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Table of Contents

Thrillerband eBook 1

KOVD Online

Titelseite

Impressum

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Epilog

Die Autorin

Literatur Guerillas

Thriller eBook

Band 1

 

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Impressum

Alle Rechte vorbehalten.

Copyright © dieser Ausgabe 2020 by KOVD Verlag, Herne

Artwork: Björn Craig

 

Nachdruck und weitere Verwendung

nur mit schriftlicher Genehmigung.

 

ISBN: 978-3-969-44504-4

Es ist stockdunkel. Und irgendwo in dieser Dunkelheit wartet seine Überraschung, so wie sie es ihm gesagt haben. Sein Geruchssinn verrät ihm, dass er nicht alleine ist. Die Luft ist stickig und angstgeschwängert. Es ist die Art Luft, die ihm vertraut ist. Doch jetzt ist in ihr eine Nuance enthalten, die er nicht kennt. Ein künstliches Aphrodisiakum vielleicht, oder eine bestimmte Aura, die von Angst zeugt.

Er tastet sich langsam vor und kommt sich plötzlich so lächerlich vor wie beim Blinde-Kuh-Spiel, das er früher in der Schule spielen musste. Ein dummes Spiel, bei dem die anderen Kinder ihn gezwungen hatten, eine erbärmliche Tiermaske aufzusetzen, um blind ein paar Gegenstände zu ertasten, und natürlich … ihm hatten sie eine Nacktschnecke in die Hände gedrückt. Wie er die kleinen Weiber mit ihrem dämlichen Gekicher in seiner Klasse dafür gehasst hatte. Doch das ist lange vorbei, und er beginnt sich wieder auf das zu konzentrieren, was irgendwo vor ihm ist.

Das Nachtsichtgerät ist ihm verboten worden, angeblich, weil er sich so mehr über die Überraschung freuen würde. Er weiß aber nicht, ob er sich wirklich freuen soll. Eher hat er das Gefühl, dass sie ihm mit der Freude, die sie ihm machen wollen, zu viel zumuten. Trotzdem tastet er sich weiter voran, folgt dem Geruch nach Angst und stößt mit den Händen auf einen haarigen Widerstand. Atemgeräusche sind zu hören. Sie kommen stoßweise, und er spürt den warmen Hauch an seiner Hand, als er das Gesicht unter den Haaren abzutasten beginnt. Sein eigenes Keuchen übertönt fast den Lebenshauch des kleinen Schatzes, der vor ihm sitzt. Es ist ein Mädchen. Und er weiß auch ganz genau, welches.

Er beißt sich selbst in den Handrücken, um nicht einen Freudenschrei auszustoßen, denn das würde den kleinen Schatz nur erschrecken, und er will nicht, dass sie sich erschreckt. Bemüht darum, seine Hände nicht hektisch werden zu lassen, streicht er dem Kind über das Gesicht, über die Haare und erkundet schließlich den Rest.

Das Mädchen hält die Beine fest umschlungen und versucht das Gesicht zwischen den Knien zu verstecken. Es zittert und scheint voller Unverständnis für das, was ihm widerfährt.

Vorsichtig setzt er sich neben die Kleine und ergreift ihre Unterarme. Sie sind kalt und kommen ihm erstaunlich zerbrechlich vor. Es erfolgt kein Versuch, ihn abzuwehren. Nichts dergleichen geschieht. Sie hält den Kopf weiterhin gesenkt. Er lässt ihre Arme los, und sie fallen schlaff zur Seite. Ermutigt von ihrer Widerstandslosigkeit steht er auf und drückt ihre Beine auseinander, ohne dass Gegenwehr erfolgt. Keine Bewegung, nicht einmal ein Schrei oder ein Wimmern. Nichts.

Erneut beginnt er, sie abzutasten. Zuerst das Gesicht, weil er kaum glauben kann, dass es tatsächlich das Mädchen ist, das er bisher für unerreichbar gehalten hat. Unter seinen Berührungen fängt es an zu blinzeln. Das merkt er an den langen Wimpern, die seine Handinnenfläche kitzeln.

Seine Hände streichen über ihren Oberkörper, der ebenso fragil ist, wie die Arme. Es trägt ein Hemd und eine Hose aus dünnem, rauen Stoff, und er kommt nicht umhin, sich vorzustellen, dass auf dem Hemd kleine Herzen gedruckt sind, und dass derjenige, der so einem kleinen Mädchen Hemden mit Herzen kauft, eigentlich liebevoll sein sollte. Dabei weiß er genau, dass es nur so gekleidet ist, weil es für Kinder nichts anderes zum Anziehen gibt, weil die Hersteller davon ausgehen, dass sie nichts anderes verdient haben, als geliebt zu werden. Aber diese Annahme ist ein Trugschluss, sonst wäre sie nicht hier. Sie sind allesamt Prinzessinnen in einer Welt voller Gräuel. Eine Welt, dessen hässliches Gesicht mit Herzen übertüncht wird.

Obwohl … er liebt sie doch. Ihren goldigen Atem, ihre Angst und das Kitzeln ihrer Wimpern. Dieses Mädchen ist anders als die anderen, und deshalb will er mit ihr besonders behutsam umgehen. Sie ist zu klein für all das Schreckliche. Zu jung, und das erfüllt ihn mit Wut. Warum tun sie ihm und ihr das an?

Er streichelt ihr sanft über den Kopf und greift zaghaft in die langen, seidigen Haare. Sie riechen nach einer undefinierbaren Frucht. Ein Gemisch aus Pfirsich und Vanille vielleicht.

Es hebt den Kopf und versucht sich offensichtlich in der Dunkelheit zu orientieren. Vielleicht möchte es ihn ansehen, aber da es stockdunkel ist, hebt es die Hände und tastet nach seinen Armen. Er lässt es gewähren und ist ergriffen von dieser zutraulichen Neugier, die nichts weiter ist, als die Hoffnung, mit ihm auf jemanden gestoßen zu sein, der es aus der Schwärze befreit. Doch den Gefallen kann und will er dem Mädchen nicht tun.

Es gibt einen verzweifelten Laut von sich, bis er begreift, dass es weint, was Gefühle in ihm auslöst, die er noch nie zuvor verspürt hat.

Am liebsten würde er ihr sagen, dass er nichts Böses will und ihr nur beibringen möchte, dass es keinen Zweck hat, sich über irgendetwas auf dieser Welt zu freuen. Er weiß, dass das Leben nicht viel für sie bereithalten wird, und er will sie lehren, sich daran zu gewöhnen. Es ist nur zu ihrem Besten. Doch selbst wenn er ihr das sagen würde, würde sie ihn nicht verstehen.

Du süßes, kleines Ding, denkt er. Wenn ich dir doch nur sagen könnte, dass wir mehr gemeinsam haben, als du glaubst. Ich merke dir an, dass dich niemand lieb hat und dass du verloren bist. Das Einzige, was ich für dich tun kann, ist, dich ein bisschen zu begleiten. Ich werde in Zukunft öfter vorbeikommen.

Das will er wirklich. Die Welle, die in ihm losgetreten wird, will sich nicht zurückziehen. Das Mädchen hat etwas in ihm ausgelöst. Ein Gefühl der Verbundenheit. Sie ist wieder verstummt, und als er sie hochnimmt und an sich drückt, spürt er, dass es keinen Hass, Ekel oder Verachtung in sich trägt, wie bei denen, die ihm sonst zugespielt werden. Bei ihr ist nur Angst und Verwirrung. So wie vor vielen Jahren bei ihm. Die Verbundenheit, die er fühlt, wird bestätigt, indem sie seine Arme um seine Schultern legt und den kleinen Kopf an seinen Hals drückt. Eine Welle der Erregung erfasst ihn, aber sie ist längst nicht so übermächtig, wie die Mitleidswelle, die er für dieses kleine Mädchen verspürt. Deshalb trägt er sie in der Finsternis umher, genießt ihr Zutrauen und denkt darüber nach, was er ihnen sagen wird. Sie werden merken, dass er einen Narren an der Kleinen gefressen hat, und dann muss er verdammt gute Argumente vorbringen, um sie öfter besuchen zu dürfen.

Er weiß nicht mehr, wann er das letzte Mal so ein Glück gehabt hat. Es ist so lange her, dass er sich schon daran gewöhnt hat, dass, immer wenn er seine Schicksalskulptur perfektioniert hat, ein Hindernis kam und sich wie ein Hammer in sein Werk rammte. Aber dieses Glück, das er gerade verspürt, soll nicht zerstört werden. Er überlegt fieberhaft und fragt sich, ob er zum Narren gehalten wird. Hat jemand die Faszination in seinen Augen gesehen? Neulich, als sie zum ersten Mal das riesige Haus betreten hatten und das Kind auf den kalten Fließen des Wohnzimmers spielte. Wahrscheinlich hatte er es ein wenig zu lange angesehen. Denn die Mutter hat es auf den Arm genommen und ins Obergeschoss gebracht, wo es zu weinen anfing. Warum auch immer. Es war das übliche Kinderweinen, in dem aber etwas mitschwang, das ihn wehleidig werden ließ. Es gibt keinen Zweifel. Sie hatten ihm angesehen, dass die Kleine ihn nicht kalt lässt, und wollten ihm eine Überraschung machen.

Die Überraschung ist ihnen gelungen, aber zu welchem Preis?

Plötzlich geht die grelle Deckenbeleuchtung an. Das kleine Mädchen macht sich steif und fängt an zu wimmern.

»Ganz ruhig«, sagt er.
Er spricht mit ihr in seiner Sprache und weiß, dass sie ihn nicht versteht. Aber zumindest der Tonfall soll sie zur Ruhe bringen. Er mag zwar ihre Angst, aber sie soll nicht daran zerbrechen. Noch nicht.

Die Mutter kommt in den Raum und zerrt ihm das Kind aus den Armen.

»Genug jetzt«, giftet sie, und im ersten Augenblick glaubt er, dass sie wütend auf ihn ist.

Aber dann registriert er, wie sie dem kleinen Mädchen eine Ohrfeige verpasst und etwas sagt, was er nicht versteht. Er wagt nicht, dazwischen zu gehen. Er kennt die Frau noch nicht gut genug.

Nur eines weiß er; sie ist ein Vulkan, und gleichzeitig hat sie einen eisigen Blick. Er mag sie nicht, aber er kann sich nicht erlauben, sie das spüren zu lassen.

Ihr Ehemann kommt dazu. Zumindest geben sich die beiden als Paar aus. Er hat von Anfang an zugänglicher gewirkt, als die Frau, und daher wagt er es, etwas zu sagen.

»Sie ist zu jung«, knurrt er kaum verständlich.

»Ihr wird nichts geschehen, falls du das meinst. Aber wir brauchen sie für andere Zwecke.«

Die Antwort reicht ihm fürs Erste. In seinem Kopf schwirren merkwürdige Gedanken umher. Im Magen kündigt sich ein unangenehmes Flattern an und er überlegt krampfhaft, wie er die Kleine öfter sehen kann. Zumindest das. Er möchte sie sehen, und er will nicht, dass sie irgendwann nur noch eine Erinnerung ist. Dafür ist sie zu wertvoll.

Nach einem Augenblick beginnt er innerlich zu jubeln, denn jetzt weiß er, wie er das anstellen wird.

Gott ist mir schon immer auf die Nerven gegangen. Er hat sich mir bisher nur gezeigt, wenn er seinen Frust an jemanden auslassen muss. Und dafür scheine ich die perfekte Zielscheibe zu sein. Ich hasse das und will dem ein Ende setzen. Aber ich habe wahrscheinlich zu lange gebraucht, um zu begreifen, dass ich eventuell die Chance für eine Aussöhnung mit Gott niemals bekommen werde. Es sei denn, dass mir mein Vorhaben gelingt. Mein letzter Versuch, mit ihm und mir selbst Frieden zu schließen, steht bevor. Jetzt, wo ich endlich die Möglichkeit habe, etwas selbst entscheiden zu können. Wie Gott darauf reagieren wird, steht in den Sternen. Es wird nur zwei Möglichkeiten geben. Entweder ich finde einen Sinn oder sterbe. So einfach ist das.

Ich starre aus dem Fenster, hinunter auf die Straße und zum Meer, das glatt und grau wie gegossener Beton zwischen den Bergen liegt. Von draußen sind keine Geräusche zu hören, nur das leise Ticken der Küchenuhr dringt an meine Ohren. Es erscheint mir fast ohrenbetäubend, jetzt, wo ich mich beruhigt habe und mein Entschluss, alles hinter mir zu lassen, nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Mein Herz hämmert schmerzhaft gegen die Rippen, und ein mieses Kribbeln hat sich in meiner Magengegend festgesetzt.

Ein Containerschiff bahnt sich seinen Weg durch den Sund in das offene Meer. Ich sehe dem trägen Koloss dabei zu, wie er langsam aus meinem Blickfeld verschwindet. Wenn ich das Fenster geöffnet hätte, wäre mir das Dröhnen der Schiffsmotoren aufgefallen. Es wäre ein leises, tröstliches Geräusch gewesen.

Ich richte mich auf. Das Kribbeln in meiner Magengegend verwandelt sich in Übelkeit, die ich zu ignorieren versuche. Ich lasse meinen Blick über das Chaos schweifen, das ich in der letzten Stunde verursacht habe. Es wird meinem Vater mit Sicherheit noch lange in Erinnerung bleiben, sobald er wieder da ist. Es geschieht ihm recht.

Die umgeworfenen Möbel, die Scherben des Porzellans auf dem Küchenboden, die aufgeschlitzte Couchgarnitur. All das spiegelt wider, wie es in mir aussieht. Dieses zerrüttete Gefühl kommt einem Erdbeben gleich, und niemand, der nicht dasselbe erlebt hat wie ich, wird es mir nachempfinden können.

Ich schnaube verächtlich, schnappe mir meinen Rucksack und steige über das Chaos. Als ich an der Küchenanrichte vorbeikomme, greife ich nach einem Topf, der in der Spüle liegt, und schleudere ihn mit aller Kraft gegen das Küchenfenster. Es zerbricht mit einem lauten Knall, ein Regen funkelnder Glassplitter fliegt durch die Luft.

»Viel Spaß beim Aufräumen, du feige Sau«, brülle ich ins leere Haus, knalle die Haustür hinter mir zu und werfe den Schlüssel achtlos ins Gras.

Ich brauche ihn nicht mehr.

Erst als ich in meinem Van sitze und die Insel verlassen habe, wird mir bewusst, dass ich über all die Jahre hinweg nur funktioniert und mich insbesondere in den letzten Jahren in einem tauben und desolaten Zustand befunden habe. Es ist mir plötzlich unverständlich, wie die Zeit vergehen konnte, ohne dass ich es gemerkt habe.

Die Arbeit in der Fabrik hatte ich nach dem Wehrdienst wieder aufgenommen, doch sie war mir wie eine Zwangsjacke vorgekommen. Die Frage, ob das nun alles in meinem Leben gewesen sein sollte, keimte immer häufiger auf, bis ich schließlich zu dem Entschluss gekommen war, dass es das Beste ist, sich abzusetzen. Neben der Straße begleitet ein rauschender Bach meine Fahrt gen Osten. Ich halte an und betrachte das Wasser, wie es mit brachialer und rücksichtsloser Gewalt über Felsblöcke schlägt. Mein Leben ist mindestens genauso außer Kontrolle, wie die Wassermassen, die an mir vorüberrauschen. Ich wünsche mir, dass mein Leben mehr einem breiten Flussbett gleicht, das dem Wasser genug Spielraum lässt, um sich entfalten zu können.

An meinem achtzehnten Geburtstag wurde ich mit einer Wahrheit konfrontiert, die mich ins Bodenlose hat stürzen lassen. Nicht, dass mein Leben vorher einfach gewesen wäre, aber das, was ich erfahren musste, hatte den Rahmen des Erträglichen eindeutig gesprengt. Während andere Jugendliche ihre Volljährigkeit feierten, hatte ich erleben müssen, wie es ist, wenn man seiner Identität beraubt wird. Es war ein beschissener Arbeitstag gewesen. Daran kann ich mich noch genau erinnern. Es hatte wie aus Eimern gegossen, und ich bin völlig durchnässt zu Hause angekommen, wo mich ein unangenehmer Empfang erwartete. Meine Eltern hatten sich getrennt, als ich noch ein Junge im Grundschulalter war und meine Schwester das Ganze noch nicht verstand. Sie war zu jung gewesen. Jedenfalls waren wir bei unserer Mutter geblieben, da unser Vater schon damals regelmäßig sein Geld auf den Trawlern verdiente, die vor Grönland ihr großes Glück in Form eines großen Fanges suchten. Wir waren nur unregelmäßig bei ihm, und trotzdem war die Zeit bei ihm immer schöner gewesen, als in dem unpersönlichen, steril wirkenden Haus, das wir mit unserer Mutter und ihrem neuen Lebensgefährten Erik bewohnten.

Ich kam also zu Hause an und wurde von meiner Mutter mit einem süffisanten Grinsen im Gesicht begrüßt. Hinter ihr stand Erik, der keine Miene verzog, und mir einen Koffer vor die Füße stellte.

»Du wirst auf der Stelle mein Haus verlassen. Du bist jetzt volljährig, und deine Mutter wird nicht mehr länger für dich sorgen, du Bastard.«

Seine Worte waren so kalt wie eh und je gewesen. Anders kannte ich das von ihm nicht. Wenn ich meinen Stiefvater beschreiben soll, dann fallen mir nur zwei Worte ein: kalt und zornig. Dasselbe gilt für meine Mutter, die, wie mir später einmal gesagt wurde, gar nicht meine leibliche Mutter ist. Damals war ich so perplex, dass ich nicht verstanden habe, was es mit dem Bastard auf sich hatte. Ich war nicht in der Lage gewesen, nachzufragen und habe es einfach geschehen lassen, als Erik mich am Arm gepackt und vor die Haustür gestoßen hatte. Das Lachen meiner vermeintlichen Mutter begleitete sein Tun und ich hatte es aus Angst und Scham so hingenommen. Wie immer.

Das war der Beginn meiner Odyssee gewesen, in der mein Job und meine winzige Wohnung im Bootshaus die einzigen Konstanten gewesen waren. Meinen Vater hatte ich zu der Zeit gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Ich hasste ihn, und tue es noch. So sehr, dass die Wut in mir einer regelrechten Ohnmacht gleichkommt, sobald ich an ihn denke.

Ein einziges Mal habe ich meinen Mut zusammengenommen und die offene Konfrontation mit ihm gesucht. Aber weil ich mit meinen Beleidigungen und Faustschlägen auf beschämende Weise ins Leere gelaufen war, habe ich keinen weiteren Versuch mehr gestartet.

Ich hätte wissen müssen, dass mein Vater stärker war als ich. Er hielt meine Arme ohne Mühe fest und verwies mich mit seiner nüchternen und verschlossenen Art einfach des Hauses, indem er mich vor die Haustür schob und sie vor meiner Nase zuknallte.

Danach hatte er jedoch mehrere Versuche gestartet, mit mir ins Gespräch zu kommen. Doch ich konnte ihm immer wieder ausweichen, bis auf das eine Mal, wo ich mich betrunken in die Koje meines Bootes gelegt hatte und mein Vater mich zufällig entdeckte, während ich meinen Rausch ausschlief. Er war mit mir aufs offene Meer gefahren, und nachdem ich mich über die Reling gebeugt hatte, um mir die Seele aus dem Leib zu kotzen, war ich gezwungen gewesen, ihm zuzuhören.

Letztendlich hätte er sich die Mühe sparen können. Schließlich wusste ich nach dem Monolog meines Vaters immer noch nicht, wer meine leibliche Mutter war, denn sie hatte sich schon zu Beginn der kurzfristigen Affäre mit falschem Namen ausgegeben, sodass die Suche nach einer Nina Kusavik ergebnislos blieb. Sie hatte mich eines Nachts bei meinem Vater abgegeben und war wortlos verschwunden. Somit war sie zu einer fiktiven Gestalt geworden, die sich, seit mein Vater mir von ihr erzählte, in meine Träume gebrannt hatte. In diesen Träumen jagte ich ihr hinterherher, doch sie verschwand immer wieder in unruhige Schatten.

Ich starte den Motor und setze meine Fahrt fort. Ich werde wohl drei oder vier Tage brauchen, bis ich am Ziel bin. Je nachdem, wie viele Zwischenstopps ich einlege. Ich habe keinen Zeitdruck. Es kommt mir vor, als ob ich in den Urlaub fahre. Eine Zeit, die endlos dauert, oder eben so lange, wie ich es will. Mir ist allerdings klar, dass das meine Finanzen nicht unbegrenzt mitmachen werden, aber darüber will ich mir vorerst keine Gedanken machen. Schließlich habe ich vor, mich für unbestimmte Zeit in der lappländischen Wildnis aufzuhalten, und dort werde ich kein Geld brauchen.

Ich habe niemandem gesagt, wo ich hinfahre und bin mir sicher, dass mich auch niemand vermissen wird. Mein Vater ist wieder auf See und wird erst in ein paar Wochen feststellen, dass sein Haus verwüstet ist. Und meinen Job habe ich gekündigt. Von den Kollegen wird also auch keiner nach mir fragen. Und von dem Rest meiner verrotteten Familie rede ich lieber nicht. Obwohl ... die Einzige, die mein Verschwinden bemerken wird, ist Turia. Ich habe ihr nichts gesagt, weil es mir schwergefallen war. Vor ein paar Tagen bin ich noch mit ihr im Atlantahavspark gewesen, weil sie dort einen jungen Schweinswal aufpäppeln.

Ich konnte es ihr nicht sagen, als sie die Hand in das kalte Becken hielt und der junge Wal darunter hindurchschwamm. Sie wäre mit Sicherheit nicht so unbekümmert gewesen, wenn sie gewusst hätte, dass ich fortgehe, obwohl sie meinen Drang, mich in der Wildnis zu verstecken, kennt. Sie weiß genauso gut wie ich, dass in der Einsamkeit keine Zwänge auf mich warten, und dort meine unaussprechliche Wut auf mich und die Welt nicht zwischen den Wänden gesellschaftlicher Werte und Normen eingesperrt wird.

Das Gefühl von Freiheit hatte Turia letzten Sommer selbst kennengelernt, als sie mit mir auf dem Boot durch die Fjorde geschippert war.

Mein Boot gleicht mehr einer Nussschale. Und trotzdem bietet es mir so viel Sicherheit, dass ich darauf in der Lage bin, mir die Schuhe auszuziehen. Auf dem Meer gibt es niemanden, der mich bedroht und vor dem ich nur mit Hilfe meiner Schuhe entkommen kann.

Mein schlechtes Gewissen beginnt, sich wie überkochende Milch in mir breitzumachen.

Die Freude über die erworbene Freiheit ist plötzlich wie weggeblasen, und ich habe das Gefühl, einen Stein verschluckt zu haben.

Im Grunde genommen bin ich genauso egoistisch wie mein Vater, indem ich mich einfach auf und davon mache, ohne darüber nachzudenken, was ich Turia damit antue.

Ich steuere die nächste Parkbucht an, krame mein Handy aus dem Handschuhfach und wähle Turias Nummer. Während ich das Freizeichen höre, lege ich mir noch schnell zurecht, was ich ihr sagen soll. Ich will ihr verschweigen, dass ich auf unbestimmte Zeit weg sein werde. Auch das mit der verwüsteten Bude werde ich für mich behalten. Das wird sie noch früh genug erfahren.

»Hallo«, höre ich ihre dünne Stimme.

»Hey. Hey Turia«, sage ich hastig und versuche, meine Nervosität zu verbergen. »Du, ich bin für ein paar Tage weg. Ich fahre in die Berge nach Jotunheimen«, lüge ich und merke, dass ich zu schnell rede. Für einige Sekunden bleibt es am anderen Ende der Leitung still.

»Nach Jotunheimen? Aber, warum sagst du mir das erst jetzt?«, fragt sie entgeistert.

»Ich ... ich muss einfach mal raus und hab mir drei Wochen Urlaub genommen.«

»Drei Wochen«, ruft Turia erstaunt, »und wo bist du jetzt?«

»Ich ... ich bin schon auf dem Weg. Im Romsdal«, antworte ich wahrheitsgemäß. Es dauert einen Augenblick, bis ich begreife, dass sie angefangen hat zu weinen.

»Bitte weine nicht«, sage ich, nachdem ich mich von meiner Erstarrung gelöst habe. Ich will nicht, dass sie weint. Nicht nur ihrer selbst willen, sondern auch, weil ihre Tränen mein schlechtes Gewissen schüren.

»Es sind doch nur drei Wochen. Hast du vergessen, was ich dir damals versprochen habe? Damals im Bootshaus, weißt du das noch?«

»Ich weiß«, sagt sie mit tränenerstickter Stimme, »aber ich habe kein gutes Gefühl. Da ist etwas. Was ist … wenn dir was passiert?«

»Mir wird schon nichts passieren«, versuche ich sie zu beruhigen, »du weißt doch, dass ich auf mich aufpassen kann. Ich werde mich ab und zu bei dir melden, dann weißt du, dass es mir gut geht.«

»Du wirst keinen Empfang haben. Nur gelegentlich, und dann ist es wahrscheinlich schon zu spät. Da ist etwas ...« Ihre Stimme klingt dumpf und desillusioniert. So, als ob sie eine ihrer diffusen Vorahnungen quält. Bei dem Gedanken daran wird mir kalt.

»Was meinst du damit? Es ist dann zu spät?«, frage ich unsicher.

Sie gibt mir darauf keine Antwort und sagt stattdessen: »Versprich mir noch etwas, bevor du weiterfährst.«

»Ja?«

»Versprich mir, nie den Helden zu spielen und deine Entscheidungen zu überdenken, bevor du sie in Taten umsetzt.«

»Das verspreche ich dir. Und nicht nur das, ich schwöre es dir,«, sage ich mit beinahe feierlicher Stimme.

»Das ist gut. Dann werden wir uns wiedersehen.«

»Ja, das werden wir. Wenn du mir versprichst, auch auf dich aufzupassen«, sage ich leise.

»Ich werde die Zeit schon irgendwie überstehen«, bekomme ich zur Antwort.

»Okay, ich werde mich wieder bei dir melden.«

»Aaron?« Ihre Stimme klingt plötzlich angsterfüllt. »Aaron. Ich hab dich lieb. Vergiss das nie, nie, niemals.«

Ich höre es knacken im Hörer. Sie hat aufgelegt. Ich sitze noch lange da und starre mein Handy an. Turia hat mir noch nie so unmissverständlich klar gemacht, dass sie mich liebt. Ihre Worte berühren mich unangenehm und lassen fast Schamgefühl in mir aufkommen. Im Allgemeinen hat mich das Gespräch aufgewühlt. Es ist die Art, wie sie gesprochen hat. Turias Stimme klingt immer so eigenartig, wenn sie ihre Ahnungen von Dingen preisgibt, die ich nicht fassen kann.

Ich denke noch eine Weile darüber nach, komme aber zu dem Schluss, dass meine kleine Halbschwester einfach ein wenig verwirrt ist, und dass es ihr nicht gutgeht, weil ihre Mutter wieder betrunken ist.

Jedenfalls bin ich froh darüber, ihr Bescheid gesagt zu haben, auch wenn ich nicht die ganze Wahrheit gesagt habe. Sie hat mir meinen Entschluss nicht übelgenommen, und letztendlich behält sie Recht. Wir werden uns wiedersehen. Auch wenn ich noch nicht weiß, wann das sein wird.

Ich habe die Route genauestens geplant. Meine Tour wird mich quer durch Laponia führen, bis hinunter nach Hemavan. Nördlich vom Sarek Nationalpark werde ich meinen Weg nach Stora Sjöfall fortsetzen.

Ich bin seit einer unbestimmten Zeit zu Fuß unterwegs, und der Blick auf die schwammig wirkende Landschaft lässt stille Zweifel in mir aufkommen. Vielleicht ist es doch keine gute Idee gewesen, zu dieser Jahreszeit herzukommen.

Gewaltige Schneefelder zeugen davon, dass der Winter sich nur schwer vertreiben lässt. Obwohl der Schnee schon eine silbrig glasige Oberfläche angenommen hat und damit ankündigt, dass er bereit ist, zu Wasser zu werden.

Die Flüsse sind durch das Schmelzwasser über die Ufer getreten, und ich habe schon erhebliche Umwege in Kauf nehmen müssen. Ich kämpfe meine Zweifel und die Furcht vor den kommenden Wetterkapriolen nieder. Sie sind das kleinere Übel im Gegensatz zu dem Alltag, der mir bisher verboten hatte, so zu leben, wie ich es möchte. Hier ist nichts, was mich in zeitliche Rahmen presst, und niemand, der mich hinter Mauern sperrt, hinter denen meine Hilfeschreie ungehört verhallen.

Auch wenn die Erde noch vom Winter umklammert wird, habe ich keine nächtliche Dunkelheit mehr zu befürchten.

Ich weiß, dass mich die endlosen Tage des Sommers dazu veranlassen werden, die Helligkeit in mich aufzusaugen. Mein Körper wird dann wie ein Akku, der nur mit Hilfe der sommerlichen Helligkeit die dunkle Winterzeit einigermaßen überstehen kann. Solange ich denke, sehe ich das Sommerlicht als meine Rettung und Hoffnung an. Jedes Jahr aufs Neue. Und jedes Jahr falle ich darauf herein und merke spätestens Ende Oktober, dass ich in den Abgrund unerträglicher Depressionen blicke. Der Winter mit seiner ewigen Nacht brennt sich in viele Herzen. Unter anderem auch in meines.

In den letzten Jahren ist es immer öfter vorgekommen, dass die Schutzmauer um meine Seele von der Finsternis in kleine Stücke zerschlagen wurde. Die Trostlosigkeit, die sich dann in mir breitmacht, bringt mich fast um den Verstand. Anders kann ich mir nicht erklären, warum ich gerade in den Wintermonaten grundlos zu weinen beginne, aggressiv werde oder in überdimensionalen Ausmaßen nach etwas dürste, womit ich mich betäuben kann. Deshalb übertreibe ich es gelegentlich mit dem Alkohol, um mich hinterher dafür zu verachten. Der Gedanke daran, dass ich vielleicht irgendwann so enden könnte, wie Bente, die Frau, die sich achtzehn Jahre lang als meine Mutter ausgegeben hat, lässt mich dann in Scham untergehen.

Mir fällt nur ein winterliches Erlebnis ein, an das ich mich gerne erinnere, weil es mir wie ein magischer Moment vorkam. Ich war damals wohl zwölf oder dreizehn Jahre alt gewesen, als mein Vater mit mir und Turia eine Hütte im Dovrefjell gemietet hatte. Die Hütte hatte an einem See gelegen, hinter dem sich ein Gebirge befand, das majestätisch und gleichzeitig gedrungen in den Himmel ragte und den Eindruck erweckte, sich vor der Macht des Himmels verbeugen zu müssen.

In einer jener Nächte hatte Turia darauf bestanden, dass ich mit ihr nach draußen gehe. Am Rande des Sees war sie stehengeblieben und hatte mich an die Hand genommen. Dann hatte sie mit der anderen Hand in den Himmel gedeutet, ohne einen Ton zu sagen. Ich war ein wenig verwirrt gewesen und unsicher darüber, was ihre Geste zu bedeuten hatte. Doch dann eröffnete sich über uns das Naturschauspiel der Polarlichter. Sie waberten grünlich, tanzten wie Flammen in der Schwärze der stillen Nacht und krümmten sich, als ob sie Schmerzen hätten. Mit ihrem Leuchten wirkten sie auf mich, als ob sie mich und meine Schwester beschützen und unser gemeinsames Leid von uns nehmen wollten.

Wir waren ganz still gewesen, rührten uns nicht und starrten in den Himmel hinauf. Alles schien in dieser klirrenden Nacht zum Stillstand gekommen zu sein, einzig Aurora Bollearis schien die Fähigkeit gehabt zu haben, sich zu bewegen.

Ich weiß nicht mehr, wie lange wir dort gestanden hatten. Irgendwann waren die Polarlichter so plötzlich erloschen, wie sie gekommen waren, und wir gingen schweigend in die Hütte zurück, wo wir den ruhigen Atemzügen unseres Vaters lauschten. Ich habe bis heute niemandem von diesem Erlebnis erzählt und bin mir sicher, dass auch Turia dieses Ereignis immer noch wie einen Schatz hütet. Erst einige Jahre danach habe ich sie gefragt, woher sie wusste, dass die Polarlichter kommen würden. Denn es war eindeutig so, als ob sie die Polarlichter herbeigerufen hatte. Daraufhin hatte sie mit den schmalen Schultern gezuckt und meinte nur, dass sie es einfach gewusst habe.

Dieses Ereignis hatte eine Sehnsucht in mir geweckt, die ich bis heute nicht in Worte fassen kann. Vielleicht ist es die Sehnsucht nach dem Tod oder der Hunger nach Leben. Möglicherweise beides zusammen. Denn ich weiß, dass Tod und Leben nahe Verwandte sind, und nie einer ohne den anderen die Welt beschreitet.

 

 

Erfahrungsgemäß wird es nicht lange dauern, bis ich mich der Unwirtlichkeit meines neuen Umfeldes angepasst habe. Schützende Wände mit beheizten Räumen kann ich natürlich nicht mehr erwarten, aber das ist mir egal. Zwangsläufig werde ich damit beschäftigt sein, meine Grundbedürfnisse zu stillen. Es gibt keinen Platz mehr für andere Dinge, außer für ein wärmendes Feuer und die Suche nach etwas Essbarem.

Obwohl ich mich noch auf einer baumfreien Hochebene befinde, schlägt mir der würzige Duft von Bäumen entgegen, der ankündigt, dass ich mich in einer völlig anderen Welt befinde, als die, die ich bisher bewohnt habe.

Der Duft des Waldes ist so viel anders als der Geruch von Seetang und Möwenscheiße, den der raue Seewind vor sich herzutreiben pflegt. Ich frage mich, ob ich das Meer irgendwann vermissen werde. Wie hatte Turia einmal gesagt? Sie meinte zu mir, dass ich so unberechenbar wie der Ozean sei. Genauso tiefgründig, rätselhaft und furchteinflößend. Ich habe gelacht, denn Letzteres konnte ich mir nicht vorstellen. Ich war und bin ein Feigling. Mehr nicht. Auch wenn meine Schwester nie müde wird, mir zu versichern, dass dem nicht so ist. Für sie selbst, wie sie mir damals sagte, bin ich das Beste, was ihr in ihrem Leben passieren konnte, und trotzdem ist sie davon überzeugt, dass es Leute gibt, die sich vor mir fürchten. Auf meine Frage, wer das denn sein solle, hatte ich keine Antwort erhalten.

Ich bleibe unschlüssig stehen. Unter meinen Füßen ist nichts als Gestein, aber wenn ich gen Osten blicke, sehe ich einen endlosen Wald, während hinter mir das karge Gebirge mit seinen zahllosen Seen und Bächen liegt. Ich überlege, ob ich in Richtung Wald weitergehen soll. Die Stelle erscheint mir angemessen, weil der Abstieg bis an den Rand des Waldes weniger schwierig ist und ich nicht genau weiß, was mich erwarten wird, wenn ich noch weiter südwärts laufe. Das Gelände steigt dort unmittelbar an, und ich befürchte, die Chance auf einen guten Abstieg zu verpassen, wenn ich weiter bergauf gehe.

Ein mir unbekanntes Geräusch reißt mich aus meiner Überlegung, und ich bleibe starr stehen. Ein Windstoß lässt mich frösteln, und ich merke, wie sich die feinen Härchen auf meinen Armen aufstellen. Für eine Sekunde komme ich mir beobachtet vor, und dann sehe ich, was mich erschreckt hat. Ein paar Rentiere, die gemächlich ihren Weg ins westlich gelegene Gebirge mit den vergletscherten Gipfeln fortsetzen, laufen an mir vorüber. Ihre Leiber dampfen in der kalten Luft. Sie blicken mich aus unruhigen Augen an, strecken die Hälse und beschleunigen ihr Tempo. Das Stampfen ihrer Hufe verhallt in der Stille, als sie hinter der Anhöhe verschwinden, auf der ich stehe.

Ich atme erleichtert aus und setze meinen Weg in die Richtung fort, aus der die Rentiere gekommen sind. Für einen Moment habe ich tatsächlich gedacht, dass ich nicht alleine bin. Ich will keinen Menschen um mich haben. Zumindest nicht in diesem Augenblick. In den letzten Tagen habe ich bemerkt, dass ich mich damit abfinden kann, nicht zu wissen, wer ich wirklich bin, beziehungsweise, dass eine Hälfte meiner Identität ein Geheimnis bleiben wird. Ich habe keine Ahnung, wie oft ich in den letzten drei Jahren vor einem Spiegel stand und das Gefühl hatte, dass mich ein Fremder anstarrte. Dabei hatte ich zugeben müssen, dass ich eindeutig das Kind meines Vaters bin, bis auf die weizenblonden Haare und die ausgeprägten Wangenknochen. Wie ich mein Gesicht hasse. Erst gestern habe ich meinen Anblick wieder ertragen müssen, als ich mich am Ufer eines Sees über das Wasser beugte, um mir die Hände darin zu waschen. Erst als ich einen Stein ins Wasser geworfen habe, hat sich mein Spiegelbild in Wellen aufgelöst, und mein Selbsthass war zum Stillstand gekommen. Zumindest für diesen Augenblick.

Ich habe mittlerweile den Wald erreicht. Der Boden unter mir ist weich und federt jeden meiner Schritte ab, sodass das Gehen eine Leichtigkeit ist. Um mich herum wächst ein Teppich Blaubeerbüsche, der den Untergrund wie einen dicken Pelz vor der Witterung schützt. Die Stille gleicht einem Vakuum und lässt den Wald noch bizarrer wirken, als er mir ohnehin schon vorkommt. Die zotteligen Äste und Zweige der Fichten reichen bis zum Boden und lassen kaum zu, dass die Sonnenstrahlen das Erdreich berühren.

Ich fürchte mich nicht davor, dass mir etwas oder jemand hinter den Bäumen auflauern könnte. Für mich verkörpert der Wald Schutz und Geborgenheit, weil ich weiß, wie ich mich in dieser befremdlichen Welt zu verhalten habe.

Mir ist bewusst, dass ich auf mich alleine gestellt bin und in dieser Gegend keine Gesellschaft bekomme. Ich lächle bei dem Gedanken daran und bin froh darüber, dass der Wald es über Jahrhunderte hinweg geschafft hat, die seltsamsten Gestalten aus der Phantasie des Menschen hervorzulocken. Die damit verbundenen Geschichten haben ihren Zweck erfüllt, indem sie Ängste manifestieren und die Menschheit von der Wildnis fernhält. Zumindest ist es hier im Norden so.

Irgendwo weit draußen, kilometerweit von mir entfernt, leben die Menschen in ihrer Bequemlichkeit und ertrinken in Langeweile und Lethargie. Für sie gibt es nichts, außer Neid und Habsucht. Sie dezimieren sich selbst, und ich bin fest davon überzeugt, dass der Mensch eigentlich ein Einzelgänger ist. Weshalb sonst kommt es zwischen ihnen ständig zu todbringenden Konflikten?

Ich habe mich von alldem ausgeklinkt und sehe mich nicht mehr als ein Teil dieser krankhaften Entwicklung. Das brauche ich, um mir ins Gedächtnis zu rufen, dass ich den Tod nicht fürchte. Denn das tue ich nicht. Ich würde ihn nur fürchten, wenn ich durch die Hand eines anderen Menschen sterben müsste. Dann wäre ich nicht nur meines Lebens beraubt, sondern auch meiner Würde.

Wenig später streicht Gras an meinen Beinen vorüber. Ich habe eine Wiese betreten. Vor mir sehe ich einen langgezogenen See, dessen Ufer bewachsener ist, als die jener Seen, die sich oberhalb der Baumgrenze befinden. Langsam drehe ich mich um und suche die Wiese nach einem geeigneten Lagerplatz ab. Eine Felsnase ragt aus dem Wald in die Wiese hinein. Ich beschließe, dort mein Lager einzurichten. Es scheint mir der richtige Ort zu sein, um mich länger aufzuhalten.

Die Vögel zwitschern nicht mehr, und der Stand der Sonne verrät, dass es schon später Abend ist.

In den ersten Tagen nach meinem Aufbruch vom Parkplatz in Abisko hatte ich nach jedem vergangenen Tag gespürt, wie die Anstrengung in meinen Gliedern pulsierte. Jetzt verspüre ich zwar Müdigkeit, wenn die Tage zu lang werden, aber meine Muskeln haben sich an die permanente Bewegung gewöhnt.

Ich entfache ein Lagerfeuer, bevor ich mich in mein Einmannzelt verkrieche. Die Flammen lodern in den milchigen Himmel und wecken eine merkwürdige Trauer in mir. Ich versuche mich nicht davon vereinnahmen zu lassen und lenke mich von meinen düsteren Gedanken ab, indem ich mir eine Zigarette drehe und mich auf meine Müdigkeit konzentriere. Das Knistern der Flammen beginnt, mich zu beruhigen. Als das Feuer heruntergebrannt ist und nur noch Glut in der Asche liegt, krieche ich in mein Zelt und werde augenblicklich von einem tiefen Schlaf übermannt.

Ein Geräusch reißt mich aus einem gehaltlosen Traum. Etwas, was ich nicht zuordnen kann und ganz und gar nicht an diesen Ort gehört.

»Pst, pst«, höre ich eindringlich. Direkt neben meinem Ohr erklingt dieser menschliche Zischlaut. Ich schrecke hoch, sehe aber niemanden. Der Stoff der Zeltwand verrät, dass keine Wolke die Sonne verdeckt. Ich muss blinzeln, weil mich das grelle Licht blendet und noch bevor ich richtig sehen kann, höre ich, wie eine mir vertraute Stimme ertönt. Unter tausenden von Stimmen würde ich sie erkennen.

»Komm mit. Du musst mitkommen«, zischt Turia.

Überrascht und erschrocken pelle ich mich aus dem Schlafsack. Wie kann ihre Stimme so dicht neben mir erklingen, wenn ich sie nicht sehe? Mal abgesehen davon ist es schlichtweg unmöglich, dass sie in meiner Nähe ist.

Ich krieche eilig aus dem Zelt und blicke unentschlossen zum Ufer. Irgendetwas ist seltsam, ohne dass ich sagen kann, was es ist. Ich lasse meinen Blick umherschweifen, schaue in den Wald und auf die Blaubeerbüsche, und glaube weit hinten, dort wo sich die Bäume in Schwärze verlieren, eine Bewegung auszumachen. Doch dann fällt mir ein, dass ich mich mit aller Wahrscheinlichkeit in einem Traum befinde und nichts zu befürchten habe. Trotzdem kann ich das unheimliche Gefühl nicht verscheuchen, als ich bemerke, dass die Bewegung im Wald eine menschliche Gestalt annimmt, die zwar dunkel und verzerrt, aber dennoch erkennbar ist. Äste knacken in meiner unmittelbaren Nähe. Ich wende mich erschrocken dem Geräusch zu. Es scheint direkt aus meinem Zelt zu kommen. Ich blicke noch einmal zur Waldgrenze, sehe aber niemanden mehr. Dann atme ich tief durch, nehme all meinen Mut zusammen und hebe vorsichtig die Zeltplane an. Meine Arme wirken dabei wie ausgelöscht. Es kommt mir vor, als ob ich keine Kontrolle mehr über meine Bewegungsabläufe habe und von etwas Fremden gesteuert werde. Es besteht keine andere Möglichkeit, als mich meinen automatisierten Bewegungen anzupassen, während ich Turia entdecke, wie sie in der Mitte des Zeltes kauert. Ihr leichenblasses Gesicht hebt sich von der Schwärze ihrer Klamotten ab. Ihre Lippen schimmern bläulich und formen Worte, die ich nicht verstehe, während Tränen über ihre Wangen laufen und die Schminke schwarze Rinnsale bildet. Ihr Oberkörper wippt vor und zurück. Eine Eigenart, die sie als Kind schon an den Tag gelegt hatte, und für die es einen Namen gibt, von dem ich erst vor einigen Monaten gehört habe. Hospitalismus. Eine Krankheit, bei der ich mich nicht wundere, dass sie meine kleine Halbschwester heimsucht.

Ich bemerke, dass ihre feingliedrigen Finger kleine Äste zerbrechen, die in einem Kreis auf dem Boden liegen. Sie bricht sie in winzige Stücke und zerbröselt den Rest.

»Du bist nicht allein«, flüstert sie mit gesenkter Stimme.

Sie hebt den Blick, lässt aber den Kopf dabei gesenkt, wie ein Wolf, der sein Gegenüber misstrauisch beäugt.

Ich bin gewillt, Turia zu berühren. Der Traum erscheint mir zu wirklichkeitsnah, als dass ich ihn einfach ignorieren kann. Aber dann überlege ich es mir anders und lasse die Hand sinken. Stattdessen hocke ich mich hin, sodass wir auf Augenhöhe sind.

»Träume ich?«, frage ich.

»Vielleicht.« Turia senkt ihren Blick und versteckt ihr Gesicht zwischen den Knien.

Ihre Schultern beginnen zu beben und signalisieren mir, dass sie von lautlosen Schluchzern gequält wird. Sie weint still, wie immer darum bemüht, nicht aufzufallen.

Bei dem Anblick wird mir flau im Magen. Ich habe sie im Stich gelassen.

»Bitte weine nicht«, flüstere ich verzweifelt und spüre Tränen der Verzweiflung in mir aufsteigen.

Ich versuche tapfer zu sein, schlucke den Kloß in meinem Hals hinunter und beiße die Zähne zusammen, bis der Anflug von Traurigkeit vorüber ist. Vorsichtig robbe ich zu Turia ins Zelt und möchte ihr über die dunklen Haare streichen. Meine Hand ist nur wenige Zentimeter von ihr entfernt, als sie plötzlich aufschreit, mich mit einer grauenhaft verzerrten Fratze anstarrt und anschließend in sich zusammensinkt, sodass nur noch ihre Kleidung auf dem Zeltboden liegt.

Ich schrecke hoch und befinde mich in meinem Schlafsack. In Hüfthöhe liegen meine Klamotten zusammengeknüllt, und um sie herum sind abgebrochene Äste und Zweige verstreut.

Verstört stolpere ich aus dem Zelt und laufe zum See hinunter, wo ich ein paar Züge im eiskalten Wasser schwimme. Die Kälte raubt mir fast den Atem, und ich hoffe, dass ich dadurch meine Gedanken ordnen kann. Doch die Unruhe lässt sich nicht abwaschen. Ein dünner Film von Unheil hat sich über die Idylle gelegt. Mir kommt es vor, als ob sich etwas Bedrohliches nähert und Turia mir im Traum erschienen ist, um mich davor zu warnen. Du bist nicht alleine. Was ist das für eine Ahnung, die sie da quält?

Ich weiß noch, wie Turia einmal zu mir gesagt hatte, dass sie in Gedanken immer bei mir wäre, selbst wenn ich meilenweit von ihr entfernt bin. Ich habe das als Resultat ihrer ausgeprägten Phantasie angesehen. Vielleicht hätte ich sie ernst nehmen sollen. Denn der Traum war eindeutig eine Botschaft gewesen.

Das vertraute Knistern des Feuers umspielt mein Gehör, und ich bin im Begriff, zu glauben, dass ich träume. Doch dann kämpft sich meine Erinnerung durch Schwindel und Kopfschmerzen. Ich weiß, dass ich von Anfang an keine Chance gehabt hatte. Ich hätte mich auf Turias Intuition verlassen sollen. Wenn ich darauf gehört hätte, dann wäre ich nicht in die Wildnis gelaufen, dann hätte ich gewusst, dass die größte Gefahr dort lauert, wo man sie am wenigsten vermutet.

Er musste mich die ganze Zeit beobachtet haben, und ich war unfähig, es zu bemerken. Mir fällt die Gestalt ein, die in meinem Traum im Wald stand, und ich frage mich, ob das nicht tatsächlich geschehen ist. So wie auch die Äste und Zweige, die Turia in demselben Traum zerbrochen hat.

Ich liege auf meinen Armen und merke, dass sie taub sind. Eingeschlafen, von meinem eigenen Körpergewicht erdrückt. Meine Position ist halb liegend, und meine Sicht ist verschwommen, weshalb ich die Gestalt und das Feuer vor mir nur schemenhaft erkennen kann. Meine Augen brennen, Tränen laufen mir über die Wangen und ein bitterer, pelziger Geschmack liegt auf meiner Zunge. Ich habe das Bedürfnis, mich zu übergeben, doch ich kann mich nicht auf die Seite drehen, um meinen Magen zu entleeren. Ich versuche mich zu beherrschen und konzentriere mich auf die unnatürliche Müdigkeit, die mich an einen von Alkohol verursachten Kater erinnert. So verweile ich eine Zeit lang, mit der Gewissheit, meine Gliedmaßen nicht bewegen zu können und mich in Gesellschaft dieser bedrohlichen Gestalt zu befinden, deren Gesicht ich nicht erkennen kann. Ich schließe die Augen und verfalle in eine Art Dämmerzustand.

Ich weiß nicht, wie lange ich mich in diesem Zustand befand, denn als ich erwache, ist mein erster Gedanke, dass, wenn eine Situation unerträglich ist, eine Minute eine Ewigkeit währen kann. Ich weiß sofort, dass ich mich in einer fatalen Situation befinde und jemandem, aus unerfindlichen Gründen, ausgeliefert bin.

Bei dem kläglichen Versuch, mich aufzusetzen, stelle ich fest, dass der Platz am Lagerfeuer leer ist. Ich spüre eine Gänsehaut, als ich irgendwo hinter mir Schritte vernehme und gleich darauf ein hochgewachsener Mann mit einem Dreitagebart in mein Blickfeld tritt. Sein schwarzes Haar ist sorgfältig zurückgekämmt, und sein Gesichtsausdruck verrät, dass er sich ganz und gar nicht aus purer Lust in der Wildnis aufhält. Wasserblaue Augen unter dichten Augenbrauen sehen kaltblütig auf mich hinab. Das ist kein Verrückter oder ein degeneriertes Inzestmonster, wie sie in billigen B-Movies von der Filmindustrie in die Wildnis drapiert werden. Trotzdem geht von dem Mann etwas derartig Bedrohliches aus, dass ich den Atem anhalte. Ich starre zu ihm hinauf und merke, wie sich meine Nackenhaare sträuben. Ich will etwas sagen, doch meine Situation lässt nicht zu, großartig Fragen zu stellen. Ausserdem weiß ich ganz genau, wann es am besten ist, die Schnauze zu halten. Meine unbequeme Haltung ist eindeutig der Fesselkunst meines Gegenübers zu verdanken. Er hat mich von Kopf bis Fuß in ein Seil geschnürt, und ich kann, wenn überhaupt, mich nur noch kriechend wie ein Wurm fortbewegen. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, verrät mir diese Tatsache auch noch, dass dieser Mann mich nicht nur wegen Geld oder sonstigen Wertgegenständen überfallen hat.

Doch es ist mir ein Rätsel, was er von mir will. Ich senke den Blick und höre, wie der Fremde neben mir in die Knie geht. Sein heißer Atem stinkt, als ob ihn eine eitrige Halsentzündung plagt. Das bemerke ich, weil sein Gesicht ganz dicht neben dem meinen ist.

»Hattest du jemals Lust, zu sterben?«, haucht der Mann mir ins Ohr und sieht mir anschließend prüfend ins Gesicht.

Ich weiß, warum er das tut. Er sucht einen Funken Angst in meinen Augen. Der Funken, der sich langsam aber sicher zu einem gigantischen Ungetüm aufbäumen wird. Wenn ich ihn diesen Funken sehen lasse, dann wird dieser Mann sadistische Freude empfinden. Er wird die immer größer werdende Panik in mir nutzen, meine Gedanken wie Puzzleteile zusammenzufügen. Dann wird es für ihn ein Leichtes sein, in mein Innerstes zu sehen und mich noch mehr zu quälen.

Unzählige Male musste ich meinen Funken versteckt halten und meinen Blick in Kälte verwandeln. Ich bin geübt darin, meine Angst zu verbergen, denn sie ist der Thrill, der meinem Feind den Höhepunkt beschert. Menschen sind grausam. Sie spielen, ebenso wie Katzen, mit ihren Opfern, bevor sie ihnen das Genick brechen. Tief in mir hat sich ein Beben eingestellt. Es ist äußerlich nicht zu sehen, aber ich spüre, wie mein Puls beschleunigt und meine Nerven erzittern. Fieberhaft überlege ich, ob ich dem Mann eine Antwort geben soll, entscheide mich dann aber dagegen, aus Angst, dass meine Stimme verräterisch zittert, sobald ich den Mund aufmache.

Der Mann steht auf und holt etwas Schwarzes aus seiner Jackentasche. Ich erkenne meine Brieftasche.

»In deinem Pass steht, dass du erst zwanzig Jahre alt bist. Da stellt sich mir die Frage, wieso du dich hierher zurückziehst. So ein junger Kerl wie du sollte Miezen flachlegen und sich mit Kumpels volllaufen lassen, oder?«

Der sarkastische Unterton bleibt mir nicht verborgen. Ich beschließe, auch dieses Mal nicht zu antworten und merke einen Sekundenbruchteil später, dass das ein Fehler ist. Der Mann dreht sich ruckartig um und stürmt auf mich zu. Der Lauf einer schwarzen Pistole ist auf meinen Kopf gerichtet. Ich schließe die Augen und bin wie gelähmt. Ich habe immer gedacht, dass ich im Angesicht des Todes um mich schlagen würde und, bei Gott, ich hätte es wahrscheinlich auch getan, wenn ich nicht so eingeschnürt wäre. Und trotzdem merke ich eine eigenartige Ruhe in mir aufkommen. Wie aus weiter Ferne nehme ich die kalte Mündung des Revolvers wahr, wie sie über meine Stirn bis zu meinem Mund hinunterstreicht und die Konturen meiner Lippen nachzeichnet.

»Schade, dass so ein hübscher Kerl wie du so früh sterben muss. Aber das macht nichts. Mich bereicherst du dadurch«, flüstert der Mann mir ins Ohr.

Sein eitriger Atem hinterlässt einen widerwärtigen Film auf meiner Wange und vermittelt mir schonungslos, dass ich den letzten Augenblick meines Lebens mit einem Menschen verbringen muss, den ich nie freiwillig an meinen intimsten Momenten teilhaben lassen würde. Das ist die alte Angst in mir, durch einen anderen Menschen zu sterben, und nun verhindern nur meine geschlossenen Augen, dass mir die letzte Würde genommen wird. Wenn er mir schon den Körper nimmt, dann wenigstens nicht meine Seele.

Das Metall des Revolvers wandert meine Wange hinauf und ruht nun auf meiner Schläfe. Es klickt. Der Spann ist gezogen. Ich halte den Atem an und warte auf die Dunkelheit des Todes. Doch nichts davon tritt ein. Ich höre es wieder klicken und dann löst sich die Mündung von meinem Kopf. Die Klamotten des Mannes rascheln, als er sich erhebt. Ich öffne die Augen, blinzele und sehe auf die Beine meines Widersachers, der boshaft zu lachen anfängt.