Praxisbuch der Energieheilung

Heilung durch Bewusstwerdung

Peter Michel und Katharina Michel


ISBN: 978-3-96861-251-5
1. Auflage 2021
© Aquamarin Verlag GmbH



Umschlaggestaltung: Annette Wagner
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Aquamarin Verlag GmbH, Voglherd 1, 85567 Grafing, www.aquamarin-verlag.de


Inhalt

Einleitung

 

Der Begriff „Energieheilung“ ist noch relativ jung. Zwar gibt es schon lange „Energie“ und noch länger „Heilung“, aber in der Kombination haben wir es mit einem Ausdruck der Gegenwart zu tun. Ohne die Vorstellung, dass es „Felder“ gibt, die über einen unmittelbaren Ausgangspunkt hinauswirken, wäre dieses Buch gar nicht vorstellbar – und auch nicht entstanden.

 

Ein weiterer Gedanke aus der Quantenphysik stand ebenfalls Pate für die kommenden Ausführungen: „Das Bewusstsein verändert die Beobachtung.“ Umgesetzt auf unser Thema bedeutet dies: „Ihre Gedanken haben Einfluss auf Ihre Krankheit und auf ihre mögliche Heilung.“ Wir werden aus verschiedenen Blickwinkeln immer wieder versuchen, die Verbindung von Geist, Seele und Körper zu beleuchten. Nur wenn man den Menschen als zusammengesetztes Wesen versteht, von dem der physische Körper nur die gröbste Ausprägung darstellt, wird ein „Praxisbuch der Energieheilung“ überhaupt sinnvoll und nachvollziehbar. Werfen wir gleich in der Einleitung einen Blick auf ein Fallbeispiel, um anhand dessen anzudeuten, worum es nachfolgend gehen wird.

 

In jeder Krankheit gibt es eine Schlüsselsituation: Die Begegnung zwischen Therapeut und Patient; die Erfahrung von Diagnose und Prognose. Diese Schlüsselsituation zeichnet eine unterschiedliche Dramatik aus, die gering ausgeprägt ist, wenn es um eine Grippe geht, die aber existenzielle Bedeutung gewinnt, wenn es sich um eine lebensbedrohliche Erkrankung handelt.

 

Stellen wir uns eine Situation vor, in der eine an Brustkrebs erkrankte Frau mit sehr schlechten Laborwerten zu einem Spezialisten in die Praxis kommt. Die bisherigen Untersuchungsergebnisse sind wahrlich dazu angetan, große Besorgnis auszulösen. Die schrecklichen Worte, die im Raum stehen, lauten: Amputation, Metastasen oder Endstadium. Weitere Begriffe könnten hinzugefügt werden, alle von gleicher belastender Prägung.

 

Um bereits an dieser Stelle den für jegliche Form der Heilung entscheidenden Punkt BEWUSSTSEIN anzusprechen, kann es förderlich sein, die hier genannten drei Worte „Amputation, Metastasen und Endstadium“ ganz genau anzuschauen.

 

Was geschieht im Bewusstsein unserer Patientin, wenn ihr behandelnder Arzt das Wort „Amputation“ ausspricht? Sie wird sich gedanklich vor dem Spiegel sehen, mit nur noch einer Brust sowie einer unschönen Narbe. Sie wird sich entstellt empfinden. Sie wird sich in ihrer Weiblichkeit zutiefst verletzt fühlen. Sie wird sich als weniger liebenswert und damit ihr Dasein als weniger lebenswert empfinden. Die Reihe der psychologischen Problemfelder ließe sich noch erheblich erweitern; aber lassen wir es bei den erwähnten bewenden.

 

Wenn wir dem Wort „Amputation“ nun noch die beiden furchtbaren Weiterungen „Metastasen“ und „Endstadium“ hinzufügen, dann wird es nicht nötig sein, auf die psychische Befindlichkeit der Patientin detaillierter einzugehen. Jeder wird sich unschwer vorstellen können, in welchem desolaten Zustand sie sich befindet. Sie ist am Boden zerstört und sieht keine Zukunft mehr.

 

Wie soll eine Patientin in dieser seelischen Verfassung den Mut aufbringen, an ihre eigene innere Heilkraft zu glauben?

 

Wir sind nach vielen Jahrzehnten Erfahrung im Bereich der alternativen Heilweisen davon überzeugt, dass eine unfassbar große Zahl von ernsthaft oder gar lebensbedrohlich erkrankten Männern und Frauen hätten geheilt werden können, wenn ihre Diagnose oder Prognose anders formuliert worden wäre. Eine falsche Prognose – Endstadium – führt in zahllosen Fällen unmittelbar ins Grab. Wie soll ein schwerkranker Mensch in sich selbst die Hoffnung auf Heilung zum Leben erwecken, wenn ihm sein Therapeut das Wort „Endstadium“ entgegenschleudert?

 

Es stellt die größte Tragik der bisherigen medizinischen Ausbildung dar, dass in ihr das Wort GEIST nicht mehr vorkommt. Die Behandlung eines Körpers wird systemimmanent praktiziert. Die Klinik wird zu einer Reparaturwerkstatt, in der Ersatzteile eingesetzt werden – wie in der Autowerkstatt. Das funktioniert beim Knie- oder Hüftgelenk ganz hervorragend, da wir uns hier im Bereich der Mechanik befinden, es schlägt dagegen fehl, wenn wir uns im geistig-seelischen Bereich bewegen.

 

Nun ist ja auch im orthodoxen modernen Medizinbetrieb nicht länger unterdrückbar, dass offensichtlich seelische Probleme Krankheiten auslösen können. Von daher wurde der Begriff „Psychosomatik“ aufgerufen, der leider schon bald die Bedeutung der Wirkung von „Psyche“ (Seele) auf „Soma“ (Körper) wieder vergaß und in der negativ besetzten Formulierung vom „psychosomatischen Problem“ auf ein simples, manchmal sogar angeblich eingebildetes Persönlichkeitsdefizit hinwies. Die entscheidende Bedeutung der Geist-Körper-Beziehung wurde somit vollständig in den Hintergrund gedrängt.

 

Erst in jüngster Zeit wurde von einigen angesehenen Alternativmedizinern versucht, hier ein echtes Umdenken einzuleiten. Erfreulicherweise wird deren Position gestärkt, weil etliche durch überaus erfolgreiche Buch-Bestseller eine breite öffentliche Zustimmung hinter sich wissen und in ihren Institutionen großen Zulauf verzeichnen. Es mag daher keine allzu kühne Prophezeiung darstellen, wenn man die Behauptung aufstellt, die Veränderung im Medizinbetrieb hin zu einer ganzheitlichen Energiemedizin wird durch eine Abstimmung mit den Füßen eingeleitet!

 

Wenn sich dieser Prozess fortsetzt, dann wird kein Arzt mehr jene Begriffskette auslösen, an deren Ende das Wort „Endstadium“ steht. Es wird ein Umdenken einsetzen, das erkennt, wie untrennbar Heilung mit Hoffnung verknüpft ist. Im Patienten den Glauben zu erwecken, dass Heilung immer möglich ist, stellt den entscheidenden ersten Schritt zur Genesung dar.

 

Dieses Buch soll daher allen, die es zur Hand nehmen, eine Botschaft der Hoffnung überbringen. Wer unser Buch „Spontanheilung“ gelesen hat, der wird sich an die Aussage jenes berühmten englischen Arztes erinnern, der feststellte: „Wenn Spontanheilung auch nur in einem einzigen Fall nachgewiesen worden ist – dann liegt sie im Wesen des Menschen!“

Glauben Sie daher niemals, dass es für Sie keine Chance mehr gibt.

 

Glauben Sie daher niemals, dass es für Sie keine Chance mehr gibt. Das Leben ist voller Wunder – und es endet auch nicht, wenn die physische Hülle abgelegt wird. Es gibt kein Ende, sondern nur ein unendliches Voranschreiten.

 

Versuchen Sie, Ihr Leben einfacher zu gestalten.

 

Bevor wir uns nun der Energieheilung im Einzelnen nähern, möchten wir diese Einleitung mit einen Ratschlag beenden, der über jedem der nachstehenden Kapitel stehen könnte: Versuchen Sie, Ihr Leben einfacher zu gestalten. Ein großer spiritueller Lehrer des vergangenen Jahrhunderts, Wellesley Tudor Pole, der große Mentor von Winston Churchill während des Zweiten Weltkrieges, hat in einem seiner Werke diesen Ratschlag mit folgenden Worten begründet:

„Viele ernsthafte Suchende und Wanderer auf dem Weg, die eifrig dem Wissenspfad folgen, fahren sich fest und verlieren sich auf verlockenden Seitenwegen, die in einer Sackgasse enden. Der geistige Pfad des Fortschritts ist einfach und nicht überhäuft mit Unwesentlichem.

Vereinfache! Vereinfache!“1

 


 

1 Wellesley Tudor Pole, Erinnerungen an Jesus von Nazareth, Grafing 2002, S.103

Teil I: Die innere Ebene


 

1: Schicksalsort Praxis

 

In einer ‚normalen‘ Praxis In Deutschland stehen dem behandelnden Arzt im Durchschnitt etwa acht Minuten Zeit für seinen Patienten zur Verfügung. Acht Minuten!! In dieser Zeit soll es zu einer umfassenden Untersuchung sowie zu einer die Heilung einleitenden Beratung kommen. Wenn man sich die immer komplexer werdenden Gesellschaften vor Augen führt, die ständig neue Krankheitsbilder oder Belastungsstörungen entwickeln, dann kann man sich unschwer ausrechnen, wie ein „Standard-Termin“ in der Regel verlaufen wird. Es dürfte unmöglich sein, in dieser Zeit auch nur ansatzweise auszutesten, welchen krankmachenden Faktoren ein Patient in seiner täglichen Umwelt ausgesetzt ist. Was bleibt, ist die Routine-Abwicklung: Kurzes Gespräch, einfache Analysen wie Blutdruckmessung oder Atemwegsuntersuchung, gute Worte und ein Rezept. Der Nächste bitte!

 

Die Situation im Gesundheitswesen wäre noch weitaus schlimmer – als sie ohnehin schon ist – wenn die Patienten tatsächlich alle mit schwerwiegenden Symptomen in den Praxen erschienen. Glücklicherweise handelt es sich in der Mehrzahl der Fälle um die alltäglichen Probleme, die tatsächlich „nach Lehrbuch“ abgewickelt werden können – vom Schnupfen über die Bronchitis zum Hautausschlag. Hier genügen Durchschnittswerte und Medikamente nach Liste. In einem tieferen Verständnis sprechen wir hier nicht von einer Behandlung, sondern vom „Krankheits-Management“. Der ganze „Betrieb“ wird nach standardisierten Vorgaben abgewickelt. Doch was geschieht, wenn der Mann oder die Frau, die einen „8-Minuten-Termin“ haben, an einem nicht gleich offensichtlichen Krankheitsbild leiden oder eine tiefe seelische Verletzung aufweisen, die inzwischen eine körperliche Symptomatik entwickelt hat? Kann man hier immer noch mit Durchschnittswerten und Medikation nach Liste arbeiten? Wohl kaum.

 

Der erkrankte Mensch, der in die Praxis kommt, ist nicht eine „Nummer bei der Kasse“, sondern ein komplexes INDIVIDUUM. Wollte man dieses anhand von biologisch-chemischen Analysen und Tabellen behandeln – man müsste langfristig auf tragische Weise scheitern. Es stünde nicht mehr der Mensch im Vordergrund, sondern die Diagnose. Diese wiederum führt zu einer vorgegebenen Vorgehensweise, die eben standardisiert ist – und damit nicht nur fehleranfällig, sondern vielfach sogar fahrlässig ist. Das Symptom Herzrhythmusstörung, das Symptom Bluthochdruck oder das Symptom erhöhter Blutzuckerwert, um nur einige beliebige Krankheitsbilder herauszugreifen, lässt sich gerade NICHT nach einer Standardverteilung von medizinischen Parametern erklären. Es geht nicht um Lehrbücher, sondern es geht um eine äußere Unordnung (Krankheit), die von einer inneren Unordnung (geistig-seelische Dissonanz) ausgelöst wurde. Solange diese nicht erkannt und geheilt ist, kann eine körperliche Symptomatik nicht wirklich aufgelöst werden. Es kommt eventuell zu einer Symptom-Verschiebung oder zu einer Symptom-Unterdrückung – aber nicht zu einer nachhaltigen Heilung.

 

Die heutige stark technisierte Medizin liefert vielleicht umfassende Analysen oder brillante Bilder, aber sie hat vielfach das GANZE aus dem Blick verloren! Das führt in seiner pervertiertesten Form dazu, dass man beispielsweise in den heute oft auf Profit ausgerichteten Krankenhäusern nicht mehr von Frau Schmidt oder Herrn Müller spricht, sondern von der „Niere auf Zimmer 16“. Der Mensch verschwindet hinter der Diagnose. Er wird zum Fall. Er wird zur Nummer. Und in letzter Konsequenz zu einem Kostenfaktor.

 

Die Menschlichkeit, das dürfte jeder, der diese Zeilen liest, in der einen oder anderen Form schon selbst erlebt haben, bleibt dabei auf der Strecke. Um hier nicht missverstanden zu werden: Die Menschlichkeit auf der Seite des Patienten und auf der Seite der Behandelnden. Der heutige, von Interessenverbänden und Lobbyisten dominierte Medizin-BETRIEB fordert Opfer auf beiden Seiten. Daher kann es nicht verwundern, dass die kritischsten Publikationen zu dieser vom Kommerz geprägten medizinischen Versorgung vonseiten der Ärzte selbst kommen. Die Technik kann vieles, aber sie kann sicher Mitgefühl, Anteilnahme und menschliche Ermutigung nicht ersetzen. Heilen hat nur in ganz geringem Maße etwas mit Pillen oder Spritzen zu tun. Einer der ganz großen wahrhaften Heiler des 20. Jahrhunderts, der Engländer Edward Bach, hat daher schon vor fast hundert Jahren einen Weg aufgezeigt, um den Aspekt des Menschlichen ausreichend zu berücksichtigen: „Was wir Krankheit nennen, ist die Endphase einer viel tiefer reichenden Störung. Um eine wirklich erfolgreiche Behandlung durchzuführen, reicht es eben nicht aus, nur die Folgen zu behandeln, ohne der tatsächlichen Ursache auf den Grund zu gehen und diese auszuräumen.“ Es dürfte niemanden, der sich mit dem Wirken von Bach und der von ihm entwickelten „Blütentherapie“ befasst hat, auch nur im Geringsten verwundern, dass er von seinen Standesgenossen mit allen Mitteln bekämpft wurde. Diese Erfahrung – und die von vielen anderen anders denkenden Ärzten – dürfte der entscheidende Grund sein, warum auch heute noch viele ganzheitlich ausgerichtete Mediziner unter vier Augen anders sprechen als auf einem Kongress ihrer Zunft. Für die Karriereplanung ist ein „Coming Out“, das den etablierten Betrieb kritisch hinterfragt oder gar bloßstellt, alles andere als förderlich. Auch in der Medizin gilt, wie bei allen anderen Wissenschaftszweigen: Ein neues Weltbild setzt sich nicht aufgrund seiner eigenen Überzeugungskraft durch, sondern allein dadurch, dass die Vertreter des alten, überholten Paradigmas aussterben!

Die Technik kann vieles, aber sie kann sicher Mitgefühl, Anteilnahme und menschliche Ermutigung nicht ersetzen. Heilen hat nur in ganz geringem Maße etwas mit Pillen oder Spritzen zu tun.

Die Halbgötter in Weiß

 

Der Ausdruck „Halbgötter in Weiß“ ist in dreierlei Hinsicht bemerkenswert: Zum einen ist nur von „Halb“göttern die Rede, zum zweiten sind Halbgötter durchaus mindestens eine Stufe über den Normalmenschen anzusiedeln und zum dritten tragen sie auch noch „Weiß“, die Farbe der Unschuld, und in der Antike die Farbe der Priesterkaste. Was sagt das aus bezüglich der Praxissituation?

 

Kommt der Patient mit einer leichten Erkältung in die Praxis, wird das „Angst-Niveau“ im untersten Bereich angesiedelt sein. Kommt dagegen die Patientin mit Verdacht auf Brustkrebs oder der Patient mit einem vermuteten Prostatakrebs, so stellt sich die Gesamtsituation mit einer ganz anderen Dramatik dar. Jetzt kommt es auf jede Geste, auf jedes Wort, sogar auf jede Vorsilbe an. Beginnt ein Wort beispielsweise mit der Vorsilbe „un-“, dann kann das für labile Menschen gleichbedeutend mit einem Todesurteil sein. Es gibt genügend gut dokumentierte Fälle, in denen Menschen an einer Fehldiagnose gestorben sind. Die Angst hat sie umgebracht!2

 

Die Patienten haben, über viele Jahrhunderte hinweg, ihre Ärzte in den Status der „Halbgötter“ erhoben – und jene haben diese Übertragung äußerst wohlwollend angenommen. Ideal wäre es, wenn dieses für beide Seiten ungesunde Rollenspiel möglichst schnell überwunden würde; aber solange es fortbesteht, sollte es auf der Seite der Behandelnden zumindest mit Umsicht zur Heilung eingesetzt werden. Der Moment, in dem seitens des Arztes oder der Ärztin eine Diagnose und eine damit einhergehende Prognose ‚verkündet‘ wird, hat eine im tiefsten Sinne ‚magische‘ Qualität. Weise genutzt, kann hier bereits ein entscheidender Baustein zu einer vollständigen Genesung gelegt werden. Folgende Sätze sollten zum Standard-Repertoire jedes Behandlers gehören:

  • „Ich traue Ihnen zu, dass Sie diese Krise meistern werden!“
  • „Sie haben so große Selbstheilungskräfte, Sie werden wieder vollständig gesund!“
  • „Das ist sicher eine schwerwiegende Prognose; aber ich habe schon mehrere Fälle erlebt, in denen die Erkrankten wieder vollkommen gesund geworden sind!“
  • „Das Medikament, das ich Ihnen verschreiben werde, hat sich uneingeschränkt bewährt und wird Ihnen ganz sicher helfen!“
  • „Verändern Sie Ihr Leben, und Sie werden diese Krankheit vollständig überwinden!“
  • „Versuchen Sie, für sich zu verstehen, was Ihnen diese Krankheit sagen will. Das ist der Schlüssel zu Ihrer Heilung!“
  • „Streichen Sie das Wort unheilbar aus Ihrem Wortschatz. Ich habe auch bei Fällen wie dem Ihren schon erlebt, dass die Betroffenen wieder vollkommen genesen sind!“

 

Diese sieben Beispiele könnten beliebig erweitert oder ergänzt werden. Was diesen und allen ähnlichen Aussagen gemeinsam zu eigen sein sollte, ist: Sie müssen ermutigen und die Selbstheilungskräfte der Patienten in Gang setzen. Darin liegt der Schlüssel zur Heilung. Die weltweite Placebo-Forschung – die noch nicht einmal nach dem wahren Grund für den sogenannten Placebo-Effekt sucht – hat überzeugend nachgewiesen, dass der Glaube an ein Medikament oder eine Behandlungsweise mehr als die Hälfte der Heilung ausmacht. „Dein Glaube hat Dir geholfen“ – in diesen fünf Worten liegt eines der großen Heilungsgesetze begründet.

Dem Patienten den Glauben an seine Selbstheilungskräfte zu geben oder zurückzugeben – das ist wahre Heilkunst!

 

Diesen Glauben zu stärken, muss der erste Grundsatz jedes Patienten-Gespräches sein. Dem Patienten den Glauben an seine Selbstheilungskräfte zu geben oder zurückzugeben – das ist wahre Heilkunst! Wo das gelingt, ist die Macht eines „Halbgottes“ im Sinne der göttlichen Vorsehung weise genutzt. Sie hat nicht die Stärkung des eigenen Image im Sinn, sondern zielt allein auf das Wohl des erkrankten Menschen, der mit gespannter Erwartung auf dem Patientenstuhl sitzt. Es darf niemals zugelassen werden, dass dieser verzweifelt, mutlos oder ohne Hoffnung die Praxis verlässt. Würde diese Maxime der Behandlung durchgängig umgesetzt, ständen wir vor einer Revolution im Gesundheitssystem.

 

Positive Emotionen

 

In den letzten zehn Jahren fällt immer wieder ein nicht ganz unwichtiger Begriff – der mündige Patient. In diesem Ausdruck steckt natürlich vor allem sein Gegenteil – der unmündige Patient. Der „unmündige“ ist zugleich auch der „bevormundete“ Patient. Er gibt nicht nur seine Kompetenz am Empfang ab, was bei einer schwierigen medizinischen Materie, die er nicht beherrscht, noch akzeptabel wäre; sondern er lässt auch beim Eintritt ins Sprechzimmer zu weiten Teilen seine Entscheidungskraft zurück. Damit übergibt er sein Wohlergehen einer anderen Instanz oder anderen Personen. Wenn ihm dann noch wenig förderliche Prognosen mitgegeben werden, beginnt ein verhängnisvoller Prozess. Die schädlichsten Sätze, die er in diesem Zusammenhang aufnehmen und sich aneignen kann, lauten:

  • „Ich kann dagegen nichts tun!“
  • „Das liegt nicht mehr in meiner Hand!“
  • „Sie haben gesagt, das sei unheilbar!“
  • „Dagegen gibt es kein Mittel!“
  • „Ich habe noch sechs Monate zu leben!“

 

Wenn Sie diese – durch viele ähnliche austauschbare – Sätze als gesunder Mensch lesen, dann versuchen Sie sich einmal in die Person einzufühlen, an die sie gerichtet sind. Wie mag die psychologische Auswirkung auf den Heilungsprozess sein? Kann auf der Basis dieser Aussagen überhaupt noch eine positive emotionale Reaktion erfolgen, die den Heilungsverlauf günstig beeinflusst? Es bleibt in diesem Moment nur noch zu hoffen, dass der Adressat solcher Sätze mit Trotz oder positiver Wut reagiert: „Ich werde es euch zeigen! Ich werde wieder gesund!“

 

Natürlich wird seitens der Behandler niemand mit Absicht einen Patienten entmutigen. Sie glauben einerseits selber, der Patient habe keine Chancen mehr, andererseits äußern sie solche Gedanken, ohne ihre Wirkung zu bedenken. Sollten Sie also selbst einmal in eine solche prekäre Lage kommen, dann bleibt Ihnen nur eines: WIDERSPRUCH! Weisen Sie eine finale Aussage sofort zurück. Indem Sie sich einen Satz über die „Unheilbarkeit der Krankheit“ oder die „noch verbleibende Lebenszeit“ zu eigen machen, setzen Sie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung in Gang. Nichts ist jedoch schädlicher für eine mögliche Heilung als so eine Vorgehensweise. Unterschätzen Sie niemals die Kraft Ihrer eigenen Worte auf Ihr Unterbewusstsein! Sobald Sie zu glauben beginnen, Ihre Krankheit sei unheilbar, ist sie unheilbar!

Unterschätzen Sie niemals die Kraft Ihrer eigenen Worte auf Ihr Unterbewusstsein! Sobald Sie zu glauben beginnen, Ihre Krankheit sei unheilbar, ist sie unheilbar!

Der runde Tisch der Heilung

 

In der Politik oder bei gesellschaftlichen Problemen ist es gängige Praxis, am sogenannten „runden Tisch“ eine Lösung durch die Bündelung von kompetenten Stimmen herbeizuführen. Diese Vorgehensweise sollte auch im Gesundheitsbereich eingeführt werden. Das Einholen nur einer „zweiten Meinung“ kann oft nicht ausreichend sein. Manchmal sind mehre verschiedene Blickwinkel erforderlich, um eine Krankheitssituation richtig zu erfassen.

 

Mut

 

Die Ursachen für eine Erkrankung können vielfältig sein. Zumeist liegt ein komplexes Geflecht an eigenem Fehlverhalten, äußeren Einflüssen und inneren Verdrängungen zugrunde. Um dieses Geflecht zu entflechten und Sie als Persönlichkeit wirklich zu erkennen, ist nicht nur ein außerordentliches Feingefühl sowie ein großes psychologisches Wissen vonseiten der Behandler erforderlich, sondern noch eine weitere wichtige Komponente – ZEIT!

 

Halten Sie sich jetzt noch einmal die eingangs erwähnte durchschnittliche Behandlungszeit in einer normalen Arzt-Praxis vor Augen: Acht Minuten! Glauben Sie allen Ernstes, sie können alles das, was vorstehend angeführt wurde, in dieser winzigen Zeitspanne leisten? Natürlich nicht!

 

Wenn Sie also den „Schicksalsort Praxis“ betreten, dann behalten Sie stets die folgenden Gedanken im Hinterkopf – oder im Herzen:

  • „Ich bin für meine Heilung selbst verantwortlich!“
  • „Die Meinung des Arztes/der Ärztin ist nur eine Stimme!“
  • „Es gibt keine unheilbaren Krankheiten!“
  • „Ich werde es innerlich wissen, ob ich dem Arzt/der Ärztin vertrauen kann – oder nicht!“
  • „Ich weiß mit absoluter Gewissheit, dass alles, was mir widerfährt, nur zu meinem Besten geschieht!“
  • „Ich vertraue in eine höhere Ordnung des Lebens!“
  • „Ich habe unzerstörbaren Lebensmut!“

 

Sie können diese Sätze natürlich abwandeln. Es sind Möglichkeiten. Es sind Formulierungen, die sich bewährt haben. Sie haben nur eine einzige Intention: Ihre Freiheit als Patient/als Patientin zu stärken und Ihnen Zuversicht zu schenken, dass Heilung immer im Bereich des Möglichen liegt. Haben Sie Mut, und vertrauen Sie auf Ihre Selbstheilungskräfte!

 

 

2 Vgl. P. & K. Michel, Spontanheilung, Grafing 2014