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This is a WAITAWHILE book. Alle Rechte vorbehalten.
© 2009 Hartmut Geerken, Wartaweil 37, D-82211 Herrsching
Umschlaggestaltung: Hartmut Geerken und Dr. Anton J. Kuchelmeister unter Verwendung von Mynonas Unterschrift auf einem Brief an Herwarth Walden vom 16. September 1915 (Archiv der Akademie der Künste Berlin, Mynona Archiv, vormals Friedlaender/Mynona Archiv Geerken).
Gesetzt in Adobe Garamond Pro.
Layout und Formatierung: Dr. Anton J. Kuchelmeister.
Herstellung und Verlag: Books on Demand GmbH, Norderstedt.
Printed in Germany.
ISBN 978-3-7322-1054-1
Detlef Thiel

Werner Stein: Kulturfahrplan. Die wichtig sten Daten der Kulturgeschichte von Anbeginn bis heute, Berlin-Grunewald: Herbig 1946, 21954, 1028
Zeitgenossen haben dieses Buch Friedlaender/Mynonas „Hauptwerk" genannt. Etwas voreilig. Der Ausdruck verrät eine bürokratische Betrachtungsweise, welche die hier beschriebene reine Aktivität, den Widerstand gegen jede Verdinglichung, präzise verfehlt. Kann ein vom Verfasser in ganz bestimmter Hinsicht widerrufenes Buch dessen Hauptwerk sein? Gleichwohl legt es eine bestimmte Phase der Philosophie Friedlaender/Mynonas dar. Es bringt Grundzüge der expressionistischen Jahre auf den Begriff, spiegelt Aufbruch und Krise jener Zeit vor und während des Ersten Weltkrieges. Es könnte ein ,Kultbuch’ sein .... Gibt es Kultbücher ohne Kult? Über dieses nach 90 Jahren wieder vorgelegte Buch ist in beschämendem Maß geschwiegen worden, und doch bildet es einen der verwickeltsten Knoten deutscher Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts. Seine Entstehung, Quellen, Absichten, seine verborgenen, aber weitverästelten Wirkungen werden im folgenden erstmals nachgezeichnet – Fragmente einer Begriffsgeschichte.
1. „Haben Sie einen Verleger für Ihr Buch?“
„Ein fundamentales Werk des Verfassers [...] dürfte noch dieses Jahr erscheinen.“1 Zur Zeit dieser Ankündigung, 1901, hatte Friedlaender/Mynona2 eine Zusage des Leipziger Verlegers Wilhelm Friedrich für sein Manuskript Die lebendige Indifferenz der Weltpolarität. Die Publikation scheiterte an den Druckkosten – „glücklicherweise“, schreibt F/M später; denn so konnte die Schrift ausreifen.3 Die weitere Genese läßt sich seit Ende 1912 konkreter fassen.
Seit 1907 unterstützt Georg Simmel F/M mit Rat und Tat; er forciert den Druck des Nietzschebuches, das Ende 1910 erscheint. Seitdem veröffentlicht F/M in rascher Folge Grotesken, Aufsätze, Rezensionen, darunter den Ende 1911 auf einem Sturm-Abend gehaltenen Vortrag Polarität (GS 2). Am 21. Dezember 1912 schreibt ihm Simmel über ein unbekanntes Manuskript:
„Verehrter Herr Doktor,
Ich habe Ihr Manuskript gleich gelesen u. sende es Ihnen zurück, da ich nicht weiß, ob Sie seiner nicht bedürfen. Die Publikation hat m. E. große Schwierigkeiten über die ich mit Ihnen lieber mündlich verhandeln möchte. Vielleicht gestatten Sie, daß ich in einiger Zeit, wenn ich etwas zu Atem komme, Ihnen eine Unterredung vorschlage.“ (Simmel 2008, 150 f.)
Wilhelm S. Ghuttmann und Erwin Loewenson, Mitglieder von Kurt Hillers „Neuem Club“, planen Anfang 1913 die Zeitschrift Neopathos; das erste Heft ist für Oktober vorgesehen. F/M schickt am 7. März vier Texte: „I. Krieg und Frieden. / II. Persönliche Identität. / III. Inwendigkeit aller Auswendigkeit. / IV. Wille zu fliegen.“ Der zweite, dann der vierte Beitrag wird akzeptiert, das Projekt scheitert. Die Texte sind nicht erhalten, doch teils in das Buch eingegangen.4 In Simmels Brief vom 2. Mai 1913 geht es wieder um ein nicht zu identifizierendes Manuskript:
„Ich [...] sende Ihnen nun Ihre Arbeit zurück. Wenn ich dazu einen Wunsch aussprechen darf, so ist es das: daß Sie Ihren Grundgedanken nun auf die Peripherie des Lebens verbreitern u. seine Fruchtbarkeit für alle Gebiete zwischen dem Innersten u. dem Äußersten zeigen möchten! Für jetzt hat die Form, in der sie ihn geben, sozusagen dasselbe Wesen, wie sein Inhalt: der Nullpunkt, in dem die Fruchtbarkeiten gesammelt, aber noch nicht zu Verwirklichungen erlöst sind, die Spannung, die blos Spannung ist u. ihre Kräfte noch nicht über sich hinaus aktualisirt. Der Weiterbau in Höhe u. Breite würde zugleich als Fundamentirung, als Begründung wirken. Ich meine damit nicht Wiederholung des Motivs in immer neuen Formen, sondern seine Erstreckung durch immer neue Materien; u. ich glaube auch, daß sich erst so eine Brücke zu weiteren Leserkreisen schlagen ließe.“ (Simmel 2008, 179)
F/M hat den Rat durchaus beherzigt. Am 20. Juni schlägt Simmel die „schon vor Monaten geplante Zusammenkunft“ vor (ebd. 189). Im Dezember 1913 erscheint in der Monatsschrift Die weißen Blätter F/Ms Aufsatz Dionysisches Christentum. Der Text wird in das Buch aufgenommen (Skizze 1). Am 20. Dezember bringt Franz Pfemferts Aktion den Aufsatz Das Individuum und die soziale Frage (GS 2, 385-389); er ist eingegangen in Skizze 5. Am selben Tag liest F/M im Neuen Club einen Prosatext: „Die Erlernbarkeit des Genies“; davon handelt Skizze 11. — Simmel, seit Frühjahr 1914 in Straßburg lehrend, antwortet am 24. April 1914 auf ein nicht überliefertes Schreiben F/Ms; es geht einmal mehr um die beiden materiellen Probleme, die F/M zeitlebens bedrängten:
„Ihr Brief hat mich in hohem Maaße betroffen u. betrübt — ich dachte, die ökonomische Frage wäre für absehbare Zeit erledigt. Nun bin ich vorläufig ganz ratlos. An Ihre bisherigen Mäcene kann ich angesichts meines Verhältnisses zu ihnen nicht herantreten, meine eigenen Mittel sind auf lange Zeit hinaus festgelegt u. überhaupt sehr bescheiden, meine paar wohlhabenden Freunde habe ich für entsprechende ,gute Zwecke’ schon so in Anspruch genommen, daß ich von ihnen nichts erbitten kann. So sind zu meinem großen Kummer alle Türen verschlossen. Aber ich werde Ihre Frage dauernd im Auge behalten u. jede Möglichkeit ergreifen, die sich etwa bietet. / Haben Sie einen Verleger für Ihr Buch? Wenn es innerlich u. äußerlich möglich ist, will ich Ihnen ev. gern behilflich sein.“ (Simmel 2008,319)
Am 10. Oktober 1914, mitten im allgemeinen Kriegstaumel, erscheint in der Aktion F/Ms Aufsatz Wink zur Abschaffung des Menschen; er bildet den Anfang von Abhandlung 3. Simmels letzter überlieferter Brief aus der „Grenzfestung“ Straßburg datiert vom 26. Oktober 1914:
„Nach den Mitteilungen Ihres freundlichen Briefes, für den ich Ihnen sehr danke, ist es mir wahrscheinlich, daß ich bei einem Verleger für die Übernahme Ihrer Schrift würde eintreten können. Nur sind Sie im Irrtum, wenn Sie den jetzigen Augenblick für dazu geeignet halten. Ich glaube mit Sicherheit behaupten zu können, daß kein einziger Verleger in Deutschland jetzt den Verlag eines philosophischen Werkes auch nur entfernt in Betracht zieht. Es werden überhaupt so gut wie keine Bücher gekauft, außer den auf den Krieg bezüglichen, u. die Verleger sitzen mit ihren unverkäuflichen Verlagsvorräten da; sie erleiden so ungeheure Verluste, daß, glaube ich, jeder Verleger mich auslachen würde, dem ich ein neues Unternehmen zumuten wollte. [...] Vor Beendigung des Krieges kann man überhaupt nicht daran denken, die Sache in die Hand zu nehmen, u. auch dann hängen natürlich alle Chancen davon ab, mit welchem Erfolge er beendet ist u. wie schnell sich das deutsche Wirtschaftsleben von dieser furchtbaren Katastrophe erholen wird. Denn von dieser Erholung wird die Fähigkeit des Publikums zum Bücherkauf bedingt.“ (Simmel 2008, 440 f.)
In der Genese des Buches spielt auch Walter Hasenclever eine Rolle. Er hatte Ende 1913, mit 23 Jahren, sein Drama Der Sohn, einen Schlüsseltext des expressionistischen Theaters, beendet.5 Anfangs kriegsbegeistert, wandelt er sich rasch zum Pazifisten; seit Ende November 1914 studiert er an der Universität Bonn Germanistik und Philosophie. Am 17. Januar 1915 berichtet er dem Verlagsleiter bei Wolff, Georg Heinrich Meyer:
„Mit größter Spannung lese ich zugleich mit Frl. v. d. Bank S. Friedlaenders Mskrpt. und finde es glänzend! Ungeheuer aktuell, eine Basis zur Weltanschauung, eine unendlich reiche Direktive! Übrigens, ohne Friedlaender je zu kennen, habe ich dramatisch das gleiche Prinzip angewandt: aus dem Mittelpunkte der Wesenheit vermittels Rotation die polaren Kreise zu entwickeln; deshalb steht ,Der Sohn’ auch unter der Einheit der Emotion wie des Geschehens – “6
Drei Tage später schreibt Hasenclever an F/M:
„Sehr verehrter Herr Dr. Friedlaender.
Ein glücklicher Zufall erlaubt mir, in Ihrem Buche vom Prinzipe des Indifferentismus zu lesen – der Verlag der ,W. B.’ lieh mir das Mskpt. Ohne Ihre Anschauung vorher zu kennen, war sie mir zur eignen Nachdenklichkeit als Dramatiker eine schon so gemäße, daß ich bewußt und konsequent ihr Prinzip in meinem Drama ,Der Sohn’ ausgestaltet habe und damals stark glaubte, die Erscheinung des neuen, heutigen Dramas von einem entsprechenden geistigen Aktivismus abzuleiten.
Die Darstellung einer aus ihrem Zentrum vermittels dramatischer Rotation emanierten Urwesenheit, die alleinige Menschwerdung einer solchen entscheidenden Substanz in polarer Gegensätzlichkeit, hervorgerufen durch ihre polaren Figuren innerhalb der dramatischen Funktion, -: letzten Sinnes also das zentrifugale Pathos einer einzigen, heroischen Position (welche am Ende ihrer durchzogenen Axen, die Kurve verlassend, sich wieder zum Nichts ihres Mittelpunktes neutralisieren müsste) – dieses aufzuzeigen schien mir die Aufgabe des heutigen Dramas zu sein: das Thema vom neuen dram[atischen] Helden! Ich plane hierselbst eine Trilogie; ich glaube, verehrter Herr Doktor, daß wir die gleiche Richtung teilen! Ich brauche Ihnen also nicht zu sagen, wiesehr mich die Souveränität, das bereits zu-Ende-Gedachte Ihrer Deduktionen erfreut; die kühle Abstraktion des Philosophen wieder in handelnden Kosmos zu metamorphosieren, bleibt das Stigma der Poeten. —
Der Grund meines Briefes ist folgende Frage. Augenblicklich bin ich, um zu promovieren, mit einer literarhistorischen Arbeit zwar, aber immerhin und für mich am wichtigsten in Philosophie. Gestern im Seminar, bei dem ausgezeichneten empirischen Psychologen Störring (einem der ältesten, umfassendsten Köpfe aus der Wundtschule), als man Windelband[s] neuestes Buch ,Einleitung in die Philosophie’ diskutierte, flocht ich unter Nennung Ihres Namens einige Ihrer Thesen ein — und wurde von Störring aufgefordert darüber am nächsten Dienstag im Anschluß an seine Ausführungen über Spinoza ein kurzes Referat zu halten. Ich sagte zu; möchte Sie aber auf alle Fälle erst fragen, ob Sie einverstanden sind, wenn ich unter Umständen einige Sätze aus dem Manuskripte vorlesen würde: die Zeit, in der wir leben, ist dazu angetan, die Interessen des Geistes zu wecken, solange wir noch dazu im Stande sind!
Ich hoffe, Sie geben mir bald eine Antwort.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr
Walter Hasenclever7
F/M ist einverstanden und bittet Hasenclever um eine Empfehlung. Dieser berichtet am 24. Januar an Meyer:
„Denken Sie: ich halte morgen im philos. Seminar bei einem der gescheitesten Professoren (ausersehen als Nachf. v. [...]: Prof. [...] Philologe) ein Referat über Dr. S. Friedlaenders bei mirweilendes, noch ungedrucktes Manuskript, und ich werde, im Einverständnis mit Friedlaender, wichtige Stellen daraus vorlesen! Sie sehen, es geschieht doch etwas zum Imperialismus des Geistes — sogar in Bonn! [...] Friedlaender bittet mich, mich für die baldige Drucklegung zu verwenden — ich halte das Buch für ausgezeichnet: wollen Sie mehr darüber hören? Bitte an Friedlaender ein Exemplar ,Der Sohn’ zu senden!“8
Hasenclever kann die Sache nicht weiter verfolgen: Mitte Februar 1915 meldet er sich als Dolmetscher in Gent, wird bei der Postzensur eingesetzt, dann in Kassel in einer Schreibstube, dann nach Galizien abkommandiert.9 Wenig später erhält F/M einen (nicht überlieferten) Brief von Alfred Kubin; damit beginnt eine intensive Korrespondenz bis zu F/Ms Tod. In seiner Antwort vom 27. März 1915 (Briefe Kubin, 14 ff.) dankt er für das Interesse, skizziert seinen Standpunkt, führt seine wichtigsten Publikationen an und teilt den vorläufigen Titel seines „echten Buches“ mit:
,„Eigne Allmacht’
(Vom
Prinzip des Indifferentismus polarer Observanz
zur
Einführung des Begriffs der
neutralen Größe
in die
Philosophie).“
Die erste Formel im Untertitel hatte Hasenclever schon genannt; das folgende bezieht sich auf Kant (dazu Abschnitt 2); im selben Brief fällt auch die Wendung „schöpferische Indifferenz“. F/M beklagt den „bewährten stumpfen Widerstand“, der sich dem Publizieren entgegenstelle in Gestalt der „sonderbaren Hebammen, der lieben guten Verleger, dieser Engelmacher des Geistes“. Er bittet Kubin, das Manuskript bei Georg Müller in München zu empfehlen – „auch Herr Leonhard Frank hier (der aber meine Idee nicht kennt) versprach mir, bei Müller für mich zu wirken“. Darüber hat F/M später berichtet:
„Meine jugendliche Konzeption des menschlichen Ich fand ihre Geburt als Schöpferische Indifferenz’. Das Erscheinen dieses Buchs verdankt sich einem komischen Zufall. Der Dichter Leonhard Frank, Autor des pazifistischen Novellenwerks ,Der Mensch ist gut’, besuchte mich, und ich klagte ihm mein Leid über die Unanbringbarkeit des Manuskripts. Er entflammte idealistisch, nahm die Handschrift nach München zu seinem Verleger Georg Müller mit und zwang diesen diktatorisch, wie er mir erzählte, zur Annahme, indem er ihm drohte, ihm sonst keines seiner Werke mehr anzuvertrauen. Als ich Frank später mal fragte, wie er mein Buch fände, gestand er mir, er kenne es gar nicht, mich aber kenne er als geistigen Menschen, und das genüge ihm ... Er sowohl wie alle diese ,linken’ Geistigen, orientierte sich, in die politischen Wirbel gestoßen, marxistisch. Das ist vielleicht eine ökonomische, sicherlich aber keine geistige Lösung.“10
Franks Vorstoß bei Müller muß Ende Mai 1915 stattgefunden haben. Am 7. Mai hatte es im Cafe des Westens folgende Szene gegeben: Der Journalist Felix Stössinger ließ sich zu der Bemerkung hinreißen, die soeben bekannt gewordene Versenkung der Lusitania mit 1198 Passagieren sei „die größe Heldentat der Menschheitsgeschichte“; darauf schlug ihm Frank vor den Gästen ins Gesicht und ergriff sofort die Flucht nach der Schweiz; als französischer Agent denunziert, wurde er am nächsten Tag polizeilich gesucht. „Tatsächlich überschritt er aber erst im Juni 1915 die Grenze, nachdem er zunächst wegen Geldangelegenheiten seinen Verleger in München aufgesucht hatte.“11 Auch Kubin will bei Müller anfragen. F/M am 3. Mai:
„Ich danke Ihnen für Ihre Absicht, mit Müller zu reden; ich würde auch sehr gern auf einen Eventual-Vertrag eingehen. Das Buch dürfte rund 400 Druckseiten stark sein. Eine Probe daraus hoffe ich, Ihnen im Sommer senden zu können. Die ,Weißen Blätter’ machen nämlich Miene, ein Kapitel zu bringen.“ (Briefe Kubin, 18)
Kubin hatte Erfolg; zwei Wochen später schreibt ihm F/M:
„Unser göttlicher Müller, das persönliche ∞, mahlt zwar unfehlbar sicher, aber vorerst qualvoller langsam als alle die übrigen Müller, den Georg nicht ausgenommen, den, für mich interessirt zu haben, ich Ihnen gern verdanke.“ (17. Mai; Briefe Kubin, 19)
Das erwähnte Kapitel erscheint unter dem Titel Der Waghalter der Welt am 1. Juli 1915 in den Weißen Blättern; es wird, in drei Teile zerstückelt, in das Buch aufgenommen. Seiner Schwester Anna berichtet F/M am 31. Juli, er habe dafür eine „Abfindung“ eingeheimst (AAFMAG). Anfang September vermerkt er: „Soeben ist übrigens mein Vertrag mit Müller in aller Form Rechtens perfekt geworden. Das Buch erscheint aber erst nach Friedensschluß, aber dann spätestens in einem Jahr.“ (Briefe Kubin, 36) 12. November:
„Jetzt schreibmaschinire ich aber mein Buch noch einmal selbst und bringe Verbesserungen und Ergänzungen an; außerdem habe ich privatim eine kleine Vorlesung übernommen, zu der ich mich präpariren muß. [...] Sehr gern würde ich Ihnen mein M[anuskript] schicken; es geht aber vorläufig noch nicht, weil ich es noch überarbeite; auch besitze ich nur wenige Teile im Duplikat, und diese Duplikate habe ich Müller solange anvertraut, bis ich ihm das ganze M[anuskript] übersendet haben werde. Der Vertrag machte sich so schnell, weil Leonhard Frank durch München kam, der jetzt auf M[üller] mächtigen Einfluß zu haben scheint. Die Bedingungen sind für mich sehr ärmlich und bleiben noch obendrein während der Dauer des Krieges rein formal.“ (Briefe Kubin, 40 f.)
Drei weitere Vorabdrucke folgen: zwei Aphorismensammlungen, beide unter dem Titel Polaritische Gedanken (Die Aktion, Juli 1916); der Aufsatz Goethes Farbenlehre (Dezember 1916)12 sowie Anfang 1917 zwei Seiten unter dem Titel Eigne Göttlichkeit.13 F/M an Kubin, 10. August 1916:
„Es wimmelt so von Mißverständnissen um mich herum, daß ich meistens auf gleichgültige oder feindliche Empfängnis gerate. Der , Waghalter’ scheint klanglos verschollen. Ob es meinem Buche besser ergehen werde, lasse ich übergetrost dahin gestellt.“ (Briefe Kubin, 76 f.)
So klanglos verschollen war der Waghalter keineswegs. Daß der Lyriker Alfred Mombert in Heidelberg seinem Freund Kurt Benndorf 1918 den Aufsatz empfahl, konnte F/M nicht wissen; wohl aber, daß Hannah Höch ihn auf einer Collage 1920 mit Albert Einstein verknüpfte.14 Über weitere Echos unten.
25. November 1917: „Meine Schöpferische Indifferenz’ ist bereits im Druck.“
14. Dezember 1917: „Zur Ergänzung [...] sende ich Ihnen, als eingeschriebene Drucksache, den Anfang der Vorrede zur Schöpferischen Indifferenz’. Haben Sie die Güte, sie mir gelegentlich zurückzugeben.“
20. Februar 1918: „,Bonbons’ & Schöpferische Indifferenz’, längst gedruckt, lagern & lagern!!!“
27. Februar 1918: „Die Schöpferische Ind.’ ist ausgedruckt. Bitte wenden Sie sich deshalb an Müller; ich thue es gelegentlich auch.“ (Briefe Kubin, 96-99)
Anfang April 1918 kommt F/Ms Sonettensammlung Hundert Bonbons heraus, mit Titelzeichnung von Kubin. Am 26. April berichtet F/M über einen Besuch bei Müller in München und eine erzwungene „fieberhaft kurze Unterredung“:
„Ich selber erlangte schließlich einen Vorschuß und die Zusicherung eines Generalvertrages, der mir, statt einmaligen Honorars, eine monatliche Rente, in einer noch zu präzisie renden Höhe gewährleistet.“ (Briefe Kubin, 101)
Um diese Zeit wird das von Kurt Hiller herausgegebene zweite Ziel-Jahrbuch, Tätiger Geist! veröffentlicht und, wie das erste, wegen antimilitaristischer Tendenz beschlagnahmt; darin F/Ms Aufsatz Individuum.15 Schöpferische Indifferenz erscheint im Juli 1918. Die Auslieferung erfolgt verzögert. Am 4. Juli moniert Kubin, das Buch sei ihm noch nicht zugesandt worden; am 23. Juli bemerkt F/M: „Müller verschickt Karten an die Subskribenten, wonach die Sch. Ind. soeben erschienen sei.“16 Am 29. August 1918 berichtet er:
„Der Verleger schreibt mir bereits, noch bevor er mir meine Exemplare zusendet, daß das Buch durchfällt; es kostet allerdings 16,50 M!!! Ich halte es für einen Glücksfall, daß es überhaupt vorliegt, bin auf die allerlangsamste und ebenso gründliche Wirkung gefaßt und ihrer unfehlbar sicher – sei es nun, daß das Buch direkt, sei es, daß es durch die Befruchtung eines besseren Kopfes wirke.“17
Im Oktober 1918 drucken die Neuen Blätter für Kunst und Dichtung un t e r dem Titel Zur Psychologie der Engel ein Stück aus Abhandlung 3 ab, ohne Hinweis auf die Quelle. Im März 1919 erscheint in Anselm Ruests Zeitschrift Der Einzige Skizze 11.
2. Indifferentismus polarer Observanz
Wie leicht scheint es, angesichts heutiger philosophischer Literatur, dieses Buch nach kurzem Durchsehen achselzuckend wieder wegzulegen! Eine Textwüste ohne Orientierungshilfen ... „sei es tausendfach wiederholt“ ... „immer von neuem gesagt“ (103, 138) – was soll die Litanei? wie langweilig! Das wäre besser auf ein paar Thesen gebracht und an Beispielen verdeutlicht worden .... Am Schluß der Vorrede wird der Leser gar aufgefordert, sich „der Belästigung durch die Monotonie der Variation“ zu unterziehen: „Der stete Tropfen dieser Ermahnung höhle den Felsen des Widerstandes“ ... Lektüre als Prozeß „schöpferischer Selbsterweckung“? Lesen als Therapie?
Läßt man sich dennoch darauf ein, so bemerkt man bald ein kreisendes oder spiraliges Auf- und Abrollen der Themen, ein genußvoll orientalisches Weben und Verknüpfen. Viele Traktate zu allen klassischen Themen der Philosophie sind ineinander gefügt. Was in F/Ms Nietzsche begann, ist reif entwickelt: ein eigener Sprachduktus, völlig verschieden von den rund 70 Grotesken, die bis zum Sommer 1918 veröffentlicht waren. Präzis gegliederte Satzperioden mit klarer Melodie, das Tempo gleichmäßig ruhig – oft Illustrationen aus dem musikalischen Register: „automatisches Klavier“, „Weltmusik“, „Harmonie“, „Kapellmeister“. Nirgends läßt die Intensität nach. Gehobene Sprache, die sich laufend aus sich selber erneuert, wie Hobelspäne immer neue Wendungen abschält, die zu oft erstaunlichen Formeln, ja Axiomen gerinnen. F/M buchstabiert seine Intuition durch. Das Buch ist eine gewaltige Übung in Lakonismus und Abstraktion. Es gibt weder Willkür noch Spielerei. Doch überall stichelt es: „man soll“, „man muß“. Das sind methodische Anweisungen, Appelle, Aufforderungen. F/M will aufrütteln, wecken, erinnern – wen? wozu?
Den Leser! Es geht um Tod und Leben. F/Ms Philosophieren vollzieht sich auf einer anderen Ebene als die intellektuellen Kulturdiskussionen, damals wie heute. Zwei Schlüsselsätze: „Wie tief geht die Möglichkeit des Selbstvergessens, wenn es nötig ist, eine ganze Philosophie an Stelle dieses Todes zu setzen!“ und: „Dies ist die Weissagung vom Individuum.“ Hier ist eine „neue Aussaat“ (399, 112,98, 123, 548 f.).
— Ach so, ein neuer Prophet! wohl gar ein heiliger Narr? Na, es war ja eine chaotische Zeit, damals ging alles drunter und drüber. Welche Botschaft verkündet er?
Vorweg ist festzuhalten, daß F/M jede Systembildung sorgfältig vermeidet. Auf wichtige Inspiratoren spielt er nur versteckt an. Er führt harte Diskussionen mit philosophischen Klassikern — aber sie sind jeweils über das ganze Buch verstreut. Man kann diese literarische Technik auffassen als Ablenkung von den Quellen; man kann auch annehmen, daß der Autor auf lineare Darstellung verzichtet, weil er seine Gedanken „wie durch ein Prisma“ immer neu beleuchten und prüfen will. Man hat bemerkt, daß F/M bewußt nicht diskursiv argumentiere, seine Begriffe nicht trennscharf definiere; stattdessen arbeite er mit Widersprüchen und Paradoxien, mit Wiederholungen und Variationen; ja die Botschaft seiner Texte bestehe in ihrer „Ausdehnung, Tatsächlichkeit und Wortwörtlichkeit“ selbst.18 Mit solchen flachen Beobachtungen dispensiert man sich von genauerem Hinsehen. Tatsächlich enthüllen sich die vermeintlichen Widersprüche als kalkulierte Zuspitzungen und die Extension des Textes als durchaus strukturiert. Im übrigen ist das Buch teilweise ein patchwork: F/M hat bereits veröffentlichte Texte zerschnitten und neu zusammengesetzt. Die Aphorismen, ausgeschüttete Zettelkästen, enthalten die ältesten Stücke.19 Es gibt noch eine dritte Erklärung der literarischen Form: Die Zerbrechung, Verstreuung, eben das „Aussäen“ soll die Inhalte vor oberflächlichen und flüchtigen Mißdeutungen schützen, allzu raschen Zugriff verhindern. Der Schutz war wirksam: Das Buch ist bislang noch niemals gründlich analysiert worden.
Man kommt F/M näher, wenn man seine Stellung zur philosophischen Tradition betrachtet. In unablässiger Auseinandersetzung mit Kant, Goethe, Schopenhauer, Nietzsche entwickelt er einen spezifischen Subjektivismus. Er arbeitet aber nicht historisch. In spora-Einleitung dischen Urteilen zur Philosophiegeschichte faßt er sich lehrsatz-, ja bilderbuchartig: „Die eigne Schöpferkraft wird durch Kant diplomatisiert, durch Schopenhauer indisch sekretiert, erst durch Nietzsche proklamiert.“ (432, vgl. 479) Kant löste sich aus den „Londoner Nebeln der grob empirischen Philosophie“, blieb aber im Dämmerland; die „Bravourstreiche“ Fichtes und Schopenhauers konnten das Gewölk nicht auflösen, erst bei Nietzsche strahlt die „Sonne der schöpferischen Freiheit“, er streifte seine eigene Selbstbefangenheit radikaler ab als Fichte und Stirner.20
1) Die Kantkritik ist konzentriert in Abhandlung 3, Skizze 8 und 13. Aus dem Versuch, den Begriff der negativen Größen in die Weltweisheit einzuführen (1763) gewinnt F/M eine Präzisierung seines Leitmotivs der „neutralen Größe“ und seines Polarismus. Kant unterscheidet logische und reale Entgegensetzung. Bei der ersteren wird von einem Ding etwas zugleich bejaht und verneint; die Folge „ist gar nichts (nihil negativum, irrepraesentabile), wie der Satz des Widerspruchs es aussagt“. Bei der Realopposition kommen einem Ding zwei entgegengesetzte Prädikate zu, die sich aber nicht widersprechen. Z. B. wird ein Schiff durch die Meeresströmung zurück- und durch den Wind vorangetrieben: „die Folge ist Etwas (cogitabile)“ bzw. Nichts „(nihilprivativum, repraesentabile)“. Dieses privative Nichts nennt Kant auch „Zero = 0“; es bedeutet dasselbe wie „Verneinung (negatio), Mangel, Abwesenheit“ (AA II, 171 f.).
F/M beobachtet nun, daß alle Verneinung etwas Positives ist. Der Wegfall resultiert immer aus einem Widerstreit; Nein ist nicht Vernichtung des Ja, sondern „Gegen-Ja“; keine Nicht-Affirmation, sondern eine konträre Affirmation. Diesen Widerstreit, der etwa beim logischen Widerspruch sehr unauffällig sein kann, hat Kant übersehen; daher verwechselt er Verneinung mit Vernichtung, non mit nihil.21 Zwischen Nein und Ja gibt es etwas Drittes: „das neutrum et comrnune“, die logisch und real dynamische Indifferenz. „Diese Null ist immer noch dreideutig, sie besagt stumm genug: minus null, plus null, neutrum. Dieses letzte ist die totale Indifferenz, das Zentrum des logischen Richtungsunterschiedes.“ Kants nihil negativum, das absolute Nichts, müßte letzten Endes auch sich selber vernichten. „Das wäre die unbändigste Affirmation von Ja und Nein.“ Das nihil negativum faßt F/M als nihil neutrale, als Möglichkeit von Entgegensetzung überhaupt, als den Punkt, „der, alles unterscheidend, selbst ununterscheidbar bleibt“ (392 f.; vgl. 133, 296, 374). Eben hierin, im „Grenzbegriff des ,Dinges an sich’“, erkennt er das „schöpferische Nihil personale des polaren Weltunterschiedes“, die „reinste neutrale“, die „persönlich lebendige neutrale Größe“ (124, 161, 394).
Diese höchst merkwürdige Figur tritt mit erstaunlicher Geste auf den Plan: „wie ein erlauchtes Gespenst alle massiven Garantien beschämend, unbesiegbar“ – „Hier ist die einzige Behauptung, welche mit ihrem Erweis persönlich zusammenfällt.“ (167; vgl. 121, 293) Wer nach Beweisen, nach Legitimierung verlangt, fühlt sich schon gebrochen, demonstriert seine Schwäche gegenüber dem „Erzdogma“ jener Größe (163). Denn hier handelt es sich nicht um etwas zu Beweisendes, sondern um das Beweisende selbst.22 F/Ms Schachzug ist so gewaltsam wie raffiniert: Man schrecke vor dem letzten radikalen Schritt nicht zurück und identifiziere sich selber in einem blitzartigen Entschluß, der Schwungkraft verleiht, mit Kants Ding an sich!
Absurd?! Man beachte, daß hier etwas prinzipiell nicht Definier- und Aussagbares gesetzt wird (201, 397). Neutrale Größe, lebendige Indifferenz, Individuum, Person, „Subjekt, Seele, freier Wille, Selbst, Ich, Geist, Gott“ — all das sind nur Namen für etwas, was unendlich viele Namen hat – also gar keinen: Inkognito.23 Die Namen sind sekundär, ihre Serie muß offen bleiben. Weiter ist zu beachten, daß jene Figur wie ein Gespenst auftritt. Hier geschieht eine „geisterhafte Revolution“, ein „Vorspuk“.24
Kant erklärt: „Das: Ich denke, muß alle meine Vorstellungen begleiten können“ (KrV, § 16). F/M faßt das radikaler: Allein der Philosoph realisiert „die universale Regel, daß keine Vorstellung unabhängig vom erkennenden Wesen bestehe“ (Mahnruf, 53). Zwar sieht Kant als Erster, daß Realität a priori sei, doch setzt er ihr Ideal noch als Ding an sich; er verobjektiviert es, weigert sich, den Schleier der „Erscheinung“ vom Wesen der Sachen selbst wegzuziehen (343). Er weist den Geist auf die Welt an, auf den Leib; er zwingt zur Kultivierung des Feldes der Erfahrung. Das bleibt Kants Leistung. Er weckt die reine Idee auf, damit sie den empirischen Menschen beherrschen lerne wie ein Instrument. Wie Kopernikus anstelle der Erde die Sonne, setzt Kant an die Stelle „einzelner mit Vernunft begabter Leiber“ das apriorische Ich ins Zentrum. Dieses ist „so wenig ein Subjekt wie das empirische, der Mensch“ (348), doch bleibt es noch zu formal. Kant vernachlässigt den Urteilenden, den Kritiker in aller Kritik. Er hat die Freiheit des Subjekts offengelegt, aber die Macht des Geistes immer noch „himmlisch verschleiert“, ängstlich beschränkt und damit verhindert. Er erliegt noch der Illusion, daß das ,Wesen an sich’, das Ding an sich eine differente Bedeutung habe; da er diese nicht erkennen kann, verzichtet er auf die eigentliche Schöpferkraft; jene Bedeutung ist freilich, so F/M, nur als indifferenzierte zu fassen – d. h. im strengen Sinne gar nicht zu fassen (219 f., 224, 243).
Kant formuliert das Vernunftgesetz, übersieht aber, daß es die absolute Freiheit nicht dirigiert, sondern aus ihr folgt. Seine Pflicht ist rigoros um ihrer selbst willen. Der freie Schöpfer dagegen spielt mit Pflichten und Bedingungen, mit der Rigorosität – Kants Ethik „gehört in die Pathologie des Schöpfers“ (240 ff.). F/M versteigt sich zu schroffen Worten, er nennt Kant einen Sklaven, ein „Angstprodukt“, einen „Kammerdiener“ seiner eigenen Göttlichkeit, ja einen „Spießbürger“ (223, 535, 488, 434). Er hat dies bitter bereut und fortan radikal revidiert.
2) Fichtes Ansatz ist, so F/M, prinzipiell richtig: Er zielt auf das persönliche Erlebnis des Absoluten. Man identifiziere sich nicht mit menschlichem Innen, sondern mit der Idee – das ist ein urplötzlicher, blitzartiger Entschluß (eine „Tathandlung“)! Doch Fichte ist „derivativ“ zu korrigieren, weil ihm dabei Fehler unterlaufen. Zwar sieht er, daß Kants kopernikanische Revolution unvermeidlich sei, aber er nimmt das Absolute als „Ideal“ und hält dessen Erleben für Wahnsinn. Indem Fichte endlichen und unendlichen Geist, relatives und absolutes Subjekt unterscheidet, bringt er Mehrheit ins Subjekt, legt es dadurch lahm. Er ist noch kein freier Geist, sondern moralisch gebunden. Im „beklagenswerten Fall des Metaphysikers Fichte“, resümiert F/M, lag das ineffable, unfaßbare Individuum „anbetend auf den Knien vor seiner eignen Superstition“. 25
Schelling und Hegel werden im ganzen Buch nicht genannt, auch sonst nur selten. Doch liegt hier der Punkt eines gravierenden Mißverständnisses. Das Stichwort Polarität pflegt man mit den Naturspekulationen der deutschen Idealisten und Romantiker zu assoziieren. 1914 hatte F/M den „bösen Unfug“ beanstandet, den insbesondere Schellings Schüler mit der „magischen Formel“ der Polarität trieben (vgl. GS 2, 26 f.). Mit Blick auf universale Gesetzmäßigkeiten übersprangen sie das aktiv vermittelnde Subjekt. Seitdem begnügt F/M sich mit Epitheta wie „romantische Charlatanerie“, „Schwärmerei“ usw. „Jede romantische Befassung mit Polarität führt zum Irrsinn.“ (437) Die antike Polaritätslehre eines Heraklit oder Empedokles war „gehorchend, konstatierend“; dagegen setzt F/M eine befehlende, kreative: „polar definieren heißt erschaffen“ (434). Diese Aufbruchsstimmung, der Anspruch, Neues zu bieten, durchzieht das ganze Buch.
3) Den stärksten Impuls zu einer fruchtbaren Auffassung von Polarität gibt Goethe. Vor allem in der Farbenlehre erweist er sich als „echter“ Polarist, der den Gedanken schöpferischer Selbstentzweiung konstatiert und realisiert (270, 464; Skizze 14). Polarisation ist das Entspringen des Unterschiedes, der Differenz aus dem Identischen (98). Goethe liefert F/M überall Zitate, Stichworte, Motive sowie eine vorbildliche Methode: intuitiv, objektiv, „sorgfältig sensual theoretisierend“ (198 f., 231, 187). Gleichwohl übt F/M auch Kritik: an Goethes Identifizierung von Innen und Außen – jenes ist indifferenziert, dieses differenziert (455); an seinem Begriff der Steigerung — diese ist selbst wiederum polar (464, 481 f.); an dem Satz, der Handelnde sei immer gewissenlos — das recht verstandene Individuum ist, so F/M, das gute Gewissen in Person (569). Wie das Kantische Subjekt ist auch das Goethische noch unfrei, „Kammer diener“, „Angstprodukt“ (487 f., 534).
4) Die Auseinandersetzung mit Schopenhauer ist in Abhandlung 3 und in Skizze 3 gebündelt; in den Aphorismen werden einzelne Formulierungen zerpflückt. Schopenhauer streift die Logik des Indifferentismus (561), stets arbeitet er mit einem polaren Schema. Doch bietet er das klassische Beispiel des Fehlgriffs: Ernennt das Ich den „Weltknoten“ und erkennt darin die lebendige Mitte; aber er macht daraus ein Extrem, den Gegenpol zum Objekt. Das Individuum ist ihm nur das Besonderte eines Weltidentischen, Er scheinung des Weltwillens, nicht das Ding an sich selber, persönlich (175 ff, 295). Er zielt auf die Reinheit des Willens, doch über der Differenz von positivem und negativem vernachlässigt er den neutralen Willen, das Äquilibrium zwischen Ja und Nein (254 f., 190, 130 f.). Er proklamiert das absolute Subjekt und behauptet dennoch, daß der Mensch innere Einheit nicht erlangen könne; den „Frieden“ vermag er nur zu fassen als Aufhebung aller Erscheinung, welche nicht anders als dual, entzweit sein kann; entsprechend verwechselt er Willenlosigkeit mit der Aufhebung aller Differenz im Willen; sein willenloses Subjekt ist die Karikatur der Indifferenz (286 ff., 493, 511, 461). Er reißt Absolutes und Relatives auseinander, Nirwana und Sansara, anstatt dieses aus jenem herzuleiten (239, 506). Er ignoriert die Welt, um in einem christlichen Jenseits zu schwelgen; analog mißachtet er in seiner Farbenlehre den Sehenden, anstatt mit seinem Lehrer Goethe darin die Quelle von Licht und Finsternis zu erkennen.26 Bahnsen, „einer der geistreichsten Nachfolger“ Schopenhauers, treibt die innere Zwietracht zum absoluten Widerspruch und den Pessimismus auf die nihilistische Spitze der Verzweiflung (286 f., 321, 478).
5) Nietzsches Impuls kündigt sich mit der Zitaten-Tafel an, das Buch ist dionysisch durchgoren. Doch wahrt F/M stets kritische Distanz, er setzt die 1911 geführte Diskussion fort. Nietzsches irreversible Leistung bleibt es, die Idee, das christliche Jenseits zur Welt, den Himmel zur Erde herumgedreht zu haben; sein Dionysismus beruht auf dem Christentum, das er kritisiert, auf Luther und Kant, die er verbannt (220, 261). An die Stelle der kantischen Vernunft setzt er „den göttlichen Experimentator und Abenteurer“, den schöpferischen freien Geist, den Willen zur Macht (243). F/M würdigt Nietzsches „esoterischen“ Polarismus, seinen „Doppelblick“, seine Erfahrung mit der „Geheimniswelt doppelter Wollüste“; allerdings hätte er „seinen persönlichen Dionysismus polar objektivieren sollen“ (175 f., 160, 267 f., 479). Nietzsche unternahm den Versuch, die „einander lahmlegenden Differenzen“ der empirischen Menschlichkeit abzustreifen „durch die absolute Souveränität der eignen Person“; doch war er dabei noch berauscht und „verirrte sich leider physiologisch“ in den „Übermenschen“ – ihm war nicht klar, daß jene Person, das schöpferische Prinzip, indemonstrabel bleibt.27
Aus dieser Verirrung hat F/M gelernt. Er rückt das, worum es ihm in der Hauptsache geht, radikal aus jeder Handgreiflichkeit, Vorzeigbarkeit, Verdinglichung heraus. Er macht auf seine Weise Ernst mit Nietzsches Korrektur von Schopenhauers buddhistisch-christlicher Weltflucht: „Der Mensch aber ist etwas, das überwunden werden muß.“28 Leitmotiv des Buches ist „Entmenschung“.29 Gleich zu Beginn betont F/M: Mit den Ausdrücken Schöpferische Indifferenz und Individuum ist kein einzelner, empirischer Mensch gemeint, sondern das subjektive Ganze (97): „der kommune Solitär“, „das wahrhaft Allgemeine“ (109 f., 126); der Mensch, der sich „indifferenziert, neutralisiert, universalisiert, individualisiert“, „entstofflicht“ hat (552, 223; vgl. 189).
Aber wie soll das praktisch, konkret bewerkstelligt werden? F/Ms schockierende Antwort: „Soll die Weltperson beginnen, so muß diese Privatperson sich ertöten.“ ... „Vernichtung, Tilgung, Ausmerzung, Ertötung jedes Unterschieds im eigenen Selbste ist entrée zur Herrschaft über alles Unterschiedne.“ (173, 121) ... F/M hat zahlreiche Ausdrücke dafür: „Zersprengung, Tod, Vernichtung des Menschen bedeutet eigentlich nur dessen Exmission aus dem Individuum, die Evakuierung des Selbstes von Differenz.“ (489) Durch das „Selbsterlebnis“ einer radikalen, absoluten, eignen „Exemtion“ (Heraushebung) aus aller Differenz beherrscht man diese30 ... „Depossedierung“, „Expropriation alles Menschlichen“ (432, 527), „Hinausschießen aller Differenz“, „entdifferenzieren“, „hinausquetschen“, „entäußern“, „neutralisieren“, „punktualisieren“, „evakuieren“, „desinfizieren“, „stringieren“.31 Der Verzicht auf die „Welt des Unterschieds“ geht unter die Haut: Die Sinne, als „Medien zwischen Subjekt und Objekt“, gehören schon zum Objekt (120, 272). Der eigene Leib ist „organisch gewordener Aberglaube, eine Art Druckfehler“; erst nach jener Indifferenzierung kann der „echte Leib“ entstehen, als „absolute Generation“ (508, 443). Folglich: „Stirb bei Lebzeiten“!32 Das ist die radikalisierte Fassung einer alten Operation, die seit Sokrates Selbstbesinnung, Selbsterkenntnis heißt. Diese Ausdrücke benutzt F/M freilich auch, er betont: Indifferenz ist alles andere als Gleichgültigkeit, sie ist niemals statisch, Ruhe, gar Faulheit; vielmehr muß die Balance unausgesetzt erarbeitet werden, in unermüdlicher Selbstbemühung, Selbstanstrengung (174 f.).
6) Mit Bergson, den Georg Simmel seit 1909 in Deutschland bekannt machte, setzt sich F/M 1913/14 in drei kleinen Beiträgen auseinander.33 Sie enthalten bereits alle Kritikpunkte, die nun in Abhandlung 3 und in den Aphorismen gebündelt werden. F/M unterstreicht die Wichtigkeit, die Bergson der Intuition zumißt ge genüber allem toten mathematisch-mechanischen Wissen (531 f.). Damit gelange er zur lebendigsten Anschauung jener inneren Freiheit (Göttlichkeit, Unsterblichkeit), die Kant zwar sah, aber noch im Dunkel des Dinges an sich bzw. der Moral ließ. Doch führt Bergson seine Intuition nicht streng bis zu Ende durch; er identifiziert seinen élan vital nicht mit jener neutralen medialen Größe; er insistiert einseitig nur auf dem lebendig Absoluten. Aus einem Extrem läßt sich das andere niemals ableiten, sondern beide entspringen zugleich, polar aus dem persönlichen Indifferenzpunkt, wie Kreis oder Kugel aus dem Zentrum. Dieses ist subjektiv, die Gegensätze sind objektiv. Bergson fällt in denselben Fehler wie Schopenhauer: Alle seine Begriffspaare sind „geradezu musterhaft falsch“, wie F/M an Beispielen zeigt. Der Gegensatz besteht nicht zwischen Anspannung/Abspannung, sondern zwischen: Anspannung/Gegen-Anspannung; nicht: Schwarzweiß/Grau, sondern: plus Grau/minus Grau usw. (531 f., 245,422,482)-
Neben diesen primären Gesprächspartnern gibt es en passant erwähnte: Francis Bacon, Spinoza, Feuerbach, Stirner, Emerson, Mauthner, Weininger. In unausgewiesenen Zitaten wird auf Zeitgenos sen angespielt: Ernst Mach, Heinrich Rickert, Georg Simmel, Kurt Hiller, Richard Dehmel, Wilhelm Ostwald.34 Alle diese Verknüpfungen ordnen sich F/Ms Intention zu wie Eisenspäne dem Magneten. 1924, im Vorwort seiner einzigen Aufsatzsammlung, Wie durch ein Prisma, heißt es:
„Denn schöpferische Indifferenz’ will nur besagen, daß das alte Gottvertrauen in Selbstvertrauen verwandelt werden soll, und daß dieses Selbstvertrauen die Indifferenz aller Weltdifferenzen ist und sie magisch regiert. Der Humorist wäre der Hofnarr dieses Gottes ,Ich’.“35
Mit der ästhetischen und der religiösen Bedeutung von ,Schöpfer’ treibt F/M ein kalkuliertes Spiel; überhaupt nutzt er augenzwinkernd Ausdrücke der Sprache christlicher Theologen.36 Den objektivierten, entmenschten Menschen nennt er „halb scherzhaft Engel“, in innerster Balance schwebend, „allgeschlechtlich“, „unsinnliche Angel aller Sinnenfälligkeit“.37 Unermüdlich wird die Warnung wiederholt: Der Schöpfer soll sich nicht mit seinem Geschöpf verwechseln, sich vom Rückschlag seiner eigenen Produkte nicht irritieren, blenden lassen. Die Gefahr droht stets; die Welt ist geradezu der „Gegenschöpfer“; sie kann zur Hölle werden, wenn das Subjekt sich erschlagen läßt, seine Allmacht ignoriert (292, 154 f., 238, 250 f., 446). Dagegen postuliert F/M die absolut ungetrübte Selbstgewißheit: „Gott ist Atheist.“ ... „Das einzige Mittel, Atheist zu werden, ist: Gott zu sein.“ (314, 422, 464) Durch das „Illokalisieren“ der Person „im Nichts der Welt“ wird die schiefe Welt eingerenkt, in ihre Angel eingehängt: „Dieses ist die Selbstherstellung Gottes, der Autotheismus“ – „Einem Gotte bleibt die Selbstherstellung nicht erspart.“38
Offizielle Dogmatik mag solche Aussagen als Hybris, ja Häresie bezeichnen. Die Rede von Autotheismus erinnert an Debatten um die Mitte des 19. Jhs., betreffend Hegel, Fichte, Feuerbach und andere. Doch sollte man F/Ms Feststellungen präzise abwägen. „Der Atheismus ist die Ignoranz des Schöpfers um sich selber.“ (464) Oder mit Voltaire: „,Wenn Gott nicht existierte, müßte man ihn erfinden’: es genügt, sich selber zu entdecken; der Gott Selbst existiert allerdings nicht, er insistiert; die Existenz ist nur seine Polarisation.“ (552) Im späten 19. Jh. setzte nicht nur in Deutschland eine neo-mystische Welle ein; vor allem der Verleger Eugen Diederichs produzierte Texte aus dem europäischen Mittelalter, Indien, dem Fernen Osten. Im Hintergrund von F/Ms Buch lassen sich Spuren davon entziffern – das ist der spannendste Aspekt. Es sind bestimmte Vertreter der christlichen Mystik, die ihm Argumente und Denkfiguren liefern.
Auf Blaise Pascal geht die populär gewordene, für F/M inakzeptable Wendung vom ,hassenswerten Ich’ zurück; aber auch der polaristische Satz, daß die Extreme sich berühren. Er faßt die Null, das Nichts als Gegenstück zum Unendlichen — das ist aber nur die halbe Zahlenskala: die ganze reicht von — ∞ zu + ∞.39 Jakob Böhme wird gestreift, Meister Eckhart zweimal erwähnt, doch ist er öfter präsent (etwa am Ende von Abhandlung 3). Cusanus ist gar nicht genannt, aber anwesend in Gestalt seiner bekannten Formeln.40 Ebenso geistert Johannes Scotus Eriugena durch das Buch, im 9. Jh. Lehrer an der Hofschule Karls des Kahlen, Urheber des Satzes von der „bewundernswerten Unwissenheit Gottes, daß er selber nicht weiß, was er ist“ (263, 328). Diese Spur führt noch weiter. F/Ms Hauptwort, auf jeder Seite, ist Außen’, ,äußern’, Äußerung’. Das Innen ist das sich Äußernde, sonst nichts; es gibt kein Innen für sich. Kreative Simultaneität: Der Schöpfer ist nicht früher da als sein Geschöpf, er geht diesem nicht zeitlich voraus und er bringt es nicht nach Belieben hervor, sondern nolens volens, in unwillkürlichem Reflex, als automatische Funktion (235 ff, 252 f.). Dasselbe Argument bei Eriugena.41
Der Schöpfer, erklärt F/M, muß sich äußern, weil er sonst kein Schöpfer wäre und weil er gleichsam in sich zuviel hat: „Selbstentzweiung aus Überschwang“, „Überdrang“, „Überfülle“, „Überträchtigkeit“ (171), „Überinnigkeit“. Die äußerlichen Unterschiede sind im Innern aufs extremste konzentriert, ihre „überinnige Verschmelzung“ ist „äußerlich das bare Nichts“.42 Der griechische Neuplatoniker Dionysius Areopagita (5. Jh.), dessen Schriften zur Negativen Theologie durch Eriugenas Übersetzung im lateinischen Westen Europas zugänglich und christlich transformiert wurden, sprach von dem „Übergeeinten“ der überwesenhaften Gottheit.43 Auf die Apophasis, die Negation aller Namen und Attribute Gottes, folge die Kataphasis, die Zuschreibung aller Namen. Beide Gesten kehren wieder in F/Ms Symbolik: Da kein Name präzise trifft, sind alle Namen möglich. Eriugena zeigt ausführlich, wie die aristotelischen Kategorien versagen: Gott definiert sich nicht selber. Dieses Leerlassen des Zentrums kennzeichnet gewisse Schaltstellen der philosophischen Tradition: etwa bei Platon, wenn es um die Definition der „dritten Gattung“ neben dem Sein und dem Werden geht; oder bei Kant, der im Opus postumum dem „Äther“ keinen spezifischen Namen gibt; oder auch bei Derridas indécidables.44
Skizze 1, zuerst Ende 1913 veröffentlicht, enthält eine philosophische Betrachtung zur abendländischen Kulturgeschichte. F/M führt Nietzsches Impuls weiter. Die „rätselvolle Blüte der gesamten antiken Kultur“, das Christentum, produzierte die vornehmste Deutung des persönlichen Erlebens: die „Idee der göttlichen Liebe“. Sie wurde durch Luther, Kant, Nietzsche reformiert; F/M erkennt in ihr allerdings eine neutrale Größe und im Christentum die „embryonale Form“ des Dionysismus. Das Christentum ist selber dionysisch, etwa in Meister Eckhart; aber mit seiner Weltverachtung zerstört es die Balance, verhindert die Polarität. Anstatt die Extreme aufeinander abzustimmen, disjunktiv kooperieren zu lassen, isoliert es sie, bevorzugt eine Seite, verurteilt die andere.
Wenn F/M den Menschen an seine ursprüngliche Kreativität erinnert, die nicht radikaler gefaßt werden kann als mit theologischen Begriffen; wenn er davor warnt, sich selber nicht mit seinen Schöpfungen und Projektionen zu verwechseln und sich keinem unverfügbaren Außen zu überantworten, so ist das ein Aufruf zur Selbstbesinnung, ein Appell an die Autonomie des Subjekts, mit ungeheuren politischen Konsequenzen. F/M gibt genug Hinweise, wie das auf „Soziologie, Politik, Kultur“ anzuwenden sei (307); das ganze Buch hat politische Untertöne. „Die Macht einer Regierung bemißt sich nach dem Grad von Freiheit, welche sie dem Einzelnen gewähren darf ...“ Der vollkommene Staat wäre nur Automat des echten Subjekts ... Parteiung polarisiert sich aus dem „allparteilich neutralen Individuum“.45 Überhaupt entbrennt aller Zwist nur zwischen Polen, Extremen, Gegnern, aber es geht nicht um eine Entscheidung für den einen Pol oder den andern, auch nicht darum, einen Pol zu zerstören. Das wäre „Irrwahn“. Die Extreme streiten nicht gegeneinander, sondern um ihre Mitte, ihr „Medium“. Also sollen sie lernen, zu harmonieren, sich zu koordinieren, wie Flügel zu kooperieren. Das geschieht, indem zu jedem Extrem sofort das Gegenextrem aufgesucht wird, um die Balance zu finden im Schwebezustand, der weder Trennung noch Identifikation zuläßt, weder Chaos noch Konfusion.
F/Ms Ausführungen zur Ethik sind gebündelt in den Skizzen 2, 4, 9 und 10. Hier ist zuerst wieder ein Mißverständnis zu korrigieren. David Baumgardt, ein Freund seit den Tagen des Neuen Clubs, Privatdozent der Philosophie an der Universität Berlin, schreibt 1928 im Jüdischen Lexikon: „Sein Hauptwerk ist die Schöpferische Indifferenz’ (19262), eine scharf überdachte metaphysische Polaritätsphilosophie, absolute Freiheitslehre und immoralistische Ethik ...“46 Was soll man darunter anderes verstehen als einen Immoralismus im landläufigen Sinn, Ablehnung jeglicher Moral? Dreizehn Jahre später übersetzt die Universal Jewish Encyclopedia: „a clearly thought out metaphysical philosophy of polarity, the doctrine of absolute freedom and unmoral ethics“.47 Fünfzig Jahre danach übersetzt man das Etikett in Killys Literatur-Lexikon48EncyclopaediaJudaicawork Dieschoepferische Indifferenz49