Cover

Über dieses Buch:

»Aus schamanischer Sicht haben alle Menschen, die jetzt inkarniert sind, als geistige Wesen die Entscheidung getroffen, an dem großen Transformationsprozess mitzuwirken. Nicht, indem wir mit dem Finger auf andere zeigen, sondern indem wir uns selbst betrachten – unsere Handlungen, unsere Worte, unsere inneren Überzeugungen.« Sonia Emilia Rainbow

Der Ruf der Geister ist eine wahre Schatzkiste für Schaman*innen und alle, die verborgenes Wissen und praktische Handlungsanweisungen für ihr Leben finden wollen. Anhand ihres eigenen schamanischen Einweihungsweges zeigt Sonia Emilia Rainbow, wie wir die Kräfte aus dem Reich der Natur nutzen und unsere innersten Energien bündeln können, um an der Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen Mensch, Natur und Kosmos mitzuwirken und unser Bewusstsein neu und zum Wohle aller ausrichten. Mit vielen einzigartigen Ritualen und Techniken, u. a. auch die jahrtausendealte Heilkunst mit dem Ei.

»Dieses Buch ist ein Quell des alten Wissens und Inspiration für die Gestaltung des neuen Zeitalters, dessen Schwelle wir bereits überschritten haben.« Dr. med. Christian Kieberl

Über die Autorin:

Sonia Emilia Rainbow ist schamanische Naturheiltherapeutin und Speakerin. Seit 1980 ist sie auf dem schamanischen Medizinpfad und seit 1997 international als schamanische Lehrerin und Heilerin tätig. Viele Schamaninnen und Schamanen aus unterschiedlichen Traditionen begleiteten ihr Leben und ihre persönliche Entwicklung: Die Lakota-Ojibways Medizinfrauen Henrietta BeaverWoman und TwoStarWoman, Maestra Olivia Arevalo und Maria Arevalo vom Stamme der Shibipo-Conibo im Amazonastiefland, Maria el Uevo aus Yucatan, Mexiko, sowie Juan Perez, Don Eduardo Calderon und besonders auch die Lakota-Sioux-Ältesten Singing Bird und Crow Wolf prägten ihre Berufung als schamanische Heilerin. Die Autorin ist glückliche dreifache Mutter und fünffache Großmutter und lebt in Österreich.

Weitere Informationen:

www.schamanismus.net

Sonia Emilia
Rainbow

Der Ruf

der

Geister

Eine schamanische Einweihung

Die in diesem Buch vorgestellten Informationen und Empfehlungen sind nach bestem Wissen und Gewissen geprüft. Dennoch übernehmen die Autorin und der Verlag keinerlei Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die sich direkt oder indirekt aus dem Gebrauch der hier beschriebenen Anwendungen ergeben. Bitte nehmen Sie im Zweifelsfall bzw. bei ernsthaften Beschwerden immer professionelle Diagnose und Therapie durch ärztliche oder naturheilkundliche Hilfe in Anspruch.

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Komplett überarbeitete und erweiterte Neuausgabe 2021

Copyright © 2021 by Ansata Verlag, München,

in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,
Neumarkter Straße 28, 81673 München

Alle Rechte sind vorbehalten. Printed in Germany.

Die Originalausgabe dieses Buchs erschien 2006 unter gleichnamigem Titel im Ibera Verlag, European University Press, Wien.

Redaktion: Sabine Zürn

Umschlaggestaltung: Guter Punkt GmbH, München

unter Verwendung eines Motivs von: Ruysen Flores,
Künstler aus dem Amazonas. Instagram: @ruvexen

Text (siehe hier) aus Oriah Mountain Dreamer, »Die Einladung«:
Copyright © 2000 by Wilhelm Goldmann Verlag, München,
einem Unternehmen der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH
Übersetzerin: Ulla Rahn-Huber

Satz und E-Book Produktion: Satzwerk Huber, Germering

ISBN 978-3-641-27740-6
V001

www.Integral-Lotos-Ansata.de

www.facebook.com/Integral.Lotos.Ansata

Für meinen Sohn
Joel Enoch Melchizedek

Inhalt

Vorwort

1. Schamanismus und westliche Kultur

Was ist Schamanismus?

Die vielen Parallelwelten im schamanischen Weltbild

Die drei Parallelwelten des menschlichen Bewusstseins

Das schamanische Verständnis von Heilung

2. Mein Weg zur Schamanin: Erste Begegnungen mit Don Juan

3. Wie ich lernte, alte Wunden zu heilen

Die hohe Kunst der Eiheilung

Die Kraft der Steinspirale

4. Naturgeister: Die Welt der Pflanzen, Tiere und kleinen Wesen

Praxistipp: Räucherrituale mit Pflanzen und Baumharz

5. Die Medizin der Wassergeister

6. Der heilige Kreis: das Medizinrad

Praxistipp: Aufbau eines Medizinrads

Tiefe Erfahrungen einer langen Visionsnacht

7. Der Ruf zur Heilerin

8. Verbindung mit dem Reich der Toten

Tor zu den Geisterwelten in der Parapsychologie

Gabys Botschaft: Organtransplantationen

Sterben im schamanischen Kontext

Geburt in eine andere Dimension

9. Im Dschungel

10. Verbindung mit dem Ahnenreich

Praxistipp: Ritual zur Kontaktaufnahme mit Verstorbenen

11. Verbündete im Pflanzenreich

12. Schamanische Diät

13. Mein Hüter der Schwelle

14. Die Angst besiegen

15. Begegnung mit dem persönlichen Krafttier

Praxistipp: Der Weg zum Tiergeist

Illusion oder Wirklichkeit?

Nachwort

Der Blick des Mediziners

Danksagung

»Shamanic Medicine« – der Online-Kurs mit Sonia Emilia Rainbow

Abbildungsverzeichnis

Vorwort

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

mehr als vierzig Jahre ist es nun her, dass ich meinen schamanischen Weg in Begleitung von Don Juan Moreno begonnen habe. Damals war Schamanismus noch etwas, worüber in unserer christlich geprägten Kultur hinter vorgehaltener Hand geflüstert wurde. Menschen, die sich damit beschäftigten, galten als unheimlich, ja sogar teuflisch. Als alleinerziehende Mutter auf dem Land lebend, weiß ich, was es bedeutet, wegen der kompromisslosen Hingabe an den Medizinweg eine Außenseiterin zu sein. Da durften die Nachbarskinder nicht mit meinen Kindern spielen, und meine damals kleine Tochter wurde vom Religionsunterricht ausgeschlossen.

Obwohl sich seither vieles verändert hat, findet die Hexenverfolgung noch immer statt. Erst kürzlich wollte ich in der Nähe meines Dorfes für ein Wochenende mit einer Gruppe ein katholisches Bildungshaus buchen. Das Institut selbst rühmt sich, gegenüber anderen religiösen Glaubensrichtungen offen zu sein. Dennoch bekam ich eine klare Absage mit der Begründung, meine Arbeit sei mit ihren Statuten nicht vereinbar.

Vor vier Jahrzehnten erhielt die Öffentlichkeit über einige Medienberichte einen kleinen Einblick in die Welt des Schamanismus. Dazu gehörte ein Interview mit den beiden Schamanen Don Juan und Don Eduardo Calderon. Gemeinsam saßen wir in einer Wohnung in Bad Gastein, wo sie mit dem Journalisten über ihre Visionen sprachen. Die beiden waren nicht gerade beste Freunde aus Gründen, die mir verschlossen blieben. Doch sie achteten und respektierten einander.

Beide hatte Träume, die ihnen den Weg nach Europa gewiesen hatten. Don Eduardo meinte, dass die neuen Hüterinnen der Erde aus dem europäischen Alpenraum kommen würden. Beide waren überzeugt davon, dass auch Weiße zu Schamanen werden könnten und dass es bei diesem Weg nicht um eine von Geburtsrecht vererbte Gabe gehe, sondern um die freie Entscheidung einer Person, sich selbst zu erforschen.

Sehr aufmerksam wurde ich immer, wenn das Gespräch auf die vor uns liegende Zukunft kam. Die beiden Schamanen diskutierten alte Prophezeiungen ihrer Stämme und waren der Ansicht, dass in den nächsten Jahrzehnten extreme Veränderungen auf die Menschheit und den Planeten Erde zukommen würden. Sie vertraten die Ansicht, dass es in den Parallelwelten – das sind die unsichtbaren Realitäten, die neben unserer Alltagswelt existieren – Bewusstseinsströme gebe, die zukünftige globale Ereignisse initiieren. Dies sei notwendig, um den Transformationsprozess der menschlichen Spezies in Gang zu setzen. Ihre Aufgabe sahen beide darin, Schülerinnen und Schüler auf das, was kommen wird, vorzubereiten.

Don Eduardos schamanische Arbeit wurde damals von der westlichen Wissenschaft am intensivsten untersucht. Er stand im Mittelpunkt einer aufwendigen Dokumentationsreihe, die der Wiener Filmemacher Lhotsky in den Achtzigerjahren produzierte. Soweit ich mich erinnern kann, musste der ORF die Dokumentation wegen Beschwerden der katholischen Kirche nach wenigen Folgen absetzen – heute findet man sie auf YouTube. Don Eduardo erhielt dadurch auch im deutschsprachigen Raum viele Einladungen, seine berühmten Heilzeremonien abzuhalten. Zu dieser Zeit interessierten sich vor allem Wissenschaftler und Ärzte für schamanische Techniken und Weisheiten.

Heute ist der Schamanismus modern und gesellschaftsfähig geworden und wird mit Sicherheit in der westlichen Welt genauso populär werden wie Yoga. Aus dem spirituell-geistig sehr disziplinierten, strengen Weg des Yogas wurde ein zumeist oberflächlicher Körperkult, der nur noch wenig mit den ursprünglichen traditionellen Lehren aus Indien zu tun hat. Im Feld des Schamanismus findet dasselbe statt. Jedes Jahr strömen Tausende neue »Schamaninnen« und »Schamanen« auf den Markt. Dabei wird recht großzügig mit dem Begriff und den Angeboten umgegangen. Die meisten haben lediglich ein paar Kurse besucht. Einige wenige von ihnen sind nach Südamerika geflogen, um an einem Retreat oder einer privaten Veranstaltung teilzunehmen, und kommen nach einem Monat als initiierte Schamanen zurück. Versprechen wie »Schamane in zwei Jahren« sind weitverbreitete und sehr erfolgreiche Werbestrategien. Denn heute will man so schnell wie möglich am Ziel sein, und ein »Diplom« ist doch was zum Herzeigen und Beweisen.

Eine tiefe, langjährige und fundierte Ausbildung möchte heute fast niemand mehr machen. In all den Jahrzehnten habe ich Tausende Menschen begleitet, doch nur die wenigsten waren bereit, sich wirklich in aller Tiefe und mit ihrem ganzen Sein auf den Medizinweg einzulassen und die notwendige Geduld dafür aufzubringen. Das ist der Zeitgeist und lässt sich kaum ändern. Wahrscheinlich braucht es heute andere und neue Wege der Vermittlung. Denn bis heute haben die wunderbaren Weisheiten und Methoden des traditionellen schamanischen Feldes nichts von ihrer Wirksamkeit und Gültigkeit verloren. Ganz im Gegenteil, sie schenken uns Orientierung, einen Rahmen, Halt und Vertrauen. Und dies brauchen wir heute mehr als dringend, denn moderne Techniken, Internet und Handy haben die Welt verändert.

Täglich werden wir mit Millionen von Informationen bombardiert, was unseren Verstand in große Bedrängnis bringt, da er keine Zeit mehr findet, sich zu entspannen. Dazu kommt die Zerstörung der Natur, die der Mensch immens vorangetrieben hat. Die Fläche des Regenwaldes, die grüne Lunge der Erde, verkleinert sich täglich dramatisch. Jedes Jahr werden dreizehn Millionen Hektar Wald weltweit gerodet, das ist ungefähr eineinhalbmal die Größe von Österreich. Unser luxuriöser Lebensstil ist nur durch Ausbeutung möglich. Und der Mensch scheut sich auch nicht davor, andere Menschen auszubeuten. Weil wir alles so billig wie möglich kaufen wollen, wird die Produktion in Länder ausgelagert, in denen Kinder- und Sklavenarbeit an der Tagesordnung sind und Umweltauflagen fehlen.

Dazu kam die Corona-Pandemie. Sämtliche Sicherheiten zerplatzten wie Seifenblasen. Über viele Jahre aufgebaute Existenzen wurden vernichtet. Wir konnten und durften uns nicht mehr frei bewegen. Unbeschwertes Reisen war nicht mehr möglich. Kinder wurden in Kindergärten und Schulen trainiert, einen Abstand von eineinhalb Metern zu anderen einzuhalten, niemand zu berühren und die Hände x-mal am Tag zu desinfizieren. Wochenlang durften sie ihre Spielgefährten nicht sehen. Jugendliche durften all ihren Freiheitsbedürfnissen nicht nachkommen und verloren sich in Traurigkeit und Zweifeln.

Der Flugverkehr brach ein, ebenso ging der Reiseverkehr mit dem Auto zurück. Für die Natur, die Pflanzen und Tiere war die weltweite Krise eine Chance zur Regeneration. Wir Menschen wurden auf uns selbst zurückgeworfen. Man konnte sich vielleicht ein wenig mit Netflix und digitaler Kommunikation ablenken, doch diese Situation ließ es nicht mehr zu, nur in der oberflächlichen Genusswelt zu leben. Der Mensch wurde damit konfrontiert, sich selbst und seine Handlungen zu überprüfen und bewusster zu leben.

»Es wird die Zeit kommen, in der es wichtig ist, Geheimnisse ans Licht zu bringen, um sie mit der Welt zu teilen und die Menschen in ihren Wandlungsprozessen zu unterstützen«, sagten Don Juan und Don Eduardo an dem Abend vor vierzig Jahren. Bis dahin wurden schamanische Lehren fast ausschließlich von Herz zu Herz, von Ohr zu Ohr, von Auge zu Auge weitergegeben und nur an auserwählte Schülerinnen und Schüler, die die Geduld und Hartnäckigkeit für die entsprechenden Prüfungen aufbrachten. Nun sollen dieses Wissen und die Magie an Menschen weitergegeben werden, die nicht die Möglichkeit zum Reisen oder zum Zusammenleben mit indigenen Stämmen haben.

Heute blicke ich auf vierzig Jahre schamanisches Leben und vierundzwanzig Jahre Lehrtätigkeit zurück, in denen ich international als schamanische Lehrerin und Heilerin arbeitete. Dabei hielt ich mich so gut wie möglich an die Art und Weise, wie mir persönlich das schamanische Feld eröffnet worden war – nämlich Schritt für Schritt, auf festem Fundament aufbauend. In die tieferen Schichten und Geheimnisse nahm ich Schülerinnen mit, die bereit waren, sich auf mehrjährige intensive Wege der Selbstheilung einzulassen. Lange Zeit war ich vorsichtig und behutsam mit dem, was ich weitergab.

Nun, da Schamanismus immer mehr eine oberflächliche Angelegenheit wird und ich kurz vor meiner Pensionierung stehe, bekam ich von den geistigen Welten die Botschaft, all das, was ich erfahren habe, zu teilen. In aller Tiefe. Die erste Fassung dieses Buchs erschien im Jahr 2006. Damals standen die Begegnungen mit Juan und meine Lernjahre im Mittelpunkt. Inzwischen sind fünfzehn Jahre vergangen, und ich verfüge über einen umfangreichen Erfahrungsschatz. Da kam der Wunsch meines Verlages, den Inhalt für die Neuausgabe um hundert Seiten zu erweitern, genau zur rechten Zeit. Es ist mir ein Bedürfnis, über Themen zu schreiben, die noch nicht in den x-tausend Büchern über Schamanismus zu finden sind, zum Beispiel über die uralte Tradition der schamanischen Arbeit mit dem Ei und deren Deutung. Neu hinzugekommen sind außerdem die Themen Tod und Organtransplantationen.

Die Arbeit mit dem Ei kann gerade in dieser Zeit eine tägliche wertvolle Reinigung deines Energiefeldes sein. Sie wird dir ermöglichen, den Herausforderungen des Alltags mit Klarheit und Weisheit zu begegnen. Die Pandemie hat uns eine große Ungewissheit gebracht. Wir haben vergessen, dass wir nie wissen können, was der nächste Tag bringt. Wir können alles durchplanen und uns absichern, doch schon der nächste Tag kann uns vor schwere Herausforderungen stellen. Es könnte auch unser letzter Tag sein, denn wir können jederzeit von dieser Welt abberufen werden. Es ist eines der wichtigsten schamanischen Teachings, jeden Tag so zu leben, als ob es der letzte wäre. Aus diesem Grund habe ich das Thema Tod und Sterben in das Buch aufgenommen.

Viele alte Prophezeiungen berichten über eine Wendezeit. Sie haben vorausgesagt, dass der Mensch in seiner Gier nach Materie und Ego die Natur und seine Mitmenschen ausbeuten wird. Dann werden globale Ereignisse eintreten, die den Menschen zum Umdenken und zu einem anderen Handeln zwingen. Als ich das erste Mal davon hörte, dachte ich, es werde einen weiteren Weltkrieg geben. In den Achtzigerjahren, der Zeit der Atommächte, wurde in den Medien immer wieder darüber spekuliert. Nun denn, Kriege sind in der Tat einige geschehen, doch sie haben immer nur einen Teil betroffen, nämlich die Menschen, die gerade darin verwickelt waren. Doch die Corona-Pandemie betraf alle Menschen und zwang uns zum Innehalten und Nachdenken.

Vom schamanischen Verständnis her haben alle Menschen, die jetzt inkarniert sind, als geistige Wesen die Entscheidung getroffen, an dem großen Transformationsprozess mitzuwirken. Dies geschieht nicht auf einer Verstandes- oder übergeordneten Meta-Ebene, sondern wir stellen uns mit unserem Körper, unserer Seele, unseren Gedanken und Gefühlen zur Verfügung. Es geht darum, all die Werte und Konditionierungen, die sich die Menschheit in den letzten Jahrtausenden aufgebaut hat, zu überprüfen. Nicht, indem wir mit dem Finger auf andere zeigen, sondern indem wir uns selbst betrachten – unsere Handlungen, unsere Worte, unsere inneren Überzeugungen. Dabei sollte die Frage gestellt werden, welche der alten Traditionen und Glaubenssätze so gut und wertvoll sind, um sie weiter in die Zukunft für die nächsten sieben Generationen zu tragen, und was wir erlösen sollten. Und darin besteht deine Aufgabe. Das ist nichts, was sich in wenigen Wochen oder Monaten vollbringen lässt. Du wirst dein ganzes Leben damit beschäftigt sein. Vergiss dabei die Überzeugung, dass etwas mit dir falsch sein könnte, wenn es im Leben nicht glatt und ruhig verläuft. Nimm diesen Druck von dir.

Vor allem anderen sollten die meisten von uns eine gesunde Selbstliebe lernen. Gerade Frauen wissen oft nicht genau, was Selbstliebe eigentlich ist. Natürlich geht es nicht um Selbsterhöhung oder andere narzisstische Ausprägungen, die in der spirituellen Szene gerne zelebriert werden. Es sind die einfachen Übungen, die dich Selbstliebe lehren können. Kochst du für dich genauso liebevoll und gut wie für deine Familie? Sorgst du dich um dich selbst so, wie du dich um andere kümmerst? Kannst du für dich einstehen, ohne von der Angst vor Zurückweisung oder Liebesentzug erdrückt zu werden? Kannst du dir treu bleiben, indem du dich selbst nicht verrätst?

Wenn wir uns immer wieder in unglücklichen Beziehungen wiederfinden, wenn sich unsere Visionen und Träume nicht erfüllen, wenn wir krank werden, wenn, wenn, wenn … Das ist keine Bestrafung, sondern eine Chance. Es geht immer nur um das Wachstum der Seele, den inneren Frieden, ein guter Mensch zu sein, ohne sich ausnutzen und benutzen zu lassen, zu geben und zu schenken, ohne zu erwarten.

Die Schatten unserer Seele sind keine inneren Dämonen mehr, wenn wir diese erkennen und Wege finden, mit ihnen gemeinsam das Licht scheinen zu lassen. Jahrhundertealte Glaubenssätze lassen sich nicht einfach so durch einige Rituale erlösen. Eigentlich ist dein ganzes Leben dafür vorgesehen. Denn sich in den Dienst eines Reinigungsprozesses zu geben ist nicht nur für dich gedacht, sondern für die ganze Welt. Möglich, dass du die Früchte deiner Arbeit noch in diesem Leben ernten wirst. Möglich, dass dich deine Themen dein ganzes Leben lang begleiten werden, jedoch wirst du mit der Zeit zu einem anderen Umgang damit finden. Es wird leichter werden, die Dramatik entschärft sich. Was für dich wichtig ist: Jedes Mal, wenn du in dir destruktive und ungesunde Kräfte bereinigst und erlöst, hat dies Auswirkungen in der ganzen Welt. Denn alles, was du denkst und fühlst, bewegt sich schneller als das Licht und verbindet sich im Sinne des Resonanzgesetzes mit ähnlich schwingenden Feldern. Diese verdichten sich, je nachdem wie sie von den Menschen gefüttert werden, und es entstehen sogenannte Elementale. Das sind von Menschen erschaffene Wesenheiten, die ihren Unfug oder auch ihren Segen verströmen. »Be the Change« ist ein Slogan, der die letzten Jahre geprägt wurde. Wir müssen bei uns und in uns selbst forschen und uns zum Guten verändern. Hierfür kann das traditionelle schamanische Wissen ein gutes Werkzeug sein.

Das vor dir liegende Buch ist durchwoben von autobiografischen Erzählungen. Ich teile mit dir meine Lebensgeschichte und berichte von meinen Begegnungen mit Don Juan Moreno Perez, dem traditionellen kolumbianischen Schamanen. Ich bringe das uralte, verborgene Wissen indigener Schamaninnen und Schamanen, die Lehren und Weisheiten der Ältesten ans Licht, zum Wohle aller Menschen, die bereit sind, sich dem spirituellen Wachstum zu widmen und ihr Herz zu öffnen, um hinter die Dinge zu sehen. Und für alle, die an der Wiederherstellung des Gleichgewichts zwischen Mensch, Natur und Kosmos mitwirken und ihr Bewusstsein neu ausrichten wollen.

Manche Kapitel sind sehr ausführlich und mit vielen Informationen versehen. Auf diese Weise möchte ich meinen in vielen Jahren erworbenen Wissensschatz an die nächste Generation weitergeben. Meine Ausführungen sollen jungen Schamaninnen und Schamanen dabei helfen, ihren eigenen Weg als Heilerin oder Heiler zu gehen, gut gerüstet mit fundiertem Wissen und voller Hingabe.

Mögen meine Worte eure Herzen berühren und euch Mut machen für die Heilung eurer Seele von allem, was ihr in dieses Leben mitgebracht habt, und für das Erwecken eures Heiligen Traumes!

Euch, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich wertvolle Inspirationen durch dieses Buch. Fühlt euch aus der Feme ein Stück weit begleitet! Mögen einander alle Menschen, alle Lebewesen in Schönheit begegnen!

In Verbundenheit

Eure

Sonia Emilia Rainbow

PS: Gendersprache

In der deutschen Sprache werden Substantive hauptsächlich in der männlichen Form geschrieben. Es ergibt für Lesende ein anderes Bild, ob ich nun Schamane oder Schamanin schreibe. Automatisch denkst du an einen Mann oder eine Frau. Deshalb habe ich mir für dieses Buch die Freiheit genommen, vornehmlich in der weiblichen Form zu schreiben. Natürlich sind die Männer ebenfalls angesprochen, so wie die Frauen in der männlichen Allgemeinform mit gemeint sind. Dennoch tut sich ein anderes Leseabenteuer auf. Manchmal bleibe ich in der männlichen Form, manchmal achte ich darauf, beide Schreibweisen zu verwenden. Ich habe mir eine künstlerische Freiheit erlaubt, so wie es gerade passend für mich schien.

Dazu mein Sohn Joel, Musiker und Sozialarbeiter: »Ich finde, dein Buch in der weiblichen Form zu schreiben ist ein sehr guter Denkanstoß für uns Männer. Vor allem für diejenigen, die sich dadurch diskriminiert fühlen. Genau diesen Männern kann ich empfehlen, ihre Rolle und die Selbstverständlichkeit ihrer männlichen Vorherrschaft in der Gesellschaft zu hinterfragen. All die anderen, die sich nicht angegriffen fühlen, haben diesen Prozess schon durchlebt.«

Die Einladung

Es interessiert mich nicht, wie du dein Geld verdienst.
Ich will wissen, wonach du dich sehnst und ob du es wagst, davon zu träumen, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.

Es interessiert mich nicht, wie alt du bist. Ich will wissen,
ob du es riskierst, dich für die Liebe lächerlich zu machen, für deine Träume, für das Abenteuer, lebendig zu sein.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen. Ich will wissen, ob du den Kern deines eigenen Leids berührt hast, ob du durch die Enttäuschungen des Lebens geöffnet worden bist oder zusammengezogen und verschlossen aus Angst vor weiterem Schmerz.
Ich will wissen, ob du im Schmerz stehen kannst, in meinem oder deinem eigenen, ohne etwas zu tun, um ihn zu verstecken, ihn zu verkleinern oder in Ordnung zu bringen.
Ich will wissen, ob du mit Freude sein kannst, mit meiner oder deiner eigenen; ob du mit Wildheit tanzen und dich bis in die Spitzen deiner Finger und Zehen von Ekstase erfüllen lassen kannst, ohne dazu zu ermahnen, vorsichtig und realistisch zu sein, oder an die Beschränkungen des Menschseins zu erinnern.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte,
die du mir erzählst, wahr ist.
Ich will wissen, ob du einen anderen enttäuschen kannst,
um dir selbst treu zu bleiben; ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst.
Ich will wissen, ob du treu sein kannst und
darum vertrauenswürdig.
Ich will wissen, ob du die Schönheit sehen kannst,
auch wenn es nicht jeden Tag schön ist, und ob du dein
Leben aus der Gegenwart des Großen Geheimnisses
entspringen lassen kannst.
Ich will wissen, ob du mit Versagen leben kannst, mit deinem und meinem, und trotzdem am Ufer eines Sees stehen kannst, um zum silbernen Vollmond zu rufen: »JA!«

Es interessiert mich nicht, zu wissen, wo du lebst
und wie viel Geld du hast.
Ich will wissen, ob du nach der Nacht der Trauer und
Verzweiflung aufstehen kannst, müde und zerschlagen,
um dich um die Kinder zu kümmern.

Es interessiert mich nicht, wer du bist und wie es kommt,
dass du hier bist.
Ich will wissen, ob du in der Mitte des Feuers mit mir stehst, ohne zurückzuweichen.

Es interessiert mich nicht, zu wissen, wo oder was
oder mit wem du studiert hast.
Ich will wissen, was dich von innen trägt,
wenn alles andere wegfällt.
Ich will wissen, ob du allein sein kannst und auch in den
Momenten der Leere wirklich gerne mit dir zusammen bist.

(Oriah Mountain Dreamer)