Die Autorinnen
Susann Brückner arbeitet und lebt im Literaturbetrieb in Berlin und Wien. Gelegentlich schreibt sie, meistens über Tod und Trauer, u. a. für das Almost Magazine oder die Berliner Zeitung.
Caroline Kraft schreibt als freie Autorin u.a. für Zeit Online. Ihre Kolumne »Schluss jetzt« erschien in der taz. Sie ist ausgebildete Sterbebegleiterin und chronische Bestatterpraktikantin und lebt in Berlin.
Gemeinsam betreiben Susann und Caro seit 2017 den Podcast »endlich. Wir reden über den Tod«. Er wurde für den Podcastpreis nominiert und unter die Top of the Pods von Zeit Online gewählt.
Das Buch
»Dieses Buch ist (lebens-)wichtig für alle Menschen, die irgendwann mal trauern. Also für uns alle.« Mareice Kaiser
Trauer hat ein schlechtes Image. Zu Unrecht! Trauer ist ein Prozess, durch den wir lernen, mit unseren Verlusten zu leben. Susann Brückner und Caroline Kraft zeigen, wie unterschiedlich wir trauern, und entlarven weitverbreitete Irrtümer darüber, was passiert, wenn ein geliebter Mensch stirbt. Denn Trauer ist nicht das, wofür sie gehalten wird. Sie kennt keine Regeln, aber sie ist gestaltbar. Sie tut weh, aber sie ist wertvoll. Höchste Zeit, dass wir anfangen, Geschichten über das Trauern zu erzählen: krasse und zärtliche, schöne und wütende, fiese, berührende und überraschende. Wir können den gesellschaftlichen Umgang mit Trauer nur verändern, indem wir darüber reden: endlich.
Susann Brückner & Caroline Kraft
endlich.
ÜBER TRAUER REDEN

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Hinweis der Autorinnen:
Wir verwenden in diesem Buch gendergerechte Sprache und nutzen den Doppelpunkt, weil dieser unseres Wissens nach momentan die barriereärmste Rezeptionsform für sehbehinderte Menschen darstellt.
Originalausgabe März 2022
Copyright © 2022 by Wilhelm Goldmann Verlag, München,
in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH,
Neumarkter Str. 28, 81673 München.
Copyright © 2022 Caroline Kraft und Susann Brückner
Illustrationen: © Tine Fetz (www.fetz.net)
Covergestaltung: UNO Werbeagentur GmbH, München,
unter Verwendung einer Illustration von © Tine Fetz
Redaktion: bookTRade UG, Berlin
DF | Herstellung: CF
Satz: Uhl + Massopust, Aalen
ISBN 978-3-641-27869-4
V001
www.goldmann-verlag.de
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In diesem Buch geht es um Verluste. Unsere Verluste.
Wir widmen es allen, deren Trauer wir nicht oder nur am Rande thematisieren: Allen, die nach Trennungen und Jobverlust trauern oder nach Abtreibungen, die ihr Zuhause verloren haben, die Krieg und Gewalt erfahren mussten, deren Haustiere gestorben sind, die ungewollt kinderlos sind.
Eure Geschichten sind wichtig, denn Trauer hat viele Gesichter.
1 Aus Scheiße Liebe machen
2 Alles darf, nix muss
Über die Realität der Trauer
3 Nicht ganz bei Trost
Über die Reaktionen auf Trauer
4 Kopfkino
Über das Begreifen
Im Gespräch mit Nora Gomringer
Ein Kind, das in seine Mutter verliebt war
5 Früher warst du anders
Über Trauer und Beziehungen
6 Ich muss laufen, laufen
Über die Körperlichkeit von Trauer
7 Durch Pfützen springen
Über Kinder und Trauer
Im Gespräch mit Rebecca Randak und Andy Steingrüber
Wir wollten ihn erst begrüßen
8 Alle Jahre wieder
Über Rituale
9 Kein Gestern und kein Morgen
Über Trauer und Sex
Im Gespräch mit Gabriele von Arnim
Die Amsel auf dem Balkon
10 Thirty years wiser
Über posttraumatisches Wachstum
11 Die Sache mit der schwarzen Wolke
Über Suizid
Sieben Forderungen für Trauer in einer modernen Gesellschaft
Dank
Literatur
Zitate im Buch
Quellen
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Aus Scheiße Liebe machen
Endlich über Trauer reden? Können wir nicht lieber mit der Liebe anfangen? Denn seien wir ehrlich: Kaum jemand hat so richtig Lust, über Trauer zu reden. Keine Trauerpower, nirgends. Trauer stört den Ablauf, belastet die Eingeweide, frisst die Zeit. Sie ist ein Partykiller, der die üblichen Verdächtigen im Schlepptau hat: Wut, Angst und Scham. Eine nette Truppe.
Dabei gibt es jede Menge gute Gründe, um die Trauer besser kennenzulernen. Um vertrauter mit ihr zu werden. Dann erkennen wir sie nämlich, wenn andere sie mit sich herumtragen. Dann gehen wir ihr nicht aus dem Weg. Dann verhalten wir uns zu ihr. Wenn sie dann bei uns auf der Matte steht – was sie früher oder später bei allen tut –, werden wir gar nicht erst versuchen, ihr die Tür vor der Nase zuzuknallen. Weil wir dann schon wissen, dass es so nicht funktioniert mit ihr. Weil sie gesehen werden will. Weil sie eine richtige Rampensau ist.
Wenn sie unsere ungeteilte Aufmerksamkeit hat, hat Trauer übrigens auch ihr Gutes. Dann merken wir, dass gar nicht sie das Problem ist. Sondern unser Blick, unsere Ablehnung, unsere Angst. Unser innerer Widerstand gegen ein so intensives Fühlen, wie sie es verlangt. Genaugenommen ist die Trauer ihrer großen Schwester, der Liebe, also gar nicht so unähnlich.
Beginnen wir damit, wie wir, Caro und Susann, aus Scheiße Liebe machten. Als wir uns zum ersten Mal privat trafen, abends in einer Kreuzberger Kneipe. Wir waren dazu verabredet, über unsere Toten zu sprechen. Ja genau, nicht über die Arbeit und unser letztes Date, sondern über unsere Toten. Butter bei die Fische, müssen wir an diesem Abend gedacht haben – ohne Rumgedruckse, keine verschämten Blicke, keine Floskeln oder peinliches Schweigen. Stattdessen kam das ganze Trauerding auf den Tisch: Was beschissen war, was verwirrend und wo die Liebe immer wieder hervorblitzte. Wir lachten, weinten und tranken viel Schnaps.
Endlich, dachten wir, reden wir über den Tod.
Dass daraus ein Podcast entstanden ist, überrascht uns noch heute. In »endlich. Wir reden über den Tod« sprechen wir mit Expert:innen, Betroffenen, Menschen aus dem öffentlichen Leben und Todesaktivist:innen über Tod und Trauer. In diesem Buch steckt alles, was wir in den letzten vier Jahren endlich.-Podcast über die Trauer gelernt haben. Es erzählt die Geschichten, die wir selbst gern gehört hätten, als wir ihr – jede für uns – zum ersten Mal begegnet sind.


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Alles darf, nix muss