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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.

© 2021 Karlheinz Lipp

Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt

ISBN: 978-3-7534-3709-5

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Ein wichtiges Kennzeichen des Kalten Krieges bildete das bipolare Weltbild. Die reale oder vermeintliche Angst vor der Sowjetunion prägte die Innen- und Außenpolitik der USA und ihrer Verbündeten. Der Name des republikanischen Senators Joseph McCarthy wurde zum Inbegriff für die politische Hysterie des Kalten Krieges und die Verfolgungen von kritischen Personen in den USA.

Dass die Sowjetunion mit ca. 28 Millionen Toten (überwiegend der Zivilbevölkerung) die meisten Opfer des Zweiten Weltkrieges zu beklagen hatte, spielte im Westen kaum eine Rolle. Ferner hinkten die UdSSR und ihre Verbündeten finanziell und wirtschaftlich deutlich hinter dem Westen her. Auch hinsichtlich der konventionellen und atomaren Rüstung zeigte der Ostblock stets einen Rückstand, der immer erst aufgeholt werden musste. Zeitliche Unterschiede gab es auch bei der Bildung der militärischen Bündnissysteme. So wurde die NATO schon 1949 gegründet, der Warschauer Pakt erst 1955.

Zu Recht kritisierten westliche Staaten die antidemokratischen Strukturen sowie Verstöße gegen die Menschenrechte im Ostblock. Gleichzeitig zeigte der Westen jedoch eine doppelte Moral und hatte keine Skrupel mit Diktaturen in Spanien (Franco), Portugal (Salazar) und Griechenland (Obristen) zusammenzuarbeiten – um nur drei Beispiele aus Europa zu nennen. Der Antikommunismus dieser genannten Staaten stellte hier das entscheidende Merkmal dar – wo aber blieben die vermeintlich westlichen Werte wie Demokratie sowie Menschenrechte und deren politische Umsetzung?

Die vielfältigen Ansätze der Friedensbewegungen wurden seitens der Regierung der Bundesrepublik als kommunistisch diffamiert. Das sog. „Blitzgesetz“ des Jahres 1951 richtete sich zunächst und primär gegen die KPD. Es zeigte sich jedoch bald, dass kritische Stimmen gegen die Wiederbewaffnung und die Regierung Adenauer mit Kommunisten gleichgesetzt und als „nützliche Idioten“ oder „Agenten Moskaus“ negativ etikettiert wurden.

Die westdeutsche Justiz leitete im Zeitraum von 1949 bis 1968 ca. 125.000 Verfahren gegen Kommunisten und politische Gegner ein. Durch langwierige Prozesse, Hausdurchsuchungen, Verhaftungen, Kündigungen und Überwachungen durch den Verfassungsschutz erfolgte eine

Kriminalisierung der Friedensbewegung. Innenpolitisch lassen sich mit Angst und Drohgebärden, die aus der Zeit des Nationalsozialismus bestens bekannt waren, vor einem Kommunismus Menschen beeinflussen und Wahlen gewinnen. Die Friedenskonzeptionen in Westdeutschland in den Jahren 1945 bis 1955 sahen ein geeintes Deutschland ohne Militär vor. Eine ernst gemeinte Prüfung dieser Überlegungen unterblieb.

Konrad Adenauer, der erste Kanzler der Bundesrepublik traf die Entscheidung für die Wiederbewaffnung überwiegend allein Ende 1949. Dieses Ziel verfolgten die USA ebenso. Angeblich gab es hierzu keine Alternative. In der gerade gegründeten Bundesrepublik sahen dies viele Menschen anders, zumal der Zweite Weltkrieg und das verbrecherische NS-Regime noch sehr lebendig waren. Diese Gegnerschaft zum Krieg, zum Militär und zur Aufrüstung schuf die Basis für die Friedensbewegungen. Gegen diese Mehrheit der Bevölkerung setzte Adenauer seine Politik der Remilitarisierung durch. Der Wunsch nach materiellem Wohlstand im Land des langsam einsetzenden Wirtschaftswunders bekam für die Wählerinnen und Wähler einen zunehmend wichtigeren Stellenwert als die vielen Proteste gegen die Wiederbewaffnung. Mit der neu geschaffenen Bundeswehr wollte Adenauer auch eine gewisse Souveränität im internationalen Rahmen für die noch junge Bundesrepublik erreichen.

Eine lebendige, kontroverse Diskussion über die Frage einer Wiederbewaffnung konnte sich in der SBZ/DDR von 1945 bis 1955 nicht entwickeln. Der SED-Staat blockierte dies erfolgreich. Öffentliche Meinungsäußerungen wurden untersagt und eine Vielfalt an Medien gab es nicht. Vom Staat unabhängige Friedensorganisationen waren nicht erlaubt oder wurden bald verboten, so etwa die Deutsche Friedensgesellschaft. Gleichwohl konnten sich partiell und regional militärkritische Stimmen, oft in Kombination mit einer großen Distanz zum Staat Gehör verschaffen, so etwa der Eisenberger Kreis und der studentische Protest an der Universität Greifswald gegen die Umwandlung der medizinischen in eine militärmedizinische Fakultät. Im Jahr des republikweiten Aufstandes des Jahres 1953 stieg die Zahl der Desertionen in der Kasernierten Volkspartei als Vorläuferin der Nationalen Volksarmee deutlich an.

Vielfalt der Friedensansätze – Vielfalt der Aktionsformen

Hinsichtlich des Friedensengagements lassen sich sehr unterschiedliche Motive erkennen:

Als vielfältig müssen auch die Aktionsformen angesehen werden:

Nach der Etablierung der Bundeswehr und der Nationalen Volksarmee – zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der von Deutschland ausging – setzten die verschiedenen Friedensbewegungen ihr Engagement fort, und zwar gegen die atomare Aufrüstung. Es entstand ferner eine neue Aktionsform, die Ostermärsche.

Eine neutrale Position, die von Teilen der Friedensbewegungen angestrebt wurde, setzte sich nicht durch bzw. wurde blockiert. Anders gestaltete sich dies in der Republik Österreich, dem dritten Nachfolgestaat des NS-Regimes. Der Staatsvertrag von 1955 sieht eine neutrale Position zwischen den beiden Machtblöcken vor.

Diese Chronik erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, bietet aber einen aussagekräftigen Querschnitt der vielfältigen Friedensinitiativen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf jenen Personen, Gruppen und Organisationen, die sich von 1945 bis 1955 friedenspolitisch engagiert haben.

Im Mittelpunkt steht die Kritik am Kurs der Remilitarisierung, die von der Regierung Adenauer betrieben wurde. Daneben finden auch andere friedenspolitische Aktivitäten ihre Berücksichtigung, sodass deutlich wird, dass in dem Jahrzehnt nach 1945 nicht geringe Teile der westdeutschen Bevölkerung dem Regierungskurs, dem Kalten Krieg und den Atomwaffen sehr skeptisch gegenüber standen. Überdies zeigen die Ereignisse der Proteste ein höchst lebendiges Bild der Gesellschaft jener Jahre.

Neben bekannten Personen der Zeitgeschichte, Naturwissenschaften und Kultur, gilt der Blick auch den eher unbekannten Frauen und Männern sowie ihren friedenspolitischen Aktivitäten im Alltag. Berücksichtigt wird auch die Situation in der SBZ/DDR, wenngleich das Hauptgewicht auf der BRD liegt.

Auch das Verzeichnis der Quellen und Literatur (in Auswahl) folgt dem Prinzip der Vielfalt – und regt an, sich lokal und regional mit den Friedensbewegungen zu beschäftigen.

Mein besonders herzlicher Dank für das Layout gilt Jürgen Walther.

1945

8. Mai

Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa und Befreiung vom Nationalsozialismus.

12. Juni

Premiere von Bertolt Brechts Furcht und Elend des Dritten Reiches in New York.

15. Juni

Vollständige Entwaffnung der Bevölkerung der SBZ.

26. Juni

Verabschiedung der Charta der Vereinten Nationen.

16. Juli

Der erste Test einer US-Atombombe.

17. Juli – 2. August

Potsdamer Konferenz.

25./26. Juli

Verbot des Tragens militärischer Uniformen in der SBZ.

6. und 9. August

Abwurf einer US-amerikanischen Atombombe (Grundsubstanz: Uran) auf Hiroshima und einer weiteren Atombombe (Grundsubstanz: Plutonium) auf Nagasaki.

15. September

Der Befehl Nr. 50 der Sowjetischen Militäradministration sieht die Entnazifizierung und Demilitarisierung der Universitäten vor.

16. September

Konfiskation nationalsozialistischer und militaristischer Literatur in der SBZ.

Herbst

Aufzeichnungen des Physikers Carl Friedrich von Weizsäcker über die Schuld der Physiker am Atomtod (erstmals veröffentlicht im Jahre 1981).

Theodor Plievier veröffentlicht seinen Antikriegsroman Stalingrad (Erstveröffentlichung in einer Moskauer Exilzeitschrift 1944).

November

Forderung Albert Einsteins nach einer Weltregierung aufgrund der Erfahrungen mit der Atombombe.

20. November

Beginn der Nürnberger Prozesse gegen deutsche Kriegsverbrecher.

21. November

Die DEUTSCHE FRIEDENSGESELLSCHAFT erhält als erste politische Organisation eine Lizenz für die gesamte britische Zone.

30. November

Verbot der militärischen Schulung, Verbot aller Organisationen, die direkt oder indirekt militärische Tätigkeiten vorbereiten und Verbot des Tragens von Partei- und Militäruniformen sowie von nationalsozialistischen und militärischen Begrüßungsformen durch den Alliierten Kontrollrat.

17. Dezember

Wiedergründung der DEUTSCHEN FRIEDENSGESELLSCHAFT (Gründung 1892 durch Bertha von Suttner und Alfred Hermann Fried) in Hamburg.

20. Dezember

Der Alliierte Kontrollrates sieht die Bestrafung von Personen vor, die sich der Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen den Frieden oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig machen.

1946

7. Januar

Vollständige Entwaffnung der deutschen Bevölkerung per Befehl des Alliierten Kontrollrates.

März

Der INTERNATIONALE VERSÖHNUNGSBUND (Leitung: Pfarrer Wilhelm Mensching) tritt wieder an die Öffentlichkeit.

30. März

Eröffnung der außerordentlichen und konstituierenden Bundestagung der DEUTSCHEN FRIEDENSGESELLSCHAFT in Hannover durch Fritz Küster.

10. April

Verbot militärischer Bauten in Deutschland durch den Alliierten Kontrollrat.

30. Juni

Bei einem Volksentscheid in Sachsen stimmen 77,6 % für die entschädigungslose Enteignung der Großbetriebe von Nationalsozialisten und Kriegsverbrechern.

1. Juli

Auf dem Bikini-Atoll zünden die USA die erste Atombombe nach dem Zweiten Weltkrieg.

20. August

Auflösung der Wehrmacht durch den Alliierten Kontrollrat. Ferner werden alle Organisationen ehemaliger Kriegsteilnehmer sowie Vereinigungen, die die militärische Tradition fortführen, aufgelöst und eine Neugründung jeglicher Art verboten.

September

Lizenzierung der DEUTSCHEN FRIEDENSGESELLSCHAFT in Baden und Württemberg.

6. September

In seiner Rede in Stuttgart deutet der US-Außenminister Byrnes die Einbindung Westdeutschlands in den Westblock an.

15. September

In Frankfurt am Main findet eine Kundgebung gegen Faschismus und Reaktion in der Justiz statt, organisiert von der DEUTSCHEN FRIEDENSGESELLSCHAFT, dem FRANKFURTER FRAUENAUSSCHUSS sowie der KOMMISSION FÜR POLITISCH, RASSISCH UND RELIGIÖS VERFOLGTE.

Herbst

Max Frischs Nun singen sie wieder wird an den Münchner Kammerspielen aufgeführt (Premiere im März 1945 in Zürich). Das Drama handelt vom Deserteur Karl, der sich dem Erschießungskommando an der Ostfront verweigert.

Oktober

Lizenzierung der DEUTSCHEN FRIEDENSGESELLSCHAFT in Hessen.

Dezember

In der hessischen Landesverfassung heißt es in Artikel 69: „Der Krieg ist geächtet. Jede Handlung, die mit der Absicht vorgenommen wird, einen Krieg vorzubereiten, ist verfassungswidrig.“

1947

22./23. Februar

Gründung der VEREINIGUNG DER VERFOLGTEN DES NAZIREGIMES in der SBZ.

25. Februar

Auflösung des Staates Preußen als „seit langen Zeiten Träger des deutschen Militarismus und der Reaktion in Deutschland“ durch den Alliierten Kontrollrat.

7.-9. März

Der DEMOKRATISCHE FRAUENBUND DEUTSCHLANDS wird als überparteiliche und überkonfessionelle Organisation in Berlin-Ost gegründet.

12. März

Truman-Doktrin: Containment.

Frühjahr

Der Westdeutsche Landesverband der DEUTSCHEN FRIEDENSGESELLSCHAFT wendet sich in einem Rundschreiben an die Ortsgruppen, um Umbenennungen von Straßen, die nach nationalsozialistischen sowie nationalistisch-militaristischen Personen benannt sind, voranzubringen.

9. Mai

Beginn der Verfahren gegen zwölf deutsche Generäle wegen Kriegsverbrechen vor dem Nürnberger Kriegsverbrechertribunal.

Juni

Aktion der DEUTSCHEN FRIEDENSGESELLSCHAFT und der INTERNATIONALEN FRAUENLIGA FÜR FRIEDEN UND FREIHEIT gegen Kriegsspielzeug.

5. Juni

Marshall-Plan wird verkündet.

8. Juni

Auflösung aller deutschen Rüstungsbetriebe in der französischen Zone.

Juli

Nach dem Abwurf der beiden US-Atombomben überarbeitet Bertolt Brecht sein Theaterstück Leben des Galilei (Premiere am 9. September 1943 in Zürich). Die neue Fassung mit Charles Laughton in der Hauptrolle wird in Hollywood aufgeführt.

25.-27. Juli

Erster ordentlicher Bundestag der DEUTSCHEN FRIEDENSGESELLSCHAFT nach dem Ende des NS-Staates in Frankfurt am Main mit 500 Delegierten und Gästen aus den drei Westzonen. Allein in der britischen und amerikanischen Zone betrug die Mitgliedszahl 35.000, das ist die höchste Zahl in der gesamten Geschichte dieser Friedensorganisation. Verabschiedet wird u.a. der Entwurf eines Gesetzes zur Ächtung des Krieges.

September

Shdanow-Rede: Zwei-Lager-Theorie

Oktober

Wolfgang Borcherts Gedicht Dann gibt es nur eins wird veröffentlicht.

21. November

Der Freistaat Bayern beschließt ein Gesetz über die Straffreiheit bei Kriegsdienstverweigerung.

Dezember

Auf Initiative der DEUTSCHEN FRIEDENSGESELLSCHAFT und der LIGA FÜR MENSCHENRECHTE erfolgt ein Aufruf zur Freilassung deutscher Kriegsgefangener.

6./7. Dezember

Gründung der DEUTSCHEN VOLKSKONGRESSBEWEGUNG FÜR EINHEIT UND GERECHTEN FRIEDEN unter der Leitung der SED.

1948

Februar

Nach der Ermordung Gandhis (30. Januar) veranstaltet die DEUTSCHE FRIEDENSGESELLSCHAFT in den Westzonen Gedächtnisfeiern für Gandhi.

April

In Braunschweig gründet sich auf Initiative des Pfarrers Fritz Wenzel der BUND KRIEGSGEGNERISCHER PFARRER. Anfang der 1950er Jahre geht diese Organisation, die eher bedeutungslos blieb, in den INTERNATIONALEN VERSÖHNUNGSBUND über.

Frühjahr

In der Friedensbewegung der Westzonen wird der Osborne-Plan diskutiert. Henry Osborne schlägt vor, dass Teile der nationalen Souveränität (Wehr- und Währungshoheit, Kontrolle der Atomenergie) auf eine Weltregierung übertragen werden sollen. Für 1950 sollen, so Osborne, Wahlen zu einem Weltparlament in Genf stattfinden.

Franz Justus Wittkop veröffentlicht mit seinem Pariser Tagebuch das Bekenntnis eines Deserteurs.

24. Juni

Beginn der Berlin-Blockade.

13. Juli

Eisenacher Erklärung der EKD gegen Krieg und Hass.

22. Juli

Die Ortsgruppe Magdeburg der DEUTSCHEN FRIEDENSGESELLSCHAFT erhält das Zulassungsschreiben vom dortigen Polizeipräsidenten.

23. Juli

Im Rahmen der Deutschen Volkspolizei werden kasernierte Abteilungen aufgestellt.

9. August

Der Vorsitzende der Ortsgruppe Magdeburg der DEUTSCHEN FRIEDENSGESELLSCHAFT, Gerhard Nehls, fordert in einer Eingabe an den Verfassungsausschuss des Deutschen Volksrates der SBZ das Recht auf Kriegsdienstverweigerung in die Verfassung der DDR aufzunehmen. Eine Antwort erfolgt nicht.

1.-3. Oktober

Programm der DEUTSCHEN FRIEDENSGESELLSCHAFT, beschlossen auf dem Bundestag in Göttingen.

November

Auf Vorschlag der SPD-Abgeordneten Frieda Nadig einigt sich der zuständige Ausschuss des Parlamentarischen Rates auf folgende Formulierung: „Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.“

24. November

Eugen Kogon macht im Rahmen einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main Andeutungen über eine geplante Aufrüstung Westdeutschlands.

10. Dezember

Die Deklaration der 30 Artikel der Menschenrechte wird von den Vereinten Nationen verabschiedet.

14. Dezember

Ablehnung der Schaffung eines deutschen Heeres durch den amerikanischen

Minister Kenneth C. Royall in einer Erklärung in Frankfurt am Main. Die Schaffung einer Polizei für einen westdeutschen Bundesstaat steht zur Diskussion.

1949

Januar

Eugen Kogon schlägt in einem Artikel der Frankfurter Hefte die Bildung eines europäischen Bundes vor, um damit einer Remilitarisierung Deutschlands vorzubeugen.

Der Befehl Nr. 2 des Präsidenten der Deutschen Verwaltung des Innern sieht vor, die Grenzpolizei von „unerwünschten Elementen“ zu säubern, d.h. sie sollten aus folgenden Gründen entlassen werden: Verwandte in den drei Westzonen, Kriegsgefangenschaft bei den westlichen Alliierten, charakterliche und politische Unzuverlässigkeit. Die Folgen sind eine hohe Zahl von Entlassungsgesuchen und Desertionen aus den kasernierten Einheiten der SBZ/DDR.

Im zweiten Halbjahr 1948 sowie im ersten Halbjahr 1949 fliehen ca. 120 Mann aus der Grenzpolizei. Die kasernierten Einheiten der Hauptverwaltung für Ausbildung stellen von Oktober 1949 bis Oktober 1950 eine Fahnenflucht von 650 Mann fest. Im Jahr 1951 fliehen 73 Offiziere; 13,6 % der Deserteure sind Mitglieder der SED.

8. Januar

Uraufführung von Max Frischs Drama Als der Krieg zu Ende war in Zürich. Aufführungen in Deutschland folgen in Baden-Baden (April 1950) und Hamburg (September 1950).

11. Januar

Deutsche Erstaufführung von Bertolt Brechts Mutter Courage und ihre Kinder in Berlin-Ost.

14. Januar

Der Polizeipräsident Magdeburgs teilt in einem Schreiben an die Mitglieder der Ortsgruppe Magdeburg der DEUTSCHEN FRIEDENSGESELLSCHAFT mit, dass diese Organisation mit sofortiger Wirkung aufgelöst ist.

In Hamburg konstituiert sich ein AKTIONSKOMITEE GEGEN DIE DEUTSCHE REMILITARISIERUNG. Beteiligt sind folgende Organisationen: DEUTSCHE FRIEDENSGESELLSCHAFT (Austritt im März 1950 wegen des zu starken Einflusses der KPD), INTERNATIONALE FRAUENLIGA FÜR FRIEDEN UND FREIHEIT, Freie Deutsche Jugend, VEREINIGUNG DER VERFOLGTEN DES NAZIREGIMES und die Heinrich-Heine-Gesellschaft.

17. Januar

Errichtung des Militärischen Sicherheitsamtes der westlichen Alliierten zur Überwachung der Entmilitarisierung Westdeutschlands.

18. Januar

Auf einer Sitzung des Hauptausschusses des Parlamentarischen Rates versucht der FDP-Abgeordnete Theodor Heuss die Verankerung des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung in der Verfassung zu verhindern. Ihm widerspricht der SPD-Abgeordnete Fritz Eberhard.

In der Frankfurter Rundschau erscheint ein Artikel des in Paris lebenden ehemaligen US-Bomberpiloten Garry Davis, der die Ziele einer Weltbürgerbewegung propagiert: Abschaffung souveräner Staaten und Bildung einer Weltregierung zur Sicherung des Weltfriedens. Anfang Februar haben sich bereits 25.000 Deutsche in den Büros Hamburg, Frankfurt am Main und Freiburg als Mitglieder dieser Bewegung registrieren lassen.

8. Februar

Die DEUTSCHE FRIEDENSGESELLSCHAFT veranstaltet im Bremer Rathaus eine Diskussionsveranstaltung zum Thema Remilitarisierung – Ja oder Nein. Referent: Rechtsanwalt Nicolaus Schierloh.

16. Februar

Der DEMOKRATISCHE FRAUENBUND DEUTSCHLANDS beendet eine einwöchige Unterschriftensammlung für ein sofortiges Verbot der Atombombe mit einer Kundgebung in Berlin-West. Nach Angaben des Vorstandmitglieds Käte Kern haben ca. 5 Millionen Frauen in der SBZ und den drei westlichen Sektoren Berlins diesen Aufruf unterschrieben, der an die UNO weitergeleitet werden soll.

5.-7. März

Auf der 1. Parteikonferenz der KPD in Solingen wendet sich der Vorsitzende Max Reimann vor 1100 Delegierten und Gästen gegen die Spaltung Deutschlands und die sich abzeichnende Remilitarisierung.

6. März

Brief der INTERNATIONALE DER KRIEGSDIENSTGEGNER an den Parlamentarischen Rat für das uneingeschränkte Recht auf Kriegsdienstverweigerung.

9. März

Ein im Vormonat in Berlin-Ost gegründetes KOMITEE GEGEN DIE BERLINER KRIEGSHETZER fordert die Bevölkerung und die Behörden des sowjetischen Sektors auf, bei der Vorbereitung von Ermittlungsverfahren behilflich zu sein. Als so genannte Beschuldigte werden genannt: die Spitzenpolitiker der drei im Senat vertretenen Parteien, der Regierende Bürgermeister Ernst Reuter sowie die Chefredakteure von vier Zeitungen.

11. März

Der NAUHEIMER KREIS veröffentlicht den Aufruf zur Rettung des Friedens durch Neutralisierung Deutschlands. Hauptinitiator ist der Historiker Ulrich Noack, der Mitbegründer der CDU in der SBZ war und seit 1947 an der Universität Würzburg lehrt.

4. April

Gründung der NATO.

20.-23. April

In Paris findet der erste Weltfriedenskongress statt. Mehrere tausend Menschen, darunter Delegierte aus 72 Ländern, treffen sich im Konzertsaal Salle Pleyel. Die Mehrheit dieses Kongresses besteht aus kommunistisch, sozialistisch, linksliberal und humanistisch eingestellten Künstlern, Schriftstellern und Intellektuellen. Am Schlusstag wird ein WELTFRIEDENSKOMITEE gegründet. Ferner wird die Angst vor einem neuen Krieg, die Kritik an der Atombombe sowie an Militärbündnissen bekundet. Da einige Delegierte nicht die nötigen Visa bekamen, findet in Prag ein Parallelkongress, der die Pariser Beschlüsse mit trägt, mit 168 deutschen und osteuropäischen Teilnehmern statt.

30. April

Die nicht kommunistische Linke veranstaltet in Paris einen Tag des internationalen Widerstands gegen Krieg und Diktatur als Gegenveranstaltung zum Weltfriedenskongress. Mehrere hundert Delegierte aus den USA, West- und Südeuropa sowie den westlichen Besatzungszonen Deutschlands sind erschienen.

Mai

Der Schriftsteller Reinhold Schneider veröffentlicht seine Verantwortung für den Frieden.

5. Mai

Im Bonner Rathaus konstituiert sich das WESTDEUTSCHE KOMITEE DER FRIEDENSKÄMPFER