneeschieber kam oder was er in einer Harzer Kneipe am Fuße des Brockens erlebte. Hubert begegnet uns in seiner Paraderolle als Weihnachtsmann und als furchtbar armer Pechvogel. Viele der Geschichten werden für so manchen einen Wiedererkennungswert haben. In 14 Episoden erfahren Sie neues über Herbert, Hubert und die anderen Zeitgenossen, wie Heiner, den Globetrotter, oder Heinz, den Angler.

Schlagworte

Geschichten, Erzählungen, Alltagsgeschichten, Anekdoten,

Familiengeschichten

Impressum

© Regina Oversberg, Bad Dürrenberg, 2015 – Umschlag- und Titelgestaltung: Pierre Kynast – Titelbild: Regina Oversberg

Erste Ausgabe © pkp Verlag, Pierre Kynast, Leuna, November 2015 – Internet: http://www.pkp-verlag.de – Herstellung und Vertrieb: Books on Demand GmbH, Norderstedt – Taschenbuch: ISBN 978-3-943519-20-4 – E-Book: ISBN 978-3-943519-21-1

Inhalt

  1. Der Blindgänger
  2. Der Schneeschieber
  3. Hilde auf Abwegen
  4. Herbert und Hubert als Retter in der Not
  5. Der modebewusste Hund
  6. Hildes große Überraschung
  7. Heiners und Hannis Zeitreise
  8. Hubert als Weihnachtsmann
  9. Hubert, der Pechvogel
  10. Schreck in der Morgenstunde
  11. Die Sache mit dem Marmortisch
  12. Wasser marsch!
  13. Herberts Mallorca - Reise
  14. Alles war Schweigen

1.

Der Blindgänger

Dass der Meister ihn zum Grabenschachten auserkoren hatte, machte Herbert schon recht verdrießlich, denn das bedeutete schwere Arbeit und Bezahlung nach dem spärlichen Stundenlohn. Umso mehr fühlte sich Herbert angespornt, die ungeliebte Aufgabe so schnell wie möglich zu bewerkstelligen und genau damit hatte sein Meister gerechnet. Während sich Herbert in der Hitze des Sommertages verzweifelt gegen das Erdreich abrackerte, sah sein Vorgesetzter immer wieder mal kurz vorbei, um sich vom Fortschritt der Arbeit zu überzeugen. Herberts Verdrießlichkeit schlug deshalb nun nach und nach in stille Wut um und so fasste er einen Beschluss: „Der Meister war mal wieder fällig!“ Nichtsdestoweniger waren in dem Graben die Möglichkeiten zur Rache sehr begrenzt. Da fiel Herberts Blick auf einen in der Nähe befindlichen Schrotthaufen. In einem geeigneten Moment, also zwischen zwei meisterlichen Inspektionen, huschte Herbert aus dem Graben und besorgte sich aus dem Altmetall ein etwas größeres, flaches, aber vor allem rundes Blechstück. Das presste er in die Seitenwand des Grabens hinein und wartete, bereits innerlich feixend, auf seine Chance. Nicht lange darauf stand sein Vorgesetzter wieder prüfend am Grabenrand. Nun nahm sich Herbert Zeit, ließ sich auf ein Gespräch ein und zeigte dabei eher beiläufig auf das Blechstück in der Grabenwand mit der Frage: „Was könnte das hier wohl sein?“ Der Meister betrachte den Gegenstand, verlor schlagartig etwas von seiner rosa Gesichtsfarbe und erklärte forsch: „Da muss ich sofort Meldung machen! Das könnte ein Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg sein!“ Skeptisch richtete sich Herberts Blick wieder auf das rostige Etwas. „Wozu Meldung, das kriegen wir auch selber raus.“, und schlug im selben Moment mit seiner Spitzhacke zu. Das war nun eindeutig zu viel für die Nerven des Vorgesetzten! Mit einem einzigen Satz schmiss er sich krachend auf den Boden, die Arme schützend um den Kopf gelegt und erwartete in jedem Moment eine gewaltige Detonation. Doch stattdessen folgte auf Herberts Hieb nur ein schepperndes Klappern im Graben. Vorsichtig und leichenblass hob der Meister wieder seinen Kopf, stierte fassungslos auf das runde Metall und dann wieder zu Herbert. Langsam dämmerte es ihm, dass diese „Bombe“ nicht auf das Konto der angloamerikanischen Flieger ging, sondern nur von Herbert stammen konnte. „Du elender Hund!“, schimpfte der Meister, stand mit einem Schwall an bösen Flüchen wieder auf und verzog sich für den Rest des Tages in sein stilles Kabuff. Erst am nächsten Tag konnte er mit den anderen über Herberts üblen Scherz lachen

2.

Der Schneeschieber

Heiner gehört zu Herberts ältesten Freunden. So manche Fete, so manches Billardspiel haben beide zusammen verbracht. Doch seit zwei Jahren macht sich Heiner rarer, denn Heiner gehört zu den junggebliebenen Alten, die ihr Rentnerdasein auf Luxusreisen genießen wollen. Nach einer zünftigen Abschiedsparty, die zufällig mit Hannis 65. Geburtstag zusammenfiel, packten beide ihre Koffer und nahmen ihre erste große Weltreise in Angriff. Drei Monate schipperten sie an antiken Stätten vorbei, drei Monate genossen sie Sonne und azurblaues Wasser und nur ab und zu sendeten sie ein Lebenszeichen per Mail an die Freunde im kalten Deutschland. Als sie schließlich braungebrannt und bestens erholt zurückkamen, wirkten sie wie superreiche Südeuropäer, denen nur noch die fingerdicken goldenen Ketten um den Hals fehlten.

Angekommen auf dem Flughafen wurden sie von ersten zarten, vereinzelten Schneeflocken, die aus dem nachtschwarzen Himmel sporadisch fielen, auf heimatlicher Erde verträumt begrüßt. Herberts Begrüßung fiel dagegen eher unterkühlt aus, da er bereits seit zwei Stunden auf die Ankunft des verspäteten Fliegers gewartet hatte, in dieser Zeit die Tages-Zeitung mehrfach gründlich studiert und zwischendurch den Himmel immer wieder prüfend beobachtet hatte. Immerhin erhörte der Himmel sein Flehen und sie kamen ohne Probleme zu Hause an. Als Herbert schließlich sein Garagentor schloss, warf er einen letzten Blick nach oben, um mit der Erfahrung eines alten Schneekenners festzustellen: „Morgen früh muss ich den ersten Schnee schieben!“ Auch Heiner und Hanni schwante in dieser Nacht nichts Gutes und auch sie wurden in ihren Vorahnungen bestätigt. Die Landschaft glitzerte am Morgen durch Millionen und Abermillionen zerbrechlicher Schneekristalle, die der Kälte des Wintermorgens ihre Existenz verdankten. „Kaum zu Haus angekommen, müssen wir uns schon wieder mit Schneeschieben beschäftigen!“, stöhnte Hanni auf. „Macht nichts“, meinte Heiner, „nach so viel Ruhe tut mir das bisschen Schneeschieben mal wieder ganz gut!“ Heiner stapfte zu seiner Garage, holte seinen guten alten Schneeschieber und begann mit dem Werk. Sein Grundstück ist großzügig angelegt, mit einer langen, breiten Auffahrt und einen ebenso langen Fußweg davor. Natürlich ist Heiner noch fit, sportlich geübt, aber trotzdem doch 70 Jahre alt. Er wollte es sich nicht eingestehen, doch die ungewohnte Arbeit strengte ihn schon sehr an. So kam