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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in
der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische
Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.

Text und Bilder: © 2019 von Wadrán, Pattwór

Umschlaggestaltung: © 2019 von Wadrán, Pattwór

Alle Rechte Vorbehalten

Herstellung und Verlag:

BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt

Homepage:

http://www.wadran-chroniken.de

ISBN: 978-3-74-941426-0

Danksagung

Ich danke meinen Freunden René Noack, Bernd Müller und
Annette Hein für ihre Lektoratsarbeit und die zahlreichen
Stunden, in denen wir im konstruktiven Dialog standen.

Mein Dank geht auch an Marlies Lunau-Sandrock und
Petra Witt.

»Wohin du auch gehst,

geh mit deinem ganzen Herzen«

– Konfuzius

Inhalt

Wolf Wilson

Meine Großmutter sagte mir immer, es gäbe keine Monster, wenn ich wieder Geräusche gehört und mich bei ihr in einer finsteren Nische verkrochen hatte. Damals war ich ein sehr misstrauisches und schreckhaftes Kind. Granny, so nannte ich sie, weil sie klein und von zierlicher Gestalt war, vermutete, dass der rastlose Lebensstil meiner Eltern die Ursache für mein auffälliges Verhalten war. Wie sollte ich Vertrauen zu einer Umgebung aufbauen und Sicherheit im Umgang mit Menschen bekommen können, wenn man mir jegliche Chance nähme, mich in einer Umgebung einzugewöhnen und einen Freundeskreis aufzubauen, meinte sie und machte Mom und Dad deswegen große Vorwürfe. Aber woher sollte sie auch wissen, warum wir immer wieder unseren Wohnort wechselten? Mir war es von Mom und Dad strengstens verboten, ihr von jenen Ereignissen zu erzählen, die am Anfang unseres nomadenartigen Lebens standen ‒ jenen Ereignissen, die mich damals zutiefst verängstigt und mir die kindliche Unbeschwertheit und das Bild einer heilen Welt geraubt hatten. Trotzdem konnte ich nicht verstehen, warum man vor Kindern die grausame und blutige Realität, die Existenz von Werwölfen und andersartigen, wolfähnlichen Kreaturen leugnet, so wie es Granny beharrlich tat, wenn ich ihr trotz des Verbots meiner Eltern von den Werwölfen erzählte. Etwa, um uns Kinder zu schützen und zu verhindern, dass wir uns bibbernd unter Bettdecken verstecken und kein Fuß mehr hinauswagen? Ich wusste aber, dass es sie gab. Und das entlarvte jene sicherlich gut gemeinte Behauptung als Lüge und meine Großmutter als Lügnerin. Dabei fürchtete ich nicht die Werwölfe. Meine Monster waren nämlich durchweg menschlicher Gestalt.

Heute weiß ich allerdings, dass ich mit ihr zu streng ins Gericht gegangen war, denn meine Realität war nicht ihre. In ihrer Erfahrungswelt existierten keine Monster und damit auch keine Werwölfe. Aus heutiger Sicht sehe ich vieles anders als damals, denn jetzt bin ich 23 Jahre alt und um zahlreiche Erfahrungen reicher. Mit gutem Gewissen kann ich wohl behaupten, dass ich schon jetzt, in meinem jungen Alter, viele schöne, seltsame und, sagen wir mal, weniger schöne Erlebnisse gehabt habe, die meine Sichtweise vollkommen verändert und einige meiner damaligen Ansichten revidiert haben.

Schon in meinem dreizehnten Lebensjahr hatte ich mehr sehen und erleben müssen als die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben. Durch jene Erlebnisse war ich der Fähigkeit beraubt, Vertrauen zu anderen Personen zu gewinnen. Ich ließ keine Fremden mehr an mich heran und reagierte äußerst abweisend. Das führte natürlich zu Problemen in der Schule. Zeitweise war ich deswegen vom Unterricht befreit und wurde daheim von meinen Eltern unterrichtet. Man trat sogar an sie heran und riet ihnen, einen Psychiater für mich zu konsultieren. Das war für Mom und Dad aber keine Option. Sie wussten ja, warum ich mich so verhielt, und die Hintergründe durften auf keinen Fall publik werden. Ich fand dann selbst einen Weg, meine Ängste zu kanalisieren, indem ich mich in den Sport flüchtete. Wenn ich meinen Körper nur hinreichend stählte und Kämpfen lernte, könnte mich kein Mensch mehr bedrohen, dachte ich mir und begann intensiv zu trainieren. Eine Kampfschule kam für mich allerdings aus genannten Gründen nicht in Frage.

Ein paar Jahre später brachen dann Ereignisse über uns herein, die die Grenzen des Vorstellbaren überschritten. Sie änderten mein damaliges Leben in kaum vorstellbaren Dimensionen. Jetzt, da der Zeitpunkt meiner grausamen Rache sehr nahe liegt, möchte ich die ganze Geschichte meiner Kindheit und Jugend erzählen:

Ich bin Pattwóŗ von Wadŗán und gehöre dem Clan der Wadŗáns an. Einst war ich aber Wolf Wilson, der Sohn erfolgreicher amerikanischer Unternehmer. Ich war ein so genanntes Millenniumskind und wurde in Kansas City unter dem indianischen Sternzeichen des Wolfes geboren. Mein Vater war Bachelor of Engineering und leitete eine gesunde Firma in der Glasbranche, meine Mutter promovierte Betriebswirtin. Eigentlich schlug ihr Herz aber für Botanik. Schon früh entdeckte sie ihre Liebe für Pflanzen und betätigte sich neben ihrem Studium als Hobbybotanikerin. Später fand sie dann einen Weg, Beruf und Hobby zu kombinieren, indem sie sich in einen Fachbetrieb für Landschaftsgärtnerei einkaufte und dessen Geschäftsführung übernahm. Sie war maßgeblich an der Neugestaltung des botanischen Gartens in Kansas City beteiligt. Ich brauche wohl nicht explizit erwähnen, dass wir recht wohlhabend und nicht auf die Einkünfte aus Moms beruflicher Tätigkeit angewiesen waren.

Kennengelernt hatten sich meine Eltern auf der High-School in Wichita. Beide besuchten anschließend die Wichita State University, wo mein Vater in Industrial Engineering und meine Mutter in Economics graduierte und später auch promovierte. Als mein Vater dann die Glasfabrik erbte, zogen sie nach Kansas City, wo Dad sofort die Geschäftsführung übernahm und die Firma auf Erfolgskurs brachte. Auch wichtige Kontakte zu Politik und Wirtschaft konnte er knüpfen. Sehr schnell etablierten sich die Wilsons so in der High Society von Kansas City. Tja, und zwei Jahre später wurde ich dann geboren. Die Weichen waren auf kompromisslosen Erfolg gestellt und mit meiner Geburt stand auch dem Aufstieg als amerikanische Musterfamilie nichts mehr im Weg.

Über vierzehn Jahre hatte mein Vater das Unternehmen geleitet, als tiefschneidende Ereignisse über uns hereinbrachen und alles begann. Am Anfang all jener Vorfälle, die das Ende unseres gutbürgerlichen Lebens einläuteten, stand ein gemeinsamer Spaziergang im Penn Valley Park in Kansas City, der sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt hat. Es war ein heißer Sommernachmittag und der Park war infolgedessen sehr belebt. Wir befanden uns gerade auf dem Weg zum Liberty Memorial, als es geschah. Und es geschah derart plötzlich und schnell, dass ich zunächst nicht begriff, was da eigentlich vor sich ging. Meiner Mutter fiel auf, dass uns ein offensichtlich verwahrloster Mann folgte und mich immer wieder in Augenschein nahm. Obwohl er freundlich und harmlos wirkte, bereitete ihr sein Verhalten Unbehagen und sie machte meinen Vater auf ihn aufmerksam. Dad vermutete, dass er ein Päderast sei. Anders könne er sich das Verhalten dieses Mannes nicht erklären. Trotzdem ging er nur von einem sehr geringen Bedrohungspotential aus, denn er meinte, dass für Päderasten nur Kinder ohne elterliche Begleitung als Opfer in Frage kämen. Allerdings sei der Verstand von einigen Menschen nicht mit rationalen Maßstäben erfassbar. Und gerade die harmlos wirkenden seien oft die gefährlichsten. Daher wären manche Situationen nur schwer einschätzbar. Ihr Unbehagen wäre also nicht unbegründet, meinte er. Nach einer Biegung sprach jene Person uns dann unvermittelt an. Ich glaubte, er wollte uns gegen einen kleinen Obolus etwas über das Liberty Memorial erzählen. Wir blieben stehen, und meine Eltern machten ihm unmissverständlich klar, dass wir keine Privatführung bräuchten. Während sie versuchten, diesen aufdringlichen und übelriechenden Zeitgenossen abzuwimmeln, betrachtete ich argwöhnisch diesen eigenartigen Mann, der immer wieder zu mir herunterblickte und dabei zu lächeln versuchte. Er bemühte sich ruhig zu wirken, doch konnte er seine ungewöhnliche Nervosität nur unzureichend verbergen. Mir machte er Angst, denn intuitiv spürte ich, dass mit ihm etwas absolut nicht stimmte. Immer wieder schielte die Person unauffällig zu einem weit entfernten Gebäude hinüber, dass zu unserer Rechten lag und größtenteils von Büschen und Bäumen verdeckt wurde. Ich weiß nicht, ob meine Eltern seine unterschwellige Nervosität bemerkt hatten. Mit zwölf Jahren war ich allerdings noch viel zu unerfahren und naiv, als dass ich die Gefahr wirklich erahnen konnte, in der wir uns befanden. Ich sah nur einen unheimlichen, aufdringlichen Mann, der fürchterlich stank. Mittlerweile war mein Vater sehr ungehalten und sein Ton entsprechend scharf. Dad schüttelte einmal seinen Kopf, packte den Obdachlosen am Kragen und warf ihn mit den Worten, er solle sich endlich verpissen, zu Boden. Plötzlich vernahm ich Geräusche brechender Äste und Zweige. Aus dem Gebüsch schoss ein gewaltiges, behaartes Tier heraus, das in meine Richtung sprang. Wie paralysiert blieb ich stehen und starrte zu jenem Monstrum hoch, das einem Wolf sehr ähnlich war. Im selben Moment hörte ich aus der Ferne einen scharfen Knall. Gleichzeitig explodierte förmlich die rechte Schulter des Monstrums. Blut, Knochensplitter und Fellstücke spritzten uns entgegen, während wir ein fürchterliches Jaulen und Knurren vernahmen. Ich spürte nur, wie mich jemand fest am Arm packte und mich zu sich riss. Es war jener verwahrloste Mann, dessen Augen mich nun kalt aus seiner von Hass verzerrten Fratze anstarrten, der nun plötzlich ein Messer in seiner rechten Hand hielt und zum todbringenden Stich ausholte. Doch bevor er zustechen konnte, wurde er von jenem schwer verletzten, gut drei Meter großen Monstrum angefallen und von einem wuchtigen Prankenhieb entzweigerissen. Schreiend wendete ich mich ab und vergrub mein Gesicht zitternd in den schützenden Armen meines Vaters.

Ich verstand damals noch nicht, was sich dort ereignet hatte. Noch weniger verstand ich, warum mich dieser fremde Mann töten wollte, das gewaltige Monstrum mich aber verschonte. Hatten Monster nicht böse zu sein und die Menschen gut? Und wer hatte geschossen? Welche Intention hatte der Schütze, welche das Monster? Die des Penners waren für mich offensichtlich, obgleich ich sie nicht verstand, denn ich war diesem Mann zuvor nie begegnet. Abgesehen von großen Blutlachen, Knochensplittern und Fellfragmenten war von dem Ungeheuer nichts mehr zu sehen. So plötzlich, wie es aufgetaucht war, verschwand es auch wieder. Für Polizei und Medien war die Sachlage vollkommen klar. »Wilder Hund zerfleischt Obdachlosen im Park.« Weder interessierte dabei, dass jener Mann mich umbringen wollte, noch interessierten die zahlreichen Zeugenaussagen, die bestätigten, dass es sich bei jenem Geschöpf keinesfalls um einen Hund gehandelt hatte. Auch war die Tatsache nicht von Belang, dass ein Schuss abgegeben und das Monstrum schwer verwundet wurde. Nur im Internet tauchten Fotos und wahrheitsgemäße Schilderungen des Vorfalls auf. Die Bilder waren aber zumeist unscharf, überbelichtet oder aus anderen Gründen von sehr schlechter Qualität, sodass auf ihnen kaum etwas zu erkennen war. Die Berichte wurden sehr schnell als Fake-News oder Hirngespinst abgetan und in die Ecke der Horrorstories für Werwolfliebhaber gedrängt. Wir, meine Eltern und ich, wussten es aber besser. Das ungewöhnlich große und muskulöse Geschöpf besaß sowohl physische Charakteristika eines Wolfes als auch die eines Menschen. Obwohl es helllichter Tag war und wir definitiv keinen Vollmond hatten, war ich mir sicher, dass ich einen Werwolf gesehen hatte.

An genauere Einzelheiten der nachfolgenden Geschehnisse kann ich mich jedoch nicht mehr erinnern. Womöglich habe ich einiges aus meinem Gedächtnis verdrängt. Vieles wurde mir aber auch vorenthalten, angeblich um mich zu schützen. Offenbar waren meine Eltern der Meinung, mit zwölf Jahren sei ich noch zu jung für die ungeschminkte Realität gewesen. Gut erinnere ich mich aber noch daran, dass von diesem Tage an in unserem Viertel grässlich entstellte Leichen aufgefunden wurden, die von großen Hunden zerfleischt worden sein sollen. Andere berichteten von dämonisch glühenden Augen und seltsamen Geräuschen in finsteren Ecken und behaupteten, das Böse ginge um. Und sie hatten recht. Es sollte nicht lange dauern, bis ich ihn erneut leibhaftig zu sehen bekam.

Es war an einem Sommerabend desselben Jahres nicht weit von unserem Haus entfernt. Die Sonne neigte sich schon dem Horizont entgegen, und es begann auf den Straßen bereits dunkel zu werden und sich merklich abzukühlen ‒ eigentlich höchste Zeit für mich, nach Hause zu gehen. Seit unserem Erlebnis im Penn Valley Park gestatteten mir meine Eltern nicht mehr, mich nach Sonnenuntergang alleine auf der Straße herumzutreiben. Nur in Begleitung meines damaligen besten Freundes Ronald, der schon fünfzehn Jahre alt war, durfte ich noch etwas länger draußen sein. Ronald war ein Straßenjunge aus ärmlichen Verhältnissen, der sich durchzusetzen wusste und trotzdem Manieren besaß. Ich glaube, dass Mom und Dad mir deswegen trotz der sozialen Stellung seiner Familie den Umgang mit ihm gestatteten. Was sich dann aber in einem halb zerfallenen Haus in einer einsamen Sackgasse, gerade mal einen halben Kilometer von unserem Haus entfernt, zutrug, raubte mir mein letztes Vertrauen zu meinen Mitmenschen. Mein engster Freund hatte mich in jene Gasse geführt und wollte mir dort etwas Aufregendes zeigen. Es sollte gleichzeitig eine Mutprobe sein, die beweisen sollte, dass ich kein reiches, verhätscheltes Weichei war. Er verschwand in jenem halb zerfallenen Gebäude, das schon seit vielen Jahren nicht mehr bewohnt wurde. Ich sollte ihm folgen und ihn in dieser finsteren Bude suchen. Nun, ein Feigling wollte ich nicht sein und ein verhätscheltes Weichei schon gar nicht. Deshalb überwand ich mich, jenes Haus zu betreten. Das Innere dieser Bruchbude entsprach vollkommen ihrer äußeren Fassade. Müll und übelriechender Unrat wohl ganzer Penner-Dynastien säumten die dunklen Ecken des unteren Flures, in dem ich mich befand. Einige Türen waren vollkommen demoliert und aus ihren Zargen gebrochen, sodass sie einen Blick in die finsteren Räumlichkeiten freigaben. Sie hatten ihr Dasein als Stätte gutbürgerlicher Lebenskultur schon vor Jahrzehnten zu Grabe getragen. Durch den strengen Geruch von Hinterlassenschaften, die nun einmal Begleiterscheinungen von ausschweifenden Saufgelagen sind, ich glaubte, irgendwo musste sich jemand erbrochen haben, war der Modergeruch von feuchtem, verfaulendem Holzes und nassem Gemäuers zu riechen. Ich fühlte mich allein schon durch meine Anwesenheit in dieser abscheulichen Umgebung beschmutzt und es kribbelte mich am ganzen Körper. Ich fragte mich, was es hier wohl außergewöhnliches gäbe, das wirklich sehenswert wäre. Ich war gespannt.

Mittlerweile hatten sich meine Augen an die zwielichtigen Lichtverhältnisse angepasst, sodass ich etwas mehr sehen konnte. Ronald hatte sich irgendwo in dem Gemäuer versteckt und war nirgends zu entdecken. Naja, die Mutprobe sollte wohl darin bestehen, in diesem Gebäude herumzuschleichen und zu beweisen, dass man an keinen Spuk mehr glaubte. Seltsame Geräusche waren in diesem verfallenen Gebäude zu hören, wie etwa das Knarren sich bewegender, alter Türen und das typische Woohoo spukender Geister. Dieses alte Haus war mir unheimlich und es jagte mir Angst ein. Dabei weiß doch jeder, dass die unheimlichen Geräusche von Winden erzeugt werden, die durch das Gemäuer ziehen. Mein Herz und Verstand waren sich darüber aber nicht einig und ich war bemüht, mehr meinem Verstand als meinem Herzen zu folgen. Doch vernahm ich plötzlich ein deutliches Ächzen und Knarren sich durchbiegender Holzbohlen aus dem Nebenraum, so als ob ein sehr schwerer Mann durch den Raum wandelte. Ronald konnte es nicht sein, denn so schwer war er nicht.

‚Ob es ein Obdachloser ist, der sich von uns in seiner Ruhe gestört fühlt?‘, fragte ich mich und begann vor Aufregung auf meinen Fingernägeln zu kauen.

Mir rutschte das Herz in die Hose und ich wäre am liebsten gleich hinausgerannt. Aber ich wollte ja nicht feige sein. Also blieb ich. Der Eingang zu diesem Raum besaß noch eine Tür, die mir den Blick in das dahinterliegende Zimmer verwehrte. Leise schlich ich also zu der vollkommen verzogenen Tür, die nicht mehr so recht in ihre Fassung passen wollte. Vorsichtig schob ich sie etwas zur Seite, um einen Blick in den Nachbarraum zu wagen, was sie mit einem lauten Knarren beantwortete. Plötzlich vernahm ich aus genau diesem Zimmer ein Poltern, das mich unweigerlich zusammenzucken ließ. Es hörte sich an, als ob ein Holzscheit umgestoßen worden wäre. Mir wurde heiß und kalt zugleich. Ich wollte eigentlich gar nicht mehr wissen, wer oder was sich in dem Nebenraum befand. Ich wollte nur noch raus, weg von diesem abscheulichen Ort. Mir war es vollkommen egal, was Ronald dann meinen würde. Ich hatte genug Courage gezeigt, um zu beweisen, dass ich kein Weichei war. Ich machte also eine Kehrtwende zum Gehen und erschrak. Direkt hinter mir stand mein Freund Ronald, der mich breit angrinste. Dies wäre nur einen kurzen Schrecken wert gewesen. An meinem Freund war aber etwas, das mir das Blut in den Adern gefrieren lies. Sein irrer Blick und sein unnatürliches Grinsen, das das Gesicht meines Freundes mehr und mehr zu einer bösartigen Fratze verzerrte, waren mir mehr als unheimlich. Vor mir stand nicht mehr mein Freund Ronald. Vor mir stand eine körperliche Hülle in Form meines Freundes, in die etwas Bösartiges hineingefahren ist. Ohne ein Wort zu sagen, packte er mich und schleuderte mich brutal zurück in den Flur, wo ich schmerzhaft gegen ein paar morsche Holzstühle prallte, die beim Aufprall zu Bruch gingen. Wimmernd blieb ich auf dem Boden liegen. Langsam kam Ronald auf mich zu, der mich hasserfüllt ansah und eine schwere, spitze Baustange in den Händen hielt. Ängstlich wich ich rücklings auf dem Boden kriechend zurück. Dabei sah ich ihn flehend und kopfschüttelnd an. Als ich gegen die Wand stieß, riss ich meine Augen weit auf und blieb wie erstarrt liegen, denn ich konnte nicht fassen, was er da tat. Schließlich spielten wir schon zusammen, seit ich denken konnte. Wir vertrauten uns blind. Das konnte nur eine makabere Inszenierung, ein Schauspiel sein, um der Sache mehr Dramaturgie zu verleihen. Aber alles in mir widersprach dem und sagte mir: ‚Wolf, das ist tödlicher Ernst!‘

„Und jetzt wirst du sterben!“, fauchte er mir zornig zu, während er zum tödlichen Stoß ausholte und zustach.

Als ich mich ausweichend auf die Seite rollte und sich die Spitze der Stange in den Boden bohrte, wurde die verzogene Tür plötzlich mit solch einer Wucht aufgestoßen, dass die Scharniere aus den Zargen rissen und die Tür uns zersplitternd entgegenschleuderte. Ronald wurde von den Bruchstücken nur knapp verfehlt. Während sie laut an der gegenüberliegenden Wand zerschellten, schoss etwas Gewaltiges aus dem Nebenraum. Ein rot leuchtendes Augenpaar erschien aus der Dunkelheit, während ich ein furchteinflößendes Knurren vernahm. Im selben Augenblick sauste schon eine mächtige Pranke nieder, bevor Roland nochmals zustoßen konnte. Kurz schrie mein ehemaliger Freund auf, bevor er in zwei Teile gerissen wurde. Warmes Blut spritzte mir entgegen, bevor der zweigeteilte Körper in einer großen Blutlache zu liegen kam. Entsetzt wandte ich mich von dem zerstückelten Leichnam ab und erblickte einen aufrecht stehenden Wolf, der sich Rolands Blut von seiner Pranke leckte. Wie gebannt sah ich in die funkelnden Augen dieses über drei Meter großen Werwolfs, der ein sehr kurzes, schwarz-farbenes Fell besaß, unter dem sich seine mächtige Muskulatur sehr deutlich abzeichnete. Nachdem er die Leichenteile achtlos beiseitegeschoben hatte, wandte er sich nun mir zu. Neugierig, ja fast fürsorglich beschnupperte mich der Werwolf, leckte mir mit seiner rauen Zunge Ronalds Blut aus dem Gesicht und hob mich anschließend sanft auf die Beine. Ich hatte dabei die Kontrolle über meine Blase verloren und ihren gesamten Inhalt in meine Hose entleert. Mir wurde heiß und kalt zugleich, kraftlos fiel ich wieder zu Boden und war außerstande, noch irgendetwas zu tun. Ich lag einfach nur da, während mich ein Weinkrampf überkam. Und neben mir stand der Werwolf, der mich nur sanftmütig ansah. Schließlich reckte er seinen Kopf gen Himmel und gab ein tiefes Heulen von sich. Ihm wurde aus mehreren Richtungen mit schauerlichem Geheul geantwortet. Eine halbe Stunde etwa brauchte ich, um mich einigermaßen wieder zu fangen. Der Werwolf wich mir während dieser Zeit nicht von der Seite. Allerdings war ich keines klaren Gedankens fähig und so fragte ich mich erst viel später, warum er das tat, warum Ronald sterben musste und ich nicht. Ich war mir sogar sicher, dass jener Werwolf in mir etwas Schützenswertes sah. Als er mich aus dem Haus trug und auf der Straße ablegte, meinte ich, seine bassige Stimme vernommen zu haben, die mir beschwörend sagte, dass ich den Menschen nicht trauen dürfte. Nach reiferen Überlegungen war mir klar, warum mein ehemaliger Freund sterben musste ‒ er starb, weil er mich töten wollte. Seither hatte ich es mir zur Angewohnheit gemacht, regelmäßig wie ein Wolf in die Nacht hinaus zu heulen, um mich ihrer Anwesenheit zu versichern, denn für mich waren sie meine Beschützer. Sie hatten mir stets geantwortet.

Natürlich sorgte der jüngste Leichenfund für mächtiges Aufsehen und wurde wie jener Vorfall im Penn Valley Park damals groß in den lokalen Medien gebracht. Die ganze Nachbarschaft war in hellem Aufruhr und man suchte einen Schuldigen. Da wir als einzige damals direkt in die Ereignisse im Penn Valley Park involviert waren und meine Freundschaft zu jenem toten Kind eine indirekte Verbindung darstellte, kam langsam das Gerücht in Umlauf, dass wir in irgendeiner Weise der Grund für den weiteren Todesfall gewesen wären. Des Weiteren hatten mich Nachbarn beim Heulen beobachtet und gehört, dass mir durch schauriges Wolfsgeheul geantwortet wurde. Schon bald legte man uns auch die zuvor zerfleischten Leichen zur Last. Unsere Nachbarn, Geschäftsfreunde und Bekannte begannen uns daraufhin zu meiden. Man schnitt uns auf offener Straße und langsam wurde es um uns herum immer einsamer. Wir wurden gar offen aufgefordert, die Stadt zu verlassen, und zogen dann deshalb nach Lawrence, in eine vollkommen andere Gegend, wo man uns nicht kannte. Meine Eltern hofften wohl, so beweisen zu können, dass sie mit den Mordfällen in Kansas City nichts zu tun hatten. Ab jenem Tage hatten sie mir strengstens verboten, das Geheul der Wölfe zu imitieren, damit keine Verbindung zwischen mir und diesen Kreaturen gezogen werden konnte. Leider dauerte es nicht lange, bis auch in Lawrence erste Mordfälle mit denselben Verstümmelungsmustern auftauchten. Ebenso lange dauerte es, bis ich Antwort auf meine Rufe erhielt, die ich trotz des Verbots tätigte. Sie waren also wieder da und mit ihnen die Gerüchte. Mich interessierte das aber weniger, denn so eigenartig es klingen mag, seit jenem Erlebnis im verfallenen Haus fühlte ich mich besser, wenn ich mir ihrer Anwesenheit sicher sein konnte. Die Leichenfunde verdrängte ich einfach aus meinem Bewusstsein. Wir zogen also wieder um und die Mordfälle mit uns. So waren wir gezwungen, etwa alle drei bis vier Monate unseren Wohnort zu wechseln. Als sich dann noch Dads Geschäftsfreunde verabschiedeten und sich die Geschäftsbilanzen enorm verschlechterten, verkaufte Dad schweren Herzens sein Unternehmen, um nicht alles zu verlieren. Von da ab lebten wir von unseren Ersparnissen. Mom und Dad wussten, dass sie etwas gegen diesen Zustand unternehmen mussten, denn wir wurden wie Aussätzige behandelt. Zwei lange Jahre hielten meine Eltern es aus, bis in ihnen jegliche Hoffnung auf Rehabilitation erloschen war und sie für einen kompletten Neuanfang bereit waren. Die Wilsons mussten sterben, damit wir woanders mit einer völlig neuen Identität in ein vollkommen anderes Leben fernab von Morden und Intrigen eintreten konnten. So beschlossen Mom und Dad, der hektischen Zivilisation den Rücken zuzukehren. Sie wollten von nun an unabhängig von jeglichen Menschen, die sie enttäuschen und fallen lassen könnten, ganz auf sich allein gestellt leben. In meinem Vater war wieder ein früher Kindheitstraum zu neuem Leben erwacht, der lange in Vergessenheit gelegen hatte. Der Drang, sich als Waldläufer alleine durch die Wildnis zu schlagen und ohne Hilfe zu überleben, wuchs in ihm unaufhaltsam, bis dieses Verlangen stark genug war, meine Mutter von diesem Vorhaben zu überzeugen. Kurz entschlossen kündigte er seine Konten und hob das gesamte Kapital ab, während Mom ihre Anteile an ihrem Betrieb veräußerte.

Damit meine Eltern freie Hand für die nötigen Vorbereitungen unserer Umsiedelung hatten, verbrachte ich meine letzten zwei Monate meines urbanen Daseins bei Onkel John und Granny im 1.200 km entfernten Sandusky in der Nähe des Eriesee, einer der großen Seen des Nordostens. Beide hatte ich seit den Ereignissen um den Penn Valley Park nicht mehr gesehen. Sie erkannten sofort, dass ich mich seit unserem letzten Besuch vollkommen verändert hatte. Darauf von ihnen angesprochen, erzählte Dad, dass ich ein traumatisches Erlebnis im Penn Valley Park gehabt hätte und ich einfach etwas Zeit bräuchte, um dieses zu verarbeiten. Natürlich blieben sie bei ihren Ausführungen bei der offiziellen Version der Medien. Mir hatten sie zuvor eingebläut, beiden weder von den wahren Ereignissen im Park, noch von unserem Umsiedlungsvorhaben zu erzählen. Sie wiesen Granny und Onkel John aber trotzdem auf mein ungewöhnliches Interesse für Wölfe und Werwölfe und meine starke Affinität zu diesen Wesen hin, die ich seit diesem Erlebnis gewonnen hatte.

In den zwei Monaten nahmen sich beide sehr viel Zeit für mich. Sogar eine Tagestour nach Cleveland, eine nahegelegene gewaltige Metropole, unternahmen sie mit mir. Dort befanden sich gewaltige Einkaufszentren, in denen man alles erwerben konnte, was man sich zu kaufen wünschte. Vor allem gab es in Cleveland aber eins – Menschen und das massenweise. Das missfiel mir. Den meisten Menschen misstraute ich nämlich seit den Vorfällen im Penn-Velley-Park und in jenem verfallenen Haus. Oft fürchtete ich mich sogar vor ihnen. Der Tod Ronalds hatte mir deutlich vor Augen geführt, dass sich selbst meine engsten Freunde jederzeit gegen mich wenden konnten und ich kaum in der Lage war, ihre wahren Absichten rechtseitig zu erkennen. Die Wolfartigen waren hingegen stets als meine Beschützer in Erscheinung getreten. Ihnen konnte ich vertrauen. Sie waren nicht wie die Menschen hinterhältig und falsch. Deshalb mochte ich lieber Wölfe und Werwölfe und das von Tag zu Tag immer mehr. Für Onkel John war meine ungewöhnliche Vorliebe zwar nichts Beunruhigendes, aber gegenüber meiner Großmutter hatte er schon zum Ausdruck gebracht, dass mein Verhaltensprofil für einen Vierzehnjährigen vollkommen atypisch wäre. Er erklärte sich mein zum Teil sonderbares Verhalten mit einer extremen Form von Ausleben einer Jugendfantasie, in die ich mich geflüchtet hätte. Um meinem starken Bewegungsdrang und meiner Abneigung gegenüber Großstädten Rechnung zu tragen, unternahm Onkel John mit mir weite Wanderungen in die umliegenden Wälder. Das gefiel mir sehr. Während eines Spaziergangs, den mein Onkel einmal sehr spät abends mit mir unternahm, gestattete er mir sogar einmal, das Geheul der Wölfe zu imitieren, was meine Eltern mir hingegen strengstens verboten hatten. Mir war vollkommen klar, dass ich Antwort erhalten würde, denn sie hatten mir immer geantwortet. Und auch dieses Mal hatte ich tiefes Geheul aus mehreren Richtungen vernehmen können, das offensichtlich eine direkte Antwort auf meinen Ruf war. Während das schauerlich klingende Geheul mir ein kaum wahrzunehmendes Lächeln bescherte, konnte ich erkennen, wie die Nervosität bei meinem Onkel anwuchs, denn wir befanden uns direkt am Stadtrand. Und hier sollte es keine Wölfe geben. Mein Onkel beendete augenblicklich den Spaziergang und ging mit mir zum Haus zurück. Danach hat er mir nie wieder erlaubt das Geheul der Wölfe zu imitieren. Mom und Dad berichtete er von jenem Erlebnis nichts, als sie mich schließlich abholten.

Mit nichts außer unseren Kleidern und dem, was wir im Truck hatten, fuhren wir nach Alaska tief in die Regenwälder Kodiak Islands, weit ab von jeglicher Zivilisation. Dort sollte unser neues Leben unter anderer Identität beginnen und wir hofften, dort eine neue Heimat zu finden. Deswegen brachen wir alle Brücken zu unserem bisherigen Leben ab. Es wurde ein Autounfall fingiert und falsche Totenscheine ausgestellt. Auch ein Begräbnis mit anschließender Trauerfeier gab es und sogar ein Nachruf wurde von der County-Prominenz verfasst. Da wurde Bedauern von all jenen vorgeheuchelt, die uns die Pest an den Hals gewünscht und uns zu diesem Schritt getrieben hatten. Da zeigte sich das wahre Gesicht der High Society. Sie war nichts anderes als eine Schlangengrube. Meine Eltern hatten keine Kosten für unseren Ausstieg gescheut und waren keine Kompromisse eingegangen. Keine Spuren führten zu uns, alles war wasserdicht. Die Wilsons waren fortan tot.

Mom und Dad hatten etwa eine Millionen Dollar zusammengekratzt, was dazu ausreichte, genug Baumaterial für ein ordentliches Haus samt der Baumannschaft in die tiefe Wildnis fliegen und es aufbauen zu lassen. Man wollte ja schließlich standesgemäß die neue Heimat besiedeln. Nur jegliche Sanitäranlagen fehlten, denn es gab weder Wasserleitungen noch Kanalisation. Jedenfalls widersprach das Haus, welches wir uns da hinsetzten, allen Vorstellungen einer Behausung inmitten einer Wildnis, die ich entwickelt hatte. Es war alles andere als ein Blockhaus, sondern ein wahrer Fremdkörper in der natürlichen Umgebung. Ich finde, da waren Mom und Dad nicht ganz konsequent. Für die Einrichtung reichte das Geld nicht mehr aus. Mein Vater konnte sich nur noch ein Gewehr, genug Munition und Proviant für die nächsten Wochen kaufen, bis das Geld vollends verbraucht war. Trotz dieser Umstände war ich von ihrem Entschluss begeistert. Für mich wurde wahr, was sich andere Kinder nur erträumen konnten. Es blieb nur zu hoffen, dass wir hier unsere Ruhe finden würden. Dessen war ich mir aber absolut sicher, obwohl ich intuitiv wusste, dass es nicht lange dauern würde, bis auch sie hier erschienen. Aber das war nicht von Belang, denn hier in der Einsamkeit gab es keine Menschen, die sie hätten anfallen können. Und wir waren aus irgendeinem Grund immer sicher vor ihnen gewesen.

Oft unternahmen wir ausgedehnte Erkundungsmärsche durch die wechselhafte Landschaft der Insel. Nicht weit von unserem Haus, etwa achthundert Meter entfernt, befand sich ein Abgrund, dessen Steilwand gut einhundert Meter in die Tiefe reichte. Jedes Mal, wenn ich mich an diesem Abgrund aufhielt, wurden meine Eltern nervös, da sie Angst hatten, dass ich hinunterfallen könnte. Kein Wunder, denn ich war ein wilder Bursche, der von einer Ecke zur anderen tobte und manchmal nicht ganz achtgab, wohin er trat. Doch intuitiv war mir die Gefahr bewusst, die von jenem Abgrund ausging. Ich wagte mich nie näher als einen Meter an die Abrisskante heran.

Mein Vater, der ein eingefleischter Hundenarr war, konnte sich endlich seinen langersehnten Wunsch erfüllen und hatte sich kurz vor unserem Aufbruch trotz unseres knappen Budgets gleich zwölf Deutsche Schäferhund-Welpen gekauft, denn in der Wildnis, so meinte er, habe er immer Zeit für sie, und Platz wäre reichlich vorhanden. Zuhause in Kansas City hatte er wegen dem Geschäft nie Zeit gehabt, sodass er lieber auf vierbeinigen Familienzuwachs verzichtet hatte. Es gäbe zwei Sorten von Tierliebhabern, meinte er: Die einen, zu denen sich auch mein Dad rechnete, würden sich Tiere der Tiere wegen anschaffen. Diese Menschen würden auf eine artgerechte Tierhaltung achten, um ihrem vierbeinigen Freund und Begleiter ein möglichst schönes Leben zu gewährleisten. Die anderen jedoch kauften sich Tiere, um ihr eigenes Ego zu befriedigen. Jene Tierhalter behaupteten, sie würden Tiere lieben. Doch entweder werden die Tiere dann Opfer falscher Tierliebe, was sich zum Beispiel in Vermenschlichung der betroffenen Spezies äußert, oder sie werden zu Prestigeobjekten, die gerne vorgezeigt und anschließend wie ein Einrichtungsgegenstand in die Ecke gestellt werden. Mein Dad meinte, die wahre Tierliebe äußere sich darin, sich eher kein Tier anzuschaffen, wenn man sich nicht sicher sei, ob es artgerecht gehalten werden könnte. Das entspricht auch meiner Auffassung. Dennoch war die Tatsache, dass er sich gleich zwölf Welpen anschaffte, ein Zeichen dafür, dass seine Kostenkalkulationen für dieses Unternehmen viel zu gering angesetzt waren. Wie dem auch sei, ich hatte mit den Hunden sehr viel Spaß. Sie waren zufrieden, wir waren zufrieden und alle hätten sich ihres Lebens erfreut, wenn da nicht die alltäglichen Schwierigkeiten gewesen wären.

Schon während der Bauarbeiten mussten wir uns sehr umstellen, da die Annehmlichkeiten der Zivilisation nunmehr nicht mehr vorhanden waren. Alles musste selbst durchorganisiert werden. Man konnte nicht einfach den Müll sammeln und an die Straße stellen, um nur eine der Selbstverständlichkeiten zu erwähnen, die plötzlich nicht mehr so selbstverständlich waren. Wir hatten keine Ahnung, wie man außerhalb der Zivilisation lebte, wie man überlebte. Wir saßen zwar in einem prächtigen Haus in der weiten Wildnis von Kodiak Island, wussten jedoch nicht, wie man sich von ihr ernähren sollte. Wir waren daher gezwungen, von dem Proviant, welchen wir uns mitgebracht und eingelagert hatten, zu leben. Wir hatten nur die schönen Seiten eines Lebens in der Wildnis gesehen, nie die Nachteile. Umso erdrückender war das Erwachen, denn unsere Vorräte gingen bald zur Neige. Doch ans Aufgeben hatten meine Eltern nie gedacht, denn sie waren schon immer gläubige Calvinisten gewesen. Jene Ereignisse, die uns letztendlich in die Wildnis geführt hatten, ließen Mom und Dad in ihrem Glauben fanatisch werden. Daher vertrauten sie auf den Herrn, der ihnen in der schweren Zeit beistünde und helfe, sie bald dauerhaft zu lösen.

Die gesuchte Lösung fand sich bald in ein paar hilfsbereiten Waldläufern, die zufällig hier vorbeikamen und zu Besuch blieben. Über unser Haus schüttelten sie anfangs nur ihre Köpfe. Aber selbst an solch einen Anblick gewöhnt man sich ja mit der Zeit. Von ihnen lernte Vater sehr viel. Mit ihnen ging er zur Jagd, wo sie ihm zeigten, wie Fallen gestellt werden, Spuren zu lesen sind, wie man schießt, und er erlernte das große Einmaleins des Survivals. Sie ermahnten uns auch, niemals ohne Gewehr das Haus zu verlassen, denn die Begegnung mit einem Bären wäre immer eine heikle Angelegenheit. Also bekam ich ein eigenes Gewehr und eine entsprechende Einweisung. Obwohl ich den Fremden gegenüber sehr misstrauisch war und keinen von ihnen in meine unmittelbare Nähe ließ, begleitete ich sie mit etwas Abstand auf vielen ihrer Streifzüge, denn ich hatte mir in den Kopf gesetzt, zusammen mit meinem Vater das Handwerk des Trappers zu erlernen. Ehrgeizig eignete ich mir das handwerkliche Können und das notwendige Wissen an. Ich lernte sehr viel und schnell ‒ so zum Beispiel welche Beeren und Pilze essbar waren und welche nicht. Gegen jedes Wehwehchen gab es Kräuter, die ich ebenfalls kennenlernte. Als mein Vater dann eines Tages ein ‚selbstverdientes’ Essen präsentieren konnte, war er so stolz, dass er mehrmals jede Phase der Jagd genauestens erzählte und kommentierte.

Nach einigen Monaten verließen uns unsere Gäste wieder, die so bereitwillig ihr Wissen mit uns geteilt hatten. Wir verabschiedeten sie zwar höflich, aber Dank brachten meine Eltern ihnen nicht entgegen. Den erhielt ihr Gott in zahllosen Gebeten, weil er uns in seiner Barmherzigkeit die Trapper geschickt hatte. Jene hilfsbereiten Menschen wurden so zu einem reinen Werkzeug degradiert, das man verwendet und anschließend wieder weglegt, wenn man es nicht mehr braucht. Da schämte ich mich ein wenig für sie.

Alle zwei Monate landete ein Postflugzeug auf einem etwa zweieinhalb Kilometer entfernten See, der nördlich von uns in einem Tal lag. Für uns Waldläufer war es eine mobile Poststation. Und wenn wir Bestellungen hatten, konnten wir sie bei dem Piloten auch aufgeben. Natürlich hatten wir so gut wie keine Korrespondenz, denn die Wilsons waren ja tot. Dafür hatten Mom und Dad gesorgt. Sie hatten all ihre Beziehungen spielen lassen, um eine wasserdichte Ersatzidentität zu bekommen und mir gleichzeitig meine schulischen Qualifikationen zu erhalten. Natürlich stellte sich auch die Frage, wie meine schulische Ausbildung fortzuführen wäre. Obwohl ich vielseitig interessiert und sehr belesen war, hätte ich persönlich ganz darauf verzichten können. Schulen sind Orte, die ihrer Funktion entsprechend von vielen Menschen bevölkert werden und in Städten angesiedelt sind. Beides war für mich schon problematisch.

Lautstark protestierte ich gegen die Pläne meiner Eltern: „Niemals werde ich von hier fortgehen! Für den Beruf des Waldläufers braucht man keinen Schulabschluss! Es reicht doch, umfassend gebildet zu sein!“

Doch mein Vater ließ sich nicht erweichen und entgegnete mir: „Trotzdem benötigst du eine schulische Ausbildung, mein Junge. Vielleicht willst du doch einmal in die Zivilisation zurückkehren und dort bist du ohne Abschluss gar nichts! Jetzt bist du noch zu jung, um endgültig Weichen für dein zukünftiges Leben stellen zu können. Das schaffen ja selbst Erwachsene nur selten.“

Ich hingegen gab weitere Gegenargumente kund, denn auf keinen Fall wollte ich die Gegend verlassen, um irgendwo zur Schule zu gehen. Sie waren jedoch nicht so überzeugend wie die meiner Eltern. Schließlich einigten wir uns darauf, dass ich keine Schule besuchen musste, jedoch hier auf meinen Abschluss hinarbeitete. Das schmeckte mir zwar nicht sonderlich, es war aber der beste Kompromiss. Mit ihm konnte ich letztlich doch gut leben. Schließlich brauchte ich nicht zur Schule gehen und konnte auch weiterhin der Stadt fernbleiben. Die zu bearbeitenden Aufgaben waren für mich trivial und deswegen langweilig. Trotzdem musste ich sie bearbeiten, da sie regelmäßig zur Lernstandskontrolle eingereicht und bewertet wurden. Mom half mir, mich dafür zu motivieren. Die benötigten Unterrichtsmaterialien besorgte Dad in Kodiak, die einzige Stadt auf der gleichnamigen Insel, etwa siebzig Kilometer von uns entfernt, und bezahlte sie in Naturalien wie Fellen. Dort schrieb er mich auch als Fernschüler in der Kodiak High School ein. Doch viel lieber, als langweilige Aufgaben zu bearbeiten, stählte ich meinen Körper und tobte mit unseren Hunden herum. Das Spielen mit ihnen rundete mein tägliches Training ab. Sie waren meine besten Freunde, meine einzigen Freunde. Wie mein Vater war auch ich ein Hundenarr geworden. Mit den Hunden lief ich kreuz und quer durch die Wildnis. Für sie war ich ein Spielkamerad, der beschützt werden musste, und hatte deshalb bei ihnen Narrenfreiheit. So konnte ich mit ihnen fast alles machen, was ich wollte, bevor sie erzieherische Maßnahmen ergriffen und mich entweder anknurrten oder zwickten.

Zum Winter hin legten wir uns Vorräte an, da diese Jahreszeit sehr hart war. Selbst die Hunde kamen zu dieser Jahreszeit zu uns ins Haus, da die Wölfe von Hunger getrieben bis zu unserem Domizil vordrangen. Mit Schneeschuhen, die Mom uns angefertigt hatte, machten Dad und ich unsere Runden, um die Fallen zu kontrollieren, die jedoch meistens leer waren. Wenn Tiere in sie hineingingen, holten sie sich oft die Wölfe, die schneller waren als wir. Sie wurden so zu echten Konkurrenten. Manchmal hatten wir das Glück, dass uns ein Reh oder ein Hirsch vor die Flinte lief. Das reichte dann wieder für ein paar Wochen. Trotz aller Strapazen waren wir aber glücklich. Wir lebten ohne Geld und waren zu einhundert Prozent Selbstversorger. Die Waldläufer hatten es uns gelehrt und erst ermöglicht. Obwohl jeder Trapper ein Konkurrent des anderen war, herrschte dort in der Wildnis eine gegenseitige Hilfsbereitschaft, wie wir sie im städtischen Umfeld nie kennengelernt hatten. Das mochte wohl daran liegen, dass die Lebensbedingungen dort sehr hart waren und man schnell in eine lebensbedrohliche Situation kommen konnte, denn oben, im äußersten nordwestlichen Staate der USA wurde es im Winter bitterkalt. Häufiger fegten in dieser Jahreszeit Blizzards über uns hinweg. Das sind schwerer Schneestürme, die schon vielen Menschen den Erfrierungstod gebracht hatten. Meinen ersten erlebte ich dort gleich nach dem kalendarischen Herbstanfang.

Jeden Sommer musste ich für ein paar Tage nach Kodiak, wo ich vor den Lehrern der High School geprüft wurde, damit sie auch sehen konnten, ob ich das jeweilige Klassenziel erreicht hatte. Zu Fuß legten wir die weite Strecke zurück, für die wir drei Tage benötigten. Dort wohnten wir bei einer netten alten Dame, die sich aufgrund ihrer Einsamkeit über jeden Besuch freute. Trotz der uns gebotenen, überschwänglichen Gastfreundschaft und ihren Beteuerungen, wir sollten doch ruhig noch etwas bleiben, beanspruchten wir sie nie mehr als drei Tage, denn länger dauerten meine Prüfungen nicht. Während dieser Zeit war Mom alleine, was ihr aber nicht allzu viel ausmachte. Schließlich hatte sie zu ihrem Schutz zwölf große und starke Schäferhunde. Zum Bedauern meiner Eltern waren meine schulischen Leistungen allerdings nicht gerade die besten, denn im Grunde scherte ich mich einen Dreck um alles, was die Schule betraf.

Mit den meisten Stadtkindern verstand ich mich nie, denn ich war still, abweisend und zog es vor, den Kontakt zu ihnen auf ein unvermeidbares Minimum zu beschränken. Konflikte blieben da natürlich nicht aus. Mich bezeichneten sie aufgrund meines indianischen Aussehens als ‚Dreckige Rothaut’ und verlachten mich als Hinterwäldler. Und wenn ich ihnen dann sagte, dass nichts so sei, wie es scheint und sie nur nichtsbedeutende Marionetten wären, bezeichneten sie mich als Lügner und machten sich über meinen Vornamen lustig. Ich ärgerte mich stets über ihre Ignoranz und Naivität. Maßlos erzürnte mich aber die respektlose Art, wie sie über uns redeten und mich behandelten, und ging schließlich mit Fäusten auf sie los. Später erzählte ich dann alles Dad, der mich daraufhin ermahnte, mich bloß nicht zu Äußerungen hinreißen zu lassen, die Hinweise auf unser früheres Leben geben könnten, und mit den Worten, „denk Dir nichts dabei. Mit denen musst Du Dich eh nicht abgeben. In drei Tagen gehen wir wieder nach Hause zurück“, über meine Misere hinwegtröstete. Er hatte ja recht. Ich war für die Prüfungen in der Stadt und musste mit den Stadtkindern nicht interagieren. Also mied ich sie so gut, wie es eben ging. In meinen Augen waren sie es nicht wert, dass ich überhaupt mit ihnen redete.

Die Jahre vergingen ohne weitere Zwischenfälle. Die Abschlussprüfungen hatte ich nicht bestanden. Nicht etwa, weil ich den Stoff nicht beherrschte. Ganz im Gegenteil, ich war meinen Schulkammeraden sogar weit voraus. Ich hatte die Prüfungen boykottiert, denn ich lehnte die Schule und ihre Abschlüsse als Institution eines Gesellschaftssystems ab, an dem ich mich kategorisch störte. Ärger gab es deswegen nicht. Allerdings musste ich meinen Eltern versprechen, meine ablehnende Haltung zu überdenken. Das passte mir überhaupt nicht. Widerwillig gab ich ihnen aber mein Wort. Das raue Leben in der Wildnis hatte mein gesamtes Wesen geprägt. Sie verzieh keine groben Fehler, keine Schwächen und verlangte von allen Kampfbereitschaft und ein großes Maß an Überlebenswillen ab. Das Leben in der Wildnis und mein intensives Training härteten ab. Über die Jahre wurde ich kräftig und ausdauernd, viel widerstandsfähiger und auch kompromissloser als die Gleichaltrigen in Kodiak. Niemand wagte es, sich mir alleine in einem Kampf entgegenzustellen. Keiner war in der Lage, meinen eisigen Blicken standzuhalten, wenn sie mich mal wieder verlachten. Bereits im Alter von vierzehn Jahren, als ich das erste Mal durch die Abschlussprüfung fiel, war ich ähnlich wie der Wolf, der rau und ruhelos durch unser Revier streifte.

Gut drei Jahre später sollte sich unser Leben jedoch erneut sehr wandeln…

Wolfsgeheul

Früh morgens erwache ich und öffne meine Augen. George und Phil lecken mir liebevoll über mein Gesicht, als diskrete Aufforderung aufzustehen. Als ich mich nicht sofort erhebe, stupst mir George mehrmals mit seiner feuchten, kalten Nase ins Gesicht, während Phil ans Fußende läuft und mir die Decke wegzieht. Wieder einmal habe ich es gestern geschafft, zwei der großen Hundefamilie hochzuschmuggeln. Beide schliefen in meinem Bett links und rechts neben mir und wärmten mich und das Bett so gut, dass ich sogar bei geöffnetem Fenster leicht ins Schwitzen kam. Die Morgensonne scheint direkt durch das Fenster in mein Zimmer und taucht es in rötliches Licht. Ich recke und strecke mich kräftig, gähne dabei und reibe mir den Schlaf aus den Augen. Eilig laufe ich zu dem geöffneten Fenster, durch das frische, kühle Morgenluft hereinweht, und stolpere über eine der Hanteln, die ich gestern Abend nach meinem Workout einfach liegengelassen habe.

„Autsch! Pass doch besser auf, Wolf!“, tadele ich mich, während ich weiter zum Fenster humple und dort meinen schmerzenden Spann massiere.

An solchen Tagen sehe ich früh morgens gerne aus dem Fenster. Dann steigt die Feuchtigkeit der Nacht langsam empor, wabert in Dunstschwaden durch die Täler und wird vom Licht der gerade aufgehenden Sonne rot zum Glühen gebracht. Es ist quasi ein sich bewegendes Gemälde in Blau und Rot. Nahe an unserem Haus, von meinem Fenster aus zu sehen, fließt leise plätschernd ein Bach, der etwa einhundert Meter entfernt ist. Dort waschen wir uns immer. Das eiskalte Wasser ist sehr erfrischend und aufputschend für den Kreislauf. Tief hole ich Luft und wende mich ab. Es ist Zeit sich zu bekleiden und den Tag zu beginnen. Vor dem Kleiderschrank stehend überlege ich, was ich heute wohl am besten anziehen werde. Mir fällt sofort der dunkelbraune Hirschlederanzug ins Auge, den mir meine Mutter liebevoll geschneidert hat. An Hosenbeinen und Ärmeln befinden sich an den Nähten kurze Fransen ‒ ein richtiger Trapper-Anzug. Diesen streife ich mir hastig über und will gerade hinunterstürzen, als ich George und Phil erblicke, die mich schwanzwedelnd mit steil aufgestellten Ohren erwartungsvoll ansehen.

„Tja, ihr wisst ja, dass Mom und Dad etwas dagegen haben, wenn ihr hier oben schlaft. Also, pssst, ganz ruhig.“

Leise versuche ich meine Zimmertür zu öffnen, die jedoch dabei etwas knarrt. Vorsichtig schiebe ich meinen Kopf durch den Türspalt und schaue in den Flur. Unten höre ich das Klappern von Geschirr. Mom und Dad sind also bereits aufgestanden und bereiten schon das Frühstück zu.

„Wolf, bist du schon wach?“, ruft Mom aus der Küche zu mir hoch. Sie muss meine Tür gehört haben. Wie sonst sollten sie auch wissen, dass ich bereits aufgestanden bin?

„Ja, Mom, ich komme gleich!“, antworte ich ihr.

Langsam schleiche ich zusammen mit George und Phil die rustikale Holztreppe hinunter, die beiden Hunde mir folgend. Deutlich ist das Kratzen der Hundekrallen bei jedem ihrer Schritte zu hören.

„Pssst, versucht etwas leiser zu gehen.“, flüstere ich ihnen zu.

Schon sieht Mom um die Ecke und ermahnt mich. „Wolf, wie oft habe ich dir schon gesagt, dass Hunde im Schlafzimmer nichts zu suchen haben!“

Wie zu befürchten war, hat sie die verräterischen Geräusche der Hundekrallen wahrgenommen.

„Och, Mom.“

„Nichts, och, Mom! Wie oft haben wir dir gesagt, dass Hunde klare Regeln und absolute Konsequenz in ihrer Anwendung brauchen?! Los, raus mit euch beiden Rüpeln! Und du, Wolf, gehst ebenfalls raus, um dich zu waschen. Lauf aber nicht mit den Hunden fort, es gibt gleich Frühstück.“

„Ok.“, bestätige ich ihr nörgelnd.

Schnell laufe ich zum Bach und entspreche Moms Weisung. Phil und George sind derweil zu den anderen Hunden gerannt. Genauso schnell wie ich herauskam, eile ich wieder hinein, denn ich habe großen Hunger.

Den unteren Flur haben wir kurzerhand zum Esszimmer umfunktioniert, da die Küche gleich nebenan ist und so alles schneller und bequemer vonstattengeht. Dad hat schon am Kopf des Tisches Platz genommen. Rechts neben ihm habe ich meinen Sitzplatz, den ich gerade einnehme. Mom sitzt mir gegenüber. Sie verteilt kaltes Fleisch von gestern und Waldbeeren. Irgendetwas Süßes muss einfach dabei sein.

„Nun lasset uns beten und dem Herrn für seine Gaben und unsere Gesundheit danken – bevor wir anfangen, Wolf!“

Dabei sieht mich meine Mutter streng an, denn ich wollte gerade beginnen, zu essen.

„Aber, Mom! Wofür sollen wir ihm denn danken? Alles, was wir haben, zum Beispiel das Essen hier, haben wir uns selbst geholt. Er hat doch gar nichts getan. Ihm für das Nichtstun zu danken ist doch paradox.“

„Sei still, Wolf! Du versündigst dich! Der liebe Gott behütet uns und ermöglicht es, dass wir uns die Speisen selbst besorgen können.“, klärt sie mich vorwurfsvoll auf.