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© 2019 Piper Verlag GmbH, München
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Steffi wischte sich fahrig die Tränen aus dem Gesicht. »Vorsicht! Der Tod schleicht ums Haus.« Das war ihre scherzhafte Warnung gewesen, wenn sie für ihn die Tür geöffnet hatte und er mit einer geschmeidigen Bewegung hinausgeschlüpft war.
Jetzt lag sein blutiger Körper mit gequetschten Organen und gebrochenen Knochen vor dem Ofen auf dem Müllsack. Ein grausiger Anblick. Trotzdem konnte sie den Blick nicht abwenden. Sie hatte ihn geliebt, ihm allabendlich den Nacken gekrault, wenn er sich auf ihrem Schoß eingerollt hatte. Ein Trost in dieser schweren Zeit, in der sie im Haus gefangen war. Ach Mist!
Seit ihrem Unfall vor fünf Wochen lief alles so was von schief. Umständlich fummelte sie ein frisches Taschentuch aus der Packung und schnäuzte hinein.
»Ist doch gut, Kindchen. So ist halt das Leben. Der Tod gehört dazu.«
Mit verschleiertem Blick sah Steffi zum Sofa, auf dem ihre Mutter Elsbeth saß. Rostrote Flecken verunreinigten ihre Kittelschürze auf Brusthöhe, die Hände steckten in Arbeitshandschuhen.
Anklagend wies Steffi auf den toten Körper vor dem Ofen. »Ich frage mich, was für ein Arschloch einen Kater überfährt und dann einfach abhaut?«
»Ein hartherziges.« Elsbeth seufzte. »Aber so sind die Menschen: sich selbst am nächsten.«
»Verschon mich bitte heute mit deinen Sprüchen, Mama!«
Zeitlebens erklärte ihre Mutter sich und anderen die Welt mit pseudo-weisen Wahrheiten. Normalerweise ertrug Steffi das mit engelsgleicher Geduld. Aber heute, im Angesicht des zerstörten Körpers ihres Lieblingskaters Paule, ging es ihr gehörig gegen den Strich. Als wären die Dinge leichter zu ertragen, wenn man einen bescheuerten Spruch gedrückt bekam.
»Stefanie!«, fuhr Elsbeth auf. Wie stets, wenn sie ihrer Entrüstung Ausdruck verlieh, benutzte sie Steffis Rufnamen in voller Länge. »Schimpfwörter …«
»Lass gut sein, ja?«, ging Steffi dazwischen. Eine Rüge aufgrund ihrer Ausdrucksweise war das Letzte, was sie im Moment benötigte.
Trotzig schob Elsbeth das Kinn vor, die schmalen Augenbrauen rückten enger zusammen. »Wo du das nur alles herhast. Von mir auf jeden Fall nicht.«
»Wenn man mit offenen Ohren durch die Gegend …«, setzte Steffi zu einer Erklärung an, wurde aber durch die laute Stimme ihres Mannes aus dem Hausflur unterbrochen.
»Steffi? Verdammt! Wo steckst du denn?« Polternde Schritte erklangen, dann stand er im Wohnzimmer. Unter den Achseln seines Sweatshirts, das er trotz der Hitze trug, zeichneten sich dunkle Schweißflecken ab. Die grüne Latzhose stand vor Dreck, und an den Gummistiefeln klebten Überreste von Kuhmist. »Was stinkt denn hier so entsetzlich, das ist ja zum Kotzen.«
Steffi wechselte einen vielsagenden Blick mit Elsbeth. Trotz des Verlustes ihres Lieblingskaters konnte sie sich ein zynisches Lächeln nicht verkneifen.
»Hallo, Erik«, begrüßte Elsbeth ihn.
Er rümpfte die Nase. »Ah … ach so«, antwortete er, als wäre die Herkunft des Gestanks jetzt geklärt.
Sofort lief Elsbeth rot an, eine Zornesader zeichnete sich auf ihrer Schläfe ab.
Steffi verdrehte die Augen. Erik und Elsbeth verstanden sich seit dem Vorfall, bei dem Steffi sich die Hüfte gebrochen hatte, nicht mehr allzu gut. Immer öfter stritten sie sich, der gegenseitige Respekt schien vollkommen abhandengekommen zu sein. Nicht zum ersten Mal wünschte sich Steffi, sie hätte Eriks Drängen damals nicht nachgegeben. Dann wäre ihnen allen einiges erspart geblieben.
Fünf Wochen zuvor
»Mistvieh«, zischte Steffi und schob Ella zur Seite, indem sie sich gegen ihren Hintern stemmte. Nur widerwillig rückte die Kuh einige Zentimeter ab, es reichte gerade aus, damit Steffi sich bis zu dem Kälbchen durchschieben konnte. Es lag im Stroh und schaute aus großen Kulleraugen zu ihr auf. Steffi hockte sich hin und streichelte dem Tier die Flanke. Ein Zittern erfasste das Kälbchen. Mühsam versuchte es, auf die Beine zu kommen.
»Armes Ding«, flüsterte Steffi. »Was mache ich nur mit dir?«
Seit Stunden schaute sie regelmäßig nach dem Neugeborenen. Es fand keine Kraft aufzustehen. Normalerweise erhoben sich die Kälbchen schon Minuten nach der Geburt, um wenig später am Euter des Mutterviehs zu saugen. Doch das Kleine vor ihr wollte nicht recht. Sollte sich die körperliche Verfassung nicht in Kürze bessern, stand es schlecht um das junge Rind.
Steffi stand auf, drehte sich um und erschrak.
»Und?«, fragte Erik. Er verschränkte die Arme vor seiner breiten Brust und musterte das Kalb.
»Hab dich noch gar nicht erwartet«, sagte Steffi. »Wolltest du nicht ins Spritzenhaus und bei der Renovierung helfen?«
»Später. Das Kalb ging mir die ganze Zeit durch den Kopf.« Seine Stimme klang weich und warm.
Amüsiert spitzte Steffi die Lippen. Sie ahnte, was los war. »So, so, das Kälbchen also.«
Die Bestätigung ihres Verdachts folgte auf dem Fuß. Erik fasste sie und zog sie in seine Arme. »Bei Spritzenhaus ist mir etwas in den Sinn gekommen«, hauchte er in ihr Ohr. Heiß strich sein Atem über ihren Nacken.
Sie wand sich. »Lass mich. Ich bin nicht in Stimmung.«
Was nicht der Wahrheit entsprach. Sein herber, männlicher Geruch und das Verlangen nach ihr, das sie in seinen Augen las, erregte sie. Sie begehrte Erik immer noch, obwohl er sich im Laufe ihrer zwölfjährigen Ehe zusehends zu einem groben Klotz entwickelt hatte. Früher hatte er sie mit Geschenken überhäuft, es hatte kaum eine Minute gegeben, in der er sie nicht befummelt hatte. Davon war so gut wie nichts geblieben. Manchmal glaubte sie, er sah in ihr nur eine Kuh, die der Bulle nach Belieben besteigen durfte. In letzter Zeit horchte sie des Öfteren in sich hinein und suchte nach der einstigen Zuneigung zu Erik, nach der Liebe zu ihm. Desillusioniert kam sie jedes Mal zu dem Ergebnis, dass ihre ehemals lodernde Flamme der Innigkeit verloschen war. Wäre Erik nicht so zuverlässig, dann hätte sie ihn garantiert schon verlassen. Aber wie auch immer, sobald er in ihrer Nähe weilte, sehnte sie sich in seine starken Arme, und ihr Unterleib forderte ausgiebige Zuneigung. Wäre das schwache Kalb nicht gewesen, dann wäre hier im Stall die Post abgegangen. So aber schob sie ihn von sich. »Später, ja?«
Missmutig ließ Erik von ihr ab. »Na toll«, brummte er, zögerte einen Moment und stapfte dann in die Milchküche. Kurz darauf hörte sie ihn mit irgendetwas klappern.
Sie wandte sich wieder dem Kalb zu. Es stand! Es schwankte zwar hin und her wie eine Weide im Wind, hielt sich aber tapfer. »So, Kleines, dann werden wir dich jetzt mal an die Milchquelle bringen«, murmelte Steffi erleichtert. Eriks Annäherungsversuche hatte sie angesichts des süßen Kalbes rasch vergessen.
Eine halbe Stunde später stand sie zufrieden auf dem Heuboden und schob Heu durch das Loch in der Decke. Die Halme rieselten in den Stall darunter, Spreu tanzte im Aufwind. Das Kalb hatte getrunken, erst kraftlos, dann immer gieriger. Steffi freute sich über diese Entwicklung. Sie hielt inne und nieste. Ihr Hals fühlte sich kratzig an, die Zunge klebte am Gaumen. Eindeutig hatte sie die eigenen Bedürfnisse zu lange ignoriert, sie musste auch etwas trinken. Steffi stellte die Forke ab und ging zur Leiter. Weiter kam sie nicht, denn Erik stürmte die Sprossen hinauf. Grinsend baute er sich vor ihr auf und hielt ihr eine Flasche Wasser hin.
Dankbar trank sie, sofort fühlte sie sich besser.
»Dem Kalb geht es gut?«, fragte Erik.
Sie nickte.
»Dann hast du den Kopf ja jetzt frei?«
Sie schmunzelte. »Wofür?«
Er zog sie an sich und küsste sie. »Frag nicht so blöd. Ich bin spitz wie Nachbars Lumpi.«
Steffi kicherte. »Lumpi? Wer soll das sein?«
Erik streifte ihr die Latzhosenträger von den Schultern. »Dann eben scharf wie Cayennepfeffer.« Mit einem Ruck zog er ihr die Hose hinunter.
Willig ließ sie es geschehen. »So, so, du hast also Pfeffer im Hintern. Mir scheint es eher so, als würde dich der Hafer stechen«, murmelte sie kichernd. Sie liebte es, beim Vorspiel mit ihm herumzualbern.
Erik schnaufte und öffnete seinen Reißverschluss. »Dich sticht gleich was anderes.« Keck streifte seine Zungenspitze über ihre Lippen.
Langsam knöpfte Steffi ihr Arbeitshemd auf. Einen Büstenhalter trug sie bei der Arbeit nicht. Sie spielte mit ihren Brustwarzen. »Ich justiere schon mal alles.«
»Dabei kann ich dir gern helfen.« Grob umfasste er ihre Brüste.
Steffi stöhnte auf, wenn sie sich auch mehr Zärtlichkeit gewünscht hätte. Eine heiße, wohlige Welle rollte durch ihren Körper. Sie legte den Kopf in den Nacken, schloss die Augen und genoss trotzdem seine Liebkosungen. »Hinlegen?«, hauchte sie.
»Nee.« Er drehte sie und drückte ihren Oberkörper nach unten. Mit einem Ruck riss er ihren Slip entzwei. Das war Eriks Ding, es törnte ihn an. Hunderte hatte Steffi schon kaufen müssen.
Sie schloss die Augen, sehnsüchtig wartete sie auf das, was jetzt kam. Ihre Unterleibsmuskeln vibrierten vor Verlangen. O Gott, dieser Mann schaffte es immer noch, sie rasend zu machen.
»Hallo?«, hörte sie plötzlich eine Stimme aus weiter Ferne. In den ersten Sekunden war sie vor Gier unfähig, darauf zu reagieren.
»Wo steckt ihr denn? Steffi? Erik?«
Verwirrt blinzelte Steffi. Eriks Hände, die eben noch ihren Hintern festgehalten hatten, waren fort.
»Scheiße«, hörte sie ihn schimpfen. »Deine Mutter. Was macht die denn um die Zeit hier?«
Das Holz der Leiter knarrte.
Steffi richtete sich auf. Hektisch versuchte sie, ihre Blöße zu bedecken.
Die grauen Haare ihrer Mutter tauchten auf. Nur einen Augenblick, dann würde sie ihre Tochter in dieser verfänglichen Situation erwischen. Die heruntergelassene Latzhose schlang sich wie eine Fessel um Steffis Knöchel. Wild zog sie am Stoff, irgendeine Naht krachte.
»Ah, hier seid ihr«, sagte ihre Mutter. Noch konzentrierte sie sich auf die Leiter, hatte den Kopf nicht angehoben.
Hektisch rupfte Steffi am Stoff, hüpfte auf einem Bein, um die verdammten Träger unter dem Fuß hervorholen zu können.
»Warum meldet ihr euch nicht, wenn ich rufe?«, fragte ihre Mutter und trat endgültig auf den Speicherboden. Sie sah sich um. Erstaunt riss sie die Augen auf und öffnete lautlos den Mund.
Steffi schoss die Röte ins Gesicht. Von ihrer Mutter beim Liebesspiel halb nackt erwischt zu werden, wie peinlich war das denn? Sie drehte sich etwas ab, um so dem empörten Blick ihrer Mutter auszuweichen, und zerrte wütend an der Latzhose. Warum nur musste Erik sie überall nehmen, der geile Hengst? Das Schlafzimmer konnte man abschließen, dort waren sie vor einem Überraschungsbesuch sicher. Unerwartet rissen die Träger mit einem knarzenden Geräusch. Steffi verlor das Gleichgewicht, taumelte rückwärts und trat plötzlich ins Leere.
Das Loch in der Decke!
Das Letzte, was sie hörte, bevor sie auf dem Stallboden aufschlug, war der entsetzte Aufschrei ihrer Mutter.
Elsbeth hatte Erik die Schuld für den Unfall gegeben, der Steffi neben dem Trümmerbruch in der Hüfte eine Gehirnerschütterung und ein gebrochenes Handgelenk eingebracht hatte. Sie konnte froh sein, dass das hinuntergeschobene Heu ihren Aufprall gedämpft hatte. Wer weiß, was sonst passiert wäre. Glück im Unglück!
Die Gehirnerschütterung hatte sie inzwischen überstanden. Doch die lädierten Knochen benötigten Zeit. Wann Steffi endlich auf den Rollstuhl verzichten konnte, war ungewiss. Zwei, drei Wochen würde es sicherlich noch dauern, hatte der Arzt ihr prognostiziert. Wäre nicht das gebrochene Handgelenk gewesen, hätte sie auf Krücken gehen können. So aber durfte sie gerade mal den Reifen einige Schubser geben, mehr war nicht drin. Wohl oder übel musste sie sich weiter in Geduld üben.
Seit dem Unfall nannte Elsbeth Erik einen notgeilen Bock. Selbst Steffis unverblümte Offenbarung, dass sie »es« schließlich auch gewollt hatte und sie daher mitschuldig an dem tragischen Ereignis war, besänftigte ihre Mutter nicht. Sie hatte Erik nie wirklich ausstehen können. Einen Anlass dafür hatte es nie gegeben, und deswegen hatte Steffi ihrer Mutter oft vorgeworfen, sie würde Erik ungerecht behandeln. Mit dem Unfall hatte Erik Elsbeth einen Grund geliefert, jetzt war er endgültig unten durch.
»Es ist der Kater«, echauffierte sich Elsbeth gegenüber Erik. »Der stinkt so, nicht ich.«
»Hat das Mistvieh Blähungen, oder was?«, fragte Erik.
»Garantiert nicht.«
Erik stutzte.
»Tot!« Elsbeth deutete zum Ofen. »Überfahren. Ich habe unseren Paule unten bei der Kirche von der Straße gekratzt … äh … aufgehoben, meine ich.«
Erik stellte sich auf die Zehenspitzen und streckte den Hals, um über den Tisch hinwegzusehen. »Und was macht das Vieh jetzt hier? Hättest es doch direkt auf den Misthaufen werfen können.«
»Du hartherziger, notgeiler Bock! Steffi sollte sich von ihrem Liebling verabschieden können, meinst du nicht?«
»Lass’ gut sein, Mama.« Steffi wusste, dass Erik kein Verständnis aufbrachte. Tiere waren für ihn Gegenstände, die entweder Geld einbrachten oder anderweitig nützlich sein mussten. Ein Kater jagte Mäuse, dafür war er da. Starb er, wurde einfach ein neuer angeschafft, der die Aufgabe übernahm. Eine pragmatische, aber zugleich herzlose Einstellung.
Elsbeth kniff die Augen zusammen. »Bist du nicht vorhin mit dem Wagen los?«, fragte sie Erik.
»Jepp, musste in der Raiffeisen-Handlung Futter für die Hühner holen.«
»Der Paule lag zu dem Zeitpunkt nicht auf der Straße?«
Erik zog ein kariertes Stofftaschentuch aus der Hosentasche und schnäuzte sich. »Nee, hab nichts gesehen.«
Lauernd fixierte Elsbeth ihren Schwiegersohn. »Auch nicht im Rückspiegel?«
Bei Steffi fiel der Groschen, auf was ihre Mutter hinauswollte. Konnte es möglich sein, dass ihr eigener Mann den armen Kater unter den Rädern gehabt hatte? Vielleicht sogar mit Absicht? Mehr als einmal hatte sich Erik über die Haare auf dem Sofa beschwert, die Paule dort nach einem ausgiebigen Mittagsschläfchen hinterlassen hatte. Paule war das einzige Tier gewesen, das er ins Haus gelassen hatte. Steffi hatte sich dabei über Eriks strenge Vorgabe, dass ein Tier nichts im Wohnhaus zu suchen hat, hinweggesetzt. Sie liebte das Schnurren eines Katers an ihrer Seite, den warmen Körper an ihren Füßen. Jetzt war das Problem mit den Haaren erledigt. Hatte Erik es auf diese hinterhältige Lösung angelegt?
Er steckte das Taschentuch wieder ein. »Warum soll ich einfach so in den Rückspiegel schauen?« Er schüttelte irritiert den Kopf. »Ich mach mir jetzt was zu essen. Und der Kadaver muss raus, bevor er anfängt, die Fliegen anzuziehen.« Er schien nicht zu verstehen, was Elsbeth ihm vorwarf. Oder er überspielte es gekonnt. Erik drehte auf dem Absatz und verschwand in Richtung Küche.
»Er war es«, zischte Elsbeth, »da kannst du Gift drauf nehmen.«
»Ich weiß nicht«, zweifelte Steffi. Erik würde doch nicht hinterrücks ihren Lieblingskater überfahren, nur um ein paar Haare loszuwerden. Er wusste doch, wie sehr sie an Paule hing. So weit würde er garantiert nicht gehen.
Oder doch?
Spät am Abend saß Steffi im Rollstuhl vor dem Panoramafenster im Wohnzimmer. Von hier aus blickte sie über das ganze Dorf. Ihr Hof lag oberhalb eines V-förmigen Tals, in dem sich entlang der Hauptstraße die Häuser gruppierten. Zentraler Mittelpunkt von Kirchbach waren der Dorfanger, die Gaststätte und die Kirche.
Im Haus war es ruhig. Elsbeth war vor zwei Stunden gegangen, Erik saß unten in der Gaststätte »Im Dörp« und spielte Skat.
Sie nahm den Feldstecher zur Hand und drückte sich die Okulare an die Augen. Grell leuchtete die Bierreklame in der überhitzten Sommernacht. Einige Autos parkten am Straßenrand unter zwei Linden. Ab und an trug der Wind das Gelächter der Männer zu ihr hinauf.
Steffi schwenkte weiter, betrachtete ein Gebäude nach dem anderen. Viel lieber hätte sie jetzt draußen gesessen und eine eisgekühlte Weinschorle genossen. Normalerweise wäre das selbst mit einem Rollstuhl möglich. Nur war seit zwei Wochen direkt vor der Haustür der Hof aufgerissen. Der brüchige Beton sollte durch Pflastersteine ersetzt werden. Der Boden glich einer Mondlandschaft, und dieser Zustand würde sich leider in absehbarer Zeit nicht ändern. Die Handwerker hatten sich vor einer Woche in einen dreiwöchigen Sommerurlaub verabschiedet. Ohne fremde Hilfe schaffte es Steffi nun nicht mehr vor die Tür. Und als wäre das nicht ärgerlich genug, hatte der Baggerfahrer am letzten Arbeitstag auch noch einige Kabel gekappt. Ein Techniker, der sie wieder zusammenflicken sollte, hatte inzwischen dreimal den Termin verschoben. Damit waren das Internet, die Satellitenschüssel und der Festnetzanschluss lahmgelegt. Letzteres war besonders tragisch, da der Mobilfunk in Kirchbach nur rudimentär vorhanden war. Über einen einzigen Verbindungsbalken auf dem Display war man bereits glücklich. Nur drüben auf der anderen Seite des Dorfes, beim Schirmer-Hof, funktionierte das Netz einwandfrei. Im benachbarten Tal stand ein Funkmast, der bis zum Hof strahlte.
Von daher blieb Steffi kaum etwas zum Zeitvertreib übrig. Sie seufzte. Wäre sie doch selbst Mutter. Dann könnte sie jetzt mit den Kleinen basteln, Hausaufgaben machen, ihnen vorlesen oder mit ihnen spielen. Wie schnell würde dann die Zeit verfliegen. Doch leider war ihr dieses Glück bisher verwehrt geblieben, obwohl Erik am Anfang ihrer Beziehung selten die Finger länger als einige Stunden von ihr hatte lassen können.
An ihr lag es nicht. Verhütet hatte Steffi in ihre Ehe nie, und medizinisch war mit ihr auch alles in Ordnung. Das hatte ihr zumindest der Gynäkologe versichert, den sie vor fünf Jahren deswegen aufgesucht hatte. Sie hatte Erik gebeten, sich ebenfalls durchchecken zu lassen. »Wenn’s nicht klappt, dann klappt’s eben nicht«, hatte er ihr unwirsch an den Kopf geworfen. Damit war die Sache für ihn erledigt gewesen.
Egoistischer Drecksack!
Bestimmt war es Erik nur peinlich, in einen Becher zu ejakulieren.
Inzwischen war sie froh, dass ihre Mutter letzte Woche den Feldstecher mitgebracht hatte. Anfänglich war sie zwar anderer Auffassung gewesen, hatte aber ihre Meinung inzwischen geändert.
»Was soll ich denn damit?«, hatte Steffi gefragt, als Elsbeth ihr den Feldstecher in die Hand drückte.
Elsbeth hatte mit den Schultern gezuckt. »Nun, was wohl. Schaust ein wenig rum, Kindchen.«
»Wie … rum?«
Ihre Mutter hatte zum Panoramafenster gezeigt. »Na, von dort!«
»Wie? Etwa ins Dorf?«
»Ausgezeichnete Sicht. Jede Maus kannste von hier oben sehen.«
Empört hatte Steffi sich im Rollstuhl aufgerichtet. »So was kann man doch nicht machen. Ich bin doch keine Stasimitarbeiterin!«
»Du sollst dir nur ein wenig die Zeit vertreiben, niemanden anschwärzen. Nur schauen. Da ist doch nichts bei.«
Nach dem heutigen Abendessen hatte Steffi es mit Lesen versucht. Doch der Roman war grässlich geschrieben, und die anderen im Regal hatte sie längst gelesen. Ein E-Book konnte sie wegen der gekappten Leitung nicht herunterladen, und Netflix fiel aus dem gleichen Grund flach. Nicht mal durch die Fernsehsender konnte sie zappen. Trostlos. So hatte es sie doch wieder zum Fenster gezogen. Ihr anfänglich schlechtes Gewissen war mittlerweile verschwunden. Sie wollte nur ein wenig am Dorfleben teilhaben, rechtfertigte sie die Rundblicke. Daran konnte sich wohl kein Nachbar stoßen. Und überhaupt: Die Leute waren selbst schuld, was sie preisgaben. Würden sie ihre Fenster und Rollläden schließen, dann bekäme Steffi auch nichts von deren Privatsphäre mit. Nein, sie musste sich nichts vorwerfen.
Sie schwenkte nach links. Knapp fünfzig Meter unterhalb ihres Hofes, an der Zufahrtsstraße, wohnte seit einem halben Jahr ein frisch vermähltes Paar. Aus Düsseldorf zugezogen brachten sie ein altes Fachwerkhaus auf Vordermann.
Einige Sekunden grübelte Steffi, wie sie hießen. Die beiden waren Ende letzten Jahres auf einen Sprung vorbeigekommen, um sich vorzustellen. Nette Leute. Anne und Manfred? Oder Anja und Friedhelm? Konnten auch Astrid und Fred gewesen sein. Aber irgendetwas mit A am Anfang bei der Frau. Steffi verfluchte stumm ihre Vergesslichkeit. Der Mann war um die dreißig. Wenn er Balken schleppte oder Steine sortierte, zeichneten sich die Muskelpakete hart und sehnig unter der Haut ab. Dagegen wirkte die zierliche Frau wie ein zerbrechliches Kind. Dass sie jedoch einiges aushielt, konnte Steffi gerade live verfolgen. Zwar hatten die beiden im Schlafzimmer die Jalousie hinuntergelassen, doch das Nachttischlämpchen leuchtete und so zeichneten sich wild bewegende Schatten auf dem hellen Stoff ab. Fast eine Stunde ging das bereits so, nur von kurzen Pausen unterbrochen. Eine respektable Leistung, wie Steffi fand, ein ausgezeichnetes Stehvermögen des Düsseldorfers.
Ein wenig neidisch riss sie sich von dem Anblick los. Seit sie im Rollstuhl saß, rührte Erik sie nicht mehr an. Okay, klar, eine richtige Nummer war mit ihrer gebrochenen Hüfte nicht drin. Aber es gab ja noch andere Möglichkeiten der Entspannung. Doch auf ihre Avancen reagierte er mit Ausflüchten.
Steffi seufzte.
Sie war undankbar. Sicherlich wollte Erik ihr nicht wehtun. Vermutlich war es seine Art, ihr zu zeigen, dass er sie immer noch liebte. Es steckt eben doch ein fürsorglicher Kern in diesem groben Klotz. Nicht jeder Mann wäre so rücksichtsvoll. Sie schämte sich ein wenig, die Liebe nicht mehr wirklich zu erwidern und Erik nur noch als Lusterfüller zu sehen.
Unterhalb der Düsseldorfer rekelte sich Jasmina Fourchat in einem luftigen Jumpsuit auf ihrer Terrasse. Jedes Mal, wenn Steffi die makellose Figur der Blondine sah, durchfuhr sie ein missgünstiger Stich. Selbst ein wenig hüftstark und pausbäckig ertappte sich Steffi hin und wieder bei dem Gedankenspiel, das Leben mit Jasmina zu tauschen. Wie sah der Alltag einer Sexbombe aus? Würde Steffi ihr Aussehen ausnutzen, um Karriere zu machen? Jeden Abend einen anderen Hengst, den sie von einer Party abschleppte. Den sie sich frei aussuchen konnte, weil alle Männer geifernd Schlange standen. Wie sich wohl die neidischen Blicke der weiblichen Partygäste anfühlten?
»Oberflächliche Schlampe«, schalt Steffi sich selbst. Dass das alles nicht so rosig war, wie sie sich das ausmalte, wusste sie. Gerade Jasmina Fourchat war das beste Beispiel dafür. Eigentlich hieß Jasmina mit bürgerlichem Namen Eva Braunsfeld. Ihre Eltern betrieben einen kleinen Supermarkt im Nachbardorf. Den französisch klingenden Nachnamen hatte Jasmina sich vor einiger Zeit in der Hoffnung zugelegt, ihre Schauspielerkarriere zu beflügeln. Man munkelte, es hatte so zumindest für Erotikfilme gereicht. Bei Jasmina war häufig etwas los, ausgelassene Partys, Grillfeste und Brunchs im großen Stil. Jasmina fegte dabei zwischen ihren Gästen wie eine gute Fee herum, strahlte über das ganze Gesicht und lachte ausgelassen. Sie wirkte ungemein glücklich. Doch Steffi kannte auch die andere Seite, die stille, traurige Jasmina fern der Partys und Gäste. Wenn sie zusammengerollt heulend auf ihrem Bett im Schlafzimmer im Obergeschoss lag, zu deprimiert, um die Vorhänge zu verschließen. Dann würde Steffi am liebsten hinübergehen und ihr den Kopf streicheln. Was genau Jasmina so zusetzte, wusste sie nicht. Vermutlich brach ihr ein Liebhaber das Herz. Mit Mitte zwanzig ein nicht ungewöhnliches Szenario.
Links vom Schirmer-Hof, etwa Luftlinie zweihundert Meter entfernt, stand die Villa Fuchsbau, ein klassizistischer Altbau, der Steffi stets an das Motel erinnerte, in dem Norman Bates im Hitchcock-Film Psycho wohnte. Alle Fenster waren verschlossen, nirgends schimmerte Licht in den Räumen. Kein Wunder, denn der Besitzer Ludwig Strasser, ein geiziger Industrieller im Ruhestand, lag zurzeit mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus.
Melancholische Saxofonklänge vibrierten durch die aufgeheizte Nachtluft. Steffi schwenkte zur rechten Dorfseite, zu Sophie Kremps Haus. In der Dachgeschosswohnung war vor drei Wochen ein Musiker eingezogen. Ein großer Mann mit dunklen Locken und einem gepflegten Bart. Er trug eine Brille und wirkte kultiviert und gebildet, die Sorte Mann, die auf einem Sofa vor dem Kamin Dostojewski las. Seinen Namen kannte Steffi nicht. Der Mann lebte zurückgezogen, ging selten aus. Der Musik nach zu urteilen, schien seine Seele tief verletzt zu sein. Vielleicht verarbeitete er eine Scheidung. Oder er hatte einen lieb gewonnenen Menschen verloren, was häufig auf dasselbe hinauslief.
Sie ließ das Fernglas etwas sinken und schaute ins Untergeschoss. Sophie saß mit angezogenen Beinen und einem Weinglas in der Hand auf der Couch. Eine Kerze stand auf dem Tisch, das flackernde Licht reichte aus, um Schemen zu erkennen. Steffi war sich sicher, dass Sophie weinte. Vor drei Jahren hatte sie ihren Mann bei einem schrecklichen Autounfall verloren. Über den Verlust war Sophie bis heute nicht hinweggekommen. Zwar hatte sie versucht, ihren Schmerz zu überwinden, doch die Männer, die bisher mit ihr ausgegangen waren, hatten es nur auf eine Nacht mit der attraktiven Mittvierzigerin abgesehen gehabt. Eine langfristige Beziehung hatte sich nicht entwickelt.
Eine warme Böe strich Steffi durchs Haar und trug Stimmen an ihre Ohren. Suchend schwenkte sie das Fernglas. Aus der backsteinernen Kirche mitten im Dorf strömten die Chorfrauen heraus. Sie schnatterten wie Gänse. Steffi fokussierte ihren Blick auf die Gruppe unter der Straßenlaterne und erkannte ihre beste Freundin Karin. Mit ihren leuchtend roten Haaren war sie nicht zu übersehen. Sie redete mit Heidi Schirmer, der Frau von Bert. Die beiden bewirtschafteten den Hof auf der anderen Hangseite, den Steffi von ihrer Position ausgezeichnet einsehen konnte.
Instinktiv hob sie das Glas. Das Gehöft der Schirmers konnte sich sehen lassen. Die Mauern des neu erbauten Kuhstalls strahlten hell im Mondlicht, das Wohnhaus daneben zeigte sich neu verklinkert. Ein moderner Traktor in XXL-Größe parkte in der Fahrzeughalle neben zwei anderen, älteren Modellen. Zwei Silotürme ragten in die Höhe, schienen förmlich am Sternenhimmel kratzen zu wollen und glichen startbereiten Raketen. Im Stall brannte Licht, wegen der Hitze waren alle Türen und Fenster sperrangelweit geöffnet. Hin und wieder sah sie Bert Schirmer hantieren.
Steffi runzelte die Stirn. Sie schaute auf ihre Uhr. Kurz nach zehn. Sie hob das Glas wieder vor die Augen. Was werkelte Bert denn so spät noch da herum? In der Regel sollte er doch mit Erik und den anderen im Gasthof sitzen und Karten spielen. Die Kühe waren doch schon längst gemolken. Garantiert sogar, denn das war Heidi Schirmers Aufgabe. Die würde nicht aus dem Haus gehen, bevor nicht alles erledigt wäre.
Bert stand in der Milchküche. Dort wurde die Milch in einem riesigen Behälter gekühlt, bis am nächsten Morgen der Abtransport zur Molkerei erfolgte. Durch das geöffnete Fenster sah sie nur seinen Oberkörper. Er schien an der Melkmaschine zu arbeiten. War sie defekt? Aber dann hätte er einen Techniker kommen lassen, schließlich war ja alles nagelneu, und es bestanden doch sicher Garantieansprüche.
Was also sollte das?
Das Klingeln des Handys erschreckte sie und riss sie aus ihrer Grübelei. Sie legte das Fernglas auf die Kommode neben dem Fenster und nahm das Gespräch an. »Hallo?«
Es dauerte einen Moment, bis eine düstere Stimme wisperte: »Jetzt bist du dran, Schätzchen.«
Die Binsen am Dorfweiher wiegten sich sanft in der nächtlichen Sommerbrise. Die fernen Saxofonklänge wirkten nach den Kirchenliedern, die der Chor geprobt hatte, wie aus einer anderen Welt.
Karin stand mit Heidi Schirmer im Licht der Straßenlaterne und rauchte.
»Jeden Abend diese schreckliche Musik«, beschwerte sich Heidi Schirmer. »Ich werde dem die Polizei auf den Hals hetzen, wenn das so weitergeht.«
»Wieso? Ist doch schön«, verteidigte Karin den Musiker. »Mal was anderes als Polka, Blasmusik und Humptata.«
Verächtlich stieß Heidi Schirmer Rauch durch die Nase aus. »Wenn du meinst. Mir geht das auf die Nerven.« Sie inhalierte tief. »Was macht denn die liebe Steffi so? Wird das bald wieder mit der Hüfte? Die Arme, bei der Hitze mit dem Verband muss ja schrecklich sein.«
»Geh sie doch mal besuchen und erkundige dich«, antwortete Karin bissig. Sie wusste, dass Heidi Schirmer und Steffi sich nicht ausstehen konnten. Vor Jahren, in der Teenagerzeit, war Steffi unsterblich in Bert Schirmer verliebt gewesen. Heidi hatte ihn ihr vor der Nase weggeschnappt und fortan keine Gelegenheit ausgelassen, ihren Triumph auszukosten.
»Hoffentlich hält Erik das aus«, sagte Heidi wie beiläufig.
»Was meinst du?«, fragte Karin.
Heidi sah sich verschwörerisch um und beugte sich vor. »Na, der Erik ist doch ein geiler Bock, das weiß hier doch jeder«, flüsterte sie. »Mit dem Verband am Arsch wird Steffi es ihm ja kaum besorgen können. Also … ich meine, so richtig.« Sie verdeutlichte ihre Aussage, in dem sie ihre Hüfte leicht vor und zurückbewegte. »Erik wildert garantiert schon in einem anderen Gehege.«
Ärgerlich schüttelte Karin den Kopf. »Was du immer so daherredest. Die beiden werden schon klarkommen.«
In Heidis Mundwinkel stahl sich ein spöttisches Grinsen. Sie glich der Hexe, die gerade Hänsel in den Ofen gestoßen hatte. »Gib es doch zu, du denkst das doch auch. Nur weil du Steffis beste Freundin bist, sprichst du es nicht aus.«
»Das hat damit nichts zu tun.«
»Sicher?«
»Ich kann es einfach nicht ausstehen, wenn jemand bösartige Gerüchte in die Welt setzt. Wäre schön, wenn du deine spitze Zunge in Zaum halten könntest.«
»Warum sollte ich?«
»Steffi ist mit der gebrochenen Hüfte schon genug gestraft. Du musst nicht noch Öl ins Feuer gießen.«
»Du wirst schon sehen, dass ich recht habe.« Heidi schulterte ihre Tasche neu. »So, ich muss jetzt aber. Morgen früh fahre ich zu meiner Tante nach Köln. Der Armen geht es nicht gut. Demenz! Schreckliche Krankheit. Ich kümmere mich ein paar Tage um sie.«
»Du?«
»Ja. Warum nicht ich?«
»Ich meine ja nur. Selbstlosigkeit gehört nicht unbedingt zu deinen Tugenden.«
Heidi hob die Nase. »Da kannst du mal sehen, wie wenig du mich kennst.«
Karin drückte ihre Zigarette am Laternenmast aus und warf den Stummel in den Papierkorb. »Ich würde jede Wette eingehen, dass deine Tante ein Vermögen an den Hacken hat und du sie überzeugen willst, es dir zu vererben.«
Entrüstet ließ Heidi ihre Kippe fallen und trat sie mit einer wütenden Drehbewegung aus. Keine zwei Sekunden später rauschte sie mit erhobenem Kopf und ohne ein Abschiedswort davon.
Zufrieden schaute Karin ihr nach. Sie hatte voll ins Schwarze getroffen, da war sie sich nach dieser Reaktion sicher. Sollte die gemeine Natter eine Weile daran knabbern. Sie drehte sich um und ging die Hauptstraße hinunter. Steffi würde sicher schon auf sie warten. Als beste Freundin hatte Karin sich sofort bereit erklärt, Steffi in dieser schwierigen Situation beizustehen. So oft sie konnte, half sie ihr beim Toilettengang, bei der Körperpflege, halt bei allem, was so anfiel. Aber zunächst musste sie nach Hause und sich umziehen. Ihre weiße Chorbluse klebte ihr am Rücken.
Sie schritt am hell erleuchteten Gasthof vorbei. Die Stimmen der Männer drangen nach draußen. In einer Stunde würden die Suffköppe sich verabschieden und mehr oder weniger ins Bett wanken.
Ihr Grundstück grenzte direkt an den Gasthof. Sie schloss die Haustür auf und warf die Tasche und den Schlüssel auf die Dielenkommode. Im Schlafzimmer lag ein betörend blumiges Odeur in der Luft. Sie stutzte. Ihr Parfüm konnte nicht die Ursache dafür sein, da sie in den Sommermonaten Düfte basierend auf Limette und Orange bevorzugte. Sie drückte den Lichtschalter und benötigte einige Sekunden, bis sich ihre Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten.
Auf dem Bett lag ein Meer aus Baccara-Rosen. Ein Kärtchen stach daraus hervor. Mit zittrigen Fingern nahm sie es auf und las:
Rosen für meine Rose. Ich liebe dich.
Wie romantisch. Mit Schmetterlingen im Bauch seufzte sie glücklich. Es war richtig gewesen, ihm den Hausschlüssel anzuvertrauen.
Steffi lief ein kalter Schauer über den Rücken, und sie drückte das Handy fester ans Ohr. »Wer … wer ist da?«
Ein heftiges Schnaufen. »Dein schlimmster Albtraum.«
Endlich erkannte Steffi die Stimme. Sie lachte. »Du Arsch! Musst du mich so erschrecken?«
»Klar! Ich habe es versprochen«, antwortete ihr zwei Jahre älterer Bruder Jörg am anderen Ende der Leitung.
In ihrer Kindheit hatte Steffi ihm mit Horrorgeschichten Angst eingejagt. Obwohl sie die Jüngere war, fiel es ihr mit ihrer blühenden Fantasie leicht, gruselige Geschichten zu erfinden. Jörg hing an ihren Lippen wie eine Fliege an der Klebefalle. Jahre später, als er bereits Polizeianwärter war, versprach er ihr, ihr jede ängstliche Minute heimzuzahlen. Steffi hatte das Versprechen für einen Scherz gehalten. Doch weit gefehlt. Jörg hatte Wort gehalten.
Steffi ertrug es mit Großmut, sie sah darin so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit. Und: Solange er seine Späße mit ihr trieb, war alles in Ordnung. Sie sorgte sich sehr um ihn. Ein Kommissar lebte stets mit der Gefahr, im Einsatz verletzt oder sogar getötet zu werden.
»Was ist denn mit eurem Festnetz?«, fragte Jörg. »Ich habe es zunächst dort versucht. Alles tot. Dann auf deinem Handy. Aber das ist ja bei euch in der Einöde eher ein Glücksfall, wenn man durchkommt.«
Steffi seufzte. »Blöde Geschichte.« Sie fasste zusammen, was passiert war, dann sagte sie: »Du bist spät dran.«
»Komme gerade erst vom Dienst und muss morgen wieder früh hin. Wir sind chronisch unterbesetzt, meine Überstunden reichen bis zum Mond. Deswegen bin ich auch so lange nicht mehr bei dir aufgeschlagen, tut mir leid. Jetzt will ich hören, wie es dir geht. Machst du Fortschritte?«
»Es geht. Schmerzen habe ich kaum noch. Aber ich sitze halt immer noch im Rollstuhl. An die Krücken darf ich noch nicht. Mir fällt echt die Decke auf den Kopf.«
»Verstehe. Kann Erik dir nicht eine Rampe bauen, oder ein Podest? Der Herr Schwager ist doch sonst so geschickt. Er kann dich doch bei der Hitze nicht im Haus versauern lassen.«
»So was ist uns noch nicht in den Sinn gekommen«, gab sie zu.
»Dann frag Erik danach. Und sag ihm, wenn er sich für meine Schwester nicht ins Zeug legt, dann mobilisiere ich eine Hundertschaft. Die kommen gern vorbei und verpassen ihm eine Abreibung.«
Steffi hörte Jörg lachen, doch schwang ein drohender Unterton in seiner Stimme mit. Er konnte Erik nicht ausstehen, warum auch immer. Die beiden waren sich nie wirklich grün geworden.
Sie redeten einige Minuten über dies und das, bis Jörg vernehmlich gähnte. »Sorry«, entschuldigte er sich, »ich muss ins Bett, mir fallen die Augen zu. Aber noch was Wichtiges zum Schluss: Seid ihr übermorgen zu Hause? Ich will am Montag nach dem Dienst mal vorbeischauen.«
Steffi richtete sich auf, neue Energie schoss durch ihren Körper. Ein Besuch von Jörg! Ablenkung und Kurzweile! Wie verheißungsvoll. »Ja, ja, komm vorbei. Ich würde mich sehr freuen.«
»Kein Arztbesuch?«
»Nichts geplant.«
»Okay, abgemacht. Ich melde mich, sobald …«
Die Verbindung brach ab, das Display zeigte keinen Verbindungsbalken mehr an. »Scheiß Netz«, fluchte Steffi.
Sie legte das Handy zur Seite und nahm das Fernglas auf.
Karin ging gerade an der Kirche vorbei. Sicherlich wollte sie sich rasch frisch machen, bevor sie zur abendlichen Assistenz heraufkam. Weiter rechts stapfte Heidi den gewundenen Pfad zum Schirmer-Hof hinauf. »Hoffentlich kommst du Giftschlange so richtig ins Schwitzen«, murmelte Steffi. Dass Heidi ihr vor Jahren Bert ausgespannt hatte, hatte Steffi ihr nie verziehen. Die Erinnerung saß wie ein Stachel in ihrem Herzen. Es war so gemein gewesen. Steffi kamen heute noch die Tränen, wenn sie nur daran dachte.
Ohne es zu wollen, glitten ihre Gedanken zu dem schrecklichen Wochenende vor zwanzig Jahren zurück.
Zwanzig Jahre zuvor
Hart hämmerten die Boxen die Bässe heraus. Mit einer Flasche Bier in der Hand stand Steffi direkt daneben und spürte den Druck der Schallwellen in der Magengrube, ein angenehmes Kribbeln, fast ein Kitzeln. Um sie herum tanzten, lachten und feierten etwa fünfzig Partygäste. Der Alkohol floss in Strömen, Rauchschwaden waberten durch den Raum, ein süßlicher Geruch lag in der Luft, und in der Küche bog sich der Tisch unter den Speisen. Und als würde alles noch nicht genügen, hatte Heidi noch eine Überraschung angekündigt. Keine Frage, sie verstand ihr Handwerk. Wenn Heidi eine Party schmiss, dann langweilte sich niemand.
Durch die Menge schob sich Heidi auf Steffi zu. Sie trug ein enges Top, das ihre zierliche Figur mit den weiblichen Rundungen betonte, dazu einen Minirock. Ihre ohnehin schon langen Beine wurden durch die High Heels noch gestreckt, schienen so bis zu den Ohren zu gehen. Die Haare hatte Heidi zu einem Pferdeschwanz gebunden. Das stand ihr ausgezeichnet, wie Steffi neidlos anerkannte. Die graue Maus von einst hatte sich in einen Schwan verwandelt.
Neckisch stupste Heidi sie mit der Hüfte an und rief ihr ins Ohr. »Kommt Bert auch?«
Seit einem halben Jahr gingen Steffi und Bert miteinander. Sie liebte ihn abgöttisch. Allerdings fürchtete sie seit einigen Tagen, Bert zu verlieren. Merkwürdigerweise ging er in letzter Zeit auf Distanz. Sie hatte versucht, ihn auszuhorchen, um den Grund dafür herauszufinden. Er hatte ihr versichert, dass alles in Ordnung sei, dass sie sich keinen Kopf machen solle. Eigentlich hätte sie erleichtert sein sollen, war es doch das, was sie sich zu hören gewünscht hatte. Nur … es war da etwas in der Stimme gewesen, was Steffi an seiner Beteuerung zweifeln ließ. Gezwungen? Lauernd? Ärgerlich? Es hatte Berts Aussage unglaubhaft klingen lassen.
»Nein«, antwortete sie. »Er hat dieses Wochenende Wache.«
»Scheiß Bundeswehr«, sagte Heidi und stieß mit ihr an. »Klauen uns hier die süßesten Kerle. Aber ist ja nicht mehr lange, dann hat er es geschafft. Dann kann er endlich Elektriker werden.«
Steffi spürte einen eifersüchtigen Stich. Dass Heidi hinter Bert her war, wusste sie. Als sie frisch verliebt waren, hatte Heidi wochenlang kein Wort mehr mit ihnen gesprochen. Inzwischen hatte sich die Lage zwar normalisiert, doch Heidi war unberechenbar. Niemand konnte vorhersagen, was ihr von einer Sekunde auf die andere in den Sinn kam. Nicht auszuschließen, dass sie den Fight um Bert irgendwann wieder aufnehmen würde. So unauffällig wie möglich musterte Steffi ihre Freundin, suchte nach verräterischen Anzeichen. Ein kämpferisch vorgestrecktes Kinn oder eine geballte Faust. Aber Heidi lächelte nur zufrieden und wippte im Takt der Musik. Steffi entspannte sich.
Heidi beugte sich an ihr Ohr. »Hast du schon das Neueste gehört?«
Ratlos hob Steffi die Schultern.
»Die Paula ist schwanger.«
Steffi riss überrascht die Augen auf. »Nee, echt? Mein Gott, die ist doch erst … wie alt? Sechzehn, oder?«
Heidi lachte höhnisch. »Alt genug.«
»Armes Ding.«
»Wohl eher dämlich. Hätte ja aufpassen können. Glaub mir, so etwas wird mir nicht passieren. Niemals werde ich mir das antun und mit einem Balg im Bauch und Wasser in den Beinen durch die Gegend rennen.«
»Vielleicht änderst du irgendwann …«
»Niemals!«
Beschwichtigend hob Steffi die Arme. »Okay, okay, alles gut.«
Heidi winkte ab. »War nicht so gemeint.« Sie wechselte das Thema. »Ich hoffe, du stehst nicht die ganze Zeit hier in der Ecke herum und trauerst deinem Liebsten nach.«
»Ist schon in Ordnung. Ich amüsiere mich.«
»Erzähl mir nichts! Du hast die Handbremse angezogen, das sehe ich doch. Komm mit!« Sie zog Steffi hinter sich her bis in die Küche. Hier war die Musik immer noch aufdringlich, jedoch konnte man sich in normaler Lautstärke unterhalten.
Heidi wurde von den anderen im Raum mit einem Jubel empfangen. »Ist ja schon gut«, beschwichtigte sie. Ihre Augen leuchteten freudig. Keine Frage, sie genoss die Aufmerksamkeit.
»Wo sind eigentlich deine Eltern?«, fragte Steffi.
»Im Urlaub«, antwortete Heidi. Sie stellte sich an die Arbeitsplatte, auf der die Flaschen mit den harten Spirituosen standen. »Ich mix uns rasch was.«
»Lass gut sein, Bier reicht mir vollkommen«, wiegelte Steffi ab. Sie plante, unter allen Umständen einen Kater zu vermeiden, da sie hoffte, Bert würde den Sonntag doch noch freigestellt werden. Und wenn dem so wäre, wollte sie den Tag mit ihm ohne Kopfschmerzen verbringen.
Heidi lachte. »Bier ist doch nur was für dickbäuchige Männer. Wir Mädels der Generation ›young and sexy‹ genießen mit Stil.« Sie warf Eiswürfel in zwei Gläser, schenkte Wodka ein und presste Zitrone dazu. Ein Glas hielt sie Steffi hin.
Steffi zögerte.
Heidis Miene verfinsterte sich. »Jetzt nimm schon! Zier dich nicht so!«
Bekam Heidi ihren Willen nicht, konnte sie ungemütlich werden. Steffi wollte auf keinen Fall schuld daran sein, dass die Party frühzeitig endete. Garantiert würden ihr das die anderen Gäste übel nehmen. Und auf diese soziale Ächtung verspürte Steffi überhaupt kein Verlangen. Daher gab sie ihren Widerstand auf, stellte ihre Flasche Bier neben der Spüle ab und nahm den Wodka. Das Glas schmiegte sich kalt in ihre Handfläche.
Augenblicklich klärte sich Heidis Miene auf. »Nastrovje«, rief sie und kippte den Drink in einem Zug hinunter.
Steffi tat es ihr gleich. Der Wodka explodierte warm in ihrem Magen. »Puh«, stieß sie aus und rülpste.
»Geht doch.« Heidi lachte. »Ist der Anfang erst mal fabriziert, säuft es sich weiter ungeniert.«
Steffi kicherte. Der Alkohol stieg ihr bereits zu Kopf.
»Auf einem Bein kann man nicht stehen«, rief Heidi und machte sich daran, die Gläser neu zu füllen. »Einen heben wir noch, bevor ich mich um das Stripperpärchen kümmern muss.« Sie hatte die Stimme gesenkt, damit nur Steffi es hören konnte.
»Nee, echt?«, platzte Steffi heraus. »Wie geil ist das denn?«
Verschwörerisch legte Heidi den Zeigefinger über ihre Lippen. »Prost!«
Steffi ergab sich ihrer Freundin und hob das Glas. »Prost!« Gegen Heidis mitreißende Begeisterung war ohnehin kein Kraut gewachsen. Eine Handvoll Schmerztabletten würden ihr morgen schon über den Tag helfen.
Steffi schlug die Augen auf. Augenblicklich spürte sie einen dumpfen Schmerz im Kopf, der mit jedem Pulsschlag stärker wurde. Das Licht, das durch das Fenster hereinströmte, stach ihr in die Augen. »Scheiße«, flüsterte sie und schirmte das Gesicht mit den Händen ab. Ihre Zunge fühlte sich trocken an, ihr Magen rumorte.
Die Party!
Erinnerungsfetzen schwirrten durch ihr Gedächtnis. Da war das Stripperpärchen gewesen, ein junger Mann mit Sixpack und eine Frau mit riesigen Silikonbrüsten. Klasse Show, die beiden hatten ihr Publikum im Griff gehabt. Danach laute Musik und Joints. Hatte sie auch geraucht? Es würde zumindest den pelzigen Geschmack in ihrer Mundhöhle erklären. Dann war doch noch die Discokugel gewesen, Lichtreflexe, die Nebelmaschine, sie tanzend darunter. Dann nichts mehr.
Mist! Sie hätte nicht alles trinken sollen, was Heidi angeschleppt hatte. Ein klassischer Filmriss! Blackout!
Das war ihr noch nie passiert. Wie hatte es nur dazu kommen können? So unvernünftig war sie bisher nie gewesen. Beim besten Willen konnte sie sich nicht vorstellen, den Alkohol literweise in sich reingekippt zu haben. Jedoch sprach ihr Zustand für sich, da gab es nichts dran zu deuteln. Sie hatte es schlicht und einfach übertrieben. Inständig hoffte sie, in ihrem Rausch keinen Blödsinn angestellt zu haben. Nackt auf dem Tisch getanzt oder dem Stripper einen geblasen zu haben, so in diese Richtung. Sobald es ihr etwas besser ging, musste sie Heidi anrufen und nachhören.
Steffi spürte eine Bewegung, das Bettgestell knarrte. Erschrocken tastete sie nach links und rechts, ignorierte dabei das stechende Tageslicht, das durch das Fenster hereinfiel.
Wärme!
Haut?
Ach du Scheiße!
Sie roch Schweiß, der von einem süßlichen Parfüm überlagert wurde.
Was war hier los? Mit wem lag sie im … Und wo war sie überhaupt? Die Deckenlampe gehörte eindeutig nicht in ihr Zimmer.
Steffi schoss hoch, die Kopfschmerzen pulsierten heftiger. Sie sah sich um. Ein großer Kleiderschrank, eine Kommode, in der Ecke ein Stuhl.
Das Schlafzimmer von Heidis Eltern?
Was suchte sie hier?
Wie war sie hierhergekommen?
Links von ihr lag eine nackte Frau mit melonengroßen Brüsten. Ihr Lippenstift hatte rote Streifen auf dem Kopfkissen hinterlassen. Selig schlummerte sie.
Rechts ein Mann, ebenfalls nackt. Sein riesiger Penis stand aufrecht und erinnerte an einen Baseballschläger.
»Guten Morgen«, murmelte er verschlafen.
Entsetzt riss Steffi die Augen auf.
Das Stripperpärchen!
Was machten die denn hier? Warum schliefen sie alle in einem Bett?
Hektisch strampelte Steffi die Decke von ihrem Körper. Die morgendliche Kälte ließ ihre Brustwarzen hart werden.
Scheiße! Sie war ja auch nackt!
Steffi konnte kaum einen klaren Gedanken fassen, so sehr erschütterte sie die Situation. Wenn sie nur zum Schlafen das Bett geteilt hätten, dann hätten sie sich doch nicht alle entkleidet, oder? Eine unerhörte Vorstellung schob sich hinter ihren Kopfschmerzen zu einer düsteren Wolke empor.
Steffi schluckte hart. Konnte das tatsächlich passiert sein? Ein flotter Dreier? Hatten sie etwa …
Plötzlich flog die Tür auf.
Steffi schreckte zusammen, benötigte einige Sekunden, bis sie registrierte, wer dort mit finsterer Miene im Türrahmen stand. »Bert! Was machst du denn hier? Warte, ich ziehe …«
Anklagend wanderte Berts Blick über das Bett. »Flittchen!«, zischte er.
Ein eisiger Schauer lief Steffi über den Rücken.
Der Stripper brummte missmutig. »Mann, Leute, wirklich! Macht doch nicht so einen Krach.« Er drehte sich auf die Seite und zog das Kopfkissen über das Ohr. Sein Hintern lag jetzt frei, auf einer Backe klebte etwas.
Neugierig wollte Steffi danach greifen, zog dann angeekelt den Arm zurück. Ein gebrauchtes Kondom! Ihr wurde es heiß und kalt gleichzeitig. Sie hatte also tatsächlich mit dem Kerl … aber nein, das konnte nicht sein! Sie fühlte nichts, kein Brennen, kein Wundschmerz, es fühlte sich an wie immer. Der fleischige Baseballschläger des Typen hätte sie doch gespalten.
Oder aber … oral? Entsetzt schlug sie die Hand vor den Mund.
Scheiße! Scheiße! Scheiße! Sie konnte sich einfach an nichts erinnern.