ISBN: 978-3-86191-126-5
1. Auflage 2020
© Crotona Verlag GmbH & Co. KG, Kammer 11, D-83123 Amerang
Übersetzung aus dem Französischen: Maja Ueberle-Pfaff
Titel der französischen Originalausgabe: Quand les défunts viennent à nous
Editions Exergue 2017
27, rue des Grands-Augustins, F-75006 Paris
© 2017 Evelyn Elsaesser
Umschlaggestaltung: Annette Wagner
Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Funk, Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger jeder Art und auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.
www.crotona.de
Für meinen Vater, der, obwohl von uns gegangen,
nie sehr fern ist.
Evelyn Elsaesser ist eine der international profiliertesten Expertinnen für Erfahrungen rund um den Tod, insbesondere für jene, die in dem vorliegenden Buch ausführlich beschrieben werden.
Als ich im Sommer 2003 begann, mich mit diesen außergewöhnlichen Phänomenen intensiver zu beschäftigen, empfahl mir der bekannte amerikanische Psychologe Kenneth Ring auf meine Nachfrage hin, mit Evelyn Elsaesser in der Schweiz Kontakt aufzunehmen. Er hatte gerade mit ihr gemeinsam ein Buch über Nahtod-Erfahrungen1 veröffentlicht und war voll des Lobes für seine Mitautorin. Ich rief Evelyn an und war sofort begeistert von dieser Forscherin, die ein zuvorkommendes Wesen und die ausgeprägte Fähigkeit, anderen zuzuhören, mit einer großen Gewissenhaftigkeit verband.
Zwischen uns entwickelte sich sehr schnell eine von Respekt und Freundschaft geprägte Beziehung. Als ich einige Jahre später INREES gründete, wurde Evelyn wie selbstverständlich zu einer der Säulen des Instituts und zu einem aktiven Mitglied unseres wissenschaftlichen Beirats. Eine besonders wichtige Rolle spielte sie für unsere Forschungstätigkeit, als wir anfingen, die verfügbaren klinischen Daten über Nahtod-Erfahrungen sowie Berichte über alle möglichen Arten von Kontakten zwischen Lebenden und Verstorbenen zu sammeln. Danach verfasste Evelyn mit beachtlicher Energie drei zentrale Kapitel des Klinischen Handbuchs außergewöhnlicher Erfahrungen (Manuel clinique des expériences extraordinaires), darunter das Kapitel über Nachtod-Kontakte (NTK).
Mutmaßliche Kontakte mit Verstorbenen sind keine Einzelfälle. Sie kommen in unserer Umgebung zu Zehntausenden vor. Trauernde, die das Gefühl haben, auf die eine oder andere Art mit ihren verstorbenen Angehörigen oder Freunden einen Kontakt oder gar eine Kommunikation zu erleben, sind tief bewegt und getröstet, aber auch verunsichert von dieser Erfahrung, weil sie nicht zur vorherrschenden Auffassung von Wirklichkeit passt. Mit seinen zahlreichen Zeugenberichten, den fundierten Aussagen von Wissenschaftlern und den Reflexionen der Autorin gibt uns Nachtod-Kontakte – Spontane Begegnungen mit Verstorbenen einen Schlüssel an die Hand, um solche Erfahrungen besser zu verstehen und in den Trauerprozess zu integrieren.
Eines der Kapitel widmet Evelyn einem bestimmten Typ von NTK, und zwar den Visionen zum Zeitpunkt des Todes, auch Sterbebett-Visionen genannt, bei denen Menschen, die an der Schwelle des Todes stehen, verstorbene Familienmitglieder oder Freunde wahrnehmen, die gekommen sind, „um sie in die andere Welt zu begleiten“, und sie damit augenblicklich von jeglicher Todesangst befreien. Sterbende haben ihre Visionen Krankenschwestern, Ärzten und medizinischen Fachkräften anvertraut, die durchaus in der Lage waren, sie von den bekannten halluzinatorischen Phänomenen zu unterscheiden.
Die Besonderheit und das große Verdienst des vorliegenden Buches besteht darin, dass es Nachtod-Kontakte in den größeren Kontext anderer Erfahrungen in Todesnähe stellt – darunter Nahtod-Erfahrungen und über Medien hergestellte Begegnungen (channeling) – und ihre Ausdrucksform sowie die übermittelten Botschaften vergleicht.
Unzählige Menschen hatten derartige Erfahrungen und wagen es dennoch nicht, über sie zu sprechen, nicht einmal in ihrem engsten Umfeld. Evelyns Arbeit holt diese weit verbreiteten und wichtigen Erfahrungen aus ihrem Schattendasein und aus der Verleugnung heraus und bringt sie ans Tageslicht – und das ist zweifellos ihr größter Verdienst. Damit leistet Evelyn Elsaesser einen unglaublich wertvollen Beitrag zum Entstehen eines Gesamtbildes.
Nachtod-Kontakte – Spontane Begegnungen mit Verstorbenen ist das Ergebnis einer jahrelangen Forschungsarbeit und wahrscheinlich das am besten dokumentierte Werk, das bis heute existiert. Das wissenschaftlich präzise, aber auch angenehm lesbare Buch lässt uns erkennen, dass die Annahme, es gäbe ein Leben nach dem Tod, eine vernünftige Hypothese ist.
1 Lessons from the Light; deutsche Ausgabe: Im Angesicht des Lichts, Neuauflage Crotona Verlag, Amerang 2020. (A.d.Ü.)
Haben Sie schon einmal die Anwesenheit eines verstorbenen geliebten Menschen gefühlt? Hatten Sie die Gewissheit, dass er in ihrer Nähe ist, sie mit seinem Wohlwollen, seiner Fürsorge, seiner Liebe umhüllt? Sie können ihn nicht sehen, aber Sie wissen, dass er da ist, für sehr kurze Zeit nur, ein, zwei Sekunden, vielleicht auch ein paar Minuten. Haben Sie gehört, wie ein geliebter Verstorbener Ihnen eine Botschaft übermittelt oder gar mit Ihnen ein Gespräch führt? Haben Sie seinen Arm um ihre Taille gespürt in einer vertrauten Geste, tausendmal erlebt, als er noch am Leben war? Haben Sie gesehen, wie er im Schlafzimmer auf Sie zukam, bei Nacht oder in der Dämmerung, umgeben von einem strahlend hellen Licht? Haben Sie mit ihm im Schlaf kommuniziert? Nicht wie in einem gewöhnlichen Traum, sondern von Angesicht zu Angesicht, klar und deutlich, so dass Ihnen die Begegnung ganz und gar echt vorkam?
Wenn das der Fall ist, haben Sie einen Nachtod-Kontakt (NTK) erlebt, eine sehr verbreitete, paradoxerweise aber auch wenig bekannte Erfahrung. Ein offenbar von einem Verstorbenen initiierter Kontakt ist eine positive und erschütternde Erfahrung mit transformativer Kraft, die weitaus mehr zu bieten hat als kurzfristigen Trost. Dank der vielen Zeugenberichte aus erster Hand, die den ersten Teil dieses Buches ausmachen, werden wir die Typologie, die Merkmale und die Folgen dieser Erfahrungen detailliert analysieren.
Ein Nachtod-Kontakt wirft viele Fragen auf, und wer von einem solchen Erlebnis berichtet, stößt nicht selten auf Unverständnis oder sogar negative Reaktionen, die sich schlicht und einfach durch einen unzulänglichen Informationsstand erklären lassen. Ausreichend Kenntnisse über dieses Phänomen, das wir alle beim Tod eines uns nahestehenden Menschen erleben können, sind wichtig, denn sie geben uns eine gemeinsame Sprache und lassen gleichzeitig jedem und jeder von uns den Raum, sich damit gemäß dem eigenen Empfinden auseinanderzusetzen.
Der Tod eines geliebten Menschen stellt unser Leben auf den Kopf und markiert den Beginn einer schmerzlichen und manchmal langwierigen Trauerzeit. Ein Nahtod-Erlebnis ist ein großer Trost und bietet neue Perspektiven auf das Überleben des Bewusstseins nach dem physischen Tod und unsere eigene Endlichkeit. Doch diese Kontakte beseitigen die Traurigkeit nicht und sind kein Mittel, sich die Trauerarbeit zu ersparen, die in jedem Fall geleistet werden muss. Ich durfte über die Bedeutung der NTK mit international renommierten Trauerexperten sprechen. Wir betrachteten das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln und stellen hier zahlreiche Möglichkeiten vor, wie man NTK in den Trauerprozess so integrieren kann, dass der größte Nutzen daraus entsteht.
Sind Nachtod-Erfahrungen authentisch? Was ist, abgesehen von dem Trost, den sie bieten, ihr ontologischer Status? Handelt es sich wirklich um „außergewöhnliche“ Erfahrungen oder wäre es richtiger, von durchaus gängigen, normalen menschlichen Erfahrungen zu sprechen, selbst wenn der Ursprung und der Modus Operandi dieser Kontakte vorläufig ein Geheimnis bleiben? Dieser entscheidenden Frage stellen wir uns im letzten Kapitel unter Mitwirkung einiger Wissenschaftler von Weltruf. Bei der Analyse dieser Erfahrungen ist ohnehin ein globaler Ansatz notwendig. Nachtod-Erfahrungen sind kein isoliertes Phänomen, sie treten im Kontext anderer Erfahrungen rund um den Tod auf, wie Nahtod-Erfahrungen, Sterbebett-Visionen und von Medien hergestellte Jenseitskontakte. Wenn man die verschiedenen Erfahrungen miteinander vergleicht, kann man Phänomene, die vom Wesen her im Grunde gleich zu sein scheinen, besser verstehen.