Die Autorin

Penny Reid – Foto © Korie Hayes

Penny Reid ist USA Today Bestseller-Autorin der Winston-Brothers-Serie und der Knitting-in-the-city-Serie. Früher hat sie als Biochemikerin hauptsächlich Anträge für Stipendien geschrieben, heute schreibt sie nur noch Bücher. Sie ist Vollzeitmutter von drei Fasterwachsenen, Ehefrau, Strickfan, Bastelqueen und Wortninja.

Das Buch

Niemand ist ein größerer Überlebenskünstler als Scarlet St. Claire. Ihre Spezialität ist es, aus den Umständen, die sie nicht kontrollieren kann, das Beste herauszuholen. Im Falle der Apokalypse wäre sie wahrscheinlich die einzige Überlebende: als professionelle Einsiedlerin, die zur Musik ihres alten CD-Players singt und tanzt als würde niemand zusehen.
Scarlet ist clever, Scarlet ist vorsichtig und Scarlet ist klug ... außer es geht um Billy Winston.

Niemand ist ein größerer Kämpfer als Billy Winston. Seine Spezialität ist es sich gegen die Umstände zu wehr zu setzen, denn es gibt nichts, was Billy nicht kontrollieren kann. Im Falle der Apokalypse wäre er derjenige, der die restlichen Überlebenden in Sicherheit bringen würde, die Katastrophe überwinden oder bei dem Versuch umkommen würde.
Billy ist furchtlos, Billy ist diszipliniert und Billy ist ehrlich ... außer es geht um Scarlet St. Claire.




Von Penny Reid sind bei Forever erschienen:
In der Winston-Brothers-Reihe:
Wherever you go
Whatever it takes
Whatever you need
Whatever you want
Whenever you fall
When it counts
When it's real

Penny Reid

Winston Brothers

When it counts

Aus dem Amerikanischen
von Uta Hege

Forever by Ullstein
forever.ullstein.de

Deutsche Erstausgabe bei Forever
Forever ist ein Verlag
der Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin Februar 2020 (1)

© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2020
Copyright © Beard with me 2019 by Penny Reid
Titel der amerikanischen Originalausgabe: Beard with me (Penny Reid 2019)
Umschlaggestaltung: zero-media.net, München
Titelabbildung: © FinePic®
Autorenfoto: © privat
E-Book powered by pepyrus.com

ISBN 978-3-95818-461-9

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TEIL 1

November 2003

Liebe Reidsche Leserschaft,

dies ist ein Buch, das ich eigentlich nie geplant hatte zu schreiben. Es schien so, als hätte ich eine mentale Blockade dagegen errichtet. Die Geschichte bricht einem das Herz, ist aber stellenweise trotzdem durchaus lustig, weil es darin schließlich einen Cletus gibt.

Schreiben ist wie das Erschaffen einer eigenen Welt. Man schreibt darin den Charakteren Eigenschaften und die Gründe für ihr Handeln zu, arbeitet sie aus, macht sie real. Bei der Erschaffung dieser Welt habe ich den Figuren Vorgeschichten angelastet, die ich weder eingehend erforschen noch ausführlicher hätte beschreiben wollen. Zum Glück oder vielleicht auch Pech für die, die wissen wollen, was es ursprünglich mit Scarlet/Claire und Billy auf sich hatte, habe ich es doch getan.

Wobei keine Romanze, sondern eher eine Tragödie ans Licht gekommen ist.

Wie gesagt, dies ist der Anfang der Geschichte, und zwar nicht nur für die beiden, sondern für Green Valley insgesamt. Man kann sie unabhängig von den anderen Bänden lesen, braucht sie aber nicht zu kennen, damit man seinen Spaß (oder auch nicht) mit den anderen Büchern über die Winston-Brüder hat.

Falls du die Reihe bereits kennst, sind die Charaktere dir hinlänglich vertraut und die Ereignisse (egal, ob gut, ob schlecht, ob lustig oder traurig) werden keine allzu große Überraschung für dich sein. Falls du die tragischen Details nicht wissen willst, überspringe bitte dieses Buch. Du kannst dann trotzdem alle bisherigen und auch zukünftigen Bände lesen und verstehen.

Falls du aber die Winston-Brüder noch nicht kennst und dies für dich das erste Buch der Reihe ist, sei gewarnt. Durch die Lektüre wird womöglich die Erinnerung an irgendwelche eigenen traumatischen Erlebnisse geweckt. Falls du auf dem Gebiet gefährdet bist, verzichte auf die Lektüre und wende dich dem nächsten Buch auf deinem SUB zu.

Penny Reid

1

Scarlet


Der Eingang zum Musikraum war mit Absperrband versehen. Ich musste schlucken und mein Blick wanderte von dem Band zu einem weißen Schild neben der Tür. FRISCH GESTRICHEN – BETRETEN VERBOTEN.

»Nein. Oh nein, oh nein, oh nein.« Ich starrte wieder auf das gelbe Band, umklammerte mein Gratis-Lunchpaket und stieß einen Seufzer der Verzweiflung aus. Mein Herz fing an zu rasen, ich begann zu schwitzen und hatte den sauren Geschmack von Verzweiflung auf der Zunge.

Ich hatte wieder einmal einen meiner Augenblicke.

Wusste wieder einmal weder ein noch aus.

Offiziell war es mir nicht erlaubt, mein Mittagessen im Musikraum einzunehmen. Essen oder Trinken waren dort strengstens untersagt. Trotzdem schlich ich mich während der Mittagspausen täglich dort hinein, versteckte mich zwischen zwei Stuhlreihen, bevor Mrs. McClure zur Vorbereitung ihres Unterrichts erschien, und wenn die Schüler nach dem Gong zum Pausenende langsam eingetrudelt kamen, machte ich mich unauffällig wieder aus dem Staub.

Das funktionierte jetzt seit über einem Jahr, nur heute eben nicht. Und als wäre das nicht bereits schlimm genug, war dies der letzte Monat vor den Winterferien, und nachdem ich mich bisher so gut wie nie in der Cafeteria hatte blicken lassen, fiele ich dort sicher sofort allen auf.

Ich öffnete den reparierten Reißverschluss meines uralten Rucksacks und stopfte mit zitternden Händen die Papiertüte hinein. Dann aber holte ich tief Luft und sagte meinen Händen und meinem noch immer wild klopfenden Herzen, dass es keinen Grund zur Panik gab.

»Wie heißt das Reh mit Vornamen?«, fragte ich mich selbst, bevor ich mir auch selbst die Antwort gab. »Kartoffelpü.«

Ich lachte leise auf und meine Anspannung nahm etwas ab.

Mach dich nicht lächerlich. Das ist doch keine große Sache. Alles gut.

Mit meinen vierzehneinhalb Jahren hatte ich bereits so einiges gelernt. Vor allem, dass das Ausmaß der Enttäuschung stets dem Ausmaß der Erwartungen entsprach. Das hatte ich bereits seit Längerem gewusst, aber in diesem Jahr hatte ich in Physik den Grund dafür gelernt. Denn wie hatte es Newton formuliert? Aktion gleich Reaktion, das heißt, zu jeder Kraft gibt es eine gleich große Gegenkraft. Dieses Gesetz galt für Erwartungen, für Hoffnungen, für Träume und das Leben allgemein.

Ich hatte also endlich eine Gleichung, um das Ausmaß der zu erwartenden Enttäuschungen vorherzusehen. War das nicht nett?

Mein erster Fehler war gewesen, davon auszugehen, dass mir der Musikraum täglich zur Verfügung stehen würde, und als Zweites hätte ich mir nie erlauben dürfen, mich auf meine Zeit in diesem Raum zu freuen. Es war ein Luxus, mich zum Essen ganz allein an einen ruhigen und dazu geheizten Ort zurückzuziehen, an dem es keine Menschen, keine Kakerlaken und vor allem keine kakerlakengleichen Menschen gab. Und ohne den Musikraum gab es keinen Ort, an dem ich essen konnte, an dem keine kakerlakengleichen Menschen waren.

»Also bitte, Scarlet, das solltest du eigentlich besser wissen.« Ich rollte mit den Augen und reckte das Kinn. »Es könnte schlimmer sein. Es könnte statt des letzten Monats auch der erste Monat dieses Schuljahrs sein.«

Mein Lächeln wurde breiter und mit einem Seufzer wandte ich mich abermals dem Reißverschluss von meinem Rucksack zu. Ich durfte nur behutsam daran ziehen, denn wenn ich über einen ganz bestimmten Punkt hinaus zog, ging er nicht mehr zu, und dann fielen mir ständig irgendwelche Bücher, Hefte, Stifte raus.

Vor allem hätte ich dann einen neuen Reißverschluss besorgen müssen, und das wäre ein Problem geworden. Blythe Tanner, die mir für gewöhnlich alte Kleider oder anderes Zeug im Gegenzug für meine Hilfe beim Sortieren von Altmetall und Altglas überließ, behandelte mich seit zwei Monaten wie Luft. Mein Vater hatte ihrem Vater damals angedroht, ihm seine Eingeweide rauszureißen. Denn der hatte als gesetzestreuer Bürger die von meinem alten Herrn und seinen Jungs gestohlenen Wagen nicht auf seinem Schrottplatz unterstellen wollen.

Ich erschauderte, als ich an meinen Vater dachte, kämpfte aber dagegen an und wandte dabei einen Trick, den ich mir schon vor Jahren angeeignet hatte, an. Ich stellte mir die Szene wie in einer Slapstick-Show im Fernsehen vor: Der gute, alte Dad. Schon wieder droht er jemandem damit, ihn auszuweiden. Er ist eben etwas speziell!

Ich sprach andauernd mit mir selbst und lachte ständig über meine eigenen Witze. Vielleicht lag das einfach daran, dass der Mensch nun einmal jemanden zum Reden braucht und ich die meiste Zeit allein war. Aber das war für mich okay. Ich gab eine fantastische Gesprächspartnerin ab.

Ich schloss die Augen, kniete mich mit meinem Rucksack auf den Boden, packte meinen Lunch auf meine Jacke und berührte mit dem Handrücken den Discman, den ich immer bei mir trug. Er war mein kostbarster Besitz und ich behandelte ihn wie ein rohes Ei. Mit zusammengekniffenen Augen nahm ich die Geräusche aus dem Hintergrund viel deutlicher und lauter wahr. Das leise Murmeln all der anderen Schüler, die sich über ihrem Essen unterhielten, ihr Gelächter, die Geräusche der Tabletts, die unsanft auf die Tische knallten, und das Knacken und das Zischen, als sie ihre Limodosen öffneten, schwollen zu einem lauten Dröhnen an.

Wieder zog mein Magen sich zusammen, doch ich straffte meine Schultern, reckte abermals das Kinn und sagte meinem Magen, dass es keinen Grund gab, sich so aufzuführen. Nicht wegen so etwas Albernem.

In 45 Minuten ist die Mittagspause rum. Das ist nicht wirklich lang. Ich krieg das schon hin. Für den Fall, dass mich ein Lehrer sah, nestelte ich weiter mit dem Reißverschluss und dachte über meine Möglichkeiten nach.

Die Cafeteria war keine Option. Dort müsste ich versuchen, einen Platz am Tisch der anderen Iron-Wraiths-Kids zu ergattern oder hoffen, dass ich einen freien Platz an einem Tisch mit irgendwelchen anderen Leuten fände, denn die Zahl der Schüler unserer Highschool überstieg seit Jahren die Zahl der Plätze, die es in der Schulkantine gab.

Am Tisch der Iron-Wraiths-Kids gäbe es wahrscheinlich trotzdem einen Platz für mich, denn schließlich war mein Vater Präsident des Clubs. Aber wahrscheinlich würde dann Prince King mal wieder irgendwelchen Scheiß verzapfen, um sich interessant zu machen, oder Carla Creavers würde Cletus, der an jedem Tag an einem anderen Tisch saß, eifersüchtig machen wollen und Prince King anbaggern, der wie Jared Leto aussah, aber davon abgesehen ein echtes Arschloch war.

Auf alle Fälle würde Prince mal wieder übertrieben aggressiv auf Carla reagieren und dann würde Cletus sich gezwungen sehen, einzuschreiten, und dann käme es zu einer Schlägerei und der gesamte Tisch müsste mal wieder nachsitzen.

Und an den anderen Tischen wäre garantiert nichts frei. Auch bei den Schulprojekten wollte niemand mich zum Partner haben – was durchaus verständlich war. Denn welche Eltern wollten schon, dass ihre Kinder sich auch außerhalb des Unterrichts mit einem Iron-Wraiths-Kind trafen? Noch dazu, wenn dieses Kind die Tochter ihres Präsidenten war? Und dazu kamen noch der Zustand meiner Kleider und die mangelnde Hygiene, unter der ich selbst vielleicht am meisten litt. Klamotten und Aussehen waren an der Highschool alles, und am Anfang dieses Jahres hatten mich die anderen mit so schmeichelhaften Spitznamen wie Stinke-Scarlet oder Scarlet Skunk belegt.

»Ihr Pech«, tat ich die Schmähungen mit einem Achselzucken ab.

Vielleicht bliebe ich einfach hier im Flur, doch nein, denn schließlich hatte Schulleiter Sylvester alle Schüler in der Mittagspause aus dem Flur verbannt, nachdem es dort vor einem Monat zwischen Cletus Winston und Prince King zu einer wilden Prügelei gekommen war. Jetzt war der Flur verbotenes Terrain und wurde schwer bewacht.

Ich hörte ein Geräusch – eine Toilettenspülung – und ein paar Sekunden später kamen zwei Schülerinnen vom Mädchenklo. Sie waren ins Gespräch vertieft und nahmen mich gar nicht wahr. Trotzdem tat ich so, als würde ich erneut an meinem Rucksack nesteln, bis die zwei verschwunden waren, blickte dann auf die Toilettentür und dachte HEUREKA!

Na klar!

Mein Essen sicher in den Tiefen meines Rucksacks mit dem vorsichtig geschlossenen Reißverschluss verstaut, stand ich entschlossen wieder auf.

»Was fragt ein Klo das andere?«, murmelte ich auf dem Weg in Richtung der Toilette vor mich hin. Warum bist du so angepisst?

Ich lachte leise auf. »Warum bist du so angepisst? Das ist echt gut. Oder wie wäre es mit: Du siehst heute aber echt beschissen aus.« Ich grinste, schüttelte den Kopf und gratulierte mir zu diesem Geistesblitz. »Der ist echt gut, Scarlet. Am besten schreibst du ihn dir auf.«

Ich war derart in mein Selbstlob wegen dieses wirklich guten Witzes vertieft, dass ich die Tür des Jungenklos, die plötzlich aufgestoßen wurde, fast gegen den Kopf bekam. Im letzten Augenblick machte ich einen Satz zur Seite, aber meine Brust und Schulter kollidierten derart heftig mit dem Jungen, der von der Toilette kam, dass ich hintüber fiel.

Wie hatte ich vorhin noch überlegt? Aktion gleich Reaktion. Außer auf das Leben, Träume, Hoffnungen und Erwartungen trifft das Gesetz natürlich auch auf Massen, die sich in verschiedenem Tempo aufeinander zu bewegen, zu, vor allem, wenn eine dieser Massen ein ausnehmend großer, muskulöser Junge ist und ich die andere bin.

»Hast du dir –«, fing der Junge an und seine Sneaker quietschten laut auf dem Linoleum, als er eilig einen Schritt in meine Richtung machte, ehe er abrupt verstummte und genauso plötzlich wieder stehenblieb.

Auch ich erstarrte und der Speer der abermaligen Enttäuschung bohrte sich mir in die Brust. Ich kämpfte gegen die Grimasse an, zu der sich mein Gesicht zusammenzog. Aufgrund der Prellung meines Steißbeins, doch vor allem infolge der Erkenntnis, dass der Typ, der mich aus Versehen umgeworfen hatte, niemand anderes als der momentane Star der Highschool-Footballmannschaft, Schwarm sämtlicher Mädchen unserer Schule und Erzfeind meiner Kindheit, Billy Winston, war.

Inzwischen ging ich ihm so gut wie möglich aus dem Weg und er tat seinerseits, als gäbe es mich nicht. Wahrscheinlich war es unter seiner Würde, jemanden wie mich zu registrieren. Also …

»Scarlet«, sprach er meinen Namen wie ein Schimpfwort aus und seufzte abgrundtief. »Bist du okay?«

Ich nickte stumm, aber noch immer rührte er sich nicht vom Fleck.

In unserer Kindheit hätte ich ihn jetzt beleidigt, denn ich wäre außer mir vor Zorn gewesen, dass mich Billy umgeworfen hatte, auch wenn es versehentlich geschehen war. Als kleines Mädchen war ich kühn und selbstbewusst gewesen, ich fühlte mich so, als ob ich wirklich wichtig gewesen wäre, aber seit der Mittelschule ging ich Kämpfen möglichst aus dem Weg. Es hatte keinen konkreten Auslöser dafür gegeben, keine große Wunde, die man mir zugefügt hatte, doch nach Tausenden von kleineren – physischen und psychischen – Verletzungen hatte ich es aufgegeben, gegen meine Umwelt anzukämpfen, weil ich einfach jeden Kampf verlor.

ABER EGAL.

Ich starrte schweigend seine Füße an und wartete darauf, dass Billy endlich weiterging.

Er trat von einem auf den anderen Fuß, als wollte er sich in Bewegung setzen, blieb dann aber weiter vor mir stehen.

»Hier«, bot er mir ungeduldig an und reichte mir die Hand. »Lass mich dir aufhelfen.«

Ich zuckte instinktiv zurück und blickte immer noch nicht auf.

»Was zur Hölle, Scarlet? Ich werde dich ja nicht schlagen«, knurrte er gereizt.

Ich saß dort wie erstarrt und spürte, wie die Schamesröte meinen Hals und meine Wangen überzog. Hau einfach ab, verdammt, lass mich in Ruhe!, hätte ich ihn gerne wie die kleine Scarlet angeschrien.

Nach einem Augenblick zog er die Hand zurück, wartete noch kurz und stapfte seufzend los.

Ich lauschte seinen Schritten, bis der Lärm aus der Cafeteria das Geräusch verschluckte, wagte aber nicht, darüber nachzudenken, was geschehen war.

Dann holte ich tief Luft und sagte mir: »Schon gut. Im Grunde ist gar nichts passiert. Ich bin gestolpert und gefallen. Er war gar nicht hier. Das heißt, im Grunde ist gar nichts passiert.«

»Tja nun. Ich bin ziemlich sicher, dass das nicht stimmt.«

Ich riss den Kopf zurück und sah, dass Ben McClure, die Hände in den Taschen seiner Jeans, fünf Meter weiter stand und dorthin sah, wo Billy Winston kurz zuvor durch die Tür zur Cafeteria verschwunden war.

»Hey, Scarlet«, grüßte er, klang aber etwas abgelenkt.

»Oh, hi, Ben«, stieß ich mit rauer Stimme aus. Wahrscheinlich hatte mein Gesicht sich in der Zwischenzeit farblich an meine feuerroten Haare angepasst.

Wenn Billy Winston die Verkörperung des rundherum perfekten Highschool-Freundes war, war Ben McClure der Inbegriff des idealen Mannes. Sie waren beide groß und muskulös, mit kantigem Kinn und tiefer Stimme, und als Ben nach seinem Schulabschluss im letzten Jahr nicht mehr als Quarterback des Footballteams hatte brillieren können, hatte ihn Billy auf der Position ersetzt.

Doch mehr hatten die zwei beim besten Willen nicht gemein.

Billy hatte dunkelbraunes, beinah schwarzes Haar, und das von Ben war weizenblond. Billys Augen waren eisblau und schienen einen wie Nadeln oder Messer zu durchbohren. Ehrlich gesagt, stieß Billys Aussehen mich eher ab. Er war einfach zu attraktiv, sah zu sehr wie ein Filmstar aus, und es tat beinah weh, ihn direkt anzusehen. Ganz anders ging es mir bei Ben, denn seine blauen Augen waren warm und hübsch wie Blauglöckchen im Sommer, und er sah im Ganzen weicher, nahbarer und jungenhafter als der zwei Jahre jüngere Billy aus.

Beide Jungen hatten gute Manieren, aber Billys Höflichkeit war kalt und förmlich, während Ben die Menschen so behandelte, als ob sie alle seine besten Freunde wären.

Vor allem war Billys Miene immer ernst. Ich wüsste nicht, dass er jemals gelächelt hätte, nicht einmal als kleiner Junge, während Ben fast pausenlos ein Lächeln auf den Lippen hatte, das sich je nach Anlass nur in seiner Breite unterschied. Er hatte ein Begrüßungslächeln, eins, um Menschen aufzumuntern, ein eher scheues und ein amüsiertes Lächeln, eins, das zeigte, dass er gerade Unfug machte, eins, das –

Ah. Hör auf, Scarlet. Hör auf, dich so zu quälen.

Falls euch meine Schwärmerei bisher nicht aufgefallen ist – ich hatte eine leichte Schwäche für den netten Ben McClure. Doch damit war ich nicht allein. Im Grunde liebte ihn die ganze Stadt. Männer, Frauen, Kinder, Hunde waren von ihm hingerissen, weil er so unglaublich freundlich, gut und überall der Beste war.

»Was machst du?«

Ich spürte seinen Blick, während ich weiterhin mit schmerzverzogener Miene auf dem Boden saß, und zwang ein leises Lachen an dem dicken Kloß in meinem Hals vorbei. »Hmm. Gute Frage. Wenn ich es herausgefunden habe, gebe ich Bescheid.«

Ich rappelte mich mühsam auf und wusste selbst, dass mein Grinsen weniger charmant als vielmehr dümmlich war. Aber das war egal. Weil wir so was wie Freunde waren. Zwar war es nichts Besonderes, dass er freundlich zu mir war und sich bei jedem unserer Treffen mit mir unterhielt, weil er mit beinah jedem in der Stadt befreundet und zu allen freundlich war.

Aber mir bedeutete es trotzdem was, vor allem, weil ihm meine Eltern und auch meine alten, abgetragenen Kleider völlig schnuppe waren. Vielleicht war ihm nicht ganz egal, wie ich an heißen Sommertagen, wenn ich wieder mal nicht hatte duschen können, roch, doch er verkniff sich jeden Kommentar.

Er war einfach stets zu allen freundlich, ganz egal, wie sehr man sich zum Narren machte oder wer man war.

Das hieß, im Grunde war er perfekt.

Ich seufzte innerlich und als er seine Stirn in Falten legte und den Blick an mir herunterwandern ließ, wurde mir tatsächlich noch heißer, als mir schon gewesen war.

»Alles in Ordnung? Der Sturz sah ganz schön übel aus.« Er klang bei der Bemerkung ungewohnt gereizt.

»Du hast … mich fallen sehen?« Ich schwankte zwischen Scham und neuerlicher Schwärmerei.

»Ja, ich habe es gesehen.« Er blickte mich mit einem leicht besorgten Lächeln an. »Wenn du öfter derart gegen Türen rennst, muss ich dir wohl hinterherlaufen, damit ich dich auffangen kann.«

»Oh. Ha. Hahahaha.« JA, BITTE.

Er nickte in die Richtung, in die Billy kurz zuvor verschwunden war. »War das William Winston, der dich einfach umgeworfen und dir dann nicht aufgeholfen hat?«

Autsch.

Ich schüttelte den Kopf. »Es war nicht seine Schuld. Ich habe nicht geguckt, wohin ich laufe, und er hat gar nichts gemacht, und plötzlich flog ich durch den Flur. Vor allem hätte er mir durchaus auf die Beine helfen wollen, aber ich habe –«

»Scarlet.« Ben hob seine Hände mit den Handflächen nach oben in die Luft. »Es ist nicht nötig, dass du ihn verteidigst. Schließlich weiß ich, wie er ist.«

Ich unterdrückte mein Verlangen zu erklären, dass es mir bei meiner Rede nicht um William – Billy – Winston ging. Ich wollte einfach nicht, dass Ben zu Billys Momma ging, um ihr zu sagen, was geschehen war. Dann würde Mrs. Winston Billy dazu zwingen, sich bei mir zu entschuldigen. Aber das Letzte, was ich brauchte, war, dass Billy wütend auf mich war. Vor allem hätte er mir schließlich wirklich helfen wollen. Worauf ich allerdings nicht eingegangen war.

»Der Sturz sah ganz schön übel aus«, bemerkte Ben und seine hübschen Augen drückten keinen Frust und Widerwillen, sondern ehrliche Besorgnis aus.

Mir wurde warm ums Herz oder vielleicht auch einfach heiß, weil mir vor lauter Hunger langsam schwummrig war.

»Bist du okay?«, erkundigte er sich in sorgenvollem Ton.

Ich stieß ein unbeholfenes Schnauben aus und winkte ab. »Ich? Na klar. So ein kleiner Sturz tut meinem Hinterteil sicher nichts. Hast du gesehen, wie dick mein Hintern ist? Das Ding ist wirklich gut geschützt.« Jetzt schnaubte ich verschwörerisch, soweit ein solches Schnauben möglich war …

Gott im Himmel, eine dämlichere Antwort gab es sicher nicht.

Aber vor lauter Angst war mir so unbehaglich, dass ich gar nicht überlegte, was ich sagte oder ob mein Schnauben passend war. Ich wollte nur, dass er das Thema endlich fallen ließ. Normalerweise zeigten sich die Menschen niemals ohne eigennützige Motive um mein Wohlergehen besorgt, doch mir war klar, dass Ben McClure die Ausnahme von dieser Regel war. Aus diesem Grund stellte mein Hirn wie jedes Mal, wenn er um mich in Sorge war, vorübergehend die Arbeit ein. Das musste ich wirklich in den Griff bekommen.

Er richtete sich wieder auf, stopfte seine Hände wieder in die Hosentaschen und sah über mich hinweg den Korridor hinab. »Ich habe nicht – ich würde nie –« Er schüttelte den Kopf und lachte leise auf. »Scarlet, wenn du sicher bist, dass alles in Ordnung ist, lassen wir die Angelegenheit auf sich beruhen.«

»Ich bin okay.« Ich grinste dümmlich und mir wurde klar, dass Ben bei diesem Grinsen überdeutlich meine schiefen Zähne sah. Wie gerne hätte ich zwei strahlend weiße, kerzengerade Zahnreihen im Mund gehabt wie er.

»Also gut dann.« Er trat einen Schritt zur Seite und sah mir mit einem warmen Lächeln ins Gesicht. »Weißt du, wo meine Momma ist? Ich soll sie hier zum Mittagessen treffen.«

Ja. Natürlich. Seit er mit der Schule fertig war, traf er sich freitagmittags häufiger mit seiner Mom zum Essen hier. Er war in Nashville auf dem College, aber an den meisten Wochenenden kam er seiner Eltern wegen heim. Da ich ihn und seine Mutter nicht belauschen wollte, konzentrierte ich mich stets auf meine Bücher oder sonst was, während ich in meinem Versteck zwischen den Stuhlreihen saß, doch hin und wieder konnte ich die beiden lachen hören – sie hell und melodiös und ihn ganz dunkel und tief aus dem Bauch heraus. Von ihrem Lachen hellte sich auch meine eigene Stimmung auf, und später dachte ich immer wieder mit einem Lächeln an die unbeschwerte Fröhlichkeit, die ihr Gelächter ausgedrückt hatte, zurück.

Das gutmütige, freundliche Lachen anderer Menschen war einfach ein herrliches Geräusch.

»Ich habe keine Ahnung, wo sie ist. Der Musikraum ist geschlossen«, sagte ich und zeigte auf das Absperrband. »Sie haben dort frisch gestrichen oder so.«

»Das stimmt. Sie hat mich deshalb heute in den Hof bestellt.« Ben sah auf seine Uhr und dann wieder auf mich. »Wenn ich mich nicht beeile, komme ich zu spät. Solltest du im Übrigen nicht selbst gerade essen? Wo ist denn dein Lunchpaket?«

»In meinem Rucksack. Mein … normaler Essplatz ist heute gesperrt, deswegen wollte ich auf der Toilette essen.« Ich fuhr zusammen, weil ich das nicht hatte sagen wollen, doch im Grunde überraschte meine Offenheit mich nicht. Ben hatte einfach etwas an sich, was mich dazu brachte, dass ich, wenn wir miteinander sprachen, immer völlig ehrlich war. Ich hätte es einfach nicht über mich gebracht, ein derart gutes, freundliches Gesicht oder den Menschen, der dahintersteckte, zu belügen.

»Was redest du denn da? Du kannst doch nicht auf der Toilette essen. Das ist nicht hygienisch.« Er bedachte mich mit einem Blick, als ob er mit mir schimpfen wollte, kämpfte aber gleichzeitig gegen ein Lachen an. »Warum isst du denn nicht in der Cafeteria?«

Bei dem Vorschlag spannte sich mein ganzer Körper an, ich sah zu Boden und bekam nur noch mit Mühe einen Ton heraus. »Das will ich lieber nicht.« Ich wollte dort nicht essen, aber noch viel weniger lag mir an einer Diskussion zu diesem Thema mit dem wunderschönen Ben.

»Ich kann mich zu dir setzen, wenn du willst.«

Ich schüttelte den Kopf, denn mein Entschluss stand fest. Vor allem wäre es nicht unbemerkt geblieben, wenn ich mit Ben McClure dort gesessen hätte, also sagte ich: »Erst einmal muss ich tatsächlich aufs Klo.«

Doch ehe ich an ihm vorbeigehen konnte, lehnte Ben sich leicht zur Seite und versperrte mir auf diese Art den Weg. »Okay, du willst auf keinen Fall in der Cafeteria essen. Warum kommst du dann nicht mit nach draußen und isst dort mit meiner Momma und mir? Wo ist deine Jacke?«

»Auch in meinem Rucksack, aber es ist nicht erlaubt, dass Schüler –«

»Kein Problem.« Er glitt mit seiner Hand an meinem Arm herab, nahm meine Hand, und meine Haut und mein Gehirn bekamen keine Gänsehaut.

HILFE!!!!

Ben McClure hielt meine Hand. Oh großer Gott, er hielt tatsächlich meine Hand.

Ich begann erneut zu schwitzen, denn dass mich ein Mensch – für den ich obendrein noch eine Schwäche hatte – auf so nette Art berührte, brachte offenbar auch meine Talgdrüsen in Schwung. Eine Überreaktion, die mich frustrierte, auch wenn ich mir denken konnte, worin sie begründet war.

»Na, komm schon, meine Momma wird sich freuen.« Ben zog an meiner Hand. »Du weißt doch selbst, dass du eine ihrer Lieblingsschülerinnen bist.«

Aus reinem Selbsterhaltungstrieb blieb ich auch weiter stehen. Es war nicht so, dass ich nicht mit den beiden hätte essen wollen. Aber um nach draußen zu gelangen, hätten wir durch die Cafeteria laufen müssen und ich wollte nicht, dass irgendjemand uns zusammen sah.

Man stelle sich das mal vor: Ich, die Hand in Hand mit Ben McClure durch die Cafeteria unserer Highschool lief. Das bliebe, auch wenn es im Grunde gar nichts zu bedeuten hatte, ganz bestimmt nicht unbemerkt.

»Moment mal. Einen Augenblick.«

»Die Zeit wird langsam knapp. Falls du noch was essen möchtest, sollten wir allmählich los. Ich lasse ganz bestimmt nicht zu, dass du auf der Toilette isst. Also setzen wir uns entweder zusammen in die Cafeteria oder du kommst mit mir in den Hof.«

»Okay, okay. Ich komme mit dir in den Hof.« Da mein Gehirn nicht funktionierte, wenn er mich berührte, machte ich mich sachte von ihm los. »Geh du am besten vor und ich laufe ein paar Schritte hinter dir.«

Er sah mich forschend an und runzelte halb amüsiert und halb verwirrt die Stirn. »Du brauchst nicht hinter mir zu gehen, Scarlet. Schließlich schäme ich mich nicht, wenn uns die anderen zusammen sehen.«

»Das weiß ich, Ben« erwiderte ich sanft, während mein Herz bei seinen Worten einen Salto schlug.

Auch Mrs. Winston und Mrs. McClure waren immer nett zu mir, aber die Freundlichkeit von Ben schlug andere Saiten bei mir an. Sie fühlte sich nicht wie eine innige Umarmung, sondern eher wie eine zärtliche Berührung an.

Mit einem schiefen Lächeln griff er abermals nach meiner Hand. Ich machte einen Schritt zurück, umklammerte die Gurte meines Rucksacks und bat leise: »Geh du schon mal vor. Ich komme nach.«

Wieder blickte er mich forschend an. »Moment mal. Findest du es etwa peinlich, wenn man uns zusammen sieht?«

Entsetzt, weil er mir diese Frage stellte, trat ich eilig wieder auf ihn zu und packte seinen Arm. »Oh nein. Niemals. Ich würde mich im Leben niemals für dich schämen. Du bist der netteste, der freund…« Ich brach verlegen ab und leckte mir die Lippen, weil ich so was niemals hätte sagen sollen, und fügte rau hinzu: »Ich weiß, was für ein Glück ich habe, weil wir beide Freunde sind.« Oh ja. Das hatte ich.

Allein, weil Ben mir gegenüber in den letzten Jahren so nett gewesen war, waren die anderen nicht ganz so unsanft mit mir umgesprungen, wie sie hätten wollen, wofür ich ihm für alle Zeiten dankbar war. Seit seiner Geburt nahm Ben McClure die Herzen aller Menschen in Green Valley ein. Alle kannten die Geschichte. Obwohl der ganze Ort für sie gebetet hatte, hatten seine Momma und sein Daddy 25 Jahre lang kein Kind bekommen können, und nachdem sie die Versuche längst aufgegeben hatten, hatte es auf wundersame Weise noch geklappt.

Die ganze Stadt hatte gefeiert, oder wenigstens hatte das Karen Smith erzählt. Die Babyparty war einfach der Hit gewesen und die Leute hatten versilberte Babyrasseln, Becher oder Löffel mit Gravuren und andere teure Sachen angeschleppt. Alles, was er bis zu seinem dritten Lebensjahr getragen hatte, hatte irgendeine Großmutter mit seinem Monogramm versehen, und egal, wo er sich hatte blickten lassen, waren die Leute froh gewesen, ihn zu sehen. Sie hatten ihn schon, als er klein gewesen war, Big Ben genannt, und dieser Name hatte sich gehalten, bis er eines Tages wirklich groß gewesen war.

Er war der Liebling der gesamten Lehrerschaft, des Sekretariats, der Pfarrer und der Trainer, aber schließlich war er auch brillant in allem, was er tat. Er war einfach der Beste.

Und jetzt grinste mich das Lieblingskind des Ortes fröhlich an. Mich. Scarlet St. Claire, Ausgeburt des Satans und seiner Mätresse, die nicht mal des Lesens mächtig war (kein Scherz).

Ben nahm meine Hand, die weiter um den Gurt des Rucksacks lag, verschränkte unser beider Finger und marschierte auf die Cafeteria zu.

»Nun, es freut mich, dass du das so siehst. Weil es mir nämlich andersrum genauso geht.« Noch einmal sah er mich durchdringend an und wieder breitete sich ein Gefühl der Wärme in mir aus. Aber vielleicht war ich auch wirklich nur sehr, sehr hungrig.

Trotzdem zögerte ich noch und meine Angst verdrängte fast das wohlige Gefühl in meinem Bauch. Denn wenn eins der anderen Wraiths-Kids uns zusammen sähe – was auf jeden Fall passieren würde – würde auch mein Vater davon hören. Und nähme Ben ganz sicher ins Visier.

»Ben –«

»Hör zu. Vertrau mir einfach, ja? Was ist denn schon dabei, wenn uns die anderen Highschool-Kids zusammen sehen?«

»Aber wenn wir Händchen halten, sieht‘s vielleicht nach etwas aus, was gar nicht ist, und dann werden die Leute reden.«

Achselzuckend und mit einem Lächeln, von dem ich nicht sagen konnte, ob es eher gewieft oder eher schüchtern war, gab er zurück: »Oder vielleicht sieht‘s auch genauso aus, wie‘s aussehen soll. Lass die Leute einfach reden«, meinte er und drückte mir die Hand. »Ich passe schon auf dich auf.«

Ich versuchte, ebenfalls zu lächeln, aber es gelang mir nicht. Denn schließlich ging‘s bei dieser Sache nicht um meine, sondern seine Sicherheit.