ISBN: 978-3-96861-278-2
1. eBook-Auflage 2021
© Aquamarin Verlag GmbH
© der englischen Originalausgabe:
1968, C. W. Daniel, Saffron Walden, England
Titel der englischen Originalausgabe:
Writing on the Ground
Deutsche Übersetzung von Dr. Edith Zorn
Umschlaggestaltung: Annette Wagner
Aquamarin Verlag GmbH, Voglherd 1, 85567 Grafing
www.aquamarin-verlag.de
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Erlischt das Leben mit dem Tod oder besteht es jenseits des Grabes fort? Das Leben selbst stellt diese Frage, und die Antwort, zu der wir – bewusst oder unbewusst – gelangen, beeinflusst im Laufe unseres Daseins jeden unserer Gedanken und jede unserer Handlungen.
Wie in den anderen Schriften von Tudor Pole, wird auch in vorliegendem Buch diese Frage weder klar gestellt noch beantwortet. Meiner Meinung nach liegt der Grund hierfür darin, dass sich für ihn diese Frage nicht stellt, da die Antwort darauf eine fortwährende Realität ist, so eindeutig, so sehr Teil seines Lebens, dass sie einfach zur Selbstverständlichkeit wird.
Seine gesamte Philosophie besteht aus der ruhigen, beharrlichen Beteuerung, dass es sich bei dem Leben, das wir kennen, nur um einen winzigen Bruchteil eines größeren Kontinuums handelt, dessen Existenz weit zurück und weit in die Zukunft reicht.
Tudor Poles Fähigkeit, dieses Kontinuum zu überblicken, liefert Einblicke, die den meisten von uns verwehrt bleiben. Aufgrund dieser Möglichkeit oder Macht des Zugriffs sowie der damit verbundenen Gaben lüftet er den Schleier, der seit langem Teilbereiche der Geschichte des Neuen Testaments verhüllt. Der Vorgang weckt alte und zugleich neue, seltsame und doch vertraute Vorstellungen; Ahnungen von quälender Sehnsucht, die darauf hindeuten, dass sie mit etwas zusammenhängen, das wir immer gewusst haben – vielleicht ohne zu erkennen, dass wir es wussten.
Im Laufe der Lektüre beginnen wir zu spüren, wie diese Realitäten, die jenseits unseres Gesichtskreises liegen, Gestalt annehmen, und wenn man durch W. T. P.s Schriften die hinter den Worten liegende Idee allmählich erfasst, beginnt man, mit ihm eine Dimension zu betreten, in der es keine Horizonte gibt und das Eintreten als solches eine völlig neue Erfahrung darstellt.
Der Eintritt in diese neuen Gefilde gestaltet sich manchmal sanft, manchmal explosionsartig. Doch in jedem Fall bietet er einen unerwartet vertrauten Anblick, dessen seltsame Perspektive die ewigen Fragen in einen neuen, erhellenden Blickpunkt rückt.
Ich habe W. T. P. ein Leben lang gekannt und seit zwanzig oder mehr Jahren den Vorzug gehabt, die dreißigjährige, nahezu tägliche Korrespondenz zwischen ihm und meinem Vater fortsetzen zu dürfen. Vielleicht ergibt sich daraus der Vorteil, dass mir einige der Sichtweisen schon fast vertraut sind. Zwei Dinge sind ganz gewiss. Erstens, was er darlegt, geschieht mit absoluter Aufrichtigkeit. Zweitens, falls er dem Leser jene weitreichenden Horizonte eröffnet, wie ich es erfahren habe, werden die Bemühungen, seine Worte zu ergründen, reichlich belohnt werden.
D. F. O. Russell
Bevor man ein Buch wie dieses liest, sollte man unbedingt etwas über den Schriftsteller wissen und darüber, wie es zu dieser Abhandlung kam.
Der ältere Geschäftsmann Wellesley Tudor Pole lebt im Ruhestand, betätigt sich aber immer noch sehr aktiv in vielen Bereichen und zeigt ein starkes Interesse an der internationalen Szene und dem Wohlergehen seiner Mitmenschen.1
Dies ist der Eindruck, den er bei seinen Nachbarn hinterlässt, was aber keineswegs das Gesamtbild darstellt. Neben seinen Tätigkeiten wirkt er als Vorsitzender des Big Ben Council in London und des Chalice Well Trust in Glastonbury. Außerdem korrespondiert er mit verschiedenen Presseabteilungen und Gesellschaften in Übersee, die sich für Brüderlichkeit und Verständnis zwischen den Nationen einsetzen. Hinzu kommt, dass er nach wie vor eine Reihe von geschäftlichen Interessen wahrnimmt.
Seine zahlreichen Geschäftspartner sehen in ihm einen absolut praktischen Geschäftsmann, der besondere Kenntnisse über den Nahen und Mittleren Osten besitzt. Es scheint nichts Außergewöhnliches an ihm zu sein.
Es würde sie daher sehr verblüffen, wüssten sie um seine völlig andere Seite. Man könnte sie seinen unsichtbaren Ruf nennen, der weit über das Übliche hinausgeht.
Überall auf der Welt gibt es zahlreiche Leute, die glauben, er sei ein Seher, ein Beispiel jener seltenen Art von Individuum aus vorklassischer Zeit, anerkannt und akzeptiert als mittelalterliches Phänomen, doch in der modernen Welt seltsamerweise ohne Platz oder angemessene Beschreibung.
Die Vorstellung von einem Mann, der sich in seiner Sichtweise von anderen unterscheidet, wird am besten in einen Kontext gebracht, der gewissen Kreisen wohl bekannt, anderen erstaunlicherweise jedoch keineswegs vertraut ist.
Die Idee beruht im Wesentlichen darauf, dass bestimmte erweiterte Bewusstseinsebenen, bestimmte Wahrnehmungsweisen, die über das Gewöhnliche hinausgehen, als Möglichkeiten in jedem Menschen ruhen. Aber in fast allen von uns handelt es sich dabei nur um das Potenzial – wie die grundsätzliche Fähigkeit eines Säuglings, Fahrrad zu fahren.
Manchmal verwirklichen sich diese Möglichkeiten in bestimmten Individuen; und das Leben eines solchen Menschen deutet auf Umstände hin, die für die Allgemeinheit in weiter Ferne des Evolutionsweges liegen.
Handelt es sich dabei um eine verstiegene Idee? Auf physischer Ebene wird sie in gewisser Weise unterstützt. Der Biologe blickt auf die Evolutionsgeschichte und erkennt immer wieder das Auftauchen irgendeiner Kreatur mit einer völlig neuen physischen Struktur, die angesichts des Umfelds und der Zeit sinnlos und manchmal geradezu absurd zu sein scheint. Diese Neuheiten – die Andeutung eines Rückgrats als erster versuchsweise Prototyp eines Nervensystems, der erste entgegengesetzte Daumen – kann im Nachhinein als zaghaftes Vortasten in eine unvorstellbare Zukunft betrachtet werden.
W. T. P. erhebt keinerlei Anspruch und hält andere streng davon ab, diesen für ihn zu erheben. Er unterbindet jede persönliche Nachfrage. Gleichzeitig sind derartige Ansprüche in allen seinen Schriften implizit, und es wäre unredlich, den einen zu beachten, und vorzugeben, den anderen nicht bemerkt zu haben.
Diejenigen, die ihn gut kennen – und die vielen, die sich mit seinen Schriften kaum befasst haben – gelangen zu dem Schluss, dass Tudor Pole in zwei Welten zu leben vermag und (bis zu einem gewissen, behutsamen Ausmaß) den Leuten in dieser Welt Kenntnisse über eine andere Welt vermittelt.
Um Vergleiche mit der Terminologie der Wissenschaft, Mystik und Religion zu vermeiden, schreibt er alles, was die gewöhnlichen Sinne übersteigt, dem Jenseitigen zu. Dieser zweifache Zugang, falls er existiert, darf nicht im Sinne spiritistischer Trance oder religiöser Ekstase bewertet werden. Er hat überhaupt nichts damit zu tun. Es scheint sich – und darin liegt die Seltenheit – um die Entwicklung einer geistigen Fähigkeit zu handeln, die die tiefer gelegene Welt übersinnlicher Kräfte sowie jenen Bereich zu übergehen vermag, in dem ein vorübergehender Lohn von „Schönheit“ und „Ekstase“ als das endgültige Ziel erachtet werden mag.
Welche Fähigkeit es auch sein mag, sie durchschreitet das einfache Bewusstsein bis in ein Jenseits hinein, in dem Einheit statt Verschiedenheit herrscht, System statt Verrücktheit, Ordnung statt Chaos; und wo eine unvorstellbare Ordnung der Dinge einem einzigen Machtanspruch folgt – der Liebe.
Seit Jahren verteilt W. T. P. insgeheim geistiges Gold. Im Zusammenhang mit irgendeinem Ratschlag bezüglich eines persönlichen Problems werden dem Briefpartner (Hunderte von ihnen sind ihm niemals begegnet) manchmal Einblicke in höhere Gesetze gewährt.
Oft liegen tiefere Einsichten verborgen in einer amüsanten Reiseerzählung. Wie in dem Buch Der stille Weg findet man bisweilen einen umfassenden Blick auf den kosmischen Lebensplan unmittelbar unter der Oberfläche einer zauberhaften, aber unbedeutenden Vignette geschickt eingefügt.
Ein hervorragendes Beispiel seiner äußeren Aktivitäten zeigte sich in seiner „Schweigeminute-Kampagne“. Wie bei vielen seiner Interessensgebieten lag darin eine seltsame Art, die darauf hindeutete, dass W. T. P. in irgendeiner Weise, durch eine Handlung in der Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft miteinander versöhnte.
Die Idee entstand 1917 während eines Gesprächs, das zwei britische Offiziere über den Krieg und dessen mögliche Nachwirkungen führten.
Die Unterhaltung fand am Vorabend einer Kampfhandlung in den Hügeln Palästinas am Eingang einer Höhle statt. Einer der beiden, ein Mann von außergewöhnlichem Charakter und Weitblick, der intuitiv erkannte, dass seine Erdentage gezählt waren, wandte sich an seinen Freund Tudor Pole: „Ich werde diesen Kampf nicht überleben, und wie das von Millionen anderer, wird es auch mein Schicksal sein, hinüber zu gehen. Ihr werdet überleben, um einen größeren und bedeutungsvolleren Kampf zu sehen, der auf jedem Kontinent, im Meer und in der Luft ausgefochten werden wird. Wenn dieser Zeitpunkt kommt, denkt an uns. Wir werden uns danach sehnen, unseren Teil dazu beizutragen. Gebt uns die Gelegenheit dazu, denn dieser Krieg wird ein gerechter sein. Wir werden dann nicht mit materiellen Waffen kämpfen, sondern euch helfen können, wenn ihr uns lasst. Wir werden eine unsichtbare, doch mächtige Armee sein. Euch wird noch die „Zeit“ zu Diensten stehen. Gewährt uns einen Augenblick davon an jedem einzelnen Tag, und schenkt uns durch euer Schweigen unsere Gelegenheit zu heilen. Die Kraft der Stille ist größer, als ihr denkt. Wenn jene tragischen Tage anbrechen, vergesst uns nicht.“
Am folgenden Tag wurde dieser Mann getötet. W. T. P. geriet schwer verwundet ins feindliche Lager, schaffte es aber, mit dem zweifelsfreien Empfinden einer wundersamen Rettung, die britischen Linien wieder zu erreichen.
Die Idee der „Schweigeminute“ wurde so im Dezember 1917 in Palästina geboren. Ihre tatsächliche Verwirklichung fand dreiundzwanzig Jahre später, in den dunklen Tagen von Dünkirchen, statt, als Britannien alleine und ungeschützt den überwältigenden Kräften des Bösen gegenüberstand. Männer und Frauen guten Willens in England, dem gesamten Commonwealth und anderenorts wurden gebeten, jeden Abend um neun Uhr eine Minute ihrer Zeit einem Gebet für den Frieden zu widmen und auf diese Weise einen Kanal zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt zu schaffen. Die Bewegung wuchs, bis sich eine unbekannte Zahl bei jenem abendlichen Stelldichein vereinigte. Diese feierliche Minute fand wohlwollende Unterstützung durch König Georg VI., Winston Churchill, sein Kabinett und zahlreiche weitere Führungspersonen in Kirche und Staat. Der verstorbene Präsident Roosevelt und unsere Verbündeten aus Übersee erkannten ihren Wert. Die „Schweigeminute“ wurde zu Land und zu Wasser, in der Luft, auf den Schlachtfeldern, in den Luftschutzbunkern, Krankenhäusern und Gefangenenlagern sowie in den Häusern von Arm und Reich eingehalten.
Auf Veranlassung von W. T. P. und mit Unterstützung des Premierministers ließ die B.B.C. am 10. November 1940, dem Volkstrauertag, Big Ben um neun Uhr wieder ertönen, um fortan die allabendliche Schweigeminute anzukündigen. Während der weiteren Kriegsjahre und einige Zeit danach wurde diese bei den Truppen im In- und Ausland eingehalten.
Die Zahl derjenigen, die ihrer von 1942 an in Britannien und Europa gedachten, belief sich laut B.B.C. auf mehrere Millionen.
Kurz nach Beendigung der Kriegshandlungen in Europa fragte ein britischer Abwehroffizier bei der Vernehmung hoher Nazibeamten einen von ihnen, warum, nach seiner Überzeugung, die Deutschen den Krieg verloren hätten. Dieser erwiderte: „Sie haben während des Krieges eine Geheimwaffe besessen, für die wir keine Abwehr finden konnten und die wir nicht verstanden, aber sie war sehr mächtig. Sie stand in Zusammenhang mit dem allabendlichen Läuten des Big Ben. Ich glaube, sie nannten es „die Schweigeminute“.“
Zweifellos muss die Bedeutung der Schweigeminute von einem Standpunkt betrachtet werden, der weit jenseits der gewöhnlichen Beurteilungsmaßstäbe liegt.
Ein weiteres Beispiel für W. T. P.s Tätigkeiten ist Chalice Well in Glastonbury.
Im Jahre 1904 sah er diese Stätte zum ersten Mal. Chalice Well liegt am Ende von Glastonbury Tor, direkt neben der Hauptstraße zwischen Glastonbury und West Pennard. Damals befand sich das Grundstück im Besitz eines römisch-katholischen Ordens. Er erkannte, dass es sich um einen heiligen Ort handelte und erschaute vieles, das mit ihm in Zusammenhang stand. Er spürte, dass die Verwirklichung eines zukünftigen Vorhabens von diesem Ort abhängig sein würde und beschloss, keine Anstrengung zu scheuen, ihn zu erwerben, sobald sich eine Gelegenheit böte.
Als er 1907 mit Kardinal Gasquet, dem damaligen Abt des englischen Benediktinerordens, in Tor House weilte, eröffnete er diesem sein Vorhaben.
Nach dem Verkauf der Ruinen von Glastonbury Abbey an die Kirche von England, im Jahre 1909, ging Chalice Well in Privathände über. Ein halbes Jahrhundert später verwirklichte sich W. T. P.s Ziel endlich. Der Besitz wurde zum Verkauf angeboten, und er vermochte ihn zu erstehen.
Seitdem ist der Ort zum Ziel für Pilger aus aller Welt geworden. Es gibt dort keine Rituale, sondern von dem Ort selbst geht eine Wirkung aus. Er besitzt Obsthaine und einen Garten, eine Quelle und eine ganz besondere Atmosphäre. Die Menschen fühlen sie und bedürfen keiner weiteren Erklärung.
Wurde in dieser Gegend die erste Christenkirche erbaut? Kam Joseph von Arimatäa nach der Kreuzigung hierher? Und wenn ja, wer begleitete ihn? Warum sollte sich die Gralslegende so hartnäckig in diesem Gebiet halten? Und wenn alles nur eine Legende, alles nur falscher Zauber ist, mutet es da nicht seltsam an, dass, bevor die Erinnerung durch den politischen Druck verdrängt wurde, in den Konklaven von Rom bei römischen oder anderen christlichen Beratungen den Abgeordneten aus Britannien Vorrang vor allen anderen gegeben wurde?
Die Quelle von Chalice Well selbst sprudelt aus dem Boden hervor und liegt inmitten eines inspirierenden Blumengartens. Für den normalen Blick scheint dieser Ort unbedeutend zu sein. Aber nach welchen Maßstäben beurteilen wir Bedeutung? Wieviele vermögen das zu sehen, was man vielleicht als rein gedankliche Bedeutung bezeichnen könnte? Nicht viele sahen, was im Jahr 33 geschah.
Könnte es sein, dass gegenwärtig – besonders in der heutigen Zeit – eine Veränderung stattfindet, die, flüchtig betrachtet, unbedeutend und zusammenhanglos erscheint, aus höherer Sicht gesehen jedoch Teil eines größeren Ganzen ist, eindeutig und unumgänglich zugleich.
Gemeinsam mit seiner Freundin Rosamond Lehmann brachte W. T. P. 1965 ein Buch heraus, das heute für viele von uns einen besonderen Wert besitzt – Erinnerungen an Jesus von Nazareth.
Obwohl zahlreiche Jahre geistigen Trainings und der Disziplin vorausgingen, wurde der Inhalt dieses Buches, nach seinen eigenen Aussagen, in weniger als drei Monaten „spontan und auf natürliche Weise“ empfangen.
Es handelt sich dabei um die Darstellung eines kurzen historischen Zeitraums, der sich mit Jesus, seinem Alltag und seiner Mission befasst.
Die Evangelien werden zum Teil näher erklärt, zum Teil widerlegt. Diese Einblicke rufen eine gewisse Bestürzung hervor, wie Rosamond Lehmann meinte, ein inneres Erkennen, ein zur Ruhe kommen, ohne bewusste Anstrengung, eine Art „Offenbarung“, was die Frage nach Beweis oder Prüfung für sie belanglos erscheinen lässt. Die „Erinnerungen“ besitzen tatsächlich diese Eigenschaft. Allein ihre Lektüre führt zu einer fast unmerklichen Veränderung unserer geistigen Sichtweise. Sie bewirkt einen qualitativen Wandel unseres Verständnisses.
Wenn dies so ist, gibt es dann einen Hintergrund, vor dem eine solche Neuausrichtung als bedeutungsvoll betrachtet werden könnte?
Gibt es vielleicht einen epochalen Arbeitsplan, demzufolge die bestehenden Aufzeichnungen angeglichen werden müssen? Meiner Ansicht nach hält W. T. P. dies für notwendig. Gänzlich auf dem basierend, was ich von W. T. P. gelernt habe, mutmaße ich folgendes: Wir sind im Begriff, von einem Zeitalter in ein anderes zu schreiten. Energien, die jenseits menschlicher Wahrnehmung liegen, schicken sich an, einen neuen Impuls in der Menschheit auszulösen. In der richtigen Weise empfangen, wird dies eine Transformation menschlichen Lebens auf der Erde möglich machen. Der Impuls wird sich aber wahrscheinlich nicht eher manifestieren, als bis bestimmte Bedingungen im Hinblick auf menschliche Kooperation geschaffen worden sind.
Ohne diese Anpassung kann nicht mit der Arbeit am „Wassermann-Gebäude“ begonnen werden, oder falls doch, kann nur eine bereits bestehende Entstellung in den darunter liegenden, unteren Etagen des Fische-Gebäudes verewigt werden.
Man könnte meinen, dass dies mit Hilfe der überwältigenden kosmischen Einblicke, über die W. T. P. zu verfügen scheint, sehr leicht zu bewerkstelligen ist. Er aber beschließt – oder folgt der Anordnung – das Bild, das wir von dem historischen Jesus haben, in gewisser Weise abzuändern.
Rein äußerlich betrachtet, dürfte es einfacher sein, historische Irrtümer sachlich zu korrigieren. So existiert eine (W. T. P. bekannte) Aufzeichnung von bestimmten, in der Geschichtsschreibung nicht erfassten Vorgängen. Aufschlussreiche Angaben zu diesen Ereignissen, die mehrere Jahrhunderte zurückliegen, ruhen in unversehrtem Zustand und harren ihrer archäologischen Entdeckung. Dennoch weist W. T. P. alle Vorschläge hinsichtlich der Enthüllung weiterer Angaben mit der Begründung zurück, dass die Zeit noch nicht reif sei. Statt dessen korrigiert – und beseitigt – er das, was er für nötig hält. Der in seinen Augen richtige und rechtmäßige Weg ist die Veröffentlichung dieser Erinnerungen an die Gestalt des historischen Jesus.
Ich glaube, W. T. P. trägt mit seiner Arbeit zu einer weltweiten Initiative bei, die gegenwärtig von den höheren Kräften durchgeführt wird.
Wahrscheinlich sind viele bekannte und unbekannte Menschen überall auf der Welt daran beteiligt, und jeder Einzelne liefert seinen persönlichen Beitrag zur Erfüllung des Gesamtauftrags.
Die Aufgabe besteht darin, den geistigen Transformator des Planeten umzuspulen, um den Weg für das Einfließen einer neuen Solarströmung zu ebnen. Wie wir dabei vorgehen, wird für diese richtungsweisend sein und die zukünftige Resonanzfrequenz der Menschheit bestimmen.
Wohl kaum einer der Beteiligten wird das gesamte Ausmaß der Arbeit erkennen, und nur wenige, wie W. T. P. selbst, werden sich ihrer eigenen Rolle darin bewusst sein. Andere, die gewillt sind, eine Aufgabe zu übernehmen, sie aber weniger begreifen, werden sie nur sehr verschwommen wahrnehmen.
Diese Zentren werden von einem Kreis gewöhnlicher Menschen umgeben sein, die es einfach drängt, sich einem Gebäude zu nähern, das sie überhaupt nicht sehen können.
So geschah es wahrscheinlich vor zweitausend Jahren. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass bestimmte Gruppen, die damals gemeinsam wirkten, sich heute erneut zusammenfinden, vertraute, familiäre Bindungen eingehen und alles wie flüchtige, unzusammenhängende Teile eines Traums empfinden, der sie nicht loslässt.
Ein solches Konzept entbehrt der Logik. Selbst die Bausteine des Projekts scheinen unlogisch zu sein. Nicht alles Material, dass W. T. P. kürzlich veröffentlicht hat, scheint sich in irgendeiner Weise mit seinen Erinnerungen an Jesus zu befassen, die sein Hauptanliegen darstellen. Es enthält Dinge, die, oberflächlich betrachtet, bedeutungslos sind. Dennoch sind sie in den Hauptstrom eingeflossen, und wir können nur vermuten, dass sie in einem bestimmten Zusammenhang, den wir nicht erkennen, eine reale, unmittelbare Bedeutung besitzen.
Die Annahme, dass auf einer gewissen Ebene ein Zusammenhang besteht, gehört in den Bereich des Glaubens. Der Glaube seinerseits ist der Beweis für die unsichtbaren Dinge; und was die unsichtbaren Dinge im Zusammenhang mit W. T. P. anbelangt, besitzen wir eine Fülle an Beweisen.
Vor einiger Zeit zeigte es sich, dass er die in Erinnerungen an Jesus von Nazareth veröffentlichten Aufzeichnungen zu erweitern beabsichtigte und zu meiner Überraschung darauf bestand, dass ich sie zusammenstellte.
Der Hellsichtigkeit und Mystik stehe ich mit Vorbehalt gegenüber. Ich habe niemals mit einem verstorbenen Angehörigen gesprochen, niemals eine religiöse Erfahrung gemacht. Sowohl in orthodoxer wie heterodoxer Hinsicht bezüglich des Übersinnlichen gibt es wohl kaum jemanden, der ungeeigneter wäre, mit Tuder Pole zusammenzuarbeiten.
Dennoch besteht er darauf, dass ich es sein soll, der die neuen Einblicke einführt, herausgibt, zusammenstellt und kommentiert. Meine Zustimmung betrachtete er zudem von vorneherein als gegeben.
Die einzige Bedingung meinerseits war, die Angelegenheit meinem Verständnis (falls überhaupt) entsprechend zu erledigen, was seiner Aussage nach genau das war, was er wollte. Ich kann nur vermuten, dass es sich hier um ein Beispiel von „Gnade an seltsamen Orten“ handelt, wie Huxley es nennt.
Walter Lang
1 ) Die Einführung wurde vor dem Tod von W. T. P. verfasst. (Anm. d. Vlg.)