
Mit einer literarhistorischen Einleitung
von
Friedrich Schnettler.
Mit 70 Illustrationen.
Leipzig
Druck und Verlag von Philipp Reclam jun.
Fast ein Jahrhundert ist verflossen, seitdem die Jobsiade, natürlich nur der erste, abgerundete und abgeschlossene Theil, 1784 im Druck erschien; in vielen Tausenden von Exemplaren ist das „komische Heldengedicht“ verbreitet, mehr als drei Generationen haben sich an dem grobkörnigen Humor erfreut, aber über die Lebensumstände des Dichters ist im großen Publikum wie in seiner zweiten Vaterstadt, der Kreisstadt Bochum in Westfalen, wenig bekannt. Man wird dem Fremden dort auf Befragen das Wohnhaus des Dichters zeigen, welches durch eine im Jahre 1876 daran angebrachte Marmortafel kenntlich gemacht ist, und vielleicht auf das Grab desselben auf dem alten Theile des sogenannten „Todtenkirchhofes“. Damit hat aber die Kunde über „Leben, Meinungen und Thaten“ des Jobsiadendichters auch in seiner Vaterstadt so ziemlich ein Ende.
Das Wohnhaus des Dichters, auf der oberen Marktstraße gelegen, trägt die Nr.23 und charakterisirt sich durch seine Bauart und Giebelverzierungen als aus dem Anfange des vorigen Jahrhunderts stammend. Die Inschrift der Marmortafel lautet:
„In diesem Hause — lebte, dichtete und starb — der Königl. Hofrath — und doct. medicinae — Carl Arnold Kortum, — geboren den 5.Juli 1745, — gestorben den 15.August 1824.“
Angebracht ist diese Tafel von den Berufsgenossen des Dichters, wohl zu verstehen von den Berufsgenossen in dessen ärztlichem Berufe, nicht in der Dichtkunst, und verdienen die Bochumer Aerzte für diesen Act der Pietät alle Anerkennung.
Der Name des Dichters wird meistens falsch angegeben; derselbe heißt nicht Kortüm, sondern Kortum. Nicht allein die Encyclopädien, sondern auch wissenschaftliche Werke haben die erste, falsche Form des Namens. Der Irrthum beruht auf einer Verwechselung mit dem Namen des bekannten Historikers Joh. Friedr. Kortüm, geboren den 24.Februar 1788 zu Eichhorst in Mecklenburg-Strelitz, gestorben am 4.Juni 1858 als Professor der Geschichte an der Universität Heidelberg.
Carl Arnold Kortum wurde am 5.Juli 1745 von protestantischen Eltern zu Mühlheim an der Ruhr geboren, wo sein Vater eine kleine Apotheke besaß. Dieser starb schon früh, aber die Mutter, eine geborene Maria Helene Severin aus Bochum, setzte das Geschäft des Verstorbenen fort, und da sie obendrein ein ziemliches Vermögen mit in die Ehe gebracht hatte, so konnte sie ihrem Sohne eine sorgfältige Erziehung geben. Nach Kortums eigener Aussage, welche in der Form seines Namens einen weiteren Anhalt findet, stammte seine Familie aus Friesland; dieselbe habe dort einst ein ausgedehntes und reiches Grundvermögen besessen, sei aber durch widrige Umstände um Ansehen und Besitz gekommen, in Folge dessen verzogen und zum Stande und Broderwerb des kleinen Bürgers herabgedrückt worden.
Die Liebe und Sorgfalt, mit welcher die Mutter der Erziehung des kleinen Carl Arnold oblag, fand in den ersten Jahren wenig Belohnung; alle Sorge und Mühe scheiterte an den geringen Anlagen des Knaben und man verzweifelte schon daran, ihm auch nur das Alphabet und damit die Grundlage aller Wissenschaft beibringen zu können. Was der Mutter und vielen Andern nicht gelingen wollte, gelang endlich durch den glücklichen Einfall eines damals in Mühlheim lebenden Candidaten Namens Grabow. Derselbe fand den Schlüssel zu dem Geiste des Knaben dadurch, daß er auf das sogenannte „letterbanket“ der Holländer verfiel; er ließ nämlich aus Kuchenteig Buchstaben bilden, und spendete diese gebackenen Buchstaben dem Knaben als süße Belohnung, wenn er wieder einen Buchstaben begriffen und behalten hatte. Es kam nunmehr ein ganz anderes Leben in den Knaben; er bekam Muth und Selbstvertrauen und hatte sich bald in einen solchen Eifer zum Lernen hineingegessen, daß er ungewöhnlich rasch lesen lernte und seine Mutter ihm bald nicht genug Bücher mit Fabeln, Märchen und allerhand Kindererzählungen verschaffen konnte.
Der verstorbene Vater des Dichters hatte gewünscht, daß der Knabe studiren und zur Universität übergehen sollte. Im Herbst 1753 kam der Knabe daher, acht Jahre alt, auf die protestantische Lateinschule seiner Vaterstadt; da sich dieselbe aber in einem jämmerlichen Zustande befand, sah sich die Mutter genöthigt, ihn von da fortzunehmen und in die katholische Schule des Ortes zu schicken, wo das Lateinische gründlich betrieben und das Französische ebenfalls gelehrt wurde. Mit fünfzehn Jahren wurde Carl Arnold Schüler des Gymnasiums zu Dortmund, wo er bei einem Onkel von väterlicher Seite Wohnung und Pflege fand. Ein Sohn dieses seines Hauswirthes ist Karl Georg Theodor Kortum, den Pierers „Universal-Lexicon“ s.v. „Kortum“ fälschlich als Sohn unseres Jobsiadendichters bezeichnet. Derselbe, 1765 zu Dortmund geboren, starb am 9.Februar 1847 als Physikus in Stollberg bei Aachen.
Am Gymnasium zu Dortmund gehörte unser C.A. Kortum zu den tüchtigsten Schülern, und waren es nach F.W. Ebeling vorzüglich zwei Lehrer, welche einen nachhaltigen Einfluß auf denselben ausübten, der Rector Gotthilf August Hofmann und der Professor Pilger. Letzterer gab sich Mühe, den jungen Studiosus für den geistlichen Stand zu bestimmen, aber vergeblich, denn die Lust und Liebe zur Medizin als zu seinem Brodstudium hatte der Jüngling in der väterlichen Apotheke zu tief eingesogen; trotzdem blieb ihm zeitlebens eine gewisse Vorliebe für theologische Dinge anhaften. Der Rector Hofmann, ein für seine Zeit sehr verdienter Schulmann (gestorben 1770), war zwar ebenfalls Theologe, aber nach der obigen Quelle zugleich ein warmer Freund der Dichtkunst, deren Nutzen und Werth er in mehreren lateinischen und deutschen Schulschriften zu erweisen versuchte. Derselbe weckte in seinem Schüler die Liebe zu den schönen Wissenschaften und beklagte nur unaufhörlich, daß derselbe in allen seinen freien Arbeiten einen ungemeinen Hang zur Satire verrieth. Er warnte ihn, seinen beißenden Witz zu unterdrücken und seine Spottlust zu zügeln, durch welche er sich nur Feinde und Unannehmlichkeiten im Leben schaffen werde; dabei hatte der Lehrer selbst aber eine satirische Ader, fluthete von Sarkasmen völlig über und war sogar in einer literarischen Fehde öffentlich als Satiriker aufgetreten. So wenig ein Lehrer, der den ganzen Tag die Pfeife nicht erkalten läßt, seinen Schülern das Unpassende und Schädliche des Rauchens begreiflich machen kann, so wenig war auch Rector Hofmann geeignet, dem jungen Kortum die Freude an lachendem Witz und scharfem Spott zu verleiden.
Mit tüchtigen Kenntnissen ausgerüstet bezog Kortum 1763, achtzehn Jahre alt, die Universität Duisburg, um Medicin zu studiren. Hier, in der Vaterstadt des bekannten Geographen Mercator (Kremer), welche 1609 mit der Clevischen Erbschaft an die Kurfürsten von Brandenburg gefallen war, hatte der große Kurfürst 1655 eine reformirte Universität gegründet, welche 1802 theilweise und 1818 ganz und förmlich aufgehoben wurde. In der medicinischen Fakultät waren es besonders zwei Männer, die Bedeutung und Ruf hatten: Johann Gottlieb Leidenfrost (1715-1791) und Christian Arend Scherer (1714-1777). Beide standen auf der Höhe der medicinischen Wissenschaft ihrer Zeit, und hat der junge Kortum namentlich die Fußstapfen des ersteren dadurch betreten, daß er sich gleich ihm bemühte, populäre Kenntnisse über das Wesen des menschlichen Körpers und dessen rationelle Behandlung zu verbreiten. Die 1779 in Wesel und Leipzig bei F.J. Röder und J.S. Heinsius erschienene Schrift Kortums: „Anweisung wie man sich vor alle ansteckende Krankheiten verwahren könne, für solche die nicht selbst Aerzte sind“ — gibt den größtenteils noch jetzt richtigen Ansichten Leidenfrost’s einen populären Ausdruck und scheint vielfach auf dessen Vorlesungen zu beruhen.
Nach drei Jahren bestand Kortum glücklich seine ärztliche Prüfung, erwarb sich durch eine 1766 gedruckte Dissertation über die Epilepsie den Doctortitel und ließ sich, nachdem er noch ein halbes Jahr in Berlin hauptsächlich Anatomie und Chirurgie studirt hatte, in der liebgewordenen Musenstadt Duisburg als Arzt nieder. Kaum 23 Jahre alt, verheirathete er sich hier 1768 mit Margaretha Ehinger aus Bochum und erwarb sich wegen seiner gediegenen Kenntnisse, einiger glücklicher Aufsehen erregender Curen, sodann aber wegen seines leutseligen Benehmens, seiner geistreichen Unterhaltung und seiner gesellschaftlichen Talente rasch eine ausgedehnte Praxis. Die Zahl der von ihm in Duisburg behandelten Kranken soll sich in einem Jahre auf 600 belaufen haben. In einer Zeit, wo tüchtige Aerzte noch selten waren, wo Charlatane, Dorfbader und Feldscherer fast noch allein das Feld behaupteten und ungestraft an dem gesunden Körper unserer Vorfahren ihre unvernünftigen Quacksalbereien und bedenklichen Hundecuren versuchen durften, waren wissenschaftlich gebildete Aerzte gesuchter als heutzutage, und schon bald bewarben sich die Städte Wesel, Lennep und Hagen um Kortum als Arzt; in Rees wurde ihm gar das Kreisphysicat angeboten. Seine Mutter und Gattin waren aber beide aus Bochum, und wol deren Vorliebe für ihre Vaterstadt war es, die den jungen Arzt bewog, sich im Jahre 1770 in Bochum niederzulassen. Bochum wurde seine zweite Vaterstadt, und bis zum Ende seiner Tage, länger als ein halbes Jahrhundert, blieb er derselben treu.
Klein und beschränkt war dieser Wirkungskreis, und es ist nicht ohne Interesse, den Dichter selbst über die einfach-spießbürgerlichen Verhältnisse seines neuen Wohnortes zu vernehmen. In einer hinterlassenen Schrift: „Bochumer Nachrichten“, welche von der „Westfälischen Volkszeitung“ in Bochum im ersten Jahrgange 1872 veröffentlicht wurde und welche, wie aus dem Inhalte zu schließen ist, im Winter von 1789 auf 1790 entstanden sein muß, äußert sich Kortum an verschiedenen Stellen wie folgt:
„Augenblicklich (im Jahre 1789) wohnen überhaupt 366 Familien in der Stadt; die Personenzahl beträgt 1474 Seelen, ausgenommen die hier im Dienst stehenden Soldaten. Hierunter sind 294 Männer, 385 Frauen, 332 Söhne, 348 Töchter, 11 Gesellen, 17 Knechte, 1 Junge und 86 Mägde. Von diesen sind 983 über und 491 unter zehn Jahren alt. Zum Militärstande gehören noch besonders 47 Personen, deren Weiber und Kinder eingerechnet.
„Die Einwohner der Stadt sind meist starke, untersetzte Leute. Man trifft hier wenig Krüppel und im Verhältniß der Einwohnerzahl sehr viele alte Leute beiderlei Geschlechts. Siebenzig- und Achtzigjährige sind durchaus nicht selten. Die einfache Lebensordnung, die hier geführt wird, ist neben der gesunden Luft die Hauptursache des außerordentlich günstigen Gesundheitszustandes. Der gemeine Mann nährt sich nur von Brod, Butter und Gemüse; Fleisch wird von ihm nur selten genossen, noch seltener Fische; Gewürze fallen fast ganz fort. Kaffee wird viel getrunken, aber sehr dünn; derselbe macht mit einem Butterbrode oft die Mittagsmahlzeit, fast immer die Abendmahlzeit der Familie aus, die vertraulich beim Scheine des Herdfeuers um den Kaffeekessel („Wippop“) oder Milchnapf sitzt. Der Hausvater raucht dabei wol sein Pfeifchen Kölnischen Tabak, und wenn er bei Vermögenden in Arbeit steht, trinkt er auch wol ein Glas Branntwein oder eine Kanne Bier. In solchem Falle ißt er auch besser, bekommt Speck und sonstiges Fleisch und Pfannkuchen, und ist dann vergnügt wie ein Fürst.
„Die Bürger ernähren sich größtentheils vom Ackerbau. Fast jeder wohlhabende Bürger hat eigen Feld; doch nur wenige haben eigene Pferde und Ackergeräthe. Sie lassen vielmehr von Bauern aus den benachbarten Ortschaften entweder für Geld oder gegen die Hälfte des Ertrages den Acker bearbeiten.
„Ein anderer Nahrungszweig ist die Viehzucht. Jeder Bürger, er sei vornehm oder gering, hat eine oder mehrere Kühe; die ärmsten haben wenigstens eine Ziege. Da die Bürger im Sommer auf der Vöde frei Vieh treiben können, so ist ihnen das Vieh wohlfeil zu halten. Im Jahre 1719 war der ganze Viehstand in der Stadt 24 Pferde, 402 Kühe und 2 Ziegen. Nach der Zeit hat der Viehstand abgenommen, denn jetzt (1789) sind nur vorhanden 287 Stück Rindvieh, aber 42 Ziegen und 27 Pferde. Schafe werden gar nicht gehalten.
„Auch das Kohlenbergwerk nährt manchen Bürger. Einige haben an den Bergwerken selbst Antheil, Andere arbeiten an denselben, Andere fahren auf Sturzkarren, Schiebkarren, Schleppen und Tragkörben Kohlen zum Verkauf in die Stadt oder holen dieselben für andere Leute.
„Die Classe der vornehmen Leute besteht aus königlichen Beamten, Geistlichen, Gelehrten, Kaufleuten, Künstlern und Handwerkern. Die übrigen geringeren Bürger sind Tagelöhner, welche sich mit Dreschen, Steinbrechen, Holzhauen, Futterschneiden u.dgl., so wie durch Hilfe beim Ackerbau, Branntweinbrennen, Brauen und sonstigen wirthschaftlichen Arbeiten ernähren.
„Als im Jahre 1753 die Grafschaft Mark in Landgerichte bestellt wurde, erhielt auch Bochum ein solches (1878 leider nicht. D.V.) und wurden dazu 1 Landrichter, 2 Assessoren, von denen der jüngste zugleich das Amt eines Actuars mit verwalten muß, nebst einem Gerichtsschreiber angeordnet. Zu diesem Landgerichte gehört nicht allein das Amt Bochum, sondern auch das Amt Hattingen und Blankenstein. Das Landgericht hat zur Vollziehung der Befehle zwei Gerichtsdiener. Die Sitzungen werden in einem Zimmer des Rathhauses abgehalten.
„Es geht zur Zeit (1789) hier noch kein Postwagen, wol aber kommt von Cleve über Duisburg die reitende Post Donnerstags und Sonntags hier an, und des Mittwochs und Sonnabends eine Fußpost von Lünen, welche desselben Tages wieder abgeht. An eben den Tagen kommt ein Postbote von Essen, geht hier durch nach Dortmund, und kehrt des anderen Tages zurück. Nach Hattingen geht auch ein Postbote Mittwochs und Sonnabends; außerdem sind noch besondere Postboten zur Ueberbringung etwaiger Briefe an die nahegelegenen Dörfer.“
Es waren demnach die philisterhaften Verhältnisse eines kleinen Landstädtchens, in welche der geistig und körperlich rege junge Arzt hineingezwängt war; aus ihnen ist die Jobsiade hervorgewachsen und aus dem Mangel an geistiger Anregung, den der reich angelegte und rastlos thätige Dichter doppelt fühlen mochte, erklärt sich die Entstehung und mancher Zug der Jobsiade. Der kleine Gesichtskreis genügte seinem regen Geiste nicht, und da er die kleinlichen Verhältnisse nicht ändern konnte, machte er sich in Wort und Schrift darüber lustig. Ferner erklärt sich hieraus, abgesehen von der natürlichen Anlage, seine ungemeine Vielseitigkeit und seine große schriftstellerische Fruchtbarkeit.
Mochte Bochum, welches bei der Volkszählung am 1.Dezember 1875 eine ortsanwesende Bevölkerung von 28,562 Seelen hatte, zur Zeit der Entstehung der Jobsiade aber auch nur kaum anderthalb tausend Seelen zählen: das alte Bochum brachte noch Originale hervor, kernige, gesunde, zufriedene Menschen, die sich als Bürger eines Gemeinwesens fühlten, sich bestens vertrugen, und mit allerhand lustigen Streichen und Einfällen aufzogen. Die leichtlebige und vergeßliche Gegenwart hat kaum noch eine Ahnung davon, welch’ originelle Menschen die Väter und Großväter der jetzigen Generation oft gewesen; nur mancher gute Einfall, manche gelungene Fopperei, mancher köstliche Eulenspiegelstreich klingt noch in die Jetztzeit hinüber. Und von diesem gesunden Sinne, dieser biederen Derbheit und urwüchsigen Originalität, vor Allem aber von dem grobkörnigen Humor des alten Bochums trägt die Jobsiade auch gar manchen Zug.
Unter rastloser Thätigkeit als Arzt und Schriftsteller verlebte Kortum in Bochum in Wohlstand und Ansehen seine Tage, umringt von Kindern, Enkeln und Urenkeln. Allerdings war sein Familienglück nicht ungetrübt; drei geliebte Kinder sanken vor ihm in das Grab, und der 1807 erfolgte Tod seines Sohnes, auf den er so große Hoffnungen gesetzt hatte und der ihm bereits nach glänzenden Studien als Gehilfe in seinem Berufe zur Seite stand, brach seine Lebensfreudigkeit und machte den sonst so heiteren Mann mürrisch, verschlossen und bitter. Von diesem Sohne, der als zweiter Bergarzt unter seinem Vater wirkte, stammt das im zweiten Theile, Kap.32, Vers10 erwähnte „Gesundheitsbüchlein für Bergleute.“ Bei Gelegenheit seines 50jährigen Doctorjubiläums im Jahre 1816 erhielt er vom Könige Friedrich WilhelmIII. den Titel „Königlicher Hofrath“; im Jahre 1818 feierte er seine goldene Hochzeit und im Jahre 1820 im engen Freundeskreise die Erinnerung an seine 50jährige ärztliche Wirksamkeit in Bochum. Gebeugt von der Last seiner Jahre, lebensmüde und verbittert starb er, im 80.Lebensjahre stehend, am 15.August 1824, wie es scheint, nach schmerzlichem Krankenlager. Darauf deutet wenigstens auf seinem Grabmonumente der Satz: „Non mihi mors gravis est — posituro morte dolorem,“ zu deutsch: „Der Tod wird mir nicht schwer, der ich durch den Tod den Schmerz ablege.“ Ihn überlebten seine Gattin, seine Tochter, sieben Enkel und zehn Urenkel. Noch jetzt leben Nachkommen von ihm in Bochum.
Was seinen Ruhm begründet hatte und in gesunden Tagen sein Glück gewesen war, seine Ader zu Witz und Humor, wurde ihm in den letzten Jahren seines Lebens zum Fluche. Er war ein strebsamer, tüchtiger Student gewesen und als junger Arzt gesucht und berühmt; er hatte sich zeitlebens bemüht, auf der Höhe seiner Wissenschaft zu bleiben, aber die Arzneikunde war gegen Ende des vorigen und namentlich im ersten Viertel dieses Jahrhunderts mit Riesenschritten vorwärts gegangen, und ehe er es sich versah, war er zurückgeblieben und wurde von jüngeren Kräften überflügelt. Der immer sichtlicher hervortretende Mangel an Vertrauen zu seiner Geschicklichkeit kränkte und verbitterte ihn und untergrub seine Berufsfreudigkeit und Heiterkeit. Aus dem Jüngling, der sich über Alles lustig machte, war ein Greis geworden, der sich über Alles ärgerte, und ein Convolut von hinterlassenen Papieren geschäftlicher Art, welches die Bochumer Gymnasialbibliothek aufbewahrt, zeigt keine Spur von dem Charakter und lachenden Humor, den man bei dem Dichter der Jobsiade voraussetzen sollte. Er hielt alle Menschen für undankbar und falsch, erblickte überall hämische Gegner und bösartige Feinde, verkannte die Liebe und Achtung, die ihm von Angehörigen und Fremden reichlich bezeugt wurde, und war in seiner bissigen Laune sich selbst zur Qual und Anderen zur Last geworden. Gewiß fiel ihm daher der Tod nicht schwer, der ihn dem Lebensüberdruß und der Selbstqual entrückte.
Die Grabstätte des Dichters auf dem ruhigen, schattigen alten Kirchhofe macht einen würdigen, ernsten Eindruck, und doch wird man davor stehend unwillkürlich an die launigen Verse erinnert, mit denen Kortum von der langen Reihe derer, die der dürre Knochenmann schon geholt, auf den Tod des Nachtwächter Jobs übergeht:
„Summa Summarum, weder vorn noch hinten
Ist in den Chroniken ein Exempel zu finden,
Daß Freund Hein etwa irgendwo leer
Bei Jemand vorübergegangen wär’.
Und was er übrigens noch nicht gefressen,
Wird er doch in der Folge nicht vergessen;
Sogar leider, lieber Leser, auch dich,
Und was das Schlimmste ist, sogar mich!“
Das Grabmonument bildet in seinem Haupttheile einen Würfel aus Sandstein, der auf einem verzierten Sockel ruht und von einem dachartigen Gesimse bedeckt wird. Oben auf dem Denkmal steht eine mit einer Schlange umwundene Urne. Das Monument zeigt auf der Vorderseite die Inschrift:
„Hoc sub monumento quiescit
C.A. Kortum
Dr. medic. pro meritis
nominatus consiliarius aulicus.
Natus die 5.Juli 1745. Mortuus die 15.Aug. 1824.
Hier ruht die irdische Hülle
des Dr. medic. und Hofrath
C.A. Kortum.
geb. den 5.Juli 1745, gest. den 15.Aug. 1824.
Darunter befindet sich als Symbol der medizinisch-chirurgisch-poetischen Thätigkeit des Verstorbenen eine Leyer, und kreuzweise darüber gelegt das Emblem der Aerzte und Apotheker, der Aesculapstab.
Rechts von dem Beschauer steht die oben schon verdeutschte Inschrift:
„Non mihi mors gravis est,
posituro morte dolorem.
Sirach, 22. v.11.
Man soll nicht so sehr trauern.“
Unter der Inschrift befinden sich zwei Palmbüschel.
An der linken Seite findet der Verehrer des Dichters die Worte:
„Per aspera ad astra!
Offenbarung. Joh.14. v.13.
Selig sind die Todten,
die in dem Herrn sterben.“
Wenn der deutsche Spruch jedesmal die Uebersetzung des lateinischen sein soll, so würde man damit allerdings als Quartaner oder Quintaner schlecht durchkommen, denn „Per aspera ad astra“ heißt wörtlich: „Durch Mühen zu den Sternen“. — Unter dieser Inschrift befindet sich eine Sanduhr.
Auf der hinteren Seite des Denkmals befinden sich als Symbol der Trauer zwei umgekehrte Fackeln und darüber die Worte:
„Deploratus ab uxore, filia, septem
nepotibus decemve
pronepotibus.
Um ihn trauern seine Gattin,
seine Tochter, seine sieben Enkel
und zehn Urenkel.“
In der Nähe des hier beschriebenen Grabdenkmals liegen drei Verwandte des Dichters, seine Tochter Henriette Döring geborene Kortum, geboren den 1.März 1770, gestorben 5.Februar 1839, deren Schwiegersohn Constantin Brinkmann, geboren 9.März 1796, gestorben 9.Juni 1841, und dessen gleichnamiger Sohn, also ein Urenkel Kortums, Constantin Brinkmann, geboren 21.November 1821, der als junger Apotheker eines jähen, unerwarteten Todes, wahrscheinlich durch Gift, gestorben ist. Es heißt von ihm auf der Grabinschrift nicht ohne Phrasenschwall: „Er starb am 21.April 1851, ein früh gefällter, lebenskräftiger Baum. Geistesverwandt mit seinem Urgroßvater Dr. Kortum, dem bekannten Gelehrten, dessen späte Lebensjahre der hoffnungsvolle Enkel noch erheiterte, ruht er nun an dessen Brust. Das Grabmal des lichtvollen Vorfahren überschattet ihn, der Geist desselben geleite ihn zu den Thoren der ewigen Auferstehung!“
Nach Darlegung der äußeren Lebensumstände des Jobsiadendichters wollen wir nunmehr denselben als Schriftsteller betrachten, und dabei seine Versuche und Leistungen auf dem Gebiete der Poesie von seiner anderweiten literarischen Thätigkeit trennen.
Doctor C.A. Kortum begann seine fruchtbare schriftstellerische Thätigkeit bereits früh und schrieb über die verschiedensten, heterogensten Materien. Die meisten Arbeiten fallen in die Zeit von 1775 bis 1790, sind aber bis auf die Jobsiade so ziemlich alle der Vergessenheit anheimgefallen, obschon sich nicht läugnen läßt, daß manche derselben in der damaligen Zeit anregend und fördernd gewirkt haben. In den Jahren 1776 und 1777 erschienen in Bremen: „Der Kaffee und seine Stellvertreter“; — „Der Thee und seine Stellvertreter“; — „Grundsätze der Bienenzucht.“ Ueber letzteres Werkchen äußert sich der Verfasser in seinen „Bochumer Nachrichten“ etwas ärgerlich wie folgt:
„Einzelne Bürger treiben auch Bienenzucht, doch mehr zum Vergnügen als Nutzen. Es könnte dieser Nahrungszweig sehr verbessert und verdienstlich gemacht werden. Ich habe durch meine im Jahre 1776 herausgegebenen ‚Grundsätze der Bienenzucht‘ Anlaß genug dazu gegeben, aber es fehlt an gutem Willen und höherer Ermunterung.“
In das medicinisch-pädagogische Gebiet fällt Kortums „Märtyrer der Mode“; derselbe erschien 1778 anonym zu Wesel bei F.J. Röder. Es ist dies eine kleine, durch den weiten Druck auf 75Seiten ausgereckte Satire auf die damals und noch jetzt grassirenden Modethorheiten und Lebensgewohnheiten vornehmer Stände, z.B. das Schnüren, Ammenwesen, Erziehung oder besser Vernachlässigung der Kinder durch fremdes Personal u.dgl. Der arme Märtyrer all dieser Moden, der von den ersten Anfängen seines Daseins bis zum Grabe bei all diesen Modekrankheiten schlecht genug wegkommt, erzählt sein Elend selbst. Der Verfasser hat dem Schriftchen nicht ohne Humor kurz und gut folgende „Vorrede an die Leser“ vorgesetzt:
„Es wäre zwar Mode, Ihnen erst ein Compliment zu machen und dann zu sagen, was vor hinreichende Gründe ich gehabt habe, diese Geschichte herauszugeben. Allein, zu dem ersten bin ich nicht aufgelegt, und das andere werden Sie schon selbst am Ende der Geschichte lesen. B-ch-m, 1778.“
Durch die letzte Bezeichnung verräth sich der Verfasser zur Genüge; nebenbei gesagt füllt diese bündige Vorrede zwei ganze Seiten.
Im Jahre 1779 erschien seine oben schon berührte populär-wissenschaftlich gehaltene „Anweisung wie man sich vor alle ansteckende Krankheiten verwahren könne“, und 1782 im Verlage der Helwingischen Universitäts-Buchhandlung zu Duisburg die von Lavater angeregte Schrift: „Anfangsgründe der Entzifferungskunst deutscher Zifferschriften.“ Beide sind je 114Seiten stark; die erstere ist für den damaligen Stand der medizinischen Wissenschaft bezeichnend und die letztere ist ebenfalls noch jetzt lesenswerth, sehr instruktiv und verräth eine große Uebung und Sicherheit in der immerhin geistig anregenden Spielerei, Ziffer- und Zeichenschriften zu enträthseln. — 1789 erschien zu Duisburg die „Verteidigung der Alchemie“, welche bereits im Jahre 1791 in Aachen eine zweite Auflage (oder einen Nachdruck) erlebte. Einen glücklichen Griff that endlich der „Arznei-Doctor“, wie er sich meistens betitelt, in seiner „Skizze einer Zeit- und Literaturgeschichte der Arzneikunst von ihrem Ursprunge bis zum Anfange des 19. Jahrhunderts“, welche 1809 zu Unna erschien und 1819 eine zweite Auflage erlebte.
Das Verzeichnis dieser seiner gedruckten Schriften, noch mehr aber eine Uebersicht seines handschriftlichen Nachlasses zeigt die ungemeine Vielseitigkeit und Polymathie des Jobsiadendichters. Medicin, Pädagogik, Jurisprudenz, Naturkunde, Geschichte und Alterthumsforschung, Landwirtschaft, Technologie, Illustrationskunde u.s.w. sehen wir vertreten, und wenn das vorige Jahrhundert, wo die einzelnen Fachwissenschaften noch nicht den riesigen Umfang von heutzutage hatten, den studirten Leuten auch eher den Luxus einer solchen Vielwisserei gestattete, so muß man doch über die geistige Regsamkeit und den Bienenfleiß des Mannes füglich erstaunen. Namentlich zeigen auch die oben schon berührten, 1872 durch Clemens Ising aus dem handschriftlichen Nachlaß zum Druck beförderten „Nachrichten vom ehemaligen und jetzigen Zustande der Stadt Bochum“, wie rührig und eifrig der Autor sich umgesehen, Umfrage gehalten, gesammelt und gesichtet haben muß.
Den Ruhm und die Unsterblichkeit seines Namens hat Kortum jedoch auf einem Gebiete errungen, wo er sie selbst wol nicht erwartet hatte, auf dem Gebiete der Poesie, der komischen Muse. Wie nach seiner Naturanlage zu erwarten stand, fallen in dieses Gebiet auch seine ersten schriftstellerischen Versuche. Gebeten, für die in Wesel erscheinende Zeitschrift „Der Gemeinnützige“ und für die „Niederrheinischen Unterhaltungen“ Beiträge zu liefern, veröffentlichte er in denselben zunächst Anekdoten und scherzhafte Gedichte. Später folgten, zum Theil selbständig: „Lobschrift auf Herrn Ich.“; — „Komische Lebensbeschreibungen“; — „Die seltsamen Begebenheiten der Kinder des Medon und Sincer, ein Märchen nach dem Geschmack des vorigen Jahrhunderts“; — „Saadi oder der Lebensbalsam, eine arabische Erzählung“; — „Lebensgeschichte eines Carobuben“; — Alles kleinere Sachen zum Theil moralisirenden Inhalts in humoristisch-satirischer Behandlung. Den „Märtyrer der Mode“ (Wesel, 1778) kann man füglich auch hierher rechnen.
„Die magische Laterne, in dreimal dreißig Vorlesungen“ erschien 1784 zu Wesel; in dem ersten Dreißig führt der Autor Charakterfiguren von Ständen, Berufsclassen und moralischen Eigenschaften, wie Geizige, Stutzer, Modenärrin u.s.w. vor; im zweiten Dreißig erscheinen Personen und Vorfälle aus der biblischen Geschichte des alten Testaments, und im dritten Dreißig will der Verfasser zeigen, „was zu uns’rer Zeit geschah.“ Er führt darin als lebende Zeitgenossen vor: JosephII., Friedrichd.Gr., KatharinaII., erwähnte die Reise von Papst PiusVI. nach Wien 1782, den nordamerikanischen Freiheitskampf 1777-1783, die heldenmüthige Vertheidigung Gibraltars durch Elliot 1779-1782, das Auffliegen Montgolfier’s 1783 u.s.w. Wenn daher ein Berufsgenosse des Jobsiadendichters, Dr. Müller, im Jahre 1878 einen Neudruck des kleinen Zeitspiegels in Knittelversen veranstaltet hat (Frankfurt a.M., Druck von G. Horstmann) und als eigenen Versuch unter der Ueberschrift „Fünfzig Jahre später“ eine Darstellung des Krieges von 1870/71 anfügte, so ist das ein colossaler historischer Schnitzer und wäre „Hundert Jahre später“ beinahe richtig gewesen. Auch schätzt sich der Herausgeber in der Vorrede glücklich, die „magische Laterne“ gleichsam neu entdeckt zu haben, irrt sich in dem Geburtsjahre Kortums um etwa 30Jahre, ebenso in dem Geburtsorte, schreibt den Namen fälschlich „Kortüm“ und ist der Neudruck durch viele sinnstörende Druckfehler entstellt. Dem Jobsiadendichter selbst aber wäre vielleicht ein Dienst damit erwiesen worden, wenn die Laterne vergessen geblieben wäre. — Weitere poetische Erzeugnisse Kortums, welche allerdings erst nach der Jobsiade erschienen, sind: „Adams Hochzeitsfeier, ein komisches Gedicht“, (Wesel, 1788), und „Elisabeth Schlunz, ein Anhängsel zur Jobsiade“, (Hamm, 1819).
Keins dieser vielen Geisteskinder hat jedoch den Verfasser überlebt, alle fielen bald nachher der verdienten Vergessenheit anheim, und nur ein einziges sichert dem fruchtbaren Schriftsteller für immer einen Namen in der deutschen Literatur, die allberühmte „Jobsiade“ oder, wie der Titel der ersten Ausgabe ausführlich und genau lautete:
„Leben, Meynungen und Thaten
Von Hieronimus Jobs, dem Candidaten,
Und wie Er sich weiland viel Ruhm erwarb,
Auch endlich als Nachtswächter in Sulzburg starb.
Vorne, hinten und in der Mitten
Gezieret mit schönen Holzschnitten.
Eine Historia lustig und fein
In neumodischen Knittelverselein.“
Der in diesem Titel inhaltlich resumirte erste Theil der Jobsiade bildet ein abgeschlossenes Ganzes und erschien im Jahre 1784 anonym in Münster und Hamm bei Philipp Perrenon. Der Druck war jedenfalls schon im Jahre 1783 vollendet, wenigstens trägt das in meinem Besitze befindliche Handexemplar des Dichters dessen eigenhändige Namenszeichnung und darunter die Jahreszahl 1783. Das Titelbild von dem besungenen Helden zeigt die Unterschrift: „Hieronimus Jobs, lutherischer Candidat der Theologie und Nachtswächter zu Sulzburg in Schwaben Aetat: XL.“ Aus dem „Sulzburg“ der ersten Ausgabe ist in späteren Ausgaben „Schildburg“ geworden, welches an die bekannten Streiche der „Schildbürger“ von Schilda (Schildau) bei Torgau, dem sächsischen Abdera, erinnern oder diesen Ort bedeuten soll. Dem Autor ist es übrigens nie eingefallen, sein Werk als „grotesk-komisches Heldengedicht“ zu bezeichnen; in der ersten Ausgabe fehlt jede weitere Bezeichnung, und erst später, als die ferneren Theile erschienen, gab er allen drei Theilen den Gesammttitel: „Die Jobsiade, ein komisches Heldengedicht in drei Theilen.“ Die Bezeichnung „burlesk“ würde ziemlich richtig sein, denn die Dichtung erhebt sich nicht über die niedere Komik.
Verleitet durch den Beifall, den dieser erste Theil der Jobsiade, zwar nicht ohne anfänglichen Tadel und Widerspruch, schließlich gefunden, fügte der Dichter noch einen zweiten und dritten Theil hinzu; durch einen höchst unwahrscheinlichen Hokuspokus ließ er den im ersten Theile als Nachtwächter verstorbenen Hieronimus wieder aus dem Grabe hervorgehen und machte aus dem mißrathenen Taugenichts erst einen musterhaften Pastor und dann gar einen reichen Dorfdynasten. Alle drei Theile erschienen unter dem gemeinsamen Titel „Jobsiade“ 1799 zu Dortmund in dem Mallinckrodt’schen Verlage. Die dritte Auflage besorgte Kortum im Jahre 1806, und von der vierten, welche in seinem Sterbejahre 1824 erschien, hat er noch die Revision des ersten Theiles selbst vorgenommen. Neben diesen rechtmäßigen Ausgaben erschien noch zu Lebzeiten des Dichters eine Menge von Nachdrucken.
Geben wir zur Beurtheilung der Jobsiade zunächst das Wort dem Literarhistoriker Heinrich Kurz. Derselbe sagt darüber, BandIII. p.307a: „Großen Beifall fand und findet noch immer die Jobsiade und zwar mit vollem Recht. Denn wenn sich die Dichtung auch nur im niedrigsten Grade des Niedrigkomischen bewegt, so hat auch dieses seine volle Berechtigung, wenn der Dichter es nur mit vollem Bewußtsein beherrscht und durchführt. Und daß dieses hier der Fall ist, wird Niemand bezweifeln wollen, der das Gedicht gelesen hat. Die Jobsiade verdient schon deshalb Anerkennung, weil in ihr Alles zusammenklingt: Charaktere, Begebenheiten, Darstellung, Sprache, Versmaß, Alles bewegt sich im gleichen Gebiete des Niedrigkomischen; nirgends wird der allgemeine Charakter unterbrochen oder gestört. Aber was der Jobsiade noch größeren, wahrhaft poetischen Werth gibt, das ist die Wahrheit