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Hinter der Idylle lauert das Verbrechen …

Lowland Way im Süden Londons: ein Vorortparadies. Gepflegte Häuser. Freundliche Menschen. Spielende Kinder auf der Straße. Bis im Haus Nr. 1 neue Nachbarn einziehen.

Sie halten sich nicht an Regeln, ihre Musik ist zu laut, sie parken falsch – und überhaupt!

Dann erschüttert ein schreckliches Verbrechen das Viertel. Und für die Anwohner ist die Sache sonnenklar: Die haben es getan. Die haben ein Leben auf dem Gewissen. Es gibt nur ein Problem. Die Polizei glaubt ihnen nicht …

Zur Autorin

LOUISE CANDLISH ist preisgekrönte Sunday-Times-Bestsellerautorin, ihre Bücher werden von großen Zeitungen wie der »Washington Post« oder dem »Guardian« gefeiert. Sie studierte Englisch am University College in London, wo sie heute mit ihrem Mann und ihrer Tochter lebt. Louise Candlish arbeitete als Redakteurin und Texterin, bevor sie sich ganz dem Schreiben widmete. »Liebe deine Nachbarn wie dich selbst« erscheint bei btb erstmals auf Deutsch.

LOUISE CANDLISH

LIEBE DEINE
NACHBARN
WIE DICH SELBST

Thriller

Aus dem Englischen
von Beate Brammertz

Die englische Originalausgabe erschien 2019 unter dem Titel »Those People« bei Simon & Schuster, London.


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Deutsche Erstveröffentlichung Oktober 2021

Copyright © 2019 by Louise Candlish

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe 2021

by btb Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München

Covergestaltung: semper smile, München

Covermotiv: © Arcangel Images/Roy Bishop; © Shutterstock/Ensuper

Autorenfoto: © Jonathan Ring

Satz: Uhl + Massopust, Aalen

mb · Herstellung: sc

ISBN 978-3-641-25722-4
V001

www.btb-verlag.de

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Für meine Lektorinnen Jo und Danielle, in Dankbarkeit.

1
RALPH

Ja, wir sind uns bewusst, dass jemand ums Leben gekommen ist, natürlich. Was für ein grässlicher Tod, absolut entsetzlich. Meine Frau war eine der Ersten vor Ort. Sie ist jetzt drüben in Nummer zwei, bei Sissy Watkins – Naomi Morgan, wahrscheinlich haben Sie schon mit ihr gesprochen?

Ich persönlich war nicht da, nein, ich habe drüben im Club, auf der anderen Seite der Hauptstraße, Tennis gespielt. Wahrscheinlich habe ich das Haus so gegen acht verlassen.

Ja, alles an der Ecke hat normal ausgesehen, als ich los bin. Die übliche Müllhalde. Überall Berge von Schrott, Autos, die wie ein verrücktes 3-D-Puzzle ineinander verkeilt sind. Ein Katastrophengebiet. Hören Sie, ich will Ihnen ja nicht vorschreiben, wie Sie Ihren Job zu erledigen haben, aber Sie würden sich jede Menge Lauferei ersparen, wenn Sie den Rest von uns vergessen und losziehen und ihn fragen, wie das passiert ist.

Darren Booth natürlich, wer sonst? Der Mann, der für diese Tragödie verantwortlich ist! Und wenn Sie schon dabei sind, sollten Sie vielleicht bei der Stadtverwaltung rausfinden, wo die gesteckt haben, als all das passiert ist, ja? Wenn Sie mich fragen, haben die ihre Arbeit in den letzten paar Monaten sträflich vernachlässigt. Diese Haushaltskürzungen sind viel zu weit gegangen, und jetzt braucht es nichts weiter als einen Typen wie ihn, und wir leben plötzlich mitten im Wilden Westen.

Mein Verhältnis zu ihm? Gegenseitige Feindschaft, würde ich sagen. Ich habe den Kerl sofort durchschaut. Interessiert ihn nicht die Bohne, was andere denken. Ungehobelt, definitiv. Ich erinnere mich an unser erstes Gespräch – wenn man es überhaupt als solches bezeichnen kann – an dem Wochenende, als er eingezogen ist. Er ist fast mit einem Hammer auf mich losgegangen …

Mr Ralph Morgan, Lowland Way 7, Anwohnerbefragung durch die Metropolitan Police, 11. August 2018

Acht Wochen zuvor

Der erste Hinweis, dass an jenem Freitagabend etwas nicht ganz stimmte, war der Umstand, dass die Parklücke vor seinem Haus von einem schmutzigen weißen Toyota belegt war, eine derart klapprige Karre, dass sie sich eigentlich nur noch als Schrotthaufen bezeichnen ließ. Gewiss nicht das Auto der Wahl von irgendjemandem, den er im Lowland Way kannte.

Wenn man vom Parkende aus in die Straße einbog, wie Ralph es für gewöhnlich auf der Heimfahrt von seiner Lagerhalle in Bermondsey tat, nahm die Größe – und Preisklasse – der Häuser, an denen man vorbeifuhr, stetig zu, von hübschen Arbeiterhäuschen über schmale, dreistöckige Reihenhäuser zu den großen, frei stehenden, viktorianischen Villen am Ende der Portsmouth ­Avenue. Letztere waren unbestreitbar die Schmuckstücke der Straße, mit ihren alten Backsteinfassaden, die sich glutrot gegen das Grün der Ulmenallee abzeichneten.

Ralph und seine Familie bewohnten seit über fünfzehn Jahren die Hausnummer sieben, während vor zwölf Jahren sein Bruder Finn mit seiner Familie genau nebenan in die Nummer fünf eingezogen war. Besser ging’s nicht, waren sich die Brüder einig, und zum halben Preis, den man ansonsten in einigen Teilen Londons bezahlte.

Der einzige Nachteil war die Parksituation. Die Vorgärten waren zu schmal für eigene Stellplätze, und die Parkbuchten auf der Straße waren von der Stadtverwaltung nicht als Anwohnerparkplätze ausgeschildert, was im Grunde bedeutete: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Daher der gelegentliche Eindringling.

Während er langsam an dem Toyota vorbeikroch, bemerkte er, wie seine Windschutzscheibe trüb wurde. Es dauerte ein oder zwei Sekunden, bis er erkannte, dass die Mauer von Haus Nummer eins von einem Barbaren niedergerissen wurde, und eine Staubwolke in die Straße waberte. Ganz in der Nähe nahm ein weißer Lieferwagen zwei Parkbuchten in Beschlag, was das heutige Parkplatzproblem erklärte.

»Was zum Teufel …?« Ralph hielt an, ließ sein Fenster herunter und rief dem Bauarbeiter zu: »Entschuldigung, was ist hier los?«

Der Kerl hörte ihn nicht. Unter dem grauen Overall war seine Statur überraschend schmächtig angesichts des Drecktornados, den er einhändig erzeugte.

Ralph erhob die Stimme: »Hey! Könnten Sie bitte aufhören?«

Diesmal hielt der Bauarbeiter inne, verharrte einen Augenblick mit dem Rücken zur Straße und zu Ralphs Wagen, so reglos, dass es auf Ralph ein bisschen unheimlich wirkte. Dann drehte er sich um und kam näher, den Fäustel in der Hand. Sein Gesicht war schmutzverkrustet, in seiner Miene spiegelte sich gleichgültiger Trotz.

»Darf ich fragen, wer Ihnen den Auftrag erteilt hat, diese Mauer einzureißen?«, fragte Ralph.

»Sie dürfen fragen, was Sie wollen.« Er hatte einen normalen Südlondoner Akzent, nicht osteuropäisch, wie Ralph natürlich erwartet hatte, und der sanfte Tonfall ließ Ralphs eigenen herrisch und aufdringlich klingen.

»War das die Stadtverwaltung? Denn die haben nicht das Recht, sie einzureißen. Diese Mauer gehört zu einhundert Prozent zum Grundstück von Haus Nummer eins, ich habe die Unterlagen mit eigenen Augen gesehen.«

Auf einem geräumigen Grundstück neben Finns Haus waren die Doppelhaushälften von Nummer eins und drei die einzigen Nachkriegsbauten der Straße und, weit genug zurückgesetzt, um Platz für eine kurze, gemeinsame Auffahrt zu bieten, die einzigen mit privaten Stellplätzen. Die hohe Mauer an der Ecke, der einzige Überrest des ursprünglichen viktorianischen, im Blitzkrieg dem Erdboden gleichgemachten Herrenhauses, war in den letzten Jahren von der Stadt, die die Linksabbiegespur der Portsmouth Avenue erweitern und den Lowland Way im Grunde zu einem Schleichweg ausbauen wollte, durch Abriss bedroht worden. Unterstützt von der Besitzerin von Nummer eins, der alten Jean, hatten die Morgans die Kampagne gegen das Vorhaben angeführt – und gewonnen.

Seit Jeans Tod im vergangenen Dezember hatte das Haus leer gestanden, und die Mauer war in Vergessenheit geraten. Ralph hatte sich schließlich in Sicherheit gewähnt.

Da durchzuckte ihn ein neuer Gedanke. »Außer … Augenblick mal, gibt es einen neuen Besitzer? Hat der Ihnen den Auftrag erteilt?«

»Es gibt einen neuen Besitzer, ja.« Die Art, wie der Kerl seinen Hammer umklammerte, strahlte boshafte Arroganz aus. Ralphs geöffnetes Fenster war nur einen Schwung entfernt. Es wäre ein Kinderspiel für ihn, Ralphs Schädel zu zermalmen!

Ralphs Finger schwebten über der Fensterverriegelung. Er verspürte eine primitive Abneigung gegen diesen Menschen, als würde er einem Mitglied eines rivalisierenden Stammes begegnen, das sich ohne Erlaubnis in seine Siedlung vorgewagt hatte. Er riss den Blick zurück zum Gesicht des Mannes und versuchte, ihn einzuschätzen. Wie alt er wohl war? Mitte fünfzig? Er hatte einen großen kahlen Fleck, rot von der Sonne oder Anstrengung, und tiefe Falten, von Dreck verklebt: auf jeden Fall älter als Ralph.

Ralph hustete, Staub hatte sich in seiner Kehle festgekrallt. »Kann ich seine Telefonnummer bekommen? Ich erkläre ihm die Situation.«

»Ein andermal«, sagte der Bauarbeiter. »Ich bin hier gerade etwas beschäftigt.« Und damit drehte er sich mit erhobenem Hammer zur Mauer zurück und schlug mit solch ungezügelter Gewalt zu, dass Ralph in seinem Sitz zusammenzuckte.

Sich die Sätze seines Antiaggressionstrainings ins Gedächtnis rufend – Mehr aus- als einatmen … Sag dir immer wieder vor: Du nimmst eine Bedrohung wahr, die möglicherweise überhaupt nicht existiert – schloss er das Fenster, wendete und fuhr den Lowland Way bis zum ersten freien Parkplatz zurück, den ganzen Weg bis Haus Nummer neunzehn. Normalerweise war er ein geschickter Einparker, doch an diesem Abend brauchte er mehrere Anläufe, bevor er schließlich den Motor ausschaltete.

Als er einen Blick auf sein Handy warf, bemerkte er zu spät einen verpassten Anruf von Naomi, gefolgt von der SMS:

Neuer Nachbar in Nr. 1, wirkt komisch!
Komm direkt nach Hause, wir müssen reden.

Oh, Mist!

Während Ralph die Haustür aufsperrte, mühte er sich ab, das Entsetzen über den Abriss der Mauer mit dem nervösen Frohlocken über den wiederaufgenommenen Kampf unter einen Hut zu bekommen.

»Hast du gesehen, was da draußen los ist, Nay?«

»Natürlich.« Naomi war in der Küche, auf der Rückseite des Hauses. Als Mitbegründerin einer Website für Mütter mit Vorschulkindern – »Betreiberin, nicht Redakteurin«, korrigierte sie Ralph gern – hatte sie ihren Geschäftssitz in einem strammen Zwanzig-Minuten-Powerwalk entfernt liegenden Arbeits- und Wohnraum ihrer Kollegin und hatte normalerweise bereits unter­wegs zu Abend gegessen, wenn er nach Hause kam (Ralph rühmte sich damit, an den Wochenenden das Kochen zu übernehmen). Schlank in ihrer grauen Freizeitkleidung und selbst in schwarzen Ballerinas groß, sah sie wie eine Ehefrau und Mutter aus der Werbung aus, während sie vor der Marmorplatte der Kücheninsel stand und glitzernde grüne Blätter in eine Schüssel warf; wie immer häufte sie die Cherrytomaten ganz oben auf den Berg, in der Hoffnung, die Salathasser der Familie zu überlisten.

Bei seinem Näherkommen drehte sie sich um, das Salatbesteck in die Luft gereckt. Eine dunkle Haarsträhne – lang und glatt, regelmäßig peinlichst genau nach Grau abgesucht – fiel ihr ins Auge, und mit elegant abgewinkeltem Handgelenk schob Naomi sie sich aus dem Gesicht. »Ich bin genauso entsetzt wie du, Liebling, glaub mir. Aber es ist zu spät, um die Mauer zu retten, also hat es keinen Zweck, sich heute Abend mit dem neuen Besitzer anzulegen. Ich hatte mir gedacht, wir gehen rüber und stellen uns morgen früh vor, wenn sich der Staub gelegt hat – wortwörtlich gemeint. Kitzeln seine Pläne aus ihm heraus und halten ihn davon ab, noch etwas Verrücktes zu tun.«

Als wäre es die Stimme seines Herrchens, beruhigte sich Ralph sogleich. In Naomis wohlgeformten Vokalen lag ein sich über die Jahre angeeignetes Selbstvertrauen, die Zuversicht, dass sie deine Erwartungen nicht nur erfüllen, sondern dich völlig umhauen würden. »Warum glaubst du, dass der Kerl der neue Besitzer ist? Ich dachte, er wäre nur ein Bauarbeiter.«

»Ich habe auf der Website des Grundbuchamts nachgesehen, und dort ist jemand namens Darren Booth eingetragen. Dann habe ich ihn gegoogelt und ein Foto gefunden. Es ist definitiv der Kerl, der die Mauer einreißt.« Als Naomi den Salat fertig angerichtet hatte, öffnete sie den Kühlschrank und reichte Ralph ein Bier. Freitag war einer der vier Abende, an denen sie Alkohol trinken durften, mit dem langfristigen Ziel, es auf zwei zu beschränken. Obwohl die Küchentür zum Garten weit aufgerissen war, summten genügend Haushaltsgeräte, um jegliche Baustellengeräusche drei Türen weiter auszublenden.

Ralph trank seinen ersten Schluck. Okay, er hatte also einen Fehler begangen, das war nicht die Art, wie er die Situation mit einem neuen Nachbarn angehen sollte. Kein Grund, Naomi mit den Einzelheiten zu langweilen. »Sie steht nicht unter Denkmalschutz, es gibt also nichts, was ihn daran hindert, sie durch eine andere zu ersetzen, wenn ihm der Stil nicht gefällt«, räumte er ein.

Das wussten sie nur zu gut. Als Gemeinschaft bildeten sich die Anwohner viel auf ihre Straße ein und hatten es sogar zu einer gewissen Berühmtheit mit dem Play Out Sunday gebracht, ihrer Initiative, die Straße sonntags autofrei zu halten, damit die Kinder wie in früheren Zeiten draußen spielen konnten (Naomis Idee, für die sie vom Bürgermeister mit einer Auszeichnung geehrt worden war). Was die Ästhetik betraf, hatte jedoch jeder Haushalt freie Hand, eigene Entscheidungen zu treffen – dank der lästigen Toleranz der Stadtverwaltung, was Baugenehmigungen betraf.

»Wissen wir irgendetwas über ihn?«, fragte er. »Woher er kommt?«

Naomi begann, Teller zu verteilen und das Besteck korrekt anzuordnen. »Er ist weder bei Facebook noch Twitter, also weiß ich nichts Persönliches, aber in Forest Hill wurde er für Autoreparaturen empfohlen – daher habe ich auch sein Bild. Sissy versucht, noch mehr rauszufinden. Sie hat nie von ihm gehört, aber er muss ein Verwandter von Jean sein, immerhin hat er das Haus geerbt.«

»Ich denke, du hast recht«, sagte Ralph. Das Haus hatte auf dem Markt nicht zum Verkauf gestanden, und als die Nachbarn in Nummer drei, Ant und Em Kendall, den Anwalt angerufen und nachgefragt hatten, war ihnen erklärt worden, die gerichtliche Testamentseröffnung nähme ihren gewohnten Gang. Mit anderen Worten: Es gehe sie nichts an. »Selbst in dem Zustand, in dem es sich befindet, muss es siebenhunderttausend wert sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand wie er das Geld hat, es zu kaufen.«

Jemand wie er: Und das aus dem Mund eines Selfmademan wie Ralph, der in einer Sozialwohnung in Kent aufgewachsen war, aber vielleicht war gerade das der Grund, der ihm das Recht zu einer solchen Verallgemeinerung gab. Er kannte aus erster Hand die begrenzten Möglichkeiten, im Leben erfolgreich zu sein.

In seinem Fall war es pures Talent gewesen, das ihn zu seiner Position als alleiniger Eigentümer eines Großhandels für kleine Lederprodukte gebracht hatte. Manager von zwanzig Mitarbeitern. Besitzer eines Warenlagers am Flussufer, heutzutage zehnmal mehr wert als das, was er dafür bezahlt hatte, und das allein dank der Gentrifizierung von Bermondsey in den Nullerjahren, die den Aufstieg von Lowland Gardens geradezu erbärmlich aussehen ließ.

Er machte kurzen Prozess mit dem Bier. »Für die Kendalls sind das schlechte Neuigkeiten. Der Staub ist schrecklich.«

»Sie sind im Urlaub und werden hoffentlich das Schlimmste gar nicht mitbekommen.« Naomi zog Topfhandschuhe an, trug einen großen Le-Creuset-Bräter vom Ofen zum Tisch und rief nach den Kindern, die oben in ihren Zimmern waren und sich zweifellos nachschulische Dosen ihres digitalen Lieblingsgifts setzten. Ralph stellte sie sich mit ihren vorgebeugten Köpfen vor, die Augen halb geschlossen, wie die Junkies in Trainspotting. (Ganz offensichtlich gab es keinen Play Out Friday.)

»Wo stecken die Hunde?«, fragte er.

»Tess geht für mich mit ihnen Gassi. Ich darf nicht vergessen, mich irgendwann zu revanchieren.« Naomi verzog das Gesicht. »Wann auch immer.«

Die Kinder erschienen, anfangs noch lethargisch, ­versuchten aber schon bald, sich mit ihren Neuigkeiten zu überbrüllen; Libby war zwölf, Charlie sieben, doch der Altersunterschied half nicht, ihre Rivalität abzufedern. Das Thema Darren Booth wurde fallen gelassen. Naomi war strikt dagegen, vor den Kindern über andere Leute herzuziehen; das wäre das falsche Signal. Unterschätze nie den Anschein, den du von dir gibst, hatte ihre Mutter ihr eingetrichtert.

Scheiß drauf, was andere von dir halten, hatte Ralphs Vater ihm beigebracht.

Jawohl, und außerdem: Verteidige dein Revier.

Wie gewöhnlich war der Instinkt seiner Frau unfehlbar, erkannte Ralph mit Genugtuung. Da sie es für taktisch klüger hielt, den Neuankömmling in der Gruppe zu begrüßen, hatte sie Sissy und Finn und Tess für ein kleines Willkommenskomitee zusammengetrommelt.

Finn erschien, während Naomi außer Haus war, um die Kinder zu ihren samstagvormittäglichen Aktivitäten zu fahren, und betrat die Küche durch die maßgefertigte Glastür im Industrial Look, die ein halbes Vermögen gekostet hatte (»Anlagenrendite, Babe«, hatte Naomi vorgebracht und Hauspreise angeführt; sie wusste genau, wie sie ihn um den kleinen Finger wickeln konnte). Die Häuser der Brüder hatten auf der Rückseite dank der abgebauten Zäune, als die Kinder klein gewesen waren, freien Zugang zum Grundstück des anderen – was, nur für den Fall, dass jemand Parallelen zog, etwas völlig anderes als die Zerstörungswut des neuen Nachbarn war. Sie hatten im gemeinsamen Garten Rasen verlegt, um Raum zu schaffen, der groß genug für eine Partie Fußball oder Badminton war, und jetzt wuchsen ihre Kinder mit dem Äquivalent eines kleinen Parks als Garten auf, acht Meilen vom Zentrum Londons entfernt. Wer würde sich nichts darauf einbilden?

»Ich bin da, um euch Rückendeckung zu geben«, sagte Finn und nahm sich ungefragt eine Tasse Kaffee mit seinen starken, rie­sigen Händen, die Ralph an den Aushilfsjob seines Bruders im Sommer mit Anfang zwanzig auf einer Baustelle denken ließen. Zwei Jahre jünger als Ralph und höchstwahrscheinlich attraktiver (dickere Haare, blauere Augen, was auch immer), war Finn gleichzeitig weder so reich, was alle für das Wichtigste hielten, noch so groß wie er, was tatsächlich das Wichtigste war.

»Sehr schön«, sagte Ralph. »Ich habe ein ungutes Gefühl, was diesen Booth angeht.«

»Heißt der Kerl etwa so?«

»Laut Nay. Sie wird gleich hier sein. Wo ist Tess?«

»Bringt die Kinder zum Schwimmen. Sie meinte, wir sollen ohne sie gehen.«

Egal. Tess war zwar nicht zu verachten, aber sie besaß nicht das Talent ihrer Schwägerin für erste Eindrücke, ein Umstand, der veranschaulicht wurde, als Naomi kurze Zeit später hereinsegelte, dynamisch in ihrem gerippten blutroten Oberteil und dem Vintage-Jeansrock, ihre Beine immer noch gebräunt von ihrem Oster­urlaub in Dubai. Die Haare trug sie offen, genau wie Ralph es mochte.

»Hi, Finn, bereit für die Charmeoffensive? Sissy sagt, sie stößt drüben zu uns.« Sie schnappte sich die Dose Biscotti, die sie dem Neuankömmling schenken wollte. »Ich schätze, er wird uns auf einen Kaffee hereinbitten?«

Darauf würde ich nicht wetten, dachte Ralph. Dieser Kerl würde das Gebäck nicht einmal erkennen, wenn es Biscotti regnen würde.

Da das kinderfreie Zeitfenster begrenzt war, brachen die drei sofort auf. Seitdem die Kendalls Haus Nummer drei mit einem frischen Anstrich und Jalousien mit Palmenaufdruck verschönert hatten, war Nummer eins ein trostloses Gegenstück zu seinem Zwilling geworden, und der Kontrast zeigte sich an diesem Morgen deutlicher als je zuvor. Die Mauer war dem Erdboden gleichgemacht oder besser gesagt in einen Berg aus Ziegeln und Schutt auf dem Rasen verwandelt worden, was das Haus noch verlassener aussehen ließ als in der Zeit, als es unbewohnt gewesen war. Der weiße Lieferwagen war in die Einfahrt umgeparkt worden, parallel zu einem zehn Jahre alten Ford Focus, der halb im Gras stand, Stoßstange an Stoßstange mit einem Honda, dessen Hinterteil aus dem Grundstück ragte und den Bürgersteig blockierte. Der Honda war mit einem professionell aussehenden, hydraulischen Wagenheber aufgebockt, und unter dem Fahrgestell lag Booth, sein Gesicht gerade noch sichtbar.

»Hallo noch mal«, sagte Ralph. »Ich glaube, wir haben uns gestern auf dem falschen Fuß erwischt.« Vielleicht lag es an seiner Wortwahl, vielleicht waren es die zertrümmerten Überreste der Mauer am Rand seines Blickfelds, aber auf einmal überkam ihn der hooliganmäßige Drang, einen Schritt vorzugehen und dem Mann mit voller Wucht auf den Kopf zu treten.

Sei kein Vollidiot. Mehr aus- als einatmen.

»Wäre es möglich, dass Sie für eine Minute von dort unten rauskommen?«, rief Naomi in ihrer unbeschwerten Heiterkeit, und Booth schob sich prompt unter dem Wagen hervor und sprang mit verstörender Behändigkeit auf die Beine.

Diesmal, ohne Staub und Dreck, waren seine Gesichtszüge deutlicher zu erkennen – eine wulstige Stirn und eine flache Boxer­nase; ein entspannter, fast sanfter Mund, der überhaupt nicht zur anmaßenden Unverschämtheit seines blassen Blicks passte.

War es Unverschämtheit oder war das Ralphs eigene Projektion? Er war nicht so egozentrisch, es nicht für möglich zu halten, dass die Instinkte des anderen sich von seinen unterscheiden könnten. Der andere könnte ihn vielleicht mögen.

»Wir wollten Sie in der Straße willkommen heißen«, sagte Naomi mit warmer Stimme. »Ich bin Naomi Morgan, und das ist mein Mann Ralph und sein Bruder Finn.«

Booth spähte von Ralph zu Finn, dann blieb sein Blick an Ralph hängen. »Was ist das, die Rückkehr der Kray-Zwillinge?«

Naomi lächelte tapfer. »Sie sind keine Zwillinge, nein, aber direkte Nachbarn. Wir wohnen in Nummer fünf und sieben.«

Booth verdrehte die Augen, als wäre das schwer nachvollziehbar. »Sie sind Brüder und wohnen direkt nebeneinander?«

»Ja«, sagte Naomi. »Wir haben Glück, es ist ein wunderbares Arrangement. Sie haben sich wahrscheinlich schon gefragt, wer neben Ihnen wohnt?« Sie zeigte auf Nummer drei, und Booth warf einen Blick über die Schulter, als bemerkte er erst jetzt, dass an sein neues Haus ein weiteres anschloss. »Ant und Em Kendall, ein zauberhaftes Paar mit einem hinreißenden kleinen Jungen. Sie sind im Moment im Urlaub, kommen aber, glaube ich, nächstes Wochenende zurück.«

Die Armen, dachte Ralph. »Ich habe Ihren Namen gestern gar nicht mitbekommen«, sagte er. Natürlich kannte er ihn, aber er wollte dem Kerl nicht unter die Nase reiben, dass sie ihn wie der Geheimdienst ausspioniert hatten.

»Darren.«

»Nun, unter uns, Darren«, sagte Naomi mit verschwörerischer Stimme. »Wir fanden es sehr schade, dass die Mauer niedergerissen wurde, denn wir haben vor drei Jahren eine Kampagne für ihre Rettung geführt, als die Stadt die Straße verbreitern wollte. Damals war es ganz offensichtlich Landnahme, völlig ungesetzlich.«

»Sie müssen darauf achten, sie genau an derselben Stelle wieder aufzubauen, andernfalls geht das Ganze von vorne los«, riet ihm Finn.

»Er hat recht«, pflichtete Ralph ihm bei. »Das ist auch der Grund, weshalb ich gestern so schockiert war. Es tut mir leid, wenn ich ein wenig schroff gewirkt habe.« Ihm war bewusst, dass die Entschuldigung nicht echt klang – sie war es nicht –, aber der Anblick von Sissy, die über die Straße auf sie zukam, bewirkte bei ihm einen Anflug von guter Laune: »Ah, Sissy, das ist unser neuer Nachbar, Darren!«

»Guten Morgen, alle miteinander«, sagte Sissy in ihrer freundlichen, unaufdringlichen Art. Sie hielt einen Strauß Krokusse, den sie mit einer grünen Schleife zusammengebunden hatte. »Es freut mich sehr, Sie kennenzulernen, Darren. Wie ich sehe, waren Sie schon schwer beschäftigt …«

Einen historischen Teil unserer Straße zu zerstören, beendete Ralph im Stillen ihren Satz. Für ihn, für sie alle, war Sissy der Maßstab für Anstand der alten Schule. Kräftig gebaut und mit direktem Blick hielt sie sich die von silbernen Strähnen durchzogenen Haare stets gekonnt aus dem Gesicht, als wolle sie die volle Wucht ihrer Integrität zur Schau stellen. Heute trug sie einen perfekt gebügelten Rock mit Bluse, was wahrscheinlich bedeutete, dass sie Gäste in ihrem B&B hatte, wie es häufig am Wochenende vorkam. Das Frühstück musste schon serviert worden sein. Lowland Way war breit, breit wie eine Allee, aber Ralph beneidete sie nicht um ihre direkte Sicht auf die Müllhalde, die Booth in weniger als vierundzwanzig Stunden erschaffen hatte.

»Sind Sie mit Jean verwandt?«, fragte sie Darren.

»Sie war die Halbschwester meiner Mum. Wir standen uns nicht nah.« Obwohl es Sissy war, die die Frage gestellt hatte, bemerkte Ralph, dass Darren ihn bei seiner Antwort beäugte.

»Sie war eine zauberhafte alte Dame«, sagte Sissy. »Mein Beileid. Sind Sie neu in der Gegend? Wo haben Sie davor gewohnt?«

Wiederum richtete er seine Antwort an Ralph. »Loughborough-Siedlung.«

Also ein echter Aufstieg: die Loughborough-Siedlung lag ein paar Meilen nördlich und war bekannt für die dortige Kriminalität und Armut.

»Sind nur Sie hier oder haben Sie Familie?«, fragte Naomi.

»Nur ich und meine bessere Hälfte.«

»Ist sie da? Wahrscheinlich schwer mit Auspacken beschäftigt. Ich würde ihr gern die hier geben.« Sissy hob die Blumen. »Sie sind aus meinem Garten.«

»Ich glaub’, sie ist noch im Bett«, sagte Darren.

Ralph musste nicht hinsehen, um zu wissen, dass beide, Sissy und Naomi, bei diesen Worten ein Stirnrunzeln unterdrückten. Es war halb elf; die Familien in dieser Straße waren seit sieben Uhr wach.

»In diesem Haus steckt so viel Potenzial, nicht wahr?«, sagte Naomi. »Die Häuser aus den Siebzigerjahren sind im Moment schrecklich angesagt. Haben Sie sich schon einen Architekten geholt?«

»Einen Architekten?«, schnaubte Darren verächtlich, als hätte sie ihm geraten, sich wegen eines Burggrabens mit der Staatlichen Schlösserverwaltung in Verbindung zu setzen. »Ich mache alles selbst.«

Alles?

»Das klingt ambitioniert.« Naomi legte den Kopf schief. »Haben Sie sich schon eine Genehmigung für den Ausbau geholt? Ich kann mich nicht erinnern, einen behördlichen Anschlag gesehen zu haben.«

Ralph feixte. Niemand konnte Naomi das Wasser reichen, was diese beiläufigen Hinweise betraf, dass es Regeln gab (selbst bei dieser Stadtverwaltung) und sie alle gut miteinander auskommen würden, wenn Darren nicht vergaß, sich daran zu halten.

Darren zuckte mit den Achseln. »Muss mir das Haus erst mal in Ruhe ansehen. Fürs Erste ein neues Bad, und das Dach muss repariert werden.«

Für nichts davon musste man eine Genehmigung einholen, das wusste Ralph.

»Womit verdienen Sie Ihre Brötchen?«, fragte Finn.

Darren zeigte auf das Werkzeug zu seinen Füßen. »Mechaniker, wie man sieht.« Als wäre es die dümmste Frage, die man sich nur vorstellen konnte.

Ralph erinnerte sich an das, was Naomi über die Werkstattempfehlung gesagt hatte, und sein Blick glitt an den drei Wagen in der Einfahrt vorbei zu einem Peugeot, der mit offener Kühlerhaube auf der Straße geparkt war: Wenn der ebenfalls Booth gehörte, waren es fünf, einschließlich des Lieferwagens. Und vielleicht auch der schmutzige Toyota. Der Lieferwagen war höchstwahrscheinlich ein Werkzeuglager, und es juckte Ralph in den Fingern, die Hecktüren zu öffnen und sich das Innere anzusehen. »Wo befindet sich Ihre Werkstatt?«, fragte er und dann, als keine Antwort folgte: »Sie haben doch nicht vor, von hier aus zu arbeiten, oder?«

Darren sah mit demselben spöttischen Gesichtsausdruck wie zuvor von einem Bruder zum anderen. »Was ist das, die Spanische Inquisition?« Aber Ralph roch ein Ablenkungsmanöver zehn Meilen gegen den Wind. Man brauchte eine Genehmigung, um ein Wohnhaus gewerblich zu nutzen, und ihn beschlich der leise Verdacht, dass der Kerl keine besaß.

Er begegnete Darrens Blick. »Also sind diese Wagen alle für Ihren persönlichen Gebrauch, ja? Alle angemeldet und versichert?«

»Ralph«, sagte Naomi beschwichtigend, »wir wollen doch keine voreiligen …«

»Halten Sie sich gefälligst aus meinen Scheißangelegenheiten raus!«, fauchte Darren Ralph unwirsch an und unterbrach Naomi mitten im Satz, was ein kollektives Einatmen zur Folge hatte.

»Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das der Ton ist, in dem Sie mit Ihren neuen Nachbarn reden wollen«, setzte Ralph an und spürte die Finger seiner Frau auf seinem Arm, die ihn nach hinten schoben. Fast wie zum Ausgleich trat Finn einen Schritt vor, um zu seinem Bruder aufzuschließen.

»Nun, ich bin mir sicher, Sie werden es hier lieben«, sagte Naomi zu Darren, als hätte das Gespräch keine unangenehme Wendung genommen. »Es wäre uns ein Vergnügen, wenn Sie und Ihre Frau einmal auf einen Drink vorbeikämen, nicht wahr, Jungs?«

»Ja«, sagte Ralph, auch wenn seines Wissens noch kein Mann mit Booths unangenehmem Wesen die Türschwelle von Haus Nummer sieben überschritten hatte, allerhöchstens vielleicht, um den Zähler abzulesen.

Nachdem Naomi und Sissy nun die Biscotti und Blumen überreicht hatten, drehten sie sich zum Gehen um. Finn, der Darren mit einem unbeeindruckten letzten Blick bedachte, folgte ihnen. Nur Ralph blieb zurück, und zwischen ihm und Darren fand ein stiller Dialog statt.

Hiermit bist du gewarnt, sagten Ralphs Augen.

Und Darren antwortete: Ich weiß, für wen du dich hältst, aber ich weiß, dass du keinen Deut besser bist als ich.

Einen Schauder unterdrückend, wich Ralph zurück. Ein Teil der zertrümmerten Mauer war über die gemeinsame Einfahrt zu Ants und Ems Seite hinübergerollt, und er ließ sich Zeit, die Steine mit der Schuhspitze zurückzuschieben, bevor er sich zu Finn und Naomi auf den Gehsteig gesellte. Sissy war bereits durch ihr eigenes Gartentor von Haus Nummer zwei geschlüpft, vorbei an Reihen großer Blumentöpfe mit Lorbeersträuchern, wie aufgereihtes Personal, das sie begrüßte.

»Mir gehen zwei Worte durch den Kopf«, sagte Naomi zu den Brüdern, während sie zurückspazierten.

»Was?«, fragte Ralph. »Blödes Arschloch?«

Laut genug, dass Booth es hören könnte.

»Nein«, sagte Naomi. »Unvoreingenommen sein. Und denkt nicht mal dran, in die Nähe der Autos zu gehen. Ich weiß, was ihr zwei damals angestellt habt.«

Die Brüder hatten als Kinder reichlich Autos mit Schlüsseln zerkratzt und Luft aus Reifen gelassen, zensierte Highlights seiner Vergangenheit, die Ralph seiner Frau anvertraut hatte. Nur allzu gern witzelte sie über ihre kriminelle Laufbahn als Jugendliche, aber er machte sich keine Illusionen darüber, dass sie angewidert gewesen wäre, hätte sie ihn damals gekannt. Wenn sie ihn überhaupt eines Blickes gewürdigt hätte, wäre dieser voll Mitgefühl gewesen, vielleicht bei ihrer Freiwilligenarbeit, für die sie den Duke-of-Edinburgh-Award oder was auch immer verliehen bekommen hatte. Glücklicherweise waren sie sich in ihren Zwanzigern über den Weg gelaufen, zu einem Zeitpunkt, als Ralph ein geläuterter Mann gewesen, bereits zweimal bei einem Großhandelsimporteur in Battersea befördert worden war und sich bezüglich der Kosten für ein eigenes Start-up-Unternehmen erkundigt hatte. Er hatte sich eine Wohnung mit einem jüngeren Arbeitskollegen und Kneipenhocker in Clapham geteilt, und Naomi war unter den zahlreichen Hochschulabsolventinnen gewesen, die Ende der Neunziger von den Bars in der Gegend wie Fliegen vom Licht angezogen wurden.

Damals hätten sie sich um jemanden wie Darren Booth nicht geschert. Sie hätten sich nicht für alte Mauern oder Autos interessiert, die in den Vorgärten ihrer Nachbarn repariert wurden.

Nun ja, heute schon.