Echt jetzt?

Lea legte den Spiegel beiseite und griff nach ihrem Handy: „Wer stört?“ wollte sie knapp wissen. „Hi Süße, ich bin`s...deine Lilli! Was machst du gerade?“ Blöde Frage ihrer Freundin - wie immer. „Ich entferne gerade meine männlichen Hormone“, gab sie willig Auskunft. „Deine was? Wo

hast du denn männliche Hormone?“ Lea seufzte abgrundtief auf: „Am Kinn...ich habe einen Ziegenbart!“ Lilli gluckste lauthals los: „Das muss ich sehen...kann ich vorbeikommen?“ „Verdammt nein - bleib wo du bist!“ Wütend unterbrach Lea das Gespräch. Schlimm genug, dass an ihrem Kinn Haare hervorsprießten, brauchte sie nicht auch noch Zuschauer. Doch ihre eifrige Freundin ließ sich nicht abhalten und stand kurz darauf vor der Tür.

„Man sieht ja gar nichts“, stellte Lilli enttäuscht fest. „Hab ich ausgerupft“,

kam Leas kurze Antwort. Lilli warf sich aufs Sofa: „Was macht dein Bericht? Wie viele Mannsbilder mussten daran glauben?“ Lea grinste: „Bin noch nicht fertig - wird aber sehr lustig!“ Lilli meinte nur: „Die tun mir jetzt schon leid!“ Lea, Autorin und freiberufliche Journalistin schrieb gerade einen Bericht über die Macken der Männer, ohne die Frauen nicht leben können. Ohne Macken schon, aber nicht ohne Männer. „Sind sie denn wirklich so schlimm - die Macken meine ich?“ Lea überlegte: „Kann man so nicht sagen, wenn man jung ist hat man sowieso eine rosarote Brille auf - man sieht einfach nichts!“ „Komisch, bei uns ist das nicht so. Mein Schatz hat keine Macken, außer...!“ „Außer?“ wollte Lea neugierig wissen. „Naja, er lässt wo er geht und steht, seine Klamotten liegen wenn er nach Hause kommt!“ „Lass mich raten - und du räumst sie weg. Das muss du aber nicht!“ „Müssen nicht, aber wollen. Was auch blöde ist, wie er sein Frühstücksei verzehrt. Er köpft das arme weichgekochte Ei und löffelt mit einem Brötchen das Eigelb raus. Und überall dann sabber...sabber...sabber!“ „Igitt, und das machst du einfach so mit?“ „OK, muss ich nicht...aber habe selber so meine Macken!“ „Hilfe, verschone mich damit“, rief Lea gespielt entrüstet. „Hast du die neue Fernsehwerbung von einer Partnervermittlung schon gesehen?“ „Nee..?“ Lilli grinste: „Adonis mit seinem Luxuspo auf dem Bello!“ „Auf dem Bello? Damit wollen sie Frau hinter dem Herd hervorlocken? Damit würden sie mich total abtörnen!“ Lea schüttelte sich. Lilli musterte ihre Freundin. Sie ist zwar eine ganz Liebe, aber wie sie sich mustert...schaurig! Schlabberhose, Schlabberoberteil und die langen schwarzen Haare zu einem Dutt ganz oben auf dem Kopf platziert. Und an den Füßen Pantoffeln mit Micky-Maus. M i c k y...M a u s...! Sehr, sehr sexy. „Was schaust du mich so an, Lilli?“ „Och...habe gerade festgestellt, wie unsexy du bist...brrr!“ Lea grinste: „Dir muss ich ja auch nicht gefallen, geliebte Freundin!“ Lilli fiel etwas ein: „Du bist nicht alleine mit deinen Berichten - in einer bekannte Zeitung schreibt jemand über das Thema: „Typisch Frau“! Und auch ganz schön schonungslos!“ „Echt