Ideen entwickeln und modifizieren
Books on Demand
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Es wird darauf verwiesen, dass alle Angaben in diesem Fachbuch trotz sorgfältiger Bearbeitung ohne Gewähr erfolgen und eine Haftung des Autors oder des Verlages ausgeschlossen ist.
© 2011 Thomas Grosjean
ISBN 9783732220670
Herstellung und Verlag:
Books on Demand GmbH, Norderstedt
Ideen müsste man haben. Diesen inneren Seufzer kennen viele von uns, wenn es um die konkrete Umsetzung von Fundraising geht. Nehmen wir die altbewährten Instrumente zur Hand oder wagen wir einmal etwas Neues? Wer kennt überhaupt neue Möglichkeiten?
Dieses Buch gibt Hilfestellung zu diesen Fragen und möchte ermutigen, neue Wege kennenzulernen und auszuprobieren. Viele Organisationen haben schon ganz viele Ideen entwickelt und umgesetzt. Das Auffinden solcher Anregungen ist nicht einfacher geworden. Die Informationsflut im Internet erleichtert dies aufgrund der Vielfalt von Quellen überhaupt nicht. Fundraising wird in vielen Ländern aktiv betrieben und somit haben sich unzählige Aktivitäten entwickelt.
Neben der Dokumentation solcher Fundraising-Instrumente werden diese durch gängige Kreativitätstechnik-Methoden variiert. Somit ergibt sich eine Vielzahl von Ansätzen zur Umsetzung in der eigenen Organisation.
Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass hier nur Möglichkeiten von Fundraising-Instrumenten dargestellt sind. Die Umsetzung erfolgt eigenverantwortlich. Viele Ideen entstammen aus dem amerikanischen und britischen Raum und basieren auf dortigem Recht. Juristische und steuerliche Betrachtungen sowie Bewertungen obliegen jedem Nutzer selber. Die Daten basieren auf der Aktualität im Jahr 2011; dies gilt insbesondere für Angaben zu genannten Internetseiten. Eine Haftung des Autors wird ausgeschlossen.
Wie gelingt es mir, den Spender von meinem Anliegen zu überzeugen? Warum soll er gerade mich unterstützen?
Zur Aufmunterung möchte ich die Legende von der Steinsuppe weitergeben. Gefunden habe ich sie 2010 im Adventskalender des „Andere Zeiten e.V.“. Diese Legende zeigt eindrucksvoll, wie man mit Kreativität an sein Ziel gelangen kann:
Einmal zog ein Vagabund mit einem Wagen in ein Dorf. Er klopfte am nächstgelegenen Haus. „Es gibt in der ganzen Gegend keinen Bissen zu essen“, sagte man ihm, bevor er nur den Mund aufmachen konnte. „Oh, ich habe alles, was ich brauche“, winkte er ab. „Ich will eine Steinsuppe machen und bräuchte nur einen Topf. Ihr seid alle eingeladen!“ Zögernd gab man ihm einen Topf. Er füllte ihn mit Wasser und machte ein Feuer darunter. Dann holte er einen grauen Stein aus seinem Sack und legte ihn ins Wasser. Mittlerweile waren alle Dorfbewohner neugierig auf dem Platz erschienen. „Ah“, sagte der Vagabund recht laut zu sich selbst, „ich liebe diese Steinsuppe. Einmal hatte ich eine Steinsuppe mit Kohl, die war natürlich kaum zu übertreffen.“ „Naja“, sinnierte eine Dorfbewohnerin, „so einen Kohl hätte ich grad noch“, und holte ihn herbei. „Großartig“, rief der Vagabund. „Ja“, brummte der Metzger, „aber was ist schon Kohl ohne Pökelfleisch?“ „Gewiss“, nickte der Vagabund, „das müsste gehen!“ „Und Kartoffeln“, rief eine alte Frau, „in die Suppe gehören Kartoffeln! Ein paar verschrumpelte müsste ich noch haben...“ Zwiebeln tauchten auf, Möhren und Pilze, die Suppe dampfte und duftete, dass allen das Wasser im Mund zusammenlief. Und schließlich saßen alle beisammen, jeder mit seinem Teller, und sie nahmen ein zweites und ein drittes Mal nach, und es wurde ein Fest. Ja, wirklich, ein richtiges Fest.
Eigentlich bittet der Vagabund um Spenden. Anstatt seine Bedürftigkeit in den Vordergrund zu stellen, begeistert er die Dorfbewohner von seinem Projekt Steinsuppe und lädt sie ein. Er zieht sie in den Bann seiner Idee und lässt sie teilhaben. Derart motiviert steuern die Dorfbewohner eigene Ideen in Form von Zutaten bei. Das Ergebnis als Gemeinschaftsprojekt macht alle zufrieden.
Dies ist meiner Ansicht nach auch der Schlüssel zum Erfolg. Nicht das Fundraising-Instrument alleine bewirkt das Geben beim Angefragten, sondern die eigene Überzeugung und Begeisterung springt als Funke über. Sie können auf dem Instrument die Melodie entweder lieblos herunterspielen oder aber mit Intuition und Hingabe eine meisterliche Leistung darbieten.
Eine sehr gute, wenn auch sehr betriebswirtschaftlich klingende Definition für den Begriff Fundraising hat der Autor Michael Urselmann gegeben. Demnach ist Fundraising derjenige Teil einer Non-Profit-Organisation, bei dem die benötigten Ressourcen ohne marktadäquate Gegenleistung beschafft werden. Einfach und verkürzt ausgedrückt geht es beim Fundraising darum, notwendige Mittel möglichst günstig zu erhalten. Günstig kann heißen: Kostenlos oder günstiger als normal. Auch ein verbilligter Einkaufspreis ist schon ein Fundraisingerfolg.
Sehr schnell wird die Mittelbeschaffung auf die Sammlung von Geldern reduziert. Aber benötigte Mittel könnten auch wie folgt aussehen:
Aus dieser kleinen Zusammenstellung wird schon die Komplexität des Themas Fundraising klar. Wer sich mit Fundraising in seiner Organisation beschäftigt, ist nicht mit dem Einsatz eines Fundraising-Instrumentes fertig. Ein Spendenbrief kann durchaus den gewünschtenMittelzufluss bewirken, jedoch reden wir hier dann nicht über Fundraising im engeren Sinne, sondern über eine Aktion. Beim Fundraising steht zuerst eine eigene Standortbestimmung an. Danach sollten die kurz-, mittel- und langfristigen Ziele definiert werden. Aus den Zielsetzungen leiten sich die entsprechenden Maßnahmen ab.
Um die benötigten Ressourcen zu erlangen, ohne die marktadäquate Gegenleistung zu erbringen, sind die potentiellen Lieferanten solcher Güter zu definieren. Hier reicht keine einfache Spendenliste, um festzustellen, woher die gewünschten Mittel kommen können. Vielmehr sollten die Mitglieder in der eigenen Organisation einen schnellen Selbsttest absolvieren:
Es wird sehr schnell die Erkenntnis da sein, dass jeder Einzelne vielfältige Fähigkeiten und Kontakte hat. Beim Versuch, dieses Beziehungsgeflecht zu Papier zu bringen, dürfte bald die Grenze der Darstellungsmöglichkeiten erreicht sein.
Genauso wird es mit den anzusprechenden Personen und Firmen sein. Aus der eigenen Erfahrung heraus wird aber schnell klar, dass man über seine anvisierten Ansprechpartner meist sehr wenig weiß, weil die Ansprache in der Vergangenheit meistens sehr eindimensional verlaufen ist. Konkret wurde vielleicht um eine Geld- oder Sachspende gebeten oder die Mithilfe bei einer Aktion oder Veranstaltung vereinbart. Um dieses Defizit auszugleichen, hilft nur fragen, fragen und nochmals fragen. So gewinnt man Informationen und kann sein Netzwerk ausbauen. Der Gesprächspartner sollte nicht ausgefragt werden, sondern das bekundete Interesse stellt auch eine Wertschätzung des Gegenübers dar.
Diese Datenmenge lässt sich nicht mit einem einfachen Vereinsprogramm bearbeiten. Hier ist eine ordentliche Datenbanklösung oder ein CRM-Tool (Customer-Relationship-Management) sinnvoll. Eine Einführung solcher Hilfsmittel kann jederzeit nachgeholt werden. Wichtig ist jedoch, dass die Informationen in geeigneter Weise dokumentiert werden. Dies verhindert in der Zukunft eine zu häufige oder gar falsche Ansprache von Partnern.
Nur wenn der eigene Bedarf klar beschrieben und artikuliert wird, kann ein Gegenüber um Unterstützung gebeten werden. Selbst wenn hier keine direkte Unterstützung möglich ist, sollte die Anfrage nicht mit dem Nein enden. Sofern der geäußerte Wunsch positiv aufgenommen wird, kann ruhig um weitergehende Hilfe gebeten werden. Eine solche Empfehlung kann neue Kontakte herstellen und andere Türen öffnen. Das Fragen nach Empfehlungsadressen ist in vielen Bereichen des Geschäftslebens üblich.
Generell ist die Ansprache von möglichen Unterstützern ein sehr sensibles Thema und sollte mit Bedacht und Seriosität stattfinden. Nicht jeder, der sich zum Fundraising berufen fühlt, kann womöglich zielführende Gespräche führen. Auch in diesem Bereich ist eine gewisse Professionalität erforderlich. Ansonsten kann eine gut gemeinte, aber schlecht umgesetzte Ansprache kontraproduktiv sein und den Angesprochenen sowie seine potentiellen Kontakte vergraulen.
Zwischen beiden Männer liegen ca. 500 Jahre Zeitgeschichte. Dennoch verbindet beide eine ähnliche Kreativität.
Gutenberg revolutionierte den Buchdruck und erfand um 1438 eine neuartige Druckerpresse. Sein Denkansatz war genial einfach. Bisher war der Holztafeldruck mit seinem Reibedruckverfahren die übliche Druckmethode. Diese hatte jedoch keine gleichbleibende Qualität. Von einer Weinpresse abgeleitet ließ er sich von einem Drechsler eine Spindelpresse mit ein- und ausfahrbarem Schlitten fertigen. Hierdurch wurde die Druckerschwärze mit einem gleichmäßigen Druck auf das gegenüberliegende Papier übertragen und erzeugte ein besseres Druckergebnis. Gutenberg nahm also vorhandene Methoden auf und modifizierte diese für seine neuen Ideen.
Alex Osborn entwickelte um 1957 eine systematische Methode der Kreativitätstechnik. Eine bestehende Sachen oder Methode wurde verschiedensten Fragestellungen unterworfen und produzierte somit neue Ansätze:
Auf Basis der Osborn-Checkliste gab es von Bob Eberle eine Weiterentwicklung dieser Kreativitätstechnik, die sich SCAMPER nennt:
| - | S | Substitute / Ersetze |
| - | C | Combine / Kombiniere |
| - | A | Adapt / Ändere ab |
| - | M | Modify / Modifiziere |
| - | P | Put / Finde anderen Zusammenhang |
| - | E | Eliminate / Entferne |
| - | R | Reverse / Kehre um |
Aus der SCAMPER-Methode entwickelte Michael Michalko seinerseits die SCAMMPERR-Technik, die folgende Schritte beinhaltet:
| - | S | Substitute / Ersetze |
| - | C | Combine / Kombiniere |
| - | A | Adapt / Ändere ab |
| - | M | Magnify / Vergrößere |
| - | M | Modify / Modifiziere |
| - | P | Put / Finde anderen Zusammenhang |
| - | E | Eliminate / Entferne |
| - | R | Rearrange / Stelle um |
| - | R | Reverse / Kehre um |
Diese Methoden lassen sich auch sehr gut auf die Fundraising-Instrumente anwenden. Das Durchlaufen dieser Kreativitätstechniken kann neue und andersartige Ansätze liefern. Insofern werden die beschriebenen Fundraising-Ideen nach diesen Denkmodellen betrachtet und beleuchtet. Wo die Modifizierung Sinn macht, wird ein entsprechender Hinweis auf einen alternativen Denkansatz gegeben.
Fundraising hat in den USA, Großbritannien und New Zealand eine lange Tradition. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass dort viele Ideen geboren wurden und ständig innovative Möglichkeiten entwickelt werden.