Seelenwanderer

Fluch der Luna Llorona

 

 

von

 

Alice L. Moon

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inhalt

Prolog

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Prolog

 

Die Welt veränderte sich. Geschichte wiederholte sich. Das Leben das ich einst kannte, die Menschen die ich liebte, existierten nicht mehr. In dieser verdorbenen, kalten Welt. Die Menschen kämpften gegen Frieden und Freiheit. Aus reinem Hass und Egoismus. Mit lügen schürten sie die Angst derjenigen, die Unschuldig und hilflos waren und zogen sie in ihren Bann. Es waren Szenerien wie im Mittelalter und es dauerte nicht lange, bis das große Feuer die ganze Erde umhüllte. Es begann mit den Meeren, den Wäldern und den Polkapseln und endete mit einem Krieg zwischen den Menschen. Das war es, was die Menschen sehen wollten. Sie wollten die Hölle auf Erden. Ich gehörte zu den wenigen mit klarem Verstand, die der Weltsicht weit voraus waren. Wir waren die Gejagten, alleine, in dieser grausamen Welt. Ich flüchtete zum Meer. War endgültig bereit, diese Welt zu verlassen. Den wir alle wussten, dass es keine Hoffnung mehr geben würde. Ich hatte keine Angst, nachdem ich von einer Explosion in die kühlen Fluten gerissen wurde und alles um mich herum ins nichts verschwand.

Nachdem ich das Bewusstsein wiedererlangte, lag in einem kahlen Raum und starrte die ganze Zeit auf eine hängende Glühbirne, die über mir hing und sich gleichmäßig hin und her bewegte. Aus dem Augenwinkel, erkannte ich eine blaue Trennwand. Jeder einzelne Atemzug brannte wie Feuer, und niemand war da um mir zu helfen. Der Raum war kalt und trostlos. Es gab nur mich auf einem Bett und eine Maschine neben mir, die ununterbrochen piepste. Überall an mir hingen Schläuche und Kabel. Das Atmen fiel mir schwer und schmerzte. Als ich da lag, wünschte ich mir, ich könnte für immer damit aufhören und endlich die Augen schließen. Ich hätte alles dafür getan, damit der unerträgliche Schmerz aufhört. Doch war ich nicht in der Lage, mich zu bewegen. Alles um mich herum begann sich zu drehen. Mein Körper fühlte sich an, als würde er von irgendetwas runtergezogen werden, meine Sicht verschwand. Plötzlich fühlte ich mich sehr warm, Hitze und Panik stiegen in mir auf. Ich spürte mein Herz bis zu meinem Hals schlagen. Ich versuchte, auf mich aufmerksam zu machen, doch es gelang mir nicht.

„Warum ist diese Patientin noch hier?“, hörte ich eine hektische Stimme neben mir sagen. „Sie hätte schon längst von Bord geholt werden müssen.“, sagte sie streng.

„Holen Sie einen Arzt!“, schrie eine weitere Stimme, noch nervöser. „Jetzt!“

Die Stimmen wurden von Sekunde zu Sekunde schwächer, und vor meinen Augen sah ich nur noch dunkle Punkte. Die Geräusche um mich herum wurden dumpf, als würde mir jemand die Ohren zu halten.

Und dann vernahm ich ein rauschendes Geräusch, ähnlich dass eines Wasserfalls und der Raum verschwamm mit jeder Sekunde. Endlich konnte ich meine Augen schließen und war dankbar dafür, Frieden finden zu können.

Die Erleichterung darüber, gehen zu können, war jedoch nur von kurzer Dauer.

Meine Lunge schmerzte immer noch und erinnerte mich daran, dass das Leben für mich keine Option mehr war. Die Wärme in meinen Lungen verwandelte sich in stechende Hitze.

Mein Hals kratzte, als hätte mir jemand etwas herausgezogen, und ich bekam einen schrecklichen Hustenanfall. Eine Träne rannte meine Wange hinunter, als mit klar wurde, dass mein Leben jetzt zu Ende geht.

Es war ein Moment, von dem wir alle wissen, dass er eines Tages kommen wird. Niemand kann uns darauf vorbereiten. Entweder wir sind bereit und treten diesem Moment mit einem Lächeln entgegen oder wir sind es nicht und erinnern uns an all jene, denen wir Leid zufügten, an Dinge, die unausgesprochen sind. Wir sollten unser Leben so leben, dass wir niemals etwas bereuen werden und wen der Tag kommt, mit einem Lächeln auf unser Leben zurückblicken können.

 

Mein Name ist Skadi und genau hier beginnt meine Geschichte.

Kapitel 1

„Gut so, braves Mädchen, huste weiter, alles muss raus!“, erklang eine Männerstimme neben ihr.

Skadi zitterte und versuchte, mit letzter Kraft zu husten. Sie drehte sich mit ihrem Oberkörper zur Seite und eine warme Flüssigkeit floss aus ihrem Mund.

Jemand wischte ihr Gesicht mit einem feuchten Lappen ab. „Keine Angst, jetzt wird alles wieder gut!“

„Wo ...“, brachte sie keuchend heraus. „Wo bin ich?“

„Jetzt ist alles wieder in Ordnung, mein Mädchen. Wir konnten Sie wieder unter die Lebenden bringen! Wir haben Sie auf dem Meer treiben sehen, aber jetzt sind Sie in Sicherheit, auf der MS Salamander!“, antwortete die Stimme ruhig.

Ihre Augen weiteten sich ungläubig wegen dem, was sie hörte.

„Lebt sie noch?“, fragte eine Stimme mit norddeutschem Akzent neben ihr.

„Sie hat wohl etwas zu viel Wasser geschluckt“, antwortete ein Mann, der einen dunkelblauen Frack trug. „Aber sie atmet.“

Das Geräusch von Wellen erklang im Einklang mit dem schreien von Möwen in ihren Ohren. Sie legte eine Hand auf ihre Stirn, die andere ließ sie zur Seite fallen. Ihre Hand berührte die glatte berührte die glatte Oberfläche des Decks und die Strukturen des Holzes, das aneinander befestigt war. Die Sonne strahlte auf sie herab und eine leichte Meeresbrise durchströmte ihren Körper.

„Was …“, brachte Skadi heraus, „Was ist los-?“

„Geht mir aus dem Weg!“, eine befehlende junge Stimme durchschnitt das Murmeln. „Kühn!“

Skadi öffnete ihre Augen und suchte nach der befehlenden Stimme, die aus der Ferne auf sie zuzukommen schien. Da erst bemerkte sie, dass sie nicht mehr an Kabeln und Schläuchen befestigt war.

Aber jetzt war sie auf einem Deck inmitten von Menschen, die von einer Kostümparty zu kommen schienen. All dies machte für sie keinen Sinn. Über ihr prangte ein strahlendblauer Himmel und die Sonne schien ihr direkt ins Gesicht.

„Meine Dame?“, ein junger Mann, etwa Ende zwanzig beugte sich zu ihr hinab. „Meine Dame, können sie aufstehen?“, erklang die fordernde Stimme des Mannes.

Skadi versuchte, sich auf eine Frau zu konzentrieren, die hysterisch mit ihren Händen herumfuchtelte.

„Ihr müsst ihr Helfen. Sofort!“, schrie sie den Mann im dunkelblauen Frack an.

Die Hände des Mannes schoben sich unter Skadis Arme und hoben sie vorsichtig hoch. Eine schwere Decke wurde um sie herumgelegt.

„Meine Dame“, sagte die Frau erschrocken und ging auf sie zu, indessen die Männer stillschweigend um sie herumstanden und sie beobachteten. „Was ist mit ihnen geschehen?“,

Skadi sah die Frau niedergeschlagen an. Wie würde sie ihr erklären können, was passiert ist, wenn sie es doch selber nicht wusste?

Sie starrte auf den Boden und wollte ihre Schuhe betrachten. Sie waren nicht mehr da. Skadi betrachtete ihre nackten Füße. Ihre ohnehin schon immer sehr helle Haut, war nun beinahe schneeweiß. Vorsichtig schaute sie an sich hoch. Sie trug ein schwarzes Kleid, das wie ein Kapuzenpullover aussah und triefend nass an ihr herunterhing.

Was ist das?“, fragte sie sich, ihr Magen drehte sich um, wie bei einer Fahrt mit einem Ketten Karussell.

„Meine Dame, wir müssen Sie dringend aufwärmen, Sie sind ganz kalt!“,

Die Frau an ihrer Seite schob sich unter ihren Arm und hakte sich bei ihr ein. Sie hatte lange braune wellige Haare und trug eine Dienstbekleidung, die ihre bronzene Haut betonte.

„Meine Dame!“, die Frau zog vorsichtig an ihr, und Skadi versuchte, einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Das Deck des Schiffes schaukelte leicht mit den Wellen hin und her, was das Laufen nicht vereinfachte. Das Geräusch der Wellen und Segel erklangen im Wind.

Und um sie herum war nur das blaue Meer und der strahlende Himmel.

Durch das Schwanken wäre Skadi fast wieder hingefallen, doch die Dame an ihrer Seite vermochte ihren Sturz aufzufangen.

Ein Mann mittleren Alters mit einem Dreispitz auf dem Kopf, stellte sich vor sie. Auch er trug einen dunkelblauen Frack mit goldfarbenen Verzierungen und ebenso goldenen Schulterklappen.

„Meine Dame, vermögen sie mir freundlicherweise zu erklären, was Sie aufs offene Meer führt?“, sagte er mit sarkastischem Tonfall. „Der Umstand, dass sie alleine auf dem Meer herumtreiben, ohne ein Schiff in der Nähe, ist doch äußerst absonderlich!“

„Offizier Lorenz!“, keifte die Frau ihn mit großer Besorgnis in ihrem Blick an. „Zweifellos haben sie viele Fragen. Doch bevor sie diese Stellen können, wird sie erstmal zu Kräften kommen müssen.“

Offizier Lorenz starrte auf Skadi herab und nickte der Dame anschließend zu.

Wie lange war sie nur weggetreten?

Sie schaute sich um und bemerkte, dass alle Augen auf sie gerichtet waren, bevor Offizier Lorenz allen Matrosen den Befehl erteilte, zurück an die Arbeit zu gehen.

„In Ordnung Theresa, sobald sie wieder zu Kräften gekommen ist, wünsche ich, mit ihr zu sprechen“, wies er Theresa an und ging zu einem Mann, dessen Kleidung seiner ähnlich war.

Theresa riss Skadi an sich, legte ihren Arm um sie und geleitete sie über das Deck, an Kanonen, den Segeln und den Matrosen und Offizieren vorbei. Sie führte Skadi den Niedergang hinunter, wo sie in eine schlichte Kabine gebracht wurde, die nichts von dem modernen Standard hatte, den sie gewohnt war.

„Hier sind wir“, flüsterte Theresa. „Das ist aktuell die einzige Kabine, die wir zur Verfügung haben. Es werden gerade neue Seemänner angeheuert.“, Sie schloss die Tür und wandte sich an Skadi, die versuchte, im Raum aufrecht stehen zu bleiben. „Hier könnt ihr euch erst einmal Ausruhen, aber ich bitte darum, gebt euch Mühe, nicht aufzufallen. Hier in der Gegend wimmelt es nur so von Piraten, die Crew könnte Sie für einen halten.“

Kapitel 2

Theresa wandte sich von Skadi ab und begann ein Gespräch mit sich selbst zu führen.

„Das sollte nicht möglich sein!“, sie lief auf einen Schrank im Raum zu und riss ihn auf.

„Verdammter Trottel! Tölpel!“, hörte man sie fluchen. Sie drehte sich zu Skadi um und sah sie mit einem drohenden Blick an. „Wer bist du?“

Skadi stolperte langsam rückwärts und stieß mit ihrem Rücken an der Wand an. Theresa folgte ihr, während sie Skadi mit erhobenem Haupt anschaute.

Ihr Blick verdüsterte sich, und Skadi duckte sich. Dabei hielt sie die Arme schützend vor sich.

„Sag‘s mir!“, Theresas Augen blitzten sie warnend an. „Ich kann hier auch andere Saiten aufziehen!“

Skadi blickte vorsichtig an ihren Armen vorbei, ohne ihre Deckung fallen zu lassen.

Theresa ballte ihre Hand zur Faust und schlug knapp neben Skadis Gesicht, gegen die Wand. Diese kniff erschrocken die Augen. Skadi war nicht gewillt sich jetzt unterkriegen zu lassen und Theresa die Stirn zu bieten.

„Fein, mach weiter! Schlag mich, trau dich nur.“, knurrte Skadi.

„Das werde ich!“, Theresa stand verwirrt da und hob ihre Fäuste. „Wer bist du?“

„Nun, ich bin Skadi Vehrmann“, antwortete diese in einem seelenruhigen Ton. „Und ich bin nicht von hier, aber dies dürfte dir ja bekannt sein.“,

„Ich wusste es sofort, dass Ihr nicht von hier seid.“, Theresa wandte den Blick ab. Skadi richtete ihre Aufmerksamkeit auf Theresa und versuchte, ihre Gedanken zu sortieren.

„Wenn du weißt, dass ich nicht von hier bin“, begann Skadi, „dann weißt du auch, was passiert ist, wie ich hierhergekommen bin.“

Theresa nickte kurz.

„Dann kannst du mir auch helfen, wieder zurückzukommen?“, fragte Skadi Hoffnungsvoll.

Theresa senkte den Kopf und schüttelte ihn. „Ich kann dir nicht helfen. Ich weiß nicht wie.“, sie sah Skadi unsicher an. „In Moment herrscht überall Chaos, seitdem die großen Stürme vorbeigezogen sind.“

„Du weißt aber, wie ich hierhergekommen bin?“, Skadi schaute Theresa fragend an. „Und von welchen großen Stürmen redest du?“

Theresa fixierte ihre Augen und atmete tief durch. „Freyr. Es mag nur ein Aberglaube sein, aber ich vermute, sie hat dich hierhergebracht.“

„Freyr? Wer ist das?“, Skadi sah sie fragend an.

„Freyr ist die Göttin des Regens und des Lebens. Ich vermute, dass sie dich zu uns geführt hat“, antwortete Theresa nachdenklich.

„Und wo kann ich sie finden?“, fragte Skadi verzweifelt. „Wenn sie mich hierhergeführt hat, kann sie mich doch auch wieder zurückbringen?“

„Gar nicht, du kannst sie nicht finden. Sie ist eine Göttin und für unsere Augen unsichtbar. Aber sie kann sich denen zeigen, die sich als würdig erweisen.“

Skadi versuchte, zu verstehen, was Theresa ihr gerade erzählt hatte. Sie erhofft sich Antworten auf ihre Fragen zu bekommen. Warum war ausgerechnet sie hier und vor allem wie gelangte sie in die neue Welt. Es gab eine Menge Fragen, jedoch bislang keine Antworten, es war einfach ein einziges Durcheinander in ihrem Kopf.

„Es tut mir so leid!“, stöhnte Theresa auf. „Du hast echt Pech gehabt.“

Skadi nickte, und hoffte ein wenig mehr, von dem zu erfahren, was Theresa wusste oder vermutete. „Was hat sie getan?“

„Ich vermute, du warst dem Tod sehr nahe. Und am Rande des Todes hat dich ihre Magie zu uns geführt“, überlegte Theresa. „Ich denke, es war aus einem bestimmten Grund, aber mehr weiß auch ich nicht.“

Skadi erstarrte mit offenem Mund, während Teile Ihrer Erinnerung wie ein Blitz zu ihr zurückkehrten.

„Sag mir nicht, du glaubst nicht an Magie?“, gluckste Theresa.

„Doch, doch, das tue ich. Also ich glaube an Magie, aber …“, pausierte Skadi kurz, um einen klaren Kopf zu bekommen. „Es ist nur so komisch. Ich kann nicht glauben, dass es wirklich so passiert, wie es passiert gerade.“, sie schüttelte den Kopf. „Also geschah das, weil ich ...“, Ihre Lippen zitterten und ihre Augen füllten sich mit Tränen.

„Weil du gestorben bist, ja.“, nickte Theresa. „Aber sieh es als ein Zeichen! Als Möglichkeit, ein neues Abenteuer zu erleben“, schlug Theresa mit einem Lächeln vor.

„Hurray!“, Skadi verdrehte die Augen.

„Was meinst du? Egal, ich werde dir, soweit ich kann, helfen, aber du musst mit mir zusammenarbeiten!“, sagte Theresa überzeugt.

„Okey?“, Skadi runzelte die Stirn.

Theresa seufzte schwer.

„Ich möchte doch erwähnen, dass du großes Glück gehabt hast, dass wir dich gefunden haben. Es geistert das Gerücht umher, ein Geisterschiff mitsamt Besatzung würde die Meere unsicher machen.“

„Geisterschiff.“, wiederholte Skadi innerlich.

„Die Luna llorona. Sie werden auch mit den großen Stürmen in Verbindung gebracht, aber die Geschichte wäre zu lang, um sie dir jetzt zu erzählen.“

Skadi kannte viele Geistergeschichten und ebenso viele Geschichten von Geisterschiffen. Angefangen von dem Fliegenden Holländer, der zu einer Legende wurde, oder der SS Valencia. Aber von der Luna llorona hatte sie nie etwas gehört.

„Also, woher wusstest du, dass ich nicht von hier bin?“, fragte Skadi

„Hm?“, Theresa sah sie verdutzt an. „Hast du dich schon einmal angesehen? Deine Kleidung und deine Haare sind so anders als die Kleidung und Frisuren, die ich in meiner ganzen Zeit auf Reisen in den verschiedensten Ländern gesehen habe.“, sie wanderte durch die Kabine. „Die anderen denken vielleicht, dass du aus einem weit entfernten Land kommen magst, aber ich sehe, dass du nicht aus unserer Zeit bist.“, Theresa blieb stehen. „Wie du merkst, bin ich meiner Zeit weit voraus. Das liegt in meinem Blut. Meine Mutter war auch so, hat sich mit den Sternen und der heilenden Kraft von Kräutern beschäftigt. Nur mein Vater nicht. Er ist ein ganz normaler Mann gewesen. Hat zum Schutze der Familie ihre Arbeiten als seine verkauft. Bis man sie erwischte. Sie wurden als Hexen verbrannt. Ich war noch klein, ein guter Freund von meinen Eltern hat mich aufgenommen und auf seine Reisen mitgenommen. Er sagte mir mal, dass er meinem Papa einen Eid geschworen hat und sich um mich kümmern würde, als wäre ich sein eigenes Kind.“, Theresa lächelte schwach.

Auf einmal fiel Skadi das Atmen wieder schwer, beinahe, als hätte sich ihre Lunge mit Wasser gefüllt. Torkelnd ging sie zum Bett und hielt sich mit einer Hand an dem Rahmen fest. Sie fasste sich an den Hals und wippte nervös auf ihren Zehenspitzen auf und ab. Skadi hoffte, dass dies hier nur ein Traum war. Ein Alptraum, aus dem sie gleich erwachen und dann wieder in ihrem eigenen Bett liegen würde.

Doch das war zu real und zu unangenehm, um ein Traum zu sein.

Ein Druck baute sich in Skadi auf. Sie wollte weinen und versuchte krampfhaft, dies zu verhindern. Sie atmete laut und tief durch, klammerte sich an ihrer Kleidung fest und kaute auf ihrem Ärmel herum. Eine Angewohnheit, die sie seit klein aufhatte.

Theresa setzte sich zu ihr auf die Bettkante und schaute aus dem Bullauge.

„Du hast dich verändert“, seufzte Theresa. „Zwar nur äußerlich, aber bald wirst du es auch innerlich!“, sie drehte sich um und sah Skadi an. „Eines Tages wirst du nicht mehr die sein, die du warst! Du wirst dein altes Leben hinter dir lassen!“, Theresa schüttelte den Kopf. „Aber bis dahin können wir nichts tun!“

Die Farbe schoss aus Skadis Gesicht. Ihr wurde immer bewusster, dass dies kein Traum war, sondern bittere Realität.

„Also bin ich hier gefangen ...?“

Der Gedanke, in einem anderen Jahrhundert gefangen zu sein und in einem neuen Körper festzustecken. Hunderte von Jahren, die sie von ihren Freunden und ihrer Familie trennt, von ihrem alten Leben.

„Können wir nicht doch etwas machen?“, fragte Skadi und zog einen Schmollmund. Dabei kullerte eine Träne über ihre Wange.

Ein langes Schweigen legte sich über die Kabine, während Theresa über ihre Worte nachdachte.

„Nein“, schüttelte sie ihren Kopf. „Ich kenne keine Möglichkeit, die dir helfen kann. Ich fürchte, du wirst hierbleiben müssen.“

„Also ...“, in Skadis Hirn ratterte es. „Kann ich nicht mehr …“

Theresa sah weg. „Ich fürchte nicht“, antwortete Theresa leise. „Du bist jetzt hier, solange du lebst.“

Kapitel 3

Skadi sackte auf dem Boden, ihre Beine kribbelten und fühlten sich taub an. Vorsichtig streckte sie ihre Füße nach vorne aus. Sie atmete 3 Sekunden ein und 5 Sekunden aus, um sich wieder zu beruhigen, so wie sie es in einigen Therapiesitzungen einst gelernt hatte.

„Mein Armes Mädchen“, flüsterte Theresa. Sie hockte sich neben ihr und tätschelte sanft ihre Schulter. „Du kannst hier nicht bleiben.“, Theresa hielt ihre Hand vor Skadi. „Komm“, sanft nahm sie ihre Hand und half ihr auf die Beine. „Wir müssen dir jetzt ein neues Kleid raussuchen. Das kannst du auf keinen Fall anlassen. Zu auffällig.“

Skadi schaute an sich hinunter. Sie trug ihr Lieblingskleid, es war ein langer Kapuzenpullover, dass ihr bis knapp über das Knie hing. Sie zog es so oft an, wie sie konnte, da es gemütlich war und sie warmhielt.

„Wir werden schon etwas passendes finden“, sagte Theresa, während sie den Kleiderschrank an der Wand durchstöberte.

„Was ich brauche“, murmelte Skadi, „ist mein eigenes Leben zurück.“, sie fuhr sich mit der Hand durch die Haare und versuchte, sie zu richten.

„Du wirst anständig aussehen müssen, wie eine von uns.“, sagte Theresa, während sie eine Auswahl an Kleidern für sie herauslegte.

„Hast du ein Kleid mit weniger Ausschnitt?“, fragte Skadi schüchtern.

„Ausschnitt?“, Theresa zog ihre Augenbraue hoch, schaute sie verwirrt an.

„Wo etwas weniger von dem hier gezeigt wird?“, Skadi deutete mit ihren Händen auf ihre Brüste.

„Ach so, ich schau nochmal, ob ich etwas anderes finde!“, antwortete Theresa nachdenklich.

„Es reicht wirklich, wen nur der Teil bedeckt wird, es wäre mir sehr unangenehm, wenn davon was zu sehen wäre“, grinste Skadi vor Scham.

Theresa holte ein schulterfreies Kleid heraus mit einer langen schwarzen Miederweste. „Hier, das müsste dir passen und es zeigt auch nicht zu viel.“

„Das ist perfekt, danke!“, lächelte Skadi und war froh, nicht zu viel von sich zeigen zu müssen.

„Es ist nicht perfekt, aber es reicht um dich als eine Dame aus edlem Hause vorstellen zu können!“, Theresa drückte ihr das Kleid in die Hand und stopfte die anderen Kleider wieder zurück in einen Koffer, bevor sie sich auf das Bett setzte. Nachdem Skadi das Kleid mit der Hilfe von Theresa angezogen hatte, holte sie aus einer Kommode eine Schachtel heraus. Diese war mit Puder, Cremes und Pinsel gefüllt.

„Was hast du damit vor?“, fragte Skadi verunsichert.

„Das Kleid alleine reicht nicht! Wir müssen dich auch schminken, damit sie förmlich umfallen vor Staunen!“, Theresa fing an, durch eine kleine Kiste zu stöbern, und holte eine Runde Haarbürste heraus. „So, jetzt werden wir aus dir erst einmal eine vorzeige Dame machen. Vielleicht wird sie etwas Weiblichkeit ablenken.“

Skadi verzog ihr Gesicht, da Theresa versuchte, die Knoten aus ihrem Haar zu lösen. Sie sehnte sich nach den Haarbürsten, die Knoten und Verfilzungen aus dem Haarzaubern konnte ohne zu ziehen und schmerzen. Im Anschluss fing sie damit an, ihre Haare nach hinten zu flechten und in eine Anzahl von Locken zu wickeln.

„Gleich gibt es Abendessen.“, gab Theresa leise von sich, derweil sie Skadi eine Kette in ihr Haar steckte. „Sie werden mit dem Kapitän und den Offizieren zu Abendessen. Sie müssen sich wie eine Dame verhalten, aus edlem Hause. Zumindest in Moment.“

„Ich habe aber keinen Hunger, können wir nicht einfach sagen, dass es mir noch nicht so gut geht.“, fragte sie flehend, mit schmerzverzerrtem Gesicht, während die Ketten ins Haar gesteckt wurden.

„Nein, können wir nicht.“, antwortete Theresa forsch. „Der Vorfall heute Vormittag hat genug Aufsehen erregt. Wir müssen sie besänftigen, heißt für dich, verhalte dich wie eine Dame.“, sie zog feste an den Haaren.

„Eine Dame?“, lachte Skadi. „Das ist genau das, worin ich am schlechtesten bin! Ich kann mich nicht wie eine Dame verhalten.“

„Aber du musst es versuchen!“, flüsterte Theresa besorgt. „Wir wollen von dem Vorfall heute ablenken. Sollten sie Verdacht schöpfen, dich für einen Piraten oder gar eine Hexe halten, droht dir der Galgen oder gar der Scheiterhaufen.“

„Das beruhigt mich jetzt überhaupt nicht aber Okey! Außerdem weiß ich doch gar nicht, wie sich eine Dame verhält - ich weiß nichts über die Etiketten oder Manieren oder überhaupt irgendetwas über diese Zeit!“, sie drehte sich zu ihr um, nachdem sie die letzte Kette befestigt hatte.

Theresas Augen zeigten einen Hauch von Besorgnis, aber sie versuchte, es zu verstecken. Sie zeigte ihr ein kleines Lächeln, um sie zu beruhigen. „Ich bin mir sicher, du wirst das schaffen.“, sagte Theresa leichthin, bevor sie sich umdrehte und zur Tür ging. „Morgen werden wir in San Juan anlegen. Du musst nur heute so tun als wärst du eine von uns. Morgen werde ich dich einfach verschwinden lassen. Dann kannst du wieder du selber sein.“

Die Verwandlung dauerte etwas über eine Stunde, doch hatte es Theresa geschafft, Skadi in eine vorzeigbare Dame zu verwandeln. „Fertig“, mit den Armen in den Hüften gestemmt, trat Theresa zur Seite, damit Skadi die Möglichkeit hatte, sich im Spiegel zu betrachten. „Ich weiß, Ich weiß. Es ist nicht deins, aber da musst du jetzt leider durch!“, lächelte sie stolz auf ihre Arbeit.

„Hast du auch zufällig etwas, damit ich gut rieche? Irgendwie habe ich das Gefühl, nach abgestandenem Wasser, Fisch und Desinfektionsmittel zu riechen.“, jammerte Skadi.

„Das habe ich fast vergessen, danke dass du mich daran erinnerst“, sagte Theresa fröhlich. Sie stolzierte auf das Bett zu und zog eine Schachtel heraus. „Hmm.“, sie durchforstete die Kiste und holte eine kleine Flasche hervor. „Das ist es. Ein Duft nach süßen Rosen und Orangenblüten. Einer Dame wie dir ebenbürtig“, Theresa hielt sie Skadi die Flasche vor die Nase. „Du musst stark bleiben. Warte nur noch bis zum Sonnenaufgang.“, sagte sie mit einer gewissen Hoffnung in der Stimme. „Und dann kannst du gehen, endlich frei sein, so wie du es immer wolltest.“

Verdutzt über diese Aussage, schaute Skadi auf das Meer, endlich konnte sie frei sein, aber etwas in ihr gab ihr das Gefühl, dass es nicht angemessen sei. Dass sie es nicht verdient hat.

„Jetzt Kopf hoch und Rücken gerade halten!“, tadelte Theresa wie eine Mutter. „Sie werden sich über dich lustig machen, wenn du wie ein Esel anstolziert kommst!“,

Skadi beschloss die Nacht durchzuhalten. Im Grunde kam sie nicht drumherum, bis zum Sonnenaufgang zu warten. Aus der Vergangenheit erinnerte sie sich daran, wie widerstandsfähig sie war, wen sie etwas anstrebte. Der Preis für das Abendessen hielt sich in Grenzen, darum sorgte sie sich nicht. Es war vielmehr die Unwissenheit über das, was nach dem Sonnenaufgang kommen würde. Sie hatte keine Ahnung, wohin sie verschwinden solle, oder wie sie sich ein Leben aufbauen könne, alleine, ohne Hilfe. Ihr kam der Einfall, dass der Tod eine Möglichkeit wäre. Im Grunde hatte er sie hierhergebracht, zugegebenermaßen war es Freyr, aber dennoch hielt sie die Option fest.

Der Gedanke verflog so schnell, wie er kam, den Skadi wusste, dass sie sich niemals etwas selber antun konnte, sie hatte zu große war ihre Furcht. Dann überlegte sie, wie sich die Damen zu jener Zeit verhalten haben, edle Damen aus gutem Hause. Sie versuchte sich zu erinnern, wie die Damen in den historischen Filmen sich verhalten haben, die sie regelmäßig schaute und was die Historiker sagten, wen sie über das 17.Jahrhundert sprachen.

„Hier“, beendete Theresa ihre Gedanken. „Du bist wunderschön.“

„Nein!“, antwortete Skadi schnell.

Theresa legte ihren Kopf zur Seite.

„Ich bin nicht hübsch“, sagte Skadi. „Nicht einmal Makeup kann aus mir einen Hübschen Menschen machen.“

„Wie meinst du das?“, fragte Theresa verwirrt. „Du bist anmutig wie eine Elfe und kräftig wie eine Kriegerin, das ist etwas Besonderes. Sei stolz auf das, was du bist.“

Skadi dachte über die Worte nach, vermutlich hatte sie mit ihrer Aussage recht, sie sah in sich stets das Monster, das die anderen immer in ihr gesehen haben. Sie passte sich nie der gesellschaftlichen Norm an. Stets wünschte sie sich, so zu sein wie sie war. Doch bedeutete dies Ausgrenzung von der Gesellschaft und sogar der eigenen Familie. „Ich bin - ich bin einfach nicht bereit zu sehen, was ich jetzt bin.“, murmelte sie, begann jedoch schnell das Thema zu wechseln. „Kannst du mir mehr darüber erzählen? Über das Geisterschiff?“

„Vor Jahrhunderten verschwand ein Schiff spurlos. Die Luna llorona. Sie gehörte einst zur spanischen Armada. Sie verschwand auf dem Weg von Grönland nach San Juan. Viele Jahre später entdeckte ein Schiff der Royal Navy die Luna llorona. Sie durchsuchten das Schiff und entdeckten die gesamte Mannschaft erfroren im Inneren. Alle tot!“, Theresas Stimme wurde ernst, als sie anfing, die Schminke und die anderen Gegenstände ordentlich wegzuräumen. „Der Anblick muss grausam gewesen sein. Die Mannschaft der Royal Navy ging wieder auf ihr Boot zurück und das Schiff verschwand wieder für viele Jahre.“, Theresa erzählte die Geschichte, als wäre sie selber dabei gewesen.

„Und was ist jetzt mit dem Schiff passiert?“, fragte Skadi.

„Das Ganze ist so“, schnaubte Theresa, „Das Schiff wird immer wieder gesichtet. Dabei wird es von eisiger Kälte und unheimlichen Schneestürmen begleitet. Es greift andere Schiffe an und tötet ihre Besatzung. Ab und an ziehen sie einige Besatzungsmitglieder auf ihr Schiff, die dort gefangen gehalten werden oder ebenso dienen müssen. Niemand weiß es so genau.“

„Ich möchte es gerne wissen!“, sagte Skadi feste.

Sie starrte sie an.

„Sie sind verflucht. Und suchen nun nach jemanden oder etwas, der ihren Fluch bricht“, lächelte Theresa. „Wir leben im 17. Jahrhundert. Das ist unsere Welt.“, Theresa holte ein kleines Stück Papier heraus und hielt es Skadi hin. Die Schrift war krakelig, fast gar nicht lesbar, als würde irgendwer versuchen, zu verhindern, dass jemand diesen Zettel liest. Skadi las es langsam durch und war kaum in der Lage, den Text zu entschlüsseln, doch gelang es ihr mit erhöhter Konzentration, die Zeilen zu entziffern. „Was soll ich damit?“, fragte sie vorsichtig.

Theresa schnaubte und schaute Skadi feste in die Augen. „Das ist ein Schutzzauber. Und nicht irgendeiner.“, fing sie an. „Er verleiht deinem Schutzpatron die macht, dich zu schützen, wen du in Not gerätst. Du musst nur die Worte aufsagen.“

„Ok“, sie sah weg, „Mein Schutzpatron.“, Skadis Worte hatten einen skeptischen Unterton. „Wo ist der Haken?“, sie blickten sich an, Skadi hob eine Augenbraue.

„Jeder Zauber erfordert ein Opfer.“, Theresa wurde wieder ernst. „Du musst ihm dein Blut geben.“

„Oder?“, Skadi begann, ihre Gedanken zu ordnen.

„Es wird nicht funktionieren. Der Zauber kann sich dann nicht mehr entfalten und seine volle Kraft bündeln, die er benötigt.“, zuckte sie mit den Schultern.

Skadi sah auf den Zettel hinunter. Was wäre, wen sie den Zauber vorher schon gekannt hätte? Sie dachte an den Raum, den sie sah, bevor alles verschwommen war. Die Stimmen die versuchten ihr zu helfen. Was wäre, wen man sie hätte retten können, gäbe es die Möglichkeit wieder zuhause zu sein? Würde sie bald wie gehabt zurück sein, wenngleich Theresa nicht so viel Hoffnung erzeugte, aber irgendeinen Strohhalm brauchte sie, an dem sie sich festhalten konnte. Ungeachtet dessen war sie für das Erste in dieser Zeit gefangen. Im 17. Jahrhundert. Dauerhaft. Bis sie eine Möglichkeit gefunden hat, zu gehen. Und sie würde ihre Existenz mit all den Annehmlichkeiten, der Hygiene, dem Komfort und den Freiheiten, die das 21. Jahrhundert zu bieten hatte, alleine durchstehen müssen.

„Möglicherweise“, sagte Theresa langsam und schaute hinaus. „Vielleicht fällt mir doch noch etwas ein, wie wir dich wieder zurückbringen. Es gibt einen Zauber, eine Opfergabe, irgendetwas um Freyr zu besänftigen.“

„Wirklich? Und wie sieht dein Plan aus?“, Skadi sah sie fragend an.

„Lass mich kurz überlegen“, sie lief in der Kabine auf und ab. Sie starrte auf die Wand der Kabine, bevor sie sich schüttelte und einen helleren Ton annahm. „Liebe. Wieso bin ich da nicht schon eher draufgekommen.“, sie fasste mit ihrer Hand den Kopf. „Die wahre Liebe“, fuhr sie fort. „Es ist so simple wie auch schwer.“, Theresa warf Skadi einen Blick zu, lächelte glücklich. „Der Kuss der wahren Liebe.“,

„Was?“, lachte Skadi, dachte, man wolle sie veräppeln. „Weißt du was? Sowas gibt es nicht, das sind nur Märchen. Kein Zauber kann durch den Kuss der wahren liebe umgekehrt werden“, Skadi drehte sich um und handelte so wie immer, wen ihre Gefühle sie zu übermannen drohten. Sie versuchte, die Tür zu öffnen, um zu gehen, doch diese ließ sich nicht öffnen. Wut machte sich in ihr breit und sie zog und rüttelte an der Tür. „Die Tür geht nicht auf!“, grummelte sie.

„Sie klemmt manchmal, aber was hast du eigentlich vor?“, fragte Theresa verdutzt.

„Ich muss hier raus, ich brauche Platz!“, schrie Skadi. „Ich bin hier gefangen und fühle mich eingeengt, ich kann das nicht!“

„Beruhig dich, es wird alles wieder gut!“, Theresa schlang ihre Arme um sie und tätschelte sie. „Atme tief durch.“

Ein klopfen an der Tür riss sie aus diesem ruhigen Moment. „Theresa!“, Offizier Lorenz Stimme schnitt durch die Tür.

„Es ist Lorenz!“, flüsterte Theresa.

„Sag ihm ich bin Krank oder so, bitte!“, bettelte Skadi

Kapitel 4

Die Türverriegelung klapperte.

„Theresa, öffnen Sie diese Tür sofort!“, schrie Lorenz hinter der Tür.

Skadi schüttelte den Kopf, fasste Theresa an ihr Handgelenk und schaute sie verzweifelt an. Ihr Griff verstärkte sich, doch wurde sie zur Seite geschoben.

„Einen Moment bitte, Lorenz!“, rief Theresa zurück. Trotz der lauten Proteste Skadis gelang Theresa, sich aus dem Griff zu befreien und die Tür mit einem kräftigen Ruck zu öffnen. Offizier Lorenz trat selbstgefällig hinein. „Bitte entschuldigen sie mich, Theresa, aber es kann nicht länger warten!“, schnell stellte sich Skadi hinter Theresa, um den Augen von Offizier Lorenz zu entkommen. Dieser bewegte sich in die Mitte der Kabine und schaute sich um, bis sein Blick auf Skadi liegen blieb. Er genierte sich, als seine Augen auf ihren Körper und ihrer Kleidung fiel. Sie hatte den Verdacht, dass das Kleid für das 17. Jahrhundert nicht passend sein könnte. Ihr Gesicht errötete leicht vor Scham.

„Heilige Santa Maria“, sagte er undeutlich.

„Ist sie nicht eine Schönheit?“, Theresa stellte sich neben ihr.

Die Selbstsicherheit in ihren Augen war unverwechselbar, als sie Skadi anschaute, und ihren Blick sofort wieder auf Offizier Lorenz richtete.

„Was - was ist das für eine Gewandung?“, Offizier Lorenz ging um Skadi herum und inspizierte sie gründlich. „Und - dein Gesicht, deine Haare -? Was ist das?“

„Na, sie ist doch ein hübscher Fang oder?“, grinste Theresa triumphierend.

Skadi wurde bewusst, dass ihr Plan aufzugehen schien. Sie starrte zwischen den beiden hin und her, sah seinen verwirrten Blick.

Offizier Lorenz setzte eine eiserne Miene auf. „Ich würde gerne mit ihnen über die Ereignisse heute sprechen.“, wendete er sich an Skadi.

„Theresa, würdest du mir bitte die Gelegenheit geben, mit ihr alleine zu sprechen?“, wandte er sich kurz an sie.

„Sicher, Offizier“, antwortete sie, „aber jetzt nicht, es gibt gleich Abendessen, dort könnt ihr euch in Ruhe unterhalten.“

Er sah sie teuflisch an, die Farbe verschwand aus ihrem Gesicht.

„Du kannst draußen warten“, sagte er kalt.

Sie senkte ihren Blick und ging wortlos aus der Kabine hinaus. Lorenz bemerkte ihren Versuch, die Tür ein Stück weit geöffnet zu lassen, sein Geduldsfaden riss. „Schließ die Tür, sofort!“, brüllte er in Richtung Tür.

Theresa blieb nichts anderes übrig, als die Tür zu verschließen und ging. Zuvor auf dem Deck hatte er ein herrscherliches Benehmen an den Tag gelegt, doch jetzt wirkte er düster und kalt. „War meine bitte wirklich so aufdringlich?“, er schaute sie von oben herab an.

„Was?“, Skadi starrte auf die Tür.

„Als ich mit dir reden wollte, meine Dame, ich habe dir die Zeit gegeben, um dich zu erholen. Es war lediglich meine Absicht, zu erfahren, wer ihr seid und von woher ihr stammt!“, er drehte sich zum Bullauge um.

„Du warst alleine auf offener See, kein Schiff weit und breit“, sagte er frustriert, „Gehörst du zu ihnen? Zu den Piraten? Was hat dich alleine auf das Meer gebracht?“

Skadi drehte ihren Kopf zu ihm, starrte ihn mit offenem Mund an, wusste nicht, was sie jetzt Antworten soll. „Piraten? Nein, nein, keine Piraten?“, stotterte sie. Ihr Herz raste und der Blick wurde schwummrig.

„Ich kann verstehen, wen du nichts sagen möchtest, aber ich verlange zumindest die Wahrheit.“, er stolzierte in der Kabine auf und ab, ohne ihr einen Blick zu schenken. „Auch verstehe ich, dass ihr euch vor den Konsequenzen fürchtet, die im Falle einer Verurteilung wegen Piraterie droht.“, er blieb stehen und sah sie an, seine Augen funkelten düster. „Andererseits denke ich, dass ihr eine Hexe sein könntet, darauf steht die höchst Strafe, wen ich euch an die Inquisition verrate. Im Grunde liegt es an euch, was passiert, wen wir Land erreichen. Eine Gefälligkeit für eine Gefälligkeit. Ihr versteht?“, er grinste ekelhaft.

Skadi drückte ihren Rücken gegen eine Wand, fürchtete sich vor dem Mann, der vor ihr stand.

„Ich bitte nur um die Wahrheit und einen kleinen Gefallen, und ich verspreche, euch wird nichts zustoßen!“, sagte er diplomatisch.

Skadi erschrak, ihr Atem wurde schwerer, die Panik in ihr wuchs. Es war unheimlich, dass er sie so begierig ansah. Man konnte förmlich den Speichel aus seinem Mund laufen sehen.

„Und heute“, fuhr er fort, „hast du noch Glück! Ich verspreche, dass ich euch nicht anprangern werde, bis wir die Ufer von San Juan erreicht haben. Solange werdet ihr unter meinem Schutz stehen, falls wir in Schwierigkeiten geraten sollten.“

„Schwierigkeiten?“, ihre Stimme war kaum hörbar. „Von welchen Schwierigkeiten redest du?“

Er sah ernst an, „die Spanier, meine Dame. Die Luna Llorona. Der Grund, warum die Handelsflotten zum Großteil eingestellt wurden. Der Grund, warum ich mich Frage, was ihr alleine auf offener See macht. Niemand wagt es zurzeit, sich vom Ufer zu entfernen, bis auf wenige Piraten. Hast du noch nie davon gehört?“

Seine Worte in ihren Ohren ergaben für sie keinen Sinn. Es war nicht das erste Mal, dass sie nichts von dem Verstand, was man ihr erzählte.

„Meine Dame, ihr müsst verwirrt sein, vergib mir“, sein Gesicht wurde weicher. „Ihr habt sicherlich einiges da draußen abbekommen.“

Skadi senkte ihren Blick und zwang sich, etwas zu sagen. „Sicherlich hast du recht“, murmelte sie. „Bitte - bitte, glauben Sie mir Offizier -“, stotterte sie.

„Wie heißt du?“, unterbrach Offizier Lorenz. „Ich habe dich noch nicht nach deinem Namen gefragt.“

„Ähm Skadi, Offizier, Skadi Vehrmann.“, sie spielte an dem Saum ihres Kleides und blickte zu Boden.

„Ein äußerst seltener Name, gefällt mir.“, lächelte Offizier Lorenz. Er seufzte, „Du wärst wahrlich eine perfekte Braut.“, sagte er, derweil er an ihr hinunterschaute.

Ihr ganzer Körper zitterte. Sie vergaß schon nahezu, was er zu Beginn andeutete. Ein Gefallen für ein Gefallen.

„Du hast eine große Menge Wasser geschluckt, es ist ein Wunder, dass du hier überhaupt stehst“.

Skadi nickte unsicher und schaute ihm direkt in seine grünen Augen. Er schüttelte den Kopf und er schien ein anderer Mensch zu werden. „Ich habe noch nie in meinem Leben jemanden wie dich getroffen. Du ertrinkst beinahe, stehst am Rande des Todes und dennoch stehst du wieder auf.“, seine Augen wurden warm und liebevoll. „Verzeih mir Skadi“, er ging langsam auf sie zu, positionierte eine Hand neben ihrem Kopf und beugte sich zu ihr hinunter. „Ich würde dich gerne als meine Frau annehmen, daher bitte ich dich, mir möglichst bald zu erzählen, was passiert ist und wer du bist.“, er wurde sanfter als je zuvor. „Fühle dich nicht unter Druck gesetzt, noch hast du Zeit.“, er nahm ihre Hand in seine. Ihr Atem stockte und sie errötete leicht. Seine Lippen drückte er sanft auf ihre Hände.

Die Tür sprang auf und beide gingen erschrocken zur Seite, als Theresa in die Kabine gestürmt kam. „Offizier Lorenz“, sagte sie mit einer Wut in ihrer Stimme. „Sie werden gerade woanders gebraucht.“

Offizier Lorenz Blick wurde düster, er schaute Skadi an. „Skadi, ich hoffe doch sehr, dich heute beim Abendessen zu treffen, dort können wir alles weitere besprechen“, sagte er mit lauter Stimme. Er lächelte kurz auf, bevor er sich umdrehte, um zu gehen. An der Tür blieb er stehen und sagte zu Theresa: „Ich werde Kühn vorbeischicken, er wird euch nicht von der Seite weichen und ebenso auf allen Wegen außerhalb der Kabine begleiten.“

Skadi versuchte, ihre Atmung in mäßigem Tempo zu halten und einige Atemübungen durchzuführen, um die bevorstehende Panikattacke zu überstehen. Nach unschönen Erfahrungen, die sie in ihrem vorherigen Leben mit Männern erlebte, hatte sie ein ungutes Gefühl ihnen gegenüber. Dennoch holte diese Situation diese Erinnerungen wieder hervor. Nachdem seine Schritte verstummt waren, zog Theresa sie an sich und umarmte sie feste. „Es tut mir so leid!“, sagte sie leise. „Wie gehts dir?“, ihre Stimme klang besorgt. „Ich hätte nicht nachgeben dürfen, dich mit ihm alleine lassen dürfen“, murmelte sie.

„Schon in Ordnung. Es ist nichts passiert, mir geht es gut“, Skadi versuchte Theresa abzuwimmeln, wollte alleine sein, um ihre Gedanken zu sammeln. Das Erlebnis für sich selber aufarbeiten, doch ließ sich Theresa nicht abwimmeln.

„Bitte, ich möchte einen Augenblick alleine sein“, gab sie aufgebracht von sich.

„Du solltest nicht alleine sein!“, sagte Theresa mitleidig. „Nicht jeder auf diesem Schiff ist dir gut gesinnt, eigentlich sind es die wenigsten.“

„Danke, das wäre mir ja jetzt gar nicht aufgefallen!“, sie verdrehte ihre Augen.

Theresas Augen wurden von Mitleid erfüllt, wie die Augen einer Mutter die sich um ihr Kind sorgte.

„Theresa?“, Skadis Stimme wurde leiser „Ich will nachhause.“, weinte sie. „Zu meinen Freunden, meiner Familie, ich will in mein Bett!“,

Theresa nahm sie feste in ihre Arme. „Ich weiß mein kleines.“

„Warum musste nur mir so etwas passieren?“, schrie Skadi, tränen liefen ihre Wangen hinunter. „Ich habe doch niemandem was getan, habe stets versucht das richtige zu tun und jetzt werde ich hiermit bestraft. Warum?“

„Shhh!“, versuchte Theresa sie zu beruhigen. „Es wird alles wieder gut“

„Nichts wird wieder gut. Ich bin gefangen in einer fremden Zeit, alleine -“, schluchzte sie.

„Manchmal passieren unerwartete Dinge, doch denke ich, dass dein Wunsch bald in Erfüllung gehen könnte!“, versuchte Theresa zu beruhigen.

Skadi befreite sich aus ihrer Umarmung und rieb sich ihre Augen. „Was meinst du damit?“

„Das hast du nicht von mir. Ein Vögelchen hat mir gezwitschert, dass wir eine Hexe an Bord haben. Aber keine gewöhnliche. Kassandra, die Hexe der Meere soll sich an Bord aufhalten. Es heißt, sie habe vor vielen Jahrhunderten die Luna Llorona verflucht. Sie könnte mächtig genug sein, um dich wieder nachhause zu bringen. Ich vermute, sie wird in einer Zelle weit unter Deck gefangen gehalten. Leider ist es mir nicht einfach so möglich dorthin zu gelangen.“, sie zögerte, runzelte die Stirn und legte ihre Hand auf den Kopf, sie dachte angestrengt nach.

„Bitte sag mir, dass du einen Plan hast.“, forderte Skadi. „Sag mir, was können wir tun?“

Theresa zögerte immer noch. „Gerade die Zellen werden sehr gut bewacht. Nur wenige können sich ohne weiteres diesen nähern, es sei denn…“

„Es sei denn was?“, Skadi schaute sie Stirnrunzelnd an.

„Man bekommt eine Sondererlaubnis. Man benötigt die Zustimmung des Kapitäns und einen triftigen Grund.“

„Worauf warten wir? Wir müssen uns nur etwas Gutes einfallen lassen“, sagte Skadi optimistisch. „Wir finden sie und schon bin ich weg.“

Theresas Gesicht war angespannt und blass. „Zuerst wirst du beim Abendessen erwartet. Das kann nicht warten und hinterher überlegen wir uns etwas!“

Skadi schüttelte den Kopf. „Solange kann ich aber nicht warten, ich möchte jetzt nach Hause.“

Theresa fühlte sich schuldig, sie solange hinzuhalten. „Ich verspreche es dir, wir werden einen Weg finden!“

„Und wie?“, Skadi schaute sie Fragend an.

„Das lass mal ganz meine Sorge sein.“, Theresa schlug ihr sanft auf die Schulter.

Sie sah ihren Blick und fuhr schnell fort. „Du hast mich nach einem Plan gefragt!“, pausierte sie, bevor sie fortfuhr. „In der Zeit, wo du beim Abendessen mit dem Kapitän und den Offizieren sitzt, lasse ich mir etwas einfallen!“

„Also, was bedeutet das für mich?“, sie wedelte mit den Händen.

„Du musst nur irgendwie das Abendessen überstehen. Wenn sie Fragen über dich stellen sollten, denke dir irgendetwas aus, sage ihnen nicht die Wahrheit.“, antwortete Theresa.

Skadi durchlief gedanklich ihre Situation, hatte sie eine andere Wahl? Sie musste darauf vertrauen, dass Theresa ihr gut gesinnt war. Alleine im 17. Jahrhundert, keine Frage, sie brauchte Hilfe und Theresa war die Einzige, die im Stande war, ihr zu helfen. „Habe ich eine andere Wahl? Ich werde dir vertrauen.“, sie schob sich an ihr vorbei und setzte sich auf das Bett. Ein Tränenschauer lief über ihr Gesicht, nachdem kälte durch ihren Körper strömte.

Theresa hob ihre Augenbrauen an. „Lass mich einen kleinen Zauber sprechen!“

Skadi sah verdutzt zu ihr hoch.

„Du sagtest, du vertraust mir.“, Ihre Augen wurden weich.

Skadi fürchtete sich, sie fürchtete sich vor Situationen, Gegenständen und Personen, die ihr unbekannt waren. „Gut“, sagte sie. „Tu es. Ich werde dir vertrauen.“

Theresa schien kurz nachzudenken und holte eine weiße Rose heraus. „Cum autem de pura rosa flores libera me ab omni metu, in corde tuo. Sit alba rosa dabo tibi fortitudinem.“, ihre Stimme war ein friedvoller Sprechgesang, während sie die Rose in die Hände Skadis legte. „Halte diese Rose die ganze Zeit nah bei dir, sie wird dir die Kraft verleihen, die du für die nächsten Tage benötigst.“

„Hab vielen Dank.“, Sie hielt die Rose in der Hand. „Aber wo tue ich sie jetzt hin?“,

Theresa griff nach einem kleinen schwarzen Stoffsäckchen, das mit silbernen Ornamenten verziert war. „Du kannst sie hier drin aufbewahren, die Tasche ist auch ein schönes Accessoire“, lächelte sie fast. „Aber jetzt wird es Zeit, dass wir zum Abendessen aufbrechen...“,

Skadi schaute zum Boden, sie fühlte sich schlecht, nach alldem, dass sie in kurzer Zeit erlebte. „Theresa?“

„Ja?“, Theresa schaute sie aus dem Augenwinkel an.

„Ich dachte nie, dass ich das einmal sagenwürde, aber Ich habe Angst.“, gab Skadi zu,

„Ich weiß meine liebe, aber glaube mir, es wird alles wieder gut. Ich verspreche es dir“, Theresa lächelte sie friedvoll an.

Kapitel 5

Theresa nahm sich ein Messer, sie hielt es für notwendig, um sich zu verteidigen, wen es die Situation bedarf. Sie hielt es für besser, Skadi das Messer zu überreichen, doch verfügte ihr Kleid nicht über die Accessoires, irgendwelche Waffen zu verstecken. Auch befand sich an dem Kleid keine Tasche. Eine Idee blieb übrig, Frauen genießen den Vorteil, Gegenstände zwischen ihren Brüsten verschwinden zu lassen.

„Du könntest das in deinem Dekolleté verschwinden lassen, ist allerdings so ziemlich unpraktisch.“, Theresa warf Skadi einen kleinen Lederbeutel mit einer Kordel zu. „Oder du kannst dies unter deinen Rock befestigen, so hast du das Messer schneller Griffbereit“, schlug sie vor.

Das Bild einer Frau tauchte abrupt in Skadis Kopf auf, jemand den sie zuvor nie gesehen hatte, starrte sie an. Kurz schwankte sie, rappelte sich jedoch gleich wieder auf und wandte sich dem kleinen Beuel zu. Sie fühlte sich unbehaglich mit dem Gedanken, ihr Kleid hochziehen zu müssen, um an das Messer zu gelangen. Deshalb band sie den Lederbeutel um ihre Taille, ohne über Konsequenzen nachzudenken.

„Das kannst du nicht machen“, protestierte Theresa. „Du bringst dich damit nur selber unnötig in Gefahr! Sie werden dich für einen Feind halten und hinrichten.“

„Dann werde ich ihnen sagen, wenn sie mich anfassen, werde ich jeden einzelnen von ihnen die Kehle aufschlitzen.“, antwortete Skadi feste.

„Aufschlitzen?“, Theresas Mund klappte auf. „Das würdest du nicht tun?“

Skadi fing an, hämisch zu lachen.

„Hahaha, das war nur ein Witz“, sagte Theresa erleichtert. „Aber es ist nicht Witzig, darüber scherzt man keineswegs. Es ist gefährlich.“

„Nein“, stoppte Skadi das Gelächter. „Ich meine es schon so, das war mein Ernst.“, sagte sie ehrlich.

Theresa Schaute geschockt und lehnte sich an den Bettpfosten und hielt ihre Hand vor dem Mund, als hätte es ihr die Sprache verschlagen. Skadi band den Beutel an ihr Mieder, das etwas zu eng gebunden war und ihr das Gefühl gab, dass er ihr die Luft abschnüren würde. Aus den Augenwinkeln konnte sie erkennen, wie Theresa scharf überlegte.

„Eine Idee?“, fragte Skadi.

„Nein“, sagte Theresa bedrückt, „ich habe keine.“

„Nun, ich denke, wenn du jetzt keinen Plan hast, wird es Zeit für das Abendessen!“

Ein Klopfen riss die beiden aus ihren Gedanken. Hinter der Tür wartete Kühn auf sie, der dem Befehl von Offizier Lorenz streng folge leistete. „Entschuldigen Sie, meine Damen“, kam seine grimmige Stimme, „Der Kapitän hat mir eine Nachricht übermittelt, dass es Zeit für das Abendessen ist. Selbstverständlich werde ich sie dorthin begleiten.“

„Komm“, flüsterte Theresa und nahm Skadis Arm. „Wir sollten den Kapitän nicht warten lassen.“

Kühn, der beauftragt wurde, sie zu begleiten, würdigte sie keines Blickes. Nachdem sie aus der Kabine herauskamen, drehte er sich um und ging schnellen Schrittes voran. Beide hatten große Mühe, mit ihm Schritt zu halten, und rannten ihm förmlich hinterher, um ihn nicht zu verlieren.