
Die Personen und die Handlung sind frei erfunden.
Es ist ein Roman.
Die Familie und der Freundeskreis von Bruno Wiallas werden in seinem ersten Fall: „Nicht jeder Tote ist friedlich gestorben“ ISBN 978-3-945833-90-2 vorgestellt.
Warum „unsere Tatjana“ zur Familie Wiallas gehört, erfährt der Leser in: „Maria und Siegfried“, ISBN 978-3-7103-4122-9.
Ein besonderer Dank gilt Eva-Maria für die streitbaren Gespräche vor dem Monitor.
Über den Autor:
Der Autor wurde 1955 in Sondershausen/Thür. geboren. Kindheit und Jugend in Berlin und Weimar. Studium der Wasserwirtschaft in Magdeburg und der Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin. Antiquar, Projektmanager in der IT-Branche und seit 2002 Forschungen und Publikationen zur Kulturpolitik in der Preußischen Provinz Sachsen, dem ersten Land Sachsen-Anhalt, und im Bezirk Halle.
Teilzeittätigkeiten als Kurierfahrer und Wachmann.
2013 Promotion zum Doktor der Philosophie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Damaskus auf Rügen
Damaskus auf Rügen
Roman
© 2019 Kurt-Uwe Baldzuhn
Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg ISBN
Paperback 978-3-7497-9141-5
Hardcover 978-3-7497-9142-2
e-Book 978-3-7497-9143-9
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt.
Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Prolog
Freitag, 26. März
Für die Neutralisierung braucht Gerd Cords 135 Sekunden.
Der kleine Blonde, der direkt vor ihm mit einem Messer herumfuchtelt, beansprucht ein Viertel der Zeit. Nach dem Stockschlag lässt er das Messer fallen und kann sich gegen den Tritt in seine Hoden nicht wehren. Schreiend und humpelnd verlässt er den Laden.
Das irritiert den Schwarzhaarigen, der in der nordwestlichen Ecke der oberen Ladenhälfte steht. In der rechten Hand hält er ein Messer vor das Gesicht des dort sitzenden älteren Mannes, mit der anderen Hand hat er gerade der links daneben sitzenden Frau den Hijab vom Kopf gerissen.
Nun dreht er sich zu Gerd um.
Er muss zwei Stufen zur unteren Ladenhälfte herunter, um das Messer einsetzen zu können. Er wird aufgehalten. Gerd schleudert ihm einen großen Locher entgegen. Das Geschoß bricht dem Schwarzhaarigen das Nasenbein und extrahiert unqualifiziert den zweiten Zahn im ersten Quadranten. Ob des plötzlichen Schmerzes muss der Mann das Messer fallen lassen und hält sich die Hände vors Gesicht. Weil er deshalb nichts mehr sieht, verpasst er die letzte Stufe und fällt in die untere Ladenhälfte. Stöhnend und blutend rappelt er sich auf und rennt an Gerd vorbei aus dem Laden.
Als Gerd den Laden betrat, stand eine junge Frau in der oberen rechten Ecke des Ladens und hielt ein Smartphone zum filmen hoch. Der Ausfall ihrer Komplizen hat ihr offensichtlich die Sprache verschlagen, macht sie aber nicht bewegungsunfähig.
Als Gerd die beiden Stufen überwindet, quasi im Flug, da er mit seinen Stock Schwung holt, nestelt sie in ihrer Ledertasche und holt eine Pistole heraus. Allerdings mit links, denn in der rechten Hand hält sie noch immer ihr Handy hoch.
In den Sekunden, die sie braucht, um zu entscheiden, welches Gerät in welcher Hand besser aufgehoben ist, drückt Gerd ihr den Gummipfropfen des Stockes an die Kehle.
Ihre Augen weiten sich, sie verströmt den Geruch der Angst.
„Gib mir die Pistole“, sagt Gerd sehr ruhig.
Nichts.
Gerd verstärkt den Druck auf den Hals.
Jetzt bewegt sie sich. Sie legt das Smartphone auf den Tisch und dreht die linke Hand leicht nach außen. Gerd wechselt den Stock in die andere Hand und nimmt mit der rechten die Pistole entgegen. Er geht einen Schritt zur Seite und bedeutet der Frau in Richtung der unteren Ladenhälfte zu gehen. Als sie an ihm vorbei geht, hebt er den Stock, kann ihn aber nicht einsetzen, denn plötzlich kippt der alte Mann von seinem Stuhl. Dadurch wird Gerd kurz abgelenkt und die junge Frau nutzt die Chance, um aus dem Laden zu flüchten.
Drinnen herrscht helle Aufregung.
Im Durchgang zu den hinteren Räumen steht die Angestellte. Sie ist kreideweiß, stöhnt und lehnt sich an den Türrahmen. Ihre Hände halten zitternd ein Telefon.
Über den liegenden Mann beugen sich zwei, laut „Baba“ schreiende, arabische Frauen. Sie haben ihre ursprünglichen Plätze verlassen und geben so Gerd den Blick auf einen kleinen Jungen frei, der ohne einen Laut von sich zu geben, in der Lücke zwischen zwei Kopierern steht. Er verdeckt mit seinem Körper ein kleines Mädchen, das ebenfalls in der Lücke hockt.
Gerd kann nur ihre Schuhe und die Pfütze sehen, die sich langsam zwischen den Füßen bildet.
Die Frau im Durchgang stöhnt und sackt zusammen. Ihr Smartphone poltert auf den Boden, die arabischen Frauen schreien vor Schreck noch lauter.
„Wie ist dein Name, Junge?“
Schlagartig ist es still.
Die beiden arabischen Frauen, die am leblosen Körper des alten Mannes nesteln, heben ihre Köpfe und sehen Gerd erstaunt an.
Er hat Arabisch gesprochen und macht auch gleich weiter.
„Dein Name, Junge, schnell!“
„Mustafa. Onkel, du sprichst unsere Sprache. Warum?“
„Das erkläre ich dir später.“
Gerd zeigt auf das Telefon am Boden.
„Du hast gesehen, dass ich mich nicht bücken kann. Heb es auf und gib es mir bitte. Schnell.“
Mustafa gehorcht.
Gerd legt seinen Stock auf den Tisch und wählt den Notruf. Dann greift er in das Regal mit den Büroartikeln, entnimmt ihm drei Einsteckfolien und einen Filzstift. Aus seiner Jacke holt er ein Papiertaschentuch, das er Mustafa gibt.
„Heb damit vorsichtig die Messer auf und steck sie getrennt in eine Folie.“
Mustafa gehorcht ohne Worte, Gerd beschriftet die Behelfstüten mit, „Blond, männlich“ und „Schwarzhaarig, männlich.“
Die Stadt ist groß, es ist Freitagnachmittag und es gibt viele Baustellen. Der erste Rettungstransportwagen braucht 18 Minuten, der Notarzt 19, der zweite RTW, 20 Minuten und der erste Streifenwagen fast eine halbe Stunde.
Bevor das Blaulicht von Polizei und Notarzt sich im Schaufenster spiegelt, hat Gerd Cords ein Gerät aus seinem Rucksack genommen und es mit einem der Computer verbunden. Dasselbe hat er mit dem Smartphone der geflüchteten jungen Frau gemacht. Dann steckt er es in die Plastikhülle „Frau mit braunen Haaren“ und legt ihre Pistole dazu.
Als die Polizisten den Laden betreten, sehen sie einen älteren, grauhaarigen Deutschen, der auf einem Stuhl sitzt, seinen Stock zwischen den Knien hält und sie freundlich begrüßt.
Sie sehen einen kleinen Jungen, der neben dem grauhaarigen Deutschen steht und sie interessiert beobachtet. Und sie sehen ein kleines Mädchen, das in einer Lücke zwischen den Kopierern hockt und sich die Hände vor das Gesicht hält. Mit gespreizten Fingern, damit sie etwas sehen kann.
Sie sehen zwei arabische Frauen, die sich, auf Stühlen sitzend, aneinander klammern.
Sie sehen den Notarzt, der sich um einen liegenden Mann bemüht. Und sie sehen zwei Rettungssanitäter, die sich um eine stöhnende deutsche Frau kümmern. Der Arzt und die Rettungssanitäter lösen ihre Aufgabe routiniert, die Polizisten brauchen eine Weile, bis sie die Lage überblicken.
Einhundert Kilometer vom Copy-Shop entfernt, aber zur selben Zeit, liegt Bruno Wiallas auf dem Sofa seines Arbeitszimmers und liest. Das darf er.
Er muss nicht mehr arbeiten. Zumindest nicht fremdbestimmt. Ihm gehören sechzig Prozent der „Wiallas-Ermittlungen“, einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Die floriert. Das operative Geschäft hat er vor vier Jahren abgegeben. Ein bis dreimal im Jahr übernimmt er einen Fall komplett oder wird in einen besonderen Fall involviert. Deshalb hat er Zeit zum Lesen.
Niemand stört.
Seine Frau Ulrike und die schul- oder kindergartenpflichtigen Kinder sind außer Haus. Nur Kater Moses leistet seinem Herrn Gesellschaft. Er hat es sich auf Brunos Bauch bequem gemacht.
Bruno liest einen Roman. Das ist Unterhaltung und andererseits Arbeit. Denn Bruno schreibt selbst. Vor sieben Jahren hat er gemeinsam mit seiner damaligen Frau einen Spionagethriller veröffentlicht, der sich in Deutschland, Polen und der Ukraine gut verkaufte. Vor sechs Jahren starb Danuta plötzlich. Als spezielle Form der Trauerarbeit vollendete Bruno den noch gemeinsam begonnen zweiten Roman. Nun sitzt er an einem neuen Manuskript.
Das Buch, das er jetzt in den Händen hält, ist ein Zufallskauf. Beim Stromern durch die Buchhandlung fiel ihm der Name des Verfassers auf. Der klingt altertümlich und vertraut. Wer heißt heute schon „Fritz Grossansky“? Bruno kaufte das Buch und spannte die Firma ein. Trotz aller Bemühungen ist das Ergebnis mager. Der Verlag weiß nicht mehr, als das „Fritz Grossansky“ ein Pseudonym ist. Auf dem Buchcover sind ein Phantombild zu sehen und der Hinweis, dass der Autor ein Deutscher ist.
Bruno ist erst auf Seite Vierzig, aber mitten im Geschehen. In „Mond über Dimachq“ rettet der Held arrogante, ignorante oder auch nur naive Westeuropäer vor den Gefahren, die sie in einer sunnitischen, schiitischen, drusischen, alawitischen und christlichen Gesellschaft erwarten, die zu dem noch in rivalisierende Familienstämme gespalten ist.
Jetzt aber muss Bruno das Buch weglegen.
Der Autor beschreibt, wie der Held eine Frau kennen- und lieben lernt. Das erinnert Bruno an seine Begegnung mit Danuta. Die polnische Historikerin brachte ihre Tochter Ewa mit in die Ehe und wurde die Mutter der Zwillinge Woijtek und Babara.
Bruno braucht frische Luft, sonst erdrückt ihn die Erinnerung.
Er fährt mit dem Aufzug nach unten und stromert eine Stunde über die Schlossinsel.
Während des Spaziergangs entwirft er einen Brief an den Autor, einen sehr persönlichen Brief und hofft, dass der Verlag ihn wirklich weiterleitet.
Es ist immer noch Freitag, der 26. März.
Baysan zieht ihre Kapuze über den Kopf und öffnet die Tür zum Schulhof. Es ist frisch und es nieselt.
Ihr war schon im Klassenraum kalt. Die Heizung des altehrwürdigen Gebäudes wurde zwar 1991 von Siebkohle auf Gas umgestellt, aber das ist nun auch schon dreißig Jahre her. In den Sommerferien soll sie erneuert werden.
Für Baysan ist die Schulwoche zu Ende. Die letzte Stunde ist Sport, davon ist sie befreit. Sie geht über den Schulhof und blickt sich noch mal um. Rechts oben sitzt die 12B und hat Mathematik bei Herrn Doktor Helmut Teutschler, Direktor und größtes Arschloch der Schule. Direktor ist er von Amtswegen und die Charakteristik findet sich in einem geschützten Chat, der von aktiven und ehemaligen Schülern betrieben wird. Baysan ist das aber inzwischen egal. Ihr Blick geht nach oben, weil dort Johannes Wetzburg sitzt. Er ist der Hauptgrund, warum sie noch an dieser Schule ist.
Sie denkt zurück.
Als sie im letzten August die Schule betritt, ist alles neu. Das Land, ihre Mitschüler und die Lehrer. Ihre Klassen- und Deutschlehrerin stellt sie der Klasse vor und wird gleich unterbrochen.
„Noch so ein Kopftuchmädchen, ich fasse es nicht. Ich mag kein Döner!“, ruft ein blonder Junge von der letzten Bankreihe.
Die Schüler kichern, senken den Kopf oder zischen.
„Harald, sei still. Ich….“
Weiter kommt die Lehrerin nicht. Baysan tippt ihr an den Oberarm. „Lassen Sie. Ich mach das selbst.“
Sie geht auf die hintere Bankreihe zu und nestelt dabei an ihrem Kopftuch. Dann stellt sie sich so vor die beiden Jungs, das ihre linke Kopfseite zu ihnen zeigt und lüftet das Tuch etwas.
„Das ist kein Hijab, den ich aus religiösen Gründen trage, sondern ein Kopftuch, das ich aus ästhetischen Gründen benutze. Oder wollt ihr die Spuren eines Projektils, das mir das Ohr abgerissen hat, jeden Tag sehen? Ich hoffe, ihr habt gut gefrühstückt. Ihr werdet ja so blass, kotzt mir hier bloß nicht auf die Schuhe.“
Baysan bindet ihr Tuch wieder zu und lehnt sich an die Wand. Alle Schüler haben sich umgedreht.
Der Blonde steht auf und rennt aus der Klasse. Er hält sich den Mund zu. Sein Banknachbar ist immer noch kreidebleich, bleibt aber sitzen.
Die Lehrerin schließt die Tür hinter ihrem Schüler und macht Baysan ein Zeichen. Die nickt und sieht ihre Mitschüler an.
„Ich heiße Baysan Christin Cords, werde im November achtzehn und komme aus Genf.“
In der Klasse wird gemurmelt.
„Da habe ich aber nur zwei Jahre gelebt. Geboren und getauft wurde ich in Dimachq, auf Deutsch: Damaskus. Mein Vater ist Deutscher, mein Mutter war Syrerin.“ Sie holt tief Luft und senkt den Kopf. „An dem Tag, an dem ich mein Ohr verlor, starben auch meine Mutter und mein Bruder. Mein Vater wurde schwer verwundet. Wir leben seit drei Monaten hier in der Stadt.“
In der Klasse ist es ganz still.
Baysan wartet einige Sekunden, hebt wieder den Kopf und macht weiter.
„In Dimachq bin ich acht Jahre zur Schule gegangen, dann habe ich nur Privatunterricht gehabt, immer zwischen den Operationen. Das letzte Jahr war ich auf einer Genfer Privatschule.“
Baysan geht wieder nach vorne und setzt sich auf einen freien Platz, ganz links am Fenster. Als sie sitzt, streckt ihre Banknachbarin die Hand aus.
„Ich bin Barbara Wetzburg, Willkommen.“
Nachdem die beiden Mädchen sich begrüßt haben übernimmt die Lehrerin wieder das Zepter. „Die Schulkonferenz war sich bei Baysan nicht einig, der Direktor hat dann festgelegt, dass sie zu uns in die Zehn A kommt.“ Dann lächelt sie. „Es ist vielleicht gut, dass eine erwachsene und welterfahrene junge Dame in euren Hühnerhaufen kommt.“
In der Klasse wird gelacht und das lockert die Stimmung deutlich auf. Das erlaubt dem Blonden mit der Dönerallergie unauffällig auf seinen Platz zu kommen. Den Rest der Stunde braucht die Klassenlehrerin für Organisatorisches.
Die folgende Pause ist nur fünf Minuten lang.
Noch vor dem Klingelton betritt eine Frau, so um die Fünfzig, die Klasse. Sie hat ein grellbuntes Kleid an, das ihrem beachtlichen Körper genügend Raum bietet. Es klingelt und die Lehrerin redet sofort los. Auf Englisch.
Nach fünf Minuten stöhnt die Klasse. Ein Drittel beherrscht die fremde Sprache insoweit, das sie den Sinn der Rede begreifen. Die anderen stöhnen, weil sie nichts kapieren.
Einzig Baysan lächelt.
Das irritiert die Lehrerin.
Sie unterbricht ihren Redeschwall, schaut auf das Blatt, das auf dem Tisch liegt, wendet sich nach rechts und spricht zum ersten Mal deutsch.
„Du musst Baysan aus Syrien sein. Verstehst Du überhaupt, was ich sage?“
„Of course, why not?“
Die Angesprochene lächelt noch immer und übersetzt für die die anderen gleich selbst.
„Warum sollte ich nicht?“
Die Lehrerin nimmt sich das Blatt, setzt ihre Brille auf und liest den Text noch einmal. Dann redet sie auf Englisch weiter.
„Nun. Hier steht, das du erst vor drei Monaten aus Syrien gekommen bist. Wieso kannst du Deutsch und wohl auch Englisch?“
Baysan sieht der Lehrerin direkt in die Augen, nimmt keine Rücksicht auf ihre Mitschüler und erklärt auf Arabisch:
„Seit meinem zweiten Lebensjahr rede ich mit meinem Vater Deutsch und mit meiner Mutter syrisches Arabisch. Mit sechs kam ich in die Schule und dort gehörte ab der ersten Klasse Englisch und Hocharabisch zum Stundenplan. An dieser Schule war meine Mutter Lehrerin für Französisch und Biologie, also lernte ich Französisch quasi am Küchentisch. Da mein Vater beruflich mit Russen zu tun hatte, war diese Sprache auch präsent und Kinder lernen schnell. Meine Heimat habe ich vor zwei Jahren verlassen und wir sind gerade aus Genf gekommen. Das Zeugnis der ‚ecole priveé Florant Geneve‘ muss im Sekretariat liegen. Es ist aber leider nur in Englisch und Französisch, das können wohl nicht alle lesen.“
Es ist mucksmäuschenstill in der Klasse. Alle beobachten Baysan und der Lehrerin. Die steht völlig starr.
Dafür bewegt sich Baysan.
Sie steht auf, dreht sich zur Klasse und redet auf Deutsch.
„Ich denke, dass der Geburtsort oder die Dauer meines Hierseins keine Aussage über meine Sprachkompetenz zulassen. Ich habe unserer neuen Englischlehrerin eben gesagt, das ich Englisch, Französisch, Russisch und natürlich Arabisch spreche.“
Baysan strafft sich und legt die Hand an das Kopftuch.
„So, da nun mein Kopftuch und meine Herkunft geklärt sind, noch zwei Sachen. Auch für die billigen Plätze dahinten: Ich bin seit meiner Geburt deutsche Staatsbürgerin, verstanden?“
Sie hebt ihren linken Arm. Unter dem Pullover ist in Höhe des Unterarms eine Schiene zu erkennen.
„Das ist ein Schutzmantel. Darunter wächst mein neues Ohr. Ich muss es schützen, also achtet auch ihr bitte darauf. In den Winterferien werde ich noch mal operiert. Hoffentlich das letzte Mal. Nun bitte ich darum, das wir endlich mit dem Unterricht anfangen.“
Sie spricht nun Englisch.
„Das Einzige vor dem ich Angst habe, ist Mathematik.“
Sie setzt sich und aus der Klasse kommt es vereinzelt: „Wir auch.“
Die Lehrerin kann sich wieder bewegen.
Sie geht auf Baysan zu, streckt die Hand aus und spricht Deutsch.
„Ich muss Dich um Entschuldigung bitten. Ich bin neu hier und habe nur diese Information da.“ Sie zeigt auf das Blatt Papier.
„Nimmst Du an?“
Baysan steht auf und gibt der Lehrerin die Hand. Die lächelt nun und wendet sich der Klasse zu.
Montags ist Englisch eine Doppelstunde und dann ist große Pause. Natürlich wird Baysan von allen Mädchen und ein paar Jungs umringt. Da sie drei Jahre älter und demzufolge auch größer ist, sieht das wie ein Hofstaat aus.
Auch im Lehrerzimmer muss es wohl klärende Worte gegeben haben, denn die folgenden Stunden in Geographie und Physik verlaufen ohne Anspielung.
Schlimmer war der zweite Schultag.
Dr. phil. Helmut Teutschler teilt seine Schüler und damit seine Welt, in vier Gruppen ein.
Ganz oben stehen Deutsche, die die Trigonometrie beherrschen. Dann kommen Deutsche, die zumindest das große Einmaleins können. Die dritte Gruppe ignoriert er völlig. Das sind Deutsche, die mit dem Handy multiplizieren. Die vierte Gruppe hasst er. Das sind Ausländer und die können seiner Meinung nach, nur im Sommer, das heißt mit Sandalen, bis Zwanzig rechnen.
Erschwerend kommt hinzu, dass Herr Teutschler seit seinem Studium Deutschland nicht mehr verlassen hat und seine Fremdsprachenkenntnisse völlig verkümmert sind. Als Baysan angemeldet wurde, ließ er sich das letzte Zeugnis übersetzen und fand sein Vorurteil bestätigt. Bei Mathematik stand ein „Genügend“.
So vorbereitet ging er in die Zehn A und ließ seinem Frust freien Lauf.
Baysan heulte zehn Minuten auf dem Klo.
Nach drei Wochen erklärte sie ihrem Vater, dass sie doch lieber auf eine Internatsschule gehen wolle. Der verstand sie und horchte sich um. Ein Termin für die Besichtigung der Internationalen Schule in Freyburg stand schon fest, da erklärte seine Tochter: „Ich bleibe doch und ich möchte dir Johannes vorstellen.“
Der junge Mann kam und die Sache klärt sich auf.
Seine Schwester sitzt neben Baysan und erzählte zu Hause begeisternd von ihr. Das fiel auf fruchtbaren Boden, denn die Wetzburgs sind seit sechs Generationen mit dem Orient verbunden. Der erste mit dem Vornamen Johannes war bis 1861 preußischer Konsul in Syrien. Sein Sohn begrüßte am 3. November 1898 Kaiser Wilhelm II. in Damaskus. Dann folgten Universitätsprofessoren und Diplomaten, die ihren jeweiligen Landesherren dienten.
So wie der Vater von Johannes. Der war der letzte Botschafter der DDR in Kairo.
Der jüngste Wetzburg sprach Baysan am nächsten Tag auf dem Schulhof an.
„Ich bin Johannes Wetzburg. Meine Schwester hat mir von Dir erzählt. Ich möchte dir einen Handel vorschlagen. Du bringst mir Arabisch bei und ich helfe Dir in Mathe.“
Baysan konnte nur „Ja“ sagen.
Erstens hatten achthundert Schüler gesehen, wie der große, blonde, gutaussehende und immer exzellent angezogene Johannes Wetzburg quer über den Schulhof zu den „Kleinen“ ging und zweitens hatte sie sich genauso den Mann ihrer Träume vorgestellt.
Ihr Handelsabkommen hielt bis zu den Herbstferien. Dann küsste sie ihn und Weihnachten saß sie gemeinsam mit ihrem Vater bei den Wetzburgs beim Gänsebraten. Die beiden Väter verstanden sich blendend. Die Teenies sowieso.
Baysan schüttelt sich und kehrt in die Gegenwart zurück.
Am Schultor steht zwar der Van, aber nicht ihr Vater sondern Hassan steht am Tor. Der hat in Wirklichkeit einen kurdischen Vornamen, den aber nur wenige Deutsche unfallfrei aussprechen können. Er ist Fahrer, Hausmeister und der „Gute Geist“ im Haus der Familie Cords. Als er Baysan erblickt, hebt er sein Handy hoch, winkt mit der rechten Hand und ruft: „Schnell, komm. Mach dein Gerät an. Dein Vater.“
Baysan schießt das Blut in den Kopf, sie hält ihre Hand an die linke Kopfseite, die Schmerzen kommen wieder.
„Was ist mit Baba? Was ist passiert?“
Bis zum Van hat sie ihr Smartphone aktiviert und findet zwei Nachrichten ihres Vaters. Die liest sie erst, als sie im Wagen sitzt. Hassan fährt los und schweigt. Er hat dieselben Nachrichten bekommen.
Baysan sieht sich den viereinhalb Minuten langen Film an, den ihr Vater nicht nur ihr, sondern auch an fünfzig andere Leute gesendet hat. Die zweite Nachricht ist eine Folge von Befehlen.
Sie liest und beugt dann den Kopf zu Hassan.
„Hast Du das auch bekommen? Weiß deine Frau Bescheid?“
„Ja.“
„Gut. Ich schreibe jetzt Johannes. Wir haben noch eine halbe Stunde Zeit.“
Baysan tippt auf ihrem Smartphone herum und schließt dann die Augen. Diese Kopfschmerzen. Und der linke Unterarm juckt auch wieder. Die Operation wurde auf den Sommer verschoben, das erste Ohr war ein Fehlschlag. In der Wohnung packt sie die Sachen zusammen, die ihr Vater braucht.
Zwei Kopftücher, drei Regenschirme und ein Exemplar seines Buches. Dann fährt sie mit dem kleinen Aufzug eine Etage nach unten. Hier ist die Rezeption der Pflegestation, die die zweite Etage des Hauses einnimmt. Hassans Frau erwartet sie schon. Sie arbeitet hier als Pflegekraft und wohnt gleich im Nachbarhaus. Die beiden haben drei Kinder, das Jüngste ist Acht und ein Mädchen. Von ihr hat sie einen Schlüpfer, ein Unterhemd und eine Strumpfhose in eine Plastiktüte gesteckt. Die nimmt Baysan nun und fährt ins Erdgeschoss.
Das Haus wurde 2004 auf einem Eckgrundstück in einer innerstädtischen 30er Zone gebaut. Im Erdgeschoss der beiden Flügel sind Arztpraxen untergebracht. Eine Gynäkologin, ein Zahnarzt und eine Allgemeinmedizinerin. Alle sind deutsche Staatsbürger. Die Frauenärztin stammt aus Ägypten und lebt seit vierzig Jahren in Deutschland. Sie ist mit einem niedergelassenen deutschen Orthopäden verheiratet, ihre Kinder studieren schon.
Der Zahnarzt wurde vor vierzig Jahren in Tartus geboren und ist mit der neben ihm praktizierenden Allgemeinärztin verheiratet, die vor fünfunddreißig Jahren in Palästina geboren wurde. Sie haben zwei Kinder.
Die Praxen nutzen ein gemeinsames Foyer, das auch am Freitagmittag noch gut besetzt ist.
Baysan wartet hier auf Hassan, der ihren Freund von der Schule abholen sollte. Sie sind pünktlich. Johannes stellt seinen Schulrucksack hinter den Tresen, die Sprechstundenhilfen kennen ihn.
Die beiden jungen Leute gehen los. Bis zum Copy-Shop sind es fünf Minuten.
Als sie um die Ecke biegen muss Baysan schmunzeln.
Sie sieht ihren Vater in einem Polizeibus sitzen, die Schiebetür ist geöffnet. Neben ihm sitzt eine Frau, die sie kennt und draußen vor dem Wagen steht eine Mittdreißigerin, deren Pferdeschwanz hin und her pendelt, denn sie lacht lauthals. Genauso wie die anderen.
„Typisch Baba“, flüstert sie Johannes zu. Dann gehen sie auf den Bus zu.
In einem respektvollen Abstand stehen uniformierte Polizisten um den Wagen herum, von denen einige auf ihre Smartphone starren. Sie öffnen den Kreis auf Befehl der älteren Frau.
Gerd begrüßt seine Tochter und deren Freund.
„Da seid ihr ja. Danke, Baysan. Frau Ehrlich kennst du ja und das ist Kriminalkommissarin Wendland.“
Baysan gibt den beiden Frauen die Hand. Johannes schließt sich an und wird von Gerd gleich vorgestellt.
„Das ist Johannes Wetzburg. Ein aufsteigender Stern am Himmel der Orientwissenschaften. Wenn er das Abitur schafft und nicht vorher meine Tochter entführt und sie sieben Kinder kriegen. Aber die beiden passen zusammen. Meine Tochter kann zwar nicht besser rechnen, hat aber keine Angst mehr vor den Zahlen. Und für ihn gilt die alte Weisheit: Ein Europäer braucht zehn Jahre um Arabisch zu lernen. Mit einer arabischen Frau im Bett geht es schneller.“
Johannes lächelt tapfer, die Frauen lachen sehr laut. Die Kommissarin am hellsten.
„Baysan, geh bitte in den nächsten Bus, da sitzen sie. Das Buch kannst du mir gleich geben. Johannes, warte bitte hier.“
Das macht er gern, denn erstens kann er die Männer beobachten, die jetzt in ihren hellen Ganzkörperkondomen aus dem Laden kommen und zweitens sieht er auf dem Monitor, der im Bus hängt, einen spannenden Film.
Er kennt den Hauptdarsteller.
Ein älterer, schlanker und hochgewachsener Mann mit Stock und kurzen grauen Haaren, das ist Gerd Cords, betritt den Copy-Shop. Vor ihm steht ein kleiner Blonder, der in seiner rechten Hand ein Messer hält und damit den Mann bedroht.
„Hau ab Opa, hier ist geschlossen.“
In der nächsten Sekunde sieht Johannes zwei schnelle Bewegungen des alten Mannes und der Blonde fällt um. Man hört eine Frauenstimme rufen: „Reiner, was ist?“
Die Kamera schwenkt und erfasst zwei arabisch aussehende Frauen, alle mit offenen Haaren, und einen älteren arabischen Mann, der mit verzerrtem Gesicht am Tisch sitzt. Am Durchgang zu den hinteren Räumen steht die deutsche Angestellte des Copy-Shops, die völlig geschockt scheint. Vor ihr steht ein großer schwarzhaariger Mann, der sich jetzt zu Gerd umdreht. Er will auf ihn zugehen und kommt nicht weit. Etwas großes Schweres trifft ihn mitten ins Gesicht. Er kippt aus dem Bild. Sein Schreien ist laut zu hören. In der nächsten Sequenz kommt Gerd auf die Kamera zu, sein Stock ist zu sehen, dann wird das Bild dunkel. Aber der Film geht weiter. Nun ist das Ganze aus Gerds Perspektive zu sehen. Johannes macht den Mund auf, da erklärt die ältere Polizistin: „Der erste Teil stammt von der Frau, die geflohen ist. Den zweiten Teil hat Herr Cords mit seiner Kragenkamera aufgenommen. Er kann es nicht lassen….“
Johannes nickt und dreht sich um, denn Baysan hat gerufen.
Er soll in den anderen Polizeibus kommen. Dort sitzen die arabischen Frauen, nun wieder mit Hijab, und zwei Kinder. Ein Junge und ein Mädchen.
Baysan spricht arabisch mit ihnen, Johannes versteht, dass er gerade vorgestellt wird. Er legt die rechte Hand auf sein Herz und verbeugt sich leicht. Den Kindern gibt er die Hand. Seine Freundin erklärt ihm, dass sie jetzt alle in die Wohnung ihres Vaters gehen. Er spannt er einen Schirm auf, gibt Baysan den anderen und tritt einen Schritt zurück, damit alle aus dem Bus austeigen können. Eine der Frauen nimmt den Schirm von Baysan, die Kinder sollen rechts und links neben Johannes laufen. Sie führen die Karawane an.
Hinter den beiden Frauen gehen Vater und Tochter Cords.
Gerd hat sich bei seiner Tochter untergehakt, sie trägt dafür seinen Stock und er hält mit rechts den Regenschirm über sie.
„Baba, was war das denn wieder für eine Nummer? Und was ist mit dem Buch?“
Gerd grinst.
„Ich wollte die Korrekturexemplare vom zweiten Band abholen und komme mitten in einen Raubüberfall. Dachte ich zumindest am Anfang. Das das rassistisch war, habe ich erst mitbekommen, als die Anführerin was von ‚Deutschland‘ schrie. Naja. Ich habe das gemacht, was ich am besten kann. Ordnung.“
„Nein. Am besten kannst du schreiben. Hör auf ‚Wild-Ost‘ zu spielen, du wirst im November Achtundfünfzig.“
Baysan hebt den Stock hoch und zeigt nach vorne.
„Wer sind die vier eigentlich?“
Gerd neigt den Kopf zu ihr.
„Das da vorne sind Adeeba Halabi mit ihrem Sohn Mustafa und ihre Schwester Nadira mit ihrer Tochter Samira. Sie waren mit ihrem Vater im Laden, weil sie mit Frau Aouam verabredet waren. Sie hatten aber die falsche Tür erwischt. Die Kanzlei der Rechtsanwältin ist ja eine Etage darüber. Die Angestellte des Copy-Shops hatte mit ihr telefoniert und Frau Aouam wollte ihre Klienten gerade abholen.“
Baysan nickt und stutzt.
„Was ist mit dem Vater, wo ist der eigentlich?“
Gerd dreht den Kopf.
„Tot, Herzinfarkt. Der Notarzt hat noch die Reanimation versucht.“
Baysan nickt und hat noch mehr Fragen.
„Warum bringen wir sie zu uns? Du kennst sie ja gar nicht. Wo sind ihre Männer? Und für wen sollte ich das Buch mitbringen?“
„Als die Kommissarin den Einsatz übernahm, hat sie den beiden angeboten, dass ein Polizeiwagen sie nach Hause fährt. Sie waren entsetzt. Erstens ein Polizeiauto, zweitens nicht ohne Hijab. Samira hat sich eingepullert und war untröstlich. Ihre Mutter musste vom Arzt stabilisiert werden. Auch die deutsche Angestellte war kurz vor dem Kollaps. Ich habe den beiden angeboten, bei uns zu verschnaufen, einen Tee zu trinken und dann sehen wir weiter. Ihre Männer sind tot. Ich habe Kastor schon die Namen geschickt. Er überprüft das gerade.“
Baysan lächelt. Das mit Kastor und seinem Bruder Pollux wird noch aufregend. Sie sind da und gehen durch das Foyer der Arztpraxen. Die Frauen und Kinder staunen, Baysan erklärt ihnen, wo sie jetzt sind. Johannes holt seinen Rucksack hinter dem Tresen hervor und alle zusammen nehmen den großen Aufzug. Hier passen ein Pflegebett, vier Rollstühle oder zwölf Personen rein.
Im Aufzug fragt Baysan ihren Vater leise auf Russisch, in der Hoffnung, das niemand der Anwesenden diese Sprache versteht.
„Das Buch, für wen war das?“
„Na, für die Kommissarin. Sie hat die Korrekturexemplare vom Teil zwei gesehen, mich im Januar unter meinem richtigen Namen bei einem Vortrag im Präsidium erlebt und hat dann richtig kombiniert.“
„Was hast du reingeschrieben?“
„Für die entzückendste Polizistin der Stadt.“
Baysan schüttelt den Kopf und denkt: ‚Seit Mamas Tod sind drei Jahre vergangen. Baba braucht dringend eine Frau, er sollte es nur nicht so raushängen lassen‘.
Der Aufzug hält und Gerd erklärt auf Arabisch, das sie alle, sobald sich die Türen öffnen, für wenige Sekunden stehen bleiben sollen. Dann geht die Tür auf und Kastor steht vor ihnen.
Er sieht aus wie ein Ei auf Rädern. In anderthalb Meter Höhe ist eine 360-Grad-Kamera angebracht, es gibt noch zwei weitere. Er hat zwei Arme, mit denen er greifen kann. Im Ernstfall sind das Waffen, die Strom schleudern. Es gibt noch einen baugleichen Bruder. Zur Unterscheidung trägt er eine rote Strickmütze auf dem Kopf, sein Pendant einen blauen Schal. Ihre Hauptaufgabe ist die Bewachung der Wohnung. Der Roboter fixiert die Aufzuginsassen. Er vergleicht die Gesichter mit einer Datenbank und kommt zu dem Ergebnis, das keine Bedrohung vorliegt.
Nach zehn Sekunden begrüßt er die Anwesenden auf Arabisch. Mit einer weiblichen Stimme, die ihm Baysan geliehen hat und rollt einen Meter zurück.
Das nutzt Bonny, eine schwarze Katze, die seit zwei Monaten bei Gerd und Baysan lebt, um sich vor die Aufzugstür zu stellen.
Nun steht sie da und mauzt. Es ist Freitag und eigentlich ist jetzt Schmusestunde mit Baysan. Die war aber nur kurz da und verschwand wieder. Sie will etwas näher ran, da stürzt ein kleines Mädchen aus dem Aufzug auf sie zu und ruft: „Bisse!“
Bonny dreht um und läuft weg, Samira hinterher.
Nadira will ihrer Tochter folgen, Baysan hält sie zurück.
„Lassen Sie sie. Gehen wir in die Küche. Ich mache uns Tee. Vorher zeige ich ihnen das Gästebad. Kommen sie.“
Nach fünfzehn Minuten sitzen alle am Küchentisch und reden. Auf Arabisch. Johannes hat sich mit Kastor verkabelt, der für ihn übersetzt. Fragen und Antworten werden immer wieder unterbrochen, weil alle auf Samira sehen. Die sitzt nicht allein auf ihrem Stuhl. Bonny hat es sich auf ihrem Schoß bequem gemacht und genießt die Streicheleinheiten.