Copyright © 2021 Dirk Geest
Bildnachweis Titelfoto: Adobe Stock, Autor: © Bumann, ID: #4031272
Covergestaltung: Martin Giesow
Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN-Nr.: 9783753474359
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über www.dnb.de abrufbar.

Dirk Geest, Diplom-Kaufmann (FH), Herausgeber und Buchautor, hat zur Verbesserung der Berufsorientierung zusammen mit Dr. Antje Wolf 2014 die Buchserie „Karrierewege“ ins Leben gerufen und bereits elf Bücher herausgegeben:
Weitere Infos unter www.dirkgeest.de
Idee und Nutzen des Buches: Die Branche boomt, aber auch im Handwerk gibt es ihn – den Fachkräftemangel. Handwerker sind gefragter denn je. Viele Handwerkebetriebe müssen z.T. sogar Aufträge ablehnen, weil ihnen das geeignete Personal dafür fehlt. Ein Wahnsinn. Dabei ist das Handwerk facettenreich, vielfältig, bodenständig, regional/lokal und bietet sehr viele Tätigkeitsbereiche, Aufstiegs-, Fortbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Kurzum: Tolle Perspektiven!
Ziel des Buches in dieser Buchreihe „Karrierewege“ zur Verbesserung der Berufsorientierung ist es, jungen Menschen, die im Handwerk (vielleicht) arbeiten möchten, einen Eindruck vom tatsächlichen Arbeitsalltag, von realen Arbeitsbedingungen und Karrieremöglichkeiten in dieser Branche zu geben. Aus diesem Grund kommen Gesellen und Meister persönlich zu Wort und wurden im Rahmen eines standardisierten Interviews befragt, wie ihre tägliche Arbeit aussieht, wie sie selbst in ihren Beruf eingestiegen sind (Qualifikation), was sie antreibt (Motivation), was die großen Herausforderungen im Berufsalltag sind (Anspruch & Zielstellung) und was sie vor allem jungen Menschen bei der Berufswahl empfehlen (Tipps). Wir möchten gerne zum einen Erfolgsstories mit Vorbildern präsentieren, die junge Menschen motivieren und zum Nachahmen animieren, und zum anderen Missverständnissen und Enttäuschungen bei der Berufswahl, in der Ausbildung und vor allem später im Berufsleben vorbeugen.
Methodik: Die Interviewpartner stellen in alphabetischer Reihenfolge in ihren Interviews mit eigenen Worten die Vorzüge ihres Berufsweges dar, vergessen gleichzeitig aber auch nicht die kritischen Aspekte. Die Darstellungsform mit einheitlichen Fragen in den Interviews wurde bewusst so gewählt, um die Antworten der Experten vergleichbar zu machen.
Kiel, Mai 2021
Dirk Geest
Hinweise: Die Inhalte dieses Buches wurden nach bestem Wissen und Gewissen sorgfältig erarbeitet und geprüft. Eine Garantie auf Vollständigkeit und Richtigkeit gibt es nicht. Die Aussagen der befragten Experten werden eins zu eins inhaltlich wiedergegeben, auch wenn sie nicht immer die Meinung des Herausgebers widerspiegeln. Eine Haftung des Herausgebers ist ausgeschlossen. Aus stilistischen Gründen und zur besseren Lesbarkeit wird in diesem Buch die männliche Sprachform verwendet; gemeint ist immer auch die weibliche und diverse Form.
– DIE INTERVIEWS –

(Foto: Wolfgang Brommer; © Archiv J & B)
Beruf: Orgelbaumeister
Name: Wolfgang Brommer
Position/Funktion: Selbständig und Mitinhaber
Arbeitgeber: Waldkircher Orgelbau Jäger & Brommer
Ausbildung/Studium: Abitur, Lehre, Meisterschule, Zusatzausbildung zum Restaurator, nebenamtlich Organist und Chorleiter
Anzahl Berufsjahre: 38
Warum haben Sie sich für einen Beruf im Handwerk entschieden?
Es war der Reiz, das größte Musikinstrument der Welt mit der größten Klangvielfalt zu bauen.
Wie haben Sie den Einstieg in das Handwerk gefunden? Welche Ausbildung haben Sie absolviert?
Meine Mutter war Organistin und mein Vater Chorleiter. Von klein auf war Musik, Kirchenmusik in unserer Familie. Nach dem Abitur kam die Entscheidung, das Handwerk des Orgelbauers zu erlernen. Lehre, Gesellenprüfung und dann Meisterschule samt Meisterprüfung. Danach die Selbständigkeit zusammen mit OBM Heinz Jäger und die Gründung der eigenen Werkstatt 1988.
Würden Sie es noch einmal genauso machen?
100 %. Die Freude am Handwerk, am Mitwirken beim Entstehen eines Musikinstrumentes und letztendlich der Klang einer selbstgebauten Orgel bereichern und sind das Maximum dessen, was ich mir vorstellte.
War es leicht, in Ihrem Beruf und in dieser Branche Fuß zu fassen?
Leicht wird es, wenn viel eigener Elan, Wollen, Drang und dazu das handwerkliche Geschick zusammenkommen. Gute Mitarbeiter werden immer gebraucht. Insofern hatte ich es leicht. Auch danach in der Selbständigkeit. Kraft der Qualität überzeugten wir und haben recht schnell Aufträge, inzwischen auch international, erhalten. Mit jedem Instrument geht ein Stück Eigenes mit raus und überzeugt.
Beschreiben Sie bitte Ihre berufliche Tätigkeit und Ihr Aufgabengebiet.
Anfänglich zu 100% an der Werkbank und in der Produktion. Neu hinzugekommen sind im Laufe der Zeit Themen wie Marketing, Social Media, Erforschung und Veröffentlichungen samt Kontakte halten.
„…jedes Instrument, jeder Standort,
jeder Kunde ist individuell, so dass zum
Herstellungsprozess, zum Design, zur
Klanggestaltung immer wieder die
Erfahrungen eingebracht werden und
– je nach Stand des Entwicklungsprozesses –
gefragt sind.“ – Wolfgang Brommer
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
In der Werkstatt wird es nie langweilig. Somit gibt es keine typischen Tage. Gewisse Arbeitsabläufe sind immer mal wieder ähnlich, aber jedes Instrument, jeder Standort, jeder Kunde ist individuell, so dass zum Herstellungsprozess, zum Design, zur Klanggestaltung immer wieder die Erfahrungen eingebracht werden und – je nach Stand des Entwicklungsprozesses – gefragt sind.
Können Sie etwas zu Ihrem Arbeitspensum (in Wochenstunden) und zum Gehaltsgefüge innerhalb der Branche sagen?
Als Selbständige arbeiten wir selbst und ständig. Die Freude am Herstellen des Musikinstrumentes Orgel überwiegt, so dass eigentlich nicht auf Stunden geschaut wird. Manchmal sind die Arbeitstage mit 12 Stunden belegt. Auch die Wochenenden. Aber auch die normale Arbeitszeit der Mitarbeiter wird mit 40 Stunden erreicht.
Was sind die Voraussetzungen für Ihre Tätigkeit? Welche fachlichen, sozialen und persönlichen Kompetenzen werden hierfür benötigt?
Handwerkliches Geschick, viel Freude an der Musik und am Bau des Musikinstrumentes. Eine Orgel wird auch im Team hergestellt, daher sind Teamfähigkeit und die Bereitschaft, Neues zu erlernen, sehr wichtig.
Können Sie jungen Menschen Ihren Beruf empfehlen?
Auf jeden Fall. Ohne Musik und deren Instrumenten kann der Mensch nichts ein.
Welche Einstiegsmöglichkeiten bietet Ihr Arbeitsgeber (bei Selbständigen Sie selbst), in dem Sie beschäftigt sind (z.B. Praktika, Ausbildungsplätze, Direkteinstieg)?
Bevor wir den Lehrplatz vergeben, ist ein 2-3-wöchiges Praktikum notwendig. Auch von Vorteil ist der Besuch der 1-jährigen Schreinerfachschule.
Was schätzen Sie an Ihren jungen Bewerbern, was vermissen Sie bzw. wo sehen Sie grundlegend noch Verbesserungsbedarf im Ausbildungssystem?
Junge Menschen sind motiviert, wissbegierig und motivieren durch ihre Leichtigkeit. Die Ausbildung läuft dual mit der Budnesfachschule für Orgelbauer in Ludwigsburg. Das ist bestens – und so erlernen die Auszubildenden das Arbeiten im Betrieb und manche Feinheiten in der Fachschule.
Zuletzt – was würden Sie jungen Menschen, die vor ihrer Berufswahl stehen, mit auf den Weg geben?
In sich hineinhören, ob der Beruf, der zur Auswahl steht, wirklich auch von innen heraus das gibt, was man sich erhofft. Viel eigene Motivation ist wichtig und der Drang es den vorgehenden Meistern gleich, wenn nicht gar besser, zu machen.
HERZLICHEN DANK!!

(Foto: Daniel Dejos; © Privat)
Beruf: Hufbeschlagschmied
Name: Daniel Dejos
Position/Funktion: Selbstständig seit 1984
Arbeitgeber: Dejos Hufschmiede GmbH
Ausbildung: Hufbeschlagschmied 1971-1973
Anzahl Berufsjahre: 50
Warum haben Sie sich für einen Beruf im Handwerk entschieden?
Als junger Mann war für mich immer klar, einen Handwerksberuf zu erlernen.
Wie haben Sie den Einstieg in das Handwerk gefunden? Welche Ausbildung haben Sie absolviert?
In der Zeitung war ein Ausbildungsplatz als Hufschmied angeboten worden. Nach kurzer Vorstellung begann meine 3-jährige Ausbildung zum Hufschmied. Danach machte ich noch eine 2-jährige Ausbildung in orthopädischen Hufbeschlägen.
Würden Sie es noch einmal genauso machen?
Ich würde alles genauso noch einmal machen.
War es leicht, in Ihrem Beruf und in dieser Branche Fuß zu fassen?
Das war gar kein Problem, Hufschmiede wurden und werden gesucht.
Beschreiben Sie bitte Ihre berufliche Tätigkeit und Ihr Aufgabengebiet.
Bearbeitung des Pferdehufes mit oder auch ohne Hufeisen. Wobei es unglaublich viele verschiedene Hufeisen gibt, die je nach Einsatzbereich des Pferdes, wie z.B. verschiedene Reit- und Fahrsportdisziplinen, ausgewählt werden. Ein weiteres sehr großes Aufgabengebiet ist die Kommunikation mit Tierärzten, um auch hier das Pferd durch verschiedene orthopädische Beschläge die nötige Unterstützung zur Heilung zu geben.
Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
7.00 Uhr: Kaffee und Tagesplanung ansehen. Werkstattauto mit verbrauchten Materialien komplettieren und zu den einzelnen Kunden fahren. Dort das Pferd beurteilen und den entsprechenden Beschlag ausführen. Nach Beendigung der Arbeit das Gangbild des Pferdes erneut prüfen.
„Da wir mit Tieren arbeiten, ist Ruhe
und viel Geduld die Voraussetzung für
eine gewissenhafte Arbeit. Freundlichkeit,
Hilfsbereitschaft und Einfühlungsvermögen
gegenüber Mensch und Tier sollten man
selbstverständlich auch mitbringen.“
– Daniel Dejos
Können Sie etwas zu Ihrem Arbeitspensum (in Wochenstunden) und zum Gehaltsgefüge innerhalb der Branche sagen?
Eine 60 Stundenwoche ist für mich völlig normal, daraus ergibt sich ein guter Lebensstandard.
Was sind die Voraussetzungen für Ihre Tätigkeit? Welche fachlichen, sozialen und persönlichen Kompetenzen werden hierfür benötigt?
Beruf kommt von Berufung! Als erstes muss der Beruf Spaß machen und die passende körperliche Fitness ist eine Voraussetzung. Man sollte immer bereit sein zu lernen und damit auch nie aufhören. Da wir mit Tieren arbeiten, ist Ruhe und viel Geduld die Voraussetzung für eine gewissenhafte Arbeit. Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Einfühlungsvermögen gegenüber Mensch und Tier sollten man selbstverständlich auch mitbringen.
Können Sie jungen Menschen Ihren Beruf empfehlen?
Auf jeden Fall, es gibt keinen schöneren Beruf.
Welche Einstiegsmöglichkeiten bietet Ihr Arbeitsgeber (bei Selbständigen Sie selbst), in dem Sie beschäftigt sind (z.B. Praktika, Ausbildungsplätze, Direkteinstieg)?
Schnuppertage, Praktika und Lehrgänge.
Was schätzen Sie an Ihren jungen Bewerbern, was vermissen Sie bzw. wo sehen Sie grundlegend noch Verbesserungsbedarf im Ausbildungssystem?
Die Politik muss den Beruf als klassischen Ausbildungsberuf anerkennen mit einer 3-jährigen Ausbildung samt Berufsschule an staatlichen Schulen mit Profi-Hufschmieden.
Zuletzt – was würden Sie jungen Menschen, die vor ihrer Berufswahl stehen, mit auf den Weg geben?
Ideologie und die Passion zum Beruf. Wer die Vergangenheit kennt, beherrscht die Gegenwart und kann die Zukunft planen.
HERZLICHEN DANK!!

(Foto: Jens Edling; © Privat)
Beruf: Installateur und Heizungsbauer/Anlagenmechaniker
Name: Jens Edling
Position/Funktion: Geschäftsführer
Arbeitgeber: EDLING GmbH Sanitär- und Heizungstechnik
Ausbildung: Zentralheizungs- und Lüftungsbaumeister
Anzahl Berufsjahre: 40