Liebe Leserinnen und Leser,
mit Coués erstmals 1922 erschienener Schrift „Die Selbstbemeisterung durch bewusste Autosuggestion“ halten Sie eines der wichtigsten Bücher zum Thema ganzheitliche Heilung, das jemals geschrieben wurde, in Ihren Händen.
Bereits als ich 12 Jahre alt war, las ich diese Schrift, die mir damals jedoch wegen seines altertümlichen Sprachstils in meinen jungen Jahren nicht ganz zugänglich war. Später las und praktizierte ich die Techniken nach Joseph Murphy, lernte Hypnose und NLP bei Richard Bandler und Paul McKenna. Sie alle leisteten und leisten teilweise auch heute noch wertvolle Beiträge zur Gesunderhaltung und Stärkung leidender Menschen.
Die Autosuggestion ist meinen Patienten und mir ein wichtiges Instrument geworden, um Schmerzen zu lindern, Blutungen zu stoppen, Ängste zu besiegen u.a. Die Möglichkeiten zur Anwendung der Autosuggestion sind nahezu unbegrenzt, die Wirkungen unübertroffen.
Ein Beispiel eines meiner Patienten möge Ihnen die Wirksamkeit der Autosuggestion veranschaulichen.
Herr R. litt an Diabetes. Seine Füße waren durch die Erkrankung bereits unempfindlich, so dass er es nicht fühlte, als er sich eines Tages einen Zeh in einem Düsseldorf Schwimmbad stieß. Irgendwann bemerkte er, dass sein betroffener Fuß blutete, desinfizierte den Fuß und ging anschließend nach Hause, ohne sich weiter über den Vorfall Gedanken zu machen.
Wenige Tage später schwoll der Fuß an. Herr R. ging sofort in eine Diabetes-Klinik, wo der Oberarzt, der den Fuß untersuchte, dringend zu einer Amputation riet, da die Entzündung sonst weiter aufsteigen würde, was lebensbedrohliche Ausmaße annehmen könne.
Herr R. lehnte die Amputation mit der Begründung ab, dass er schließlich erst 80 Jahre alt und viel zu eitel sei, um sich in jungen Jahren schon einen Fuß amputieren zu lassen. Herr R. erbat sich eine Frist von drei Tagen, er wolle mit Autosuggestion versuchen, die Entzündung zurückzudrängen. Sollte ihm dies nicht gelingen, könne ihm ja der Oberarzt anschließend alles amputieren, was dann notwendig sei. Der Arzt stimmte nur zu, wenn Herr R. in dieser Zeit unter Kontrolle der Klinik bliebe.
Der mutige Patient blieb nun für drei Tage unter medizinischer Aufsicht. Er arbeitete in diesen drei Tagen mit Autosuggestion und positiven Vorstellungsbildern – und siehe da, nach drei Tagen war nur noch ein Zeh geschwollen. Dieser wurde dann allerdings amputiert, weil der Patient die Schwellung aus diesem Zeh nicht rausbekam, was nicht heißt, dass er den Zeh nicht hätte retten können, wenn er mehr Zeit zur Verfügung gehabt hätte.
Ich hoffe, dieses kleine Beispiel, motiviert Sie, in das Wesen der Autosuggestion tiefer einzudringen, um zu lernen, diese wertvolle Waffe im Kampf gegen Krankheit und Elend einzusetzen.
Ich habe mir erlaubt die alte Schrift Coués zu überarbeiten und in modernes Deutsch zu übertragen, damit die heutigen Leser dieser Schrift vollen Nutzen aus der wertvollen Lehre Coués ziehen können. Meine Kommentare sind mit AN gekennzeichnet und kursiv hervorgehoben, so dass Sie jederzeit den Text Coués von meinem Kommentar unterscheiden können.
Ich wünsche Ihnen bei der Anwendung der Autosuggestion viel Erfolg.
Doch lassen wir nun den alten Meister zu Wort kommen,
Ihr Andreas Nieswandt
Meine Damen und Herren,
Suggestion, bzw. Autosuggestion klingt neu, und doch sie ist so alt wie die Welt. Neu an der Suggestion und Autosuggestion ist nur die Tatsache, dass sie bisher ungenügend erforscht wurde und deshalb ihre Möglichkeiten und Wirkungen nicht erkannt wurden. Alt ist die Kunst der Autosuggestion deshalb, weil es sie gibt, seit Menschen die Erde bevölkern. Wir besitzen das Werkzeug der Autosuggestion von Geburt an. Diesem Werkzeug oder, besser gesagt, dieser Kraft wohnt eine unglaubliche und unberechenbare Macht inne, die je nachdem, wie sie angewendet wird, gute oder schlechte Wirkungen entfalten kann. Das Wissen um diese Kraft nützt jedem von uns, doch gerade für Ärzte, Juristen und für die Erziehung junger Menschen ist dieses Wissen geradezu unentbehrlich.
Wenn Sie die Macht der bewussten Suggestion beherrschen, vermeiden Sie die Gefahr, bei Ihren Mitmenschen schädliche Suggestionen zu verbreiten, die unter Umständen schlimmste Wirkungen hervorrufen. Vielmehr werden Sie in der Lage sein, mit voller Absicht und bewusst positive Wirkungen für körperlich und seelisch Kranke sowie für alle Opfer vorangegangener schädlicher Autosuggestion hervorzurufen. Sie können ihnen helfen, ihr seelisches Gleichgewicht wieder zu erlangen, selbst abnorme Verhaltensweisen können positiv beeinflusst werden.
Kommentar AN: Coué geht hier ohne Umschweife auf das Thema Suggestion bzw. Autosuggestion ein. Er weist darauf hin, dass wir bereits von Geburt an dieses Werkzeug besitzen. Ein einfaches Beispiel, das alle Eltern aus der Erziehung ihrer Kinder kennen soll Ihnen veranschaulichen, wie Coué darauf kommt: Stellen Sie sich vor, Ihr Baby schreit. Da Sie glauben, es geht ihm nicht gut, nehmen Sie es auf den Arm, schaukeln es vielleicht sanft hin und her und wenn es sich beruhigt hat, legen Sie es wieder in seine Wiege zurück. Nun wird das Kind häufig wieder schreien und Sie nehmen es wieder auf den Arm. Hier wirkt bereits die erste Suggestion: Wenn ich schreie, werde ich getröstet oder auf den Arm genommen. Reagieren die Eltern immer gleich auf das Geschrei, wird das Kind mit dieser Autosuggestion, die es sich ohne Worte selber gibt, sich selbst dazu erziehen, wenn es sich allein fühlt sofort nach den Eltern zu schreien. Sind die Eltern klug, schauen sie, ob dem Kind etwas fehlt und versorgen die Bedürfnisse ihres Kindes. Anschließend legen sie das Kind wieder in die Wiege. Anfangs wird das Kind wieder schreien und die Eltern werden naturgemäß schauen, ob dem Kind etwas fehlt. Das Kind lernt jetzt jedoch etwas Neues: Wenn meine Eltern mich getröstet haben und mich wieder ins Bett legen, nützt es mir gar nichts zu schreien. Das Kind wird sich beruhigen und findet zu einem ausgewogenen Schlafrhythmus, weil es nicht ständig aufwacht, weil es seine Eltern vermisst.
Coué weist darauf hin, wie wichtig es ist zum eigenen Wohle und zum Wohle seiner Mitmenschen, die Suggestionen richtig zu wählen, um den Menschen aufzubauen und nicht zu schädigen.