Hannelore Brandstetter
Jagd nach Liebe

© Hannelore Brandstetter, 2021
Buch–Projekt–Begleitung/Finalisierung:
Dr. Manfred Greisingerwww.stoareich
Verlag: myMorawa – Dataform Media GmbH
ISBN
PB: 978–3–99125–552–9
HC: 978–3–99125–553–6
EB: 978–3–99125–559–8
Printed in Austria
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und der Autorin unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verarbeitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Jagd nach Liebe
Zeit für eigene Erfahrungen
Toy–Boy
Vorteile eines Singlelebens
Mädchenjahre
Der Narzisst
Liebe zur Malerei
Liebe
Städtereisen
Erste Reise mit Julian
Träume
Ankommen
Und wieder ein Jahr älter
Ein trüber Tag, kühl, scheint mir geeignet für einen Stadtbesuch. Bekannte erzählten mir von einer interessanten Frau, couragiert und voller Ideen.
Ich lerne gerne neue Menschen kennen, mich mit ihnen austauschen, Gemeinsamkeiten finden – diese bemerkenswerte Frau wollte ich unbedingt kennenlernen.
Nur ein paar Gassen entfernt von jenem Kaffeehaus, in dem unser Treffen stattfinden sollte, überrascht mich ein Gewitter – ein heftiges. Blitzschnell suche ich Schutz unter den kleinsten DachVorsprüngen.
Zum Glück dauern starke Wolkenbrüche nicht lange, ich laufe Richtung Kaffeehaus und komme an einem Ledergeschäft vorbei – ein Handschuhgeschäft – speziell, altmodisch, mit dem besonderen Flair der alten Zeit... Der Geruch, die Einrichtung, die „Pudel“ – die Verkaufsvitrine – noch aus altem, edlen Holz. Ich fühle mich in die Biedermeierzeit versetzt.
Unter den vorgelegten Handschuhen entdecke ich ein wunderschönes Exemplar.
Weiches Leder, rot, genau in dem Rot, das ich mir vorgestellt hatte. Extravagant, nicht billig... ja, teuer, passend zu meinem vor kurzem angeschafften, neuen Auto... einem schnittigen Sportwagen... silbermetallic, Ledersitze, schwarz.
Schwarz, nicht rot.
Beflügelt von dem positiven Kauferlebnis lenkte ich meine Schritte Richtung Kaffeehaus.
Da ich diese Dame nicht persönlich kannte, betrat ich voll Erwartung das Lokal. Es war gut besucht, aber meine innere Stimme, vielleicht Intuition, führte mich zielstrebig zu einem Tisch, an dem eine Frau Platz genommen hat, auf die die Beschreibung passte.
Wir verstanden uns wortlos, Blickkontakt genügte, ein Lächeln von beiden Seiten, als wären wir schon jahrelang befreundet. Es fühlte sich wunderbar an, ein warmes Gefühl der Verbundenheit und Vertrautheit, seltsam.
Sie lebt in unmittelbarer Nähe in einer Wohnung in einem alten Haus, Gründerzeit, mit liebevoll bepflanztem Innenhof.
Die Wohnung ist vom Garten direkt zugänglich, der Duft der Pflanzen strömt hinein. Eine außergewöhnliche Atmosphäre. Eine Oase... eine Idylle.
Sie erzählte mir von Seminaren, die sie an traumhaft schönen Orten organisiert, mit kreativen und sensiblen Menschen, offen für alles Schöne im Leben, die das Erlebte in ihre jeweiligen Werke einfließen lassen, Menschen, die ihre Kreativität und Liebe zur Kunst in ihren Werken ausdrücken . Malerei, Bildhauerei, in Romanen usw.
„Der Künstler legt ein Stück Herz, ein Stück Seele, einen intimen Moment aus dem Leben in sein Werk... Zeit, in der er für etwas brennt, Zweifeln einen Sinn gibt, was das Leben lebenswert macht.“
Rebekah Joy Plett, Künstlerin
Eine faszinierende Frau... wir wurden Freunde... meine Freundin Lona. Für ihre Seminare wählte sie beeindruckende Orte in einer besonderen Gegend aus... meistens in der Toskana. Kleine restaurierte Bauernhöfe, gemütliche Tavernen, in denen sich die Teilnehmer abends trafen, urgemütlich.
Leider war es mir nicht möglich, selbst an solchen Seminaren teilzunehmen, aber die Energie, die von ihr ausging, ihre Schilderungen von der Zeit gemeinsam mit den anderen Teilnehmern und ihre Erzählungen aus deren Leben faszinierten mich.
Vor der Zeit mit Lona lebte ich schon viele Jahre allein. Unbefriedigt. Nicht nur sexuell, mir fehlten Gespräche, befruchtender Austausch mit charismatischen Menschen, die die schönen Dinge des Lebens schätzen.
Bei unseren Frauengesprächen fiel unweigerlich das Thema Männer... Ihre langjährigen Erfahrungen – spannend für mich – erweckten meine Neugierde.
Sie ist eine attraktive Frau, groß, frauliche Figur, volles dunkles Haar, witzig, intelligent und offen für alles Schöne. Ihre Schilderungen waren lebhaft, launig und mitreißend.
Meine Ohren wurden groß und immer größer, solche Erlebnisse waren mir fremd. So eine freie Erziehung kannte ich nicht, sittsam, schüchtern und eigentlich fad war mein Leben bisher verlaufen, ist lange Zeit eintönig an mir vorbeigezogen. Fasziniert lauschte ich ihren Geschichten, ihren Erlebnissen mit Männern, ich sah einen Film vor meinem inneren Auge vorbeiziehen.
Das Leben verläuft anders... geblieben sind mir ihre Geschichten, so spannend erzählt, dass ich sie weitergeben will.
Ich bin Mimi – Malerin – in der Blüte meines Lebens.
Heute ist ein eigenartiger Tag, feuchtschwüle Luft... in der Nacht trommelte starker Regen auf die Fensterscheiben.
Es ist nicht kalt, ich setze mich auf meine Terrasse, blicke in den Garten... mein Herz erfreut sich am Grün der Pflanzen... diese verschiedenen Nuancen Grün... ein Traum, der Anblick entzückt mich immer wieder. Ich liebe mein Haus, den Garten, die Ruhe... die Kraftquelle meiner Kreativität... Mich beflügelt diese Pracht, ich beginne zu träumen.
Ich denke unwillkürlich an meine Freundin Lona, an ihre Erzählungen und Geschichten über Reisen, ihre Seminare... mit Männern... verschiedenen Menschen und deren unglaublich faszinierenden Lebenswegen... spannend, traurig, lustig, mitreißend, aufwühlend.
Männer waren für Lona immer ein Thema – ein großes Thema.
In diesem Punkt waren wir uns einig – unsere Leben verliefen nur anfangs ziemlich gleich... meines sehr konservativ... ihres dagegen mutiger, bunter, herausfordernd, für mich unheimlich spannend.
Ich lauschte ihren faszinierenden Erzählungen... Mein Gott, war mein Leben fad im Gegensatz zu ihrem.
Das Credo ihrer Schilderungen: „Kindchen, du brauchst einen Mann, nicht einen, aus meiner langjährigen Erfahrung weiß ich heute, jede Frau braucht mindestens fünf Männer im Leben... Fünf sage ich, ich weiß, wovon ich rede, glaube mir!“
Das musste ich einige Zeit sickern lassen. Was sie mir vorgeschlagen hat, deckt sich nicht mit meiner Vorstellung und nicht mit meinen Lebensplänen.
Ich, die so konservativ erzogene, moralisch nicht zu erschütternde Frau, zwei kurze Partnerschaften hinter mir... eine unglaubliche Aussage von Lona.
„Schau“, sagte sie weiter „denk mal nach, wie schaut dein Leben, bzw. jeder Tag für dich aus? Arbeiten, einkaufen, lauter banale Dinge, keine Erlebnisse, keine lustigen Abende mit Freunden oder Freundinnen – hast du überhaupt Freundinnen?“
Sie fuhr fort: „Du bist bald vertrocknet, bist doch so jung, jung genug, um dein Leben so zu gestalten, wie du es haben willst, vielmehr haben wolltest und andere darum beneidet hast, stimmt‘s?“
Ich war baff. Sie hatte genau einen Nerv getroffen, denn es stimmt, mein Leben verlief ohne Höhen... und vor allem ohne
Höhepunkte... sie wusste es aus meinen Erzählungen.
„Erstens, der erste Mann soll wichtige Aufgaben erfüllen, dich lieben, auf Händen tragen, dir ein sicheres Leben bieten, im Haushalt helfen“.
„Und der zweite Mann“, frug ich „wozu brauch ich den zweiten?“
„Du bist kunstinteressiert, malst, bist auf vielen Gebieten kreativ und machst nichts draus. Ein Mann mit den gleichen Interessen, der dich auf diversen Ausstellungen, in Museen und zu Vernissagen begleitet, das wäre doch etwas“.
Sie hatte so Recht. So einen Mann wünsche ich mir, einen, der diesen „Anforderungen“ entspricht.
„Da gibt's einen dritten“, fuhr sie fort „einen eleganten Mann, stattliche Figur, gutes Aussehen, nicht unvermögend, der mit dir nach Konzerten und Theateraufführungen fein und elegant speisen geht“.
„Ja, meine liebe Lona, stimmt, das klingt verlockend“.
„Sollte der zweite und der dritte in einem einzigen Mann vereint sein, das wäre das Beste überhaupt.“