Gedichtbände & Bücher
von
Brigitta Manuela Baumann
spirituelle Lyrik
ICH BIN QUELLEN des LICHTES
Lieder der Seele
kraftvolle Bilder und Texte
für die Stärkung Deiner Seele
LIEDER der SEELE
Kinder des Lichtes I
lichtvolle Erinnerungen
an Deinen Ursprung und Sinn
LIEDER der SEELE
Kinder des Lichtes II
stärkende Wahrheiten
für Deinen Weg und
Dein Wachsen
LIEDER der SEELE
Magie der Erde
Erinnerungen an das Wahre,
das Reine im Herzen der Natur
und den Zauber der Welten
hinter dem Sichtbaren.
LIEDER der SEELE
Zauber der Natur
Lobpreisungen an die Schönheit,
die Vielfalt und die heilende Kraft
von Mutter Natur
Der ATEMHAUCH der LIEBE
Oden an die Liebe
Liebespoesie tief aus dem
Herzen des Lebens.
IM LICHTE des ERWACHENS
Frühlingspoesie
VON FEEN, ELFEN
HÜTERWESEN
magische Gedichte aus den
anderen Welten
VON ELFEN, TRÄUMEN
und INNEREN RÄUMEN
Gedichte für die Seele
GESCHICHTEN der HOFFNUNG
wunderreiche Kurzgeschichten
Weggefährten der Erweckung,
des Mutes und der Zuversicht.
ICH BIN QUELLEN
des
LICHTES
Das Anwendungsbuch
Spirituelle Hilfe von
Erzengel Raphael und Gabriel
sanfte Wege in die Transformation
und Ordnung
Einzigartige Geschenke
Die persönliche Matrix Deiner Seele & Dein Seelenlied
Die ICH BIN QUELLE des LICHTES
Dein persönliches Seelenmandala - Matrix Deines Ursprung
Ein Geschenk von Erzengel Raphael und Gabriel
Ein einzigartig wundervolles Geschenk an Dich Selbst und alle Dir Lieben und Nahen.
Eine stärkende Quelle der Liebe, der Kraft und der reinen Schwingung Deiner unsterblichen Seele.
Mit Deinem gechannelten Seelenlied und einer liebevollen Botschaft der Weisheit auf Cd ist dies einzigartig, lichterfüllt, besonders kostbar und stärkend für Dich Selbst in den großen Veränderungswehen der Neuen Zeit.
Ein lichtreiches Geschenk der Wertschätzung und Liebe
für Dich und alle Deine Kinder, für Deine(n) PartnerIn
zu Hochzeiten und Taufen, zu Geburtstagen,
und anderen großen Anlässen.
Es gibt die persönliche ICH BIN QUELLE des LICHTES, die Partnerschaftsquelle, die Familienquelle und die Berufungsquelle, zur Auswahl, jede davon wird unter der Führung der Erzengel individuell, zur Stärkung und Nährung des zu Beschenkenden, erschaffen und ist somit eine einzigartige Matrix der Lichtnatur dieses Menschen.
Dein persönliches Seelenlied - das gechannelte Gedicht aus dem Herzen der Engel
Ein wundervolles Präsent für Dich Selbst, doch auch für alle die Du liebst und schätzt, mit denen Du verbunden bist.
Einzigartig und kostbar zu allen Anlässen wie Geburtstag, Muttertag, bestandenen Prüfungen, zur Hochzeit und vielem mehr.
Informationen unter: www.art-of-grace.at
Kurzvita:
Brigitta Manuela Baumann geb. 5. Okt. 1960.
Ich war lange Zeit tätig als Beraterin bezüglich Konflikte in Familien, Partnerschaft und gebe Unterstützung bei der Realisation von Lebenszielen. Ich unterrichte Ölmalerei und andere Möglichkeiten kreativer Selbstentfaltung.
Meine Liebe gilt der Dichtung und dem Schreiben von heilvollen, sinnhaften Geschichten für Jugendliche, Kinder und Erwachsene und den Kindern in den Erwachsenen, der Ölmalerei (es gibt zu jedem Ölgemälde ein passendes Gedicht), der Natur, den Tieren und der Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen.
Ich lebe mit meinen beiden Hunden auf einem 110 Jahre alten Hof im sonnigen Burgenland. Meine beiden Kinder sind erwachsen und in kreativen, selbstständigen Berufen tätig.
Mein Anliegen ist es stets das Heilvolle, das Gute, das Stärkende zu finden, dies kommt auch in meinen Geschichten und Gedichten zum Ausdruck, denn alles hat seinen Sinn, auch wenn es uns noch so schmerzt. Das Leben sollte uns nicht zerbrechen sondern reifen und wachsen lassen.
mit liebem Gruß Brigitta Manuela Baumann

Brigitta Manuela Baumann
Spirituelle Künstlerin
Channel
Schriftstellerin & Dichterin
Kunstmalerin & Illustratorin
ART of GRACE
Kunst in Wort und Bild
www.art-of-grace.at
Tel. 0664 44 99 99 2 (Österreich)
Kim und Marianna saßen auf weichen Decken im Vorgarten ihrer Großmutter Grete und spielten mit ihren Holzfiguren. Aus Steinen, Moos, Rindenstücken und Holzklötzen hatten sie eine hübsche Siedlung gebaut, in der große und kleine Menschen fröhlich ihrem Tagewerk nachgingen. Die einen standen plaudernd beisammen, die anderen buken Brot an einem großen Gemeinschaftsbackofen, wieder andere werkelten in ihren Gärten, einige fuhren mit Kinderwägen aus Walnusshälften und Kieselsteinen als Rädern durch die Gassen des Dorfes. Kim und Marianna waren so vertieft in ihr Spiel, die Wangen gerötet, die dicken Locken kreuz und quer über die von Eifer leuchtenden Augen hängend.
Großmutter Grete hatte nun schon zweimal gerufen, doch keines der Kinder hatte sie gehört. Jetzt öffnete sie das Küchenfenster und rief nochmals in den Garten hinaus. Abrupt hielten die Kinder in ihrem Spiel inne, hoben schnuppernd die Nasen, drehten die Köpfe und ernteten ein helles Lachen ihrer noch immer sehr jugendlich aussehenden Großmutter, die kopfschüttelnd im Fensterrahmen stand und die beiden nur zu gut verstand.
„Hm gibt es etwa Apfelstrudel …?“, rief Kim aufgeregt und rappelte sich aus seiner knienden Position auf.
„Ja, ja Apfelstrudel …!“, schnurrte Marianna, sie erhob sich langsam, dabei den üppigen Rock ihres Kleidchens bedächtig glättend.
„Ja, es ist Jausenszeit, ja es gibt Apfelstrudel … zu dessen Entstehung ihr beiden jedoch nichts beigetragen habt“, rief Großmutter Grete lachend mit einem leicht tadelnden Blick.
„Ach Großmutter!“, schmollte Marianna, wir haben doch so schön mit unserem Dorf gespielt. Weißt Du, heute haben wir eine Schule gebaut, alle haben mitgeholfen, sogar die Ameisen aus Deinem Garten.“
„Oh, was für fleißige Tierchen!“, trällerte Großmutter Grete verschmitzt und mit einem tiefen Blick in die geröteten Gesichter ihrer Enkel fügte sie hinzu, „vielleicht können sie Euch etwas lernen, die Ameisen … wer weiß, wer weiß.“
„Komm, gehen wir ins Haus“, wisperte Kim und zog seine Schwester an der Hand. „Sonst hält sie uns wieder einen ihrer Vorträge vom Fleiß und den Ernten daraus.“ „Sie meint es doch nur gut...!“, entschuldigte Marianna die geliebte Großmutter vorwurfsvoll und entzog ihrem Bruder empört ihre kleine Hand.
„Du solltest froh sein, dass sie uns genommen hat, nachdem unsere Eltern verunglückt sind, Du warst ja noch so ein kleines Baby.“ Dabei zeigte sie mit ihren Händen eine Größe an, die einem Kinderschuh gleichkam.
„Nun übertreib aber nicht“, antwortete Kim, „du warst gerade mal drei Jahre alt, was soll’s, komm gehen wir ins Haus.“ So nahm Kim abermals die Hand seiner Schwester und gemeinsam gingen sie den gepflasterten Weg entlang, erklommen die drei breiten Eingangsstufen und stießen die knarrende, gelbe Holztüre auf. Im Inneren des Hauses duftete es herrlich nach frischem Apfelstrudel und die Kinder liefen eifrig in das alte, rosa gekachelte Badezimmer mit dem riesigen Badeofen auf seinen rostigen Krallenfüßen und wuschen sich sorgfältig die Hände, da sie wussten wie viel Wert die Großmutter auf Sauberkeit und Ordnung legte.
Fröhlich hüpfend liefen die beiden in die warme Wohnstube, die von einem alten, grün emaillierten Küchenherd beheizt wurde, auf dem die Großmutter auch leidenschaftlich gerne kochte und buk.
Auf dem großen, breiten Holztisch mit seiner zerkratzten Platte war ein mit rosa Blütenranken besticktes Tischtuch ausgebreitet und darauf standen drei Tassen heißen Kakaos und für jeden ein Teller mit einem dampfenden Stück Apfelstrudel und einem Schöpfer Vanillesoße darüber. Dankbar und freudig machten sich die Kinder über die Köstlichkeiten her und blickten mit strahlenden Augen zu ihrer Großmutter auf, die glücklich den gesegneten Appetit ihrer Enkel begrüßte. Doch ein Schatten lag auf ihren graugrünen, gütigen Augen seit ihre einzige Tochter und der geschätzte Schwiegersohn bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen waren. Gott sei Dank waren die Kinder damals, als das Unglück geschah, in ihrer Obhut, da Frank und Lydia zu einem dringenden Geschäftstermin nach Hamburg hatten fliegen müssen. Es gab keine Überlebenden. So hatte Großmutter Grete das Sorgerecht für die beiden Kinder beantragt und da sie die einzige noch lebende Verwandte war und in guten Verhältnissen lebte, hatte sie es auch zugesprochen bekommen.
Seitdem, nun schon fast sechs Jahre, lebten Kim und Marianna bei ihr und sie hatte viel Freude mit den beiden.
Fröhlich sprangen die Kinder von ihren Sesseln hoch, trugen ihre Tassen und Teller zur Abwasch und stürmten mit einem einstimmigen „Danke liebe Oma!“ zur Türe hinaus. Großmutter Grete blickte ihnen lächelnd hinterher und blieb noch am Tisch sitzen. Sie hörte wie die beiden wieder zu ihrem Holzdorf in den Vorgarten zurückkehrten und sich schon bald voller Wonne in ihr Spiel vertieften.
Kim und Marianna fühlten sich unendlich wohl im Blumengarten ihrer Großmutter, rings um sie herum standen nun all die bunten Frühlingsboten in voller Pracht, die Obstbäume waren mit unzähligen Blüten übersät und ihr süßer Duft schwängerte die Luft. Der kleine Garten war von einem weißen Holzzaun umkränzt und links und rechts vom Gartentor wuchsen eine rote und eine weiße Heckenrose, die sich in einem hölzernen Rosenbogen anmutig über den mit roten Ziegeln gepflasterten Gartenweg wölbten.
Plötzlich nahm Marianna ein silbergraues Augenpaar und einen blonden Haarschopf wahr, die sich hinter dem kleinen, rosa blühenden Mandelstrauch hervorhoben und neugierig in den Garten linsten.
„Hallo, wer bist du denn?“, rief Marianna, sprang hoch und lief auf die Strauchhecke zu.
Flugs war der Haarschopf verschwunden. Marianna stellte sich auf die Zehenspitzen und blickte nach links und nach rechts. „Komisch!“, dachte sie, „ich hätte schwören können, dass da jemand war.“
Kim war an ihre Seite gekommen und ließ sich auf die Knie nieder, blickte unter dem Strauch auf den Gehweg hinaus und rief: „Hier kann ich nur komische Füße sehen.“ „Was heißt hier komische Füße!“, erwiderte Marianna verwundert und krabbelte zu ihrem Bruder unter den Strauch. „Hm, da sind wirklich komische Füße!“, stellte sie fest und blickte angestrengt auf eine Konstruktion aus Holz und Eisen, die wie eine Mischung aus Pinoccios Holzfüßen und den Gliedern eines Roboters aussah.
Kim blickte seine Schwester groß an und gemeinsam schoben sie sich unter dem Mandelstrauch hervor, schlichen auf Zehenspitzen zur Gartentür und schielten um die Ecke. Dort sahen sie einen Jungen stehen, mühsam auf eine Krücke gestützt, der sich abmühte einen Blick in den Garten zu erhaschen.
Marianna lief zu ihm hinaus auf den Gehweg. „Hallo wer bist du?“, fragte sie neugierig und ließ ihren kindlichen Blick über die armselige Gestalt des Jungen gleiten. Er war sehr mager, hatte strohblondes Haar, traurige sturmfarbene Augen und stützte sich schwer auf seine Krücke, die ihm half das Gleichgewicht zu halten.
Marianna sah anstatt seiner Beine nur diese Holz-Metallkonstruktion und heftiges Mitleid durchzuckte ihr junges Herz. Sie blickte zu dem Jungen auf, der einen Kopf größer als sie war und fragte wieder: „Wer bist du … ich heiße Marianna und das dort hinten …“, sie wies mit der Hand auf Kim, der sich nach wie vor hinter der Gartentüre versteckte, „… ist mein Bruder Kim.“
Der Junge hob den Blick und schenkte Marianna ein scheues Lächeln.
„Ich heiße Marius …“, stammelte er sichtlich überrascht, dass sich jemand für ihn
interessierte.
„Möchtest du mit uns spielen, Marius, wir haben ein wunderschönes Dorf aus Holz in Großmutter Gretes Garten gebaut und uns fehlt eigentlich noch ein Mitspieler“, flunkerte sie.
Marius riss die Augen auf. „Meinst du das wirklich ernst …?“, fragte er mit höchst verwunderter Stimme. „Klar, meine ich das so …!“, rief Marianna mit einem hellen Lachen aus, nahm Marius an der Hand und zog ihn behutsam mit sich in den Garten. Kim folgte den beiden vorsichtig nach und beäugte den Jungen mit seinen Holzbeinen mit großer Vorsicht.
Als Marianna erkannte, dass Marius Probleme damit hatte, sich hinzuknien, holte sie kurzerhand den alten hölzernen Klapptisch aus der Gartenlaube und gemeinsam mit Kim bauten sie das Spielzeugdorf auf der breiten Platte des Klapptisches neu auf.
Dann holte sie noch einen der großen Gartensessel mit ihren weichen Kissen aus der Gerätehütte und half Marius dabei, sich zu setzen. Dieser war ganz verdattert ob der Fürsorge und blickte mit dankbaren Augen auf das hilfsbereite Mädchen, das ihn mit einem strahlenden Lächeln aufforderte nun mit ihr und ihrem Bruder zu spielen. So vergaßen die Kinder die Zeit und erlebten unzählige Abenteuer mit ihren Figuren im Spielzeugdorf.
Als Großmutter Grete nach einiger Zeit, weil es ihr so verdächtig still im Garten erschien, aus dem Küchenfenster blickte, sah sie ihre Enkel innig in ein Spiel mit einem fremden Kind versunken, das etwas schief auf einem ihrer Gartensessel saß und dem vor lauter Eifer die dicken, blonden Locken ins gerötete Gesicht fielen. Großmutter Grete lebte seit ihrer Geburt in diesem Haus und kannte alle Menschen im Ort, doch dieses Kind hatte sie noch nie gesehen. So ging sie hinaus zu den spielenden Kindern, mit einem Teller voll mit Apfelstrudelstücken und bot dem blonden Jungen davon an.
Als der fremde Junge die ältere Frau erblickte, zuckte er zuerst ängstlich zusammen und senkte den Blick. Als Großmutter Grete ihn freundlich ansprach und den Teller mit dem herrlich duftenden Strudel vor seine Nase hielt, fasste er Vertrauen, sprach ein schüchternes „Danke“ und griff sich ein Strudelstück. Großmutter Grete verkniff sich ein Lachen, als sie sah wie der kleine Junge vor Wonne die Augen verdrehte, als er sich den Strudel im Mund zergehen ließ.
„Er heißt Marius“, klärte Marianna ihre Oma auf, „und ich habe ihn hinter der Mandelbaumhecke gefunden“, erklärte sie stolz.
„Guten Tag Marius!“, grüßte die Großmutter den Jungen und reichte ihm die Hand. Dieser schluckte das letzte Strudelstück runter und legte seine magere, blasse Hand in ihre. Als er den Kopf hob, durchzuckte ein schmerzlicher Stich Großmutter Gretes Herz. Sie erkannte tiefe Schatten und großes Weh in den Augen des Jungen, die ihr seltsam bekannt vorkamen und ihr Herz flog ihm zu.
Plötzlich erklang eine schrille Stimme von jenseits der Hecke: „Marius, Marius, wo
steckst Du?“
Marius zuckte zusammen, taumelte vom Gartensessel, sodass er fast hingefallen wäre, wenn nicht Kim rechtzeitig nach seinem Arm gegriffen hätte. Er schnappte hektisch nach seiner Krücke, rote Flecken erblühten auf seinen Wangen, und voller Unruhe hinkte er mit einem hastigen „Dankeschön“ aus dem idyllischen Garten. Großmutter Grete sah über die Hecke hinweg, wie eine grell geschminkte Frau auf hochhackigen Schuhen und einem knallbunten Stretchkleid über die Straße trippelte und mit erhobener Hand und Schimpftriarden ausstoßend auf den Jungen zuschoss.
„Du Herumstreuner, wie oft hab ich Dir schon gesagt, Du sollst zuhause bleiben.“ Und ihre Hand fiel wie ein schwerer Hammer in Marius Genick. Der Junge stöhnte laut auf und zog sich noch mehr in sich zusammen. Die Frau zeterte und schimpfte weiter und riss den Jungen an den Haaren. „Weiter, weiter du unfähige Kreatur …!“, schrie sie und stieß und zerrte den Jungen quer über die Straße.
„Wofür Gott mich bestraft, frage ich mich …“, schrie sie mit ihrer schrillen Stimme, „dass ich mit einem Krüppel geschlagen bin, einem Krüppel …“, und ihre gehässigen Worte überschlugen sich, trommelten auf Marius ein, der sich abmühte mit ihr Schritt und das Gleichgewicht zu halten. Dicke Tränen kullerten über seine Wangen und plötzlich gaben seine hölzernen Beine unter ihm nach und er brach mitten auf der Straße zusammen. Kreischend stürzte sich die Frau auf ihn und begann an der Beinschiene herumzuhantieren. „Wie oft habe ich Dir schon gesagt, Du sollt damit nicht durch die Gegend laufen … was das wieder kostet … nichts als Ärger habe ich mit Dir.“ Und wieder sauste ihre Hand in sein Genick.
Fassungslos hatte Großmutter Grete das Geschehen wahrgenommen, nun löste sie sich aus ihrer Erstarrung und lief hinaus auf die Straße. Marianna und Kim folgten ihr nach.
Sie ließ sich neben dem verzweifelt schluchzenden Jungen nieder, hob ihn auf ihre Arme und ohne die Frau eines Blickes zu würdigen, trug sie Marius hinüber zu ihrem Haus.
Die Frau folgte ihr empört und mit hochrotem Gesicht, fuchtelte mit ihren Händen durch die Luft und schrie immer und immer wieder: „Das ist mein Junge, geben Sie ihn her, dazu haben Sie kein Recht. Das ist mein Junge, mein Junge …!“
Am Gartentor angekommen drehte sich Großmutter Grete um und sprach mit ruhiger, klarer Stimme: „Wenn er wirklich ihr Junge ist, dann behandeln sie ihn auch so!“, drehte sich würdevoll um, schritt weiter aus und verschwand mit Marius in den Armen in ihrem Haus. Marianna und Kim blickten ängstlich zu der kreischenden Frau auf und folgten ihrer Großmutter nach.
In der Stube angekommen legte Großmutter Grete den weinenden Jungen auf die gemütliche Küchenbank, deckte ihn zu und holte den Milchkrug aus der Speisekammer. Sie goss die frische Milch in eine kleine Kasserolle und stellte sie auf den munter vor sich hinbullernden Herd. Dann setzte sie sich neben Marius, streichelte ihm übers Haar und fragte behutsam: „Wer ist die Frau, Marius?“
„Sie ist … meine … meine … Mutter!“, stieß Marius unter Schluchzen hervor. Marianna und Kim, die gerade in die Küche kamen, prallten ob dieser Eröffnung geschockt zurück.
„Deine Mutter!“, riefen die beiden, wie aus einem Munde, und blickten fragend zu ihrer Großmutter auf.
Diese schüttelte erschüttert den Kopf und legte mitleidig ihre Hand auf Marius heftig zuckende Schulter.
„Ich will meinen Jungen …!“, zeterte die Frau vom Eingang herein. „Sonst hole ich die Polizei, Sie werden schon sehen …!“, drohte sie.
Großmutter Grete erhob sich, bat Marianna die warme Milch in einen Becher zu füllen und Marius zu geben. Dann ging sie hinaus in den Flur, wo der alte Telefonapparat an der Wand hing, hob den Hörer ab und wählte eine ihr vertraute Nummer. „Hallo Gerald, hier Grete, ich brauche Dich, es ist sehr dringend, bitte komm gleich!
Danke!“
Sie legte auf, hob den Blick und richtete ihre Aufmerksamkeit auf die nervös auf dem Gartenweg auf- und abtrippelnde Person in ihrer grellen, billigen Kleidung.
Sie ging hinaus und baute sich vor der, vor sich hinmurmelnden Frau auf. Diese starrte vor sich auf den Gartenweg und lief fast in Großmutter Grete hinein. Erschrocken riss sie den Kopf zurück und hob sofort wieder drohend die Hand. „Sie, Sie … Kindesdiebin, Sie …!“, schrie sie und zerrte an Großmutter Gretes Küchenschürze. Diese löste die zerrende Hand und sprach mit ruhiger Stimme: „Sie lieben ihn nicht!“
„Was?“, kreischte die Frau und wich betroffen zurück. Gleich jedoch warf sie ihr wasserstoffblondes Haar theatralisch über die Schulter und schrie wie von Sinnen: „Was unterstehen Sie sich … ich …liebe … meinen Jungen, mein eigen Fleisch und Blut. Er ist alles was ich habe …!“ Hysterische Tränenfluten sprangen unter ihren falschen Wimpern hervor und liefen einen dunklen Bach aus Maskara mit sich reißend über die in grellem Rouge prangenden Wangen.
Plötzlich spürte die aufgebrachte Frau eine schwere, warme Hand auf ihrer Schulter. Erschrocken drehte sie sich um und sah sich einem großen, älteren Mann, mit einem grauen Backenbart und gewitterwolkengrauen Augen, gegenüber, die eine enorme Wärme ausstrahlten. Augenblicklich verstummte ihr Redefluss und sie riss die Augen noch weiter auf.
„Was kann ich tun?“, fragte der Mann, der in einen grünen Rollkragenpullover und braune Cordjeans gekleidet war, mit sanfter melodischer Stimme und strich dabei mit seiner Kappe über seinen silberfarbenen dichten Haarschopf.
„Frag sie!“, antworte Großmutter Grete und blickte dabei streng auf die Frau, die vor Gerald Steinmann sichtlich geschrumpft war.
„Was kann ich tun?“, wiederholte Gerald Steinmann seine Frage und richtete den Blick seiner warmen Augen direkt auf das hektisch gerötete Gesicht von Marius Mutter. Diese war sprachlos, offensichtlich hatte noch nie jemand so eine Frage an sie gerichtet. Sie starrte mit, von schweren Wimpern überschatteten Augen zu ihm auf und Gerald erkannte, das sie gewitterwolkengrau waren. Eine seltene Augenfarbe, dachte er und es wurde ihm seltsam warm ums Herz.
Schnell schüttelte er das Gefühl ab und richtete seine Aufmerksamkeit wieder ganz auf die für ihn noch äußerst unklare Situation.
„Was kann ich tun?“, stellte er wieder seine Frage und nahm die Hand der nervösen Frau in seine.
Plötzlich stutzte er und richtete seinen Blick auf ein kleines sternförmiges Muttermal direkt am rechten Daumenballen der Frau. Sein Blick schoss wieder hinauf zu dem rauchfarbenen Grau ihrer Augen. Die Frau hatte sich sichtlich beruhigt und erwiderte mit zittriger Stimme: „Sie wollen wirklich etwas für uns tun? Sie kennen mich doch gar nicht, uns doch gar nicht.“
„Nun, es gibt wohl auch so etwas wie eine bedingungslose Hilfe“, antwortete Gerald Steinmann schmunzelnd und hielt die Hand der Frau sanft in seiner, strich beruhigend über das kleine Sternmal an ihrem Daumenballen.
„Ich, ich bin hier hergekommen … mit meinem … Sohn, um … um … meine … Familie zu suchen!“
„Ihre Familie kommt von hier?“, mischte sich Großmutter Grete erstaunt ein.
„So vermute ich!“, antwortete die Frau nun mit normaler ruhiger Stimme und blickte dabei das erste Mal so richtig in Großmutter Gretes gütiges Gesicht.
„Wie kommen Sie zu dieser Vermutung?“, fragte Gerald Steinmann ruhig nach. „Ich … ich … nach dem Tode meiner Mutter … musste ich den Nachlass regeln … und da habe ich, habe ich … Papiere gefunden … Dokumente … ich war sehr erstaunt … bestürzt.“
Ihr Redefluss stockte und Tränen, echte ehrliche Tränen, strömten aus ihren Augen, sie schluckte und Großmutter Grete und Gerald Steinmann warteten geduldig auf den Fortgang ihrer Erzählung.
„Nun...“, presste die, in ihrem Schmerz nun viel jünger wirkende, Frau heraus, „nun es befand sich ein Dokument darunter, eine Art Geburtsbescheinigung … von mir … auf der ich einen anderen Namen trug und auf der auch … ein anderer Name … unter … Vater … eingetragen war. Der Geburtsort dieses Vaters lautet Kirchenmeiler … und darum bin ich hier.“
„Wenn ich das richtig verstehe, sind Sie hier, um ihren leiblichen Vater zu finden!“, fasste Gerald Steinmann die Erzählung der jungen Frau zusammen.
„Ja, ja, so könnte man sagen …“, stammelte diese errötend. „Ich dachte immer, mein Vater sei auf See verschollen, so hat es mir meine Mutter zumindest erzählt … und nun das. Ich weiß nicht, ob ich um sie trauern oder zornig auf sie sein soll … es tut mir leid.“