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Buch

Keine Biographie muss vollkommen und kein Mensch perfekt sein, um ein erfülltes Leben zu führen. Denise Schindler verliert im Alter von zwei Jahren ihren rechten Unterschenkel und muss als Mädchen und junge Frau zahlreiche schmerzhafte Operationen über sich ergehen lassen. Heute hat sie gelernt, ihre Behinderung zu akzeptieren und sogar als Chance zu begreifen.

In diesem Buch teilt die mehrfache Paralympics-Medaillengewinnerin ihre persönlichen Grundsätze der Resilienz und zeigt beeindruckend und bewegend, wie wir Rückschläge wegstecken und selbstgesetzte Grenzen überwinden können.

Autoren

Denise Schindler, geboren 1985, ist als Top-Rennradfahrerin das Gesicht des deutschen Behindertensports. Nach einem Straßenbahnunfall wurde ihr als Zweijährige der rechte Unterschenkel amputiert. Innerhalb von zehn Jahren hat sich die gelernte Eventmanagerin an die Spitze des Sports gekämpft und steht voller Euphorie in den Startlöchern für die Paralympics in Tokio 2021.

Manfred Otzelberger ist seit 2007 Redakteur von BUNTE, Europas größtem People-Magazin. Außerdem ist er Autor mehrerer Sachbücher und beschäftigt sich mit der Frage, ob man sich Glück erarbeiten kann.

Denise Schindler
mit Manfred Otzelberger

Vom Glück, Pech zu haben

Wie man an einem Schicksalsschlag
wachsen kann

Meine 10 Grundsätze der Resilienz

Mit einem Vorwort von Johannes B. Kerner

Alle Ratschläge in diesem Buch wurden vom Autor und vom Verlag sorgfältig erwogen und geprüft. Eine Garantie kann dennoch nicht übernommen werden. Eine Haftung des Autors beziehungsweise des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ist daher ausgeschlossen.

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Originalausgabe Juli 2021

Copyright © 2021: Mosaik Verlag, München, in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, Neumarkter Str. 28, 81673 München

Umschlag: Sabine Kwauka

Umschlagmotiv: © Joe Spies

Umschlagmotive innen: © shutterstock/YuriyAlt_Art

Redaktion: Martha Wilhelm

Satz und E-Book Produktion: Satzwerk Huber, Germering

EB ∙ IH

ISBN 978-3-641-26414-7
V001

www.mosaik-verlag.de

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Inhalt

Vorwort

Einleitung
Warum mein Leben leuchtet

Meine 10 Grundsätze der Resilienz
Was ein Stehaufmensch braucht

1. Akzeptanz: Wie eine Straßenbahn (nicht) zu meinem Schicksal wurde

2. Geborgenheit: Familie und Freunde – die Wurzeln meines Erfolgs

3. Selbstwirksamkeit: Aktivität – der Schlüssel zu (m)einem selbstbestimmten Leben

4. Selbstvertrauen: Hier bin ich auf eineinhalb Beinen!

5. Leidenschaft: Mein Antrieb, das Radfahren

6. Optimismus: Warum ich mit Neugier, Hoffnung und Humor in die Zukunft schaue

7. Ziele: Meine Wegweiser, um dranzubleiben

8. Scheitern als Chance: Wie man aus Niederlagen lernt

9. Empathie: Ein Perspektivenwechsel macht den Unterschied

10. Liebe und Wertschätzung: Wie Freundlichkeiten die Welt um vieles besser machen

Schlussgedanke
Warum wir die Gestalter unseres Glücks sind

Danksagung

Zum Weiterlesen

Vorwort

Die Abende des Ball des Sports in Wiesbaden sind für mich immer etwas ganz Besonderes. Aus vielerlei Gründen. Hier treffen sich die besten Sportlerinnen und Sportler aus den verschiedensten Disziplinen, und ich kann mich bis in den frühen Morgen über Olympia, Weltmeisterschaften, Höhen, Weiten und Bestzeiten unterhalten. Das allein ist beinahe schon ausreichend für einen schönen Abend. Aber was mir immer in Erinnerung bleiben wird, ist das Zusammentreffen der olympischen und paralympischen Sportlerinnen und Sportler. Hier stehen beide Gruppen gleichermaßen im Rampenlicht, so wie sie es verdient haben. Das macht den Ball des Sports so außergewöhnlich.

Eine Begegnung werde ich dabei nie vergessen: Denise Schindler ist paralympische Radrennfahrerin und eine der Besten in ihrem Sport. Dreifache Weltmeisterin, Siegerin und ein Vorzeigeprofi. Sie hat aus ihrem Schicksal, sehr früh in ihrem Leben bei einem Unfall einen Unterschenkel verloren zu haben, mehr als das Beste gemacht. Ein Tipp: Verabreden Sie sich nicht zu einer Fahrradtour mit ihr. Nach wenigen Metern ist sie nur noch am Horizont zu sehen.

Denise steht für Willensstärke, Kraft, Ausdauer, Fairness und das unbedingte Ziel, die Beste ihres Sports zu sein. Sie vereint die Grundwerte des Sports in einer Person und ist damit ein Vorbild für die Jugend. Jeder kann etwas von ihr lernen, wenn es darum geht, nicht aufzugeben, sich immer wieder zu prüfen und eine positive Einstellung zum Leben zu haben.

Mit ihrem Buch Vom Glück, Pech zu haben gibt sie ihre Strategie für mehr Resilienz an uns alle weiter. Ihre Grundsätze sind erprobt am echten Leben, das nicht immer einfach ist, aber wunderschön, wenn man lernt im Regen zu tanzen.

Johannes B. Kerner

Einleitung
Warum mein Leben leuchtet

Ich könnte es mir leicht machen: Das Leben ist nicht fair. Das Leben ist voller Zumutungen. Das Leben serviert einem jede Menge Rückschläge. Alles richtig, aber eben nur die halbe Wahrheit. Die Kehrseite der Rückschläge sind die Vorschläge. Die Sonderangebote des Schicksals. Die Glücksfälle, die man erst nach einiger Zeit als solche erkennt. Davon bietet das Leben auch reichlich, wenn man mit offenen Augen durch die Welt läuft und Zumutungen als Herausforderungen sehen kann. Auch und erst recht in Corona-Zeiten. Ein Virus kann die Welt verändern. Uns maskieren und irritieren. Es kann uns aber auch zum Kern unserer Persönlichkeit führen: Wer bin ich? Was brauche ich wirklich? Wofür lebe ich eigentlich? Wer ist mir wahrhaft nah? Umbruchzeiten sind auch immer Zeiten der Erkenntnis.

Deshalb möchte ich vom Glück, Pech zu haben, erzählen. Von dem Zusammenprall, der mein Leben im Alter von zwei Jahren ein bisschen ungemütlicher machte, aber nicht zerstörte. Von der besten Zeit meines Lebens, die erst nach dem völligen Begreifen meiner Behinderung begann. Von dem Wunder, das aus einer Wunde entstand. Mein Leben leuchtet, nicht nur wegen der vielen Medaillen, die ich gewonnen habe.

Weltmeisterin und Medaillengewinnerin bei den Paralympics wäre ich ohne mein Handicap nie geworden. Und ob ich es bis nach Olympia geschafft hätte: Wer weiß? Im Leben gibt es kein »Hätte, wäre, wenn«. Heute kann ich sagen: Mein Zusammenstoß mit der Straßenbahn in der verschneiten Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz, war wohl das beste Unglück, das mir je passiert ist. Klingt paradox, ich kann auch nur für mich sprechen. Aber vielleicht finden sich in meiner Geschichte Menschen wieder, die Ähnliches hinter sich haben. Oder noch mittendrin sind. Denn jeder Einschnitt in unserem Leben formt unseren Charakter. Ich bin mir sicher, ich wäre ohne den Unfall heute nicht die gleiche Person.

Das Leben besteht bei jedem Menschen zu einem gewissen Teil aus Ausrutschern. Schon als Kleinkind üben wir das Stürzen, und auch später gibt es immer wieder Hindernisse, die sich uns in den Weg stellen. Kein Leben verläuft völlig geradlinig und glatt. Der Unterschied zwischen den meisten Ausrutschern und meinem ist, dass meiner nicht am nächsten Tag vergessen war. Das Leben hat mir früh eine Herausforderung mit auf den Weg gegeben. Ein Schicksal, das sich eben nicht einfach korrigieren lässt. Der rechte Unterschenkel ist amputiert, der linke Fuß wird ein Leben lang nur eingeschränkt funktionsfähig sein. Ich finde, ein Beinbruch hätte es bei mir auch getan, um das Stürzen zu üben, aber so habe ich eben als geborene Zweibeinerin die Aufgabe angenommen, mit eineinhalb Beinen durch die Welt zu gehen.

Dieser Wintertag im Februar 1988 hat mein Leben von heute auf morgen unwiderruflich verändert. Gerade noch an der Hand der Mutter zu sein und dann von einer Straßenbahn mitgerissen zu werden hätte eine solide Basis für ein Lebenstrauma werden können.

So wurde ich vor 35 Jahren genötigt, im Leben einen Intensivkurs Resilienz zu belegen – ohne dass ich diesen Begriff lange überhaupt gekannt hätte. Inzwischen ist Resilienz ein Modewort geworden. Es bezeichnet in seinem eigentlichen Kern die Möglichkeit, eine ungeahnte innere Stärke zu entwickeln, nach Schicksalsschlägen wieder aufzustehen, sich neu zu orientieren, möglicherweise sogar gestärkt daraus hervorzugehen. Friedrich Nietzsche hat das mal in dem Spruch verdichtet: »Was uns nicht umbringt, macht uns stärker.« Er beschreibt etwas, was wir uns alle wünschen: dass wir an Gefahren wachsen. Uns dahin trauen, wo es wehtut. Unkaputtbar – aber nicht unberührbar – im Herzen werden. Es geht darum, wetterfest zu werden für die Stürme des Lebens und selbst nach Entwurzelungen wieder seine Zweige sortieren und zum Blühen bringen zu können. Resilienz ist die Stehaufkraft, die Wunder wirken musste und mich selbst überrascht hat. Niemand ist den äußeren Umständen ausgeliefert, niemand muss resignieren. Das ist meine feste Überzeugung und Erfahrung, auch wenn ich meine Lebensgeschichte nicht 1:1 auf andere übertragen kann. Die Resilienz ist für mich so etwas wie eine seelische Ritterrüstung, in der man geschützt ist, sich aber gleichzeitig elegant und leichtfüßig bewegen kann. Leichtfüßig – da muss ich innerlich lachen.

Meine Haltung ist dem Journalisten Manfred Otzelberger aufgefallen, als wir uns 2019 beim Ball des Sports in Wiesbaden zum ersten Mal begegneten. Der Mann von der BUNTEN ist ein Reporter, der gern über die Tagesaktualität hinaus etwas tiefer schürft, er nimmt sich Zeit und will ans Eingemachte gehen, an die Bruchstellen, an den Schmerz, den man nicht gleich jedem offenbart. Vom Trauma zum Traum ist es nur ein Buchstabe. Verletzungen gehören zum Leben – davon ist er überzeugt. Vielleicht sind unsere Reaktionen darauf das Interessanteste, was wir erleben können. Warum blühen manche nach so einer Erfahrung auf? Und andere zerbrechen daran? Kann ein Schicksalsschlag Fluch und Segen zugleich sein?

Genau darum geht es in diesem Buch. Wir wollen über unseren geistigen Tellerrand hinausschauen, das große Thema Resilienz anhand meiner eigenen Lebensgeschichte erklären – aber nicht nur. Dieses Buch soll mehr sein als meine Biographie. Resilienz geht jeden etwas an, und um ihr Wesen zu vermitteln, bedarf es Glaubwürdigkeit. Mein Weg zu den Paralympics und zu einem glücklichen Leben war schmerzlich, aber auch erfüllend. Es geht in diesem Buch nicht nur um Wachstum durch Sport, sondern um persönliche Entwicklung auf allen Ebenen. Ich teile mit Ihnen meine zehn ganz persönlichen Resilienzgrundsätze: von Akzeptanz bis Zielsetzung, von Geborgenheit bis Leidenschaft, von Optimismus bis Empathie, von Selbstwirksamkeit bis Selbstvertrauen, vom Scheitern als Chance bis hin zur Liebe. Mein Wunsch: dass Sie nach dem Lesen dieses Buches genauso viel Lebenslust in jeder Faser haben wie ich. Das Leben ist schön. Von einfach kann aber nicht die Rede sein.

Mein Co-Autor Manfred Otzelberger hat zum Thema Resilienz viele Menschen befragt, von Forschern bis zu Praktikerinnen, die beispielgebend sind und von denen wir lernen können. Nach jedem Kapitel, in dem ich meine Entwicklung zu einem gesunden Selbstwertgefühl erzähle, versucht er, meine im wahrsten Sinn des Wortes »erlebten« Prinzipien in einem »Resilienz-Guide« etwas weiter zu fassen. Sie werden staunen. Beim Lesen darf gelacht und geweint werden. Wir lernen nun mal durch Geschichten. Das Prinzip »Ach so, so kann man es auch machen« wirkt besser als Aspirin und Ibuprofen.

Resilienz ist die Lehre von den Stehaufmännchen. Sie sind nicht umzuwerfen, weil sie einen tiefen Schwerpunkt haben. Und eine Rückholfeder. Bei uns Menschen wird diese Mechanik nicht serienmäßig verbaut, aber man kann durch einen klaren Kopf und ein kühnes Herz trotzdem eine große Widerstandsfähigkeit erwerben. Resilienz im besten Sinn gegen die bizarren Zumutungen des Lebens.

Wie schön, dass im Wort »Zumutung« schon der Mut enthalten ist. Wir brauchen ihn. Damit aus Krisen keine Katastrophen werden und sich das Leben federleicht statt bleischwer anfühlt.

Hier also meine ganz persönliche Geschichte. Über mein ziemlich spannendes Leben, das ich für kein Geld der Welt gegen ein anderes eintauschen möchte.

Meine
10 Grundsätze
der Resilienz

Was ein Stehaufmensch braucht