Herzlich, Deine Jane

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Über dieses Buch

Seien es Gedanken über die Mode und das Wetter oder Beschreibungen von illustren Bällen und Abendunterhaltungen – in Jane Austens Briefen findet sich allerhand Privates und Alltägliches, das sie gewohnt geistreich und amüsant kommentiert.

Eine Auswahl ihrer schönsten Briefe lässt ihr Fühlen, Denken und Schreiben nachempfinden und zeichnet ein lebensnahes Bild der englischen Gesellschaft um 1800.

Hinweise zur E-Book-Ausgabe

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Enthält das E-Book in eckigen Klammern beigefügte Seitenzählungen, so verweisen diese auf die Printausgabe des Werkes.

Fußnoten

  1. Austen-Leigh, J. E., A Memoir of Jane Austen and Other Family Recollections. Edited with an Introduction and Notes by Kathryn Sutherland, Oxford / New York: Oxford University Press, 2002 (zit. als: Memoir), S. 184.

  2. Hill, Constance, Jane Austen. Her Homes & Her Friends, London / New York: John Lane, 1942. Reprint London: Routledge / Thoemmes Press, 1995 (zit. als: Hill). Memoir, S. 184

  3. Jane Austen’s Letters. Hrsg. von R. W. Chapman. Oxford: Clarendon, 1932 (zit. als Chapman), S. V.

  4. Le Faye, Deirdre: Jane Austen. A Family Record. Cambridge: Cambridge University Press, 22004 (zit. als Le Faye), S. X.

  5. Chapman, S. xli.

  6. Le Faye, S. XII.

  7. Memoir, S. 26.

  8. Le Faye, S. 52 f.

  9. Reminiscences of Caroline Austen, introduction by Deidre Le Faye, o.O.: Jane Austen Society, 1986 (zit. als: Caroline).

  10. Hubback, J. H. / Hubback, Edith C., Jane Austen’s Sailor Brothers. Being the Adventures of Sir Francis Austen, G.C. B., Admiral of the Fleet and Rear-Admiral Charles Austen, London: John Lane, 1906 (zit. als Sailors), S. 9.

  11. Le Faye, Deirdre, Jane Austen’s »Outlandish Cousin«: The Life and Letters of Eliza de Feuillide, London: The British Library, 2002 (zit. als: Feuillide), S. 132.

  12. Austen-Leigh, R. A., Austen Papers 1704–1856. Privately Printed by Spottiswoode, Ballantine & Co Ltd. 1942. Reprint London: Routledge / Thoemmes Press, 1995 (zit. als: Pedigree), S. 265.

  13. Caroline, S. 24 f.

  14. Byrne, Paula, The Real Jane Austen. A Life in Small Things, London. Harper Press, 2013 (zit. als: Byrne), S. 100.

  15. Honan, Park, Jane Austen. Her Life, New York: St. Martin’s Press, 1987 (zit. als: Honan), S. 162.

  16. Memoir, S. 17.

  17. Sailors, S. 54.

  18. Memoir, S. 18f.

  19. Memoir, S. 73f.

  20. Memoir, S. 160.

  21. Le Faye, S. 153.

  22. Honan, S. 5.

 

An Cassandra Austen, 9./10. Januar 1796

Steventon, Samstag, 9. Januar

Zunächst einmal hoffe ich, dass Du noch dreiundzwanzig Jahre lebst. Gestern war Mr. Tom Lefroys Geburtstag, so dass ihr beinahe gleichaltrig seid. Nach dieser notwendigen Präambel gehe ich dazu über, Dir zu berichten, dass wir gestern Abend in Manydown einen ausnehmend schönen Ball hatten und ich sehr enttäuscht war, Charles Fowle nicht dort zu sehen, da ich vorher gehört hatte, dass er eingeladen war. […] Wir waren so unerhört nett, meinen Bruder James in unserer Kutsche mitzunehmen, obwohl wir schon zu dritt waren. Aber er verdient wirklich Ermutigung wegen der riesigen Fortschritte, die er in letzter Zeit beim Tanzen gemacht hat. Miss Heathcote ist hübsch, aber nicht annähernd so schön, wie ich erwartet hatte. Mr. Heathcote tanzte zuerst mit Elizabeth Bigg und später noch einmal mit ihr, die beiden verstehen allerdings nicht, etwas aus sich zu machen. Ich schmeichle mir aber, dass sie aus den drei anschließenden Tänzen, die ich ihnen vorgemacht habe, etwas gelernt haben. Du schimpfst mich in dem schönen langen Brief, den ich soeben von Dir erhalten habe, so sehr aus, dass ich mich gar nicht zu erzählen traue, wie mein irischer Freund und ich uns benommen haben. Mal Dir das verworfenste und skandalöseste Benehmen beim Tanzen und Zusammensitzen aus. Ich kann mich allerdings nur noch ein einziges Mal so anstößig benehmen,

J. A.

Steventon, Donnerstag

[…] Was für ein Taugenichts Charles ist, dass er die Strümpfe bestellt hat! Ich hoffe, ihm ist deshalb für den Rest seines Lebens unbehaglich zumute. Ich habe Dir gestern einen Brief nach Ibthorp geschickt, den Du vermutlich in Kintbury nicht mehr erhältst. Er war weder sehr lang noch sehr geistreich, und deshalb macht es nichts, wenn Du ihn nicht bekommst. Ich schrieb Dir im Wesentlichen, um Dir zu sagen, dass die Coopers in guter Gesundheit angekommen sind. Der kleine Junge ist Dr. Cooper sehr ähnlich, und das kleine Mädchen ähnelt angeblich Jane Williams. Unsere Partie nach Ashe morgen Abend besteht aus Edward Cooper, James (denn ohne ihn ist ein Ball gar nichts), Richard Buller, der jetzt bei uns übernachtet, und mir. Ich sehe ihm mit großer Ungeduld entgegen, da ich eigentlich erwarte, im Lauf des Abends einen Antrag von meinem Freund zu erhalten. Ich werde ihn allerdings ablehnen, es sei denn, er verspricht, seinen weißen Mantel abzulegen.

Dein Kompliment über meinen letzten Brief hat mir sehr geschmeichelt, denn ich schreibe nur um des Ruhmes willen und ohne irgendeinen finanziellen Vorteil zu erwarten. Mein Bruder Edward hat uns verlassen, um einen Tag mit seinem Freund John Lyford zu verbringen, und kehrt erst morgen zurück. James’ Tochter Anna ist jetzt hier; sie kam mit dem Kinderwagen, um einen Tag mit ihren jungen Cousinen zu verbringen, aber ihr liegt nicht viel an ihnen oder an dem, was sie beschäftigt, außer an Carolines Spinnrad. Ich freue mich sehr, von Mary Lloyd zu hören, dass Mr. und Mrs. Fowle Dich mögen. Ich hoffe, Du machst ihnen weiter Freude.

Wie unverschämt von Dir, mir gegenüber Deinen Verlobten zu erwähnen, als ob ich nicht Gelegenheit hätte,

Sag Mary, ich überlasse ihr Mr. Heartley und seinen gesamten Besitz zu ihrem ausschließlichen Nutzen und Gewinn und nicht nur ihn, sondern obendrein all meine anderen Verehrer, wo immer sie sie auftreiben kann – sogar den Kuss, den C. Powlett mir geben wollte, da ich mich von jetzt an ausschließlich auf Mr. Tom Lefroy beschränken will, an dem mir gar nichts liegt. Versichere ihr als letzten und unbezweifelbaren Beweis für Warrens Gleichgültigkeit mir gegenüber auch, dass er sage und schreibe ein Bild von dem besagten Gentleman für mich gemalt und es mir ohne einen Seufzer übergeben hat.

Freitag. – Nun ist der Tag gekommen, an dem ich zum letzten Mal mit Tom Lefroy flirten werde, und wenn Du diesen Brief erhältst, ist alles vorbei. Meine Tränen fließen bei diesem traurigen Gedanken, während ich schreibe. William Chute kam gestern hier vorbei. Ich frage mich, was es bedeutet, dass er sich so höflich benimmt. Es gibt ein Gerücht, dass Tom Chute eins der Litchfield-Mädchen heiraten wird. John Lyford und seine Schwester bringen heute Edward nach Hause, essen bei uns, und dann fahren wir alle zusammen nach Ashe. Soweit ich weiß, sollen unsere Partner ausgelost werden. […] Mit den herzlichsten Grüßen bin ich Deine

J. Austen

 

An Cassandra Austen, 23. August 1796

Cork Street [London], Dienstagvormittag

Meine liebe Cassandra,

Da bin ich also wieder an diesem Ort der Zerstreuung und des Lasters, und schon stelle ich fest, wie meine Moral untergraben wird. Wir haben Stains gestern, ich weiß nicht wann, erreicht, und zwar ohne so unter der Hitze zu leiden, wie ich erwartet hatte. Morgens um sieben sind wir aufgebrochen und hatten eine sehr angenehme Fahrt, da der Vormittag bewölkt und angenehm kühl war. […]

Edward und Frank sind beide ausgezogen, ihr Glück zu machen. Letzterer soll bald zurückkommen, um uns zu helfen, unseres zu machen. Ersteren werden wir nie wiedersehen. Wir gehen heute Abend zu Zirkus Astley, worauf ich mich freue. Edward hat heute Vormittag von Henry gehört. Er ist gar nicht bei dem Rennen gewesen. Es sei denn, Miss Pearson nach Rowling zu kutschieren, kann man als solches bezeichnen. Wir treffen ihn dort am Donnerstag. […]

Gott schütze Dich. Ich muss schließen, denn wir gehen aus.

Herzlich Deine J. Austen

Rowling, Donnerstag, 1. September

Meine liebste Cassandra,

Der Brief, den ich gerade von Dir erhalten habe, hat mich über alle Maßen erheitert. Ich könnte mich totlachen darüber, wie man in der Schule sagte. Du bist zweifellos die witzigste Schriftstellerin der Gegenwart. […] Henry verlässt uns morgen, um nach Yarmouth in Norfolk zu fahren, da er unbedingt seinen Arzt dort konsultieren möchte, zu dem er großes Vertrauen hat. Es geht ihm besser als bei seiner Ankunft, obwohl noch immer keineswegs gut. Seinem jetzigen Plan nach will er erst ungefähr am 23. hierher zurückkommen, um wenn möglich drei Wochen Urlaub zu machen, da er unbedingt in Godmersham, wohin Edward und Elizabeth Anfang Oktober umziehen, auf die Jagd gehen will. Wenn diese Pläne sich verwirklichen lassen, kann ich kaum vor Mitte des Monats in Steventon sein. Aber wenn Ihr mich unbedingt braucht, könnte ich vermutlich mit Frank fahren, falls er zurückkommen sollte. Es gefällt ihm hier sehr, denn er hat gerade gelernt zu drechseln, und die Beschäftigung macht ihm so viel Spaß, dass er den ganzen Tag damit zubringt. Es tut mir leid, dass Du meinen ersten Brief so wenig ausführlich fandest. Ich muss versuchen, es durch detaillierte Schilderungen, die ich gleich zu komponieren anfange, bei unserem Wiedersehen wiedergutzumachen. […] Ich muss leider sagen, dass mein neu eingefärbtes Kleid ganz ausgewaschen ist, obwohl ich alle um besondere Vorsicht damit gebeten hatte. Ich hoffe, Deinem geht es nicht besser. […] Mr. und Mrs. Cage und Mr. und Mrs. Bridges haben gestern bei uns gespeist. Fanny Cage hat sich offenbar sehr gefreut, mich zu sehen, und hat sich in der

Ich bin mit herzlichen Grüßen

Deine Jane

An Cassandra Austen, 5. September 1796

Rowling, Montag, 5. Sept.

Meine liebe Cassandra,

Ich kann Deinen Bericht über den Ball gar nicht abwarten und hoffe, eine so lange und ausführliche Schilderung aller Einzelheiten zu erhalten, dass ich ihrer schließlich überdrüssig bin. Lass mich wissen, wie es Michael Terry gelingt, neben euch vierzehn plus Mr. und Mrs. Wright noch weitere in seiner Kutsche unterzubringen, und wie viele der Herren, Musiker und Kellner er überredet hat, im Jagdkostüm zu erscheinen. Ich hoffe, John Lovett wird durch seinen Unfall nicht vom Besuch des Balls abgehalten, da Du sonst gezwungen bist, den ganzen Abend mit Mr. Tincton zu

Rowling, Donnerstag, 15. Sept.

Meine liebe Cassandra,

Wir haben uns sehr gut amüsiert, seit ich zuletzt geschrieben habe: Dinner bei den Milles’ in Nackington, Rückkehr bei Mondschein und alles sehr stilvoll, ganz zu schweigen von Mr. Claringboulds Begräbniszug, den wir am Sonntag vorbeiziehen sahen. Ich glaube, ich habe in einem früheren Brief erwähnt, dass Edward überlegt hat, ob er nicht den Namen Claringbould annehmen soll, aber der Plan hat sich zerschlagen, obwohl er durchaus Sinn und Reiz hätte, wenn ihm nur jemand genug Geld zu seiner Verwirklichung gäbe. Wir hatten erwartet, dass Mr. Milles am Dienstag einspringen würde, aber zu unserer großen Überraschung wurde das Thema nicht erwähnt, und wenn es nicht in Deiner Macht steht, Deinen Bruder mit fünf- oder sechshundert Pfund zu unterstützen, muss er den Gedanken ganz aufgeben. In Nackington sahen wir Lady Sondes’ Bild über dem Kamin im Esszimmer und die Bilder ihrer drei Kinder im Vorzimmer – neben Mr. Scott, Miss Fletcher, Mr. Toke, Mr. J. Toke und dem Erzdiakon Lynch. Miss Fletcher und ich waren dicke Freunde, aber ich bin die dünnere von uns beiden. Sie trug ihr violettes Musselinkleid, das ganz hübsch ist, obwohl es nicht zu ihrem Teint passt. Sie hat zwei Charakterzüge, die sympathisch sind: sie bewundert Camilla und trinkt ihren Tee ohne Sahne. Falls Du Lucy Lefroy sehen solltest, kannst Du ihr sagen, dass ich auf ihre Bitte hin Miss Fletcher für ihre Schreibfaulheit ausgeschimpft habe, aber ohne ihr ein angemessenes Gefühl der Scham einzuflößen, und dass Miss Fletcher zu ihrer Verteidigung sagt, weil alle abgereist sind, die Lucy in Canterbury gekannt hat, habe sie

An Cassandra Austen, 18. September 1796

Rowling, Sonntag, 18. Sept.

Meine liebe Cassandra,

Ich habe den heutigen Vormittag in Ungewissheit und Unentschlossenheit, im Pläneschmieden und Beseitigen von Schwierigkeiten zugebracht, denn er kündete ein unerwartetes Ereignis an, ohne dass ich darauf eingestellt war, dass es eine Woche früher eintrifft als geplant. Frank hat gerade seine Versetzung auf die Kapitän John Gore unter dem Kommando der Triton erhalten und muss deshalb Mittwoch in

Mein Vater wird, hoffe ich, so gut sein, seine verlorene Tochter von London abzuholen, es sei denn, er will, dass ich mich als Schwester in einem Krankenhaus verpflichte, als Juristin in den »Tempel«-Bezirk gehe oder als Soldatin vor St. James berittene Wache stehe. […]

Was für schrecklich heißes Wetter wir haben! Man sieht dabei ständig unelegant aus. […] Ich hatte mich eigentlich entschlossen, morgen mit Frank zu fahren und es darauf ankommen zu lassen, aber man hat mir von diesem unüberlegten Schritt abgeraten, und bei genauerem Nachdenken stimme ich eigentlich zu, denn wenn die Pearsons nicht zu Hause wären, würde ich unweigerlich den Künsten eines fetten Weibsbilds zum Opfer fallen, die mich mit Dünnbier betrunken macht. Mary ist mit einem Jungen niedergekommen; beiden geht es sehr gut. Ich überlasse es Dir zu raten, welche Mary ich meine. Adeiu, alles Gute Deinen liebenswürdigen Mitbewohnern. […]

Wie schlecht ich geschrieben habe. Ich fange an, mich zu hassen.

Immer Deine J. Austen

 

An Cassandra Austen, 24. Oktober 1798

»Bull and George«,

Dartford, Mittwoch, 24. Oktober

Meine liebe Cassandra,

[…] Ich hätte meinen Brief kurz nach unserer Ankunft beginnen sollen, aber ein kleines Abenteuer hielt mich davon ab. Als wir eine Viertelstunde hier waren, stellte sich heraus, dass mein Schreibpult und meine Kleidertruhe aus Versehen in eine Kutsche gerieten, die gerade beladen wurde, als wir ankamen, und nun auf ihrem Weg in die Karibik über Gravesand unterwegs waren. Kein Gegenstand aus meinem Besitz hatte je solchen Wert für mich, denn in dem Schreibpult war mein ganzer irdischer Reichtum, 7 £ und Edwards Jagdlizenz für meinen lieben Harry Digweed. Mr. Nottley schickte unverzüglich einen Reiter hinter der Kutsche her, und innerhalb einer halben Stunde hatte ich das Vergnügen, so reich zu sein wie vorher; sie waren erst zwei oder drei Meilen weit gekommen. Mein Reisetag war in jeder Hinsicht erfreulicher als erwartet. Die Kutsche war nicht zu eng, und ich war keineswegs unglücklich. Dass Du um unsretwillen das Wetter beobachtet hast, war sehr aufmerksam und sehr erfolgreich. Wir hatten nur einen

Herzlich Deine J. A.

An Cassandra Austen, 27./28. Oktober 1798

Steventon, Samstag, 27. Okt.

Meine liebe Cassandra,

[…] Wir sind gestern hier zwischen vier und fünf angekommen, aber ich kann Dir keinen so triumphalen Bericht von unserem letzten Reisetag geben wie vom ersten und zweiten. Bald nachdem ich meinen Brief aus Staines beendet hatte, begann meine Mutter unter der Anstrengung und Erschöpfung einer so weiten Reise zu leiden, und der Durchfall, der normalerweise ihrer Krankheit vorausgeht, machte ihr zu schaffen. Sie hatte in Staines keine sehr gute Nacht und litt unter Halsschmerzen, als wir gestern Vormittag weiterfuhren, was mehr Ärger mit der Galle anzukündigen schien. Sie ertrug die Reise allerdings viel besser, als ich erwartet hatte, und in Basingstoke, wo wir mehr als eine halbe Stunde anhielten, erholte sie sich bei einer Schüssel Suppe und dem Anblick von Mr. Lyford, der ihr empfahl, vor dem Zu-Bett-Gehen zur Beruhigung zwölf Tropfen Laudanum zu nehmen – was sie denn auch tat. Es ist keineswegs verwunderlich, dass die Reise ihr zugesetzt hat. Ich hoffe, in ein paar Tagen ist sie wieder ganz gesund. James besuchte uns, als wir gerade Tee trinken wollten, und meiner Mutter ging es so

Immer Deine J. A.

Samstag, 17. November

Meine liebe Cassandra,

Wenn Du den Schluss meines vorigen Briefes sorgfältig gelesen hast, dann weißt Du, bevor Du diesen erhältst, dass meine Mutter keinen Rückfall hatte und Miss Debary zu Mary Austen kommt. Erstere erholt sich weiter; und obwohl sie nicht besonders schnell wieder zu Kräften kommt, sind meine Erwartungen so bescheiden, dass sie ihrer Besserung nicht vorauseilen. Sie konnte gestern fast acht Stunden lang im Sessel sitzen und heute hoffentlich auch. So viel über meine Patientin, und nun zu mir. Mrs. Lefroy kam tatsächlich am letzten Mittwoch, und auch die Harwoods kamen, machten ihren Besuch aber rücksichtsvollerweise vor Mrs. Lefroys Ankunft, mit der ich trotz der Unterbrechungen durch meinen Vater und James lange genug allein war, um alles Interessante zu hören, wofür Du sie zweifellos loben wirst, wenn ich Dir erzähle, dass sie ihren Neffen gar nicht erwähnt hat und ihren Freund kaum. Mir gegenüber hat sie den Namen des Ersteren nicht ein einziges Mal erwähnt, und ich war zu stolz, mich nach ihm zu erkundigen; aber als mein Vater sie später fragte, wo er sei, erfuhr ich, dass er auf dem Weg nach Irland, wo er nun Rechtsanwalt wird und den Beruf auch ausüben will, zurück nach London gefahren ist. Sie zeigte mir einen Brief, den sie vor ein paar Wochen von ihrem Freund bekommen hat […] und gegen dessen Ende sich ein Satz mit folgendem Inhalt befindet: »Ich höre mit Bedauern von Mrs. Austens Krankheit. Es wäre eine große Freude für mich, Gelegenheit zu haben, mit dieser Familie näher bekannt zu werden, in der Hoffnung, in engere Verbindung mit ihr zu treten. Aber

Deine J. A.

Steventon, Sonntag, 25. November

Meine liebe Schwester,