Cover

Das Buch

Abbys Blick glitt an Camerons Halsmuskeln entlang, über seine breiten Schultern und blieb am Namen seiner Alma Mater auf dem Kapuzenpulli hängen. »Das ist das Problem mit euch Harvard-Absolventen. Ihr kennt harte, ehrliche Arbeit nur auf dem Papier.«

»Sagt die Möchtegernpferdeflüsterin.« Cameron beugte sich noch ein wenig weiter vor, und Abby musste sich zusammenreißen, um nicht einen einzigen Millimeter zurückzuweichen. »Diene ich deiner Belustigung? Du lässt mich diesen kompletten, riesigen Stall mit der Hand ausmisten. Aber gerade habe ich in diesem Stall dort drüben gesehen, wie das ein Typ mit einem Traktor macht.« Er wies mit dem Finger in Richtung ihres Seniorenheims, den Stall, in dem die alten Pferde ihren Lebensabend verbrachten.

Nun war es an Abby, sich ebenfalls ein wenig vorzubeugen. »Ich habe keinen Schimmer, was du hier überhaupt verloren hast.«

Die Autorin

Ella Thompson, geboren 1976, verbringt nach Möglichkeit jeden Sommer an der Ostküste der USA. Ihre persönlichen Lieblingsorte sind die malerischen New-England-Küstenstädtchen. An den endlosen Stränden von Maine genießt sie die Sonnenuntergänge über dem Atlantik – am liebsten mit einer Hundenase an ihrer Seite, die sich in den Wind reckt.

ELLA THOMPSON

EIN WUNSCH

in den Wellen

Stonebridge Island 1 

Roman

WILHELM HEYNE VERLAG
MÜNCHEN

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Originalausgabe 06/2021 

Copyright © 2021 by Ella Thompson. Dieses Werk wurde vermittelt durch die Michael Meller Literary Agency GmbH, München

Copyright © 2021 dieser Ausgabe

by Wilhelm Heyne Verlag, München, in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München

Redaktion: Diana Mantel

Umschlaggestaltung: Eisele Grafik-Design, München, unter Verwendung von © Bigstock (CasoAlfonso); Shutterstock.com (kesipun, jack photo); iStockphoto (lucky-photographer)

Satz: Buch-Werk­statt GmbH, Bad Aib­ling

ISBN: 978-3-641-24579-5
V001

www.heyne.de

Prolog

Das Knacken eines Holzstücks übertönte das Prasseln des Feuers. Eine orangerote Funkenfontäne stob in den schwarzen Nachthimmel hinauf, wurde von einem Windstoß durcheinandergewirbelt und verglühte irgendwo zwischen den dunklen Schatten der Pinien und dem unendlichen Sternenmeer.

Abby Cooper war ihr mit den Blicken gefolgt. Sie atmete die eisige, klare Luft ein und schloss für einen Moment die Augen. Das hier war Zuhause. Familie. So begrüßten die Coopers das neue Jahr, solange sie denken konnte. Hinter ihnen, auf der anderen Seite der Insel, in Home Port, wurde wie in jedem Jahr ein großes Feuerwerk gezündet. Das dumpfe Knallen der Raketen war bis hierher zu hören. Aber sie hatte nicht das Bedürfnis gehabt, in die Stadt zu fahren und sich das Spektakel anzusehen. Sie wollte an dem Ring aus Steinen hinter dem Ranchhaus stehen, in dem in jeder Neujahrsnacht ein großes Feuer loderte. Mit ihrer Mutter Olivia. Ihren Schwestern Summer und Megan. Zum ersten Mal seit ihrer frühesten Kindheit standen sie ohne ihren Vater Jack hier. Bei der Erinnerung an sein fröhliches, wettergegerbtes Gesicht und seine Jacken­taschen, in denen sich immer ein paar Pferdeleckerli befanden, zog sich ihr Herz zusammen. Abby ließ den Schmerz zu, weil sie wusste, er würde irgendwann schwächer werden.

»Ich möchte euch etwas sagen.« Die ruhige, feste Stimme ihrer Mutter ließ Abby die Augen wieder öffnen. Sie alle standen in ihre dicken Daunenjacken gehüllt am Feuer. Hinter ihnen das Haus, das seit drei Generationen das Herz der Silver Brook Stables bildete. Vor ihnen fiel die Wiese erst sanft und dann steil ab. Hinter den Klippen breitete sich der Atlantik aus. Zerteilt von kleinen Inseln lag er ruhig da und warf das Licht des Vollmondes in die Nacht zurück.

Abby sah zu ihrer Mutter, genau wie ihre Schwestern, die ihr ebenfalls neugierig die Köpfe zuwandten. Olivia hatte ihre Mütze tief ins Gesicht gezogen und drehte ihr Champagnerglas in den Händen, die in dicken Fäustlingen steckten. »Ich habe eine Entscheidung getroffen«, fuhr sie fort. Ihre Augen waren seit Jacks Tod im Herbst ein Spiegel ihrer Trauer gewesen, und Abby hätte schwören können, diese Gefühle noch vor zwei oder drei Stunden gesehen zu haben. Doch jetzt leuchteten sie, als wäre sie dabei, sich in ein Abenteuer zu stürzen, das ihr Leben aus den Angeln heben würde. Und das ihrer Töchter gleich mit. Abbys Herzschlag beschleunigte sich. Was hatte sie vor?

»Ich habe beschlossen, mit Beginn dieses neuen Jahres die Leitung des Gestüts abzugeben.«

»Was?« Abby und ihre Schwestern sprachen gleichzeitig. Sie war sich sicher, dass in ihrem Blick die gleiche Fassungslosigkeit stand, die sie auf Summers und Megans Gesichtern erkennen konnte. »Aber … das kannst du nicht«, widersprach Abby automatisch. »Die Silver Brook Stables sind dein Leben.« Kaum hatte sie den Satz ausgesprochen, hätte sie sich am liebsten selbst eine Ohrfeige verpasst.

»Gut gemacht, Frau Doktor Psycho«, zischte Summer ihr zu und verdrehte die Augen.

Ihre Mutter senkte für einen Augenblick die Lider, und ein trauriges Lächeln schlich sich in ihre Mundwinkel. Dann blickte sie wieder auf und sah ihre Töchter der Reihe nach an. Ihre Augen glänzten, aber Abby wusste: Sie würde nicht weinen. Das würde sie sich für später aufheben. Wenn sie allein war. »Es war mein Leben, Abby-Schatz«, ­sagte sie leise. »Solange Jack an meiner Seite war. Jetzt soll es euer Leben werden. Verwirklicht eure Träume, so wie Jack und ich es getan haben.«

»Ach Mom.« Megan, die ihrer Mutter am nächsten stand, zog sie in eine lange, feste Umarmung.

»Hey.« Olivia lachte leise und löste sich schließlich aus der Umklammerung ihrer Tochter. »Ich bin trotzdem noch hier. Keine Angst, ich werde alles, was ihr tut, mit Argusaugen beobachten. Und euch jede Menge Ratschläge geben, auf die ihr keinen Wert legt.«

»Danke für das Vertrauen und die Chance«, ­sagte Summer schlicht und hob ihr Glas. »Wir können es kaum erwarten, uns deine unerwünschten Tipps anzuhören.«

»Eine Sache wäre da noch.« Olivia blickte in die Bucht hin­unter, die aussah wie ein zwei Meilen langer, perfekt geformter Halbmond. »Ich habe Benedict Morgan die Halfmoon Bay abgekauft. Sie gehört jetzt euch. Frohes neues Jahr. Möge es besser werden als das, das wir hinter uns zurücklassen.« Sie hob ihr Champagnerglas und stieß der Reihe nach mit ihnen an. Zwischen den Lichtreflexen und Schatten, die das Neujahrsfeuer auf das Gesicht ihrer Mutter malte, konnte Abby die Zuversicht sehen. Die Gewissheit, die richtige Entscheidung für die Zukunft – und ihre Mädchen – getroffen zu haben. Auch wenn die Ankündigung mehr als überraschend gekommen war. Ihre Mutter war sonst nicht der Typ, der spontane Entschlüsse fasste und ihre Töchter vor vollendete Tatsachen stellte.

Aus Abbys Sicht warfen diese Entscheidungen Fragen auf. Fragen, die sie auch in den Augen ihrer Schwestern sah. Jede Menge Fragen. Denn die Morgans hatten die Halfmoon Bay seit Jahrzehnten wie einen Schatz gehütet. Hatten damit vor ihrer Nase her­umgewedelt. Was brachte den Clan, mit dem ihre Familie seit einer Ewigkeit verfeindet war, dazu, ihnen plötzlich dieses wunderschöne Stück Land zu verkaufen? Ihre Schwestern kommentierten diesen merkwürdigen Verkauf und Olivias Entscheidung allerdings nicht weiter – sie waren wie üblich mit ganz anderem beschäftigt.

Summer beugte sich hin­unter, um die beiden Hofhunde Henry und Nugget zu streicheln, die sich zu ihren Füßen niedergelassen hatten. Sie verstand die Tiere. Besonders Pferde und Hunde. Also war es kein Wunder, dass sich immer irgendein Vierbeiner in ihrer Nähe aufhielt.

Megan vollführte ein kleines Tänzchen. Zu einer Melodie, die nur in ihrem Kopf existierte. Abby wusste, was sie damit bezweckte. Es war ihre Art, jedem – und vor allem Olivia – zu zeigen, dass alles in Ordnung war. Abgesehen davon gehörte sie einfach nicht zu den Menschen, die stillhalten konnten. Oder schlechte Laune verbreiteten.

Abbys Schwestern hatten recht. Für all diese Fragen wäre auch später noch Zeit. Sie musste aufhören, ständig mental einen Schritt zurückzutreten und die Worte ihrer Mutter und Summers und Megans Reaktion darauf zu analysieren. »Frohes neues Jahr!«, stimmte sie in den Salut ihrer Familie ein. Die überraschenden Ankündigungen ihrer Mutter garantierten, dass es ein spannendes werden würde.

Abby atmete tief ein und schloss für einen Moment die Augen. Die Märzsonne schickte ihre ersten Strahlen vom blauen Himmel, ließ sie zart über ihr winterblasses Gesicht tasten. Der Wind hingegen, der ihr in die Wangen kniff, trug noch immer die Kälte des Winters in sich. Er riss an ihrer dicken Wollmütze und zerzauste die blonde Mähne ihrer Palomino-Stute Ebba. Das Pferd schnaubte leise, als sie an die Klippe traten. Unter ihnen brandete der Atlantik gegen die schwarzen Felsen, die den Naturgewalten seit Jahrtausenden trotzten. Weiter draußen durchschnitt das Boot eines Hummerfischers die glatte Oberfläche des Ozeans. Vielleicht Jacob Wilkinson und seine Crew auf dem Weg zu seinen Hummer-Fallen.

Abby zog ihren Schal ein Stück höher, um ihr Gesicht vor den eisigen Böen zu schützen, und blickte in die halbmondförmige Bucht hin­unter, die jetzt ihrer Familie gehörte. Es juckte ihr in den Fingern, den schmalen Pfad hin­unterzureiten und mit Ebba über den feinen, grauen Sand zu preschen. Aber dafür würde sie heute keine Zeit haben. Je länger sie hier draußen her­umtrödelte, desto länger schob sie das Unvermeidliche auf. »Na komm, Süße«, ­sagte sie leise und wendete Ebba. Ein Stück trabten sie an der Klippe entlang, bevor sie auf den Pfad abbogen, der sie durch den Pinienhain führen würde. Abby hasste Abschiede, aber sie konnte sich nicht davor drücken, Gabriella Lebwohl zu sagen. Auch wenn sie schon jetzt einen Kloß im Hals hatte und ihre Assistentin – ehemalige Assistentin, verbesserte sie sich – heulen würde wie ein Schlosshund. Sie ließ Ebba in einen Galopp fallen und genoss die Geschwindigkeit, mit der die alten Bäume an ihr vorbeiglitten. An Stellen, die die Sonne noch nicht erreicht hatte, wurde das dunkle Moos von hartnäckigen Schneeresten bedeckt. Der Winter hatte den Nordosten Maines noch nicht aus seinen Klauen entlassen. Laut Wetterbericht würde er in den nächsten Tagen noch einmal zuschlagen – nichts Ungewöhnliches im März. Doch im Moment war der Waldboden weich, und das Trommeln von Ebbas Hufen klang leise. Abby mochte den Rhythmus, die Einheit, zu der ihr Pferd und sie verschmolzen. Sie liebte den Geruch nach feuchter Erde, Wald und Meer, der sie hier draußen im Frühling begleitete. Und den immer präsenten warmen Pferdeduft.

Abby musste nicht auf die Uhr sehen, um zu wissen, dass ihr die Zeit langsam davonlief. Sie musste zurückkehren. Gabriella wartete mit Sicherheit längst auf sie. Statt ihren Ausritt in Richtung Seal Rock Hall auszudehnen, entschied sie sich für den Weg an der Fohlenkoppel der Silver Brook Stables entlang und kehrte auf den Hof zurück. Sie ließ die knorrigen Nadelbäume hinter sich und Ebba wieder in Trab fallen. Eine Möwe schoss an ihr vorbei, segelte für einen Moment neben ihnen her und drehte dann wieder ab in Richtung Ozean. Als Abby den Hof erreichte, kam Josh Walsh aus dem Stutenstall. Er blieb stehen und sah ihr entgegen.

»Guten Morgen, Josh«, grüßte sie den Vorarbeiter, als sie Ebba neben ihm halten ließ.

»Morgen, Abby. Hallo, meine Schöne.« Er tätschelte Ebba zur Begrüßung den Hals und griff dann nach ihrem Zügel. »Du kannst sie mir überlassen«, bot er Abby an. »Gabriella wartet schon auf dich.«

Abby sah zu ihrer Praxis hin­über. Das kleine Holzhaus, das wie alle Ställe und Scheunen auf dem Hof dunkelrot gestrichen war, hatte früher als Wirtschaftsgebäude des Gestüts gedient. Beim Neubau des Hengststalles waren neue Wirtschaftsräume integriert worden. Ein paar Jahre hatte das Häuschen leer gestanden, ehe Abby ihrem Leben in Portland den Rücken gekehrt und hier einen Neustart gewagt hatte. Einen Neustart, bei dem Gabriella vom ersten Moment an dabei gewesen war.

Sie saß ab und strich Ebba über die Nase. »Danke«, ­sagte sie zu Josh und straffte die Schultern. Es machte keinen Sinn, das Unvermeidliche noch weiter hin­auszuzögern. Die Tür der Praxis stand offen. Als Abby die beiden Stufen zu der kleinen Veranda hinaufstieg, drehte sich Gabriella zu ihr um und schniefte. Sie war dabei, ihre letzten Habseligkeiten in einen Karton zu packen, der auf dem kleinen Schreibtisch stand.

»Ich kann nicht glauben, dass ich wirklich gehe«, ­sagte Gabriella mit zittriger Stimme. Die Freundin verzog den Mund und fuhr mit dem Handrücken über ihre Augen. Abbys dunkelbrauner Labrador Charlie trabte zu ihr hin­über und setzte sich neben sie, damit sie ihn streicheln konnte. Seine persönliche Version von ›den Abschiedsschmerz verringern‹. »Ich habe mir nie vorstellen können, jemals etwas anderes zu machen. Oder woanders zu leben.« Gabriella schluchzte laut, und Charlie rückte noch ein wenig näher an sie heran.

»Komm schon.« Abby bemühte sich um eine fröhliche Stimme, obwohl ihr der Abschied nicht weniger schwerfiel. Sie umarmte Gabriella, soweit das der dicke Bauch ihrer Freundin zuließ. »Jetzt beginnt ein neuer, wundervoller Lebens­abschnitt. Aufregend und spannend.«

»Aber Boothbay ist so weit weg«, widersprach Gabriella. »Ich werde dich so vermissen. Ich werde alles hier vermissen. Dich auch, Charlie.« Sie beugte sich zu dem geduldigen Hund hin­unter und kraulte ihn ausgiebig hinter den Ohren, wie er es liebte.

Abby legte ein rosa eingewickeltes Päckchen in den Karton. »Nicht aufmachen«, warnte sie, als ihre Freundin danach greifen wollte. »Das ist für Gabby Junior.« Sie hatte das süße Babyjäckchen im Gift Store in Home Port entdeckt. Es war von einer der Handarbeiterinnen aus Sandy Beach genäht worden. »Und für dich ist das.« Sie reichte Gabriella ein gerahmtes Foto, das sie beide zeigte. Zwischen ihnen stand Acapulco, das Therapiepferd, das Gabriella ausgebildet hatte. »Wenn die kleine Lady alt genug ist, kommt ihr uns besuchen. Dann bekommt sie ihre erste Reitstunde von mir.«

Bis zu diesem Moment hatte Gabriella sich noch irgendwie zusammengerissen, doch nun ließen sich die Tränen nicht mehr stoppen. Sie lachte und weinte gleichzeitig. Genau wie Abby war sie auf der Insel aufgewachsen. Nach ihrem Highschool-Abschluss hatte sie begonnen, für die Silver Brook Stables zu arbeiten. Sie liebte Pferde. Und sie hatte ein gutes Händchen im Umgang mit Menschen. Als Abby ihre Praxis vor zwei Jahren nach Stonebridge Island verlegt hatte, hatte Gabriella sich als Betreuerin für das therapeutische Reiten weitergebildet und war zu ihrer rechten Hand geworden. Sie waren ein tolles Team gewesen. Doch nun, im achten Monat schwanger, zog sie in die Nähe ihrer Schwiegereltern, ein paar Stunden die Küste hin­unter. Ihr Mann hatte in seinem Heimatort als Hummerfischer Arbeit gefunden, und sie würde dessen Familie um sich haben. »Ich komme dich besuchen«, versprach Gabriella. Sie umarmte Abby noch einmal fest. »Ich hoffe, du findest einen guten Nachfolger für mich.«

»Wer soll dich schon würdig ersetzen?«, ­fragte Abby lächelnd.

»Niemand. Das ist doch klar.« Gabriella wischte sich mit einer entschlossenen Bewegung die Tränen von den Wangen und warf einen Blick auf ihre Uhr. »Ich gehe jetzt, bevor mich meine Hormone in einen echten Heulkrampf ausbrechen lassen.«

Sie griff nach dem Karton mit ihren Habseligkeiten, doch Abby schob ihre Hände sanft zur Seite. »Den nehme ich.« Sie trug ihn zum offen stehenden Kofferraum von Gabriellas kleinem SUV und stellte ihn neben die anderen Sachen, die dort bereits gestapelt waren. Ihre Reitstiefel. Ihr Sattel. Und ein paar Klamotten, die sich mit der Zeit in der Praxis und den Ställen angesammelt hatten.

Gabriella zog eine Dose Pferdeleckerli unter der Daunenweste mit dem Logo des Gestüts hervor, die sie im Winter oft getragen hatte. »Die sind für Acapulco. Der verfressene Kerl liebt die Dinger.« Sie umarmte Abby ein letztes Mal und kraulte Charlie unter dem Kinn, ehe sie sich mit ihrem Babybauch ungelenk hinter das Steuer klemmte und die Tür zuzog.

Abby winkte ihr nach, als sie langsam davontuckerte. Dann legte sie Charlie die Hand zwischen die Ohren. Der Hund sah voller Liebe zu ihr auf. »Dann sind wir nur noch zu zweit«, murmelte sie und blinzelte gegen das Brennen in ihren Augen an. Gabriella war ein Glücksgriff gewesen. Und eine große Stütze, als Abby ihre Arbeit in Portland aufgegeben hatte und auf die Insel zurückgekehrt war, auf der sie aufgewachsen war.

Abby hatte als Psychologin in einer Praxis gearbeitet, die sich auf Traumabewältigung und posttraumatische Belastungsstörungen spezialisiert hatte. Vor zwei Jahren hatte ein schrecklicher Moment ihre Welt aus den Angeln gehebelt und alles infrage gestellt, was sie die Lehrbücher und Vorlesungen gelehrt hatten. Ein Moment, der dazu geführt hatte, dass Abby ihren Job an den Nagel gehängt und beschlossen hatte, zu therapeutischem Reiten zu wechseln. Sie hatte eine Praxis auf dem Gestüt ihrer Familie eröffnet, und Gabriella hatte ihr von Anfang an viel Arbeit abgenommen. Sie musste wirklich schnell jemanden finden, der ihre Freundin wenigstens zum Teil ersetzen konnte. Auch wenn allein der Gedanke an die Veränderungen, die vor ihr lagen, ihren Puls beschleunigte. Sie mochte es nicht, die ausgetretenen Wege zu verlassen, die sie kannte. Denen sie mit geschlossenen Augen folgen konnte. Sich durch neues, unbekanntes Territorium zu tasten machte ihr mehr Angst, als sie irgendjemandem gegenüber zugeben würde. Ihre Schwestern und ihre Mutter waren nach Gabriellas Weggang für sie da. Sie würden ihr eine Zeit lang unter die Arme greifen. Aber in den nächsten Wochen begannen die Stuten zu fohlen, und auf dem Hof wurde jede Hand gebraucht.

Abby stellte ihren Fuß auf den untersten Querriegel des weißen Zauns der Stiefmütterchen-Koppel, die ihren Namen den kleinen lilafarbenen Blüten verdankte, die zu den ersten gehörten, die im Frühjahr ihre Köpfchen mutig durch die eisige Schneedecke steckten. Gabriella hielt vor dem Ranchhaus auf der anderen Seite des Hofes und rutschte aus dem Wagen, um sich auch vom Rest der Coopers zu verabschieden. Abbys Mutter, ihre Schwestern Summer und Megan traten aus dem Haus, begleitet von Rose Walsh, ihrer Haushälterin. Gabriella wurde umarmt und geherzt. Rose überreichte ihr einen abgedeckten Teller, auf dem sich garantiert der Lieblings­kuchen ihrer Freundin befand. Abby war sich sicher, dass der Pecannut-­Pie einen neuen Gefühlsausbruch herbeiführen und noch mehr Tränen fließen lassen würde. Sie stieß sich vom Zaun ab und drehte sich zu dem Stutenstall um, der schon immer so hieß, obwohl hier auch die Wallache untergebracht waren. »Komm, Charlie«, rief sie ihren Hund. In einer Viertelstunde kam ihr nächster Patient, für den sie Foxy satteln musste. Außerdem würde Acapulco sicher um eines der Leckerchen betteln, die Gabriella für ihn dagelassen hatte.

*

Das Licht pulsierte in einem nervtötenden Rhythmus um Cameron Montgomery her­um. Es passte zum Dröhnen des Deep House Sounds, der auf seiner Haut vibrierte. Er konnte das Black Dreams eigentlich nicht ausstehen, egal wie angesagt der Club in Boston zurzeit war. Aber er hatte einen fantastisch gesicherten VIP-Bereich und war damit der perfekte Ort, um sich gepflegt zu betrinken. Denn genau das war sein Ziel für heute Nacht: Den Frust und die Enttäuschung runterzuspülen, die die Zugehörigkeit zum Montgomery-Clan mit sich brachte. Zu vergessen, wie sehr er sich die Anerkennung seines Vaters gewünscht hatte. Wie sauer ihn das geringschätzige Grinsen seines Bruders Jason gemacht hatte.

Cameron gehörte nicht zu den Menschen, die sich mit einer Flasche Scotch in ihr Schlafzimmer zurückzogen und dort in ihr Glas weinten. Sich zu betrinken war seiner Meinung nach nur halb so schlimm, wenn man es in Gesellschaft tat. Und Gesellschaft hatte er hier mehr als genug. Er hatte zwei der Promi-Jägerinnen, die es regelmäßig auf mysteriöse Weise in den abgesperrten Bereich schafften, eine Flasche Champagner ausgegeben. Eigentlich wollte er nichts von ihnen, aber so lief das im VIP-Bereich nun mal. Als drei Spieler der Patriots aufgetaucht waren, hatten ihn die Groupies auf der Stelle vergessen, was ihm mehr als recht war. Cameron leerte sein Glas und schenkte sich aus der geöffneten Whiskeyflasche auf seinem Tisch nach. Er versuchte, sich zu entspannen, lehnte sich in das kühle Leder der Couch zurück und nippte an dem Drink. Schon jetzt spürte er die leichte Taubheit, die sich von seinen Füßen aus über seinen Körper zog und den Grund für das Besäufnis und die Demütigung durch seine Familie langsam verblassen ließ. Zwei seiner Kumpels hatten ihm eine Zeit lang Gesellschaft geleistet, waren aber inzwischen in einen anderen Club weitergezogen. Vielleicht würde er das auch tun, wenn er mit diesem Glas Scotch fertig war.

Vielleicht auch nicht. »Scheiße!«, entfuhr es ihm, als sein Blick auf den Eingangsbereich der VIP-Lounge fiel. Das Glas auf halben Weg zum Mund starrte er Elayne Knox entgegen, die ihn offenbar längst entdeckt hatte und geradewegs auf ihn zusteuerte. Ihrem Gang nach zu urteilen hatte sie schon deutlich mehr Alkohol intus als er. Ihre Miene wirkte allerdings zutiefst entschlossen. Cameron kippte seinen Drink hin­unter und stand auf. Höchste Zeit, die Flucht zu ergreifen.

»Cam, Schätzchen«, flötete Elayne, bevor er sich aus ihrer Reichweite retten konnte. »Was für ein Zufall, dich hier zu treffen.«

Zufall? Eher unwahrscheinlich. Die Verlobte seines Bruders Jason hatte früher nie etwas ohne Berechnung getan. Und das war mit Sicherheit auch zehn Jahre später nicht anders. Seit er ihr beim Montgomery-Familiendinner am vergangenen Sonntag zum ersten Mal seit einer Ewigkeit wieder über den Weg gelaufen war und sie sofort erkannt hatte, waren sie unausweichlich auf diesen Moment zugesteuert.

Er schaffte es nicht, ihr zu entkommen, weil sich ihre blutrot lackierten Fingernägel bereits in seinen Unterarm bohrten. »Elayne.« Pflichtschuldig küsste er sie auf die dargebotene Wange. »Schön, dich zu sehen«, log er und atmete ihren schweren, teuren Duft ein.

»Ist das so?« Elayne schenkte ihm ein strahlendes Lächeln. Sie war leicht genug zu durchschauen, um die Verärgerung hinter der schönen Fassade zu erkennen. Mit einer gekonnten Bewegung schwang sie ihr langes, blondes Haar über die Schulter und nahm auf der Couch Platz, von der Cameron sich gerade erhoben hatte. Die Hand immer noch um seinen Arm gekrallt zog sie ihn mit sich hin­unter. »Ich freue mich auch, dich zu sehen. Wir sollten auf die alten Zeiten anstoßen. Champagner für mich«, wandte sie sich an den Kellner, der wie aus dem Nichts neben ihnen auftauchte. »Eine Flasche. Auf die Rechnung dieses Gentlemans.«

Cameron nickte ergeben, als der Kellner ihn fragend ansah. Schließlich hatte er den anderen beiden Frauen vorhin auch eine Flasche ausgegeben.

»Also«, forderte Elayne seine Aufmerksamkeit zurück. »Jason hat mir von den unschönen Geschichten erzählt, die du über mich verbreitest. Wobei ich es sehr beruhigend finde, dass er dir nicht glaubt. Wir lieben uns schließlich und vertrauen uns voll und ganz.« Sie rückte näher und legte ihre Hand vertraulich auf seinen Oberschenkel. »Menschen ändern sich, Cam. Ich bin nicht mehr die Zwanzigjährige, an die du dich erinnerst. Ich bin eine erfolgreiche Geschäftsfrau, die sich in einen wundervollen Mann verliebt hat.« Sie senkte unschuldig die Wimpern und hob sie wieder, um ihn mit einem Blick anzusehen, der fast offen und ehrlich wirkte. Fast.

Cameron zog ihre Hand von seinem Bein und drückte sie auf die Sitzfläche der Couch. »Schlimm genug, wenn mein Bruder dir deine Tour abkauft. Ich werde das mit Sicherheit nicht tun.« Er ließ sich zu einem ironischen Lächeln herab. »Ich bin noch verabredet. Genieß deinen Champagner.« Dann wollte er aufstehen, doch sie lehnte ihren Oberkörper schwer gegen seinen. Ihre sanften Rundungen steckten in einem kurzen, mit Sicherheit sündhaft teuren Designerkleid mit ziemlich wenigen Stoffbahnen und jeder Menge schwarzer Spitze. Das selbstverständlich perfekt zu ihren meterhohen High Heels passte. Sie widerte ihn an. Und er war gerade nicht in der Stimmung, Small Talk mit ihr zu halten. Er war hier, um seinen Frust zu betäuben. Elaynes Auftauchen half nicht gerade, die in ihm brodelnde Wut zu dämpfen. Cameron sah sich vorsichtig um. Er wollte nicht mit der Verlobten seines Bruders gesehen werden. Zumindest nicht, solange sie sich so eng an ihn schmiegte.

»Ich will nicht, dass du gehst«, nuschelte Elayne, und erst jetzt wurde ihm bewusst, dass sie nicht nur ein bisschen betrunken war. Sie war sternhagelvoll.

Scheiße, ging es ihm zum zweiten Mal durch den Kopf, seit sie aufgetaucht war. Er konnte sie kaum so zugedröhnt hier zurücklassen. Resigniert stieß er einen schweren Seufzer aus und reichte dem Kellner, der den Champagner brachte, seine Kreditkarte. »Ich hätte gern die Rechnung«, ­sagte er. »Und du«, er schob Elayne ein Stück von sich, bis sie sich gegen die Couch lehnen konnte und ihre Körper sich nicht mehr berührten, »du bist völlig hin­über. Ich rufe dir ein Taxi, und wir sprechen miteinander, wenn du wieder nüchtern bist.«

Elayne grinste breit und griff in den tief sitzenden Ausschnitt ihres Kleides. »Ich bin in null Komma nichts wieder fit.« Sie zog ein kleines Papierbriefchen aus ihrem BH und wedelte damit vor Camerons Nase. »Willst du auch was?«

Geistesgegenwärtig griff er danach, riss es ihr aus der Hand und schob es in seine Hosentasche. Abermals sah er sich wachsam um. Niemand schien sich für sie zu interessieren. »Ehrlich, Elayne? Koks? Spinnst du jetzt völlig?«

»Hey!« Sie versuchte ihre Hand in seine Hosentasche zu schieben. »Seit wann bist du so unentspannt? Gib es mir zurück. Wenn du nichts davon willst, auch gut. Muss ich wenigstens nicht teilen.«

Cameron hielt sie mit der Linken davon ab, die Drogen wieder an sich zu nehmen, und unterschrieb mit der Rechten den Kreditkartenbeleg, den der Kellner ihm hinhielt. »Komm schon, wir gehen.« Er packte Elayne am Oberarm und zog sie hoch.

»Lassen Sie meinen Wagen kommen«, rief sie dem Kellner hinterher.

»Du brauchst deinen Wagen heute nicht. Ich rufe dir ein Taxi«, ­sagte Cameron.

Sie zog einen Schmollmund. »Du bist noch genauso ein Spielverderber, wie du es schon immer gewesen bist.«

»Halt die Klappe, Elayne«, fuhr Cameron sie an. Er hatte wirklich vorgehabt, sich ordentlich die Kante zu geben, und jetzt war er bereits wieder halb nüchtern, weil diese Frau ihn den letzten Nerv kostete. Cameron bugsierte sie durch den Club und die Treppe hinauf, in die kalte Frühlingsnacht.

*

Die kalte Bostoner Nacht traf sie wie eine Faust, als Elayne an Camerons Seite aus dem Club trat. Ihrer heimlichen Freude konnte der eisige Wind allerdings nichts anhaben. Sie musste sich regelrecht auf die Zunge beißen, um nicht laut zu lachen. Der ach so kluge Cameron Montgomery war ihr in die Falle gegangen, während er dachte, er hätte alles im Griff. Aber genau das war schon immer sein Problem gewesen. Gemeinsam mit der Arroganz, mit der er seine Defizite kompensierte. Das Schicksal des unbegabten Zweitgeborenen. Als Elayne vor ein paar Monaten seinen Bruder Jason kennengelernt hatte, war ihr klar gewesen, dass sie Cameron irgendwann über den Weg laufen würde. Sie hatte gehofft, dass bis dahin noch viel Zeit vergehen würde. Zum Beispiel bis kurz vor der Hochzeit, wenn niemand mehr bereit war, dieses riesige Event abzublasen. Bestenfalls, nachdem sie Jasons Frau geworden war.

Doch dann hatten Robert und Kathreen, die Eltern ihres Verlobten, Cameron von seinem Job in North Carolina abgezogen, und sie hatte ihn beim Familiendinner am vergangenen Sonntag zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt wiedergetroffen. Für einen Moment hatte sie gehofft, er würde sie nicht erkennen. Sie hatte sich verändert. Hatte dazugelernt. Ein Blick in Camerons Gesicht hatte allerdings genügt, um zu wissen, dass er ganz genau wusste, wer sie war. Und natürlich hatte er noch am gleichen Tag versucht, Jason davon zu überzeugen, sie vor die Tür zu setzen.

Elayne hatte wirklich gehofft, dass es nicht notwendig werden würde, Cameron auszubremsen, aber sie war darauf vorbereitet gewesen. Sie würde sich von ihm nicht die Chance ihres Lebens vermasseln lassen. Viel zu viel Energie und Arbeit steckten inzwischen in diesem Projekt. Sie würde die Frau von Jason Montgomery werden. Dem Mann, der seinen Vater über kurz oder lang an der Spitze der Suites by Montgomery – einer der luxuriösesten Hotelketten der Welt – ablösen würde. Sicher, die meisten Frauen waren hinter Cameron her, der zu den heißesten Junggesellen der Bostoner High Society zählte. Aber zum einen kannte Cameron ihre Vergangenheit und würde sich allein deshalb nie auf sie einlassen. Zum anderen war Jason vielleicht nicht so attraktiv wie sein jüngerer Bruder, sein Portfolio machte das allerdings mehr als wett.

Elayne lehnte sich schwer gegen Cameron und ließ sich von ihm durch die kalte Nacht führen. Er war ein Gewohnheitstier, und darum war er natürlich sauer gewesen, weil sein Vater und sein Bruder sein Hotelprojekt abgelehnt hatten. Und wenn Cameron sauer war, ertränkte er seinen Ärger in einer Flasche Scotch. Natürlich nicht in der Kneipe nebenan – ein bisschen exklusiver musste es schon sein. Es war also nicht schwer für sie gewesen, ihn im Black Dreams ausfindig zu machen und ihren Plan ins Rollen zu bringen. Cameron hielt sie entweder für volltrunken oder zugedröhnt. Dabei hatte sie das Kokain nur in den Club gebracht, weil sie wusste, dass er es ihr sofort abnehmen würde, wenn sie damit her­umwedelte. Wenn es etwas gab, das die Montgomerys verachteten, dann in den Klatschspalten der Regenbogenpresse aufzutauchen. Cameron war derjenige, der es regelmäßig in die Hochglanzmagazine und auf die Online-Plattformen schaffte. Natürlich wollte er nicht mit der Verlobten seines Bruders und einer Line Koks erwischt werden.

Elayne täuschte ein betrunkenes Straucheln vor und krallte ihre Finger noch fester in Camerons Arm. Sie hatte sich vom Alkohol ferngehalten. Und sie nahm selbstverständlich auch keine Drogen. Denn nichts war so schlimm, wie die Kontrolle über das eigene Handeln zu verlieren. Ihre Mutter war dieser Schwäche wieder und wieder erlegen. Etwas, das ihr nicht passieren würde. Wichtig war nur, dass Cameron das glaubte. Unauffällig blickte sie zu den Büschen auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Es war nichts zu sehen, aber der Mann, den sie für diese Nacht bezahlt hatte, lag mit seinem Teleobjektiv auf der Lauer. Genau wie Andy, der im gleichen heruntergekommenen Trailer-Park wie sie aufgewachsen war und inzwischen die Uniform der Bostoner Polizei trug. Er verabscheute reiche Idioten, wie Cameron einer war. Während Elayne sich entschieden hatte, ihren sozialen Aufstieg zu forcieren und eine von ihnen zu werden, zog Andy seine größte Befriedigung daraus, diejenigen zu schikanieren, die mehr hatten als er.

Für die Inszenierung, die Elayne für diese Nacht geplant hatte, waren die beiden die perfekte Besetzung. Sie würden mitspielen. Und ihr helfen, Cameron lange genug aus dem Weg zu schaffen – oder ihn wenigstens mundtot zu machen –, bis die Hochzeit mit seinem Bruder unter Dach und Fach war. Adrenalin rauschte in einer erregenden Welle durch ihren Körper, als sie noch ein Straucheln vortäuschte und ein kicherndes »Huch« von sich gab.