Weißt du, worin der Spaß des Lebens liegt?
Sei lustig! – geht es nicht, so sei vergnügt!
Johann Wolfgang Goethe
Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.
herausgegeben durch das Literaturpodium, Dorante Edition
Berlin 2021, www.literaturpodium.de
ISBN 9783753414065
Foto auf der Vorderseite: Motiv in Wien; Rückseite: Motiv in Sankt Petersburg, Marko Ferst
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BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt
I
,Toll‘, dachte er bestens gelaunt, ,echt toll, dass man so einen Freund hat! Nun ist das Problem endgültig gelöst.‘ Erfreut las er die Mail noch einmal, die vor wenigen Minuten gekommen war und lehnte sich vergnügt im Sessel zurück. Sein französischer Geschäftspartner und guter Freund Pierre hatte fast wortwörtlich das geschrieben, was er ihm gestern am Telefon diktiert hatte. ,Na ja‘, schmunzelte er vergnügt, ;der ist ja wirklich eine treue Seele! Wer hätte schon meine Lage besser verstanden, als ein Franzose? Pierre ist einfach pures Gold wert! Echt …‘
Das bisher unlösbare Problem war der immer näher rückende Geburtstag seiner Frau. An sich natürlich nichts Besonderes, aber dass ihr Geburtstag genau auf den seiner neuen Freundin Thea fiel, machte ihn in den letzten Tagen recht nervös. Er hatte der jungen Dame am Anfang der leidenschaftlichen und immer noch recht frischen Beziehung leichthin versprochen, den Geburtstag mit ihr allein zu feiern und den ganzen Tag ihr zu widmen. Woher konnte er damals wissen, dass die beiden Frauen am gleichen Tag geboren waren! Nun war es zu spät: Die süße Thea hatte ihren Geburtstag inzwischen schon in allen Einzelheiten geplant. Ein schönes Essen am Nachmittag in einem gemütlichen und schicken Restaurant, dann Theaterbesuch (wie sie gemeint hatte – ein ganz modernes und äußerst interessantes Stück in einem kleinen aber sehr populären Kellertheater), danach eine nette Bar und anschließend eine zauberhafte Nacht in ihrer Wohnung bei Kerzenlicht und Champagner. Kurz – ganz wie in klassischen Hollywood-Filmen, natürlich bis auf das verfluchte Datum, das so unerbittlich heranrückte. Er wurde von Tag zu Tag unruhiger und war fast verzweifelt. An die bevorstehende Reaktion seiner Frau wollte er einfach nicht denken. Am Ende rief er – beschämt und verzweifelt zugleich – Pierre an und schilderte ihm seine unerfreuliche Lage. Pierre lachte herzhaft: „Voila, mon cher ami! Mach dir keine Sorgen! Ich schreibe dir gleich eine Mail, als müsstest du dringend zu einem verdammt wichtigen Partnertreffen nach Paris fahren. Sag mir nur, was ich da alles genau schreiben soll und dann kannst du dich mit deiner süßen Maus ein paar Tage rumwälzen. Man sagt, so was sei in unserem Alter sehr gesund. Ha, ha, ha! Viel Spaß, mon ami!“
Er atmete erleichtert auf: „Du liest ja meine Gedanken! Merci Pierre!“, rief er hocherfreut aus, „genau darum wollte ich dich bitten!“
So einfach hatte sich die Sache erledigt.
II
Der kleine Saal des Theaters, das laut Thea voll im Trend lag, war bis auf den letzten Platz besetzt. Er kam sich für so ein junges Publikum endlos alt vor. ,Na ja, was soll’s … Wenn du eine junge Frau und dazu noch eine etwas jüngere Freundin haben willst, musst du dir manchmal etwas gefallen lassen, was dir nicht sonderlich am Herzen liegt …‘, dachte er melancholisch und sah sich vorsichtig um. ,Aber die Bude hier hat ja auch einen Vorteil – hier würde kaum jemand mich erkennen‘, folgerte er fast erfreut. Doch ein kurzer Blick aufs Publikum trübte seine Freude. ,Scheiße! Zwischen mir und den Rumtreibern da liegt wohl wenigstens eine Generation … wirke sicherlich auffallend alt.‘
Er seufzte möglichst leise, damit Thea es nicht hören konnte, aber die Freundin war völlig in das Bühnengeschehen vertieft und schien alles Irdische restlos vergessen zu haben. Er guckte verstohlen auf die Uhr und seufzte noch einmal. Eine Ewigkeit noch bis zum schönsten Teil des Programms – der Weg zum heiß begehrten Schlafzimmer ging ja auch noch über die Bar, in der er nicht nur trinken, sondern womöglich auch würde tanzen müssen – je nachdem, wonach es seine junge Freundin gerade gelüstet. Er winkte resigniert ab und versuchte sich auf die Bühne zu konzentrieren. Für ihn war das Ganze, was auf der Bühne passierte, eigentlich nur pures Chaos. Den Text fand er kaum verständlich und die Musik total chaotisch bis langweilig. Er unterdrückte ein Gähnen und sah Thea kurz an. Nach wie vor war sie völlig auf die Bühne fokussiert. ,Ist aber echt schön, die Süße!‘, dachte er zufrieden, ,natürlich ist sie nur meiner heutigen Position zu verdanken, aber … aber egal. Sie ist nun mal eine schöne Diamantennadel an meinem Anzug und dieses Schmuckstück kostet mich im Grunde genommen nichts …‘ Er musste schmunzeln. ,Na ja, ab und zu eine Lüge schon, aber die kostet mich ja auch definitiv gar nichts …‘ Er lächelte selbstgefällig und wollte die neben ihm befindliche Schöne wieder mal ansehen, aber ein ohrenbetäubender Trommelschlag ließ ihn aufblicken. Im Hintergrund der Bühne erschienen skurrile geometrische Figuren oder völlig zusammenhanglose Bilder an der Leinwand in unregelmäßigen Zeitabständen. Auf einmal wurde es totenstill. Das Licht setzte abrupt aus. Nach einer Weile fiel ein Lichtkegel auf die Bühnenmitte, und es entstand sofort eine grüngelbe Rauchwolke, aus deren Tiefe acht erstarrte Mimen mit entsetzlichen grünen Affenmasken langsam herauswuchsen. Allmählich wurde es wieder hell und die Musik setzte laut ein.
Die Mimen hielten schwarze Regenschirme in der Hand und sahen in ihren hautengen, schwarz-gelben Kostümen wie schwarze, schlanke Affen aus. Sie starrten einige Sekunden lang in den Saal hinein und begannen dann mit ihren scheinbar knochenlosen Armen und Beinen – bald rhythmisch bald arhythmisch – seltsame Bewegungen und Figuren zu machen, die sicherlich einen besonderen oder geheimnisvollen Sinn haben mussten. Diese für ihn völlig unbekannte Körper- oder Symbolsprache schienen andere Zuschauer bestens zu beherrschen, die den Mimen laut applaudierten. Plötzlich erstarrten die Tanzenden, und es wurde still. Einige Sekunden später klappten sie ihre Regenschirme zusammen, teilten sich in Zweiergruppen und gingen tänzelnd auseinander. An den Enden der Bühne angelangt, liefen sie die kleinen Treppen in den Zuschauerraum herunter. Sie stellten sich im Gang zwischen den Sitzreihen auf und setzten ihren bizarren Tanz nach den ersten dröhnenden Tönen des Schlagzeugs wieder fort. Der Saal klatschte Beifall im Rhythmus des Schlagzeugs. Zu seinem Erstaunen gefiel ihm dieser Tanz gut, und er klatschte auch gerne mit. Die Tänzer kamen immer näher. Zum Glück saß er im Gangsitz und konnte die Tänzer gut beobachten. Nie hatte er Schauspieler so nah erlebt. Diese wirkten nicht mehr so geheimnisvoll, wie auf der Bühne, und er glaubte sogar hinter den widerlichen Affenmasken müde und verschwitzte Gesichter zu sehen, die – wie er – das Finale der Vorstellung kaum erwarten konnten. Einer der Mimen blieb direkt vor ihm stehen. Er blickte neugierig auf und stellte zufrieden fest, dass es eine Frau war. Im nächsten Augenblick holte die Mimin mit ihrem zusammengeklappten Regenschirm blitzschnell aus und Sekundenbruchteile später knallte der Regenschirm mit voller Wucht auf seine rosarote Glatze. „Vielen Dank fürs Geburtstagsgeschenk, du Wüstling!“, fauchte die Mimin überlaut, „und dir natürlich auch, du Scheißtussi!“, kreischte sie noch einmal lauthals und verpasste seiner völlig entgeisterten Freundin eine deftige Ohrfeige.
Ja! Die Stimme der wütenden Mimin war leider unverkennbar: Es war seine Frau! Vor Scham und Überraschung total verblüfft sprang er mit puterrotem Gesicht wild auf und stürzte Hals über Kopf zum Ausgang. Im guten Glauben, dass dies eine der besten szenischen Einfälle des jungen Regisseurs war, applaudierte der Saal überlaut. Doch nach wenigen Sekunden sorgte die äußerst natürliche und in keiner Weise theatralische Flucht des Unglücklichen für dröhnendes Gelächter. Viele sprangen auf und sahen ihm nach. Seine geohrfeigte Freundin – ebenfalls purpurrot im Gesicht, wie ihr Kavalier – stand betont langsam auf und verließ unter schallendem Gelächter und spöttischem Applaus der äußerst amüsierten Zuschauer im Eilschritt den Saal.
III
… Nach der Heirat musste sie nicht mehr arbeiten – als Frau des Chefs einer erfolgreichen Firma hatte sie es nicht mehr nötig. So genoss sie – eine junge und schöne Frau aus bescheidenen Verhältnissen – das Eliteleben in einer Großstadt und war damit sehr zufrieden, weil sie früher von einem solchen Leben nur träumen konnte. Doch nach zwei, drei Jahren hatte sie es langsam satt. Kinder hatten sie keine und ihr Mann wollte von irgendeiner Beschäftigung nichts hören: dies bedeutete vor allem eine gewisse Freiheit für seine Frau, die immerhin fast fünfzehn Jahre jünger war als er. Und er fand es äußerst unerwünscht, dass sie ohne ihn für längere Zeit außer Haus blieb. Um sich nicht zu Tode zu langweilen beschloss sie zuerst Fremdsprachen zu lernen, aber bald musste sie sich eingestehen, dass sie dazu weder Gabe noch Nerv besaß. Nach einiger Zeit fand sie in der Zeitung eine für sie interessante Anzeige: Das in der Stadt sehr bekannte Tanzstudio hatte noch einige Plätze frei und lud Interessenten ein. Tanzen war ihre Leidenschaft und sie bedauerte immer, dass sich ihre Eltern während ihrer Schulzeit oder auch später keine Tanzschule für sie leisten konnten. Nun beschloss sie dieses Tanzstudio heimlich zu besuchen, obwohl ihr klar war, dass ihr Mann dies bestimmt nicht gutheißen würde. Doch der unerfüllte Wunsch ihrer Jugend war immer noch so heiß, dass sie sich gleich am nächsten Tag bei dem Studio meldete. In wenigen Monaten machte sie so große Fortschritte, dass selbst der Studiochef auf sie aufmerksam wurde. Das Studio arbeitete mit einigen Theatern zusammen, und bald landete die frischgebackene Tänzerin bei der Truppe eines kleinen aber populären Mime-Theaters. Sie hielt das für den größten Erfolg ihres Lebens und war überglücklich. Nun wollte sie ihren Mann – egal, wie er dann auf ihre heimliche Beschäftigung reagieren würde – zu ihrer Premiere einladen, die zufällig auf ihren Geburtstag fiel. Aber leider musste dieser plötzlich geschäftlich nach Paris fahren …
Erst wenn ein geliebter Mensch von uns geht, vermissen wir ihn am meisten. Mit großer Zärtlichkeit und innerer Freude erinnere ich mich an meine Großtante, die viele Jahre in unserer Familie gelebt hat. Sie erledigte einen Teil der Hauswirtschaft und sorgte wie eine Großmutter für uns vier Kinder. Eigentlich hieß meine Großtante Gertrud, aber wir Kinder nannten sie einfach nur Tante Susi. Bevor sie zu uns nach Landsberg zog, wohnte sie in ihrer elterlichen Wohnung in Halle, einer Großstadt an der Saale, und pflegte ihren Vater. Ihre Mutter lebte nicht mehr, und ihre drei Brüder waren im zweiten Weltkrieg gefallen. Einer ihrer Brüder war mein Großvater, den ich leider nie kennengelernt habe.
Als kleines Kind durfte ich hin und wieder Tante Susi in Halle besuchen und blieb mehrere Tage bei ihr. Sie war bereits Rentnerin und nahm sich sehr viel Zeit für mich. Bei ihr fühlte ich mich geborgen, auch wenn ich vor ihrem Vater Angst hatte, da er oft sehr mürrisch und aggressiv war. Tante Susi versuchte mich dann zu beruhigen und sagte nur: „Opa ist ein bisschen nervös.“ Meine Großtante brachte viel Geduld mit ihrem Vater auf, schließlich war er der Einzige, der von ihrer Familie übriggeblieben war. Er brauchte für alles ihre Hilfe. Er konnte nicht mehr allein laufen, so dass sie ihn überallhin in der Wohnung begleiten musste. Wenn Tante Susi mit mir in den Konsum ging, ließ sie ihren Vater für eine bestimmte Zeit allein in der Wohnung. Einmal kamen wir zurück, da saß mein Urgroßvater in der Küche auf dem Sofa und versuchte, seine Zigarre zu rauchen, die er sich versehentlich verkehrtherum in den Mund gesteckt hatte, so dass seine Lippen ganz schwarz waren. Welch ein Schreck musste dieser Anblick für Tante Susi gewesen sein. Doch sie bewahrte die Ruhe und schimpfte nicht, sie säuberte nur seinen Mund und erklärte ihm, was passiert war und worauf er das nächste Mal achten sollte. Egal welche Aufregung meine Großtante mit ihrem Vater hatte, sie fand jedes Mal die richtigen Worte und war stets gut gelaunt.
Bei Tante Susi wurde es mir nie langweilig. Ich half ihr gern bei den Hausarbeiten oder schaute ihr neugierig zu, und zuweilen drückte sie mir einen Staublappen in die Hand, um den Staub von den Stühlen zu wischen. Ich konnte zwar keinen Staub sehen, aber ich wischte trotzdem, auch wenn mir diese Tätigkeit etwas unsinnig erschien; Tante Susi freute sich, und das allein zählte.
Wann immer sie Zeit fand, setzten wir uns ins Wohnzimmer an den großen Esstisch und spielten verschiedene Gesellschaftsspiele. Am liebsten spielte ich mit ihr das Kartenspiel Mau-Mau, Tante Susi hatte es mir beigebracht. Dieses Kartenspiel bereitete mir so viel Spaß, dass ich einfach nicht aufhören wollte. Wenn ein Spiel zu Ende war, nahm Tante Susi alle Karten in die Hand und mischte sie. Belustigt beobachtete ich dabei ihre schnellen Handbewegungen und wartete geduldig, bis sie erneut die Karten austeilte. Da sie spürte, wie lernbegierig ich war, drückte sie mir ebenfalls den Stapel Karten in die Hand und nickte mir aufmunternd zu. Ich versuchte, ihre flotte Mischtechnik nachzuahmen, die so spielend leicht ausgesehen hatte, doch schon bald fielen mir alle Karten aus der Hand. Tante Susi und ich fingen an zu lachen, dass Opa sich wunderte, was es denn so laut zu lachen gäbe. Verschwörerisch blickte Tante Susi mich an und versuchte ihrem Vater zu erklären, was passiert war. Mein Uropa schüttelte nur den Kopf und schmunzelte in sich hinein. Für mich war dies ein wundervoller Augenblick, denn selten habe ich ihn lächeln gesehen. Als Tante Susi und ich alle Karten aufgesammelt hatten, durfte ich austeilen, und das gelang mir schon recht gut.
Jedes Mal, wenn ich meine Großtante in Halle besuchte, schenkte sie mir eine kleine Tafel Schokolade, über die ich mich sehr freute; nicht nur, weil sie mir schmeckte, sondern weil ich sie von Tante Susi bekam und ich die Märchenfiguren auf der bunten Papierpackung liebte, die ich vom Kinderfernsehen her kannte. Es waren mir vertraute Bilder mit Pittiplatsch, Schnatterinchen und Bummi, mit Herrn Fuchs und Frau Elster oder mit Mauz, Hoppel und Borstel. Diese kleine Schokoladentafel bedeutete für mich immer etwas Besonderes, und damit sie lange reichte, verzehrte ich sie langsam, Stück für Stück.
Wenn Tante Susi das Abendbrot zubereitete, setzte ich mich zu ihr an den Küchentisch und schaute ihr dabei zu. Für ihren Vater schnitt sie die Brotrinde von den Brotscheiben, die er nicht mehr beißen konnte und die sie in eine Blechbrotbüchse legte, um sie später zu essen. Während sie die Schnitten schmierte und in kleine „Schäfchen“ teilte, naschte ich von der köstlichen Brotrinde. Anschließend schmierte Tante Susi auch unsere Schnitten, und weil ich es mir wünschte, schnitt sie für mich ebenfalls kleine „Schäfchen“. So schmeckte mir das Abendbrot besonders lecker.
Kurz vor dem Schlafengehen bekam mein Urgroßvater zwei Esslöffel voll Hustensaft, den Tante Susi im oberen Küchenschrank aufbewahrte. Natürlich wollte ich ebenfalls von dem dunklen Saft probieren, der so wunderbar nach Thymian duftete, und da er mir schmeckte, reichte auch sie mir jeden Abend einen Esslöffel voll Hustensaft. Es war unser kleines Ritual vor dem Zubettgehen.
Besonders liebte ich ihre Einschlafgeschichten. Wir gingen zur selben Zeit schlafen, ich legte mich im großen Bett zwischen Tante Susi und meinem Urgroßvater. Aber jeden Abend rückte ich ganz nah an Tante Susi heran, spürte ihren warmen Körper und ließ mich von ihr streicheln; dabei erzählte sie mir allerlei Geschichten und Märchen, die ich immer wieder aufs Neue hören wollte. Manchmal geschah es, dass sie dabei einschlief und anfing zu schnarchen. Ich lauschte in die Dunkelheit, und nach kurzer Zeit schlief auch ich beruhigt ein.
Vermutlich muss ich damals vier oder fünf Jahre alt gewesen sein und kann mich heute nicht mehr daran erinnern, wie viele Tage ich bei Tante Susi verbrachte und wann meine Eltern mich wieder abholten; ich weiß nur, dass mir die Zeit bei ihr ewig erschien und ich mich froh und glücklich fühlte. Tante Susi schenkte mir ihre ganze Aufmerksamkeit, die ich in diesen Tagen nicht mit meinen Geschwistern zu teilen brauchte. Tante Susi gehörte mir ganz allein.
Doch eines Tages starb ihr Vater an Lungenentzündung, und da meine Eltern von dem plötzlichen Tod noch nichts wussten, wollten sie am Tag darauf mit uns Kindern Tante Susi in Halle besuchen. Ich erinnere mich, wie erschrocken ich war, als meine Großtante ganz in schwarz gekleidet über die Straße lief, um uns am Auto zu begrüßen und uns die traurige Nachricht zu überbringen. Noch heute sehe ich das Bild vor mir, wie tief ernst und traurig Tante Susi ausgesehen hatte, und ich begriff noch nicht, was geschehen war. Erst als wir oben in ihrer Wohnung beisammensaßen, wurden wir Kinder aufgeklärt. Tante Susi ging mit meinen Eltern ins Schlafzimmer, wo mein Urgroßvater im Bett lag und für immer eingeschlafen war. Es war für mich der bedrückendste Tag, den ich je als Kind erlebt hatte. Ich liebte meine Großtante, die sonst immer gut gelaunt und zu Späßen bereit war, aber an jenem Tag sah sie so anders aus, so fremd, ihre Seele war so weit weg, dass ich Angst um sie hatte. Ich hatte Angst, Tante Susi zu verlieren. Erst als ich erfuhr, dass sie bald für immer bei uns wohnen wird, freute ich mich riesig. Einige Wochen später gab sie ihre Wohnung in Halle auf und zog zu uns nach Landsberg.
Für Tante Susi und uns begann ein neues Leben. Anfangs besaß sie kein eigenes Zimmer, da unsere Wohnung in Landsberg für eine Großfamilie sehr klein war, deshalb teilte sie mit uns Kindern das Schlafzimmer. Da sie später ins Bett ging und auch früher wieder aufstand, haben wir sie oft gar nicht bemerkt. Doch an einem Abend, es muss ein besonderer Feiertag gewesen sein, wollten meine beiden älteren Geschwister und ich Tante Susi überraschen, und wir überlegten, was wir anstellen könnten. Wir waren so aufgekratzt und vergnügt, dass uns unbedingt etwas einfallen musste. Der Gedanke, ein spannendes Abenteuer noch so spät am Abend zu erleben, war verlockend. Und plötzlich hatten wir eine Idee. Bemüht, keine verdächtigen Geräusche zu machen, standen wir leise auf und krochen nacheinander in ihr Bett, kuschelten uns dicht zusammen und warteten ungeduldig auf ihr Kommen. Wir malten uns aus, wie sie reagieren würde, wenn sie ahnungslos in ihr Bett steigen wollte und auf einmal eine Schar Kinder sich in ihrem Bett befände. Wir kicherten und zappelten vor Aufregung. Aber das Warten dauerte und schon bald fiel es uns schwer, wach zu bleiben. Doch dann endlich kam sie zur Tür herein. Wir gaben uns die allergrößte Mühe, still zu bleiben, aber so sehr wir uns auch anstrengten, wir konnten uns das Kichern kaum verkneifen. Tante Susi muss uns recht schnell bemerkt haben und begann das Spiel mitzuspielen. Als sie vorsichtig ihre Bettdecke anhob, um sich wohlverdient ins Bett zu legen, tastete sie blind nach einem Wirrwarr aus Armen und Beinen, tastete über unsere Köpfe, die sich tiefer und tiefer in ihr Kissen gruben, und rief mit erschrockener Stimme: „Hach, wen haben wir denn hier in meinem Bett? Oh je, ein Nest voller Kinder! Na so etwas!“ Auf einmal fingen wir laut zu lachen an, und sogleich stimmte auch Tante Susi in das nächtliche Lachkonzert ein. Lange haben wir gebraucht, um uns wieder zu beruhigen. Dieser Augenblick war so aufregend schön, dass wir Kinder noch enger zusammenrückten, damit Tante Susi ausreichend Platz hatte, sich neben uns zu legen. Und dann erzählte sie uns eine Gute-Nacht-Geschichte, bevor wir in unsere eigenen Betten schlüpften. Beglückt und zufrieden schliefen wir ein.
Tante Susi war aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Da meine Eltern voll berufstätig waren, beide unterrichteten als Lehrer an den Schulen in Landsberg und Gollma, erledigte sie fast alle Einkäufe. Nur zum Milchladen, der immer gut besucht war, wurden auch wir Kinder allein mit einer leeren Milchkanne losgeschickt und mussten uns in die Warteschlange einreihen. Landsberg war eine Kleinstadt, in der man alles zu Fuß erreichen konnte. Manchmal nahm mich Tante Susi mit zum Einkaufen, und Hand in Hand machten wir uns auf den Weg. Ich erinnere mich, dass wir auch längere Strecken zurücklegten, denn der Fleischer, bei dem wir einkauften, befand sich in Gollma, einem kleinen Ortsteil, der mindestens einen Kilometer von Landsberg entfernt war. Sobald wir das Geschäft betraten, grüßte Tante Susi freundlich und begann mit den Verkäuferinnen zu plaudern. Eine der Verkäuferinnen lächelte mir zu und reichte mir ein Stück Wurst zum Naschen in die Hand. Schüchtern schaute ich sie an und bedankte mich. „Die großen Augen“, sagte die Verkäuferin, „sie hat dieselben Augen wie ihre Tante!“ Tante Susi lachte, blinkerte mir zu und bedankte sich ebenfalls. Dann verstaute sie das von der Verkäuferin sorgfältig eingewickelte Wurstpaket in ihren Einkaufsbeutel, bezahlte und verließ mit mir den Laden. Auf dem Heimweg probierte ich von der frischen Wurst in meiner Hand und hatte sie bald aufgegessen.
Auch in Landsberg gab es noch viele kleine Läden, wo die Kunden an der Theke bedient wurden. Ich erinnere mich, dass ich mit Tante Susi oft in solch ein Lebensmittelgeschäft ging, und manchmal kaufte sie mir eine Süßigkeit. An viele Einzelheiten kann ich mich nicht mehr erinnern, doch zwei Erlebnisse sollten für mich unvergessen bleiben.
Es war damals völlig normal, dass wir zunächst in der Schlange warten mussten, bis wir endlich an der Reihe waren. Während Tante Susi an der Theke einkaufte, schaute ich mich im Laden um und entdeckte in einem Regal hinter der Theke meine kleine Lieblingsschokolade. Ich tippte Tante Susi am Arm und flüsterte ihr ins Ohr, dass ich gern diese kleine Schokolade haben möchte. Da Tante Susi nichts erwiderte und weiterhin mit der Verkäuferin sprach, wusste ich nicht, ob sie mich richtig verstanden hatte, deshalb flüsterte ich ihr meinen Wunsch nochmals ins Ohr. Tante Susi war aber mit ihrer Einkaufsliste noch nicht fertig, so dass mir nichts anderes übrigblieb, als geduldig zu warten. Dann endlich steckte sie den Einkaufszettel in ihre Tasche, beugte sich zu mir herab und fragte so laut, dass es alle im Laden hören konnten: „Und was wolltest du noch haben?“ Ich zuckte zusammen, so peinlich war mir diese Situation. Aber Tante Susi dachte sich nichts dabei, sie lachte, fragte mich noch einmal – diesmal etwas leiser – und kaufte mir die gewünschte Schokolade. Dann hatte ich es sehr eilig, den Laden zu verlassen; ich nahm Tante Susi an die Hand und zog sie hinter mir her.
In diesem kleinen Geschäft gab es nicht nur Lebensmittel zu kaufen, sondern auch andere Dinge, die für den Haushalt nützlich waren. Und hin und wieder gab es auch Spielzeug. Einmal, ich muss sechs Jahre alt gewesen sein, entdeckte ich hinten im Schaufenster einen kleinen braunen Plüschaffen. Er gefiel mir so sehr, dass ich die ganze Zeit, während Tante Susi im Laden einkaufte, sehnsuchtsvoll vor diesem hübschen Affen stand. Plötzlich kam Tante Susi zu mir, legte ihren Arm um meine Schulter und fragte: „Gefällt dir das Äffchen?“ Ich nickte und schaute sie mit großen, erwartungsvollen Augen an. „Dann kaufe ich es“, beschloss sie und lächelte. „Für deine Zuckertüte.“ Auf dem Heimweg kribbelte es in meinem Bauch, so überwältigend war meine Freude. – Einige Wochen später, am Tag meiner Einschulung, schaute der kleine braune Plüschaffe aus meiner großen Zuckertüte heraus, als winke er mir zu. Ich konnte mein Glück kaum fassen. Auch meine Geschwister freuten sich, denn sie bekamen ebenfalls eine Zuckertüte geschenkt, sie war nur etwas kleiner, aber genauso schön mit Bildern beklebt und mit Süßigkeiten gefüllt.
Ich ging gern zur Schule, erlebte alles um mich herum viel bewusster und spürte, dass mit dem Schuleintritt meine Kindheit erst richtig begonnen hatte. Ich durfte, nachdem ich meine Hausaufgaben erledigt hatte, selbstständig zu meinen Freunden gehen und draußen mit ihnen spielen, erst gegen Abend musste ich wieder zu Hause sein. Auch das Landsberger Felsenbad durfte ich mit meinen Geschwistern allein besuchen, und manchmal bekamen wir von unserer Mutter ein kleines Taschengeld, von dem ich mir am liebsten Hansa Kekse oder Russisch Brot kaufte, denn vom Baden wurde ich hungrig.
Doch so selbstständig wir Kinder auch waren, ohne Tante Susi konnte ich mir meine Kindheit nicht mehr vorstellen; sie war mir so nah, so vertraut, als sei sie ein Teil von mir. Sie schenkte mir stets ein offenes Ohr und fand auf all meine Fragen eine kindgerechte Antwort. Sie verehrte meine Eltern und liebte uns Kinder. Das Alltagsleben mit ihr gestaltete sich oftmals zu etwas Besonderem.
Ich erinnere mich an jenen Sommertag, als Tante Susi mit meiner jüngeren Schwester aus dem Schrebergarten heimkam und uns einen kleinen Igel zeigte, den sie im Garten gefunden und im Handwagen mitgebracht hatte. Aufgeregt rannten wir Tante Susi und meiner Schwester entgegen, umringten den Wagen und betrachteten neugierig unseren kleinen, stacheligen Gast. Tante Susi spürte, dass wir uns freuten. „Das ist Fridolin“, sagte sie und lachte. Dann lief sie mit dem Wagen über unseren Hof und setzte Fridolin in den verwilderten Garten, der hinter unserem Hof lag und an dem ein großer Misthaufen angrenzte. „Jetzt ist er wieder frei“, sagte sie, „und er wird sich ganz bestimmt bei uns wohlfühlen.“ Fridolin war nicht der einzige Igel in unserem hinteren Garten, aber erst durch ihn begannen wir, uns auch für die anderen Igel zu interessieren. Jeden Abend, bevor wir ins Bett gingen, begleitete uns Tante Susi mit einer Taschenlampe über den dunklen Hof, wo wir ein letztes Mal unser Plumpsklo aufsuchten. Manchmal nahm Tante Susi einen Teller voll Essensreste mit, den sie zum Misthaufen brachte. „Da wird sich Fridolin freuen“, sagte sie, und so standen wir noch eine ganze Weile vor dem Misthaufen und beobachteten die Igel, die in der Dunkelheit raschelten und nach Nahrung suchten. Und wieder und wieder hielten wir Ausschau nach Fridolin. „Ist er das?“, fragten wir. „Bestimmt.“
Tante Susi blieb für immer bei uns wohnen, auch als wir später in ein Dorf umzogen, in dem meine Mutter die Leitung der Dorfschule übernahm. Zu dieser Zeit besuchte ich die zweite Klasse, und mir fiel es anfangs sehr schwer, mich an alles Neue zu gewöhnen. Ich vermisste meine Heimatstadt Landsberg und meine Freunde, die ich bereits im Kindergarten und in der Schule kennengelernt hatte. Und ich vermisste unseren Hof und den verwilderten Garten. Aber unsere neue Wohnung in der unteren Etage eines Zweifamilienhauses war größer, es gab bedeutend mehr Zimmer und ein Bad mit einer richtigen Toilette mit Wasserspülung. Doch leider gab es keinen geschützten Hof und Garten mehr, wo wir ungestört spielen konnten, denn das Zweifamilienhaus und der offene Hof befanden sich direkt neben der Schule. Aber Tante Susi bekam endlich ein eigenes Zimmer; darin standen ihr Bett, ein kleiner Tisch, zwei Schränke mit Glasaufsatz, ein Sofa und ihr Fernseher. Nun hatte meine Großtante die Möglichkeit, sich in ihrer Freizeit jederzeit zurückzuziehen. Natürlich freute sie sich, wenn wir Kinder sie in ihrem kleinen Zimmer besuchen kamen. Bei ihr war es gemütlich und es gab einen Fernseher. Fast jeden Samstagnachmittag schauten wir uns gemeinsam mit ihr einen Kinderspielfilm bei „Professor Flimmrich“ an, wobei uns die Indianerfilme mit Gojko Mitic am meisten begeisterten und uns dazu anregten, Erlebtes aus dem Film mit unseren kleinen Indianerfiguren nachzuspielen. Auch liebten wir sonntags die Kindersendung „Zu Besuch im Märchenland mit Meister Nadelöhr“, so dass das Fernsehen mit Tante Susi jedes Mal zu einem besonderen Erlebnis wurde.
Ich glaube, meine Großtante war durch ihre fröhliche, aufgeschlossene und freundliche Art sehr bekannt und beliebt in unserem Dorf. Fast täglich ging sie einkaufen, hielt hier und da ein Schwätzchen und lernte so die Leute im Dorf kennen. Tante Susi fuhr regelmäßig mit dem Bus nach Halle zum Friseur, und ich bewunderte ihr volles, von Natur aus gewelltes graues Haar. Sie war sehr rüstig und schlank – aus ihren Erzählungen wusste ich, dass sie als junge Frau im Ballett getanzt hatte – und trug im Alltag stets bequeme Hosen, einen leichten Rollkragenpulli und darüber eine Nylonschürze. Auffällig war ihr aufrechter, rascher Gang, sie lief nie gebeugt und nahm alles um sich herum wahr. Selten habe ich sie seufzen hören, weil ihr die Hausarbeit zu viel wurde. Manchmal klagte sie über Bauchschmerzen, aber solange wir Kinder im elterlichen Haus wohnten, war sie nie ernsthaft krank gewesen. Mit zweiundsiebzig Jahren hörte sie schlagartig auf zu rauchen. „Ach, ich mag das nicht mehr“, sagte sie nur, und seit diesem Tag rührte sie nie wieder eine Zigarette an. – Oft kam sie auch zu uns ins Zimmer, um mit uns zu plaudern; sie wollte teilhaben an unserem Leben und selbst erzählen, was sie erlebt hat. Noch heute bereue ich, dass ich nicht immer zu einem Gespräch bereit war, denn manchmal wollte ich nach der Schule einfach nur meine Ruhe haben. Gewiss waren es auch typische Launen, die das Teenageralter mit sich brachte, aber heute wünschte ich, niemals meine schlechte Laune an Tante Susi ausgelassen zu haben. Das hatte sie einfach nicht verdient.
Dennoch war sie stets guter Dinge, und ich mochte ihre unbeschwerte und wohltuende Art, anderen Freude und Spaß zu bescheren. Schon am frühen Morgen begann sie mit uns zu scherzen und dabei kannte ihre Phantasie keine Grenzen. Nie vergaß sie ihre beliebten Scherztage am 1.März und 1.April, an denen wir jedes Jahr aufs Neue auf ihre ausgeklügelten Geschichten hereinfielen. Wenn wir noch schliefen, schlich sie sich leise in unser Kinderschlafzimmer und nutzte die Gelegenheit, uns zu wecken. „Oh schaut mal, Kinder“, rief sie mit bebender Stimme. „Was krabbelt denn dort an der Wand? – Eine Spinne!“ Sofort war ich hellwach und sprang auf. „Wo?“, schrie ich und blickte in die Richtung, nach der Tante Susi zeigte. Vor meinem inneren Auge sah ich eine große schwarze Kellerspinne, doch an der Wand war nichts. – „Märzschaf, Märzschaf!“, lachte Tante Susi und rieb sich vor Freude die Hände. Wie versteinert saßen wir in unseren Betten, mit zerzausten Haaren und Schlafsand in den Augen, und schauten Tante Susi entgeistert an. Dann endlich begannen auch wir zu lachen und waren erleichtert, dass es keine Spinne gab. Tante Susi hatte es geschafft, unsere letzte Müdigkeit zu vertreiben. Nur mein mulmiges Gefühl im Bauch wollte nicht sogleich verschwinden.
Ich glaube, vor Spinnen hatte Tante Susi keine Angst. Auch vor Fliegen nicht, sie waren ihr aber lästig. Obwohl sie eine alte Fliegenklatsche – mit Holzstiel und einem lose daran hängenden Lederlappen – besaß, die vermutlich noch aus ihrer elterlichen Wohnung stammte, benutzte sie diese nie, höchstens, um mit uns ein Späßchen zu machen. Wenn wir Kinder uns anfingen zu streiten oder irgendeinen Unfug trieben, dann kam sie mit der Fliegenklatsche, schwenkte sie lachend wie eine Fahne hin und her und rief: „Na wartet, wenn ihr nicht hört, dann gibt es was mit der Fliegenklatsche!“ Wir kicherten und sprangen davon. Sie rannte uns hinterher. Wir wussten, es war nur ein Spiel, aber wir gaben alles darum, nicht erwischt zu werden. Unser Streit war inzwischen vergessen, und erst, als Tante Susi die Fliegenklatsche wieder in ihre Ecke stellte, hielten wir inne und prusteten los.
Die echten Fliegen hingegen erforderten von Tante Susi höchste Konzentration. Wenn sie eine Fliege vor sich auf dem Tisch sitzen sah, erstarrte sie und hielt ganz still, dann huschte ihre Hand blitzartig über die Tischplatte und die Fliege war in ihrer Hand verschwunden. Ich war jedes Mal erstaunt, wie schnell das vonstattenging. Stolz zeigte Tante Susi ihre rechte Faust, in der die Fliege gefangen war, dann öffnete sie das Fenster und ließ die Fliege frei. Wir wussten, sie konnte keiner Fliege etwas zuleide tun.
Tante Susi spürte auch, wenn jemand Kummer oder Schmerzen hatte. Dann versuchte sie, uns Kinder zu trösten und aufzumuntern: „Es wird schon wärn midder Mutter Bärn, midder Mutter Horn is es och jeworn.“ Sofort beflügelte uns eine gewisse Leichtigkeit und nahm uns die Schwere, die sich auf unsere Seele gelegt hatte. Noch heute muss ich lächeln, wenn mir dieser Ausspruch selbst über die Lippen geht, aus dem der typische hallesche Dialekt herauszuhören ist. Ich liebe diesen Spruch. Eines Tages werden vielleicht meine eigenen Kinder ihn an die nächste Generation weitergeben.
Tante Susi besaß die Gabe, für manche Dinge eine außergewöhnliche Erklärung zu finden. Einige Male strich sie mir über meinen Unterarm und betrachtete meine vielen blonden Härchen, die darauf schimmerten. „Du bekommst einmal einen reichen Mann“, sagte sie. „Wer so viele Härchen auf seinen Armen hat, bekommt einen reichen Mann.“ Ich verstand ihre Zärtlichkeit und ihr Wohlwollen. „Meinst du?“, schmunzelte ich und Tante Susi nickte zufrieden. – Bei keiner ihrer sonderbaren Erklärungen, waren sie auch noch so unwahrscheinlich, erschien sie verlegen. Manchmal, wenn ich mit ihr unterwegs war, rumorte es laut in ihrem Bauch. „Da ist ein Bär in meinem Bauch“, sagte sie. „Es ist nur ein Bär, der so laut brummt.“ Und im selben Augenblick sahen wir uns an und lachten. Ich wusste natürlich, dass sie den Bären erfunden hatte, aber durch ihre lustige Bemerkung kam es zu keiner peinlichen Situation. Ich dachte, ein bisschen Luft im Bauch ist ganz natürlich.
Seit Tante Susi bei uns lebte, bezog sie eine kleine Rente, von der sie einen Teil in die Haushaltskasse gab und den Rest für sich als Taschengeld behielt. Auch wenn Tante Susi fest in unserer Familie integriert war, blieb sie allein zu Hause, wenn wir in den Sommer- oder Winterurlaub fuhren. Dafür verreiste sie einmal im Jahr in die Bundesrepublik und besuchte unsere Verwandten in Neuss. Das war für unsere Familie nicht ganz einfach, denn meine Mutter durfte als Lehrerin keinerlei Beziehungen zu ihren Verwandten im Westen pflegen, nur meiner Großtante als Rentnerin war es erlaubt.
Ich erinnere mich, dass Tante Susi schon Wochen vorher gemeinsam mit meinen Eltern überlegte, was sie als Gastgeschenk mitnehmen könnte. Besonders beliebt waren unsere Kinderbücher vom Kinderbuchverlag der DDR, die meine Mutter extra für die Reise kaufte, sowie unsere selbstgefädelten Perlenuntersetzer, die wir mit viel Geduld und Phantasie gestalteten. Auch eine Salami von unserem Fleischer im Dorf wurde als Geschenk eingepackt. Am Tag der Abreise brachte mein Vater Tante Susi mit dem Auto zum Bahnhof, wo sie dann mit dem Zug weiterfuhr. Fünfzehn Ostmark durfte sie für fünfzehn Westmark eintauschen.
Wie lange Tante Susi sich in Neuss aufhielt, weiß ich nicht mehr, aber ich erinnere mich an die große Wiedersehensfreude, als sie heimkehrte. Es war ein Fest. Tante Susi wurde von uns allen umringt, denn sie hatte viel zu erzählen und auszupacken. Sobald sie den ersten Koffer öffnete, stieg uns ein ganz besonderer Duft in die Nase, ein Duft aus einem Gemisch von Seife, Kaffee, Kaugummi und Schokolade. Noch heute kann ich diesen Duft riechen, aber nur in meiner Erinnerung. Nirgendwo habe ich jemals diesen unvergleichlichen Duft wiedererlebt. In einem ihrer Reisekoffer verbargen sich auch schöne, gut erhaltene Kindersachen, aus denen die Kinder unserer Verwandten herausgewachsen waren: Hosen, Röcke, Kleider, Jacken, Shirts, Pullover und einiges mehr. Wir Kinder folgten Tante Susi in ihr Zimmer, wo sie ihren schweren, geheimnisvollen Koffer auf ihrem Bett ablegte und öffnete. „Dann schaut mal!“, sagte sie nur, und eifrig nahmen wir ein Kleidungsstück nach dem anderen aus dem Koffer heraus und überlegten, wem es passen könnte. Sogleich probierten wir die „neuen“ Sachen an und betrachteten uns vor dem großen Spiegel im Flur. Für jeden war etwas Schönes dabei, und selbst wenn der hellblaue Hosenanzug zunächst nur meiner älteren Schwester passte, so wusste ich doch, dass ich ihn bekommen würde, sobald meine Schwester aus ihm herausgewachsen war.
Für meine Eltern und Tante Susi inszenierten wir spontan eine Modenschau, schlüpften in die Pumps meiner Mutter und klapperten so laut mit den Absätzen über den Flur, dass dieses beeindruckende Geräusch bis ins Wohnzimmer zu hören war. Dort saß unser kleines Publikum und erwartete unseren Auftritt mit Spannung und Applaus. Tante Susi war glücklich, wieder daheim zu sein, glücklich, uns so voller Freude zu erleben und glücklich, dass sie diese Reise unternehmen und uns so reichlich beschenken durfte.
Doch für mich bedeutete ihre Rückkehr mehr als ein Koffer voll Glück. Ihre tägliche Präsenz und ihr Bedürfnis, jederzeit für uns da zu sein und uns Gutes zu tun, empfand ich als das größte Geschenk, womit sie uns bescheren konnte. Ihre Liebe durchstrahlte meine Seele. Noch heute spüre ich ihre ungebrochene Lebenslust. Ihre Gabe, die täglichen, oft mühevollen Hausarbeiten dennoch mit einer gewissen Freude und Zufriedenheit auszuführen, wusste ich erst zu schätzen, als ich selbst einen eigenen Haushalt führte. Ihre Liebe zu uns war ihr innerer Motor.
Unvergessen bleiben mir auch ihre Erzählungen aus der Zeit der Kriege, die sie als Kind und später als junge Frau miterlebt hatte. 1907 geboren, hinterließen diese schweren Zeiten große Spuren in ihrem Leben. Der Verlust ihrer drei Brüder, die im Zweiten Weltkrieg gefallen waren, muss für sie und ihre Eltern so schmerzlich gewesen sein, dass sie beschloss, bei ihren Eltern zu bleiben und immer für sie da zu sein. Aus diesem Grund wollte Tante Susi auch niemals heiraten.
So erzählte sie mir, wie sie als Kinder in den Jahren des Ersten Weltkrieges oft Hunger verspürten. Einmal war sie mit ihren Brüdern allein zu Hause, und da der Hunger übermächtig wurde, suchten sie in der Küche nach Essbarem und brieten sich heimlich in einer Pfanne Fleischklößchen. Sie wussten, dass sie das nicht durften. Als die Eltern vorzeitig heimkehrten, bekamen sie plötzlich Angst und warfen die Klößchen schnell unter den Herd, um ihre verbotene Tat vor den Eltern geheim zu halten. Aber es roch in der ganzen Küche nach gebratenem Fleisch, so dass sie zugeben mussten, was sie getan hatten. Ihre Eltern schimpften, aber zum Glück nicht allzu sehr. Ob sie die Klößchen noch essen konnten, das weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur, dass die ganze Geschichte, die mir Tante Susi erzählte, wie ein Abenteuer für mich klang; sie hatten etwas Verbotenes getan, aber sie waren eben Kinder und taten es nur, weil der Hunger sie dazu trieb.
Meine Großtante erzählte mir auch von den vielen Bombenangriffen, die sie in Halle während des Zweiten Weltkrieges mit ihren Eltern erlebt hatte. Sobald die Sirenen losheulten, stürzten sie in den Keller und warteten voller Angst, bis der Fliegeralarm vorbei war; erst dann konnten sie wieder zurück in ihre Wohnung und waren froh, dass sie noch lebten. Wenn sie mir davon erzählte, habe ich versucht, mir diese schlimmen Ereignisse vorzustellen und war jedes Mal erleichtert, keinen Krieg miterleben zu müssen. Dennoch war der Krieg in meinem Kopf, ich wusste als Kind, dass in Vietnam ein großer Krieg geführt wurde, und er war so gegenwärtig für mich, dass ich, sobald irgendwo eine Sirene losheulte, wenn auch nur zu Übungszwecken, furchtbare Angst bekam.
Trotz der vielen, zum Teil schrecklichen Erlebnisse während der Kriegsjahre, trotz der Trauer und des Schmerzes über den Verlust ihrer drei Brüder bewahrte sich Tante Susi ihre Frohnatur. Und wie kein anderer aus unserer Familie interessierte sich Tante Susi für das Weltgeschehen. Mehrmals am Tag verfolgte sie intensiv die Nachrichten, und noch heute erinnere ich mich an jenen Tag, als ich zu ihr ins Zimmer kam und sie gerade die aktuellen Nachrichten im Fernsehen sah, wie mehrere Politiker am Tisch saßen und einen Friedensvertrag unterschrieben, der bedeutete, dass der Vietnamkrieg beendet war. „Die Männer sehen ja aus wie ganz normale Menschen“, sagte ich verwundert und konnte nicht glauben, dass diese gut gekleideten Männer im schwarzen Anzug jemals Krieg geführt hatten. „Ja“, sagte Tante Susi, „so ist das, man sieht es ihnen nicht an, dafür lassen sie andere für sich kämpfen. Aber endlich ist der Krieg vorbei. Gott sei Dank!“
Es gäbe noch vieles mehr über meine Großtante zu erzählen, aber ich würde wohl kein Ende finden. Doch eine meiner prägenden Erinnerungen möchte ich nicht unerwähnt lassen: Tante Susi war eine wunderbare Köchin. Mit großer Dankbarkeit blicke ich auf jene Zeit zurück, in der sie für uns das Mittagessen kochte. Oh wie duftete es in der Küche, wenn wir von der Schule nach Hause kamen! Ich freute mich jedes Mal auf das warme Essen, welches Tante Susi gekocht hatte, und schon damals spürte ich, wie viel Mühe sie sich gab, uns jeden Tag mit einer leckeren Mahlzeit zu überraschen, auch wenn das jeweilige Gericht vorher mit unserer Mutter geplant und abgesprochen war.
Erst Jahre später, als Tante Susi älter wurde und ihr das Kochen schwerer fiel, meldete meine Mutter uns Kinder und Tante Susi beim Schulessen an. Auch wenn wir diese Entscheidung akzeptierten, war es dennoch eine große Umstellung für uns. Das Essen in der Schule schmeckte nicht so gut und meistens freute ich mich nur auf den Nachtisch, wenn es einen Apfel oder eine Apfelsine gab, eine Quarkspeise oder ein Schälchen Apfelmus. Ich vermisste Tante Susis Essen sehr, vor allem ihre köstlichen Gemüsesuppen. Auch ihre Kartoffelpuffer, wofür die Zubereitung sehr aufwendig war, vermisste ich sehr. Als Tante Susi noch für uns kochte und ich manchmal schon eher aus der Schule kam, gesellte ich mich zu ihr in die Küche und schaute ihr beim Kochen zu. Noch heute sehe ich sie vor mir, wie sie die vielen rohen Kartoffeln mit einem Reibeisen in einer großen Emaille Schüssel rieb, anschließend das Kartoffelwasser ausdrückte und den Teig mit Salz und Pfeffer würzte. Damit die Kartoffelpuffer recht knusprig wurden, schüttete sie noch Haferflocken dazu. Solche Kartoffelpuffer gab es beim Schulessen nicht. Und auch niemand in der Großküche konnte den Milchreis so gut zubereiten, wie meine Großtante. In der Schule war er stets zerkocht und viel zu süß, während Tante Susi zu Hause die Reiskörner mit frischer Milch, Lorbeerblättern, einer Zitronenschale, mit Muskatnussstückchen, einer Prise Salz und Pimentkörnern kochte, so dass sich ein feines Aroma entfalten konnte. Die Reiskörner in der Milch waren noch deutlich zu sehen und zu schmecken. So etwas gab es nur daheim. Manchmal schimpften wir über das Schulessen, aber wir wussten, es gab keine bessere Lösung; und wenn ich nach der Schule noch hungrig war, aß ich eben eine Kleinigkeit, um meinen Magen zu stillen. Auch Tante Susi beklagte sich hin und wieder über das Essen, wenn sie merkte, dass es auch uns nicht geschmeckt hatte. Da wir gleich neben der Schule wohnten, sah ich sie oft mit ihrem kleinen Kochtopf über den Schulhof laufen, um sich das Mittagessen im Speiseraum abzuholen, welches sie nun jeden Tag allein zu sich nahm und nicht mehr wie sonst, ihre vier Kinder am Tisch um sich hatte. Dennoch glaube ich, dass es für sie eine Erleichterung war, nicht mehr täglich für alle kochen zu müssen. Am Wochenende bereitete dann unsere Mutter das Mittagessen zu, was wir alle sehr zu schätzen wussten, denn auch ihr Essen schmeckte einfach lecker. Und wir genossen es, wieder gemeinsam am großen Tisch zu sitzen, um gemütlich zu essen, was in der Woche nun selten vorkam.
Nur wenn es Piroggen zu Mittag geben sollte, durften sich Tante Susi und unsere Mutter nicht in der Küche aufhalten, an solch einem Tag übernahm unser Vater das Kommando. Wir liebten dieses slawische Gericht, welches in der Großfamilie meines Vaters, die aus Galizien stammte, traditionell von Generation zu Generation gepflegt wurde. Gemeinsam mit unserem Vater bereiteten wir Kinder über mehrere Stunden die Piroggen in der Küche zu, der Nudelteig musste gut geknetet und die verschiedenen Füllungen vorbereitet werden, bevor wir die ausgerollten, kreisrunden Teigtaschen mit einem kleinen Löffel füllten und vorsichtig die Ränder zu einem Halbmond andrückten. Wie emsige Bienen wuselten wir in der Küche umher, fühlten uns wichtig und empfanden riesigen Spaß bei all unseren Tätigkeiten, die wir sorgfältig und geduldig ausführten, während Tante Susi und unsere Mutter es genießen konnten, einmal nicht in der Küche stehen zu müssen.
Nur ein einziges Mal trug es sich anders zu. Als wir an jenem Tag, der für mich unvergessen bleiben sollte, aus dem Sommerurlaub heimkehrten, wollte Tante Susi uns mit unserem Lieblingsgericht überraschen. Sie hatte für uns Piroggen gekocht, das erste Mal in ihrem Leben. Ihre Freude, uns wiederzusehen, war so groß, dass sie den ganzen Morgen in der Küche zubrachte, um für uns diese besondere Mahlzeit zuzubereiten. Auch wir freuten uns sehr, Tante Susi wiederzusehen, aber dass sie für uns Piroggen gekocht hatte, war mehr als wir erwarten konnten. Es erschien uns wie ein Wunder, denn wir wussten nur zu gut, wie aufwändig die Zubereitung war. Die Überraschung war ihr gelungen! Als sie die Schüssel mit den fertig gekochten Piroggen auf den Tisch stellte, trauten wir unseren Augen kaum: Ihre Piroggen waren doppelt so groß, wie die Piroggen, die wir mit unserem Vater zubereitet hatten. Vor Staunen blieb uns der Mund offenstehen, dann mussten wir lachen. Auch Tante Susi lachte, da sie erst jetzt begriff, was für eine Begeisterung sie mit ihren außergewöhnlich großen Piroggen bei uns ausgelöst hatte, es war nicht ihre Absicht gewesen. Unser Appetit steigerte sich ins Unermessliche; ungeduldig zappelten wir auf unseren Stühlen, bis endlich alle am Tisch saßen und wir zulangen konnten. Tante Susi war überglücklich, als sie sah, wie gut uns ihre Piroggen schmeckten. Während des Essens erzählten wir ihr über unsere Erlebnisse aus dem Urlaub, denen sie aufmerksam zuhörte. Auch sie berichtete, was sich im Dorf in der Zeit unserer Abwesenheit ereignet hatte.
Tante Susi besaß neben all ihren Aufgaben in unserem Familienhaushalt ausreichend Freizeit und war eine begeisterte Lottospielerin. Einmal in der Woche ging sie zur Post und füllte ihren Lottoschein aus. Ein Fünfer im Lotto war ihr größter Traum. Noch heute höre ich sie sagen: „Ach, wenn ich erst einmal im Lotto gewinne, dann wird es uns gut gehen.“ Leider kann ich mich nicht mehr genau erinnern, was sie sich alles gewünscht hatte. Ich weiß nur noch, dass ich jedes Mal erstaunt war, was sie alles aufzählte. Ich glaube, ihr größter Wunsch war, einmal mit unserer Familie zusammen zu verreisen. Aber das meiste Geld wollte sie meinen Eltern schenken; sie wusste, dass meine Mutter sehr sparsam war und Tag für Tag alle Haushaltskosten aufschrieb, damit das Geld über den Monat reichte. Sie selbst konnte mit ihrer kleinen Rente ja nicht viel beisteuern.
Doch noch ein weiterer, fast unerreichbarer Traum durchstrahlte ihr Leben. „Ich möchte einmal hundert Jahre alt werden“, sagte sie oft in stillen Momenten, verschränkte dabei ihre schon etwas zittrigen Hände und blickte gedankenversunken in die Ferne. Zärtlich sah ich sie an und schmunzelte: „Ganz bestimmt wirst du hundert Jahre alt.“ Dann nickte sie zufrieden und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. All ihre Träume waren so voller Sehnsucht, dass ich Tante Susi in ihren Hoffnungen immer wieder bestärkte, was nicht nur sie, sondern auch mich sehr froh stimmte. Leider gingen ihre großen Träume nicht in Erfüllung, doch sie waren ihre treuen Begleiter und haben sich tief in meine Seele eingebrannt.
Und auch heute frage ich mich: Was wäre ein Leben ohne unsere Träume? Auch wir Kinder blickten hoffnungsvoll in die Zukunft, die vielversprechend zu sein schien und uns viele Möglichkeiten bot. Wir spürten, eine wichtige Lebensphase ging zu Ende und ein Neuanfang stand bevor. So rückte die Zeit heran, in der wir die wohlbehütete Kindheit hinter uns ließen und nach und nach aus unserer elterlichen Wohnung auszogen, um zu studieren und selbst eine Familie zu gründen. Das bedeutete für meine Eltern und Tante Susi eine große Umstellung. Im Haus wurde es still und sie mussten lernen, uns nacheinander loszulassen, während für uns ein vollkommen neues Leben begann. Aber auch meine Eltern schmiedeten Pläne, sie gestalteten ihre Wohnung um und Tante Susi bekam ein neues Zimmer, welches mein Vater vorher renoviert hatte.